Hochwürdigster Herr Nuntius!
Am 30.
September wird während eines feierlichen Aktes in der Hauptstadt der
Bundesrepublik Deutschland der Grundstein für den neuen Sitz der Apostolischen
Nuntiatur gelegt. Der Heilige Vater hat mit Freude von diesem Ereignis
Kenntnis erlangt und sendet herzliche Grüße und Segenswünsche vom Tiber an die
Spree.
Mit Berlin verbinden ihn selbst tiefe persönliche
Erinnerungen. Unvergeßlich hat sich ihm der Gang durch das Brandenburger Tor
eingeprägt, mit dem er seinen dritten Pastoralbesuch in Deutschland 1996
beschloß. Was durch die sanfte Revolution vor fast genau zehn Jahren politisch
Wirklichkeit wurde, ist die Grundlage dafür, daß sich heute der Apostolische
Nuntius anschickt, von Bonn nach Berlin umzuziehen. Berlin, einst Symbol der
Trennung, ist mittlerweile zu einem Zeichen der Einheit Deutschlands geworden.
Diese Einheit ist nicht nur Gabe, sondern auch Aufgabe. Denn trotz der »Wende«
sind bis in unsere Tage längst noch nicht alle inneren geistigen Mauern
gefallen, die einst zwischen Ost und West die Menschen voneinander trennten.
Deshalb gibt Papst Johannes Paul II. seinem Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland ein Wort mit auf den Weg, durch das der
Völkerapostel Paulus seine eigene Mission treffend umschrieben hat: »Wir sind
Gesandte an Christi Statt, und Gott, ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten
an Christi Statt: Laßt euch mit Gott versöhnen!« (2 Kor 5,20). Das Amt des
Apostolischen Nuntius ist in besonderer Weise ein mitunter unauffälliger, aber
nicht minder wirkungsvoller Dienst der Versöhnung und der Einheit. Mit der
Grundsteinlegung möge nicht nur ein festes Fundament für das neue Gebäude
gesichert, sondern auch das Wirken des Vertreters des Heiligen Vaters in
Berlin auf eine solide und fruchtbare Basis gestellt sein.
Seine Heiligkeit möchte es an dieser Stelle nicht versäumen,
für die Hochherzigkeit des Verbandes der Diözesen Deutschlands zu danken,
durch die das Bauvorhaben der Apostolischen Nuntiatur in der Bundeshauptstadt
erst verwirklicht werden konnte. Möge dieser Akt der Großzügigkeit ein Zeichen
für das Band unverbrüchlicher Treue sein, das die Kirche in Deutschland mit
dem Nachfolger des hl. Petrus verbindet.
Indem Papst Johannes Paul II. dem Bau ein gutes Gelingen
wünscht, dankt er den Planern und Ausführenden für ihren Einsatz und ihr
Mühen. Schon jetzt betet er darum, daß dem Wirken des Apostolischen Nuntius
und seinen Mitarbeitern in Berlin reiche Früchte der Versöhnung und der
Einheit beschieden seien – zum Wohl der Kirche und der Bundesrepublik
Deutschland. Dazu erteilt er den Vertretern des kirchlichen, politischen und
öffentlichen Lebens sowie allen, die sich zur Feier der Grundsteinlegung
versammelt haben, von Herzen den Apostolischen Segen.
Aus dem Vatikan, am 10. September 1999
Mit besten persönlichen Wünschen
Angelo Kardinal Sodano
Staatssekretär Seiner Heiligkeit
*L'Osservatore Romano. Wochenausgabe in deutscher Sprache n. 40 p.1.