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ERÖFFNUNG DER AUSSTELLUNG
"HABEMUS PAPAM - PAPSTWAHLEN VON PETRUS BIS BENEDIKT XVI."
ANSPRACHE VON KARDINAL TARCISIO BERTONE
Päpstlicher Lateranpalast
Donnerstag, 7. Dezember 2006
Meine Herren Kardinäle,
Exzellenzen,
Herr Präsident der Provinz Rom,
verehrte Obrigkeiten,
meine Damen und Herren!
Meinen aufrichtigen und herzlichen Dank möchte ich vor allem jenen aussprechen,
die zur Verwirklichung der wichtigen Ausstellung beigetragen haben, die wir
heute abend eröffnen. Thema der Ausstellung ist: »Habemus Papam – Papstwahlen
von Petrus bis Benedikt XVI.« Im Namen Seiner Heiligkeit danke ich Kardinal
Francesco Marchisano, dem Ehrenvorsitzenden des für dieses Projekt zuständigen
wissenschaftlichen Komitees, das die Ausstellung ins Leben gerufen hat, dem
Präsidenten der Provinz Rom, Dr. Enrico Gasbarra, dem Präsidenten des »Centro
Europeo per il Turismo«, Dr. Giuseppe Lepore, dem Direktor der Vatikanischen
Museen, Dr. Francesco Buranelli, und den Vertretern der zahlreichen
vatikanischen und italienischen Institutionen, die zur Ausarbeitung und
Gestaltung dieser eindrucksvollen Ausstellung beigetragen haben. Ehrerbietig
grüße ich die anwesenden Kardinäle, die staatlichen und militärischen
Autoritäten sowie die Persönlichkeiten, die diesem bedeutsamen Festakt
beiwohnen. Einen besonderen Gruß richte ich an den Präsidenten des Governatorats,
Erzbischof Giovanni Lajolo, und schließlich grüße ich an alle Anwesenden.
Nach den verehrten Rednern, die vor mir gesprochen haben, ergreife ich nun das
Wort, um vor allem zu zeigen, daß diese Ausstellung in ihrer Art ein »Unikum«
ist, insbesondere aufgrund des Ortes, an dem sie stattfindet, nämlich in den
Repräsentationsräumen des Lateranpalastes, der bis zum Exil in Avignon
offizieller Sitz der römischen Päpste war und in dem nach 1377 zahlreiche
Konklaven stattgefunden haben. Wenn diese Säle sprechen könnten, würden sie uns
von vielen Begebenheiten erzählen, die die Papstwahlen begleitet haben.
Einzigartig ist die Ausstellung auch deshalb, weil sie der Aufmerksamkeit des
Besuchers eine überaus reiche Auswahl an Kunstwerken aus bekannten vatikanischen
und römischen Sammlungen bietet, die alle mit Sorgfalt ausgewählt wurden, um zu
veranschaulichen, wie im Laufe der Jahrhunderte die Wahlen der Päpste von Petrus
bis zu Benedikt XVI. stattgefunden haben. Eine derartige Initiative, die, wie
man sich sehr wohl vorstellen kann, eingehende Forschungsarbeiten erfordert hat,
möchte einerseits einen möglichst vollständigen Einblick in die historische
Entwicklung des Konklaves bieten, andererseits aber auch nicht versäumen, das
geheimnisvolle Wirken Gottes hervorzuheben, der in seiner Vorsehung den Weg der
Kirche lenkt, die auf Petrus und seine rechtmäßigen Nachfolger gegründet ist.
Durch den ausdrücklichen und erklärten Willen des Erlösers ist nämlich der Papst
jener »Felsen«, auf dem das geistliche Bauwerk der kirchlichen Gemeinschaft
gründet. »Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen« (Mt
16,18). Kephas, Felsen. Von diesen Worten Christi müssen wir
ausgehen, um die unverzichtbare Rolle des Papstes in der Kirche klar zu
umreißen. Der große Wert dieser Ausstellung, die mit dem 500. Gründungsjubiläum
der Petersbasilika und der Vatikanischen Museen zusammenfällt, besteht darin,
uns verständlich zu machen, daß es – auch in bisweilen von menschlicher Schwäche
und politischen Interessen gekennzeichneten Situationen – stets der Herr ist,
der die Wahl der Päpste lenkt. Durch die Kraft seines Geistes leitet Christus
die Kirche, indem er sie seinem Stellvertreter auf Erden, dem Papst, dem »Diener
der Diener«, anvertraut. Und niemals hat der Papst seine Sendung nicht erfüllt,
sondern er erfüllte sie auch dann, wenn Intrigen, Hinterlist und Streitigkeiten
zu überwiegen schienen. In diesem Zusammenhang sagte Papst Benedikt XVI. zu
Beginn des Jahres bei der Taufe einiger Kinder in der Sixtinischen Kapelle, wo
eben die Konklaven stattfinden, daß wir nicht wissen, was in Zukunft – in 100
Jahren oder mehr – in der Welt geschehen wird. Eines wissen wir jedoch mit
Sicherheit: daß es die Kirche geben wird, bis ans Ende der Zeiten. Als sicheres
Fundament seiner Kirche hat der Herr den Papst eingesetzt.
