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BISCHOFSWEIHE VON MSGR. MARTIN KREBS
PREDIGT VON KARD.
TARCISIO BERTONE
16. November 2008
Liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst!
Lieber Monsignore Martin!
Sehr geehrte Vertreter des öffentlichen Lebens!
Liebe Brüder und Schwestern!
“Ecce Sacerdos magnus”: Wie oft ist dieser Gesang in eurem schönen, den
heiligen Kosmas und Damian geweihten Dom erklungen, der früheren Abteikirche zur
Allerheiligsten Dreifaltigkeit, die mehrmals im Laufe der Jahrhunderte neu
errichtet wurde! Heute nimmt diese heilige Stätte gleichsam die gesamte
Gemeinschaft des Bistums Essen auf, die sich um einen ihrer Söhne schart, dem
Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. die Bischofswürde verliehen hat. Der Heilige Vater hat Martin Krebs zum
Titular-Erzbischof von Taborenta erwählt und ihn zu seinem Vertreter bei den
Kirchen und staatlichen Autoritäten in zwei afrikanischen Ländern vorgesehen:
Guinea und Mali. Wie uns die Liturgie einlädt, wollen wir an erster Stelle dem
Herrn für die Gabe danken, die er heute diesem unserem Bruder durch die
Erwählung zum Hirten seiner Herde gewährt; laßt uns die Barmherzigkeit Gottes
anrufen, damit er ihn mit jener Weisheit und Güte erfülle, die notwendig sind,
um den bischöflichen Dienst zum Wohl der Seelen gut und glücklich zur Vollendung
zu bringen.
In diesem Klima des Gebets und der geistlichen Brüderlichkeit möchte ich euch
alle, die ihr hier zugegen seid, herzlich grüßen: die Bischöfe und insbesondere
die Mitkonsekranten – den Hirten dieser Diözese, Seine Exzellenz Bischof Felix
Genn, dem ich für die liebenswerte Gastfreundschaft danke, und den ehemaligen
Apostolischen Nuntius in Deutschland, Seine Exzellenz Erzbischof Erwin Josef Ender – wie auch den derzeitigen Apostolischen Nuntius, Seine Exzellenz
Erzbischof Jean Claude Périsset. Ich grüße die Priester, die Diakone und die
Ordensleute, die Vertreter des öffentlichen Lebens, die Verwandten und Freunde,
die aus verschiedenen Orten gekommen sind, um dir, lieber Monsignore Martin, in
diesem Moment voller Emotion und tiefer Spiritualität nahe zu sein. Einen
besonderen Gruß richte ich an deine Familienangehörigen, an erster Stelle an
deine liebe Stiefmutter Leni, an deine Schwester und deine drei Brüder. Ein
besonderes Gedenken gilt deiner Mutter Margarethe und deinem Vater Gerhardt, die
sich vom Himmel aus mit uns in dieser feierlichen Liturgie verbinden und die
dich weiterhin auf der apostolischen Mission, die dich erwartet, begleiten.
Gerne überbringe ich dir und allen Anwesenden den Gruß und den Segen des
Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI., der sich geistlich mit uns in dieser Feier verbindet, und ich denke, du hast
die Freude, ihm bald begegnen zu dürfen.
