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B I S C H O F S S Y N O D E ———————————————————— X
. O R D E N T L I C H E
V O L L V E R S A M M L U N G Der Bischof als Diener I N S T R U M E N T U M
L A B O R I S
Vatikanstadt
2001 Dieser Text darf nur den Bischofskonferenzen oder mit ihrer Genehmigung gedrückt oder verbeitet werden und unter der Bedinung, daß der Inhalt in keinster Weise verändert wird und daß zwei Kopien dem Generalsekretariat der Bischofssynode zugestellt werden, 00120 Vatikanstadt. einleitung Beim Anbrechen des neuen Jahrtausends 1.
Jesus Christus, unsere Hoffnung (1
Tim 1,1), derselbe gestern, heute und in Ewigkeit (Hebr 13,8), der oberste Hirt (1
Petr 5,4), führt seine Kirche zur Fülle der Wahrheit und des Lebens bis
zum Tag seiner Wiederkunft in Herrlichkeit, an dem alle Verheißungen und die
Hoffnungen der Menschheit erfüllt sein werden.
Die Menschheit und die Kirche gehen im beginnenden dritten christlichen
Jahrtausend einer Zukunft entgegen, die mit dem Erbe eines Jahrhunderts mit
Licht- und Schattenseiten belastet ist.
Wir stehen an einem Wendepunkt der menschlichen Geschichte. Viele
Menschen machen sich Gedanken darüber, welche Ziele die Menschheit anstreben
soll und welche Zukunft die Welt hat. Denn diese scheint einerseits vom
Fortschrittstaumel der wachsenden Globalisierung der Wirtschaft, Kultur und
Kommunikation ergriffen; anderseits gibt es vielerorts Konflikte und weite
Gebiete, in denen Hunger, Krankheit und Armut zunehmen.
Dem Weltgewissen ist zu Beginn eines neuen Jahrtausends die Aufgabe
gestellt, eine Zukunft zu bauen und sie mit Hoffnung zu füllen, denn sie ist für
den homo viator und den Christen, der
die Verwirklichung der göttlichen Verheißungen erwartet, lebensnotwendig. Es
ist eine Hoffnung, die auch als Fackel des Glaubens und als Ansporn zur Nächstenliebe
im Hinblick auf eine Zukunft mit unvorhersehbarem Ausgang zu verstehen ist. 2.
Zum Zeitpunkt dieses neuen Aufbruchs findet die Feier der 10.
Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode statt, die ursprünglich im
Jubiläumsjahr 2000 vorgesehen war, aber jetzt für den Monat Oktober des Jahres
2001 geplant ist.
Johannes Paul II. hat dieser Versammlung in prophetischer Weitsicht ein
bedeutsames Thema gestellt: Episcopus
minister Evangelii Iesu Christi propter spem mundi.
Für das Leben der Kirche und der Menschheit von heute ist dieses Thema
aus verschiedenen und wichtigen Gründen besonders aktuell, die vor allem
theologischer und ekklesiologischer Natur, aber auch anthropologischer und
sozialer Ordnung sind. In den Fußstapfen
der vorhergehenden Synodenversammlungen 3.
Es gibt vor allem theologische Gründe.
Die ganze Kirche hat voll Freude das Große Jubiläum des Jahres 2000 gefeiert,
um der Geburt unseres Herrn Jesus Christus vor zweitausend Jahren zu gedenken.
Sie wollte nicht nur dankbar sein Kommen zu uns, sondern auch seine lebendige
Gegenwart in der Kirche während ihrer zweitausendjährigen Geschichte und sein
Werk als einziger Erlöser der Welt, der die Mitte des Kosmos und der Geschichte
ist, in Erinnerung rufen.
In der unauflöslichen Einheit Christi mit seinem Evangelium will das
Thema der Synode unterstreichen, daß er, Jesus Christus, der Sohn Gottes, der
vom Vater Gesandte und vom Heiligem Geist Gesalbte (vgl. Joh
10,36), die Hoffnung der Welt und des Menschen, jedes Menschen und des
ganzen Menschen, ist.[1]
Christus ist das endgültige Wort und totale Geschenk des Vaters, das
wahre Evangelium Gottes, in dem sich alle Verheißungen erfüllen und in dem
auch das Amen Gottes (vgl. 2 Kor 1,20) ist, die Vollendung der Hoffnung der Welt. Sein
Evangelium ist die immer neue und gute Nachricht, die ständige Lebenskraft, die
der Welt den Weg in die Zukunft weist, wie sie es zweitausend Jahre lang getan
hat. Seine Lehre und seine Person, sein Werk und seine Weisung, seine Botschaft
und seine Kirche, in der er weiter gegenwärtig ist, sind nicht voneinander zu
trennen. Die Kirche verkündet der ganzen Menschheit zu Beginn des dritten
Jahrtausend voll Freude seine Botschaft des Lebens und der Hoffnung.[2] 4.
Außerdem gibt es ekklesiologische
Gründe: festehende und zeitbedingte. Jesus, der Herr, hat am Ende seines
Verweilens unter uns die Apostel als seine Zeugen und Boten bis an die Grenzen
der Erde und bis zum Ende der Zeiten ausgesandt. Auch auf dieser Weisung beruht
die anspruchsvolle Aufgabe, der Welt seine Person und seine Lehre als höchste
Hoffnung anzubieten: "Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen
zu meinen Jünger; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des
Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.
Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt
28,20). Den Bischöfen zusammen mit dem Papst und allen Gliedern der Kirche ist
die Aufgabe gestellt, Zeugen des Evangeliums Christi in der Welt zu sein. Als
Nachfolger der Apostel sind sie "als erste beauftragt, 'jedem Rede und
Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt' (1
Petr 3,15): der Hoffnung, die in den Verheißungen Gottes verankert ist und
auf seiner Treue zu seinem Wort gründet, das als unmißverständliche Gewißheit
die Auferstehung Christi, seinen endgültigen Sieg über das Böse und die Sünde
hat".[3]
Die große Bedeutung der 10. Ordentlichen Generalversammlung der
Bischofssynode, die den Bischof und sein Amt als Diener des Evangeliums für die
Hoffnung der Welt zum Thema hat, wird offenbar, wenn man sich vor Augen hält,
daß die vorhergegangenen ordentlichen Versammlungen die
Berufung und Sendung der Laien in der
Kirche und Welt (1978), die
Priesterausbildung heute (1990) und das
geweihte Leben und seine Sendung in Kirche
und Welt (1994) behandelt haben. Frucht der Synodenversammlungen waren die
nachsynodalen Apostolischen Schreiben Johannes Pauls II., Christifideles
laici, Pastores dabo vobis und Vita
consecrata.
Deshalb schien es angebracht, als zusammenfassenden thematischen Höhepunkt
den Dienst des Bischofs unter dem Aspekt der Verkündigung des Evangeliums und
der Hoffnung anzugehen. In der Tat haben die Ordentlichen Synodenversammlungen
im einzelnen neue Impulse zur Erneuerung der verschiedenen Berufungen im Volk
Gottes gegeben; das hat den Austausch untereinander und die gegenseitige
Vervollkommnung im Rahmen einer Ekklesiologie von Communio und Missio verstärkt,
die auf die hierarchische und charismatische Natur der Kirche geachtet hat. Nun
zeigt die spezifische Behandlung des Themas dieser Versammlung, daß es
notwendig ist, die Sendung des ganzen Volkes Gottes in Gemeinschaft mit seinen
Hirten auf die Zukunft hin zu orientieren. 5.
Hinzuzufügen ist auch, daß im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts,
am Ende des zweiten Jahrtausends christlicher Zeitrechnung, die Bischöfe der
einzelnen Kontinente vom Papst zu mehreren synodalen Sonderversammlungen
zusammengerufen wurden, um über die Kirche in Europa (1991 und 1999), in Afrika
(1994), in Amerika (1997), in Asien (1998) und in Ozeanien (1998) zu beraten.
Frucht dieser Begegnungen sind die jeweiligen nachsynodalen Dokumente, die veröffentlicht
wurden oder in Vorbereitung sind.
Die kommende ordentliche Versammlung wird in ihrer besonderen Thematik
auf das Ergebnis einer Erfahrung zurückgreifen können, die wie nie zuvor von
der synodalen Communio geprägt war.
Alle Synoden in den vergangenen Jahrzehnten waren für den Dienst des
Bischofs von Bedeutung. Nicht nur weil es Bischofssynoden waren, sondern weil
sie alle in gewisser Weise dazu beigetragen haben, das bischöfliche Leitungsamt
in den letzten Jahrzehnten herauszuschälen im Hinblick auf die Evangelisierung (1974), die Katechese
(1977), die Familie (1981), die Versöhnung
und Buße (1983), die Laien
(1987), die Priester (1990), das gottgeweihte
Leben (1994) und die Umsetzung des II. Vatikanischen Konzils (außerordentliche
Synode 1985). 6.
Der besondere lehramtliche und pastorale Aspekt des Synodenthemas
konzentriert sich auf die Verkündigung des Evangeliums Christi für die
Hoffnung der Welt. In dieser Perspektive ist die Thematik der nächsten
ordentlichen Versammlung auch in anthropologischer und gesellschaftspolitischer
Hinsicht außerordentlich bedeutsam. Die Kirche, die "die Freude und
Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute"[4] teilen will, wird sich die Frage stellen, auf welchem Weg
die heutige Menschheit vorangeht, in die sie selbst als Salz der Erde und Licht
der Welt eingetaucht ist (vgl. Mt
5,13-14). Und sie wird sich fragen müssen, wie sie heute die wahre Hoffnung für
die Welt, die Christus und sein Evangelium ist, verkünden soll.
Wir stehen am Anfang eines neuen Jahrtausends christlicher Zeitrechnung,
das besondere soziale und kulturelle Situationen aufweisen kann, sozusagen vor
einer "ætas nova", einer neuen Epoche, die manchmal als
Postmoderne bezeichnet wird. Es ist notwendig, daß die Heilsbotschaft in der
Welt erneut ein starkes Echo auslöst, so daß sie die dem Evangelium
innewohnende göttliche Dynamik in Schwung bringt, damit die ganze Menschheit
"im Hören auf die Botschaft des Heiles glaubt, im Glauben hofft und in der
Hoffnung liebt".[5]
Die christliche Hoffnung ist eng mit der mutigen und unverkürzten Verkündigung
des Evangeliums verbunden, die unter den Hauptaufgaben der Bischöfe herausragt.
Deshalb muß über ihren vielfältigen Pflichten und Aufgaben, "über allen
Sorgen und Schwierigkeiten, die mit der täglichen treuen Arbeit im Weinberg des
Herrn unvermeidlich verbunden sind, vor allem die Hoffnung stehen".[6] Kontinuität und
Neuheit 7.
In diesen Gnadenstrom ist die Vorbereitung und kommende Feier der 10.
Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode hineingestellt.
Der 1998 veröffentlichte Text der Lineamenta
hat Interesse und Beifall gefunden. Er gab auch den Anstoß, die mit dem
bischöflichen Dienst verbundene Thematik zu vertiefen. Aus den Antworten der
Bischofskonferenzen und übrigen Organismen sowie vieler Bischöfe und anderer
Glieder des Volkes Gottes ist das vorliegende Instrumentum laboris entstanden. Es will das vom Papst gewählte
Thema vorstellen und ausfalten, wobei den Lineamenta
kontinuierlich entsprechende Fragen und Vorschläge eingearbeitet wurden, um den
Weg für einen geordneten und transparenten Verlauf der Synodendebatte zu
bereiten.
Die reiche Erfahrung, die die Bischöfe aus aller Welt bei den
vergangenen ordentlichen und außerordentlichen Synodenversammlungen machen
konnten, und das wertvolle Lehrgut, das daraus entstanden ist, bilden deshalb
die Grundlage für eine eingehende Vorbereitung der kommenden Versammlung. Das Instrumentum
laboris will deshalb keine weitschweifige Beschreibung der Weltlage
anstellen; noch will es die Aufmerksamkeit auf spezifische oder örtlich
begrenzte Fragen lenken, die bereits in den vorhergehenden kontinentalen
Versammlungen behandelt wurden. 8.
Die gesonderte Behandlung des Amtes des Bischofs als Diener des
Evangeliums Jesu Christi für die Hoffnung der Welt steht in lehramtlicher
Kontinuität, die auf die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils zurückgeht,
ganz besonders hinsichtlich der Lehre der Dogmatischen Konstitution Lumen gentium und des Konzilsdekrets Christus Dominus.
Das Pastorale Direktorium der Kongregation für die Bischöfe, Ecclesiæ imago vom 22. Februar 1973, bewahrt wegen seiner vollständigen
und konkreten Beschreibung der Rolle und des Dienstes des Bischofs in seiner
Teilkirche auch heute seine volle Gültigkeit.[7] In kanonisch-theologischer Hinsicht muß man sich auf den
Codex iuris canonici (CIC) von 1983
und auf den Codex canonum Ecclesiarum
Orientalium (CCEO) von 1990 wegen der entsprechenden Neuerungen beziehen.
Außerdem gibt es zahlreiche dokumentierte Aussagen des nachkonziliaren
Lehramtes, die insbesondere den Hirtendienst der Bischöfe betreffen; unter
ihnen vor allem die Ansprachen der Päpste an die einzelnen Bischofskonferenzen
anläßlich der "ad limina"-Besuche oder der apostolischen
Pastoralreisen in den vergangenen Jahrzehnten.
Unter den jüngeren Dokumenten, die spezifische Fragen des Hirtendienstes
der Bischöfe in der universalen Kirche und in den Teilkirchen betreffen, ist in
ekklesiologischer Hinsicht auf den Brief der Kongregation für die
Glaubenslehre, Communionis notio vom
28. Mai 1992 über einige Aspekte der Kirche als Communio,[8] hinzuweisen; zuletzt ist noch das Apostolische Schreiben
in Form von Motu proprio von Johannes Paul II., Apostolos suos vom 21. Mai 1998, über die theologische und
juristische Natur der Bischofskonferenzen[9] zu nennen. 9.
Das von Papst Johannes Paul II. für die nächste Synodenversammlung
bestimmte Thema bezieht sich auf den Bischof und soll hier näher erklärt
werden. Es handelt sich um das Bischofsamt, wie es in der dogmatischen
Konstitutuion Lumen gentium und vom
Konzilsdekret Christus Dominus in
seinem ganzen Umfang von Subjekten und Pastoralaufgaben dargestellt wird. In der
Tat haben alle Bischöfe die Gnade der Bischofsweihe gemeinsam; sie sind
Nachfolger der Apostel, und in Gemeinschaft mit dem Papst bilden sie das
Bischofskollegium.
Das II. Vatikanische Konzil hat die Wirklichkeit des Bischofskollegiums
neu herausgestellt, das dem Apostelkollegium nachfolgt und bevorzugte
Ausdrucksform des Hirtendienstes ist, der von den Bischöfen in Gemeinschaft
untereinander und mit dem Nachfolger Petri geleistet wird. Als Glieder dieses
Kollegiums haben alle Bischöfe "nicht nur für eine bestimmte Diözese,
sondern für das Heil der ganzen Welt die Weihe empfangen".[10] Sie sind "aufgrund von Christi Stiftung und
Vorschrift zur Sorge für die Gesamtkirche gehalten. Diese wird zwar nicht durch
einen hoheitlichen Akt wahrgenommen, trägt aber doch im höchsten Maße zum
Wohl der Gesamtkirche bei".[11]
Jeder in der katholischen Kirche rechtmäßig geweihte Bischof hat an der
Fülle des Weihesakraments teil. Als Diener des Herrn und Nachfolger der Apostel
muß er durch die Gnade des Beistands in dem dreifachen Amt, zu lehren, zu
heiligen und zu leiten, mit dem er beauftragt ist, dahin wirken, daß die ganze
Kirche als Familie des Vaters, als Leib Christi und Tempel des Heiligen Geistes
wächst.
Aber die Synode nimmt noch konkreter Bezug auf den Diözesanbischof in
der Fülle seines Dienstes in der Teilkirche. Er ist lebendige und zeitgemäße
Gegenwart Christi, des "Hirten und Bischofs" unserer Seelen (1 Petr 2,25); er ist in der ihm anvertrauten Teilkirche sein
Stellvertreter, nicht nur in seinem Wort, sondern sogar in seiner Person.[12]
Andererseits wird klar, wie wichtig das Synodenthema ist, wenn man
bedenkt, daß sich das Bild des Bischofs in den vergangenen Jahrzehnten stark
gewandelt hat. Er ist in den Augen der Gläubigen erfahrungsgemäß volksnäher
und erscheint mehr in der Rolle des Vaters, Bruders und Freunds, er ist
einfacher und zugänglicher. Und dennoch sind seine pastoralen
Verantwortlichkeiten gewachsen, und die Amtsaufgaben haben sich ausgeweitet,
denn die Kirche wird immer aufmerksamer für die Bedürfnisse der Welt. Das geht
so weit, daß der Bischof heute mit vielen Aufgaben belastet wird und um der
Wahrheit willen oft ein Zeichen des Widerspruchs wird. Er ist deshalb immer
offen für ein Aggiornamento seines Hirtendienstes, wobei die Gemeinschaft und
die Zusammenarbeit mit den Priestern, den gottgeweihten Personen und den Laien
vertieft und verstärkt werden .
Die 10. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode wird zweifellos
ein Anlaß zur Festellung sein, daß sich die Einheit der Bischöfe mit dem
Papst, untereinander und mit dem Volk Gottes um so mehr festigt, je mehr die
Communio und Missio der Kirche dadurch bereichert werden und je mehr ihr
Dienstamt dadurch gestützt und gesichert wird. Neue Verkündigung
des Evangeliums der Hoffnung 10.
Für die Kirche gibt es viele Gründe zur Hoffnung im Hinblick auf die
Feier der nächsten Synode. Nach einer drei-jährigen Vorbereitungszeit unter
dem Leitbild der Dreifaltigkeit wurde das Große Jubiläum des Jahres 2000 für
das ganze Volk Gottes eine Zeit der Gnade, ein Heiliges Jahr der Umkehr, Versöhnung
und geistlichen Erneuerung.
Die Gläubigen konnten in Rom und im Heiligen Land, an der Seite des
Nachfolgers Petri und in den Teilkirchen mit ihren Hirten die Freude eines
Jahres der Barmherzigkeit und Heiligkeit erfahren. Jetzt stellen sich viele die
Frage, wie die gnadenreichen positiven Erfahrungen des Großen Jubiläums
fortgesetzt werden könnten.
Die Kirche hat sich der Welt erneut als Zeichen der Hoffnung vorgestellt,
besonders durch das Zeugnis der vielfältigen Gruppen des Volkes Gottes wie die
Jugend und die Familien, aber auch durch die ökumenischen Gesten, die Reinigung
des Gedächtnisses, die Vergebungsbitte und das Gedächtnis der Glaubenszeugen
des 20. Jahrhunderts.
Stark und bedeutsam waren die Anstöße, gegenüber den Gefangenen Gnade
walten zu lassen und den internationalen Schuldenberg, der auf vielen Nationen
lastet, zu reduzieren oder völlig aufzuheben.
Auch die Bischöfe hatten Gelegenheit, während ihrer Heilig-Jahr-Feier
mit dem Papst und vereint mit der Jungfrau Maria so wie die Jünger im
Abendmahlssaal am Pfingsttag Momente intensiver Gemeinschaft und geistlicher
Erneuerung zu erleben.
Das Evangelium Christi erweist sich heute noch als Lebenskraft und als
das Wort, das die Völker humanisiert und zu einer Familie werden läßt; es fördert
über sprachliche, rassische oder religiöse Unterschiede hinaus das Wohl aller. 11.
Auf dem Fundament der christlichen Hoffnung, "die nicht zugrunde
gehen läßt" (Röm 5,5), will
die Kirche auf ihrem Weg in die Zukunft mit neuem Schwung ihren
Evangelisierungsauftrag durchführen.
Die Welt hat die neue Jahrtausendschwelle überschritten und wartet auf
ein Wort der Hoffnung, auf ein Licht, das sie in die Zukunft führt. Das
Evangelium war, ist und wird in der zeitlichen Geschichte der Menschen ein
Ferment der Freiheit und des Fortschritts, der Brüderlichkeit, der Einheit und
des Friedens sein.[13]
Die nächste Bischofssynode will der Kirche und der Welt die mutige und
zuversichtliche Verkündigung des Evangeliums Christi anbieten, das die Herzen für
die Hoffnung in dieser Zeit und für die Ewigkeit öffnet. Zur Bekräftigung möchte
die Bischofssynode mit den Nachfolgern der Apostel in Gemeinschaft mit dem
Papst, denen der Herr selbst seinen Beistand bis an das Ende der Zeiten verheißen
hat (vgl. Mt 28,20), ein Zeichen der
Einheit, der Freude und Sorge für die heutige Menschheit setzen. 1. Kapitel Dienst der Hoffnung Mit dem Herzen des guten Hirten die Welt sehen 12.
Wie disponiert sich der Bischof heute, um Diener des Evangeliums Jesu
Christi für die Hoffnung der Welt zu sein?
Er bedarf vor allem einer kontemplativen
Weltsicht gegenüber der Wirklichkeit, aber in der Konkretheit seines
Dienstamtes und in Gemeinschaft mit der universalen Kirche und der Teilkirche,
die seiner Hirtensorge anvertraut ist. Dann braucht er ein mitleidvolles Herz, das Gemeinschaft bilden kann mit den Männern
und Frauen von heute, für die er Zeuge und Diener
der Hoffnung sein soll.
Ein Gleichnis aus dem Evangelium macht die für den Bischof erforderliche
Haltung deutlich. Zu Beginn seines Wirkens stellt sich Jesus als der Bote der
guten Nachricht des Vaters vor und bekräftigt es, indem er den Nöten der
Menschen abhilft: "Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit
ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten
haben" (Mt 9,36).
Durch die Gnade des Heiligen Geistes, die die Augen seines Glaubens schärft,
fühlt der Bischof wie Christus, der gute Hirt, die Ängste und Fragen der Welt
von heute. Er verkündet das Wort der Wahrheit und des Lebens und fördert eine
Wirksamkeit, die das Herz der Menschheit erreicht. Nur auf diese Weise, vereint
mit Christus, treu gegenüber seinem Evangelium, mit realistischer Weltoffenheit
und von Gott geliebt, wird er Prophet der Hoffnung.
Der Bischof wird es für die Männer und Frauen von heute, die nach dem
Zusammenbruch der Ideologien und Utopien oft die Vergangenheit außer Acht
lassen und nur in der Gegenwart leben wollen. Sie planen meist nur oberflächlich
und begrenzt und werden oft von wirtschaftlichen und politischen Mächten
manipuliert. Deshalb ist es notwendig, daß sie wieder die Tugend der Hoffnung
erlangen; daß sie einen wahren Zugang zum Glauben und zur Hoffnung finden und
dann auch über das alltägliche Mittelmaß hinaus lieben; daß sie handeln und
dabei gelassen auf die Vergangenheit schauen und zuversichtlich in die Zukunft
blicken.
Die Kirche und in ihr der Bischof als Hirt der Herde kontinuierlich mit
Jesu Verhaltensweise stellen sich als Zeuge der Hoffnung vor, die nicht zugrunde
gehen läßt (vgl. Röm 5,5);
eingedenk der Antriebskraft, die auf die Erfüllung der göttlichen Verheißungen
ausgerichtet ist: "denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen
durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist" (ebd.).
Der Kirche und ihren Hirten ist das Evangelium der Hoffnung anvertraut.
Sie stützt sich auf die Gewißheit der göttlichen Verheißungen, die die
lebendige Hoffnung, zu der der Vater uns durch die Auferstehung Christi neu
geboren hat (vgl. 1 Petr 1,3), und der
Sieg über Tod und Sünde ist. Und als logische Folge stützt sie sich auf die
Gewißheit der immerwährenden Gegenwart Christi, des Herrn der Geschichte, des
Vaters des kommenden Jahrhunderts (vgl . Jes
9,6).
Deshalb ist es notwendig, das dritte Jahrtausend des Christentums mit der
Verkündigung des Evangeliums der Verheißungen Gottes im Zeichen der göttlichen
Zuversicht zu beginnen und zu leben.
In der Heiligen Schrift und in der Tradition der Kirche finden wir das
verborgene Samenkorn des göttlichen Plans, das keimen und Frucht bringen muß
in der Zukunft der Menschen und Völker, weil es dem Wirken des Heiligen Geistes
anvertraut ist, der mit unserer Mitarbeit das Netz der Geschichte weise webt. Im Zeichen der göttlichen
Hoffnung 13.
Die göttliche Hoffnung, die ganz auf die Verheißungen Gottes
ausgerichtet ist, spielt auch heute, am Anfang eines neuen Jahrhunderts und
Jahrtausends, eine wichtige Rolle. Die Erwartung und Vorbereitung der letzten
Jahrzehnte auf einen so wichtigen Zeitpunkt der menschlichen Geschichte, wie es
das Jahr 2000 mit dem Gedächtnis der Geburt Jesu vor 2000 Jahren war, sind
jetzt auf die Zukunft gerichtet. Nicht mehr auf ein bestimmtes Ziel, sondern auf
einen weiten Horizont mit der Aufgabe, geduldig die Zukunft zu bauen.
Die Hoffnung ist die Antriebskraft des Neuen, die Fähigkeit, Zukunftspläne
zu entwerfen und feste Spuren in der Zeit zu hinterlassen durch neuartige Werke;
die Geschichte mit der Kraft des Evangeliums zu steuern, oder zumindest der
Geschichte Sinn zu geben, bevor die Mächte der Welt eine Sinngebung für die
Zukunft festlegen oder ihre Abläufe programmieren.
Das soll in Treue zur unverkennbaren Aufgabe der Christen geschehen, die
darin besteht, der Welt eine Seele zu geben: "Was die Seele im Leibe ist,
das sollen in der Welt die Christen sein", heißt es im Brief an Diognet.[14] Die Kirche Jesu Christi ist berufen, die Geschichte zu
inspirieren und voranzutreiben; dabei achtet sie auf die tiefsten Erwartungen
und deutlichsten Hoffnungen der Menschen von heute.
Die Hoffnung, die der Bischof bezeugen muß, um Diener des Evangeliums
Christi zu sein, ist die göttliche Tugend der Hoffnung, verbunden mit dem
lebendigen Glauben und der tätigen Liebe.
Das Pastorale Direktorium Ecclesiæ
imago hatte die besonderen Merkmale des bischöflichen Dienstes in einer
Zusammenfassung dargestellt. Es lohnt sich, an diese zu erinnern, weil dort von
der Hoffnung auf Gott, der seinen Verheißungen treu bleibt, die Rede ist:
"Das Evangelium, aus dem der Bischof durch den Glauben lebt und das er den
Menschen auf das Wort Christi hin verkündet, ist 'Feststehen in dem, was man
erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht' (Hebr 11,1). Indem er sich auf diese Hoffnung stützt, erwartet der
Bischof mit fester Gewißheit nur von Gott das Gute und setzt sein ganzes
Vertrauen auf die göttliche Vorsehung. Er spricht mit Paulus: 'Alles vermag ich
durch ihn, der mir Kraft gibt' (Phil 4,13),
eingedenk der heiligen Apostel und auch der frühen Bischöfe, die trotz
Schwierigkeiten und Hindernissen aller Art, die sie zu überwinden hatten, das
Evangelium Gottes 'mit allem Freimut' predigten (vgl. Apg 4,29.31; 19,8; 28,31). Die Hoffnung, die 'nicht zugrunde gehen läßt'
(Röm 5,5), weckt im Bischof den
missionarischen Geist und damit den kreativen, das heißt unternehmerischen
Geist. Der Bischof weiß sich von Gott, dem Herrn der Geschichte (vgl. 1
Tim 1,17), gesandt, um die Kirche an dem Ort, in der Zeit und zu dem
Zeitpunkt aufzubauen, die 'der Vater in seiner Macht festgesetzt hat' (Apg
1,7). Daher kommt auch der gesunde Optimismus, den der Bischof hat und der auch
auf die anderen übergehen soll, besonders auf seine Mitarbeiter".[15] 14.
Von dieser göttlichen Hoffnung getragen, versucht der Bischof die
Zukunft zu planen, er versucht sie zu erahnen und sogar zu erträumen. Er deutet
das Wort Gottes unter dem Einfluß der Gnade des Heiligen Geistes und in
Gemeinschaft mit der Kirche.
Das Wort Gottes, befruchtet vom Heiligen Geist im Herzen des Bischofs,
der mit seinen Priestern und Gläubigen vereint ist, wird immer Quelle der
Inspiration und Kraft sein, um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen.
Wie Paul VI. treffend sagte: "Die Kirche braucht ihr ewiges Pfingsten, sie
braucht brennende Herzen, Worte auf den Lippen und einen prophetischen
Blick".[16]
Der Papst, das Bischofskollegium, die Bischöfe der nationalen oder
regionalen Bischofskonferenzen und das ganze Volk Gottes haben auch die Berufung
zur Hoffnung gemeinsam (vgl. Eph 4,4).
Diese Gemeinschaft der Hoffnung sichert die lebendige Gegenwart Christi
und die Inspiration des Heiligen Geistes, dem es aufgegeben ist, das Verständnis
und die Verwirklichung des Evangeliums Jesu Christi in der menschlichen
Geschichte zur Fülle und Vollendung zu bringen.[17]
Die Gemeinschaft in der Hoffnung muß vertieft und geteilt werden als
Quelle der Inspiration; sie muß befruchtet werden durch das Gebet des Bischofs,
durch den Dialog der Liebe mit dem ganzen Volk Gottes, besonders mit seinen
engsten Mitarbeitern; sie muß zur Reflexion und zu konkreten und von allen
geteilten Programmen führen.
Die Hoffnung der Christen ist die Antriebskraft der Zukunft. Sie ist die
Hoffnung, die im Leben der Menschheit nicht nur Spuren hinterläßt, sondern
auch neue Furchen in der Geschichte eröffnet, um das Samenkorn der göttlichen
Verheißungen einzupflanzen und die künftigen Wege mit der Kraft Gottes zu
lenken. Die Kirche wird wirklich Zeichen der Hoffnung sein, wenn sie auf den
Plan Gottes achtet, der eine Zukunft der Fülle garantiert; wenn sie seinen
Willen treu befolgt und die tiefsten Erwartungen der Menschheit zu unterschieden
weiß, die sie interpretieren und steuern muß. Zwischen
Vergangenheit und Zukunft 15.
Die Kirche überschreitet die Schwelle der Hoffnung zu Beginn des dritten
Jahrtausends mit besonderer Aufmerksamkeit für die Menschheit von heute. Sie
teilt die Freude und Hoffnung, die Trauer und Angst in dem Bewußtsein, daß sie
das Wort des Heils besitzt.[18] Dennoch ist es notwendig, darüber nachzudenken, zu
welcher Welt die Bischöfe gesandt sind, das Evangelium zu verkünden.
Die göttliche Hoffnung, die als Vertrauen auf die göttlichen Verheißungen
wächst und sich entfaltet, wird oft durch die Erwartung gereinigt. Sie wird um
so wahrhaftiger, als sie geprüft wird. Sie wurzelt in den positiven Zeichen,
die aufkeimen in dem Reich, das im Werden, aber noch nicht da ist: das in dieser
Welt gegenwärtig, aber auf seine endgültige Vollendung in der Herrlichkeit
ausgerichtet ist.
Die Hoffnung ist Gedächtnisstütze, die in der Offenbarung feststeht,
die nicht nur die Heilsgeschichte, sondern auch das Projekt und den Plan Gottes
für die Zukunft deutlich macht. Das letzte Buch der Heiligen Schrift trägt
nicht umsonst den Titel Apokalypse, Offenbarung. Die Hoffnung erzeugt in den
Herzen eine aktive Dynamik, die imstande ist, sich im Alltag immer wieder zu
entzünden.
Es handelt sich um jenes treue "Ausharren", von dem in der
Apostelgeschichte die Rede ist (vgl. Apg
1,14; 2,42) und das als besondere Haltung der Jünger Jesu bezeichnet wird, die
jeden Tag in das Glaubensleben eingetaucht sind. Es ist das feste Vertrauen auf
Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, der durch die Auferstehung seines
Sohnes das tägliche Heute auf die sichere Erfüllung der Verheißungen
ausrichtet. 16.
Mehrmals, vor allem im vergangenen Jahrzehnt, wurde vom Lehramt ein Überblick
über die Wirklichkeit der heutigen Welt gegeben.
Diese Analyse wurde auch von der Bischofssynode erstellt während der
kontinentalen Sonderversammlungen für Europa, Afrika, Amerika, Asien und
Ozeanien sowie von den jeweiligen bisher veröffentlichten nachsynodalen
Apostolischen Schreiben.[19]
Es ist jetzt nicht der Moment für einen solchen Überblick. Aber auf
Grund der wachsenden Globaslisierung müssen die Probleme und Lösungen vor Ort
aufmerksam beobachtet werden.
Auch im Text der Lineamenta
wurde die allgemeine Situation beschrieben, die zum Teil von den Antworten der
Bischofskonferenzen bestätigt und vervollständigt wird. Die Welt mit ihren
Licht und Schattenseiten 17.
Das Bild, das unsere Welt heute bietet, ist äußerst vielfarbig. Mit dem
wachsamen Auge und dem mitleidsvollen Herzen des guten Hirten (vgl. Mt 9,36) nimmt die Kirche, über die politischen, sozioloigschen und
wirtschaftlichen Analysen hinaus, mit Realismus die Zeichen der Entmutigung oder
sogar der Verzweiflung in der Welt wahr. Die Kirche will als tröstliches
Heilmittel die Zuversicht und Befreiung in Christus anbieten. Es ist kein vorübergehender
und schwacher Trost, der schwindet, sondern die Gewißheit des Glaubens, die von
menschlichen Herzen wiederentdeckt wird, die zu lieben und zu dienen fähig
sind. Die Gewißheit gründet auf der einheitlichen und realistischen Sicht der
persönlichen und gesellschaftlichen Lebensaspekte ohne pessimistische oder
optimistische Verkürzungen. Das alles kann das Evangelium der Hoffnung bieten.
Es bestehen weiterhin problematische Situationen, die den Dienst der
Kirche als letzte Hoffnung auf eine fortgesetzte Erneuerung der Welt und der
Gesellschaft erfordern und anregen, auch als konkreten Dienst des Bischofs in
seiner Teilkirche. 18.
Die Notlage, der Mangel an Freiheit, die geschmälerte Ausübung der
Menschenrechte, die ethnischen Konflikte und die Unterentwicklung, die die Armut
der Unterschichten noch erhöht, bewirken in der heutigen Welt Situationen des
Leidens und der mangelnden Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Die Massenmedien zeigen uns täglich Bilder der Verzweiflung: Bilder von
Kindern, denen die notwendige Nahrung fehlt und die oft erniedrigt und
ausgebeutet werden; Bilder von Jugendlichen, denen man die Bildung verweigert
und die zur Arbeit gezwungen werden; Bilder von jungen Menschen ohne Arbeit, die
der Verzweiflung und Gleichgültigkeit anheimfallen und eine leichte Beute der
ideologischen Manipulierung werden oder auf dem Weg der moralischen und
geistigen Erniedrigung sind; Bilder von Frauen, die ihre Würde verloren haben;
Bilder von alten Menschen, die Hilfe brauchen; Scharen von Armen, die in der
Emigration einen Funken Hoffnung für die Zukunft zu erhaschen suchen, und Flüchtlinge
auf der Suche nach einem Vaterland; Bilder von Aborigines, die ihres
angestammten Bodens beraubt wurden.