Trotz ihrer Schatten ist die Geschichte der Kirche also Geschichte des Glaubens,
der Liebe und des Eifers, was in den verschiedenen Abschnitten dieser
Ausstellung deutlich erkennbar ist. Wenn man beispielsweise die mit dem Tod und
der Begräbnisfeier des Papstes, mit dem Konklave, der Verkündung der erfolgten
Wahl des neuen Papstes und den Zeremonien der »Inbesitznahme« der Kathedra
zusammenhängenden Schritte verfolgt, dann wird einem bewußt, welch großen
Beitrag zahlreiche Kleriker für das kirchliche Leben leisten. Spürbar ist auch
die bewegte innere Anteilnahme des christlichen Volkes. Denken wir
beispielsweise an die Zeit des Todes Johannes Pauls II., an das Konklave und die
Wahl Benedikts XVI.: welch ein gewaltiges Zusammenströmen von Menschen im
Scheinwerferlicht der Medien aus aller Welt! Wir können uns zu Recht vorstellen,
daß Rom und die Welt mit gleicher Anteilnahme, wenn auch auf andere Weise, in
der Vergangenheit die Aufeinanderfolge der Päpste und den Ablauf der Konklaven
begleitet haben, deren im Laufe der Zeit ausgearbeiteten und verbesserten Regeln
und Formen, Zeremonielle und Gebräuche die Ausstellung uns näherbringt.
Schließlich möchte ich einen weiteren Aspekt hervorheben: Diese interessante
Initiative, für die ich noch einmal meine Anerkennung zum Ausdruck bringen und
deren Initiatoren und Veranstaltern ich nochmals meine Glückwünsche aussprechen
möchte, erläutert die Beweggründe, die durch eine Reihe von Reformen zur
heutigen Struktur des Konklaves geführt haben, und hebt die Bedeutung hervor,
die das Konklave für die Kirche und die Kontinuität ihrer Oberhirten hat. Zur
ersten Regelung kam es infolge der Streitigkeiten, die mit dem Konklave
verbunden waren, das 33 Monate andauerte und das am 1. September 1271 zur Wahl
des sel. Gregors X. führte. Von der Konstitution Ubi periculum aus dem
Jahre 1274 an bis heute trug man stets Sorge, die Wahl dessen, den Gott zur
Führung seines Volkes auserwählt, von äußeren Einflüssen abzuschirmen. Fächer (Flabelli),
Tiaren, Throne, Tragsessel (Sedia gestatoria), Zeremonien und Gebräuche, die
Kulturen und Gewohnheiten von gestern entsprechen, sind heute verschwunden.
Unverändert bleibt jedoch das, was wesentlich ist für das Amt des Nachfolgers
Petri, und in dieser Hinsicht ist das Konklave eine bedeutsame Zeit. Die Trauer
um den verstorbenen Papst verwandelt sich während des Konklaves in betende
Erwartung und dann in Freude über die Wahl des neuen Papstes, wenn der
Kardinal-Protodiakon von der Mittleren Loggia des Petersdoms aus »Urbi et
Orbi« verkündet: »Habemus Papam«. Wir erinnern uns an das letzte
Konklave, in dem Benedikt XVI. gewählt worden ist: ihm gilt meine und eure
ehrerbietige Hochachtung.
Es stirbt ein Papst, aber nicht der Papst. Gerade aus dieser Perspektive heraus
erhält das Konklave einen einzigartigen geistlichen Wert. Es ist der sichere
Beweis, daß der Heilige Geist durch die menschliche Mitarbeit der Kardinäle die
Kontinuität der päpstlichen Nachfolge gewährleistet. Und es gibt keine
menschliche Kraft oder Macht, die sie unterbrechen kann; niemand wird das
Papsttum je überwältigen können. In jedem Konklave bestätigt sich aufs neue die
Wahrheit der Verheißung Christi an Petrus: »Auf diesen Felsen werde ich meine
Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen« (Mt
16,18).
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