„Ein Dienst und kein Traumjob. Und dieser Dienst fordert, verlangt Verzicht.“ So
hast du, lieber Monsignore Martin, die Aufgabe, die auf dich wartet,
beschrieben, als am vergangenen 8. September deine Ernennung zum Erzbischof und zum Apostolischen Nuntius in Guinea
und Mali veröffentlicht wurde. Das Bischofsamt ist nicht die Arbeit, nicht der
„Job“, von dem du geträumt hast, sondern ein Dienst, der Opfer fordert, ja
verlangt. Dieses Dienstamt wirst du in Afrika ausüben, auf einem Kontinent
voller Hoffnung, der aber auch von großer Armut und nicht wenigen Problemen
gezeichnet ist. Du wirst zum Vermittler der väterlichen Gegenwart und Sorge des
Nachfolgers Petri, mit welcher dieser den Weg der christlichen und zivilen
Gemeinschaften jener geliebten Nationen in Westafrika begleitet. Als junger
Mensch hast du davon geträumt, Arzt zu werden, und zwar um den Körper der
Menschen zu heilen; und der Herr hat dich in der Priesterweihe – vor genau 25 Jahren, am 10. Oktober 1983 – zum Arzt für die Seelen gemacht; du hast die Leidenschaft zur Musik, der
Harmonie der Töne, gepflegt, und dies wird dir die Suche nach Harmonie und
Dialog zwischen Menschen und Gemeinschaften, zwischen verschiedenen Kulturen und
Religionen erleichtern, während die Fähigkeit des geduldigen Zuhörens, die dir
zugesprochen wird, dir helfen wird, in jeder Situation Werkzeug des Friedens und
der Versöhnung zu sein.
„Beati misericordes“ (Mt 5,7). Dieser Wahlspruch, den du für dein Wappen gewählt hast, ist
auch das Programm deines bischöflichen Dienstes: Apostel, Werkzeug und Zeuge der
göttlichen Barmherzigkeit zu sein. „Selig die Barmherzigen“ ist eine der
Seligpreisungen des Evangeliums, die, wie du wohl weißt, die göttliche
Barmherzigkeit denen verheißt, welche Barmherzigkeit üben. Und nach der
Bergpredigt ist die Barmherzigkeit kein bloßes Gefühl, das heißt, sie beschränkt
sich nicht auf die Empfindsamkeit des Herzens, das Mitleid mit dem Unglück
anderer zu fühlen vermag, sondern sie äußert sich ganz konkret in der Art und
Weise des Handelns. Die Barmherzigkeit ist ein Mitleiden, das in Hilfe für den
Nächsten umgesetzt wird, mag es auch Opfer kosten. Sich barmherzig zu erweisen
bedeutet daher von Herzen und ohne Einschränkungen zu vergeben, stets dem
Nächsten zu helfen, besonders wenn er in Not ist. Im Grunde ist dies die Sendung
eines jeden Hirten, und du, lieber Monsignore Martin, wirst im Nachgehen auf den
Spuren Jesu, des Guten Hirten, diese Tugend pflegen und dabei nicht müde werden,
die verlorenen Schafe zu suchen, ohne die Herde zu vernachlässigen.
Angesichts einer Aufgabe von so hoher Verantwortung bleibt einem –
verständlicherweise – voller Sorge fast das Herz stehen. Woher die Kraft und den
Mut nehmen, um eine solche Sendung zu erfüllen, noch dazu weit weg von den
Angehörigen und der Heimat, unter verschiedenen und zuweilen unbehaglichen
klimatischen, sozialen und logistischen Bedingungen? Das Wort Gottes, das soeben
verkündet wurde, bietet einige tröstliche Hinweise. Die erste Lesung, die unsere
Aufmerksamkeit auf eine bekannte Stelle aus dem Buch Jesaja gelenkt hat,
versichert dir, lieber Monsignore Martin, daß mit der Bischofsweihe der Heilige
Geist mit der Fülle seiner Gaben in dir am Werk ist: er salbt dich und sendet
dich, den Armen und den Niedergeschlagenen die frohe Botschaft zu bringen; der
Hirte der Seelen bindet dich an sich mit einem unlösbaren Band, das nicht einmal
der Tod trennen kann; der Geist des Friedens macht dich zum Boten des Friedens
Christi; der Tröster Geist überträgt dir die Aufgabe, das Öl des Trostes und der
Freude in die Wunden der zerbrochenen Herzen zu gießen; der Geist der Wahrheit
und der Liebe sendet dich, die Botschaft der göttlichen Barmherzigkeit zu den
Völkern zu bringen.