Noch sind die Konflikte nicht überwunden, die am Ende des vorherigen
Jahrhunderts und Jahrtausends Tod und Zerstörung, Emigration, Armut, ethnische
Auseinandersetzungen und Stammesfehden erzeugt und Tod und tiefe Wunden an Leib
und Seele hinterlassen haben.
Noch sind die Wunden mancher jüngerer örtlicher Konflikte nicht
geheilt, die Kulturen und Nationen tief gespalten haben, die sich zum Dialog des
Friedens zusammenfinden sollten. Immer wieder gibt es Zeichen des religösen
Fundamentalismus, der ein Feind des Dialogs und des Friedens ist.
Auch in den hochentwickelten Nationen finden sich oft Grauzonen
wirtschaftlichen und moralischen Tiefstands. Und im politischen Bereich nehmen
Korruption und Illegalität ständig zu. 19.
Die Auswirkungen der Globalisierung sind auf Grund der Unerbittlichkeit
wirtschaftlicher Programme zu spüren, die von einem zügellosen Freihandel
inspiriert sind. Auf diese Weise werden die Reichen immer reicher und die Armen
immer ärmer, weil sie aus den Entwicklungsprogrammen ausgeschlossen sind. Das
geht so weit, daß man bereits von einer neuen Weltunordnung spricht. Denn die
Zukunft erscheint zu Recht besorgniserregend, wenn ganzen Völkern, die auch zur
Familie Gottes gehören und die gleichen Rechte haben, die Teilhabe am
Gemeinwohl verweigert wird. Die Ureinwohner werden oft des Reichtstums der
Rohstoffe und der natürlichen Ressourcen ihrer Länder beraubt infolge
unehrlicher Ausbeutung des Territoriums und der Bevölkerung.
Wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte und trotz wachsender
Sensibilität gegenüber der Ökologie erleidet die Erde sogar klimatische Veränderungen
des Ökosystems, die schwere Fragen im Hinblick auf die Zukunft unseres Planeten
aufwerfen. Die Umweltverschmutzung ist besorgniserregend. Die Kirche macht sich
zum Wortführer der tiefsten Bestrebungen nach einem ökologischen
Gleichgewicht, das unsere Erde und die ganze Schöpfung nicht aufs Spiel setzt.
Die Welt ist aus den formenden Händen des Schöpfers hervorgegangen und der
Menschheit als Wohnstätte der Schönheit und des Gleichgewichts angeboten, als
Geschenk und grundlegender Reichtum des menschlichen Daseins. Zwischen einer Rückkehr
zum Heiligen und der Gleichgültigkeit 20.
Obwohl es nicht an Zeichen des religiösen Erwachens, des neuen
Interesses für die geistlichen Werte und einer gewissen Rückkehr zur Religion
fehlt, sorgen sich die Hirten auf Grund des sogenannten schweigenden und ruhigen
Auszugs der Massen aus der kirchlichen Praxis. Es breitet sich immer mehr eine
immanente, dem Übernatürlichen sich verschließende Kultur aus. Auch unter den
Christen verbreitet sich wachsende Gleichgültigkeit gegenüber dem
eschatologischen und übernatürlichen Ausblick in die Zukunft, der das Leben
auf Erden erst lebenswert macht.
Das drückt sich aus in einem Individualismus ohne kirchliche
Gemeinschaft und ohne sakramentale Praxis. Deshalb fällt man manchmal in das
Extrem und sucht bei den alternativen religiösen Bewegungen und Sekten
spirituelle Befriedigung; oder man nimmt religöse Verhaltensweisen an, die zum
Teil aszetische Übungen nichtchristlicher Religionen nachahmen. Viele Menschen
geben sich heute mit einer zweifelhaften Religiösität zufrieden, ohne persönliche
Beziehung zum wahren Gott Jesu Christi und zur kirchlichen Gemeinschaft.
Der Mangel an Priester- und Ordensberufen ist für viele Hirten Grund
tiefer Besorgnis um die Zukunft, nicht nur im Hinblick auf eine gesicherte
Evangelisierungspastoral und ein angemessenes sakramentales und eucharistisches
Leben, verbunden mit der entsprechenden Pflege des lebendigen Glaubens und der
christlichen Praxis. Neue ethische
Probleme am Horizont 21.
Grund zur Sorge bietet der wachsende moralische Relativismus, eine
bestimmte Kultur, die das Leben weder schützt noch achtet; eine Entheiligung
des Anfangs und des Endes des menschlichen Daseins, die mit dem göttlichen
Geheimnis des Lebens aufs engste verbunden sind.
Die Weitergabe des physischen Lebens, die Erziehung der Kinder, der
Einsatz für die Förderung der menschlichen Werte des Daseins in seiner Sinnfülle
und seiner Bestimmung sind Zeichen der Hoffnung auf Gott den Schöpfer.
Erstmals in der Geschichte hat die schleichende Gleichsetzung dessen, was
wissenschaftlich möglich und zugleich ethisch recht ist, zu einer wirklichen
biologischen Manipulierung geführt. Daraus ergeben sich schwerwiegende Folgen für
den Menschen, der als Bild und Gleichnis Gottes in Christus, unserem Leben (vgl.
Joh 1,4; 14,16), geschaffen ist. Daher
kommen die neuen Probleme, die in den vergangenen Jahren entstanden sind und die
Zukunft überschatten.
Die leidenschaftliche Verteidigung der Würde jedes menschlichen Lebens -
von seinem Anfang bis zu seinem Ende - seitens des kirchlichen Lehramts beeinflußt
die öffentliche Meinung und trägt auch Frucht im Bereich der Weltethik. Die
Zukunft der Menschheit und die Würde der menschlichen Person mit ihren
unantastbaren und unveräußerlichen Rechten stehen auf dem Spiel. 22.
Die Krise der Familie und ihrer Stabilität sowie die schleichende Aushöhlung
der Familieninstitution sind heute eine schwere Bedrohung für das Leben und die
Erziehung der Kinder.
Die Lehraussagen der Kirche zugunsten des Lebens und der Ehe und Familie
sind heute sehr vielfältig. Manche bedeutsamen Dokumente des päpstlichen
Lehramts und anderer Dikasterien des Heiligen Stuhls[20] bilden feste Bezugspunkte, so auch die internationalen
Familientage, die für die Eheleute im Hinblick auf eine angemessene Ehe- und
Familienspiritualität sehr hilfreich sind. Neue kirchliche
Situationen 23.
Eine neue kirchliche Situation ist in den Ländern zu erkennen, die lange
unter der Herrschaft von totalitären Regimen standen. Diese Kirchen erleben
eine neue Freiheit der Religionsausübung und eine neue apostolische Präsenz.
Sie erfahren das Aufblühen von Berufungen und eine anfängliche missionarische
Tätigkeit, die über die eigenen Teilkirchen hinausgeht. Die Mühe und Freude
eines Neuanfangs, das häufige Zeugnis einer frohen katholischen Lebenskraft und
eines in anderen Ländern unbekannten Glaubenseifers lassen in diesen Kirchen
auf eine fruchtbringende Zukunft hoffen.
Es gibt aber noch strukturelle und organisatorische Probleme wie die
Schwierigkeit, einen brüderlichen Dialog und eine konkrete Gemeinschaft und ökumenische
Zusammenarbeit mit den anderen Kirchen, besonders den orthodoxen zu
verwirklichen.
Dennoch verzichtet die Kirche nicht auf ihre Aufgabe, das Evangelium in
diesen Ländern zu verkünden, in denen die Kultur der totalitären Regime die
innere Leere hinterlassen haben. Ja, sie muß die Erziehung zur Freiheit und
eine neue Gemeinschaft unter allen Christen fördern. Die notwendige
Glaubensbildung kann zur Überwindung einer gewissen nichtfundierten Frömmigkeitsform
und zu neuem Evangelisierungseifer beitragen. Deshalb ist die Förderung eines
reifen Glaubens und einer überzeugten sittlichen Lebensführung notwendig,
besonders angesichts der nachdrängenden Sekten und der Gefahr eines übertriebenen
Konsumverhaltens, wie manche beklagen. 24.
Die Zukunft der Kirche des dritten Jahrtausends zeigt allmählich das
Bild einer Dezentralisierung der Präsenz
der Katholiken in Richtung der afrikanischen und asiatischen Länder. Dort und in Lateinamerika entstehen junge Kirchen voll
Glaubenskraft, reich an Priester- und Ordensberufen, die oft dem Personalmangel
im Westen abhelfen.
Nicht zu vergessen sind die weiten und dicht bevölkerten Gebiete Asiens.
Dort können viele Gläubige ihren katholischen Glauben in Gemeinschaft mit der
universalen Kirche und ihrem obersten Hirten noch nicht voll und öffentlich
bekennen. Die Kirche schaut auch auf diese Länder mit großer Hoffnung und
vertraut auf das verborgene Wirken des Heiligen Geistes, damit die Gläubigen
endlich die Fülle der sichtbaren kirchlichen Gemeinschaft und der gegenseitigen
Hilfe zum Ausdruck bringen können, um allen Christus den Erlöser bekannt zu
machen. Zeichen der
Lebenskraft und Hoffnung 25.
Unter den positiven Zeichen, die am Jahrhundert- und Jahrtausendende auch
in den jüngsten Synodenversammlungen spürbar waren, sind die Sorge um den
Frieden, der Wunsch einer solidarischen Teilhabe der Nationen an der Lösung
eventueller örtlicher Konfikte, das wachsende Bewußtwerden der Menschenrechte,
die gleiche Würde aller Nationen, die Suche nach einer verstärkten Einheit auf
dem Planeten, verbunden mit einer effektiven Solidarität auf Weltebene zwischen
den armen und den reichen Ländern. Ein Samenkorn der Hoffnung ist der
zunehmende Freiwilligen-Einsatz vieler im Dienst an den Armen und den ärmsten Ländern.
Es wächst die Hochschätzung des Genius der Frau: Es ist eine zunehmende
Verantwortlichkeit der Frauen in der Gesellschaft und in der Kirche zu
verzeichnen.
Es fehlt nicht an ernsten Warnungen vor einer überspitzten
Globalisierung. Aber dafür gibt es heilsame Reaktionen in Form von Solidarität,
erhöhter Sensibilität für den Schutz der kulturellen Werte der Völker und
Nationen und das Bewußtsein, daß ethische und religiöse Werte gegenüber den
wirtschaftlichen und politischen Werten den Vorrang haben. Es gibt in der
heutigen Welt eine verstärkte Suche nach wahrer Freiheit und einen wachsenden
Gemeinsinn gegenüber dem Individualismus.
Die angekündigte Veröffentlichung des Kompendiums
der Soziallehre der Kirche läßt Gutes erhoffen im Hinblick auf den Einsatz
im sozialen und wirtschaftlichen Bereich zugunsten aller Völker.
Bei wechselnden Licht- und Schattenseiten wird auch auf Weltebene ein
Meinungswandel im Bezug auf manche Aspekte erkennbar, die bedroht schienen.
Gegenüber der genetischen Manipulierung und der Mißachtung des werdenden
Lebens zeigt sich eine erhöhte Aufmerksamkeit für das menschliche Leben und
seinen transzendenten Wert, der es mit dem Gott des Lebens verbindet. Man sucht
deutlich nach einer Übereinstimmung in den ethischen Werten auf internationaler
Ebene, während aus der drohenden Gefahr eines gestörten ökologischen
Gleichgewichts ein geschärfter Sinn für den Wert der Schöpfung erwächst. Ein neuer
Humanismus 26.
Die Vermassung und Globalisierung erzeugen als Reaktion den heftigen
Wunsch nach Personalismus und Innerlichkeit. Heute wird ein Gleichgewicht
zwischen Einheit und Pluralismus angestrebt: Die Einheit gehört zum Plan
Gottes, der die eine Menschennatur geschaffen hat als Fundament der Einheit der
Völkerfamilie, ihrer Herkunft und ihrer Bestimmung. Der Pluralismus der
Nationen, Sprachen und Kulturen spiegelt den Reichtum der vielfältigen Weisheit
Gottes wider (vgl. Eph 3,10).
Festzustellen ist in diesem Zusammenhang auch ein Wiedererwachen der Kulturen
als Gegenreaktion auf die weltumspannende Globalisierung, die sie einebnet und
entleert. Hingegen ist die kulturelle Identität auch durch den Güteraustausch
eine gegenseitige Bereicherung.
Für viele Menschen, die in einer verzweifelten Lage sind (z.B.
Einsamkeit, Egoismus und menschliche Vorhaben ohne transzendente Ziele, die aber
die Egozentrik von Personen und Gruppen verschärfen), öffnet die Hoffnung neue
Wege der Gemeinschaft, der Zusammenarbeit, der gemeinsamen Unternehmungen und
des hochherzigen und unentgeltlichen freiwilligen Einsatzes. Diese Werte
integrieren sich in den allumfassenden göttlichen Plan durch das persönliche,
kirchliche und familiäre Leben, in dem jeder Einzelne im Bewußtsein seiner
eigenen Berufung antwortet.
Auch heute gibt es die Suche nach dem Sinn und der Qualität des Lebens
auf allen Ebenen, auch der geistlichen. Es zeigt sich eine erhöhte Sensibilität
für das Personsein und für den Gemeinsinn in den zwischenmenschlichen
Beziehungen, die auf einer wahren Verbundenheit der Personen gründen.
Die Welt von heute und die Kirche spüren den Drang zur Einheit, obwohl
die volle und authentische "Kultur" der Einheit und Gemeinschaft oft
gefährdet sind. Die Früchte des
Jubiläums 27.
Auf kirchlicher Ebene wird vor allem nach dem Großen Jubiläum des
Jahres 2000 die Erneuerung des christlichen Lebens und die solidarische Teilhabe
aller an der Neuevangelisierung fortgesetzt.
Das Jubiläum der Menschwerdung wurde weltweit durch entsprechende
Katechesen und intensives sakramentales Leben gemäß dem von Johannes Paul II.
in Tertio millennio adveniente
vorgezeichneten geistlichen und pastoralen Programm vorbereitet. Die drei Jahre,
die der Betrachtung des Geheimnisses des Sohnes, des Heiligen Geistes und des
Vaters gewidmet waren, tragen jetzt Frucht. Sie hatten als besondere
Schwerpunkte die Sakramente (Erneuerung der Taufe, Firmung und Buße), das göttliche
Leben (Glaube, Hoffnung und Liebe) und die Sozialethik.
Das Jubiläum des Jahres 2000 wurde nach dem Vorbild der biblischen Einführung
des 50. Jubeljahres (vgl. Lev 25) mit
seiner vollen Verwirklichung in Jesus von Nazaret (vgl. Lk 4,16 ff.) gelebt und war tatsächlich ein Jahr geistlichen
Fortschritts. Die Gnade der Umkehr hat sich vervielfacht und hat die Hoffnung
auf einen kontinuierlichen Neuanfang genährt, der mit dem Beginn des dritten
Jahrtausends zusammenfällt. 28.
Einige Feiern des Jubiläums waren für die Kirche und Welt von
besonderer Bedeutung. Der Weltjugendtag bot ein Zeugnis des Glaubens, der Frömmigkeit
und kirchlichen Lebendigkeit durch die frohe Anwesenheit und Teilnahme so vieler
Jugendlicher aus der ganzen Welt, die sich in Rom um den Papst versammelt
hatten. Ihre kirchliche Präsenz ist eine Herausforderung; deshalb ist die
Jugendpastoral der Schwerpunkt für die kommenden Jahrzehnte. Unter den jungen
Christen ist der Anspruch auf eine klare Entscheidung für das Leben nach dem
Evangelium spürbar. Unter der Führung
des Heiligen Geistes 29.
Wie sich bei den verschiedenen kontinentalen Synodenver-sammlungen und
besonders am Pfingstfest 1998 gezeigt hat, fühlt die Kirche deutlich, daß der
Heilige Geist, wie er es in anderen geschichtlichen Epochen getan hat, neue
geistliche und apostolische Kräfte, authentische Charismen des Lebens nach dem
Evangelium und missionarischen Eifers geweckt hat, die den Bedürfnissen der
Welt von heute entsprechen; das gilt besonders für die kirchlichen
Bewegungen und neuen Gemeinschaften. Dieses Samenkorn läßt auf eine reiche
Ernte hoffen, besonders für die Priester- Ordens- und Laienberufungen vieler
junger Menschen, die ihr Leben dem Dienst des Evangeliums weihen wollen.
Neben den bereits bestehenden sind diese neuen Wirklichkeiten, wenn sie
den vom Lehramt[21] vorgezeichneten Kriterien der Kirchlichkeit und ihrem
eigenen Charisma entsprechen, die Gegenwart und die Zukunft der Kirche in der
Welt.[22] Auf dem Weg der
Einheit einander näher kommen 30.
Zu Beginn des neuen Jahrhunderts und Jahrtausends stehen die Gläubigen
und Hirten der christlichen Kirchen und Gemeinschaften durch die unbestreitbaren
Fortschritte des ökumenischen Dialogs,
einer im vergangenen Jahrhundert gereiften Frucht des Heiligen Geistes, einander
näher. Der verstärkte ökumenische Kontakt in den vergangenen Jahren soll zu
dieser unwiderruflichen Verpflichtung der katholischen Kirche und der anderen
christlichen Kirchen und Gemeinschaften ermutigen.
Manche Jubiläumsfeiern wie die Öffnung der Heiligen Pforte in der
Basilika St. Paul vor den Mauern, die ökumenische Gedenkfeier der
Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts, die Reise des Papstes ins Heilige Land
sowie andere jüngere Initiativen sind Anzeichen eines festen Willens seitens
der Christen, gemeinsam den Weg des Herrn zu gehen.
Auch der interreligiöse Dialog hat zu neuen Ergebnissen geführt in der
Suche nach dem Frieden und in der Anerkennung der religiösen und transzendenten
Werte. An erster Stelle sind die Beziehungen mit den Vertretern des Volkes
Gottes des ersten Bundes zu nennen. Diese Treffen eröffnen einen
hoffnungsvollen Weg zu Beginn eines Jahrtausends, das viele Menschen als die
Zeit des großen Dialogs zwischen den Weltreligionen betrachten, die die Werte
des Geistes bewahren.
Der Dialog, verstanden als Begegnung von Personen und Gruppen, wobei die
unterschiedliche Identität geachtet und jeder Irenismus und Synkretismus
vermieden wird, ist nicht nur der neue Name der Liebe, wie Paul VI. formulierte,[23] sondern ist heute auch der neue Name der Hoffnung in
einem neuen Weltszenarium. Ein starkes
Verlangen nach Spiritualität 31.
Ein Zeichen der Hoffnung ist das Verlangen
nach Spiritualität, das heute unter verschiedenen Formen als Anspruch
zutage tritt.
In erster Linie zeigt es sich durch ein Verlangen nach der ursprünglichen
christlichen Erfahrung, die Begegnung mit einem Lebendigen ist. Das bedeutet
notwendigerweise den Übergang von der Glaubensverkündigung zum gelebten
Glauben. Es setzt auch eine lebendige Liturgie in der Begegnung mit der Güte
des barmherzigen Gottes voraus, der uns als der "Arzt für Leib und
Seele"[24] Erlösung und Heil anbietet.
Im moralischen Bereich hat man
das Bedürfnis, die christliche Erfahrung in den ethischen Ansprüchen mit Hilfe
des Anhauchs des Heiligen Geistes "zu beleben". Denn die christliche
Moral "verströmt gleichzeitig ihre ganze missionarische Kraft, wenn sie
sich durch das Geschenk nicht nur des verkündeten, sondern auch des gelebten
Wortes vollzieht. Insbesondere ist es das Leben in Heiligkeit, das in so vielen
demütigen und oft vor den Blicken der Menschen verborgenen Gliedern des Volkes
Gottes erstrahlt, was den schlichtesten und faszinierendsten Weg darstellt, auf
dem man unmittelbar die Schönheit der Wahrheit, die befreiende Kraft der Liebe
Gottes, den Wert der unbedingten Treue, selbst unter schwierigsten Umständen,
angesichts aller Forderungen des Gesetzes des Herrn wahrzunehmen vermag".[25]
Daraus folgt der dringende Bedarf an einer Pastoral mit mehr Spiritualität,
die den Anforderungen der Neuevangelisierung entspricht. Deshalb wird es
notwendig sein, die Pastoral so zu gestalten, daß sie zur persönlichen und
mystischen Begegnung mit Christus hinführt, wie sie die Apostel vor und nach
der Auferstehung Jesu und die ersten Christen erlebt haben. Die Bischöfe als
Zeugen der Hoffnung 32.
Durch diese Sicht auf die Kirche in der Welt mit ihren Licht- und
Schattenseiten zu Beginn des dritten christlichen Jahrtausends muß jeder
Bischof das Evangelium Christi für die Hoffnung der Welt im ganzen Bereich der
universalen Kirche und in den einzelnen Teilkirchen bezeugen.
Daraus erwächst die konkrete geistliche und pastorale Verantworlichkeit
in der Teilkirche in einer Gesellschaft, die im Weltdorf der Kommunikation lebt
und an allen Geschehnissen auf dem Planeten teilhat.
Nicht zu vergessen ist, daß diese Situation eine geordnete Sicht der
Kirche, die in der Welt lebt, erforderlich macht und von den Bischöfen das
notwendige Wort und Wirken im Hinblick auf das Gemeinwohl verlangt. [1]
Cf. conc. œcum. vat. ii,
Const. past. de Ecclesia in mundo huius temporis Gaudium et spes, 45 ; Paulus
VI, Litt. Enc. Populorum
progressio (26.03.1967),
14: AAS
59 (1967) 264. [2]
Cf. Congregatio pro Doctrina Fidei, Decl. Dominus Iesus (6.08.2000), 1-2: AAS 92 (2000) 742-744. [3]
Ioannes Paulus ii, Ansprache an die kolumbianische Bischofskonferenz (2.07.1986),
8: AAS 79 (1987) 80. [4] Conc. Œcum. Vat. ii, Const.
past. de Ecclesia in mundo huius temporis Gaudium
et spes, 1. [5] Conc. Œcum. Vat. ii,
Const. dogm. de Divina revelatione Dei
Verbum, 1. [6]
Ioannes Paulus ii, Ansprache an die österreichischen Bischöfe beim ad
limina Besuch (6.07.1982), 2: AAS 74
(1982) 1123. [7]
Cf. Congregatio pro Episcopis, Directorium de pastorali ministerio
episcoporum Ecclesiæ imago
(22.02.1973). [8]
Cf. Congregatio pro Doctrina Fidei, Litt. Communionis notio (28.05.92): AAS
85 (1993) 838-850. [9]
Cf. Ioannes Paulus ii, Motu proprio Apostolos suos (21.05.98): AAS
90 (1998) 641-658. [10]
Conc. Œcum. Vat. ii, Decr. de activ. mission. Ecclesiæ Ad
gentes, 38. [11]
Conc. Œcum. Vat. ii, Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 23. [12]
Cf. ibid., 27. [13]
Cf. Conc. Œcum. Vat. ii,
Decr.
de activ. mission. Ecclesiæ Ad gentes,
8. [14]
Epist. ad Diognetum
6: Patres Apostolici I, Ed. F.X.
Funk, Tubingæ 1901, 400; cf. Conc. Œcum.
Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesiæ Lumen
gentium, 38. [15]
Sacra Congregatio pro Episcopis, Direct. Ecclesiæ imago (22.02.1973), 25. [16]
Paulus VI, Der Heilige Geist beseelt
und heiligt die Kirche: Ansprache bei der Generalaudienz am
Mittwoch (29.11.1972): L’Osservatore Romano (30.11.72) S. 1. [17]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Const. dogm. de Divina revelatione Dei
Verbum, 8. [18]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. past. de Ecclesia in mundo huius temporis Gaudium
et spes, 1. [19]
Cf. Synodus Episcoporum, Cœtus
Specialis pro Europa (1991), Declaratio Ut
testes simus Christi qui nos liberavit (13.12.1991); Ioannes Paulus II, Adhort. apost. postsyn. Ecclesia in Africa
(14.09.95), 46-52; Adhort. apost. postsyn. Ecclesia
in America (22.01.1999), 13-25; Adhort. apost. postsyn. Ecclesia
in Asia (6.11.1999), 5-9. [20]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. past. de Ecclesia in mundo huius temporis Gaudium
et spes; Paulus
VI, Litt. enc. Humanæ vitæ (25.07.1968):
AAS 60 (1968) 481-503; Ioannes Paulus
II, Adhort. apost. Familiaris
consortio (22.11.1981): AAS 74 (1982) 81-191
et Litt. enc. Evangelium
vitæ (25.03.1995): AAS 87 (1995) 401-522, wie andere
Interventionen, z.B. Brief an die Familien (2.2.1994) und andere
Dokumente des Päpstlichen Rat für die Familie und der Päpstlichen Akademie für das Leben. [21]
Cf. Ioannes Paulus II, Adhort.
apost. postsyn. Christifideles laici
(30.12.1988), 30: AAS 81 (1989)
446. [22]
Cf. Ioannes Paulus II, Botschaft an die Teilnehmer des 4. Weltkongresses der
kirchlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften
(27.05.1998): L’Osservatore Romano
(28.5.1998) S. 6. [23]
Cf. Paulus VI, Litt. enc. Ecclesiam
suam
III (6.08.1964): AAS 56 (1964)
639. [24]
S. Ignatius Antiochenus, Ad
Ephesios 7,2: Patres Apostolici
I, Ed. F.X. Funk, Tubingæ 1901, 218; cf. Conc.
Œcum. Vat. II,
Const. de Sacra liturgia Sacrosanctum
concilium, 5. [25]
Ioannes Paulus II, Litt. enc. Veritatis splendor
(6.08.1993), 107: AAS 85 (1993)
1217. Wie die Jungfrau
Maria den Erwartungen und Verheißungen Gottes treu 33.
Die Hoffnung der Kirche kommt von Christus, dem Auferstandenen, der schon
gesiegt hat und die eschatologische Vorwegnahme der Verheißungen Gottes in der
künftigen Herrlichkeit ist.
Angesichts der täglichen Prüfungen in einem Lebensgeflecht, das ein
Erwarten auf etwas Neues wird, das von Gott kommen muß, ist der Bischof für
seine Kirche wie Abraham, der "gegen alle Hoffnung voll Hoffnung geglaubt
hat" und von der Treue Gottes und der Erfüllung seiner Verheißungen überzeugt
war (vgl. Röm 4,18-22). Er vertraut
voll dem Wort und dem Plan Gottes wie Maria, die Frau der Hoffnung, die die Erfüllung
der Verheißungen des treuen Gottes erwartet hat - in Nazaret, in Betlehem, auf
Golgota und im Abendmahlssaal.
Die Geschichte der Kirche ist eine Geschichte des Glaubens und der Liebe,
aber auch eine Geschichte der Hoffnung und des Mutes. Der Bischof, der ähnlich
dem Wächter in der Nacht (vgl. Jes 21,11)
ein wachsamer Prophet der Hoffnung ist, kann seiner Herde Zuversicht geben,
indem er in der Welt neue Wege einschlägt.
Während er an Gott glaubt und auf ihn hofft (1
Petr 1,21), soll sich jeder Bischof die Worte von Augustinus zu eigen
machen: "Wer wir auch sein mögen, von uns dürft ihr nichts erhoffen. Als
Bischof sage ich sogar: Ich möchte mich über euch freuen, aber ich möchte
nicht gerühmt werden. Ich beglückwünsche keinen, von dem ich merke, daß er
seine Hoffnung auf mich setzt: er muß zurechtgewiesen, nicht bestärkt werden;
er muß sich ändern, er darf nicht ermutigt werden ... Ihr sollt eure Hoffnung
nicht auf uns setzen. Ihr sollt nicht auf die Menschen hoffen. Ob wir gut sind
oder schlecht, wir sind immer Diener. Aber wenn wir gute, treue Diener sind,
sind wir wirkliche Diener".[1] 34.
In diesen weiten Horizont ist der Dienst der Kirche im neuen Jahrtausend
eingebettet, ganz besonders die Sendung des Bischofs als Zeuge und Förderer der
christlichen Hoffnung.
Für den Hirten der Kirche geht es darum, daß er Gottes Gegenwart im
Lebensalltag mutig und einfallsreich bezeugt. Der ganze bischöfliche Dienst hat
zum Ziel, daß das Volk Gottes und jeder Mensch "eine lebendige Hoffnung
haben" (1 Petr 1,3). Deshalb ist
es notwendig, daß der Bischof das ganze Evangelisierungswerk insbesondere auf
die Hoffnung der jungen Menschen ausrichtet, die von illusorischen Mythen und
von pessimistischen Träumen bedroht sind, die verflüchten; ebenso auf die
Hoffnung all derer, die unter vielfachen Armutsformen leiden und auf die Kirche
als einzigen Schutz dank ihrer übernatürlichen Hoffnung schauen.
Jeder Bischof muß die Hoffnung in seinem Innern treu bewahren, denn sie
ist das österliche Geschenk des auferstandenen Herrn. Sie gründet in der
Tatsache, daß das Evangelium, dem der Bischof dient, ein allumfassendes Gut und
der Mittelpunkt ist, um den sich der bischöfliche Dienst dreht. Ohne die
Hoffnung bliebe seine ganze pastorale Tätigkeit ohne Widerhall. Das Geheimnis
seiner Sendung hingegen ist die konstante Festigkeit seiner göttlichen und
eschatologischen Hoffnung. Von ihr sagt Paulus: "Schon früher habt ihr
davon gehört durch das wahre Wort des Evangeliums, das zu euch gelangt
ist" ( Kol 1, 5-6).
Die christliche Hoffnung beginnt mit Christus und nährt sich von
Christus; sie ist Teilhabe an seinem Ostergeheimnis und Unterpfand für ein
Geschick, das dem Los Christi gleicht, denn der Vater "hat uns mit Christus
auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben" (Eph 2,6).
Der Bischof ist Zeichen und Diener dieser Hoffnung geworden. Jeder
Bischof kann sich die Worte Johannes Pauls II. zu eigen machen: "Ohne
Hoffnung wären wir nicht nur unglückliche und beklagenswerte Menschen, unser
ganzes seelsorgliches Wirken würde unfruchtbar; wir würden überhaupt nichts
mehr zu unternehmen wagen. In der Unbeugsamkeit unserer Hoffnung liegt das
Geheimnis unserer Sendung. Sie ist stärker als die wiederholten Enttäuschungen
und ermüdenden Zweifel, denn sie schöpft ihre Kraft aus einer Quelle, die
weder unsere Unachtsamkeit noch unsere Nachlässigkeit zum Versiegen bringen können.
Die Quelle unserer Hoffnung ist Gott selber, der durch Christus für uns die
Welt ein für allemal überwunden hat und heute durch uns seine Heilssendung
unter den Menschen fortsetzt".[2] 2. Kapitel Geheimnis, Dienst und geistlicher Weg des Bischofs Die Ikone Christi
des guten Hirten 35.
Es gibt viele Schriftstellen, die die geistliche Figur des Bischofs im
Licht Christi des Hohenpriesters und Hirten unserer Seelen zeichnen. Sie stammen
aus dem Alten und Neuen Testament und handeln vom Bild des Hohenpriesters oder
des Hirten.
Alle Texte gehen auf das Urbild, das Christus ist, zurück. Er hat sich
in den Gleichnissen des Evangeliums als Hirt vorgestellt, der nach den verirrten
Schafen sucht (vgl. Lk 15,4-7). Er hat
sich als der "gute" Hirt der Herde bezeichnet (vgl. Joh 10,11.14.16; Mt 26,31;
Mk 14,27). Die apostolische Gemeinde
bezeichnete ihn als "Hirt und Bischof eurer Seelen" (1
Petr 2,25), als "oberster Hirt" (1
Petr 5,4), als "erhabenen Hirten seiner Schafe", der vom Vater
auferweckt wurde. In der Vision der Geheimen Offenbarung ist der auferstandene
Herr das Lamm als Hirt (vgl. Offb
7,17), der in sich die Wirklichkeit des österlichen Opfertodes und der Erlösung,
die Rolle des Priesters und Hirten des Alten und des Neuen Testaments, vereint.
Die frühchristliche Ikonografie stellte Christus gern als guten schönen
Hirten im Glanz seiner Auferstehung dar, der von der Liturgie als der
Auferstandene, der gute Hirt, besungen wird, der sein Leben für seine Schafe
gibt.[3]
Jesus Christus ist also der Hirt, der in sich die Wahrheit, die Güte und
die Schönheit seines Selbstopfers für die Herde vereint. Die Schönheit des
guten Hirten besteht in der Liebe, mit der er sich für jedes seiner Schafe
opfert und mit ihm eine persönliche Beziehung, eine Bekannschaft und Liebe,
anknüpft.
Ort der Begegnung mit dem guten Hirten ist die Kirche, wo er sich gegenwärtig
macht, wo er seine Herde durch das Wort und die Sakramente weidet, sie auf die
Weiden des ewigen Lebens führt durch diejenigen, die Christus selbst mit Hilfe
des Heiligen Geistes als Hirten derr Herde eingesetzt hat. Die Schönheit des
Hirten spiegelt sich in der Schönheit einer liebenden und dienenden Kirche
wider und ist für die ganze Menschheit ein Grund zur Hoffnung, weil sie auch
vom göttlichen Verlangen, das er im Herzen trägt, zu einer Schönheit
angetrieben wird, die heilt und die im Antlitz des Hirten und Lammes aufscheint. 36.
Nur Christus ist der gute Hirt. Von ihm, der Quelle, geht in der Kirche
das Hirtenamt aus, das Jesus Petrus übertragen hat (vgl. Joh 21,15.17). Es ist eine Gnade, die als Kontinuität des
apostolischen Dienstes zu leiten und Sorge zu tragen verstanden wird:
"Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang,
sondern freiwillig, wie Gott es will" (1
Petr 5,2).
Die Gestalt des Bischofs als Hirt ist der christlichen Tradition durch
die Worte, Gesten und Zeichen der Bischofswürde vertraut, aber immer in der
Betrachtung des einen Hirten und in der Nachahmung seiner Gefühle mit Hilfe der
von ihm empfangenen Gnade.
"Jesus der gute Hirt hat ihm (dem Bischof) durch das Weihesakrament
dieselben Vollmachten anvertraut: Deshalb ist es für den Bischof eine Pflicht
der Liebe, die Herde des Herrn zu weiden, und es ist für ihn eine Antwort der
Liebe, den Dienst mit derselben Bereitschaft zu leisten, wie es Christus, der
oberste Hirt (vgl. 1 Petr 5,4), der
Bischof unserer Seelen (vgl. 1 Petr
2,25) getan hat".[4]
Der bischöfliche Dienst wird - nach den Worten von Augustinus[5] - in der
Kirche ein amoris officium, ein Dienst
der Einheit in der Gemeinschaft und in der Sendung. Auf dieses höchste Urbild,
das Christus ist, geht die Bezeichnung Hirt und alle daraus abgeleiteten Formen
zurück I.
Geheimnis und Gnade des Episkopats Die Gnade der
Bischofsweihe 37.
Mit der Bischofsweihe "wird die Fülle des Weihesakraments
verliehen, das heißt das höchste geweihte Amt, das Hohepriestertum, wie es in
der Liturgie der Kirche und von den Kirchenvätern gewöhnlich genannt
wird".[6] Der Wesenskern des Geheimnisses und Dienstes des Bischofs
wird durch die Worte und Gesten der Bischofsweihe in der Liturgie des Sakraments
ausgedrückt, das seit altersher "natalis Episcopi" genannt wird.
