 |
BOTSCHAFT VON KARD. ANGELO SODANO
IM NAMEN DES PAPSTES ANLÄSSLICH DES
26. MEETINGS FÜR DIE FREUNDSCHAFT ZWISCHEN DEN VÖLKERN
(RIMINI, 21.-27. AUGUST 2005)
An Seine Exzellenz
Msgr. MARIANO DE NICOLÒ
Bischof von Rimini
Exzellenz!
Mit großer Freude schließt sich der Heilige Vater durch diese Botschaft in
geistiger Weise dem XXVI. Meeting in Rimini an, das unter dem Leitwort
steht: »Die Freiheit ist das höchste Gut, das der Himmel den Menschen
geschenkt hat«.
Das diesjährige Thema ist von außergewöhnlicher Bedeutung in einem
geschichtlichen und kulturellen Moment, in dem nichts so grundlegend
mißverstanden wird wie der Begriff »Freiheit «. Es ist völlig richtig: Gott legt
größten Wert auf unsere Freiheit. Er will, daß wir frei sind. Er liebt uns als
freie Menschen und nimmt dabei in Kauf, daß wir Gefahr laufen, uns von Ihm zu
entfernen, weil er uns die Möglichkeit geben möchte, Ihn ohne innere Zwänge
anzuerkennen.
Aber warum liebt Gott unsere Freiheit? Weil Er in uns das Abbild seines
menschgewordenen Sohnes sieht, der stets aus freiem Entschluß dem Plan des
Vaters gefolgt ist, der aus freiem Willen einen Leib angenommen hat und der sich
aus freiem Willen erniedrigt hat bis zum Tod am Kreuz, in jener Opfergabe, die
das Sakrament der Eucharistie Tag für Tag auf dem Altar vergegenwärtigt. Auch
wir können nur dann die Erfahrung machen, wirklich frei zu sein, wenn wir ohne
Vorbehalte dem Plan Christi folgen und dadurch an seiner Freiheit Anteil haben.
Die wahre Freiheit ist somit Frucht der persönlichen Begegnung mit Jesus. In
Ihm gibt uns Gott jene Freiheit zurück, die wir andernfalls durch die Sünde
unserer Stammeltern für immer verloren hätten. Einem jeden widerfährt also das,
was der samaritischen Frau widerfahren ist, über die der hl. Johannes in seinem
Evangelium berichtet (vgl. 4,5–43): Sie fühlte sich in ihrem Innersten erneuert
und hatte das Gefühl, wieder wirklich frei zu sein durch die Begegnung mit jenem
»Mann«, der ihr alles sagte, was sie getan hatte, und ihr so ihr wahres Gesicht
und ihre wahre Bestimmung enthüllte.
Der reiche junge Mann hingegen (vgl. Mt 19,16–22) erkannte durchaus an,
daß im Herrn die Möglichkeit zu menschlicher Erfüllung liege. Er hatte jedoch
nicht den Mut, Ihm bis zum äußersten zu folgen, weil er – so heißt es im
Evangelium – ein großes Vermögen hatte. Er nahm fälschlicherweise an, daß die
wahre Freiheit, die er so tief ersehnte, in der Abwesenheit von Bindungen,
Beziehungen und jeglicher Form von Gehorsam bestünde. Und so ging er traurig weg,
obwohl er in seinen autonomen Entscheidungen scheinbar frei war. Wir können ohne
weiteres versuchen, unsere Existenz ohne Christus aufzubauen, was jedoch zur
Folge haben wird, daß wir für immer allein und traurig sein werden.
Die Botschaft, die der Heilige Vater an alle Teilnehmer des Meetings
sendet, besteht darin, daß Jesus allein uns frei werden läßt! Man kann nicht von
Freiheit sprechen, ohne dabei an den Begriff »Befreiung« zu denken, der
zum Namen Eurer Bewegung gehört. Jesus ist unsere Befreiung! Die Befreiung von
der Sünde, von unseren falschen Sehnsüchten und letztlich von uns selbst. Ubi
fides ibi est libertas: Diese Worte, die bei den Exequien von Msgr. Giussani
gesprochen wurden, wiederholt Seine Heiligkeit an dieser Stelle, und er
bekräftigt, daß die Befreiung die schönste existentielle Wirkung ist, die der
Glaube in unserem Leben hervorrufen kann.
Mit diesen Empfindungen sendet der Heilige Vater den Teilnehmern am »Meeting«
seine besten Wünsche für eine gute Arbeit und erteilt allen seinen Segen als
Unterpfand reicher himmlischer Gaben.
Der Organisatoren der Initiative übermittle ich meinerseits meine herzlichen
Wünsche für ein gutes Gelingen und verbleibe mit Gefühlen brüderlicher
Ehrerbietung Ihr im Herrn ergebener
Angelo Kardinal Sodano
Staatssekretär
|