Heiliger Vater!
An dem Tag, an dem ich das Amt als Staatssekretär Eurer Heiligkeit übernehme,
gilt mein Gruß vor allem Ihnen, die Sie mich zum Nachfolger des verehrten
Kardinals Angelo Sodano berufen haben. An Sie, Heiliger Vater, richte ich wie
ein Sohn die Empfindungen treuester Ehrerbietung, während ich die »Fackel«
entgegennehme, die ein fähiger und fruchtbringender Dienst des ersten
Mitarbeiters des Heiligen Vaters am »Brennen« erhielt, von Generation zu
Generation, im Dienst der Kirche und der Welt. Heute bringe ich das Kreuz von
Kardinal Agostino Casaroli mit, das mir ein herausragender Würdenträger gütigst
geschenkt hat.
Ich trete ein besonderes Amt an, das anders ist als diejenigen, die mir
bisher anvertraut waren. Dabei freue ich mich jedoch, daß seine nicht zu
leugnende pastorale Natur eine Kontinuität der Sendung darstellt, die ich
bereits erfüllt habe und sich gut einfügt in die unverkennbare Besonderheit
dieses neuen Auftrags. Darüber hinaus vertraue ich darauf, daß die Erfahrungen,
die ich in der Vergangenheit – von der weisen Hand der Göttlichen Vorsehung
geleitet – gesammelt habe, in nicht geringem Umfang zur Erfüllung der Aufgabe,
die ich heute übernehme, beitragen werden. Ich bin mir der großen Verantwortung
bewußt, die diese Aufgabe mit sich bringt, ebenso wie der Ernsthaftigkeit und
Vielschichtigkeit der Angelegenheiten, die ich nun täglich erledigen muß. Mein
einziger Ehrgeiz besteht darin, das Motto meines bischöflichen Dienstes
umzusetzen: »fidem custodire, concordiam servare«; und mich bestärkt die
Überzeugung, daß ich Gelegenheit haben werde, auf besondere Weise zur Umsetzung
dieses Ideals beizutragen.
Eine große Ermutigung ist mir außerdem die Gewißheit, vor allem auf die weise
und unvergleichliche Führung des Heiligen Vaters zählen zu können und
gleichzeitig auf die Kompetenz, die Erfahrung und den Fleiß der Leiter der
Abteilungen im Staatssekretariat. Aber ich habe auch großes Vertrauen auf die
unersetzliche und oft im Verborgenen geschehende Arbeit, die alle Mitarbeiter
des Staatssekretariats und der Päpstlichen Vertretungen tagtäglich durchführen,
mit einem Geist aufrichtiger und bewundernswerter Opferbereitschaft. Die tiefe
Gemeinschaft, die uns im gemeinsamen Einsatz im Dienst der Kirche – und daher
der Würde des Menschen und des friedlichen Zusammenlebens der Völker –
verbindet, wird zu einer loyalen und treuen Zusammenarbeit führen, die für viele
von uns verstärkt wird durch den priesterlichen Geist und durch die Hirtenliebe,
die uns in unserem Wirken stets beseelen muß.
Seit den Jahren meiner vorhergehenden Tätigkeit in Rom spreche ich jeden
Morgen dieses Gebet: »Herr, denke an den Papst und an seine gegenwärtigen und
zukünftigen Mitarbeiter.« Und heute habe ich einen Brief an viele kontemplative
Klöster geschrieben, in dem ich darum bitte, mich stets durch ihre Fürbitte zu
unterstützen.
Von dieser Stunde an lege ich mit dem Vertrauen eines Sohnes diese
Zusammenarbeit und mein neues Amt in die Hände Mariens, Mutter der Kirche. Sie
wird uns helfen, alles zu tun, was der Herr uns sagen wird, durch die
Vermittlung Eurer Heiligkeit!