Das kirchliche Bild des Bischofs wird seit frühchristlicher Zeit in den
verschiedenen Liturgien der Bischofsweihe im Osten und im Westen als der Moment
dargestellt, in dem durch die Handauflegung und den Weihespruch die Gnade des
Heiligen Geistes auf den Erwählten herabkommt und durch das heilige Prägemal
das lebendige Bild Christi, des Lehrers, Hirten und Priesters, in Fülle
verliehen wird und damit die Aufgabe, an seiner Statt und in seiner Person zu
handeln.[7]
Der Bischof wird auch durch die Salbung mit dem heiligen Chrisam geweiht,
um an dem Hohepriestertum Christi teilzuhaben, so daß er den Dienst am Wort,
der Heiligung und der Leitung voll ausüben kann. Als Hoherpriester wird er aus
den Menschen ausgewählt und für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott
(vgl. Hebr 5,1). Das Bischofsamt, sagt
man, bezeichnet nicht in erster Linie eine hohe Würde, sondern einen Dienst; es
zielt dahin, Gutes zu wirken und keinen Vorrang zu beanspruchen. Denn auch für
den Bischof gelten die Worte des Herrn: "... der Größte unter euch soll
werden wie der Kleinste, und der Führende soll werden wie der Dienende" (Lk
22,26).[8] In Gemeinschaft
mit der Dreifaltigkeit 38.
Die dreifaltige Dimension des Lebens Jesu, die ihn als Gesalbten und in
die Welt Gesandten mit dem Vater und dem Heiligen Geist verbindet und in seinem
ganzen Denken und Handeln deutlich wird, formt auch die Persönlichkeit des
Bischofs als guten Hirten und Nachfolger der Apostel.
Diese Teilhabe am Leben und an der trinitarischen Sendung vollzieht sich
zuerst an den Aposteln als ersten Teilhabern an der Gemeinschaft und Sendung:
"Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in
meiner Liebe!" (Joh 15,9; 17,23).
"Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch" (Joh
20,21). Jesus bittet auch für die Jünger, daß sie in die gleiche dreifaltige
Liebe eingebunden seien: Wie der Vater und der Sohn eins sind, so sollen die Jünger
eins sein (vgl. Joh 17,21 ).
Dieser Bezug auf die Dreifaltigkeit macht deutlich, von wo sich das
Bischofsamt herleitet. Die apostolische Nachfolge ist dann nicht nur physisch
und zeitlich, sondern durch die Gnade der Bischofsweihe auch ontologisch und
geistlich. Denn die Bischöfe wurden von den Aposteln als ihre Nachfolger
gesandt; die Aposteln wurden von Christus gesandt; Christus wurde vom Vater
gesandt.[9] 39.
Das dreifaltige Prägemal der Gnade des Bischofsamtes findet in der
Liturgie der Bischofsweihe angemessenen Aufsdruck: "Gib also acht auf die
ganze Herde, in welcher dich der Heilige Geist bestellt, die Kirche Gottes zu
leiten. Im Namen des Vaters, den du in der Kirche darstellst, im Namen Jesu
Christi, seines Sohnes, dessen Amt als Lehrer, Priester und Hirte du ausüben
wirst, im Namen des Heiligen Geistes, welcher der Kirche Christi Leben verleiht
und unsere Schwachheit durch seine Kraft stärkt und festigt".[10]
Es wird auch deutlich durch die Worte und Gesten der Weihe mit der
Handauflegung, eine Geste, die nach Irenäus von Lyon an die beiden Hände des
Vaters, den Sohn und den Heiligen Geist, erinnert.[11] Sie formt und kennzeichnet den Erwählten mit der Fülle
des Priestertums, wie das Geschenk des "Geistes des Hohenpriestertums"
auf Christus ausgegossen und den Aposteln weitergegeben ist, die überall die
Kirche gegründet haben.[12] Vom Vater durch
Christus im Heiligen Geist 40.
Die Tradition, die den Bischof als Bild
des Vaters darstellt, ist sehr alt. Sie geht vor allem auf die Briefe
des Ingatius von Antiochien zurück. Denn der Vater ist gleichsam der
unsichtbare Bischof, der Bischof aller.[13] Der Bischof seinerseits soll von allen geehrt werden,
weil er das Bild des Vaters ist.[14] In ähnlicher Weise mahnt ein frühchristlicher Text:
Liebt die Bischöfe, die nach Gott Vater und Mutter sind.[15]
Auch heute wird bei der Bischofsweihe auf diese väterliche Dimension
hingewiesen. Der Bischof ist gerufen, für das heilige Volk Gottes wie ein
wahrer Familienvater mit väterlicher Liebe Sorge zu tragen, um es mit Hilfe der
Priester und Diakone auf dem Heilsweg zu leiten.[16] Das bereits im II. Vatikanum erwachte neue Verständnis
von Kirche als Familie Gottes, macht
das väterliche Bild des Bischofs noch deutlicher.[17]
In Kontinuität mit der Person
Christi, der die ursprüngliche Ikone des Vaters und die Offenbarung seiner
Gegenwart und seines Erbarmens ist, wird auch der Bischof durch die sakramentale
Gnade lebendiges Bild des Herrn Jesus als Haupt und Bräutigam der ihm
anvertrauten Kirche. In ihr vollzieht er als Priester
den Dienst der Heiligung, des Gottesdienstes und des Gebets; als Lehrer
den Dienst der Verkündigung, der Katechese und Lehre; als Hirt
die Aufgabe, das Volk zu führen und zu leiten. Diese Dienste muß er mit den
Charaktereigenschaften des guten Hirten ausüben: die Nächstenliebe, das
Erkennen der Herde, die Sorge für alle, die caritative Tätigkeit für die
Armen, die Pilger, die Notleidenden, die Suche der verirrten Schafe, um sie zu
dem einen Schafstall der Kirche zurückzuführen.[18]
Das alles ist möglich, weil der Bischof in seiner Weihe in Fülle die Salbung
des Heiligen Geistes empfängt, der am Pfingsttag auf die Apostel
herabgekommen ist. Dieser Geist des Hohenpriestertums befähigt den Bischof
innerlich - indem er ihn Christus gleichgestaltet -, die lebendige Fortführung
seines Geheimnisses für seinen mystischen Leib zu sein.
Dieses trinitarische Verständnis des Lebens und Dienstes des Bischofs
kennzeichnet auch in ganzer Tiefe seine ständige Beziehung zum Geheimnis, das
auch in der Kirche, dem Bild der Dreifaltigkeit, aufscheint, in dem von der
Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in Frieden und Eintracht
versammelten Volk.[19] Die kirchliche
Ikone des Bischofs 41.
Die bischöflichen Aufgaben und Insignien, die der Bischof in seiner
Bischofsweihe als Zeichen der Gnade und des Amtes empfängt, haben wegen ihrer
kirchlichen Symbolik eine große Aussagekraft.
Das Evangeliumbuch, das dem
Bischof auf das Haupt gelegt wird, ist Zeichen eines ganz dem Wort Gottes
untergeordneten Lebens, das der geduldigen Verkündigung des Evangeliums mit der
vollständigen Lehre gewidmet ist.
Der Ring ist das Symbol der
Treue zur Kirche, die er in der Integrität des Glaubens und der Reinheit des
Lebens als die Braut Christi bewahren muß. Die Mitra
verweist auf die bischöfliche Heiligkeit und auf die Krone der Herrlichkeit,
die der oberste Hirt seinen treuen Dienern verleihen wird. Der Bischofsstab ist
das Symbol der Aufgabe des guten Hirten, der für die ihm vom Heiligen Geist
anvertraute Herde Sorge tragen und sie leiten muß.[20]
Auch das Pallium, das die Bischöfe im Orient seit je und einige Bischöfe
jetzt im Westen empfangen, hat verschiedene und vielfältige Bedeutung. Für die
Metropoliten, die es im Westen empfangen, ist es Zeichen der Gemeinschaft mit
dem Papst, Symbol der Einheit, Verpflichtung der Gemeinschaft mit dem
Apostolischen Stuhl, Band der Liebe und Ansporn zur Standhaftigkeit im
Bekenntnis und Schutz des Glaubens. Das Pallium hatte aber als omophorion
der Bischöfe in den orientalischen Kirchen in frühchristlicher Zeit und jetzt
noch andere Bedeutungen von großem geistlichen und kirchlichen Wert. Es ist aus
Wolle gewebt und mit Kreuzen geschmückt. Es ist das Emblem des Bischofs, der
mit Christus, dem guten Hirten, der sich geopfert und das Leben für die Herde
hingegeben hat, das verirrte Lamm auf die Schultern nimmt; es bedeutet die Sorge
für alle, besonders für diejenigen, die sich vom Schafstall entfernt haben. So
heißt es nach östlicher[21] und
westlicher[22] Tradition.
Das Kreuz, das der Bischof sichtbar auf der Brust trägt, ist sprechendes
Zeichen seiner Zugehörigkeit zu Christus, des Bekenntnisses seines Vertrauens
in ihm und der Kraft, die ständig aus dem Kreuz des Herrn für das Geschenk des
Lebens geschöpft wird. Es ist keineswegs ein Juwel oder ein äußerer Schmuck,
sondern stellt das siegreiche Kreuz Christi dar, das Zeichen der Hoffnung, nach
dem Wort des Apostels: "Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi,
unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der
Welt" (Gal 6,14).
Diese einfachen Hinweise sollen die der Feier der Bischofsweihe
innewohnende tiefe Symbolik deutlich machen.
All dies ist gekennzeichnet von der Universalität derer, die die
Bischofsweihe empfangen haben und in Gemeinschaft mit dem Papst dem
Bischofskollegium angehören und mit ihm die Sorge für die ganze Kirche teilen.[23] Der
Geist der Heiligkeit 42.
Aus der Rolle des Bischofs, wie sie in den Worten und Riten der Weihe
Ausdruck findet, erwächst die Berufung zur Heiligkeit, seine besondere
Spiritualität, sein Weg zur Heiligkeit und Vollkommenheit gemäß dem
Evangelium. Diese Tradition wird vom west- und ostkirchlichen Riten bekräftigt,
die dem Bischof die Fülle der Heiligkeit zuschreiben, die dieser vor Gott und
in Gemeinschaft mit den Gläubigen leben muß.
Das alte Eucologium von Serapion
bringt diesen Gedanken im Gebet der Bischofsweihe zum Ausdruck: "Gott der
Wahrheit, mach deinen Diener zu einem lebendigen Bischof, einem heiligen Bischof
in der Nachfolge der heiligen Apostel. Und gib ihm die Gnade des göttlichen
Geistes, den du den treuen Dienern, den Propheten und Patriarchen verliehen
hast".[24]
Es handelt sich um einen Ruf zur Heiligkeit, der in der Hirtenliebe, im
ständigen Dienst des Herrn, in der Darbringung der heiligen Gaben, im Dienst
der Sündenvergebung gelebt wird, Ihm durch Milde und Reinheit, in der
Selbsthingabe als wohlriechendes Opfer, wohlgefällig.[25]
Aus diesen Voraussetzungen erwächst für den Bischof der Ruf zur eigenen
Heiligkeit kraft des empfangenen Geschenkes und des ihm aufgetragenen
Heiligungsdienstes. II.
Die Heiligung im eigenen Dienstamt Das geistliche
Leben des Bischofs 43.
Das geistliche Leben des Bischofs als Leben in Christus gemäß dem
Heiligen Geist wurzelt in der Gnade der Sakramente der Taufe und Firmung, wo er
als "christifidelis", in Christus wiedergeboren, befähigt wurde, an
Gott zu glauben, auf ihn zu hoffen und ihn mit Hilfe der göttlichen Tugenden zu
lieben und unter dem Antrieb des Heiligen Geistes kraft seiner heiligen Gaben zu
handeln. Denn der Bischof unterscheidet sich von den anderen Jüngern des Herrn,
die in ihn eingegliedert und Tempel des Heiligen Geistes wurden. Der Bischof
lebt seine christliche Berufung als Jünger und Apostel im Bewußtsein seiner
persönlichen Beziehung zu Christus. Augustinus hat das in dem bekannten
Ausspruch, auf seine Gläubigen bezogen, gut ausgedrückt: "Für euch bin
ich Bischof, mit euch bin ich Christ".[26]
Auch der Bischof ist getauft und gefirmt, er wird genährt von der
heiligen Eucharistie und bedarf der Vergebung des Vaters auf Grund der
menschlichen Schwachheit. Er muß auch zusammen mit den Priestern seines
Presbyteriums bestimmte geistliche Wege gehen, da er auf Grund der neuen Würde,
die ihm mit dem Weihesakrament verliehen wurde, zur Heiligkeit berufen ist.[27] 44.
Es handelt sich um eine "eigene" Spiritualität, die dazu
anleitet, in Glaube, Hoffnung und Liebe in der Gemeinschaft das Amt als Verkündiger,
Liturge und Führer zu leben. Es ist eine kirchliche Spiritualität, weil jeder
Bischof Christus, dem Hirten, nachgebildet ist, um die Kirche mit der Liebe
Christi, des Bräutigams, zu lieben und ihr zu dienen.
Es ist nicht möglich, Christus zu lieben und in der Vertrautheit mit ihm
zu leben, ohne die Kirche zu lieben, die von Christus geliebt wird. Denn man hat
den Geist Gottes in dem Maß, in dem man die Kirche liebt, "eins in allen
und ganz in allen; einfach in der Pluralität durch die Einheit des Glaubens,
vielfach in jedem auf Grund des Bandes der Liebe und der Vielfalt der
Charismen".[28] Nur aus der Liebe zur Kirche, die Christus so sehr
geliebt hat, daß er sein Leben für sie hingab (Eph 5,25), geht eine Spiritualität in so vollendetem Maß hervor
wie das, in dem der Herr die Menschen geliebt hat, das heißt bis zum Tod am
Kreuz. [1]
S. Augustinus, Serm. 340/A,9: PLS 2,644. [2]
Ioannes Paulus II, Ansprache an die österreichischen Bischöfe beim ad limina
Besuch (6.07.1982), 2 : AAS
74 (1982) 1123. [3]
Cf. Missale Romanum, Dominica
IV Paschæ, Antif. ad communionem: «Surrexit Pastor bonus qui animam suam
posuit pro ovibus suis et pro grege suo mori dignatus est». [4]
Sacra Congregatio Pro Episcopis, Direct. Ecclesiæ imago
(22.02.1973), 22. [5]
Cf. s. Augustinus, Tractatus 123 in Ioannem: PL 35, 1967. [6]
Conc. Œcum. Vat. II, Const.
dogm. de Ecclesia Lumen gentium,
21. [7]
Cf. ibid. [8]
Cf. Pontificale Romanum, De
ordinatione episcopi, 39, Homilia. [9]
Cf. Clemens Romanus, Epist. ad Corinthos, 42-44: Patres
apostolici I, Ed. F. X. Funk, Tubingæ 1901, 154-159. [10]
Pontificale Romanum, De
ordinatione episcopi,39, Homilia. [11]
Cf. s. Iræneus, Adversus hæreses,
IV, 20, 1.3: PG 7, 1032; Demonstratio prædicationis apostolicæ, 11, Sources Chrét.
62, 48-49; cf. Catechismus
Ecclesiæ Catholicæ, 704. [12]
Cf. Pontificale Romanum, De
ordinatione episcopi, 47, Prex ordinationis. [13]
Cf. s. Ignatius Antiochenus, Ad
Magnesios, 6, 1; 3, 1: Patres
apostolici I, ed. F.X. Funk, Tubingæ
1901, 232-233; 234-235. [14]
Cf. s. Ignatius Antiochenus, Ad
Trallianos 3, 1: ibid., p.
244-245. [15]
Didascalia apostolorum II, 33, 1, in Didascalia et Constitutiones apostolorum, II, ed. F.X.
Funk, Paderborn 1905, 114-105. [16]
Cf. Pontificale Romanum, De
ordinatione episcopi, 40, p. 13: Promissio electi. «Plebem Dei sanctam
[…] ut pius pater fovere et in viam salutis dirigere». [17]
Cf. Conc. Œcum. Vat. ii, Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 6.28; ioannes paulus ii,
Adhort. apost. postsyn. Ecclesia in
Africa (14.09.1995), 65:
AAS 88 (1996) 41. [18]
Cf. Pontificale Romanum, De
ordinatione episcopi, 40, p. 14: Promissio electi. [19]
Cf. Cyprianus Episcopus, De
oratione dominica, 23: PL 4, 553: «Sacrificium Deo maius est pax
nostra et fraterna concordia, et de unitate Patris, et Filii et Spiritus
Sancti, plebs adunata»; (cf. Conc.
Œcum. Vat. ii, Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 4). [20]
Cf. Pontificale Romanum, De
ordinatione episcopi, 50-54, p. 26-27: Unctio capitis et traditio Libri
Evangeliorum atque insignum. [21]
Cf. Isidorus Pelusiota Erminio comiti, Epistularum lib. I, 136: PG 78, 271-272: «Id autem amiculum,
quod sacerdos humeris gestat, atque ex lana, non ex lino contextum est, ovis
illius, quam Dominus aberrantem quæsivit
inventamque humeris suis sustulit, pellem designat. Episcopus enim qui
Christi typum gerit, ipsius munere fungitur». [22]
Cf. Benedictus xiv, Const. Rerum
ecclesiasticarum (12.08.1748): De pallii benedictione et traditione
in S.D.N. Benedicti Papæ
XIV Bullarum, tom. II, 494-497: «Ut
quam mysticæ repræsentant pastoralis offici plenitudinem, atque
excellentiam, pleno quoque operentur effectu […] Sit boni magnique illius imitator pastoris, qui errantem
ovem humeris suis impositam adunavit, pro quibus animam posuit». [23]
Cf. Pontificale Romanum, De
ordinatione episcopi, 49-45, p. 26-27: Unctio capitis et traditio Libri
Evangeliorum atque insignum. [24]
Sacramentarium Serapionis, 28, in Didascalia
et Constitutiones Apostolorum, II, Ed. F.X. Funk, Paderborn 1905, 191. [25]
Cf. Pontificale Romanum, De
ordinatione episcopi, 47, p. 24-25: Prex ordinationis. [26]
S. Augustinus, In natale episcopi: CCL
104, 919, 1: «Vobis enim sum episcopus; vobiscum sum christianus. Illud est
nomen suscepti officii, hoc gratiæ;
illud periculi est, hoc salutis». [27]
Cf. Conc. Œcum. Vat. ii,
Presbyterorum ordinis, cap.
III;
cf. Ioannes Paulus ii, Adhort.
apost. postsyn. Pastores
dabo vobis (25.03.1992) cap. III. [28]
Cf. S. Petrus Damianus, Opusc.
XI (Liber qui appellatur Dominus vobiscum) 5: PL 145, 235; cf.
s. Augustinus, In Ioann. 32, 8: PL 35, 1645. Eine authentische
Hirtenliebe 45.
Angelpunkt der besonderen Spiritualität des Bischofs ist die Ausübung
seines Amtes, das innerlich vom Glauben, von der Hoffnung und insbesondere von
der Hirtenliebe inspiriert wird; sie ist die Seele seines Apostolates in einer
pastoralen Dynamik "pro -existentia", ein Leben für Gott und für die
anderen wie Christus, zum Vater hin und ganz im Dienst der Brüder und
Schwestern, in der täglichen Selbsthingabe eines unentgeltlichen Dienstes der
Liebe in Gemeinschaft mit der Dreifaltigkeit. "Die Hirten der Herde Christi
müssen nach dem Bild des ewigen Hohenpriesters - bekräftigt Lumen gentium - heilig und freudig, demütig und kraftvoll ihr Amt
ausüben, das auch für sie, wenn sie es so erfüllen, das hervorragende Mittel
der Heiligung ist. Sie wurden zur Fülle des Priestertums erwählt und sind mit
sakramentaler Gnade beschenkt, damit sie durch Gebet, Opfer und Verkündigung,
durch jede Weise ihres bischöflichen Sorgens und Dienens vollkommen das Amt der
Hirtenliebe ausüben, nicht fürchten, ihr Leben für ihre Schafe einzusetzen,
und als Vorbild für die Herde (vgl. 1
Petr 5,3) die Kirche auch durch ihr Beispiel zu täglich größerer
Heiligkeit voranführen".[1]
Schon das Pastoraldirektorium Ecclesiae imago hatte ein ganzes und ausführliches
Kapitel den für einen Bischof notwendigen Tugenden gewidmet.[2] Außer den
Hinweisen auf die übernatürlichen Tugenden des Gehorsams, der vollkommenen
Enthaltsamkeit aus Liebe zum Reich Gottes, der Armut, der pastoralen Klugheit
und der Beharrlichkeit findet sich in diesem Kontext auch ein Hinweis auf die göttliche
Tugend der Hoffnung, auf die sich der Bischof mit fester Gewißheit stützt,
dadurch von Gott alles Gute
erwartet und sein ganzes Vertrauen auf die göttliche Vorsehung setzt,
"eingedenk der heiligen Apostel und der altehrwürdigen Bischöfe, die auch
große Schwierigkeiten und Hindernisse aller Art erfuhren und doch das
Evangelium Gottes mit aller Unerschrockenheit predigten".[3]
Viele Bischöfe waren Vorbilder theologischer Weisheit und der
Hirtenliebe von den ersten Jahrhunderten des Christentums an bis zum 20.
Jahrhundert. Sie haben in ihrem Leben den Dienst der Verkündigung und
Katechese, die Feier der heiligen Geheimnisse und das Gebet, den apostolischen
Eifer und die tiefe Liebe zum Herrn miteinander verbunden. Sie haben Kirchen
gegründet, die Sitten reformiert, die Wahrheit geschützt. Sie waren mutige
Zeugen im Martyrium und prägten die Gesellschaft durch Initiativen der Nächstenliebe
und Gerechtigkeit, durch mutige Gesten zugunsten des eigenen Volkes angesichts
der Mächtigen der Welt.[4] Der Verkündigungsdienst 46.
Der Bischof soll seine Spiritualität, die in der Hirtenliebe wurzelt und
im dreifachen Dienstamt der Lehre, Heiligung und Leitung Ausdruck findet, nicht
nebenbei, sondern in enger Verbindung mit seinen Amtsaufgaben leben.
Der Bischof ist vor allem Diener
der Wahrheit, die rettet, nicht nur um die Menschen zu lehren und zu
informieren, sondern auch um sie zur Hoffnung und damit zum Fortschreiten auf
dem Weg der Hoffnung anzuleiten. Wenn also ein Bischof wirklich als Zeichen,
Zeuge und Diener der Hoffnung vor sein Volk treten will, muß er sich in ganzer
Anhänglichkeit und voller Verfügbarkeit vom Wort der Wahrheit nähren nach dem
Vorbild der heiligen Gottesmutter Maria, "die geglaubt hat, daß sich erfüllt,
was der Herr ihr sagen ließ" (Lk 1,45).
Weil dieses göttliche Wort auch in der Heiligen Schrift enthalten ist
und darin zum Ausdruck kommt, muß ein Bischof ständig durch häufiges Lesen
und eifriges Studium auf sie zurückgreifen.[5] Er tut es nicht nur deshalb, weil er, würde er es nicht
im Innern hören,[6] sonst nach außen ein nutzloser Prediger des Wortes
Gottes wäre, sondern auch, weil er seinen Dienst für die Hoffnung aushöhlen würde.
Der Bischof schöpft aus der Schrift tatsächlich Nahrung für seine Spiritualität
der Hoffnung, um seinen Dienst als Verkündiger des Evangeliums wirklich zu erfüllen.
Nur so kann er sich wie der Apostel Paulus an seine Gläubigen mit den Worten
wenden: "Alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung
geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung
haben" (Röm 15,4).
Im bischöflichen Dienst wird die Option der Apostel vom Beginn der
Kirche an erneuert: "Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort
bleiben" (Apg 6,4). Wie Origenes
schrieb: "Der Papst hat zwei Dinge zu tun: zum Einen: von Gott lernen,
indem er die göttlichen Schriften liest und immer wieder über sie nachdenkt;
zum zweiten, das Volk unterweisen. Aber er muß die Dinge lehren, die er selbst
von Gott gelernt hat!".[7] Beter und Lehrer
des Gebets 47.
Der Bischof ist auch ein Mann des Gebets, der für sein Volk eintritt
durch die treue Feier des Stundengebets, dem er auch unter seinem Volk vorstehen
muß.
Im Bewußtsein, daß er nur durch sein eigenes persönliches Beten Lehrer
des Gebets für seine Gläubigen sein kann, wendet sich der Bischof an Gott, um
mit dem Psalmisten die Worte zu wiederholen: "Ich warte auf dein Wort"
(Ps 119,114). Denn das Gebet ist
bevorzugte Ausdrucksform der Hoffnung, wie Thomas von Aquin schreibt, es ist
"die Übersetzerin der Hoffnung".[8]
Aufgabe des Bischofs ist der Dienst des pastoralen
und apostolischen Gebets vor Gott und für sein Volk nach dem Vorbild Jesu,
der für die Apostel bittet (vgl. Joh
17) und des Apostels Paulus, der für seine Gemeinden bittet (vgl.
Eph 3,14-21; Phil 1,3-10). Denn der Bischof muß in sein Gebet die ganze Kirche
einschließen, wobei er in besonderer Weise für das ihm anvertraute Volk betet.
Indem er Jesus in der Wahl seiner Apostel nachahmt (vgl. Lk 6,12-13), unterbreitet er dem Vater durch Christus im Heiligen
Geist alle seine pastoralen Initiativen, Erwartungen und Hoffnungen. Und der
Gott der Hoffnung erfüllt ihn mit aller Freude und mit allem Frieden im
Glauben, damit er reich wird an Hoffnung in der Kraft des Heiligen Geistes (vgl.
Röm 15,13).
Ein Bischof muß auch Gelegenheiten suchen, in denen er das gemeinsame Hören
des Wortes Gottes und das Gebet zusammen mit dem Presbyterium pflegt,
gegebenenfalls auch mit den ständigen Diakonen, mit den Seminaristen und mit
den Ordensleuten der Teilkirche und, wo und wann es möglich ist, auch mit den
Laien, insbesondere mit denen, die ihr Apostolat gemeinschaftlich leben.
Auf diese Weise fördert er den Geist der Communio, er stützt ihr
geistliches Leben und erweist sich als "Führer der Vollkommenheit" in
seiner Teilkirche. Er bemüht sich, "die Heiligkeit der Kleriker,
Ordensleute und Laien nach der Berufung eines jeden zu fördern".[9] Zugleich stärkt er in sich auch die Bande der
kirchlichen Beziehungen, in die er als sichtbarer Mittelpunkt der Einheit
eingegliedert wurde.
Er nutzt auch die Gelegenheit, um mit den bischöflichen Mitbrüdern, vor
allem den benachbarten der gleichen Kirchenprovinz oder Region ähnliche
Augenblicke der geistlichen Begegnung zu verbringen. Bei diesen Begegnungen kann
man die Freude erleben, die aus dem Zusammensein unter Brüdern erwächst (vgl. Ps
133,1). Außerdem kommt die kollegiale Liebe zum Ausdruck und wird gestärkt. Von der Gnade der
Sakramente genährt 48.
Die Wirksamkeit der pastoralen Leitung eines Bischofs und seines
Zeugnisses für Christus, die Hoffnung der Welt, hängt zum großen Teil von der
Authentizität der Nachfolge des Herrn und von seiner gelebten Freundschaft mit
Ihm ab.
Nur die Heiligkeit ist prophetische Verkündigung der Erneuerung, ddie
der Bischof im eigenen Leben durch die Annäherung an jenes Ziel vorwegnimmt, zu
dem er seine Gläubigen führt. Dennoch spürt auch er wie jeder Christ auf
seinem geistlichen Weg die Notwendigkeit zur Umkehr, weil er sich der eigenen
Schwächen, der eigenen Mutlosigkeit und der eigenen Sünde bewußt ist. Aber -
so lehrte der hl. Augustinus - wem die Sünde nicht verwehrt wurde, der kann
sich auch die Hoffnung nicht verwehren,[10] und deshalb nimmt der Bischof das Sakrament der Buße und
der Versöhnung zu Hilfe. Wer die Hoffnung hat, Kind Gottes zu sein und ihn zu
sehen, wie er ist, heiligt sich, so wie der himmlische Vater heilig ist (vgl. 1 Joh
3,3).
Auch die Apostel, denen der auferstandene Jesus das Geschenk des Heiligen
Geistes für die Sündenvergebung mitgeteilt hat (vgl. Joh
20,22-23), mußten vom Herrn das Wort des Friedens empfangen, das versöhnt, und
die Bitte der Liebesreue, die heilt (vgl. Joh
20, 19.21; 21, 15 f.).
Zweifellos ist es ermutigend für das Volk Gottes, an erster Stelle den
eigenen Bischof das Sakrament der Versöhnung empfangen zu sehen, wenn dieses
bei besonderen Anlässen in Gemeinschaft unter seiner Leitung gefeiert wird.
Auch aus der Feier der heiligen Liturgie bezieht der Bischof zusammen mit
dem ganzen Volk Gottes Nahrung für die Hoffnung. Denn wenn sie ihre irdische
Liturgie feiert, hat die Kirche durch die Hoffnung vorauskostend an der Liturgie
des himmlischen Jerusalem teil, zu dem sie pilgernd unterwegs ist, wo Christus
sitzt zur Rechten Gottes, "der Diener des Heiligtums und des wahren Zeltes,
das der Herr selbst aufgeschlagen hat, nicht etwa ein Mensch" (Hebr
8,2).[11] 49.
Alle Sakramente der Kirche, besonders die Eucharistie, sind Gedächtnis
der Worte, der Werke und der Geheimnisse des Herrn; sie sind erneute Darstellung
der von Christus ein für allemal gewirkten Erlösung und Vorwegnahme der vollen
Inbesitznahme, die das Geschenk der Endzeit sein wird.[12] Bis dahin feiert die Kirche die Sakramente als wirksame
Zeichen der Erwartung, der Bitte und der Hoffnung.
Die Spiritualität des bischöflichen Dienstes ist im Orient wie im
Okzident mit der Feier der heiligen Geheimnisse verbunden, die der Bischof
leitet und zusammen mit seinem Presbyterium, den Diakonen und dem heiligen Volk
Gottes feiert.
Die Vielfalt der Riten der Kirche und ihre Besonderheit im Orient wie im
Okzident prägt das Leben des Volkes Gottes, verleiht ihm Identität und ist
Quelle einer reichen kirchlichen Spiritualität. Deshalb muß der Bischof als
der Hohepriester seines Volkes nicht nur sorgfältig die heiligen Geheimnisse
feiern, sondern ihre Feier zu einer authentischen Schule der Spiritualität für
das Volk machen. Dabei ist es hilfreich, daß er in der Theologie und bischöflichen
Liturgie Bescheid weiß, wie sie im Cæremoniale
episcoporum dargelegt ist.[13]
Indem sie die liturgischen Feiern beibehalten, können die Bischöfe der
orientalischen Kirchen, dem eigenen reichen liturgischen Erbe getreu, in voller
Übereinstimmung mit den geistlichen Werten der eigenen Riten in Gemeinschaft
leben und handeln.[14] Als Hoherpriester
unter seinem Volk 50.
Unter den liturgischen Handlungen gibt es einige, in denen die
Anwesenheit des Bischofs eine besondere Bedeutung hat. Vor allem die
Chrisammesse, während der das Katechumenen- und das Krankenöl gesegnet sowie
der heilige Chrisam geweiht werden: Sie ist der Höhepunkt, in dem die
Ortskirche sich darstellt, weil der Herr sie feiert, der ewige Hohepriester
seines eigenen Opfers. Für einen Bischof ist sie ein Augenblick großer
Hoffnung, denn er findet die Diözesanpriester um sich versammelt, um gemeinsam
vor dem freudvollen Horizont von Ostern auf den Hohenpriester zu blicken und so
die Gnade des Weihesakramentes durch die Erneuerung der Versprechen
wiederzubeleben, die den Dienst der Priester in der Kirche vom Weihetag an
besonders kennzeichnen. Bei dieser einmaligen Gelegenheit im liturgischen Jahr
sind die gefestigten Bande der kirchlichen Communio gleichsam ein überzeugter
Ausdruck der Hoffnung für das Volk Gottes, das doch von vielerlei Ängsten bedrängt
wird.
Hinzukommt die feierliche Liturgie der Weihe der neuen Priester und
Diakone. Während er die neuen Mitarbeiter des bischöflichen Amtes und die
neuen Mitarbeiter für seinen Dienst von Gott empfängt, sieht der Bischof, daß
der Heilige Geist, der donum Dei und dator munerum, seine Bitte um eine Fülle von Berufungen und seine
Hoffnungen für eine Kirche erfüllt hat, die noch reicher an Diensten geworden
ist.
Gleiches gilt für die Spendung des Sakramentes der Firmung, deren ursprünglicher
Spender der Bischof ist; im lateinischen Ritus ist er der ordentliche Spender.
Auch in diesem Sakrament der Ausgießung des Heiligen Geistes, das oft
viel Zeit von den Hirten erfordert und ihnen Gelegenheit zum Pfarreibesuch
bietet, lebt der Bischof einen Augenblick intensiver Spiritualität und
Gemeinschaft mit seinen Gläubigen, besonders mit den Jugendlichen. Die
Tatsache, daß dieses Sakrament vom Diözesanbischof gespendet wird, zeigt, daß
er die Empfänger enger mit dem Pfingstgeheimnis, mit der Kirche Gottes, mit
ihren apostolischen Ursprüngen und ihrer Sendung zum Zeugnis für Christus und
mit der Ortsgemeinschaft verbindet.[15]
Eine Spiritualität
der Communio 51.
Zeichen einer ausgeprägten Spiritualität der Communio und wichtige
Grundlage für die Heiligkeit und Heiligung des Bischofs ist die Gemeinschaft
mit dem Presbyterium, mit den Diakonen, den Ordensleuten und Laien sowohl im
persönlichen Kontakt als auch bei den verschiedenen Anlässen. Sein
ermutigendes Wort und seine geistliche Botschaft soll die aktive und heiligende
Gegenwart Christi inmitten seiner Kirche und den Gnadenstrom des Heiligen
Geistes sicherstellen, der ein besonderes Zeugnis der Einheit und Liebe bewirkt.
Deshalb ist es angebracht, daß der Bischof auch durch seine Anwesenheit
und sein Wort "Momente des Heiligen Geistes" anregt und fördert, die
das Wachstum des geistlichen Lebens begünstigen, wie z. B. die Einkehrtage, die
geistlichen Exerzitien und besondere Tage der Spiritualität. Dabei sind die
sozialen Kommunikationsmittel zu nutzen, um auch die Menschen zu erreichen, die
weiter entfernt leben.
Der Bischof soll sich auch der gewohnten Mittel des geistlichen Lebens
bedienen, wie Suche nach geistlichem Beistand und Rat, Freundschaft und brüderliche
Gemeinschaft, um der Gefahr der Vereinsamung und der Entmutigung angesichts der
Schwierigkeiten zu entgehen.
Er pflegt und fördert eine Spiritualität der Communio mit den
Pastoralassistenten durch Zuhören, Zusammenarbeit und Übertragung von Aufgaben
und Zuständigkeiten.
