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BOTSCHAFT
ZUM 150. JAHRESTAG DER "REGENSBURGER TRADITION"
15. Mai
2003
Seiner Exzellenz dem Hochwürdigsten Herrn Bischof Dr.
Gerhard Ludwig Müller Bischof von Regensburg Niedermünstergasse 1
D – 93047 Regensburg Exzellenz! Hochwürdigster Herr
Diözesanbischof!
Die Diözese Regensburg wie auch die Stadt
Regensburg und ihre verschiedenen kirchenmusikalischen Einrichtungen dürfen in
diesen Tagen das 150jährige Jubiläum der »Regensburger Tradition«
feiern. Zugleich wird der 100. Jahrestag der Verkündigung des Motu Proprio
Inter pastoralis Officii (Tra le sollecitudini) des heiligen
Papstes Pius X. begangen. S.H. Papst Johannes Paul II. hat von der Feier
dieser Jubiläen Kenntnis erlangt und mich daher beauftragt, Ihnen, Exzellenz,
sowie den Vertretern der Stadt, den Kirchenmusikern und allen Gästen, die am
Festakt im Wolfgangssaal des Gymnasiums der Regensburger Domspatzen
teilnehmen, seine herzlichen Glück- und Segenswünsche zu übermitteln.
Das Motu Proprio Tra le sollecitudini, das die Sorge um
die Würde und Heiligkeit des Gottesdienstes und der Liturgie, die den heiligen
Papst Pius X. schon zu Beginn seines Pontifikats bewegte, zum Ausdruck bringt,
war gleichsam als ein erstes kirchenmusikalisches Gesetz wegweisend für die
Entwicklung auf diesem Gebiet und stellt in seinen Grundsätzen unverändert bis
heute einen allgemeingültigen Bezugspunkt für die Pflege und Gestaltung der
Kirchenmusik dar. Diese wird zum einen an ihren ursprünglichen Charakter und
ihre eigentliche Aufgabe erinnert: »Die Kirchenmusik ist ein wesentlicher
Bestandteil der feierlichen Liturgie. Daher nimmt sie an deren allgemeinem
Zweck teil, der da ist die Ehre Gottes und die Heiligung und Erbauung der
Gläubigen« (Nr. 1). Zum anderen wird die Bewahrung des Gregorianischen
Chorals, der als der der Römischen Kirche eigene Gesang und stets als höchstes
Vorbild der »Musica Sacra« anzusehen ist, wie auch die Pflege der Polyphonie
im Geist der Liturgie eingefordert. Diese Forderungen wurden auch vom Zweiten
Vatikanischen Konzil aufgegriffen und erneuert (Sacrosanctum Concilium,
112–121). Zugleich bestärkte der heilige Papst Pius X. mit
seinem Schreiben die vorbildlichen Entwicklungen, die sich seit Mitte des 19.
Jahrhunderts im Eifer für die Kirchenmusik hervorgetan haben und mit Billigung
des Heiligen Stuhles und unter Leitung der Bischöfe zum Zusammenschluß von
Vereinigungen führten, die die Kirchenmusik in vielen Kirchen und
Gotteshäusern wieder voll und ganz zu Ehren gebracht haben. Gewiß darf sich
die »Regensburger Tradition« damit angesprochen fühlen, da sie in den
genannten kirchenmusikalischen Reformbestrebungen ihren Ursprung und ihre
Begründung findet. Das Wirken des Stiftskanonikus Carl Proske, der vor 150
Jahren den ersten Band seiner »Musica Divina« veröffentlichen konnte, und die
Arbeit seines Schülers Franz Xaver Witt wie auch die vieler anderer
Kirchenmusiker, darunter hervorragende Priesterpersönlichkeiten, brachten die
Bemühungen um die reine Gestalt der »Musica Sacra« zu hoher Blüte, die in den
Regensburger Domspatzen und der Regensburger Kirchenmusikschule, der
nunmehrigen Hochschule für Kirchenmusik, bis heute gute Früchte trägt.
Die Kirchenmusik, die in ihrem dienenden Charakter immer der
sakralen Würde der Liturgie entsprechen muß, soll zur Ehre Gottes gereichen
und die innere und äußere Teilnahme der Gläubigen am Gottesdienst fördern als
auch zu ihrer Erbauung beitragen. Daher ist sie oft auch ein geeignetes
seelsorgliches Mittel, um die Gläubigen durch ihre Mitwirkung zum Geheimnis
der Liturgie hinzuführen. In diesem Sinne ist die »Musica Sacra« mitunter eine
Art »Glaubensschule«. Darin mögen die Kirchenmusiker ihre vorrangige Berufung
sehen und in diesem Bewußtsein die Kirchenmusik pflegen und deren Schatz
mehren (vgl. Sacrosanctum Concilium, 121). Papst
Johannes Paul II. verbindet sich geistlich mit allen, die am Festakt anläßlich
des 150jährigen Jubliäums der »Regensburger Tradition« und des 100.
Jahrestages der Verlautbarung des Motu Proprio Tra le sollecitudini
teilnehmen. Er hegt dabei den lebhaften Wunsch, daß sie durch die Freude an
der Kirchenmusik in der Liebe zur heiligen Liturgie gestärkt werden.
Von Herzen dankt der Heilige Vater besonders denen, die sich
in der Befolgung der kirchenmusikalischen Gesetzgebung die wahre Pflege der
authentischen katholischen Kirchenmusik im Sinne des Zweiten Vatikanischen
Konzils zum Anliegen gemacht haben – insbesondere dem Domchor Regensburg und
der Hochschule für Kirchenmusik wie auch dem Bistum und der Stadt Regensburg.
Auf die Fürsprache der Allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria, der
heiligen Cäcilia sowie der Regensburger Diözesanpatrone, erteilt Seine
Heiligkeit Ihnen allen von Herzen den Apostolischen Segen.
Aus dem Vatikan, am 31. Oktober 2003, Fest des hl. Wolfgang, Patron des
Bistums Regensburg
Angelo Kardinal Sodano Staatssekretär Seiner Heiligkeit
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