Jesus verkündet gerade zu Beginn seines öffentlichen Wirkens die Verheißung des
Jesaja in der Synagoge zu Nazareth und fügt hinzu: „Heute hat sich das
Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“ (Lk 4, 21). Demnach ist
es Jesus, in dem die Schrift vollkommene Erfüllung findet. Wenn du ihm gehorsam
folgst, kannst du ein Werkzeug des Heils sein, denn dann waltet sein Geist in
dir. Laß dich daher immer mehr von seiner Anziehungskraft anstecken: wenn du
jeden Tag in enger Gemeinschaft mit ihm lebst, wenn du seinen Willen tust, wirst
du wie die guten und treuen Diener sein, von denen das Evangelium spricht. Diese
waren im Kleinen treu, ihnen wird daher eine große Aufgabe übertragen, und sie
nehmen vor allem teil an der Freude ihres Herrn. Gib nicht der Versuchung nach,
dich auf dich selbst zurückzuziehen und dich im Eigenen zu verrennen. Denn so
würdest du den „schlechten und faulen Diener“ nachahmen, der das empfangene
Talent, anstatt es zur Geltung zu bringen, aus Furcht in der Erde versteckt.
„Seid wachsam und haltet euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einer
Stunde, in der ihr es nicht vermutet“ (vgl. Mt 24, 42a.44). Die Einladung
Jesu, die im Ruf vor dem Evangelium erklungen ist, bedeutet daher eine Mahnung
an dich, lieber Monsignore Martin, gewissenhaft die Gaben zu bewahren, die du
heute empfängst – sinnbildlich dargestellt in den Talenten des Gleichnisses des
Evangeliums – und sie reichlich Frucht hervorbringen zu lassen. Dies ist auch
eine Ermahnung an jeden von uns, liebe Brüder und Schwestern, daß wir alle
unserer persönlichen Berufung treu bleiben, denn wir wissen, „daß der Tag des
Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht“ (1 Thess 5, 2). Diese Tatsache
ruft uns der heilige Paulus in der zweiten Lesung ins Gedächtnis, wenn er uns
alle ermahnt, nicht zu schlafen wie der, welcher in der Finsternis der Sünde
lebt, sondern wach und nüchtern zu sein; denn wir sind „Söhne des Lichts und
Söhne des Tages“.
Wenn jeder Gläubige wach bleiben muß, dann gilt dies besonders für den Bischof;
denn dieser ist – wie das griechische Wort episkopos besagt – Aufseher,
der als Wächter zur Obhut der Herde des Herrn in Erwartung seines Kommens in
Herrlichkeit eingesetzt ist. Es handelt sich um einen Dienst, der einerseits die
beständige Vertrautheit mit dem Herrn der Herde – dem Guten Hirten – im Gebet
und besonders in der Eucharistie erfordert, und andererseits Teilhabe und
Lebensgemeinschaft mit der Herde verlangt, die der Fürsorge jedes Hirten
anvertraut ist. Hierin besteht, lieber Monsignore Martin, der wahre Gehalt des
Bischofsamtes.
Liebe Brüder und Schwestern, beten wir für diesen Geistlichen, der zur Fülle des
Priestertums berufen ist. Bitten wir darum, daß er Jesus, den Herrn, nachahme,
die Kirche liebe und ihr treu diene, und sich niemals von den Schwierigkeiten
und Prüfungen, die auf unserem irdischen Weg liegen, entmutigen lasse. Es wache
über ihn Maria, die Mutter des Gottessohnes, die in dieser Kirche seit über
tausend Jahren im Gnadenbild der „Goldenen Madonna“ verehrt wird und als
Mutter des Guten Rates gleich nach der Gründung eures Bistums zu eurer Patronin
erwählt wurde. Ihr und allen euren Diözesanpatronen empfehlen wir ihn an, damit
sie ihn in seinem täglichen Dienst für die Kirche Christi beschützen, begleiten
und führen.
Amen.
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