Ein besonderes Mittel zur Erhaltung und Belebung dieser Spiritualität
ist die affektive und effektive Gemeinschaft des Bischofs mit dem Papst und den
übrigen Bischöfen durch das eigene Gebet und die persönlichen Beziehungen.
Der Bischof ist in seinem Dienst nicht allein: Er muß den Strom büderlicher
Liebe schenken und empfangen, der aus der Beziehung mit den bischöflichen Mitbüdern
in einem wahren Üben gegenseitiger Liebe erwächst, wie es Jesus von seinen Jünger
forderte (vgl. Joh 13,34; 15, 12-13).
So entsteht auch das Teilen von Gebet, der geistliche und pastorale
Erfahrungsaustausch, die Unterscheidungshilfe.
Darum sind die Gelegenheiten zu Dialog und Teihabe, die geistlichen
Einkehrtage, die Zeiten der Entspannung und Ruhe wichtig, in denen auch die
Bischöfe die Communio und die Hirtenliebe üben können. Förderer einer
pastoralen Spiritualität 52.
Er selbst ist gerufen, durch seinen Lebensstil und die Glaubwürdigkeit
seiner Worte und Werke inmitten des Volkes der Förderer, der eine Pastoral der
Heiligkeit anregt, und geistlicher Führer seiner Diözesanen zu sein. Die
Berufung zur Heiligkeit verpflichtet den Bischof, auch Förderer der allgemeinen
Berufung zur Heiligkeit in seiner Kirche zu sein. Zu diesem Zweck muß er die
Spiritualität und Heiligkeit des Volkes durch entsprechende Initiativen fördern,
indem er alte und neue Charismen als Zeichen des Reichtums des Heiligen Geistes
anerkennt. In Gemeinschaft
mit der heiligen Gottesmutter 53.
In seinem geistlichen Leben wird der Bischof durch die besondere mütterliche
Gegenwart Marias gestützt, wenn er die Gottesmutter wie ein wahrer Sohn liebt
und verehrt.
Jeder Bischof ist gerufen, dieses besondere Anempfehlen Marias und des Jüngers
Johannes unter dem Kreuz (vgl. Joh
19,26-27) zu leben. Er ist auch gerufen, die Haltung des einmütigen und
beharrlichen Betens der Jünger mit Maria, der Mutter Jesu, das von der
Himmelfahrt bis Pfingsten anhielt (vgl. Apg
1,14), anzunehmen. Jeder Bischof und alle Bischöfe in büderlicher Gemeinschaft
sind im Hinblick auf ihren Dienst, ihre Gemeinschaft und ihre Hoffnung der mütterlichen
Sorge Marias anvertraut.
Das führt zu einer Marienverehrung in rechter Weise, die enge Verbindung
mit der heiligen Gottesmutter im liturgischen Heiligungs- und Gottesdienst, in
der Unterweisung der Glaubenslehre, im Leben und im Leitungsdienst bedeutet.
Dieser marianische Stil in der Ausübung
des bischöflichen Dienstes ergibt sich aus dem marianischen Profil der Kirche. III.
Der geistliche Weg des Bischofs Ein geistlicher
Weg ist notwendig 54.
Die christliche Spiritualität ist ein Weg mit Etappen, Prüfungen und Überraschungen
in fortgesetzter Treue zur eigenen Berufung. Die Lebensabschnitte, das ständige
Streben nach persönlicher Vollkommenheit und Heiligkeit gemäß dem Plan Gottes
helfen auch dem Bischof, in seinem Dienst einen echten geistlichen Weg zu sehen.
In Freuden und Prüfungen, die im Leben des Hirten nicht fehlen, lebt er seine
eigene Geschichte und die seines Volkes. Ein Weg, den er seiner Schar voran in
Treue zu Christus durch sein Zeugnis - wenn nötig auch öffentlich - bis zu
Ende gehen muß.
Er kann und und muß ihn gehen in frohem Vertrauen und beseelt von der göttlichen
Hoffnung, auch wenn er um seinen Rücktritt wird ansuchen müssen. Aber er darf
nicht aufhören, bis zum Ende im Geist des Dienstes durch Gebet oder andere
Aufgaben in entsprechender Form zu leben. Mit dem
geistlichen Realismus des Alltäglichen 55.
Der geistliche Realismus lehrt auch zu erkennen, wie der Bischof seine
Berufung zur Heiligkeit trotz seiner menschlichen Schwachheit und unter vielfältigen
Verpflichtungen, Alltagschwierigkeiten und vielen persönlichen und
institutionellen Problemen leben soll. Manchmal gerät der Bischof, von so
vielen Verpflichtungen überlastet, in die Gefahr, von den Problemen erdrückt
zu werden, ohne daß er gültige Antworten und Lösungen gefunden hat.
Jeder Bischof erfährt täglich die Last des Lebens und der Geschichte.
Auch auf ihm lasten die Verantwortung und die Anteilnahme an den Problemen und
Freuden seiner Leute. Manchmal wird er dem Druck der Medien ausgesetzt
angesichts von Phänomenen, die die Kirche und die Verteidigung der wahren
Glaubenslehre und der Moral betreffen; er muß ungerechten Anschuldigungen
entgegentreten oder soziale Probleme bewältigen.
Deshalb muß er eine ausgewogene Lebensweise haben, die das geistliche,
psychische und affektive Gleichgewicht und die Neigung zu zwischenmenschlichen
Beziehungen fördert, so daß er die Personen anhört und ihre Probleme teilt,
an den traurigen oder frohen Ereignissen im Leben seiner Leute teilnimmt, die in
ihm die Reife und Güte eines Vater und eines geistlichen Führers finden
wollen.
Der Bischof braucht Mut zu seinem mühevollen Dienst, wenn er sein Kreuz
und die ruhmvolle Aufgabe, vereint mit dem gekreuzigten und verherrlichten
Christus dienen zu dürfen, täglich auf sich nimmt. In Harmonie mit
dem Göttlichen und Menschlichen 56.
Der Bischof ist gerufen, eine Spiritualität zu pflegen, die der humanitas
Jesu entspricht, in der er den göttlichen und menschlichen Aspekt seiner Weihe
und Sendung zum Ausdruck bringen kann. Auf diese Weise bleibt er ausgewogen in
seinen Verpflichtungen: die liturgische Feier und das persönliche Gebet, das
Pastoralprogramm, die Sammlung und Ruhe, die rechte Entspannung und die
erholsamen Ferien, das Studium und die theologische und pastorale Weiterbildung.
Die Pflege der eigenen physischen, psychischen und geistigen Gesundheit
und ein ausgewogener Lebensstil sind für den Bischof auch ein Akt der Liebe
gegenüber den Gläubigen, eine Garantie größerer Verfügbarkeit und Öffnung
für die Eingebungen des Heiligen Geistes.
Mit diesen Hilfen der Spiritualität ausgerüstet, findet er den Frieden
des Herzens und vertieft die Gemeinschaft mit der Dreifaltigkeit, die ihn erwählt
und geweiht hat. In der Gnade, die Gott ihm zusichert, kann er jeden Tag seinen
Dienst erfüllen, wobei er als Zeuge der Hoffnung auf die Bedürfnisse der
Kirche und der Welt achtet.
In der Tat erneuert der Bischof jeden Tag sein Vertrauen auf Gott und rühmt
sich wie der Apostel seiner "Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes",
denn er weiß: "Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung
Hoffnung" (Röm 5, 2-4). Aus der
Hoffnung erwächst auch die Freude. Denn christliche Freude bedeutet: fröhlich
in der Hoffnung sein (vgl. Röm
12,12); sie ist auch das Ziel der Hoffnung. Der Bischof, Zeuge der christlichen
Freude, die aus dem Kreuz hervorgeht, muß nicht nur von der Freude sprechen,
sondern auch "die Freude erhoffen" und sie vor seinem Volk bezeugen.[16] Treue bis zum Ende 57.
Der Bischof soll geduldig in der Hoffnung ausharren, wenn er in seiner
Amtsausbüng durch Krankheit geprüft oder vom Herrn so geführt wird, daß er
sein Hinscheiden als Opfergabe für die ihm anvertrauten Gläubigen leben muß;
oder wenn er berufen ist, unter den schwierigen Umständen der Verfolgung und
des Martyriums für Christus Zeugnis zu geben, wie es nicht selten geschehen
ist, und wie es heute noch geschieht.
Auch das sind wertvolle Gelegenheiten, damit das ganze ihm anvertraute
Volk weiß, daß sein Hirt wie Christus am Kreuz die totale Selbthingabe lebt.
Deshalb ist es auch schön zu sehen, wenn dem Bischof, der um seine
schwere Krankheit weiβ, das Sakrament der Krankensalbung und die Wegzehrung
im Beisein des Klerus und des Volkes feierlich gespendet werden.[17]
Mit diesem letzten Zeugnis seines irdischen Lebens hat er Gelegenheit,
seine Gläubigen zu lehren, daß man nie die Hoffnung verlieren darf und daß
alles Leid des gegenwärtigen Augenblicks von der Hoffnung auf die zukünftigen
Wirklichkeiten gelindert wird. Im letzten Akt seines Fortgehens aus dieser Welt
zum Vater kann er die Zielsetzung seines Dienstes in der Kirche umfassend
vorleben: die Söhne und Töchter der Kirche auf das eschatologische Ziel
hinzuweisen, wie Mose dem Volk Israel das verheißene Land gezeigt hat (vgl. Dt
34,1 f.).
Folglich müssen auch das Ende seines geistlichen Weges, der Tod, und die
feierliche Beisetzung in der Bischofskirche ein bedeutender geistlicher Moment für
das Leben der Gläubigen sein, ein Hymnus der Auferstehung des Herrn, der seine
treuen Diener aufnimmt. Es ist eine günstige Gelegenheit, der Kirche die
Niederschrift eines geistlichen Testaments als Erinnerung an einen Freund und
Nachbarn neben der Schar von Hirten, die ihm in der Teilkirche vorangegangen
sind, zu hinterlassen. Das Vorbild
heiliger Bischöfe 58.
Der geistliche Weg des Bischofs wird von der großen Schar kirchlicher
Hirten erhellt, die seit der Zeit der Apostel das Leben der Kirche immer und
allerorts durch ihre Vorbildlichkeit geprägt haben. Es ist unmöglich, alle
diese Vorbilder zu nennen, die in der Kirche herausragen und deren Heiligkeit
von der Kirche anerkannt wurde oder noch anerkannt werden wird. Aber ihre Namen
und Gesichter sind im Leben der Weltkirche und der Ortskirchen gegenwärtig,
auch in der Feier des liturgischen Jahreskreises und in den Schriftlesungen des
Stundengebets.
Wir denken an die heiligen Hirten, die vom Anfang der Kirche an die
Heiligkeit des Lebens mit der Verkündigung und Weisheit und mit dem pastoralen
und auch sozialen Gehalt der Botschaft des Evangeliums verbunden haben. Manche
von ihnen haben ihr Leben durch das Blutzeugnis hingegeben. Es gibt Hirten, die
Kirchengründer sind und als heilige Schutzpatrone verehrt werden.
Es gab Hirten, die durch ihre Lehre hervorgetreten sind und einen
besonderen Beitrag zu den ökumenischen Konzilien geleistet haben; sie haben mit
Weisheit Reformen und Erneuerungen durchgeführt. Viele Missionare sind heilige
Bischöfe, die das Evangelium in neue Erdteile getragen und das Leben der jungen
Ortskirchen gestaltet haben. Bis in unsere Tage fehlt es nicht an
Glaubenszeugen, die durch Kerkerhaft, Exil und andere Leiden ihre Treue zur
katholischen Kirche und zur Gemeinschaft mit dem Stuhl Petri bezahlt haben.
Andere Hirten haben als Verteidiger der Religions- und Menschenrechte unter
schwierigen Umständen das Leben für ihr Volk hingegeben.
Die geistliche Gemeinschaft mit diesen Hirten ist Grund zur Hoffnung und
Quelle apostolischen Eifers. Jeder Bischof sieht darin den Ausdruck der Gnade
und Kraft des Heiligen Geistes und das Maß der Treue, zu der er im eigenen
Hirtendienst berufen ist. 3. Kapitel Das Bischofsamt Dienst der Gemeinschaft und Sendung in der universalen Kirche Freunde Christi,
von Ihm erwählt und ausgesandt 59.
Jesu Worte beim letzten Abendmahl, besonders im 15. Kapitel des
Johannesevangeliums betreffen die Berufung der Apostel im Hinblick auf die
Gemeinschaft und Sendung. Jesus spricht vom Weinstock und den Reben in einem
biblischen Gleichnis, das ganz deutlich die Notwendigkeit der Gemeinschaft und
die Fruchtbarkeit der Sendung zum Ausdruck bringt. Obwohl Jesu Wort eine
kirchliche und eucharistische Bezugnahme hat, die alle Gläubigen umfaßt, so
ist es doch in erster Linie für den Kreis der Apostel und deren Nachfolger
bestimmt.
In Jesu Bildrede vom Weinstock und den Reben wird die dreifaltige Dynamik
der Gemeinschaft und Sendung verdeutlicht. Der Vater ist der Winzer; Christus
ist der wahre Weinstock; der Lebenssaft der Gemeinschaft und Fruchtbarkeit ist
der Heilige Geist, der die mit dem Weinstock verbundenen Reben lebendig macht,
die dazu bestimmt sind, reiche und dauerhafte Frucht zu bringen. Im Mittelpunkt
dieses Gleichnisses steht eine Grundlehre: Die Jünger Jesu sind zur
Lebensgemeinschaft mit Christus, mit seinem Wort und seinen Geboten berufen, um
durch Gottes "Rebenschnitt" zu wachsen und reiche Frucht zu bringen (Joh
15,1-10).
Daraus folgt die Notwendigkeit der Gemeinschaft mit Christus und in ihm
mit dem Vater und dem Heiligen Geist im mystischen Weinstock, in den die Kirche
eingebettet ist.
"... getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen" (Joh 15,5). Das Gleichnis vom Weinstock im Johannesevangelium will
sagen, daß Jesus seinen Jüngern die Gemeinschaft mit ihm als treue göttliche
Freundschaft anbietet: "Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch
auftrage" (Joh 15,14). Die
Freundschaft Christi schließt die Teilhabe am Wissen um die Geheimnisse des
Vaters ein, das Geschenk des Lebens bis zum Tod, die Gemeinschaft in
gegenseitiger Liebe. Sie setzt von seiten Jesu und in Kontinuität mit seiner
Sendung, die vom Vater kommt, die Wahl und die missionarische Aussendung der Jünger
voraus: "Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und
dazu bestimmt, daß ihr euch aufmacht und Frucht bringt und daß eure Frucht
bleibt" (Joh 15,16). Vom Jünger
wird die Treue zum Wort und zur Sendung verlangt. 60.
Der Bischof trägt als lebendiger Rebzweig, der im Weinstock, in
Christus, bleibt und sein Freund, Jünger und Apostel ist, in seinem Innern die
persönliche und dienstliche Berufung zur Communio
und Missio.
In der Dynamik der apostolischen Nachfolge, nicht nur als Autoritätsträger,
sondern als trinitarische Ausdehnung von Communio und Missio verstanden, wurzelt
die Identität des Bischofs in der Kirche. Vom Herrn erwählt und zur ständigen
Gemeinschaft mit ihm berufen und in die Welt gesandt, identifiziert er sich mit
der Person Jesu in der Weitergabe des göttlichen Lebens, in der Gemeinschaft
der Liebe und im Opfer seines Lebens. I.
Der bischöfliche Dienst in einer Ekklesiologie der Communio In der Kirche
Ikone der Dreifaltigkeit 61.
Das II. Vatikanische Konzil hat in seiner theologischen Reflexion der
Kirche als Ort der Glaubensgeheimnisse den Vorrang gegeben mit besonderem
Augenmerk auf das Hauptthema Communio. Denn die Kirche wurde schon am Anfang der
Konstitution Lumen gentium
"Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung
mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit" genannt.[18]
Zu Recht hat das Schlußdokument der Sonderversammlung der Bischofssynode
von 1985 bekräftigt: "Die Communio -Ekklesiologie ist der Grundgedanke und
das Hauptanliegen in den Dokumenten des Konzils.[19] Der Begriff "Communio" trifft "den Kern
der Selbsterkenntnis der Kirche".[20] Sie ist vertikal und horizontal, Gemeinschaft mit
Gott und unter den Menschen,Geschenk der Dreifaltigkeit, sichtbarer und
unsichtbarer Einsatz des Glaubens und der Liebe.[21]
Die auf dem Wort Gottes und den Sakramenten, besonders der Eucharistie gründende
kirchliche Communio, die im Glauben Ausdruck findet, in der Hoffnung gründet,
von der Liebe beseelt wird und in der Einheit des Lehr- und Leitungsdienstes des
Nachfolgers Petri und der Bischöfe wurzelt, hat gleichzeitig Einigungskraft und
missionarische Dynamik. Ähnlich dem Geheimnis der Dreifaltigkeit, die Communio
und Missio für das Heil der Welt ist, ist die Kirche als lebendige Ikone der
Dreifaltigkeit mit derselben Kraft des Heiligen Geistes Versammlung (ekklesìa)
und missionarische Offenbarung (Epiphanie) für das Heil der Welt.
Die Kirche muß immer und überall in wachsendem Maß Teilhabe und
Sakrament der dreifaltigen Liebe zum Heil der Welt sein. Sie hat deshalb
dieselbe Kraft des Heiligen Geistes, der in der Dreifaltigkeit das Prinzip der
Communio und Missio in der Liebe ist. 62.
Die Kirche ist das Geheimnis und Sakrament, in dem die Evangelisierung
und Katechese, die Feier der Geheimnisse, die kirchliche Spiritualität, die
gelebte Nächstenliebe der Christen, das Handeln und das missionarische Zeugnis
konvergieren. Nur in einer authentischen kirchlichen Perspektive sind die
moralischen Verpflichtungen, die pastoralen Pläne und Vorgehensweisen und die
Wege der gelebten Spiritualität verständlich.
Communio und Missio erfordern einander. Die Kraft der Communio läßt die
Kirche in der Ausdehnung und Tiefe wachsen. Aber die Missio läßt auch die
Communio wachsen, die sich wie in konzentrischen Kreisen ausdehnt, bis sie alle
erreicht. In der Tat verbreitet sich die Kirche in den verschiedenen Kulturen
und führt sie in das Reich,[22] so daß alles, was von Gott ausgegangen ist, zu Gott zurückkehren
kann. Deshalb wurde bekräftigt: "Die Communio weitet sich zur Sendung aus,
ja, sie wird selbst Sendung".[23]
Die Communio entspricht dem Wesen der Kirche, sie erinnert daran, daß
die Bestimmung aller Charismen die agape, die Gemeinschaft in der Einheit, in
demselben Heilsplan und in demselben kirchlichen Projekt ist.
Die Einheit der Kirche als Communio und Missio gehört nicht nur zum
Wesen ihres Geheimnisses und ihrer Aufgabe in der Welt; sie ist auch die
Garantie und das Prägemal ihres göttlichen Handelns: Alles geht aus dem Plan
des dreifaltigen Gottes hervor, der in seiner Einheit der Urgrund von allem und
auch das Endziel von allem ist entsprechend der Sicht der Heilsgeschichte, in
die die Menschheit und der Kosmos einbezogen sind. In einer
Ekklesiologie von Communio und Missio 63. Auch in unserer Zeit ist die Einheit Zeichen der
Hoffnung, wenn es sich um die Völker handelt und wenn vom menschlichen Einsatz
für eine versöhnte Welt die Rede ist. Aber die Einheit ist auch Zeichen und
glaubwürdiges Zeugnis der Authentizität des Evangeliums. Hieraus erwächst
auch in unserer Welt die Dringlichkeit der Einheit der Kirche und insbesondere
der Einheit aller Jünger Christi, damit die Welt glaubt (vgl. Joh 17,21).
Das dreifaltige Geheimnis, ein Geheimnis der Gemeinschaft in der
Gegenseitigkeit, ist gleichsam das Bild der Lebensbeziehungen der Kirche, ihrer
Sendung, ihrer Dienste und damit auch des bischöflichen Dienstes. Diese Sicht
ist ein Zeichen der Hoffnung für die Welt angesichts der Spaltungen der
Einheit, der Kontrapositionen, der Konflikte. Die Stärke der Kirche ist die
Gemeinschaft, ihre Schwäche ist die Spaltung und Kontraposition. 64.
Der bischöfliche Dienst ist in diese Ekklesiologie von Communio und
Missio eingeordnet, die ein Handeln in Gemeinschaft, eine Spiritualität und
einen Lebensstil der Gemeinschaft erzeugt.
Denn in diesem Dienst findet die Einheit der apostolischen Nachfolge im
Bischofskollegium unter dem Petrusamt Ausdruck. Der Bischof ist die Mitte, in
der die Teilkirche, die Gemeinschaft des Volkes Gottes, mit dem Presbyterium,
den Diakonen, den Gott geweihten Personen und den Laien, konvergiert.
Diese Gemeinschaft in der Einheit wird von der Hirtenliebe und der übernatürlichen
Hoffnung auf die Verwirklichung des göttlichen Plans mit der Kraft des Heiligen
Geistes gestützt. [1]
Conc. Œcum. Vat. ii,
Const. dogm. de Ecclesia Lumen gentium,
41. [2]
Cf. Sacra Congregatio Pro Episcopis, Direct. Ecclesiæ imago (22.2.1973), pars I, cap. IV,
21-31. [3]
Ibid.,
25. [4]
Cf. Ioannes Paulus ii, Predigt bei der Heilig-Jahr-Feier der Bischöfe
(8.10.2000),
4: L’Osservatore Romano
(8.-9.10. 2000) S. 5. [5]
Cf. Isidorus Hispalensis, De
ecclesisticis officiis, lib. II, 16-17: PL 83, 785. [6]
Cf. s. Augustinus, Serm. 179, 1: PL 38, 966. [7]
Origenes, In Leviticum Hom.
VI: PG
12, 474 C. [8]
Cf. S. Thoma aq., S. Th. II-II, q. 17, a. 4, 3: «Petitio est interpretative spei». [9]
Conc. Œcum. Vat. ii, Decret. de past. Episcoporum munere in Ecclesia Christus
Dominus, 15. [10]
Cf . S.
Augustinus, Enarr. in psalm.,
50, 5: PL 36, 588. [11]
Conc. Œcum. Vat. ii, Const.
de Sacra liturgia Sacrosanctum
concilium, 8. [12]
Cf. S. Thoma Aq.,
S. Th. III, q. 60, a. 3. [13]
Cf. Cæremoniale
episcoporum, Editio typica, Typis Polyglottis Vaticanis, 1984. [14]
Cf. Ioannes Paulus ii, Epist.
ap. Orientale lumen (2.05.1995): AAS
87 (1995) 745-794; cf. Congregatio
pro Ecclesiis Orientalibus, Instruction pour l'application des
prescriptions liturgiques du C.C.E.O (6.01.1996). [15]
Cf. Catechismus
Ecclesiæ Catholicæ, 1313. [16]
Cf. Paulus vi, Adhort. ap. Gaudete
in Domino
(9.05.1975), I: AAS 67 (1975) 293. [17]
Cf. Sacra Congregatio Pro Episcopis, Direct. Ecclesiæ imago (22.02.1973), 89. [18]
Conc. Œcum. Vat. II, Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 1. [19]
Cf. Relatio finalis, Exeunte cœtu
II,C,1. [20]
Congregatio Pro Doctrina Fidei, Litt. Communionis notio
(28.05.1992), 3: AAS 85 (1993)
839. [21]
Cf. ibid. [22]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia Lumen gentium,
13. [23]
Ioannes Paulus II, Adhort. apost. postsyn. Christifideles
laici (30.12.1988), 31: AAS 81
(1989) 448 Einheit und
Katholizität des Bischofsamtes 65.
Im Namen Christi als Hirt einer Teilkirche gesandt, trägt der Bischof
Sorge für den Anteil des Volkes Gottes, der ihm anvertraut ist, und läßt
diese Communio im Heiligen Geist mit Hilfe des Evangeliums und der Eucharistie
wachsen. Deshalb ist sein Auftrag, als einzelner sichtbares Prinzip und
Fundament der Einheit des Glaubens, der Sakramente und der kirchlichen Ordnung
in der ihm anvertrauten Teilkirche zu sein und sie mit der empfangenen Vollmacht
zu vertreten und zu leiten.[1]
Dennoch ist jeder Bischof Hirt einer Teilkirche, insofern er Mitglied des
Bischofskollegiums ist. In dieses Kollegium ist jeder Bischof eingegliedert auf
Grund der Bischofsweihe und durch die hierarchische Gemeinschaft mit dem Haupt
und den Gliedern des Kollegiums.[2] Daraus erwachsen für das Bischofsamt einige wichtige
Konsequenzen, über die es, wenn auch in geraffter Form, nachzudenken gilt.
Die erste lautet: Der Bischof ist nie allein. Das gilt nicht nur, wie
schon gesagt, in Bezug auf seine Stellung in der eigenen Teilkirche, sondern
auch innerhalb der Universalkirche, die, dem Wesen des einen
und ungeteilten Episkopats[3] entsprechend, mit dem ganzen Bischofskollegium, das auf
das Apostelkollegium folgt, in Beziehung steht. Aus diesem Grund steht jeder
Bischof gleichzeitig in Beziehung zur Teilkirche und zur Universalkirche.
Als sichtbares Prinzip und Fundament der Einheit der eigenen Teilkirche
ist jeder Bischof auch das sichtbare Band der ekklesialen Communio zwischen
seiner Kirche und der Universalkirche. Alle Bischöfe, auch wenn sie in den
verschiedenen Teilen der Welt ihren Sitz haben, aber immer die hierarchische
Communio mit dem Haupt des Bischofskollegiums und mit dessen Gliedern bewahren,
geben deshalb der Katholizität der Kirche Festigkeit und Gestalt. Zugleich
verleihen sie der Teilkirche, die sie leiten, dasselbe Merkmal der Katholizität.
"In Wirklichkeit ist der Bischof sichtbares Prinzip und Fundament
der Einheit in der Teilkiche; aber damit jede Teilkirche im Vollsinn Kirche ist,
das heißt Teilgegenwart der universalen Kirche mit allen ihren wesentlichen
Elementen, muß in ihr als eigenes Element die oberste Autorität der Kirche
gegenwärtig sein: das Bischofskollegium zusammen mit seinem Haupt, dem Papst,
und niemals ohne dieses".[4]
In der Communio der Kirchen vertritt also der Bischof seine Teilkirche,
und in dieser vertritt er die Communio der Kirchen. Denn durch das Bischofsamt
lebt jede Teilkirche, die auch portio
Ecclesiæ universalis ist,[5] die Gesamtheit der Una-Sancta, und in ihr ist die
Gesamtheit der Catholica-Apostolica präsent.[6] 66.
Die zweite Folgerung, über die es nachzudenken gilt, besteht darin, daß
gerade diese kollegiale Einheit oder brüderliche Liebesgemeinschaft oder
kollegiale Verbundenheit die Quelle der Hirtensorge ist, die jeder Bischof durch
Einsetzung und Gebot Christi für die ganze Kirche und für die anderen
Teilkirchen haben muß. So erstreckt sich diese Hirtensorge auch auf "jene
Gegenden der Erde, in denen das Wort Gottes noch nicht verkündet ist oder in
denen die Gläubigen, besonders wegen der geringen Anzahl der Priester, in der
Gefahr schweben, den Geboten des christlichen Lebens untreu zu werden, ja den
Glauben selbst zu verlieren".[7]
Anderseits sind schon die göttlichen Gaben, durch die jeder Bischof
seine Teilkirche aufbaut, das heißt das Evangelium und die Eucharistie,
dieselben. Sie machen nicht nur jede andere Teilkirche als Versammlung im
Heiligen Geist aus, sondern öffnen sie auch, jede einzelne für sich, auf die
Gemeinschaft mit allen anderen Kirchen hin. Denn die Verkündigung des
Evangeliums ist weltumspannend und, wie der Herr es gewollt hat, an alle
Menschen gerichtet und für alle Zeiten unveränderlich.
Auch die Feier der Eucharistie ist von ihrem Wesen her und wie alle
anderen liturgischen Handlungen ein Akt der ganzen Kirche, sie gehört zum
ganzen Leib der Kirche, macht ihn sichtbar und wirkt auf ihn ein.[8] Auch daraus erwächst für jeden Bischof als rechtmäßigen
Nachfolger der Apostel und Mitglied des Bischofskollegiums die Pflicht, eine Art
Garant der ganzen Kirche zu sein (sponsor
Ecclesiæ).[9] In Gemeinschaft
mit dem Nachfolger Petri 67.
Die Ekklesiologie der besonderen Communio der katholischen Kirche
verdeutlicht die vielfältigen Beziehungen der Einheit nicht nur im gleichen
Glauben, in der gleichen Hoffnung und Liebe, in derselben Glaubenslehre und in
den Sakramenten unter allen Teilkirchen, sondern auch in der konkreten
Gemeinschaft mit dem Papst, dem sichtbaren Prinzip und Fundament der Einheit der
Kirche. Diese Wirklichkeit wird offenbar in der Heiligung, im Gottesdienst, in
der Glaubenslehre und in der Leitung gemäß dem göttlichen Plan Christi, der
Petrus und seine Nachfolger als Prinzip der sichtbaren Einheit haben wollte,
damit sie die Brüder im Glauben stärken.[10]
Die Einheit der Kirche in Gemeinschaft und unter der Führung des
Nachfolgers Petri ist auch Quelle der Hoffnung für die Zukunft. Der Plan Gottes
ist die Einheit der ganzen Menschheitsfamilie, und die katholische Kirche
bewahrt in ihrer Struktur dieses wertvolle Geschenk.
Diese Einheit ist Quelle des Vertrauens und der Hoffnung für die Zukunft
der Sendung der Christen in der Welt. Denn sie ist die Garantie für die
Kontinuität der Wahrheit und des Lebens des Evangeliums: die Fülle einer
Kirche, die nach dem Willen Christi eine, heilig, katholisch und apostolisch ist
und die "in der katholischen Kirche subsistiert und vom Nachfolger Petri
und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird".[11] 68.
Die einzelnen Bischöfe sind mit dem Petrusamt vielfach verbunden. Vor
allem durch die Gemeinschaft im göttlichen Leben bei der Feier der Eucharistie,
dem Fundament der Einheit der Kirche in Christus.[12] Jede Eucharistiefeier ist Zeichen der "sanctorum
communio", das heißt der Gemeinschaft der Heiligen und der heiligen
Dinge, nach einem in frühchristlicher Zeit beliebten Ausspruch[13] und wird in Gemeinschaft nicht nur mit dem Diözesanbischof,
sondern vor allem mit dem Papst und mit dem Episkopat und folglich mit dem
Klerus und dem ganzen Volk Gottes vollzogen, wie es in den verschiedenen
Eucharistischen Gebeten heißt.[14]
Hinzukommt die Gemeinschaft in der Verkündigung des Evangeliums und in
der rechten Glaubenslehre in Treue zum Lehramt der Kirche, das der Papst ausübt,
besonders in Glaubens- und Sittenfragen. Die herzliche Aufnahme und Verbreitung
des päpstlichen Lehramtes ist Zeichen einer authentischen Gemeinschaft und
Garantie der Einheit in der Kirche, auch um das Volk Gottes auf den Weg der
Wahrheit zu führen, besonders im Bereich der Glaubenslehre, der auch
aufmerksames und spezifiziertes Studium der neuen Problemkreise erfordert.[15]
Schließlich ist die notwendige Einheit in der kirchlichen Disziplin auch
Zeichen der Gemeinschaft in der Wahrheit und im Leben, wenn auch in berechtigter
Vielfalt, wie es dem Recht entspricht. Mitwirken mit dem
Petrusamt 69.
Die Zugehörigkeit zum Bischofskollegium, die ohne die Gemeinschaft mit
seinem sichtbaren Haupt, dem Bischof von Rom, nicht denkbar ist, hat
verschiedene Formen der Teilhabe und Ausübung der Kollegialität.
Weil er dem Bischofskollegium angehört, trifft jeder Bischof in seiner
Amtsausübung mit dem Bischof von Rom, dem Nachfolger des Petrus und Haupt des
Kollegiums, und mit allen anderen bischöflichen Mitbrüdern aus aller Welt
zusammen und steht mit ihnen in lebendiger und dynamischer Communio. In dieser
Communio verwirklicht sich auch die Hirtensorge für die einzelnen Kirchen in
aller Welt und die Dimension der Sendung, der missionarichen Zusammenarbeit und
Mitarbeit, die dem Bischofsamt eigen ist.
Eine besondere Form dieser Zusammenarbeit mit dem Papst ist die
Bischofssynode, in der ein fruchtbarer Austausch von Informationen und
Anregungen stattfindet. Dabei werden, erhellt vom Evangelium und der Lehre der
Kirche, die allgemeinen Zielsetzungen aufgezeigt, die nach Approbation durch den
Nachfolger des Petrus wiederum den Ortskirchen zugute kommen. Auf diese Weise
wird die ganze Kirche wirksam untersützt, um die Communio in der Pluralität
der Kulturen und der Situationen aufrechtzuerhalten.
Frucht und Ausdruck dieser kollegialen Einheit ist die Mitarbeit der aus
allen Teilen des katholischen Erdkreises stammenden Bischöfe in den Organismen
des Heiligen Stuhls, insbesondere in den Dikasterien der Römischen Kurie und in
verschiedenen Kommissionen, wo sie ihren spezifischen Beitrag als Hirten der
Teilkirchen wirksam leisten können. Die ad limina-Besuche
und die Beziehungen zum Heiligen Stuhl 70.
Der ad limina-Besuch ist ein bedeutsamer Augenblick und Ausdruck
der Gemeinschaft mit dem Papst und mit den Organismen des Heiligen Stuhls. Diese
Besuche finden in der sakramentalen Gemeinschaft der Eucharistiefeier, im
gemeinsamen Gebet und in der persönlichen Begegnung der Bischöfe mit dem Papst
und seinen Mitarbeitern statt. Sie bieten die Gelegenheit zu einer
Bestandsaufnahme, die die wirkliche Lage, die Ängste, Hoffnungen, Freuden und
Probleme der Teilkirchen ins sichtbare Zentrum der Gemeinschaft einbringt zur
Bereicherung der Katholizität und als besondere Erfahrung der Einheit.
In jüngster Zeit konnten die Hirten anläßlich dieser Besuche
miteinander Zeiten des Gebets in Begleitung der engsten diözesanen Mitarbeiter
und Gruppen von Gläubigen teilen und so den wirklichen Sinngehalt der ad
limina apostolorum-Besuche der Hirten der Teilkirchen bekräftigen.[16]
In den Antworten auf die Lineamenta
geben viele Bischöfe dem Wunsch Ausdruck, daß die Beziehung zwischen dem
Nachfolger des Petrus und den Diözesanbischöfen über die Dikasterien des
Heiligen Stuhls und die päpstlichen Vertreter immer stärker vom Kriterium der
gegenseitigen Zusammenarbeit und brüderlichen Hochschätzung geprägt sein soll
als konkrete Verwirklichung einer Communio-Ekklesiologie unter Achtung der Zuständigkeiten. Die
Bischofskonferenzen 71.
Die Bischöfe leben ihre Gemeinschaft mit den anderen Hirten in der Ausübung
der bischöflichen Kollegialität. Seit frühester christlicher Zeit hat diese
Wirklichkeit der Communio besonders qualifizierten Ausdruck gefunden in der
Feier der ökumenischen Konzilien, in den Partikular-, d.h. Provinzial- und
Plenarkonzilien, die auch heute noch von Nutzen sind bei gleichzeitiger
Festigung der Bischofskonferenzen.
Die Bischofskonferenzen enstanden Anfang des vergangenen Jahrhunderts;
sie fanden im Dekret Christus Dominus
besonderen Niederschlag und im CIC eine genaue Regelung.[17] Dem Wunsch der Außerordentlichen Synode von 1985
entsprechend, die ein vertieftes Studium der theologischen und rechtlichen Natur
der Bischofskonferenzen erbat, hat Johannes Paul II. diesbezüglich das Motu
prprio Apostolos suos promulgiert, das
die ganze Frage erhellt und klarstellt.[18]
Im Direktorium Ecclesiæ imago
wird die Natur der Bischofskonferenzen mit folgenden Worten beschrieben:
"Die Bischofskonferenz wurde zu dem Zweck eingerichtet, Tag für Tag einen
vielfältigen und fruchtbaren Beitrag zur konkreten Anwendung der Kollegialität
zu leisten. Durch die Konferenzen wird der Geist der Gemeinschaft in der
Gesamtkirche und in den einzelnen Teilkirchen untereinander in herausragender
Weise entflammt".[19] 72.
Unter Beibehaltung der Autorität des einzelnen Bischofs in seiner
Teilkirche "üben die Bischöfe in der Bischofskonferenz vereint den
Hirtendienst an den Gläubigen des Gebietes der Konferenz aus; damit aber diese
Tätigkeit für die einzelnen Bischöfe rechtmäig und verbindlich ist, ist das
Eingreifen der höchsten Autorität der Kirche erforderlich, die durch das
allgemeine Recht oder durch besondere Anordnungen bestimmte Entscheidungen der
Bischofskonferenz überlaßt".[20]
"Die vereinte Ausübung des Hirtenamtes betrifft auch das
Lehramt".[21] Die in der Bischofskonferenz versammelten Bischöfe müssen
vor allem dafür sorgen, daß das universale Lehramt zu dem ihnen anvertrauten
Volk gelangt.[22] Die Gläubigen haben die Pflicht, den lehramtlichen Erklärungen
der Bischofskonferenz mit frommer Ehrfurcht zuzustimmen, vorausgesetzt, sie
wurden einstimmig angenommen oder sie haben nach ihrer Annahme durch eine
qualifizierte Mehrheit die recognitio des Apostolischen Stuhls erhalten.[23]
Die orientalischen Patriarchalkirchen oder Großerzbischofskirchen haben
ihre eigenen Institutionen synodalen Charakters, wie die Patriarchalsynode[24] und die Patriarchalversammlung, und eigene Gesetze. Der
CCEO legt die Versammlungen der Hierarchien verschiedener Kirchen sui iuris
fest.[25]
Es gibt auch Organismen wie die Internationalen Vereinigungen der
Bischofskonferenzen auf kontinentaler oder regionaler Ebene auf Grund ihrer
Nachbarschaft. Sie besitzen zwar nicht die Zuständigkeiten der
Bischofskonferenzen im Vollsinn gemäß den Normen des kanonischen Rechts, aber
sie sind nützliche Instrumente, durch die eine Zusammenarbeit zwischen den
Bischöfen im Hinblick auf das Gemeinwohl besteht.[26] Die affektive und
effektive Communio 73.
Die Beziehungen zwischen den Bischöfen innerhalb der Patriarchalsynoden
der orientalischen Kirchen und durch die Bischofskonferenzen oder durch andere
Formen der Zusammenarbeit und Gemeinschaft, jede ihrer eigenen theologischen und
rechtlichen Natur entsprechend, dürfen nicht nur als Mittel zur bürokratischen
Erledigung interner und externer Fragen angesehen werden. Sie müssen im Geist
der Gemeinschaft unter den Hirten der Kirchen und im affectus
collegialis, der der sakramentalen Teilhabe an der Hirtensorge für das
ganze Volk Gottes eigen ist, eine echte Erfahrung von Spiritualität darstellen,
eine Übung der affektiven und effektiven Communio.
Die Bischofsversammlungen müssen also im gegenseitigen Anhören kraft
der gemeinsamen Verantwortung und der Sorge für die Kirche abgehalten werden.
Sie sind ein Anlaß zu pastoraler Verantwortung und Brüderlicherkeit, wie es
dem Evangelium entspricht. Dabei werden gemeinsam Probleme angegangen, und es
findet ein kirchlicher und geistlicher Meinungsaustausch statt. Die Bischöfe
haben Gelegenheit, aktuelle Probleme im Licht des Evangeliums und mit
gegenseitiger Hilfe zu erwägen. Sie öffnen sich der Gnade des Herrn, der
mitten unter denen ist, die in seinem Namen versammelt sind (vgl. Mt 18,20), und die sich dem Beistand des Heiligen Geistes anvertraut
haben, der die Kirche führt. 74.
Diese gegenseitige Hilfe unter den Bischöfen und insbesondere seitens
der Metropoliten kann und muß in Form von Ermutigung, Entscheidungsfindung,
gegenseitigem Rat und gegebenenfalls einer dem Evangelium entsprechenden brüderlichen
Zurechtweisung in schwierigen Augenblicken Ausdruck finden.
Manche wünschen, daß kraft der brüderlichen Gemeinschaft im
Bischofsamt und in der Einheit der Kirche zwischen großen und kleinen Diözesen
gegenseitige Beziehungen entstehen sollen durch angemessene Hilfen, wie der
Austausch von Pastoralassistenten, wirtschaftliche und materielle Unterstützung
sowie die Errichtung von gemeinsamen Strukturen und Büros, wenn es sich um
Nachbardiözesen handelt. Zu ermutigen sind auch die Partnerschaften zwischen
den Diözesen als in der Welt verstreute Kirchen, besonders mit den bedürftigen
und jungen Kirchen zum Zeichen der Hirtensorge für die Universalkirche.
In den Antworten auf die Lineamenta
wird darum gebeten, die Beziehungen zu klären, wenn aus verschiedenen Gründen
und besonders auf Grund der unterschiedlichen Kirchen sui iuris oder der
Existenz einer Personalprälatur oder eines Militärordinariats verschiedene
Bischöfe innerhalb desselben territorialen Gebietes ihre jeweiligen Gläubigen
leiten. Es ist notwendig, daß genaue Kriterien festgelegt werden, um das
Zeugnis der Einheit zu begünstigen. II.
Besondere Problemkreise Das Bischofsamt in
seinen verschiedenen Formen 75.
Aus den Antworten auf die Lineamenta
gehen einige Fragen hervor, die besondere Aufmerksamkeit verdienen, um im
Hinblick auf die Erfahrung der letzten Jahre besondere Aufgaben, Rechte und
Pflichten unter Achtung der persönlichen Gaben der einzelnen Bischöfe zu klären.
Die erste betrifft die Vielfalt des
Bischofsamtes, wie es sich im Lauf der Geschichte und in den Traditionen der
Kirche entwickelt hat.
In der Kirche gibt es das Amt des Bischofs, der für den Dienst in einer
der Teilkirchen gewählt und geweiht wird. Dabei hat der Bischof von Rom eine besondere Aufgabe. Die Kirche von Rom führt
den Vorsitz in der Liebe, hat einen besonderen primatialen Vorrang, und ihr
Bischof ist Haupt und Hirt der Universalkrirche auf Grund seines besonderen
Bandes mit dem Apostel Petrus.[27] Beseelt vom Geist des guten Hirten, weidet der Bischof
von Rom die universale Herde Christi und stärkt die Brüder in der Wahrheit zum
Zeichen der Gemeinschaft und Einheit angesichts aller anderen christlichen
Kirchen und Bekenntnisse und angesichts der anderen Religionen und der ganzen
Gesellschaft.
Ein besonderes Amt bekleiden nach ältester kirchlicher Überlieferung
die Bischöfe, die unter dem Titel Patriarchen
die katholischen orientalischen Kirchen leiten. Dem Patriarchen gebührt ein
besonderer Ehrenvorzug als Vater und Haupt seiner Patriachalkirche.[28] In den orientalischen katholischen Kirchen sind Großerzbischöfe
Metropoliten eines bestimmten von der höchsten kirchlichen Autorität
anerkannten Sitzes und leiten sui iuris
eine gesamte orientalische Kirche, die nicht den Patriarchaltitel hat.[29]
Die diözesanen oder eparchialen Erzbischöfe und Bischöfe
sind als Hirten ihrer Teilkirchen eingesetzt.
Es gibt außer den Erzbischöfen und Bischöfen, die eine Teilkirche mit
einem Bischofssitz leiten, andere Erzbischöfe und Bischöfe, die, mit der Gnade
und Bischofswürde bekleidet, im Dienst der ganzen Kirche stehen und mit dem
Petrusamt in der Leitung der Kirche verbunden sind, darunter auch zu Kardinälen
erhobene Bischöfe ohne Sitz einer Teilkirche. Andere arbeiten mit dem Papst in
der Hirtensorge der Universalkirche zusammen und stehen im Dienst des Heiligen
Stuhls; sie sind mit Aufgaben in der Römischen Kurie, in den Nuntiaturen oder
Apostolischen Delegationen betraut.
Zu nennen sind auch die Metropoliten der orientalischen Kirchen,
die eine Provinz innerhalb des Gebiets einer Patriarchalkirche leiten gemäß
dem jeweiligen Partikularrecht. Auch in der lateinischen Kirche finden wir
Metropoliten, die eine Kirchenprovinz mit eigenen Rechten und Pflichten der
Rechtsnorm entsprechend leiten.
Die diözesanen und eparchialen Bischof-Koadjutoren und Weihbischöfe
stehen im Dienst der eigenen Diözesen oder Eparchien und unterstützen den Diözesanbischof
oder Eparchen, wenn die Umstände es verlangen und entsprechend der eigenen
Rechtsnorm.
Alle diese verschiedenen Formen des Bischofsamtes in der Kirche erfordern
seitens der Bischofssynode besondere Berücksichtigung hinsichtlich der wahren
Natur des Bischofsamtes in der Universal- und Teilkirche.
Diese einfache Aufzählung zeigt die reiche Vielfalt des Bischofsamtes in
der universalen Kirche besonders unter theologischem und institutionellem
Aspekt. Die emeritierten
Bischöfe 76.
Die Anzahl der Bischöfe, die aus rechtlich vorgesehenen Gründen ihres
Hirtenamtes enthoben sind, hat heute beträchtlich zugenommen. Wiederholt wurde
die Frage nach ihrer verstärkten Teilhabe am kirchlichen Leben gestellt.
Die emeritierten Bischöfe sind weiterhin Mitglieder des
Bischofskollegiums und behalten das Recht, am Handeln des Kollegiums in der vom
Recht vorgeschriebenen Weise teilzuhaben.[30]
Auf Grund ihrer pastoralen Erfahrung werden sie auch in Fragen
allgemeiner Natur konsultiert. Damit sie weiterhin über die Hauptprobleme
informiert sind, die Dokumente des Hl. Stuhls und vom Diözesanbischof die Diözesannachrichten
und andere Verlautbarungen werden ihnen im voraus zugesandt. Auf Grund ihrer
Kompetenz und Sachkunde in bestimmten Bereichen können sie als beigeordnete
Mitglieder der Dikasterien der Römischen Kurie eingegliedert und zu deren
Beratern ernannt werden. Sie können in den von den Statuten der einzelnen
Bischofskonferenzen vorgesehenen Fällen von den Bischofskonferenzen gewählt
werden, diese in der Bischofssynode zu vertreten. Sie können sich, auch wenn
ihre stimmberechtigte Teilnahme in den Statuten der Bischofskonferenzen nicht
festgelegt ist, an den Sitzungen oder Studienkommissionen beteiligen.[31]
In den Anworten auf die Lineamenta
wird der Wunsch ausgesprochen, daß alles, was vom Recht vorgeschrieben ist,
getreue Anwendung findet.
Es wird auch darum gebeten, daß die emeritierten Bischöfe mit einer
angemessenen ökonomischen Grundlage versorgt werden und daß nach Möglichkeiten
gesucht wird, sie aus ihrer Isolierung herauszuholen und ihre volle kirchliche
Lebenskraft zu erhalten.
Es ist notwendig, darüber nachzudenken, wie die alten oder kranken Bischöfe
Zuwendung finden können, denn sie sind in der Kirche und inmitten der Gläubigen
auch ein Bild der Liebe Christi und der Hingabe des Lebens in ihrem Dienst, im
Gebet und im Leiden.
Der Rat der bischöflichen Mitbrüder kann im Augenblick der
Amtsniederlegung sehr hilfreich und tröstlich sein. Aus der Weisheit, dem Verständnis
und der Ermutigung der anderen Bischöfe kann auch die nötige Hilfe erwachsen,
damit in dieser menschlich und geistlich schwierigen Zeit die Entscheidung über
die eigene Zukunft mit Gelassenheit und Vertrauen auf die göttliche Vorsehung
getroffen wird. Wahl und
Ausbildung der Bischöfe 77.
Manche Antworten auf die Lineamenta werfen die Frage der
Beratungen auf, die der Bischofsernennungen vorausgehen sollten; dadurch sollte
es möglich sein, denjenigen Kandidaten zu wählen, der für die bevorstehende
Aufgabe am besten geeignet schiene.
Auf Grund der hohen Verantwortung des Bischofsamtes scheinen besondere
Initiativen für die neuernannten Bischöfe angebracht. Deshalb wurden in den
vergangenen Jahren Bildungsmöglichkeiten für sie bereitgestellt, damit sie
Gelegenheit haben, sich vorzubereiten, um den Anforderungen ihres Dienstes in
theologischer, pastoraler, kanonistischer, geistlicher und
verwaltungstechnischer Hinsicht besser entsprechen zu können.
Durch angemessene Fortbildungsprogramme wird auch das notwendige lehrmäßige,
pastorale und geistliche Aggiornamento der Bischöfe gefördert. Das hat die Stärkung
der kollegialen Gemeinschaft und pastoralen Wirksamkeit in ihren Diözesen zur
Folge.
Im Hinblick auf die zu treffenden alltäglichen, manchmal auch
schwerwiegenden Entscheidungen ist es besonders notwendig, den Bischöfen
nahezulegen, eine angemessene Zeitspanne der Meditation und Kontemplation im
Terminkalender einzuplanen; das gilt besonders für den Fall, daß schwierige
Probleme zu lösen sind und die Hirtensorge eine Gebetspause verlangt, um zu hören,
was der Geist im Innern des Herzens sagen will. 4. Kapitel Der Bischof im Dienst seiner Kirche Die biblische
Ikone der Fußwaschung: Joh 13,1-16 78.
Am Höhepunkt seines Lebens, als Jesus den letzten Abschnitt seines österlichen
Weges beginnt, um sich dem Vater zu unserem Heil freiwillig darzubringen, stellt
er sich seinen Jüngern als Diener aller vor.
Jesus hat durch die Fußwaschung die Ikone des Liebesdienstes bis zur
Hingabe des Lebens als Vorbild für die wahren Jünger des Evangeliums
hinterlassen. Das Beispiel Christi verlangt eine Fortsetzung seiner Haltung:
"Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an
euch gehandelt habe" (Joh 13,15).
Diese Geste des demütigen Dienstes, die jeder Bischof gerufen ist, alljährlich
am Gründonnerstag in der Feier des Herrenmahls als Ritus zu wiederholen, ist
mit dem Dienst der Liebe, dem neuen Gebot der gegenseitigen Liebe (vgl.
Joh 13,34-35), verbunden und offenbart sich als ein Zeichen, das in der
Eucharistie und im Opfertod am Kreuz seine Vollendung findet. Dienst, Liebe zum
Nächsten, Eucharistie, Kreuz und Auferstehung sind im Leben Jesu, in seiner
Lehre und seinem Beispiel für die Kirche und im Gedächtnis an ihn eng
miteinander verbunden.
Im Licht dieser johanneischen Ikone erscheint der Dienst des Bischofs in
seiner Teilkirche als ein Dienst der Liebe und seine Figur als die Christi, des
Dieners der Brüder. Mit diesen Gefühlen hat Jesus diese Geste auch als Zeichen
der Hoffnung vollbracht, wobei er wußte, daß der Vater alles in seine Hände
gelegt hatte und daß er vom Vater ausgegangen war und zum Vater zurückkehren
sollte, in der Gewißheit, seine Jünger nach dem Paschafest wiederzusehen (vgl.
Joh 13,3). So soll auch der Bischof in
der Einfachheit seines Dienstes die Hoffnung durch das Wort verkünden, sie
durch die Sakramente feiern und sie inmitten seines Volkes und mit seinen Leuten
verwirklichen als einfacher Mensch, der sich aller Nöte der Gläubigen,
besonders der Anliegen der ärmsten, annimmt. I.
Der Bischof in seiner Teilkirche Die Teilkirche 79.
Die besondere Aufgabe des bischöflichen Dienstes erhält ganz konkrete
Bedeutung in der Teilkirche, für die der Diözesanbischof gewählt und geweiht
ist. Der Dienst der Bischöfe ist als ein Dienst an den über die Welt
verstreuten Teilkirchen zu verstehen, in den und von denen ausgehend (in
quibus et ex quibus) nur die eine und einzige katholische Kirche existiert.[32]
Die Wechselbeziehung von Identität und Repräsentation, die den Bischof
in den Mittelpunkt der Teilkirche rückt, kommt in den von Cyprian überlieferten
Worten zum Ausdruck: "Du mußt wissen, daß der Bischof in der Kirche ist,
und daß die Kirche im Bischof ist; und wenn jemand nicht mit dem Bischof ist,
dann ist er auch nicht in der Kirche".[33] So ist der Dienst des Bischofs ganz auf seine Kirche
bezogen, die ihn selbst einschließt und eine Reihe von Elementen der Communio
und der Einheit in der Universalkirche darstellt. Anderseits ist keine
Teilkirche ohne den Bezug zu ihrem Hirten denkbar. Die Teilkirche ist erklärbar,
ausgehend vom dreifachen bischöflichen Sendungsauftrag, zu heiligen, zu lehren
und zu leiten, der in die prophetische, priesterliche und königliche Dimension
des Volkes Gottes eingebunden ist.[34]
Deshalb muß der Bischof, wie das Direktorium Ecclesiæ
imago betont, "in sich selbst die Züge des Bruders und Vaters, des Jüngers
Christi und des Glaubenslehrers, des Sohnes der Kirche und in gewissem Sinn
ihres Vaters vereinen, denn er ist der Verwalter der übernatürlichen
Wiedergeburt der Christen".[35] Ein Geheimnis, das
im Bischof mit seinem Volk konvergiert 80.
In der Person des Bischofs, vereint mit seinem Volk, verschmelzen die Züge
der kirchlichen Communio ineinander. In ihm offenbart sich die dreifaltige Communio, denn er wird das Bild des "Vaters";
er setzt Christus als "Haupt, Bräutigam und Diener" gegenwärtig; er
ist "Verwalter" der Gnade und Mann des Heiligen Geistes. Im Bischof
vollzieht sich die apostolische Communio,
die ihn zum Zeugen der lebendigen Überlieferung des Evangeliums macht, die an
die apostolische Nachfolge anknüpft. In ihm handelt die hierarchische Communio, die ihn mit dem petrinischen Charisma
verbindet, wie die Apostel mit Petrus in Jerusalem verbunden waren.
In der Gnade seines Lehr-, Priester- und Hirtenamtes konkretisiert sich
die Einheit der Teilkirche, die in ihm
den Knotenpunkt der Communio findet zwischen dem Presbyterium und den einzelnen
Pfarreien und örtlichen Vereinigungen, die in Gemeinschaft mit ihm
"rechtsgültig" werden. Er ist auch Förderer der Communio der Charismen und Dienste der anderen Gläubigen, der Gott
geweihten und der Laien, die in ihm das Prinzip der Einheit und des
missionarischen Ansporns finden.
In der Person des Bischofs kommt auch die Wechselseitigkeit zwischen
Universalkirche und Teilkirchen zum Ausdruck. Indem dieTeilkirchen füreinander
offen sind, finden sie sich als Anteile des Volkes Gottes und "portiones Ecclesiæ"[36] in der einen, heiligen, katholischen und apostolischen
Kirche wieder, die ihnen vorausgeht und sich in ihnen als konkrete
geschichtliche, territoriale und kulturelle Gemeinschaften inkarniert. Wort, Eucharistie,
Gemeinschaft 81.
Im Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche Christus Dominus finden wir in theologischer Fachsprache die Ikone
der Teilkirche mit folgenden ausdrücklich auf die Diözese bezogenen Worten
beschrieben: "Die Diözese ist der Teil des Gottesvolkes, der dem Bischof
in Zusammenarbeit mit dem Presbyterium zu weiden anvertraut wird. Indem sie
ihrem Hirten anhängt und von ihm durch das Evangelium und die Eucharistie im
Heiligen Geist zusammengeführt wird, bildet sie eine Teilkirche, in der die
eine, heilige, katholische und apostolische Kirche wahrhaft wirkt und gegenwärtig
ist".[37]
Die Komponenten der Teilkirche um den Bischof können in diesen
Grunderfordernissen der Ekklesiologie des Neuen Testamentes zusammengefaßt
werden:[38] a)
Die Verkündigung des Evangeliums,
wodurch Christus und sein Wort gegenwärtig gesetzt wird. Dieses Wort baut die
Kirche auf. Die Kirche erwächst vor allem aus dem Wort; sie ist "creatura
Verbi" unter dem belebenden Hauch des Heiligen Geistes. Denn die Kirche
beginnt als "ecclesia", als Gemeinschaft derer, die durch das Wort des
Evangeliums zusammengerufen sind. Sie wird vom verkündeten Wort geformt und
nimmt Gestalt an, das im Glauben angenommen und ständig gepredigt wird, wie uns
die Apostelgeschichte lehrt (vgl. Apg
2,42 ff). Deshalb ist für die Kirche die liturgische Verkündigung des Wortes,
die Evangelisierung und die Katechese in der lebendigmachenden Kraft des
Heiligen Geistes wesentlich. b)
Das Geheimnis des Herrenmahls oder
der Eucharistie, das die Kirche aufbaut. Denn Christus ist das Haupt und der
Bräutigam der Kirche, und die Eucharistie ist das sakramentale Gedächtnis des
Todes und der Auferstehung des verherrlichten Christus, das die Kirche einzig,
heilig, katholisch und apostolisch macht. c)
Diese Synaxis, die auch in "kleinen, armen und verstreuten
Gemeinschaften" Wirklichkeit wird, setzt
das göttliche Leben voraus und
erzeugt es: die Liebe, die Hoffnung und die Nächstenliebe, das heißt die
christliche Existenz, die sich in der Gemeinschaft unter den Gläubigen und in
ihrer Sendung ausdrückt. Die Eucharistie wird Quelle und Höhepunkt des Lebens
der Kirche.[39]
In diesen drei Zeichen werden die drei ursprünglichen Eigenschaften des
Christseins deutlich. Denn die Kirche empfängt in ihrer sichtbaren Verbindung
mit dem unsichtbaren Lehrer und seinem Geist das Wort des Evangeliums, feiert
das Geheimnis des Herrenmahls und lebt in der Liebe durch denselben Glauben und
dieselbe Hoffnung. Die
eine heilige katholische und apostolische Kirche 82.
Die Teilkirche birgt in sich die ganze komplexe Wirklichkeit der Kirche
als Volk Gottes, insofern sie alle Getauften in ihre vielfache und
anspruchsvolle priesterliche, prophetische und königliche Wirklichkeit
einbezieht mit der Vielfalt der geweihten Dienste und Charismen.
Es handelt sich um ein Volk, von der Gnade der Sakramente gekennzeichnet,
als Kirche in Christus und im Heiligen Geist zur Ehre des Vaters konstituiert.
Aber es ist auch ein pilgerndes Volk, das hier und jetzt in einem Land, in einer
Geschichte und in einer Kultur wurzelt.
Die Teilkirche ist ständig gerufen, sich mit dem Reichtum der
Universalkirche zu messen, die sie selbst verwirklicht, gegenwärtig setzt und
wirksam macht. Sie ist Orts-, Teilkirche, aber in den eschatologischen Plan
einbezogen, der umfaßt: die Einheit
im göttlichen Leben, im Dienst, in den Sakramenten, im Leben, in der Sendung,
in der Gemeinschaft mit Petrus; die Heiligkeit
im Reichtum des gelebten Evangeliums und in der reifen und reichen Erfahrung der
Gaben des Heiligen Geistes; die Katholizität
als herrliche Gemeinschaft mit allen, offen für die Universalität der
Kirche und ihre vielfältigen Reichtümer, die gegenseitig integriert werden können;
die Apostolizität kraft der
Weitergabe des Glaubens und des sakramentalen Lebens, das von den Aposteln
kommt, mit der Kraft des missionarischen Sendungsauftrags bis an die Grenzen der
Erde und zum Ende der Zeiten. Eine Kirche mit
menschlichem Antlitz 83.
Wenn in der Kirche Göttliches und Menschliches zusammenfließt und deren
göttliche Wurzel die Dreifaltigkeit ist, so ist sie doch als Feld und Weinberg
des Herrn in diese Erde eingepflanzt. Als Volk auf dem Weg lebt sie an einem
Ort, hat eine Geschichte, eine Gegenwart und eine Zukunft. In der Tat, eine
Teilkirche hat eigene, auch liturgische Traditionen, bewahrt die Spuren der
vergangenen und gegenwärtigen Heilsgeschichte, aus der sie lebt und auf die
Zukunft ausgerichtet ist.
Es gilt, diese irdische Wirklichkeit der Teilkirche, die hier und heute
lebt, zu erkennen, um bis auf den Grund ihr Sein und Handeln, ihren Reichtum und
ihre Schwäche, ihre Bedürfnisse im Hinblick auf die Evangelisierung und das
Zeugnis zu erfassen. Als Teilkirche ist sie sich dessen bewußt, in der Communio
der heiligen Dinge und der Heiligen des Himmels und der Erde zu stehen, die die
wahre und große "communio sanctorum"
ist.
Die Kirche ist außerdem Gemeinschaft von Personen mit einem Antlitz, wo
jeder einzelne unwiederholbar ist und wo die Individualität nicht ausgelöscht
wird. Die Gesichter zeigen das konkrete Leben der Personen, Männer und Frauen
aller Altersstufen und jeder Befindlichkeit.
In dieser "Kirche der Gesichter" kann man eine konkrete
Botschaft lesen, ein Bedürfnis nach Präsenz, nach Evangelisierung, nach
Zeugnis, eine Bereitschaft zum Dialog, einen Anspruch auf Authentizität. Wenn
man an die Teilkirche denkt, darf man die konkreten Gesichter nicht vergessen,
denn in ihnen spiegelt sich das lebendige Bild Christi wider. Paul VI. hat daran
erinnert, daß die "universale Kirche in den Teilkirchen konkrete Gestalt
annimmt, die ihrerseits aus einer bestimmten konkreten Menschengruppe bestehen,
die eine bestimmte Sprache sprechen, einem kulturellen Erbe verbunden sind,
einer Weltanschauung, einer geschichtlichen Vergangenheit und einer bestimmten
Ausformung des Menschen".[40]
In Wirklichkeit hat jede Teilkirche ihr eigenes menschliches und
geographisches Gesicht, das auch eine eigene Pastoralplanung erfordert. Es gibt
Diözesen, die vor allem moderne dichtbevölkerte Städte umfassen; andere
dehnen sich über weite Gebiete aus, die der Bischof nur schwer erreichen kann. Universalkirche
und Teilkirche 84.
Das Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre Communionis notio, das einige Schwerpunkte und Grenzen der
Communio-Ekklesiologie und der eucharistischen Ekklesiologie klargestellt hat,
wollte zu Recht einige Aspekte der Fülle und der Grenzen der Teilkirche
beleuchten, die zu beachten sind, damit sie ihrem authentischen katholischen
Bild entspricht.
Es warnt zum Beispiel vor einem Begriff der Teilkirche, der die Communio
der einzelnen Kirche so darstellt, daß auf sichtbarer und institutioneller
Ebene der Begriff der Einheit der Kirche geschwächt wird. "Man bekräftigt
damit - heißt es in dem Dokument -, daß jede Teilkirche ein in sich vollständiges
Subjekt ist und daß die Universalkirche aus der gegenseitigen Anerkennung der
Teilkirchen erwächst. Diese ekklesiologische Einseitigkeit, die nicht nur den
Begriff der Universalkirche, sondern auch den der Teilkirche verkürzt, zeigt
ein ungenügendes Verständnis des Begriffs der Communio an".[41]
Um die Communio in ihrer universalen Dimension nicht zu gefährden,
findet sich in diesem Dokument eine erhellende Bekräftigung: "In der
Kirche ist niemand Fremdling: Besonders in der Eucharistiefeier befindet sich
jeder Gläubige in seiner Kirche, in der Kirche Christi".[42] Denn jeder Gläubige, ob er zur Diözese, zur
Pfarrgemeinde oder Teilkirche gehört oder nicht, muß sich in der
Eucharistiefeier immer in seiner Kirche fühlen. Obwohl er einer Teilkirche
angehört, in der er getauft wurde, lebt oder am Leben Christi teilhat, gehört
er in gewisser Weise zu allen Teilkirchen.[43]
Dieses Geheimnis der Einheit ist dem Dienst des Bischofs in der unauflöslichen
Beziehung der Teilkirche zur Universalkirche anvertraut. 85.
In diesem Anteil des Volkes Gottes lebt eine Gemeinschaft, die zu der
einen Familie Gottes gehört, in Fülle die Beziehung zum Reich Christi, in das
alle in die Kirche von Pfingsten[44] eingebundenen Reichtümer der Katholizität integriert
sind.[45]
Die Bezugnahme auf die Kirche von Jerusalem bewirkt, daß jede Kirche
eine notwendige Bindung an Petrus, das Haupt dieser Kirche der Anfänge, hat.
Diese Bindung verleiht jeder Ortskirche durch die apostolische Nachfolge der
Bischöfe einen apostolischen Charakter. Die Communio in der einen Kirche und in
den einzelnen Kirchen setzt auch die Einheit im Charisma des Petrus und damit
die Gemeinschaft mit allen anderen in der Welt verstreuten Kirchen voraus.
In diesem Plan der universalen Einheit und der vereinzelten Besonderheit
entfaltet sich gleichsam eine Art dreifaltiger Plan, der die eigene Existenz
jeder Kirche in der katholischen Kirche und ihre gegenseitige Beziehung
besiegelt und formt. Die soziale, kulturelle, geographische und geschichtliche
Wirklichkeit jeder einzelnen Kirche ist also nicht ohne Sinn. In der
Wirklichkeit der Ortskirchen in der Welt verwirklicht die Universalkirche das
Geheimnis der Einheit und der Versöhnung aller in Christus. Und diese Communio
aller Glieder der Teilkirche hat im Bischof ihr Kennzeichen und ihren Garanten. II.
Communio und Missio in der Teilkirche In Gemeinschaft
mit dem Presbyterium 86.
Eine notwendige gemeinschaftliche Handlung ist die sakramentale
Versammlung des Presbyteriums um seinen Bischof. Sie ist gemäß den ältesten
z.B. von Ignatius von Antiochien überlieferten Texten wesentlich für die
Teilkirche. Der Bischof und das Presbyterkollegium sind durch die "communio
sacramentalis" im hierarchischen oder Amtspriestertum verbunden, das
heißt in der Teilhabe an demselben und einzigen Priestertum Christi, und damit
- wenn auch im unterschiedlichem Maß - in dem einzigen kirchlichen
Amtspriestertum und in der gleichen apostolischen Sendung.
Durch dieses Band und folglich durch ihre Mitarbeit im bischöflichen
Dienst "sammeln die Presbyter die Familie Gottes als die von einem Geist
durchdrungene Gemeinde von Brüdern".[46]
Auf der Linie des II. Vatikanums hat Johannes Paul II. die Zugehörigkeit
der Presbyter zur Teilkirche als Gundlage einer reichhaltigen Theologie und
Spiritualität hervorgehoben: "Der Priester muß sich dessen bewußt sein,
daß seine Zugehörigkeit zu einer Teilkirche ihrem Wesen nach ein
kennzeichnendes Element ist, um eine christliche Spiritualität zu leben. In
diesem Sinn findet der Priester gerade in seiner Zugehörigkeit und Hingabe an
die Teilkiche eine Quelle für Sinngehalte, für Unterscheidungs- und
Aktionskriterien, die sowohl seiner pastoralen Sendung als auch seinem
geistlichen Leben Gestalt geben".[47]
Zum Presbyterium der Diözese gehören auch alle Priester der Institute
des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens. Sie leben
die eigenen Charismen in der Einheit, Gemeinschaft und Sendung der Teilkirche.
In dieser tragen sie dazu bei, daß jeder einzelne die eigenen reichen Gaben der
Spiritualität und des Apostolats einbringen kann. So werden die Teilkirchen auf
charismatischer Ebene "nach dem Bild" der Universalkirche bereichert,
in der manche diözesanübergrei-fende Institutionen verankert sind.[48]
Die Dimension der Universalität ist wirklich an die Communio mit allen
Kirchen und an die Natur des Presbyteramtes gebunden, das eine universale
Sendung hat.[49] 87.
Das II. Vatikanische Konzil hat die gegenseitigen Beziehungen zwischen
dem Bischof und den Priestern in verschiedenen Gleichnissen und Ausdrücken
beschrieben. Es hat den Bischof als "Vater" der Priester bezeichnet,[50] hat auf die geistliche Vaterschaft, aber auch auf die Brüderlichkeit,
die Freundschaft, die notwendige Mitarbeit und die Beratung hingewiesen. Es ist
aber so, daß die sakramentale Gnade durch den Bischof auf den Priester übertragen
wird und daß sie ihm im Hinblick auf die untergeordnete Mitarbeit mit dem
Bischof an der apostolischen Sendung verliehen wird. Dieselbe Gnade verbindet
die Priester mit den verschiedenen Aufgaben des bischöflichen Dienstes,
besonders mit der des Dieners des Evangeliums Jesu Christu für die Hoffnung der
Welt. Kraft dieses sakramentalen und hierarchischen Bandes übernehmen die
Priester als seine notwendigen Mitarbeiter und Ratgeber, Gehilfen und Werkzeuge
zum Teil die Amtsaufgaben und die Hirtensorge des Bischofs und machen ihn in den
einzelnen Gemeinden gegenwärtig.[51]
Die sakramentale und hierarchische Beziehung setzt sich in eine ständig
zu bildende und zu pflegende wirkliche Communio des Bischofs mit den Gliedern
seines Presbyteriums um und verleiht der inneren und äußeren Haltung des
Bischofs seinen Priestern gegenüber Festigkeit und Gewicht. Der Ort, an dem
sich diese Communio verwirklicht, ist der Priesterrat, der das Presbyterium
vertritt und der "Senat" des Bischofs ist und ihm in der Leitung der
Diözese hilft, um das Wohl aller Gläubigen noch wirksamer zu fördern. Aufgabe
des Bischofs ist es, ihn zu konsultieren und gern seine Meinung einzuholen.[52] Besondere Sorge für
die Priester 88.
Vorbild für die Herde (vgl. 1 Petr
5,3) muß der Bischof vor allem für seinen Klerus sein, dem er gutes Beispiel
gibt durch das Gebet, den sensus Ecclesiæ, den apostolischen Eifer, die
Hingabe in der Pastoral insgesamt und die Zusammenarbeit mit allen anderen Gäubigen.
Der Bischof hat dann in erster Linie die Verantwortung der Heiligung
seiner Priester und ihrer ständigen Weiterbildung. Angesichts dieser
geistlichen Notwendigkeiten, der Begabungen der einzelnen und der Anforderungen,
die durch die Pastoral insgesamt und das Wohl der Gläubigen gestellt werden,
handelt der Bischof so, daß er den Dienst der Priester in möglichst
angemessener Weise abruft. Der Bischof muß sich sogar täglich bemühen, daß
alle Priester wissen und konkret spüren, daß sie nicht allein oder sich selbst
überlassen, sondern Glieder und Teile des "einen und einzigen
Presbyteriums" sind.
Aus den Antworten auf die Lineamenta
geht hervor, daß die Priester, weil sie einen geistlichen Bezugspunkt brauchen,
vom Bischof gestützt werden müssen. Als Vater und Hirt pflegt und fördert der
Bischof persönliche und gemeinsame Beziehungen mit seinen Priestern, indem er
sie am Priesterrat oder an pastoralen und geistlichen Bildungstreffen
verantwortlich beteiligt. Jede Entzweiung zwischen Bischof und Priester ist ein
Skandal für die Gläubigen und macht die Verkündigung unglaubwürdig;
wohingegen Autoritätausüben im Zeichen der Brüderlichkeit wirklich ein Dienst
wird. Indem er mit seinen Priestern in gutem Einvernehmen steht, lernt der
Bischof ihre Fähigkeiten kennen und kann jedem einzelnen die für ihn
angemessenste Aufgabe übertragen. Der Dienst und die
Mitarbeit der Diakone 89.
In der amtlichen und hierarchischen Communio der Kirche gibt es neben den
Priestern auch die Diakone, die nicht zum Priestertum, sondern zum Dienst
geweiht sind. Indem sie den Geheimnissen Gottes und der Kirche in der Diakonie
des Wortes, der Liturgie und der Caritas dienen,[53] sind die Diakone auf Grund ihres Ranges in der heiligen
Weihe eng mit dem Bischof und seinem Presbyterium verbunden.[54] Deshalb ist es richtig, zu bekräftigen, daß der Bischof
der Hauptverantwortliche in der Auswahl der Berufung der Kandidaten[55] und ihrer geistlichen, theologischen und pastoralen
Ausbildung ist. Der Bischof ist immer derjenige, der ihnen unter Berücksichtigung
der pastoralen Bedürfnisse und der familiären und beruflichen Lage die Dienste
überträgt, und zwar so, daß sich ihre Präsenz harmonisch in das Leben der
Teilkirche einfügt und ihre ständige Fortbildung und geistliche Förderung
nicht vernachlässigt wird.[56] Das
Priesterseminar und die Berufspastoral 90.
Weil die Priester und Diakone für die Teilkirche außerordentlich
wichtig sind, gilt die Hauptsorge des Bischofs der Berufspastoral im allgemeinen
und der Pastoral für die Priester- und Diakonatsberufungen im besonderen. Dabei
ist das Priesterseminar als gemeinschaflicher Ort und Umfeld, wo die zukünftigen
Priester wachsen, reifen und sich formen, Zeichen der Hoffnung, aus der eine
Teilkirche im Blick auf die Zukunft lebt.
Angesichts des Mangels an Berufungen in einer Kirche, die nicht
verzichten kann auf die Fülle des Priestertums, um das Wort und die Sakramente,
vor allem die Eucharistie und die Sündenvergebung zu feiern, ist Mut nötig
beim Angebot der priesterlichen Lebensform. Zu den wichtigsten Aufgaben des
Bischofs zählt als besonderes Zeugnis der Hoffnung die Sorge um die Berufungen
und das spezifische Interesse für die ganzheitliche Formung der zukünfigen
Priester entsprechend den Richtlinien des kirchlichen Lehramts. Das erfordert
vom Bischof, daß er die Kandidaten für die Priester- und Diakonatsweihe persönlich
kennt.
Heute wird die Hochschätzung der Berufung zum Priestertum unter der
Mitarbeit der Familien, Pfarreien, Ordensfamilien und kirchlichen Bewegungen und
Gemeinschaften mit großer Zuversicht gefördert. Eine Kirche, in der die
notwendige Beziehung zum geweihten Priester fehlt, läuft Gefahr, ihre Identität
zu verlieren. Eine christliche Gemeinschaft, die vom Priesteramt im Hinblick auf
die Lehre, die Leitung und die Sakramente, vor allem der Buße, der
Krankensalbung und der Eucharistie absieht, ist nicht denkbar. In Beziehung zu
den anderen Ämtern 91.
Neben dem Presbyterat und dem Diakonat entfaltet die Kirche ihre Sendung
auch durch institutierte Dienste und andere Aufgaben und Rollen. In Anbetracht
dieser Vielfalt muß der Bischof die verschiedenen Ämter fördern, durch die
die Kirche zu jedem guten Werk fähig wird. Diese Dienste und Aufgaben sind
geweihten Personen und gläubigen Laien kraft der allgemeinen Berufung und
Sendung zu übertragen, die aus der Taufe und Firmung und den besonderen Gaben
erwachsen, die jeder mit Freude in den Dienst des Evangeliums stellt.
Hieraus folgt das dreifache kirchliche Dienstamt, das mit der dreifachen
Würde der Getauften im Volk Gottes verbunden ist: Aus der prophetischen Aufgabe
erwachsen Evangelisierung und Katechese, die aus dem Hören des Wortes schöpfen.
Aus der priesterlichen Aufgabe erwachsen die Dienste, die mit der Feier der
Liturgie verbunden sind, und der geistliche Gottesdienst des Alltags und das
Gebet, um das Dasein zu einem Geschenk, zur Anbetung im Geist und in der
Wahrheit zu machen. Aus der königlichen Aufgabe entstehen alle Dienste
zugunsten des Reiches Gottes in der Welt, in den gesellschaftlichen Strukturen,
in der Familie, in den Betrieben, verbunden mit den konkreten Formen der Nächstenliebe,
dem sozialen Einsatz und der gesunden und anspruchsvollen "politischen Nächstenliebe".
Wenn in allem die Communio gedeiht, dann wirkt und offenbart sich die
Kraft der Dreifaltigkeit, die die Liebe ist, und die Hoffnung erneuert sich in
der gegenseitigen Gemeinschaft. Sorge für das
gottgeweihte Leben 92.
Das gottgeweihte Leben ist bevorzugte Ausdrucksform der Kirche als Braut
des Wortes und sogar, wie es schon am Anfang des Apostolischen nachsynodalischen
Schreibens Vita consecrata heißt, ihr "entscheidendes Element für die Sendung
der Kirche in deren Herz und Mitte".[57] In ihm und in seinen vielfältigen Ausdrucksformen
werden, indem sie eine typische und ständige Sichtbarkeit angenommen haben, die
charakteristischen Züge des reinen, armen und gehorsamen Jesus in der Welt
gegenwärtig gemacht und als absoluter und eschatologischer Wert ausgewiesen.
Die ganze Kirche ist der Heiigsten Dreifaltigkeit dankbar für das Geschenk des
geweihten Lebens. Es zeigt, daß sich das Leben der Kirche nicht in der
hierarchischen Struktur erschöpft, als sei sie gleichsam nur von geweihten
Dienern und Laien zusammengesetzt. Vielmehr ist der Bezug auf eine weitergefaßte,
reichere und differenziertere Grundstruktur hergestellt, die
instituionell-charismatisch ist und dem Willen Christi selbst entspricht. Dazu
gehört das gottgeweihte Leben.[58]
Die geweihte Lebensform ist also ein für das Leben und die Heiligkeit
der Kirche unverzichtbares und grundlegendes Geschenk des Geistes. Sie steht
notwendigerweise in einer hierarchischen Beziehung zum geweihten Amt, besonders
dem des römischen Papstes und der Bischöfe. Im nachsynodalen Apostolischen
Schreiben verwies Johannes Paul II. auf das besondere Band der Communio, das die
verschiedenen Formen des geweihten Lebens und die Gesellschaften des
apostolischen Lebens mit dem Nachfolger des Petrus verbindet. Darin wurzeln auch
ihre Eigenschaften, weltkirchlich angelegt zu sein und die Grenzen der Diözesen
zu übergreifen.[59]
Den Bischöfen in Einheit mit dem römischen Papst überträgt Christus,
das Haupt, wie die richtungweisenden Mutuæ
relationes hervorheben, die Aufgabe, "sich der Ordenscharismen
anzunehmen, um so mehr als die Unteilbarkeit des Hirtenamtes selbst sie zu
Vervollkommnern der ganzen Herde macht. Indem die Bischöfe das geweihte Leben fördern
und schützen, erfüllen sie eine echte Hirtenaufgabe".[60]
Im Apostolischen Schreiben Vita
consecrata wird ständig die Forderung erhoben, die gegenseitigen
Beziehungen zwischen den Bischofskonferenzen, den höheren Oberen und deren
Konferenzen zu verstärken mit dem Ziel, den Reichtum der Charismen zu fördern
und für das Wohl der Welt- und der Teilkirche zu wirken.
Die geweihten Personen leben, wo immer sie sich befinden, ihre Berufung für
die universale Kirche innerhalb einer bestimmten Teilkirche, in der sie ihre
kirchliche Präsenz verwirklichen und besondere Aufgaben erfüllen. Sie sind auf
Grund ihres dem geweihten Leben innewohnenden prophetischen Charakters in jeder
Teilkirche vor allem gelebte Verkündigung des Evangeliums der Hoffnung und
beredte Zeugen des Primates Gottes im christlichen Leben und der Macht seiner
Liebe in der Hinfälligkeit der menschlichen Existenz.[61] Daraus ergibt sich die Wichtigkeit der Zusammenarbeit
zwischen jedem Bischof und den geweihten Personen, um die Pastoral auf diözesaner
Ebene harmonisch weiterzuentwickeln.[62]
Die Kirche ist den vielen Bischöfen dankbar, die im Laufe ihrer
Geschichte bis heute das geweihte Leben als besonderes Geschenk des Geistes für
das Volk Gottes so hochgeschätzt haben, daß sie selbst Ordensfamilien gründeten,
von denen heute noch viele aktiv im Dienst der Weltkirche und der Teilkirchen
sind. Auch die Tatsache, daß der Bischof sich schützend dafür einsetzen soll,
daß die Institute ihrem Charisma treu bleiben, ist ein Grund zur Hoffnung für
die Institute, besonders für jene, die in Schwierigkeiten sind.[63] Laien, die sich
engagieren und Verantwortung übernehmen 93.
Das II. Vatikanische Konzil, die 7. Ordentliche Generalversamm-lung der
Bischofssynode von 1987 und das nachfolgende Apostolische Schreiben Christifideles laici von Johannes Paul II. haben die Berufung und
Sendung der Laien in der Kirche und in der Welt eingehend dargelegt.[64] Die Taufwürde,
die sie des Priestertums Christi teilhaftig macht, und eine besondere Gabe des
Geistes verleihen ihnen eine besondere Stellung im Leib der Kirche und berufen
sie, ihrer Bestimmung entsprechend, zur Teilhabe an der Heilssendung, die die
Kirche im Auftrag Christi bis zum Ende der Zeiten entfaltet.
In all ihren vielfältigen Tätigkeiten sind die Laien gerufen, das
eigene persönliche Talent und die erworbene Kompetenz mit dem klaren Zeugnis
des eigenen Glaubens an Jesus Christus zu verbinden. In die zeitlichen
Wirklichkeiten eingebunden, sind die Laien und ist jeder Christ gerufen, Rede
und Antwort zu stehen über die göttliche Hoffnung, die ihn erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15), und auf dieser Erde eifrig zu arbeiten, gerade weil
sie von der Erwartung der "neuen Erde" angespornt werden.[65] Wegen ihrer Stellung in der Welt können die Laien großen
Einfluß auf die Kultur ausüben, indem sie deren Perspektiven und Horizonte auf
Hoffnung hin erweitern. Dadurch leisten sie auch einen besonderen Beitrag zur
Evangelisierung der Kultur, der um so notwendiger ist, als in unserer Zeit die
Spaltung zwischen Evangelium und Kultur noch fortdauert. Im Bereich der
Kommunikationsmittel, die die Mentalität der Personen stark beeinflussen,
obliegt den Laien eine besondere Verantwortung vor allem im Hinblick auf eine
korrekte Verbreitung der moralischen Werte.
In den Antworten auf die Lineamenta
wird den Bischöfen empfohlen, Gespächskreise zu bilden, in denen die Laien
ihrem weltlichen Stand und ihren Kompetenzen entsprechend zu Wort kommen, so daß
zwischen dem Evangelium und der heutigen Gesellschaft kein Gefälle entsteht;
dabei sollen aktuelle Probleme vorgebracht werden, aber unnötige Wortmeldungen
vermieden werden.. 94.
Obwohl die Laien auf Grund der Berufung vorwiegend weltliche Tätigkeiten
ausüben, sollte man nicht vergessen, daß sie zu einer kirchlichen Gemeinschaft
gehören und darin die Mehrheit ausmachen. Nach dem II. Vatikanischen Konzil
sind glücklicherweise neue Formen der verantwortlichen Teilhabe der Laien, Männer
und Frauen, am Leben der einzelnen Diözesen und Pfarrgemeinden entstanden. Sie
sind nunmehr in verschiedenen Pastoralräten vertreten, spielen eine immer größere
Rolle in verschiedenen Diensten wie in der Gestaltung der Liturgie oder der
Katechese; sie sind im katholischen Religionsunterricht in den Schulen
eingesetzt usw.
Eine bestimmte Anzahl von Laien ist auch bereit, sich in solchen Aufgaben
ständig und manchmal für immer zu engagieren. Diese Mitarbeit der Laien ist für
die Erfordernisse der "Neuevangelisierung" gewiß wertvoll, besonders
dort, wo eine ungenügende Zahl von geweihten Amtsträgern zu verzeichnen ist.
Das Nachdenken über die Laien muß auch ihre angemessene Ausbildung
einschließen. Es ist anderseits klar, daß der Bischof besonders auf
geistlicher Ebene darauf achten soll, die engsten Mitarbeiter in der kirchlichen
Sendung zu stützen.
Eine besondere Rolle in der Bildung der Laien muß der Soziallehre der
Kirche zukommen. Sie soll die Laien in ihrer Tätigkeit erleuchten und
anspornen, wie es den dringenden Erfordernissen der Gerechtigkeit und des
Gemeinwohls entspricht, für die sie ihren entscheidenden Beitrag in den
notwendigen Werken und Diensten leisten, die die Gesellschaft beansprucht.
Deshalb ist es notwendig, diözesane sozialpolitische Bildungseinrichtungen als
unerläßliches Pastoralinstru-ment zu schaffen.
Aus den Antworten auf die Lineamenta
geht auch hervor, daß theologisch und kirchlich gebildete erwachsene Laien für
den Verkündigungsdienst wesentlich sind. Ohne solche Laien besteht die Gefahr,
daß in manchen Gebieten der Evangelisierungsauftrag der Kirche nicht mehr
weitergeführt werden kann, besonders dort, wo großer Priestermangel herrscht
und Laien die Rolle übernehmen, die Amtsträger zu unterstützen. In vielen
Gebieten hat sich der Schwerpunkt auf die Rolle der Katechisten verlagert, aber
auch auf Pastoralassistenten, die fähig sind, in der Diözese und in den
Pfarreien wahre kirchliche Arbeit auch in den verschiedenen Bereichen zu
leisten, in denen das Evangelium Sauerteig der Gesellschaft von heute und
Zeichen der Umwandlung und Hoffnung werden muß. Die Bischöfe und Priester müssen
den Laien größeres Vertrauen entgegenbringen. Diese fühlen sich oft als
Erwachsene im Glauben nicht genügend anerkannt und wollen stärker in das Leben
und die Pläne der Diözese vor allem in der Evangelisierung einbezogen werden. Im Dienst der
Familie 95.
Ebenso wichtig ist die Formung der Jugendlichen zum Ehe- und
Familienleben, indem ihre Hoffnungen und Erwartungen nach einer tiefen und
wahren Liebe, wie sie dem Plan Gottes für die Ehe und Familie entspricht, gestärkt
werden. Die Familienseelsorge und -spiritualität, die Offenheit für Ehepaare
in Schwierigkeiten, die Erfahrung reifer Eheleute und die Heranführung zum
Sakrament der Ehe auf dem Weg der sakramentalen Initiation sind wirksame Mittel,
um der Krise der Unbeständigkeit und Untreue im Ehebund zu begegnen.
Die Aufmerksamkeit des Bischofs für die Eheleute und ihre Kinder auch im
Rahmen von diözesanen Familientagen mag für alle ein Zeichen der Ermutigung
setzen. Die Jugend
pastoraler Schwerpunkt für die Zukunft 96.
Die besondere Sorge der Hirten gilt den Jugendlichen. Sie sind die
Zukunft der Kirche und der Menschheit. Ein Dienst der Hoffnung auf die Zukunft
muß diejenigen miteinbeziehen, die sie vor sich haben. Als "Wächter in
der Nacht" erwarten die jungen Menschen die Morgenröte einer neuen Welt
und sind bereit, sich im Leben und Wirken der Kirche zu engagieren, wenn ihnen
echte Verantwortung und ausreichende christliche Bildung angeboten wird. Als
Evangelisatoren ihrer der Kirche fernstehenden Altersgenossen sind die jungen
Menschen ein Anreiz und Ansporn für die Hirten im Hinblick auf die Erneuerung
innerhalb der Pfarreien.
Das Beispiel Johannes Pauls II., der durch die Weltjugendtage gezeigt
hat, daß er an die Zukunft glaubt und damit einen Weg der Hoffnung öffnet,
kann die Hirten der Kirche unterstützen, so daß sie eine authentische auf
Christus gründende Jugendpastoral anbieten. Die leidenschaftliche Sorge um das
geistliche Wohl der Jugend des dritten Jahrtausends ist ein starker Beweggrund,
um sie zur Weitergabe des Evangeliums an die kommenden Generationen anzuleiten. [1]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Const. dogm. de Ecclesia Lumen gentium, 23; C.I.C. can. 381§1; C.C.E.O. can. 178. [2]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia Lumen gentium,
22; C.I.C. can 336; C.C.E.O. can. 49. [3]
Cf. S. Cyprianus, De
catholicæ Ecclesiæ unitate, 5: PL 4, 516; cf. Conc.
Œcum. Vat. I,
Const. dogm. Pastor æternus de Ecclesia Christi, Prologus: DS 3051;
cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia Lumen gentium,
18. [4]
Congregatio Pro Doctrina Fidei, Litt. Communionis notio (28.05.1992), 13: AAS 85 (1993) 846. [5]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 23. [6]
Cf. Congregatio Pro Doctrina Fidei, Litt. Communionis notio
(28.05.1992), 9; 11-14: AAS 85
(1993) 844-847. [7]
Conc. Œcum. Vat. II, Decret. de past. Episc. mun.
in Ecclesia Christus Dominus, 6;
cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 23; Decret. de past. Episc.
mun. in Ecclesia Christus Dominus,
3,5. [8]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. de sacra Liturgia Sacrosanctum
concilium, 26. [9]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Decret. de past. Episc. mun. in Ecclesia Christus
Dominus, 6. [10]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia, Lumen
gentium, 22-23. [11]
Ibid., 8; cfr. Congregatio
Pro Doctrina Fidei, Decl. Dominus
Iesus (6.08.2000), 17. [12]
Ibid., 26. [13]
Ibid., 6. [14]
Congregatio Pro Doctrina Fidei,
Litt. Communionis notio
(28.05.1992), 14: AAS 85 (1993)
846. [15]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm de Ecclesia Lumen gentium,
25. [16]
Cf. Congregatio Pro Episcopis, Direct. pro visitatione ad
limina Constitutioni apostolicæ Pastor
Bonus adnexum (29.06.88). [17]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Decr. de past. episcoporum munere in
Ecclesia Christus Dominus, 37-38; C.I.C., c.447-449. [18]
Cf. Ioannes Paulus II, Litt. ap. motu proprio datæ Apostolos
suos (21.05.1998): AAS 90
(1998) 641-658; cf. Congregatio Pro
Episcopis, Epistula Præsidibus
Conferentiarum Episcopalium missa, nomine quoque Congregationis pro Gentium
Evangelizatione (21.06.1999): AAS
(1999) 996-999. [19]
Sacra Congregatio pro Episcopis, Direct. Ecclesiæ imago (22.02.1973),
210;
cf. Ioannes Paulus II, Litt.
ap. Apostolos suos (21.05.1998),
5. [20]
Cf. Ioannes Paulus II, Litt.
ap. Apostolos suos (21.05.1998),
20: AAS 90 (1998) 765. [21]
Ibid.,
21: AAS 90 (1998) 655. [22]
Cf. idem. [23]
Cf. ibid., 22: AAS 90 (1998) 655. [24]
Cf. C.C.E.O., c. 110 et 152. [25]
Cf. C.C.E.O., c. 322. [26]
Cf. Ioannes Paulus II, Litt.
ap. Apostolos suos (21.05.1998),
5, note 32: AAS 90 (1998) 645. [27]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia, Lumen
gentium, 22-23, cum notis. [28]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Decr. de Ecclesiis orientalibus catholicis Orientalium
Ecclesiarum, 9; C.C.E.O., cc.55-56. [29]
Cf. C.C.E.O., cc. 151-152. [30]
Cf. C.I.C., c. 336; 337; 339. [31]
Cf. Congregatio Pro Episcopis,
Normæ In vita Ecclesiæ über die Amtsenthebung der Bischöfe
(31.10.1988); Pontificium Consilium
Pro Interpretatione Legum, Responsio (3.12.1991): AAS
83 (1991) 1093. [32]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesiæ Lumen
gentium, 23. [33]
Cf. S. Cyprianus, Epistula
69,8: PL 4,418-419: «Unde scire debes Episcopum in Ecclesia esse et
Ecclesiam in Episcopio, et si quis cum Episcopo non sit, in Ecclesiam non
esse». [34]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 9-13. [35]
Sacra Congregatio Pro Episcopis,
Direct. Ecclesiæ imago
(22.02.1973), 14. [36]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 23. [37]
Conc. Œcum. Vat. II,
Decr. de pastorali episcoporum munere in Ecclesia Christus
Dominus, 11; cf. C.I.C. can. 368; C.C.E.O. can. 177. [38]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia Lumen gentium,
26. [39]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. de sacra Liturgia Sacrosanctum
concilium, 10. [40]
Paulus VI, Adhort. apost. Evangelii
nuntiandi
(8.12.1975), 62: AAS 68 (1976) 52. [41]
Congregatio Pro Doctrina Fidei, Litt. Communionis notio
(28.05.1992), 8: AAS 85 (1993)
842. [42]
Ibid. 10: AAS 85 (1993) 844. [43]
Cf. idem. [44]
Cf. Congregatio pro doctrina fidei, Litt. Communionis notio
(28.05.1992), 9: AAS 85 (1993) 843. [45]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Const. Dogm. De Ecclesia Lumen
gentium, 9, 13. [46]
Conc. Œcum. Vat. II, Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 28 [47]
Ioannes Paulus II, Adhort. apost. postsyn. Pastores dabo vobis
(25.03.1992), 31: AAS 84 (1992)
708. [48]
Cf. Congregatio Pro Doctrina
Fidei, Litt. Communionis notio
(28.05.1992), 16: AAS 85 (1993)
847. [49]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Decr. de Presbyt. ministerio et vita Presbyterorum
ordinis, 10; Ioannes Paulus II,
Adhort. apost. postsyn. Pastores
dabo vobis (25.03.1992), 32 : AAS 84 (1991) 709-710; Litt. enc. Redemptoris missio (7.12.19990), 67: AAS 83 (1991) 329-330. [50]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia Lumen gentium,
28. [51]
Ibid. [52]
Cf. ibid., 7; cf. C.I.C. c.495. [53]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm de Ecclesia Lumen gentium,
29. [54]
Cf. ibid., 29, 41. [55]
Cf. Ioannes Paulus II, Adhort.
apost. postsynod. Pastores dabo vobis
(25.03.1992), 65: AAS
84 (1992) 770-772. [56]
Cf. Congregatio de Institutione
Catholica et Congregatio Pro
Clericis, Decl. coniuncta Diaconatus
permanens (22.02.1998): AAS
90 (1998) 835-842; Congregatio de Institutione Catholica, Ratio fundamentalis
institutionis diaconorum permanentium, Institutio
diaconorum (22.02.1998):
AAS 90 (1998) 843-879; Congregatio
Pro Clericis, Direct. pro ministerio et vita diaconorum permanentium Diaconatus
originem (22.02.1998): AAS
90 (1998) 879-927. [57]
Ioannes Paulus II, Adhort. apost. postsynod. Vita
consecrata
(25.03.1996), 3: AAS 88 (1996)
379. [58]
Cf. ibid., 29; Conc. Œcum. Vat. II, Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 44. [59]
Cf. Ioannes Paulus II, Adhort.
apost. postsynod. Vita
consecrata (25.03.1996), 47: AAS
88 (1996) 420-421. [60]
Sacra Congregatio Pro Religiosis et Institutis Sæcularibus et
Sacra Congregatio Pro Episcopis,
Notæ directivæ Mutuæ relationes
(14.05.1978), 9c: AAS 70 (1978)
479. [61]
Cf. Ioannes Paulus II, Adhort. apost. postsyn. Vita
consecrata (25.03.1996), 84, 88: AAS
88 (1996) 461-462, 464. [62]
Cf. ibid., 48: AAS 88 (1996)
421-422; Sacra Congregatio Pro
Episcopis, Direct. Ecclesiæ
imago (22.02.1973), 207. [63]
Cf. Ioannes Paulus II, Adhort. apost. postsyn. Vita
consecrata (25.03.1996), 48-49: AAS
88 (1996) 421-423. [64]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, chap. IV; Decr. de apost. laic. Apostolicam
actuositatem; Ioannes Paulus II,
Adhort. apost. postsyn. Christifideles
laici (30.12.1988): AAS 81
(1989) 393-521; Sacra Congregatio Pro
Episcopis, Direct. Ecclesiæ
imago (22.03.1973), 153-161, 208. [65]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. past. de Ecclesia in mundo huius temporis Gaudium
et spes, 39. Die Pfarreien 97.
In den Teilkirchen spannt sich das christliche Netz der Pfarreien auf.
Das Apostolische Nachsynodalische Schreiben Christifideles
laici beschreibt unter deutlicher Bezugnahme auf die Theologie und Sprache
von Lumen gentium die Pfarrgemeinde
als eine Präsenz der Teilkirche in einem bestimmten Gebiet. Man kann deshalb
vom kirchlichen Geheimnis der Pfarrei auch dann sprechen, wenn sie zuweilen an
Gliedern und Gütern arm ist, wenn sie sich geographisch über weiteste Gebiete
erstreckt oder inmitten dicht bevölkerter und problematischer moderner
Stadtviertel fast unauffindbar ist.[1]
Die Pfarrei ist als Familie Gottes, als vom Geist durchdrungene Gemeinde
von Brüdern und Schwestern,[2] als brüderliches und aufnahmebereites Heim der Familie
zu sehen.[3] Sie ist die Gemeinschaft von Gläubigen,[4] die sich als eucharistische
Gemeinschaft, als Gemeinschaft des Glaubens versteht, wo die an Christus
Glaubenden lebendie Träger von Charismen und Dienstämtern sind, und wo der
Pfarrer, die Priester und die Diakone wirken. In der Pfarrei bringt die
Gemeinschaft mit dem Bischof die organische und hierarchische Einheit mit der
ganzen Teilkirche zum Ausdruck.
Durch die menschliche Vermittlung der Laien evangelisiert die
Pfarrgemeinde und wird selbst evangelisiert. Die Laien sind das Bindeglied
zwischen Kirche und Welt, zwischen der Versammlung, die als Teilstück
zusammengerufen ist, und den Völkern, zu denen sie gesandt ist.
Die Ordensleute, die Mitglieder der Säkularinstitute und der
Gesellschaften des apostolischen Lebens, die verschiedenen Zusammenschlüsse der
Gläubigen und die kirchlichen Bewegungen müssen innerhalb der Pfarrgemeinde
die Möglichkeit haben, ihre Präsenz und Konvergenz unter Achtung ihrer
Berufung und ihres Charismas deutlich zu machen. Alle bilden durch ihr
Gemeinschaftsleben die Kirche, die eins ist im Gebet, in der Arbeit, im Teilen
der Grundaspekte des Alltaglebens.
Die Familie spiegeln die Wirklichkeit einer Hauskirche wieder, wo
Christus gegenwärtig ist. So kann die Kirche in ihrer traditionellen und immer
gültigen Form als Pfarrei nach den Worten des sel. Johannes XXIII. der
"Dorfbrunnen" werden, eine sprudelnde Quelle, die den Durst nach Gott
stillt und das lebendige Wasser des Evangeliums Christi anbietet.[5] 98.
Der Bischof hat die Aufgabe, die Pastoralarbeit zu koordinieren und die
Einheit in den Teilkirchen zu festigen; dabei ist die Koordinierung der
Pfarreien durch Landdechanate, Dechanate, Präfekturen oder andere Zuweisungen
entsprechend der Form der Pastoralarbeit der Diözese förderlich. Diese
Strukturen sind immer wieder zu überprüfen, damit sie den Zielsetzungen der
einzelnen Teilkirchen besser entsprechen.
Diese Strukturen der Gemeinschaft und Sendung verstärken unter den
Priestern die Brüderlichkeit und fördern durch wiederholte Beratungen unter
der Leitung eines Verantwortlichen das Unterscheiden und Planen. Das begünstigt
gegebenenfalls auch die Vertretung und Hilfe im Dienst wie auch die Zuwendung
gegenüber den kranken oder dienstunfähigen Mitbrüdern. Außerdem werden unter
den Gläubigen desselben Gebietes Initiativen der Evangelisierung und Katechese,
der Bildung und des Zeugnisses auf pfarrübergreifender Ebene gefördert.[6] Kirchliche
Bewegungen und neue Gemeinschaften 99.
Aufgabe des Bischofs ist es, ein besonderes Augenmerk auf die sogenannten
kirchlichen Bwegungen und andere neue Wirklichkeiten zu richten, die in der
Teilkirche als Erfahrung des Lebens nach dem Evangelium entstehen. In der Tat
ist die Teilkirche der Ort, wo der institutionelle und der charismatische
Aspekt, die im Plan Gottes über die Kirche mitwesentlich sind, einander
begegnen und sich gegenseitig beleben. Die von Gott für das Gemeinwohl
ausgespendeten Gaben erschöpfen sich nicht in der Erfahrung der wahren
Gemeinschaft, sie lösen sich nicht von der Agape und von der Eucharistie, sie
werden nicht narzistisch, sondern offenbaren ihr einfaches, bescheidenes wenn
auch notwendiges Maß, indem sie sich in die anderen Gaben des Geistes
integrieren.
Die verschiedenen Charismen der Ordensleute, Laien und Missionare machen
die Ortskirche offen für eine universale Dimension, während sie sich in der
von den Gründern gewollten Konkretheit des Dienstes und apostolischen Einsatzes
entfalten.
In den Antworten auf die Lineamenta
wird nachdrücklich auf einige kirchliche Bewegungen hingewiesen, die auf
universaler, diözesaner und pfarrlicher Ebene konstruktiv sind; andere
Bewegungen fördern das Wachstum der Ortskirche nicht, weil sie am Leben der
Pfarrei und Diözese nur am Rand teilnehmen; manche Bewegungen erheben besondere
Ansprüche und laufen Gefahr, sich der Gemeinschaft mit allen zu entziehen.
Deshalb wird darum gebeten, die Frage des theologischen und rechtlichen
Status dieser Bewegungen innerhalb der Teilkirche anzugehen und ihre konkrete
Beziehung zum Bischof festzulegen.
In Bezug auf die neuen Gemeinschaften, die noch keine kirchliche
Approbation haben, ist die Entscheidung den Bischöfen anvertraut, die die
Personen mit Sorgfalt prüfen und die Spiritualität beurteilen müssen, auch
durch eine bestimmte Probezeit, wenn nötig.
Noch größere Aufmerksamkeit ist notwendig, wenn es darum geht,
Priesterberufungen zu prüfen, die aus diesen Gruppen hervorgegangen sind. Die
Kandidaten brauchen eine solide Bildung unter der Verantwortlichkeit des
Bischofs, dem die notwendige Entscheidung im Blick auf die Weihe von Amtsträgern
und die Übertragung von apostolischen Aufgaben in der Diözese zustehen.[7]
In Treue zum Heiligen Geist müssen die verschiedenen Charismen in die
Communio und Missio der Kirche integriert werden. So geht man der Gefahr der
Isolierung aus dem Weg und begünstigt die Hochherzigkeit der Selbsthingabe, der
Brüderlichkeit und Effizienz in der Sendung zum Wohl der Kirche. III.
Das Bischofsamt im Dienst des Evangeliums 100. Das
dreifache Dienstamt der Lehre, Heiligung und Leitung ist ein Dienst am
Evangelium Christi für die Hoffnung der Welt. Denn der Bischof verkündet durch
das Wort, feiert in der Liturgie, lebt und verbreitet durch seinen Hirtendienst
das Evangelium der Hoffnung.
Es handelt sich nicht um drei verschiedene Dimensionen, sondern um die
eine Hoffnung, die durch die Glaubenszustimmung verkündet und aufgenommen wird,
in der Mitte des Ostergeheimnisses, der Eucharistie, gefeiert und so gelebt
wird, daß es das ganze persönliche und soziale Leben der Gläubigen erhellt
und formt.
So sehr die drei Aufgaben als Einheit zu betrachten sind, muß man auch
die Absicht des Konzils berücksichtigen. Wenn die Lehraussagen des Konzils
diese tria munera in Bezug auf den
Bischof und die Priester aufzählen, dann stellen sie das der Lehre den anderen
beiden voran. Hier steht das II. Vatikanum in der gedanklichen Nachfolge dessen,
was der Auferstandene zu seinen Jüngern sagte: "Mir ist alle Macht gegeben
im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle
Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie ... und lehrt sie, alles zu
befolgen, was ich euch geboten habe" (Mt 28,18-20). In diesem Vorzug, der dem bischöflichen Auftrag zur
Verkündigung des Evangeliums zukommt und der ein Merkmal der Ekklesiologie des
Konzils ist, kann jeder Bischof die Bedeutung jener geistlichen Vaterschaft
entdecken, die den Apostel Paulus veranlaßte zu schreiben: "Hättet ihr nämlich
auch ungezählte Erzieher in Christus, so doch nicht viele Väter. Denn in
Christus Jesus bin ich durch das Evangelium euer Vater geworden" (1
Kor 4,15). 1. Der Dienst am Wort Das Evangelium der
Hoffnung verkünden 101. Die
Aufgabe, die mehr als alle anderen den Bischof kennzeichnet und die in gewisser
Weise sein ganzes Amt zusammenfaßt, ist nach der Konzilslehre die des
Stellvertreters und Gesandten Christi in der ihm anvertrauten Teilkirche.[8] Der Bischof vollzieht seinen sakramentalen Auftrag als
lebendigen Ausdruck Christi, gerade indem er den Dienst am Wort ausübt. Als
Diener des Wortes Gottes, das in der Kraft des Geistes und durch das Charisma
des bischöflichen Dienstes handelt, stellt er der Welt Christus vor Augen,
macht ihn in der Gemeinschaft gegenwärtig und teilt ihn denen wirksam mit, die
ihm in ihrem Leben Raum geben.
Es handelt sich um die Verkündigung des Evangeliums der Hoffnung als
grundlegende Aufgabe des bischöflichen Dienstes.
Unter den Hauptpflichten der Bischöfe, die "Glaubensboten ... und
authentische, das heißt mit der Autorität Christi ausgerüstete Lehrer"
sind und "dem ihm anvertrauten Volk die Botschaft zum Glauben und zur
Anwendung auf das sittliche Leben" verkünden,[9] hat die Verkündigung des Evangeliums einen
herausragenden Platz. Daraus folgt, daß alle Tätigkeiten des Bischofs auf die
Verkündigung des Evangeliums abzielen müssen, das "eine Kraft Gottes
[ist], die jeden rettet, der glaubt" (Röm
1,16), darauf ausgerichtet, "das Volk Gottes zum Gehorsam des Glaubens (Röm
1,5) gegenüber dem Wort Gottes zu führen" und die Lehre Christi unverkürzt
anzunehmen. Die Mitte der Verkündigung 102. Was
Gegenstand des bischöflichen Lehramts ist, wird vom II. Vatikanischen Konzil
klar ausgesprochen, wenn es ihn einmütig als Glaubenswahrheit bezeichnet, die
anzunehmen und im Leben anzuwenden ist.[10] Denn der Kernpunkt der Verkündigung ist Christus, gerade
der gekreuzigte und auferstandene Christus, den der Bischof verkündigen muß:
Christus, der einzige Erlöser des Menschen, derselbe gestern, heute und in
Ewigkeit (vgl. Hebr 13,8), das Herz
der Geschichte und die Lebensmitte der Gläubigen.
Von dieser Mitte aus, die das Geheimnis Christi ist, haben alle anderen
Glaubenswahrheiten ihren Ursprung. Davon geht auch die Hoffnung für jeden
Menschen aus. Christus ist das Licht, das jeden Menschen erleuchtet, und wer in
ihm wiedergeboren wird, empfängt die Erstlingsgaben des Heiligen Geistes, die
ihn dazu befähigen, das neue Liebesgebot zu erfüllen.[11] 103. Die
Aufgabe der Verkündigung und die treue Bewahrung des Glaubensgutes ist
verbunden mit der Pflicht, das Wort Gottes vor all dem zu schützen, was seine
Unversehrtheit und Ganzheit verletzen könnte. Dabei ist jedoch eine gerechte
Freiheit für die weitere Erforschung der Glaubenswahrheiten anzuerkennen.[12] Denn in der apostolischen Nachfolge hat der Bischof mit
Billigung Gottes des Vaters das sichere Charisma der Wahrheit empfangen, die er
vermitteln muß.[13]
Diese Pflicht darf kein Bischof vernachlässigen, auch wenn es ihn Opfer
kostet oder ihm Unverständnis einbringt. Wie der Apostel Paulus ist sich der
Bischof seiner Sendung bewußt, das Evangelium zu verkünden, "aber nicht
mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft
gebracht wird" (1 Kor 1,17); wie
er verkündet auch der Bischof "das Wort vom Kreuz" (1
Kor 1,18), nicht um menschliche Zustimmung zu finden, sondern als göttliche
Offenbarung. Glaubensunterweisung
und Katechese 104. Als
Lehrer des Glaubens ist der Bischof auch Erzieher zum Glauben, zum Licht des
Wortes Gottes und des Lehramtes der Kirche. Es handelt sich um die Katechesetätigkeit,
der die Bischöfe volle Aufmerksamkeit schenken müssen, weil sie als Hirten und
Lehrer "die Katecheten schlechthin" sind.
Verschieden und vielfältig sind die Formen, durch die der Bischof seinen
Dienst am Gotteswort ausübt. Das Direktorium Ecclesiæ
imago erinnerte dabei an die besondere Form der Verkündigung an die
Gemeinschaft, die das Evangelium schon kennt, das heißt an die Homilie, die
unter allen anderen Formen durch ihren liturgischen Kontext und ihre Verbindung
mit der Verkündigung des Wortes in den Schriftlesungen herausragt. Eine andere
Form der Verkündigung ist jene, die ein Bischof durch seine Hirtenbriefe wählt.[14]
Sehr hilfreich ist dabei der diskrete Gebrauch der diözesanen, diözesanübergreifenden
oder nationalen Kommunikationsmittel zur Information über die Dokumente des
kirchlichen Lehramtes, der Pastoralpläne und kirchlichen Ereignisse. Die ganze Kirche
ist in die Katechese einbezogen 105. Das
lehramtliche Charisma der Bischöfe ist wegen seiner Verantwortung einzigartig
und darf in keiner Weise delegiert werden. Aber, wie aus den Antworten auf die Lineamenta
hervorgeht, es wird in der Kirche nicht isoliert. Jeder Bischof übt den
eigenen Hirtendienst in einer Teilkirche aus, in der die Priester tief mit
seinem Amt verbunden und unter seiner Vollmacht seine ersten Mitarbeiter sind,
wobei die Diakone noch hinzukommen. Eine wertvolle Hilfe leisten auch die
Ordensleute und eine wachsende Zahl von Laien, die der Verfassung der Kirche
entsprechend bei der Verkündigung und Umsetzung des Wortes Gottes mitarbeiten.
Dank der Bischöfe wird der authentische katholische Glaube an die Eltern
weitergegeben, damit sie ihn ihrerseits an die Kinder weitergeben, wie auch die
Lehrer und Erzieher auf allen Ebenen ihren Glauben (durch die Bischöfe)
sichergestellt sehen können. Die ganze Laienschaft legt Zeugnis ab von der
Einheit des Glaubens, die die Bischöfe unerschrocken zu bewahren sich bemühen.
Es ist wichtig, daß kein Bischof nachläßt, die Laien zu unterstützen, und
ihnen die Mittel für eine angemessene Grund- und Weiterbildung durch
entsprechende Bildungseinrichtungen bereitstellt. Dialog und
Zusammenarbeit mit Theologen und Gläubigen 106. Besonders
nützlich für die Verkündigung ist auch die Zusammenarbeit mit den Theologen,
die bestrebt sind, mit ihrer eigenen Methode den unerschöpflichen Reichtum des
Geheimnisses Christi zu ergründen. Das Lehramt der Hirten und die theologische
Arbeit haben zwar unterschiedliche Aufgaben, sie sind aber beide abhängig von
dem einen Wort Gottes und haben dasselbe Ziel: das Volk Gottes in der Wahrheit
zu bewahren. Daraus erwächst für die Bischöfe die Aufgabe, den Theologen die
Ermutigung und Unterstützung zukommen zu lassen, die ihnen helfen, ihre Arbeit
in Treue zur Tradition und mit Aufmerksamkeit für die Herausforderungen der
Geschichte zu vollbringen.[15]
Im Dialog mit all seinen Gläubigen
wird der Bischof es verstehen, ihren Glauben anzuerkennen und hochzuschätzen,
ihn zu festigen, ihn von überflüssigen Anhängseln zu befreien und ihm einen
angemessenen Lehrinhalt zu geben. Aus diesem Grund und auch deshalb, um auf
Ortsebene Katechismen zu erstellen, die die unterschiedlichen Situationen und
Kulturen berücksichtigen, soll der Katechismus
der Katholischen Kirche Bezugspunkt dafür sein, daß die Einheit des
Glaubens und die Treue zur katholischen Lehre bewahrt werden.[16] Zeuge der Wahrheit 107. Da
der Bischof berufen ist, das Heil in Jesus Christus zu verkünden, muß er durch
seine Predigt unter dem Volk Gottes das Zeichen der Glaubensgewißheit sein.
Wenn er auch, wie die Kirche, keine bereits vorgefertigten Lösungen für die
Probleme des Menchen hat, ist der Bischof dennoch Diener der Schönheit einer
Wahrheit, die deren Wege zu erhellen vermag.[17] Wenn er auch keine besonderen Sachkenntnisse hat, um die
irdische Ordnung zu fördern, formt der Bischof dennoch die Laien, indem er sein
Lehramt ausübt und die ihm anvertrauten Personen und Gemeinschaften zum Glauben
erzieht; innerlich gewandelt, werden die Laien ihrerseits die Welt durch jene Lösungen
verändern, die sie ihren jeweiligen Zuständigkeiten entsprechend anbieten
sollen.
Wie die Antworten auf die Lineamenta
wiederholt betonen, verleiten die säkularisierte Mentalität eines Großteils
der Gesellschaft sowie die übertriebene Betonung der Freiheit des Denkens und
die relativistische Kultur die Menschen dazu, die Weisungen des Bischofs und
auch des Papstes besonders im sexuellen und familiären Bereich als eine Meinung
unter vielen anderen zu betrachen, ohne Auswirkung auf die Lebensführung. Für
den Bischof ist diese Haltung eine radikale Herausforderung, aber auch ein
Terrain zur Verkündigung der Hoffnung. 108. Der
Bischof darf, unter Achtung der Freiheit der Sachverständigen in weltlichen
Fragen, nicht auf den prophetischen Charakter seiner Botschaft, die Trägerin
der Hoffnung ist, verzichten, auch wenn er weiß, daß sie nicht angenommen
wird. Das geschieht besonders dann, wenn er mutig und nicht nur mit Worten,
sondern mit zweckdienlichen Mitteln Krieg, Ungerechtigkeit und alles, was die Würde
des Menschen verletzt, anprangert.
In der Welt die Macht des heilbringenden Wortes gegenwärtig zu machen,
ist ein bedeutender Akt der Hirtenliebe, die ein Bischof den Menschen anbietet,
denn die Macht des Gotteswortes vermag den Menschen den tiefsten Grund zur
Hoffnung zu erschließen. Aufgaben für die
Zukunft 109. Aus
den Antworten auf die Lineamenta gehen
einige präzise Bitten hervor, die die Aufgaben des Lehramtes der Bischöfe
erweitern und auf den heutigen Stand bringen sollen.
Je nach den Gegebenheiten ist es angebracht, auf diözesaner oder diözesanübergreifender
Ebene die Errichtung von katholischen
Universitäten für eine entsprechende Einflußnahme auf die Gesellschaft zu
planen und zu fördern, damit Laien herangebildet werden, die in den
verschiedenen Bereichen der Wissenschaft und Technik im Dienst am Menschen und
an der Wahrheit herausragen. In dieser Hinsicht wird darum gebeten, der Universitätsseelsorge
gemäß den Richtlinien des Heiligen Stuhls neue Impulse zu geben.
Im Erziehungs- und Bildungsbereich ist es notwendig, durch den Einsatz
von Priestern und Laien geeignete Institutionen für die Förderung und den
Schutz der katholischen Schulen zu
schaffen. Für diese wird die Anerkennung seitens der Regierungen gefordert,
weil sie auf das Recht der Eltern auf eine angemessene Erziehung der Kinder zurückgreifen,
die den von ihnen frei gewählten kulturellen und religiösen Werten entspricht.
Zur Förderung der sozialen
Kommunikationsmittel in einer pluralistischen Gesellschaft ist eine
angemessene Ausbildung der Kommunikatoren durch verschiedene diözesane oder diözesanüber-greifende
Initiativen notwendig. Kultur und
Inkulturation 110. Die
Verkündigung des Evangeliums seitens des Bischofs im kulturellen Bereich
bedeutet Förderung des Glaubens in den für die Botschaft des Evangeliums äußerst
empfänglichen Gebieten.
Es ist notwendig, den Dialog mit
den kulturellen Institutionen der Laien durch Gesprächsrunden zwischen
qualifizierten Personen zu begünstigen, in denen die Kirche sich als Freundin
all dessen zu erkennen gibt, was wahrhaft menschlich ist.
Diesen Dialog kann die Förderung
des kulturellen, künstlerischen und
geschichtlichen Erbes der Diözese begünstigen. In den Diözesen gibt es
kulturelle und historische Güter, Archive, Bibliotheken und Kunstwerke, die als
kulturelles Zeugnis besondere Aufmerksamkeit verdienen. Initiativen zugunsten
der Museen und Ausstellungen, entsprechende Vorträge, die Katalogisierung und
Ausstellung künstlerischer und literarischer Werke können Mittel der
Evangelisierung und Kontemplation der Schönheit werden, ein Zeichen für die
besondere Sorge der Kirche gegenüber der menschlichen geographischen und
kulturellen Geschichte.[18]
Es ist Aufgabe des Bischofs, den Richtlinien des Heiligen Stuhls
entsprechend und in Zusammenarbeit mit der Bischofskonferenz den Glauben und das
christliche Leben in die verschiedenen Kulturen einzubringen gemäß den
Leitlinien, die anläßlich der Sonderversammlungen der Bischofssynode besonders
im Bezug auf die Liturgie, die Priesterausbildung und das gottgeweihte Leben
angeboten wurden.[19] 2. Der Dienst der Heiligung 111. Die
Verkündigung des Wortes Gottes steht am Anfang der Versammlung des Volkes
Gottes in Ekklesia, das heißt in
heiliger Zusammenkunft. Sie erreicht und findet aber ihre Fülle im Sakrament.
Denn Wort und Sakrament bilden eine Einheit, sie sind nicht voneinander zu
trennen und als zwei Aspekte oder Momente eines einzigen Heilswerkes zu
betrachten. Er selbst, das ewige, menschgewordene Wort, ist die Wurzel des
inneren Bandes, das Wort und Sakrament miteinander verknüpft. Das gilt für
alle Sakramente, aber in besonderer und einzigartiger Weise für die heilige
Eucharistie, die Quelle und Höhepunkt der ganzen Evangelisierung ist.[20]
Wegen dieser Einheit von Wort und Sakrament und wie die Apostel vom
Auferstandenen zu allen Völkern gesandt wurden, um sie zu lehren und zu taufen
(vgl. Mt 28,19), so empfängt auch
jeder Bischof als Nachfolger der Apostel kraft der Fülle des Weihesakramentes,
mit der er ausgestattet wurde, zusammen mit der Sendung als Glaubensbote die
eines "Verwalters der Gnade des höchsten Priestertums".[21] Der Dienst
der Verkündigung des Evangeliums ist nämlich "dem Dienst der Gnade der
Sakramente der Kirche zugeordnet. Als Diener der Gnade "verwirklicht der
Bischof das munus sanctificandi, auf
das das munus docendi abzielt, das er
unter dem ihm anvertrauten Volk Gottes ausübt".[22]
Der Dienst der Heiligung ist eng mit der Feier des Heils in Christus
verbunden in einem Ausblick voll Hoffnung, der die Gläubigen auf die Erfüllung
der Verheißungen ausrichtet, während sie als Volk Gottes auf dem Pilgerweg
durch die Welt der ewigen Stadt entgegenziehen. Der Bischof als
Priester und Liturge in seiner Kathedrale 112. Die
Heiligungsaufgabe wohnt der Sendung des Bischofs inne. Denn er ist in seiner
Teilkirche der Hauptspender der Geheimnisse Gottes: vor allem der Eucharistie,
die im Mittelpunkt des sakramentalen Dienstes des Bischofs steht und durch deren
Leitung er vor den Augen seines Volkes als der Mann des neuen und ewigen von
Jesus Christus durch das Kreuzesopfer eingesetzten Gottesdienstes erscheint. Er
ordnet die Spendung der Taufe, durch die die Gläubigen am königlichen
Priestertum Christi Anteil erhalten; er ist erstberufener Firmspender, erteilt
die heiligen Weihen und regelt die Bußdisziplin.[23] Der Bischof ist Liturge der Teilkirche insbesondere dann,
wenn er der Eucharistiefeier vorsteht.[24]
Hier, wo das Leben der Kirche seinen Höhepunkt findet, verwirklicht sich
auch der Höhepunkt des munus
sanctificandi, das der Bischof in der Person Christi, des ewigen
Hohenpriesters, ausübt. Das kommt in einem bedeutsamen Text des II. Vatikanums
gut zum Ausdruck: "Daher sollen alle das liturgische Leben des Bistums, in
dessen Mittelpunkt der Bischof steht, besonders in der Katheralkirche, aufs höchste
wertschätzen; sie sollen überzeugt sein, daß die Kirche auf eine vorzügliche
Weise dann sichtbar wird, wenn das ganze heilige Gottesvolk voll und tätig an
denselben liturgischen Feiern, besonders an derselben Eucharistiefeier,
teilnimmt: in der Einheit des Gebets und an dem einen Altar und unter dem
Vorsitz des Bischofs, der umgeben ist von seinem Presbyterium und den Dienern
des Altars".[25]
Bevorzugter Ort der bischöflichen Gottesdienste ist die Kathedrale, wo
die Kathedra des Bischofs ihren Platz hat und wo er sein Volk unterweist. Denn
sie ist die Mutterkirche und der Mittelpunkt der Diözese, das Zeichen der
Kontinuität einer Geschichte, der symbolische Raum ihrer Einheit. Das Cæremoniale
episcoporum widmet diesem Thema ein ganzes Kapitel unter dem Titel: Die
Kathedralkirche.[26]
Sie ist der Ort für die Feier der Hauptfeste des liturgischen Jahres,
insbesondere die Chrisamweihe und die Priesterweihen. Sie ist das Bild der
Kirche Christi, der Einheit des mystischen Leibes, der Versammmlung der
Getauften und des himmlischen Jersualems und muß von sich aus in der würdigen
Weise, in der die Liturgie den Vorschriften entsprechend gefeiert wird, für die
anderen Kirchen der Diözese beispielgebend sein.[27]
Der Bischof entfaltet und drückt seine innere Wahrheit auch durch die für
die Liturgie bestimmten Orte aus: die Kathedra, Sitz des Bischofs, von der aus
er die Versammlung leitet und das Gebet anführt;[28] der Altar, Symbol des Leibes Christi und Tisch des Herrn,
wo die Eucharistie gefeiert wird;[29] das Prebyterium, in dem die Priester, Diakone und anderen
Diener ihren Platz haben;[30] der Ambo, wo das Evangelium verkündet und das Wort
gepredigt wird, es sei denn, der Bischof tut es von seiner Kathedra aus.[31] Die
Taufkapelle, wo gegebenenfalls in der Osternacht die Taufe gespendet wird.[32] Die Eucharistie
als Mitte der Teilkirche 113. Eine
der wichtigsten Aufgaben des Bischofs besteht in der Sorge dafür, daß die Gläubigen
in den Gemeinden der Teilkirche die Möglichkeit haben, zum Tisch des Herrn zu
treten, vor allem am Sonntag, dem Tag, an dem die Kirche das Ostergeheimnis
feiert und die Gläubigen in Freude und Muße Gott Dank sagen, denn "er hat
uns in seinem großen Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung
Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben" (1
Petr 1,3).[33]
In vielen Gebieten, nicht nur in den neuen und jüngeren Kirchen, sondern
auch in den Gebieten mit alter christlicher Tradition wird es wegen des
Priestermangels oder aus anderen schwerwiegenden Gründen immer schwieriger, die
Eucharistiefeier sicherzustellen. Das verstärkt die Pflicht des Bischofs, ein
stets aufmerksamer Verwalter der Gnade zu sein, der die wirklichen Nöte und den
Ernst der Situationen erkennt, die Mitglieder seines Presbyteriums klug verteilt
und dahin wirkt, daß in solchen Notfällen die Gemeinden der Gläubigen nicht
lange ohne Eucharistie bleiben. Dies gilt auch im Hinblick auf die Gläubigen,
die durch Krankheit oder Alter oder aus anderen verständlichen Gründen die
Eucharistie nur zuhause oder dort, wo sie gepflegt werden, empfangen können. 114. Die
Liturgie ist die höchste Form des Lobpreises an die Heilige Dreifalitigkeit. In
der Liturgie, vor allem durch die Feier der Sakramente, offenbart und realisiert
das vor Ort versammelte Volk Gottes sein heiliges und organisch verfaßtes Wesen
als priesterliche Gemeinschaft.[34] Durch die Ausübung des munus sanctificandi bewirkt der Bischof, daß die ganze Teilkirche
eine Gemeinschaft von Betern wird, eine Gemeinschaft von einmütig im Gebet
verharrenden Gläubigen (vgl. Apg 1,14).
Als erster zusammen mit seinem Presbyterium vom Geist und von der Kraft
der Liturgie durchdrungen, bemüht sich der Bischof, in der eigenen Diözese
eine gute Bildung zu fördern und zu entfalten, damit die Schätze entdeckt
werden, die in der Liturgie enthalten sind, die gemäß den approbierten Texten
gefeiert und vor allem als geistliche Handlung gelebt wird. Während er als
Verantwortlicher für den Gottesdienst in der Teilkirche das liturgishe Leben
der Diözese leitet und schützt und zusammen mit den Bischöfen derselben
Bischofskonferenz und in Treue zum gemeinsamen Glauben handelt, unterstützt er
auch das Bemühen, die Liturgie entsprechend den zeitlichen und örtlichen
Erfordernissen in den Kulturen zu verwurzeln und dabei das, was kraft göttlicher
Einsetzung unveränderlich ist, und das, was dem Wandel unterliegt, zu berücksichtigen.[35] [1]
Cf. Ioannes Paulus II, Adhort.
apost. postsyn. Christifideles laici (30.12.1988), 26: AAS 81 (1989) 437-440. [2]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia Lumen gentium,
28. [3]
Cf. Ioannes Paulus II, Adhort.
apost. Catechesi
tradendæ (16.10.1979),
67: AAS 71 (1979) 1331-1333. [4]
Cf. C.I.C. can. 515. [5]
Cf. Ioannes Paulus II, Adhort.
apost. postsyn. Christifideles laici
(30.12.1988), 27: AAS 81 (1989)
442. [6]
Cf.
Sacra Congregatio Pro Episcopis,
Direct. Ecclesiæ imago
(22.02.1973) 184-188. [7]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia Lumen gentium,
12; Ioannes Paulus II, Adhort.
apost. postsyn. Vita
consecrata
(25.03.1996), 62: AAS 88 (1996) 435-437. [8]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 27. [9]
Ibid., 25: cf. Decr. de past. episc. mun. in Ecclesia Christus
Dominus, 12-14; Sacra Congregatio
Pro Episcopis, Direct. Ecclesiæ
imago (22.02.1973), 55-65. [10]
Cf. C.I.C. can. 386. [11]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. past. de Ecclesiæ in mundo huius temporis Gaudium
et spes, 22. [12]
Cf. C.I.C. can. 386 § 2. [13]
Cf. S. Iræneus, Adversus hæreses,
IV, 26, 2: PG 7, 1053-1054: «Qui cum episcopali successione charisma
veritatis certum secundum placitum Patris acceperunt». [14]
Cf.
Sacra Congregatio Pro Episcopis,
Direct. Ecclesiæ imago (22.02.1973),
59-60. [15]
Cf. Congregatio de Doctrina Fidei,
Instr. Donum
veritatis
de ecclesiali theologi vocatione (24.05.1990), 21: AAS
82 (1990) 1559. [16]
Cf. Ioannes Paulus II, Const.
ap. Fidei depositum (11.10.1992),
4: AAS 86 (1994) 113-118. [17]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. past. de Ecclesia in mundo huius temporis Gaudium
et spes, 33. [18]
Päpstliche Kommission für die Erhaltung des
kunstlerischen und des geschichtlichen Erbes,
Rundschreiben über die pastorale Aufgabe der kirchlichen
Archive (2.02.1997). [19]
Cf. Ioannes Paulus II, Adhort.
apost. postsyn. Ecclesia in Africa (14.09.1995), 59-62: AAS
88 (1996) 37-39; Ecclesia in Asia
(6.11.1999), 21-22: AAS 92 (2000)
482-487; Vita consecrata
(25.03.1996), 80-81: AAS 88 (1996)
456-458. [20]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Decr. de presbyterorum ministerio et
vita Presbyterorum ordinis, 5. [21]
Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 26. [22]
Ioannes Paulus II, Catéchèse
du mercredi (11.11.1992), 1: L’Osservatore
Romano, EHLF 2238 (17.11.1992)
12. [23]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 26.. [24]
Cf. S. Ignatius Antioch. Ad
Magn. 7: Patres Apostolici, I, Edidit F-X. Funk, Tubingæ 1897, 194-196; Conc.
Œcum. Vat. II, Const. de sacra Liturgia Sacrosanctum
concilium, 41; Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 26; Decr. de œcumenismo Unitatis
redintegratio, 15. [25]
Conc. Œcum. Vat. II, Const. de sacra Liturgia Sacrosanctum
concilium, 41. [26]
Cf. Cæremoniale episcoporum, 42-54. [27]
Cf.
ibid., 42-46. [28]
Cf.
ibid., 47. [29]
Cf.
ibid., 48. [30]
Cf. ibid., 50. [31]
Cf. ibid. 51.17. [32]
Cf. ibid., 52. [33]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. de sacra Liturgia Sacrosanctum
concilium, 106; Ioannes Paulus
II, Epist. ap. de diei dominicæ santificatione Dies
Domini (31.05.1998): AAS 90
(1998) 713-766. [34]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 11. [35]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. de sacra Liturgia Sacrosanctum
concilium, 21. Auf das Gebet und
die Volksfrömmigkeit achten 115. Das
Gebet selbst in seinen verschiedenen Formen ist ein Akt, in dem die Hoffnung der
Kirche Ausdruck findet. Jedes Gebet der Braut Christi, die sich nach der
vollkommenen Vereinigung mit dem Bräutigam sehnt, wird in dem Ruf zusammengefaßt,
den der Geist eingibt: "Komm!" (Offb 22,17).[1] Der Geist spricht dieses Gebet mit der Kirche und in der
Kirche. Es ist die eschatologische Hoffnung, die Hoffnung der endgültigen
Vollendung in Gott, die Hoffnung des ewigen Reiches, die sich in der Teilhabe am
dreifaltigen Leben verwirklichen wird. Der Heilige Geist, der den Aposteln als
Tröster gegeben wird, ist Hüter und Seele dieser Hoffnung im Herzen der
Kirche. Im Blick auf das dritte Jahrtausend nach Christus, da "der Geist
und die Braut zum Herrn Jesus sagen: Komm!",[2] ist dieses ihr Gebet wie immer voll eschatologischer
Tragweite.
In diesem Bewußtsein bemüht sich der Bischof täglich, den Gläubigen
durch sein persönliches Zeugnis, durch das Wort, das Gebet und die Sakramente
die Fülle des Lebens in Christus zu vermitteln.
In diesem Kontext richtet der Bischof sein Augenmerk auch auf die
verschiedenen Formen der christlichen Volksfrömmigkeit und auf ihren Beitrag
zum liturgischen Leben. Weil sie die religiöse Haltung des Menschen ausdrückt,
darf diese Volksfrömmigkeit weder ignoriert noch mit Gleichgültigkeit oder
Geringschätzung behandelt werden, denn sie ist, wie Paul VI. schrieb, reich an
Werten.[3] Aber sie bedarf stets der Evangelisierung, damit der
Glaube, den sie ausdrückt, ein immer reiferer Akt wird. Eine authentische,
biblisch geformte, liturgische Pastoral wird sich auf die Schätze der Volksfrömmigkeit
zu stützen wissen, sie reinigen und sie auf die Liturgie als Darbringung der Völker
ausrichten.[4] Einige besondere
Fragen 116. In
den Antworten auf die Lineamenta werden
einige Aufgaben hervorgehoben, die dem liturgischen Dienst des Bischofs eigen
sind und die hier kurz beleuchtet werden sollen.
Der Bischof ist in seiner Kirche vor allem der Erstverantwortliche
der Feier und der Disziplin der christlichen Initiation. Er ist insbesondere
der Urheber, der wachsame Hüter und Diener der Riten der christlichen
Initiation der Erwachsenen. Deshalb ist es angebracht, daß er die
charakterische Feier des Katechumenats vor allem in unmittelbarer Vorbereitung
auf die Taufe und die christliche Initiation der Erwachsenen in der Osternacht
persönlich leitet.
Für eine echte und tiefreichende Förderung der Liturgie ist es
angemessen, daß er oft auch bei den Visiten den Wortgottesdienst und das
Stundengebet, wie vom Cæremoniale
Episcoporum vorgesehen, leitet.[5] In diesem Sinn kann er in seiner spezifischen Aufgabe als
Lehrer, der das Wort des Heils feiert, und als Priester, der für sein Volk
bittet und eintritt, erscheinen. 3. Die Ausübung des Leitungsamtes Der Leitungsdienst 117. Die
amtliche Aufgabe des Bischofs vervollständigt sich in der Rolle, Anführer des
ihm anvertrauten Teils des Volkes Gottes zu sein. Die Tradition der Kirche hat
diese Aufgabe immer mit zwei Figuren verglichen, die Jesus nach dem Zeugnis der
Evangelien auf sich selbst anwendet: dem Hirten und dem Knecht. Das Konzil
beschreibt die Aufgabe der Bischöfe, die Gläubigen zu leiten, mit den Worten:
"Die Bischöfe leiten die ihnen zugewiesenen Teilkirchen als Stellvertreter
und Gesandte Christi durch Rat, Zuspruch, Beispiel, aber auch in Autorität und
heiliger Vollmacht, die sie indes allein zum Aufbau ihrer Herde in Wahrheit und
Heiligkeit gebrauchen, eingedenk, daß der Größere werden soll wie der
Geringere und der Vorsteher wie der Diener (vgl. Lk
22,26-27)".[6]
Johannes Paul II. betont, daß "man auf den Begriff Dienst, der für jedes kirchliche Amt gilt, angefangen von dem der
Bischöfe, Gewicht legen muß. Ja, das Hirtenamt ist mehr ein Dienst als eine Würde.
Und wenn es auch eine Würde ist, gilt es für den Bischof, den Nachfolger der
Apostel, wenn er im Geist der Demut, dem Evangelium gemäß, nach dem Beispiel
des Menschensohnes dient ... Im Licht des Dienstes als gute Hirten ist die Vollmacht zu verstehen, die der
Bischof besitzt, auch wenn sie immer der des Papstes unterstellt ist".[7] Deshalb und aus gutem Grund bezeichnet der Codex des
kanonischen Rechts diesen Dienst als munus
pastoris und verbindet mit ihm die Eigenschaft der Hirtensorge.[8] Wahre Hirtenliebe
üben 118. Die
Tugend der caritas pastoralis ist
bezeichnend für den Bischof. Er übt sie dadurch, der er Christus, der durch
die Hingabe seines Lebens der "gute" Hirt ist, nachfolgt. Deshalb
verwirklicht man sie nicht nur durch die Ausübung der Amtshandlungen, sondern
noch mehr durch die Selbsthingabe, die die Liebe Christi zu seiner Herde
deutlich macht.
Eine der Formen, in denen die Hirtenliebe zum Ausdruck kommt, ist das Mitleid
in der Nachahmung Christi, des Hohenpriesters, der die menschliche Schwäche
mitfühlen kann, weil er selbst in allem wie wir geprüft wurde, aber nicht gesündigt
hat (vgl. Hebr 4,15). Dieses Mitleid,
das der Bischof als Zeichen des Mitleids Christi bezeigt und lebt, darf aber
nicht von der Wahrheit Christi getrennt werden. Denn ein weiterer Ausdruck der
Hirtenliebe ist die Verantwortung vor
Gott und vor der Kirche in Bezug auf die zu verkündende Wahrheit, "ob man
sie hören will oder nicht" (vgl. 2
Tim 4,2).
Die Hirtenliebe bewirkt, daß der Bischof besorgt ist, dem Gemeinwohl
seiner Diözese zu dienen, das dem der ganzen Kirche zwar untergeordnet ist,
aber gleichzeitig das ist, worin das Wohl der einzelnen Gemeinden der Diözese
zusammenfließt. Das Direktorium Ecclesiæ
imago betonte diesbezüglich die Grundprinzipien für die Einheit, die
verantwortliche Mitarbeit und die Koordinierung.[9]
Dank der Hirtenliebe, die inneres und einigen des Prinzip aller
Amtshandlungen ist, "kann der wesentliche und dauernde Anspruch einer
Einheit zwischen dem inneren Leben und den vielen Aktivitäten und
Verantwortlichkeiten des priesterlichen Dienstes realisiert werden; es handelt
sich um ein äußerst dringendes Erfordernis in einem soziokulturellen und
kirchlichen Kontext, der stark von Kompliziertheit, Bruchstückhaftigkeit und
Zersplitterung gezeichnet ist".[10] Sie muß also die Denk- und Handlungsweise des Bischofs
und seine Kontakte mit allen, denen er begegnet, bestimmen.
In der Leitung der Diözese sorgt der Bischof auch dafür, daß die
Bedeutung des kanonischen Rechtes anerkannt wird, dessen Ziel das Wohl der
Personen und der kirchlichen Gemeinschaft ist.[11] Ein Seelsorgestil,
der sich im Leben niederschlägt 119. Die
Hirtenliebe erfordert deshalb
Lebensstile und formen, die es in Nachahmung des armen und demütigen Christus
ermöglichen, allen Gliedern der Herde vom kleinsten bis zum größten nahe zu
sein und gleichzeitig bereit, ihre Freuden und Leiden nicht nur in Gedanken und
im Gebet, sondern auch zusammen mit ihnen zu teilen, damit alle Gottes Liebe zum
Menschen erfahren können durch die Gegenwart und den Dienst des Bischofs, der
sich ohne Scham allen zuwendet und dabei andere nicht in Verlegenheit bringt.[12]
Die Antworten der Bischofskonferenzen auf die Lineamenta
weisen auf einige charakteristische Eigenschaften hin, die dem Bischof in
manchen Gesellschaften zugeschrieben werden. Manchmal herrscht ein gewisses
"monarchisches" oder "autoritäres" Bild vor, das dem
Bischof eine unpassende Rolle in der Kirche und in der Welt zuschreibt. In
anderen Fällen wird der Bischof als "Hirt inmitten seiner Herde" und
"Vater im Glauben" gesehen, so daß die Priester, Ordensleute und
Laien nicht nur eine "Hilfe" des Bischofs, sondern seine
"Mitarbeiter" sind.
Eine Vertiefung der Wirklichkeit "Communio" kann dazu führen,
den Bischof als authentischen "Diener der Diener Gottes", das heißt
als ersten unter den Dienern Gottes zu sehen. Denn der Bischof bleibt seiner
Sendung treu, wenn er sich dessen bewußt ist, daß seine persönliche
Verantwortung als Hirt in angemessener Weise von allen Gläubigen kraft der
Taufe geteilt wird, von einigen kraft des Weihesakraments und von anderen kraft
der durch die evangelischen Räte gegebenen besonderen Hingabe. 120. Eine
ungünstige Bedingung für diese "Communio",
die von vielen wahrgenommen wird, ergibt sich oft aus der großen Ausdehnung
der Diözese und den vielen Verpflichtungen des Bischofs.
In den Antworten wird auf die Gefahr hingewiesen, daß sich dadurch in
den Führungsstil des Bischofs Elemente einschleichen, die einer dem Evangelium
gemäßen Pastoral nicht entsprechen, so daß die Leute ihn mit der weltlichen
Prominenz gleichsetzen. Manchmal scheint selbst die Präsenz des Bischofs neben
den Bürgerautoritäten seine Unabhängigkeit und seine Rolle in den Schatten zu
stellen.
In den Gesellschaften, die einer gewissen Autoritätsausübung gegenüber
negativ eingestellt sind, tendiert man dazu, die Rolle des Bischofs zu überdenken,
indem das Prinzip der Subsidiarität und die Einrichtung der Beratung besondere
Deutung erfahren. Das geschieht aus dem Grund, weil die Autorität nur als
"Macht" gesehen wird.
Die Bischöfe können das gemäß ihrer Rolle als Väter und Beschützer
überwinden, weil sie sich als Nachfolger der Apostel nicht nur in der ausübenden
Autorität darstellen, sondern in ihrer dem Evangelium ensprechenden Lebensform,
in der Grundsatztreue zu dem, was sie verkünden, in den apostolischen Leiden,
in der liebevollen und barmherzigen Sorge für die Gläubigen, besonders die ärmsten,
die schwächsten und die leidenden.
Darin sind sie Zeichen Christi inmitten des Volkes Gottes, und ihr
wirklich pastoraler Leitungsdienst wird eine Verkündigung des Evangeliums der
Hoffnung. Gewisse äußere Formen und Beischmückungen wie Ehrentitel und Orden
dürfen das bischöfliche Lehramt in Wort und Tat nicht verdunkeln.
Der Bischof muß lebendige Ikone Christi sein, der als Herr und Meister
seinen Jüngern die Füße wusch; und er muß durch seinen einfachen und
bescheidenen Lebensstil das Antlitz Jesu, wie es im Evangelium aufscheint,
deutlich machen und sich als ein wahrer "Mensch Gottes" (vgl. 2 Tim 3,17) erweisen. Die
Pastoralvisitationen 121. Die
kirchliche Tradition kennt einige spezifische Formen, durch die der Bischof in
seiner Teilkirche den Hirtendienst ausübt. Insbesondere zwei sind zu erwähnen,
die erste ist die sogenannte Form des persönlichen Einsatzes. Die zweite
hingegen ist die synodale Form.
Die Pastoralvisitation ist weder eine dem Bischof von der kirchlichen
Disziplin vorgeschriebene rein rechtliche Institution noch eine Art
Ermittlungsinstrument.[13] Durch die Pastoralvisitation tritt der Bischof konkret in
Erscheinung als sichtbares Prinzip und Fundament der Einheit in der Teilkirche,
und sie "spiegelt in gewisser Weise das Bild dieser einzigartigen und
wunderbaren Visitation wider, durch die der 'oberste Hirt '(1
Petr 5,4) und Bischof unserer Seelen (vgl. 1
Petr 2,25), Jesus Christus, sein Volk besucht und erlöst hat (vgl. Lk
1,68)".[14] Weil die Diözese, bevor sie ein territoriales Gebiet
ist, ein der Hirtensorge eines Bischofs anvertrauter Teil des Gottesvolkes ist,
schreibt das Direktorium Ecclesiæ imago
dazu, daß die Personen in der Pastoralvisitation die Hauptrolle spielen. Um
sich ihnen also besser widmen zu können, ist es angebracht, daß der Bischof
die Prüfung der Verwaltungsangelegenheiten anderen überträgt.
Die geplanten und sorgfältig vorbereiteten Pastoralvisitationen sind für
den Hirten und das ihm anvertraute Volk eine günstige Gelegenheit, einander
kennenzulernen.
In den Pfarreien steht die Begegnung mit dem Pfarrer und den übrigen
Priestern an erster Stelle. Die Pastoralvisitation ist der Moment, wo der Dienst
der Predigt und Katechese, des Dialogs und der Kontaktnahme mit den Leuten und
ihren Problemen ausgeübt wird. Sie ist ein Anlaß, in Gemeinschaft die
Eucharistie und die Sakramente zu feiern, gemeinsam zu beten und die Volksfrömmigkeit
zu teilen. Dabei hat der Bischof auf einige Gruppen besonders zu achten: die
Jugend, die Kinder, die Kranken, die Armen, die Ausgegrenzten, die
Fernstehenden.
Erfahrungsgemäß hat der Bischof noch bei anderen Gelegenheiten die Möglichkeit,
mit den Diözesanen zusammenzutreffen, so bei den Diözesanversammlungen, wo das
Pastoralprogramm aufgestellt und geprüft wird, wie auch bei Priester- oder
Diakonatsweihen oder Patrozinien oder auch an den Tagen, die einem bestimmten
Stand oder Anliegen gewidmet sind, z. B. dem Klerus, den Ordensleuten, den
Familien. Die Diözesansynode 122. Die
Feier der Diözesansynode, deren rechtliches Profil der Codex des kanonischen
Rechts vorzeichnet,[15] hat zweifellos Vorrang unter den pastoralen Pflichten des
Bischofs. Denn die kirchliche Disziplin nennt die Synode als ersten der
Organismen, mit deren Hilfe das Leben einer Teilkirche abläuft und sich
entfaltet. Ihre Struktur entspricht wie die der anderen sogenannten Organismen
"der Teilnahme" grundlegenden ekklesiologischen Erfordernissen und ist
institutioneller Ausdruck theologischer Wirklichkeiten, zum Beispiel der
notwendigen Mitarbeit des Presbyteriums beim Dienst des Bischofs, der Teilhabe
aller Getauften am prophetischen Amt Christi, der Pflicht der Hirten, die Würde
der Laien anzuerkennen und zu fördern, indem sie sich gern deren kluger
Beratung bedienen.[16] In ihrer Wirklichkeit reiht die Diözesansynode sich in
den Kontext der Mitverantwortung aller um ihren Bischof vereinten Diözesanen
ein. Im Hinblick auf das Wohl der Diözese und in ihrer Zusammensetzung, wie sie
von der geltenden kanonischen Disziplin gewollt ist,[17] ist sie bevorzugter Ausdruck der Communio in der
Teilkirche. In der Synode, die gut vorzubereiten und mit ganz bestimmten
Zielsetzungen einzuberufen ist, hört der für die endgültigen Entschlüsse
verantwortliche Bischof das, was der Geist der Teilkirche eingibt,[18] so dass alle fest im Glauben stehen, treu in der
Gemeinschaft, offen für die Missionstätigkeit, verfügbar für die geistlichen
Bedürfnisse der Welt und voller Hoffnung angesichts ihrer Herausforderungen. Ein vom Geist der
Communio inspirierter Führungsstil 123.
Durch sein Hirtenamt ist der Bischof der Vorsitzende und der Diener der
Liebe in seiner Teilkirche, indem er sie durch das Wort und die Eucharistie
aufbaut. Schon in der apostolischen Kirche sorgten die Zwölf für die
Einsetzung von "sieben Männern von gutem Ruf und voll Geist und
Weisheit" (Apg 6,2-3), denen sie den Dienst an den Tischen zuwiesen. Selbst der
heilige Paulus hatte als festen Bezugspunkt seines Apostolats die Zuwendung zu
den Armen und hinterließ uns den Hinweis auf ein grundlegendes Zeichen der
Communio unter den Christen. So ist der Bischof auch heute gerufen, die Caritas
in seiner Diözese persönlich zu leben und durch entsprechende Strukturen zu
organisieren.
Auf diese Weise bezeugt er, daß die Trauer und Angst der Menschen, vor
allem der Armen und Bedrängten, auch die Sorgen der Jünger Christi sind.[19] Natürlich sind die Armutsformen verschieden, und zu den
alten traten neue Formen hinzu. In diesen Situationen steht der Bischof an
vorderster Front, um neue Formen des Apostolats und der Nächstenliebe dort zu
finden, wo die Not sich unter neuem Gesicht zeigt. Diesem Einsatz von Solidarität
und Nähe zum Wohl des Menschen dienen, dazu ermutigen und Menschen dafür
schulen, indem Tag für Tag das Gleichnis vom bamherzigen Samariter erneuert
wird, ist schon für sich ein Zeichen der Hoffnung für die Welt. 124. Um
den Dienst der pastoralen Leitung und Entscheidungsfindung zu leisten, braucht
der Bischof die Mitarbeit aller Gläubigen im Geist der Communio und Missio.
Diesem Zweck dienen der Priesterrat und der Pastoralrat als Strukturen
des Dialogs, der Gemeinschaft und Entscheidungsfindung, wie schon erwähnt
wurde.
Die wachsenden pastoralen Bedürfnisse führten dazu, die Diözesankurie
mit den einzelnen Dienststellen den kanonischen Normen und den Möglichkeiten
jeder Teilkirche und der Kompetenz des Diözesanklerus, der geweihten Personen
und der Laien entsprechend zweckmäßig zu gestalten, um den Anforderungen der
Diözese gerecht zu werden.
Aufgabe des Bischofs ist es, nicht nur das verantwortliche und
koordinierte Handeln, die Initiative und die Arbeit der einzelnen Diözsaneinrichtungen
zu fördern, sondern auch durch sein Beispiel die kollegiale Koordinierung zu
begünstigen. Es ist notwendig, in allen Mitarbeitern der verschiedenen
Kurienorgane frohe Zuversicht, Freundschaft und Verantwortungsbewußtsein zu
wecken, damit die Einheit und das gegenseitige Verständnis einen kirchlichen
Arbeitsstil schaffen. Die
wirtschaftliche Verwaltung 125. Besonderes
Gewicht hat in der heutigen Zeit auch im Hinblick auf die bürgerliche
Verantwortung die Güterverwaltung der Diözese. Erforderlich ist Wachsamkeit
und Ernsthaftigkeit in der wirtschaftlichen Verwaltung der Diözese wie auch in
den anderen diözesanen Einrichtungen mit Hilfe von kirchlich sachverständigen
Personen in den diözesanen Verwaltungsräten .
Es handelt sich um eine äußerst wichtige Führungsaufgabe mit dem Ziel,
das Gemeinwohl der Diözese und die Gütergemeinschaft sicherzustellen und der
Pflicht der tätigen Nächstenliebe zugunsten der Missionen und der Ärmsten
nachzukommen. Praktische Fragen
in der Teilkirche 126. Es
scheint angezeigt, hier einige praktische Fragen kurz aufzuzählen, die zwar an
anderer Stelle schon behandelt wurden, aber, wie aus den Antworten auf die Lineamenta
hervorgeht, seitens der Synode noch besondere Aufmerksamkeit erfordern.
Viele Bischofskonferenzen halten es für wünschenswert, daß die ständige vollzeitliche Anwesenheit des Bischofs in der Diözese
nachdrücklich zu betonen ist, weil eine häufige und längere Abwesenheit den
geordneten Ablauf des pastoralen Dienstes gefährdet. Die Anwesenheit und der
Aufenthalt des Bischofs an seinem Sitz oder auf Besuch in seinen Pfarreien, die
Bereitwilligkeit zur Begegnung mit den Priestern, Ordensleuten und Laien und die
pastoralen Visitationen garantieren Stabilität und Mitveranwortung in der täglichen
Dienstausübung. Der Bischof erscheint auf diese Weise ein Vorbild des unablässigen
Dienstes seiner Kirche.
Andere legen besonderen Wert auf die Dauerhaftigkeit
des Bischofs in der Diözese, für
die er gewählt wurde, damit sich in ihm eine Mentalität der Hingabe für die
Kirche festigt, die ihm in einem Bund der Treue und bräutlichen Liebe
anvertraut wurde. Auf diese Weise möchte man so weit wie möglich gewisse
Probleme vermeiden, wie die Mentalität eines vorübergehenden Einsatzes in der
Diözese, den Wunsch nach Veränderung oder Versetzung an andere bedeutendere
oder weniger schwierige Teilkirchen sowie die Unterbrechung der pastoralen
Programme und Initiativen.
Erinnert wird auch an das Problem der Diözesen, die lange
Zeit ohne Hirten waren auf Grund der
verzögerten Bischofsernennung. Solche Situationen rufen Mißbehagen im
Presbyterium und im Volk Gottes hervor, weil ihm der bischöfliche Dienst der
Einheit und Gemeinschaft fehlt.
Notwendig scheint auch eine bessere Verteilung der verantwortlichen
Aufgaben des Bischofs, der oft überlastet ist mit administrativen, bürokratischen
und organisatorischen Problemen, die ihn manchmal mehr zum Manager als zum
Hirten machen. Wünschenswert ist eine angemessene Dezentralisierung der
Verwaltung, damit er sich mehr dem Dienst an der Diözese widmen kann.
Manche werfen die Frage der Konfliktsituation auf, die heute zwischen dem
kirchlichen Forum und dem bürgerlichen Forum in Prozessen spürbar wird, die
Personen des geistlichen Standes betreffen. Nicht selten wird um Klarheit
gebeten in der öffentlichen Anerkennung der Kirchengesetze, die kanonische
Prozesse betreffen. Dem Bischof muß die Freiheit und Verantwortung im Prozeß
gegen seine Untergebenen zuerkannt werden; dabei sind Skandale zu vermeiden; es
ist in angemessener Weise, in Gerechtigkeit und Liebe und das Heil der Seelen
vor Augen vorzugehen, das in der Kirche immer das oberste Gesetz ist.[20] 5. Kapitel Im Dienst am Evangelium für die Hoffnung der Welt In Jesus Christus
feiern wir das immerwährende Jubiläum der Kirche 127. Das
vor kurzem abgeschlossene Jubiläum des Jahres 2000 bot der Kirche und der Welt
Gelegenheit, auf Christus zu schauen, der gekommen ist, den Armen die gute
Nachricht zu bringen (vgl. Lk 4,16
f.). Er kam, vom Vater gesandt, um alle zur Umkehr zu rufen, der Menschheit
Hoffnung zu geben und dem Menschen seine Gotteskindschaft und seine Bestimmung
in der Herrlichkeit zu offenbaren. Durch seine Werke, besonders durch sein
Ostergeheimnis machte er die Liebe Gottes deutlich, der den Menschen heimsucht,
ihm seine Berufung enthüllt und ihn seine einzigartige Bestimmung erkennen läßt.[21]
Das ganze Leben Jesu war eine hohe Jubiläumszeit, in der er die
Gnade und Vergebung des Vaters mitgeteilt, den Weg der Wahrheit gezeigt und sich
zum Nächsten aller gemacht hat. Er hat das Heil verkündet und es durch seine
Worte, seine Werke und durch die Ausgießung des Heiligen Geistes zur Vollendung
geführt.
In Jesus von Nazaret, wie er im Evangelium aufscheint, erkennt die Kirche
einen Messias des Jubiläums, der die totale Selbsthingabe lebt, die Wahrheit
und das Leben allen mitteilt, die Umkehr verlangt, den neuen Weg der Liebe
lehrt, die er in die Welt bringt als eine Seins- und Handlungsweise der
Dreifaltigkeit.
In ihm wird offenbar, daß alle für das Heil bestimmt sind. Er, der sich
durch seine Menschwerdung mit jedem Menschen und durch sein Leiden und Sterben
mit jedem menschlichen Leiden verbunden hat, wird durch die Auferstehung Urheber
des Heils und der Hoffnung für jeden Menschen, der zur Gemeinschaft mit Gott in
der Herrlichkeit bestimmt ist.
Vom Pfingsttag an führt die Kirche mit der Gnade des Heiligen Geistes
die Sendung Jesu fort und verkündet jeden Tag die gute Nachricht und die
Befreiung vom Bösen. Der Heilsdienst
der Kirche 128.
Im Geist der Kollegialität und der hierarchischen Gemeinschaft setzen
alle Bischöfe diese Verkündigung fort, die Jesus Christus, wahrer Gott und
wahrer Mensch, einziger Erlöser der Welt, in den Mittelpunkt der Predigt
stellt.
Obwohl uns die Wege unbekannt sind, auf denen Christus dieses Heil außerhalb
der sakramentalen Strukturen seines Leibes wirkt, dem er selbst den Dienst der
Verkündigung und der Heiligung anvertraut hat, glaubt die Kirche dennoch, daß
die ganze Menschheit Christus angehört, dem Erstgeborenen der ganzen Schöpfung
(vgl. Kol 1,15 f.).
Vor diesem Horizont der Hoffnung, der als letztes Ziel die Versöhnung
von allem und aller in Christus hat, erleuchtet er die Kirche, die "den
Fernen und uns, den Nahen", Frieden und Heil verkündet, "damit wir
durch ihn in dem einen Geist Zugang zum Vater haben" (vgl. Eph 2,17-18); damit sie zuversichtlich den vielfachen Heilsdialog führt
und damit auch die zukünftige Geschichte dem Herrn gehört, der als unser
Bruder, als Offenbarung der Liebe des Vaters, erkannt und geliebt wird.
"Auf diese Weise", bekräftigt die Pastoralkonstitution Gaudium
et spes zum Abschluß, "wird in den Menschen überall in der Welt eine
lebendige Hoffnung erweckt, die eine Gabe des Heiligen Geistes ist, daß sie am
Ende in Frieden und vollkommenem Glück aufgenommen werden in das Vaterland, das
von der Herrlichkeit des Herrn erfüllt ist".[22] Eine neue religiöse
Situation 129. Die
religiöse Situation am Jahrtausendanfang ist sehr komplex und erleichtert die
Sendung der Kirche nicht. Das Auftreten der anderen Weltreligionen als Trägerinnen
authentischer menschlicher Werte erfordert es, daß die Kirche ihnen
achtungsvoll begegnet, um in ihnen den Plan des einen göttlichen Erlösers zu
erfassen.
Abgesehen davon, daß die Erdteile von den traditionellen Religionen
durchdrungen sind, lebt man heute in einer neuen, multiethnischen und
multireligiösen Situation auf Grund der Wanderungsbewegungen, die in Zukunft
noch zunehmen werden, und auf Grund der Mobilität und des wirtschaftlichen und
kulturellen Austausches.
Die jungen Kirchen, vor allem in Asien, Afrika und Ozeanien, sind das
Zusammenleben mit diesen Religionen gewohnt und unterhalten mit ihnen einen
engen interreligiösen Dialog; ebenso leisten sie eine beachtliche
missionarische Hilfe in anderen Teilen des Volkes Gottes. 130. In
den Antworten auf die Lineamenta
halten manche Bischofskonferenzen es für notwendig, einem Phänomen zu
begegnen, das der Geschichte nicht fremd ist, aber heute bisher unbekannte Ausmaße
angenommen hat. Es handelt sich um die neuen und wiederholten Einwanderungen.
Sie bringen neue konkrete pastorale Probleme mit sich wie die Evangelisierung
und den interreligiösen Dialog, besonders mit denen, die sich zu
nichtchristlichen Religionen bekennen. Im Bezug auf die katholischen
Einwanderer, die aus ihrer Heimat und ihren Lebensgewohnheiten herausgerissen
sind, ist die Mithilfe von Priestern gleicher Herkunft notwendig, um ihren
Glauben und ihr christliches Leben zu stützen und zu festigen.
Die ganze Kirche ist deshalb auf einen neuen Evangelisierungseinsatz
ausgerichtet, in dem es nie an der ausdrücklichen Verkündigung der Offenbarung
als unverzichtbares Geschenk fehlen darf, ebensowenig am Dialog als Mittel zur
gegenseitigen Verständigung, am Zeugnis gemäß dem Evangelium und besonders an
der Liebe in allem und vor allem als Besiegelung der verkündeten Wahrheit und
Grundlage für den Dialog, damit Christus in seinen Jüngern erkennbar wird. Außerdem
erfordert die ganzheitliche Heilsbotschaft, daß die Kirche um jeden wahren
menschlichen Wert besorgt ist.
Aus diesen Voraussetzungen ergeben sich die Aufgaben für die Kirche, die
nicht darauf verzichten darf, den Sinn des Lebens und der Geschichte im Licht
des Geheimnisses Christi zu verkünden; dabei vertraut sie auf die Kraft des
Evangeliums und den Beistand des Heiligen Geistes, der vom auferstandenen
Christus geschenkt wird, um die Fülle der Wahrheit und des göttlichen Lebens
zu enthüllen und zu verwirklichen.[23] Der ökumenische
Dialog 131. Der
Einsatz der Kirche im ökumenischen Dialog für die Einheit der Christen, ein
wertvolles Geschenk des Wirkens des Heiligen Geistes, ist unumkehrbar. Er ist
die Antwort auf die Bitte und Absicht des Herrn (vgl. Joh
17,21-23), auf sein Selbstopfer am Kreuz, um die verstreuten Kinder zu sammeln
(vgl. Joh 11,52), und auf das
notwendige Zeugnis der Kirche in der Welt (vgl. Eph 4,4-5).
Die Bischöfe teilen die Sorge des Papstes, die im Konzilsdekret Unitatis redintegratio zum Ausdruck gekommen ist, und den neuen
Einsatz der Kirche für die Einheit aller Getauften, der von der Enzyklika Ut
unum sint als vorrangige Aufgabe des neuen Jahrtausends für die Hoffnung
der Welt bekräftigt wurde.[24]
Den Direktiven des Heiligen Stuhls entsprechend und in Gemeinschaft mit
der Bischofskonferenz ist jeder Bischof Förderer der Einheit und Apostel des
geistlichen Ökumenismus und Dialogs mit Hilfe der brüderlichen Kontakte mit
den Kirchen und christlichen Gemeinschaften. Der Bischof darf aber durch die Förderung
dessen, was positiv ist, keine zweifelhaften und übereilten Gesten erlauben,
die den wahren Ökumenismus durch Ungeduld beeinträchtigen.
Der Bischof soll unter seinen Gläubigen die Leidenschaft für die
Einheit verbreiten, die im Herzen Christi brannte, in der Hoffnung auf die Gnade
der Gemeinschaft mit allen in der einen Kirche Christi, dem Plan des Heiligen
Geistes entsprechend.
Dem Bischof und seinen Mitarbeitern in der Diözese ist die spezifische
Aufgabe der Ökumene vor Ort[25] übertragen; dabei ist jede mögliche Initiative zu fördern,
wie die Gebetswoche für die Einheit der Christen, der Gebetsaustausch und das
gegenseitige Bekenntnis in der Predigt und im Zeugnis für das eine Evangelium
unseres Herrn Jesus Christus. Wertvoll ist auch der Dialog des Lebens und der Ökumenismus
in den einfachen alltäglichen Gesten der Gemeinschaft und des Dienstes, die die
Herzen und Sinne der Christen einander näher bringen. Die Verkündigung
des Evangeliums 132. Neue
Missionsaufgaben sind der Kirche gestellt, denn neu sind die sozialen Phänomene
und kulturellen Dringlichkeiten, die Bereiche der Evangelisierung und die
Verpflichtungen, die aus dem Verständnis der Botschaft des Evangeliums
erwachsen: die Förderung des Friedens, die Entwicklung und Befreiung der Völker,
die Anerkennung der Rechte der Minderheiten, die Förderung der Frau, eine verstärkte
Sorge für die Kinder und Jugendlichen, der Schutz der Schöpfung, die Förderung
einer authentischen Kultur und wissenschaftlichen Forschung unter Respektierung
der Werte des Lebens, der internationale Dialog und die neuen weltweiten
Zielsetzungen.[26]
In diesem sozialen und kulturellen Kontext wird das Evangelium der
Hoffnung als immerwährende Wahrheit verkündet, aber in einer neuen Sprache und
mit neuem Eifer, mit neuen Methoden, besonders mit der Kraft, die aus der
Heiligkeit der Kirche und aus dem Zeugnis ihrer Einheit erwächst. Diese Aufgabe
ist denen anvertraut, die der Heilige Geist zu Bischöfen bestellt hat, damit
sie als Hirten für die Kirche Gottes sorgen (vgl. Apg
20,29). Kooperatives
Wirken in der Mission 133. In
der Nachfolge Jesu von Nazaret, des vom Vater gesandten Evangelisators, verkündet
der Bischof, von der Hoffnung inspiriert, die Frohbotschaft; dabei dehnt er
seinen Dienst auf die ganze Welt aus, weil alle Empfänger seiner Hirtensorge
sind. Die Rolle des Bischofs in der Kirche und die Sendung, die ihm aufgetragen
ist, machen ihn zum Erstverantwortlichen des ständigen Missionsauftrags, allen,
die Christus, den Erlöser des Menschen, noch nicht kennen, das Evangelium zu
bringen. Die Sendung des Bischofs ist eng verbunden mit seinem weltumspannenden
Lehramt und der Beziehung zu der Gemeinschaft, die er ihm Namen Christi, des
guten Hirten, leitet.
Der Sendungsauftrag, den der auferstandene Herr seinen Aposteln erteilt
hat, betrifft alle Völker. Ja, "mit den Aposteln erhielt die Kirche eine
weltweite Sendung, die keine Grenzen kennt und die das Heil in seiner ganzen Fülle
betrifft, entsprechend jener Fülle des Lebens, die die Ankunft Christi gebracht
hat (vgl. Joh 10,10)".[27]
Auch für die Nachfolger der Apostel beschränkt sich der Auftrag, das
Evangelium zu verkünden, nicht auf den kirchlichen Bereich. Das Evangelium ist
immer für alle Menschen da. Die Kirche selbst ist Sakrament des Heils für alle
Menschen, und ihre Tätigkeit beschränkt sich nicht nur auf jene, die ihre
Botschaft annehmen. Sie ist vielmehr "treibende Kraft auf dem Weg der
Menschheit auf das eschatologische Reich hin, ist Zeichen und Förderin der
evangelischen Werte unter den Menschen".[28] Deshalb kommt den Nachfolgern der Apostel immer die
Verantwortung zu, das Evangelium auf der ganzen Erde auszubreiten.
Nicht für eine Diözese, sondern für das Heil der ganzen Welt geweiht,[29] sind die Bischöfe sowohl als Mitglieder des
Bischofskollegiums wie auch als einzelne Hirten der Teilkirchen zusammen mit dem
Bischof von Rom unmittelbar verantwortlich für die Evangelisierung derer, die
in Christus noch nicht den einzigen Erlöser erkennen und ihre Hoffnung noch
nicht auf ihn richten.
In diesem Kontext dürfen die vielen Missionsbischöfe nicht vergessen
werden, die heute wie gestern das Leben der Kirche durch Hochherzigkeit und
Heiligkeit erhellen. Einige von ihnen waren auch Gründer von
Missionsinstituten. 134. Als
Hirt einer Teilkirche obliegt es dem Bischof, ihre Missionstätigkeit zu lenken,
zu leiten und zu korordinieren. Er erfüllt seine Pflicht, den Eifer zur
Evangelisierung in seiner Teilkirche von innen heraus zu wecken, wenn er das
missionarische Werk in seiner Diözese anregt, fördert und leitet. Dadurch
"läßt er den missionarischen Geist und Eifer des Gottesvolkes gegenwärtig
und gleichsam sichtbar werden, so daß die ganze Diözese missionarisch
wird".[30]
In seinem Eifer für die Missionstätigkeit erweist sich der Bischof auch
hier als Diener und Zeuge der Hoffnung. Denn die Mission ist "ein
unbestechlicher Gradmesser unseres Glaubens an Christus und an seine Liebe zu
uns";[31] sie spornt den Menschen aller Zeiten zu einem neuen Leben
an, wird auch von der Hoffnung angeregt und ist selbst Frucht der christlichen
Hoffnung.
Wenn sie den auferstandenen Christus verkünden, verkünden die Christen
den, der ein neues geschichtliches Zeitalter eröffnet hat. Sie verkünden der
Welt die frohe Botschaft vom ganzheitlichen und allumfassenden Heil, das in sich
das Unterpfand einer neuen Welt birgt, in der Leid und Ungerechtigkeit sich in
Freude und Schönheit verwandeln. Deshalb bitten die Christen, wie Jesus sie
gelehrt hat: "Dein Reich komme!" (Mt
6,10). Die Missionstätigkeit strebt letztlich in ihrer äußersten Zielsetzung
dahin, jedem Menschen das von Christus ein für allemal geschenkte Heil
anzubieten. Sie zielt aus sich heraus auf die eschatologische Fülle ab. Ihr ist
es zu verdanken, daß sich das Volk Gottes ausbreitet, der Leib Christi
ausweitet und der Tempel des Heiligen Geistes ausspannt bis zum Ende der Zeiten.[32]
Zu Beginn des dritten Jahrtausends, wo das Bewußtsein von der
Heilsuniversalität gewachsen ist und allgemein wahrgenommen wird, daß die
Botschaft des Evangeliums jeden Tag erneuert werden muß, fühlt die Kirche, daß
sie ihren missionarischen Einsatz nicht verringern darf, ja alle Kräfte
vereinen muß zu einer neuen und vertieften missionarischen Zusammenarbeit und
Mitarbeit aller Nachfolger der Apostel und ihrer Teilkirchen.[33] Der interreligiöse
Dialog und die Begegnung mit den anderen Religionen 135. Als
Lehrer des Glaubens müssen die Bischöfe auch dem interreligiösen Dialog und
ganz besonders dem Dialog mit den Brüdern Israels, dem Volk des ersten Bundes,
große Aufmerksamkeit schenken.
Denn es ist allen klar, daß der interreligiöse Dialog unter den
derzeitigen geschichtlichen Bedingungen eine neue unmittelbare Dringlichkeit
erlangt hat. Für viele christliche Gemeinschaften, zum Beispiel in Afrika und
Asien, gehört der interreligiöse Dialog gleichsam zum täglichen Leben der
Familien, der Ortsgemeinden, der Arbeitswelt und der öffentlichen Dienste. In
anderen Ländern hingegen, wie zum Beispiel in Westeuropa und in den Ländern
der älteren Christenheit handelt es sich um ein neues Phänomen. Auch hier
kommt es immer häufiger vor, daß Glaubende verschiedener Religionen und Kulte
mit Leichtigkeit Berührungspunkte haben und oft zusammenleben. Dafür sind die
Völkerbewegungen, die Reisetätigkeit, die Medien und persönliche
Entscheidungen verantwortlich.
Der interreligiöse Dialog ist, wie Johannes Paul II. betonte, Teil des
Evangelisierungsauftrages der Kirche und gehört zu den Ausblicken des Jubiläumsjahres
2000 und den Herausforderungen des dritten Jahrtausends.[34] Unter die Hauptgründe reiht das Dekret Nostra
ætate diejenigen ein, die vom Bekenntnis der christlichen Hoffnung
vorgegeben sind. Denn alle Menschen haben einen gemeinsamen Ursprung in Gott,
weil sie von ihm geliebte und gewollte Geschöpfe sind, und sie haben eine
gemeinsame Bestimmung in seiner ewigen Liebe, denn das endgültige Ziel jedes
Menschen liegt in Gott.
In diesem Dialog müssen die Christen immer von der eigenen Hoffnung in
Christus, den einzigen Erlöser des Menschen, Zeugnis ablegen, aber sie haben
auch allerhand zu lernen. Das kann und darf aber keineswegs die Pflicht und die
Entschlossenheit der Christen mindern, ohne Vorbehalte die Einmaligkeit und
Absolutheit Christi, des Erlösers, zu verkünden. Denn auf niemanden sonst
setzt der Christ seine Hoffnung, weil Christus die Erfüllung all seiner
Erwartungen ist. Er ist "die Erwartung all derer, jedes Volkes, die die
Offenbarung der göttlichen Güte erwarten".[35] In gleicher Weise muß auch der Dialog von den
katholischen Gläubigen in der Überzeugung geführt und realisiert werden, daß
die einzige wahre Religion "in der katholischen, apostolischen Kirche
verwirklicht ist, die von Jesus dem Herrn den Auftrag erhalten hat, sie unter
allen Menschen zu verbreiten".[36] 136. Alle
Gläubigen und alle christlichen Gemeinschaften sind berufen, den interreligiösen
Dialog zu führen, wenn auch nicht immer in derselben Intensistät und auf
derselben Ebene. Aber wo die Situationen es erfordern oder erlauben, ist es
Pflicht eines jeden Bischofs, in seiner Teilkirche durch seine Weisungen und
durch die Seelsorge allen Gläubigen zu helfen, die Werte, Traditionen und Überzeugungen
der Andersgläubigen zu achten und hochzuschätzen sowie eine solide und
angemessene religiöse Bildung der Christen zu fördern, damit sie ein glaubwürdiges
Zeugnis des großen Geschenkes des christlichen Glaubens zu geben wissen.
Der Bischof muß auch auf die theologische Dimension des interreligiösen
Dialogs achten, wenn er in seiner Teilkirche praktiziert wird, damit nie die
Universalität und Einmaligkeit der Erlösung verschwiegen oder nicht bekräftigt
wird, die Christus, der einzige Erlöser des Menschen und Mittler des
Geheimnisses Gottes, gewirkt hat.[37] Nur in Übereinstimmung mit dem eigenen Glauben ist es möglich,
auch die geistlichen Erfahrungen und Gebetsformen als Begegnungen mit Gott zu
teilen, zu vergleichen und zu bereichern.
Der interreligöse Dialog betrifft aber nicht nur den theologischen
Bereich, sondern erweitert sich zu einer Vielseitigkeit von täglichen
Beziehungen zwischen den Glaubenden, die zur gegenseitigen Achtung und zum
gemeinsamen Kennenlernen aufgerufen sind. Es handelt sich um den sogenannten
"Dialog des Lebens" dort, wo die Glaubenden der verschiedenen
Religionen einander gegenseitig die jeweiligen menschlichen und geistlichen
Werte bezeugen, um das friedliche Zusammenleben und die Zusammenarbeit für eine
gerechtere und geschwisterliche Gesellschaft begünstigen. Indem er diesen
Dialog fördert und aufmerksam verfolgt, wird der Bischof die Gläubigen immer
darauf hinweisen, daß dieser Einsatz aus den göttlichen Tugenden des Glaubens,
der Hoffnung und der Liebe und entspringt und mit ihnen wächst. Besondere
Wachsamkeit gegenüber dem Phänomen der Sekten 137. Die
Sorge des Bischofs für seine Gläubigen muß auch realistisch die Gefahr der
Verführung einbeziehen, die die religiösen Sekten und andere alternative
Bewegungen verschiedener Art und Bezeichnung unter weniger gefestigten Personen
hervorrufen können. Oft handelt es sich um Bewegungen mit dem Ziel, den
katholischen Glauben auszuhöhlen, die im Umfeld schwieriger sozialer und familiärer
Siuationen auch durch Manipulierung der Personen und der Gewissen angeboten
werden. Sogar satanische Sekten mit antichristlicher Zielsetzung und moralisch
irrigen Riten und Formen breiten sich aus.
Eingehendes Studium der Sekten und ihrer Wirkungsweise sowie die
Zuhilfenahme von Sachverständigen können für die Gläubigen, die mit Sekten
zu tun haben oder von ihnen bedroht werden, eine große Hilfe sein, damit sie
die innere Ruhe und das Bekenntnis des Glaubens wiederfinden.[38]
Es geht vor allem darum, lebendige und wahre christliche Gemeinschaften
zu formen, die voll Lebenskraft und Enthusiasmus sind und die Hoffnung festigen;
das heißt Gemeinschaften, die durch das Gebet und die Sakramente fähig sind,
Verbreitungsort des Evangeliums zu werden, des missionarischen Einsatzes, der
Aufmerksamkeit für die Person, der gegenseitigen Hilfe und eines wahren
geistlichen Heilmittels für die Männer und Frauen von heute.
Was den Kampf gegen das Böse und
den Bösen betrifft, ist es Aufgabe des Bischofs, dem kanonischen Gesetz
entsprechend Priester zu beauftragen, die mit Frömmigkeit, Wissen, Klugheit und
Reinheit des Lebens ausgerüstet sind für die Anwendung der Exorzismen und auch
die Gebetspraxis vornehmen, um von Gott die Genesung zu erlangen.[39] Der Dialog mit
Personen anderer religiöser Überzeugungen 138. Die
Kirche bemüht sich, allen das Evangelium und Heil in Christus zu verkünden;
sie sucht auch den Dialog mit Personen anderer religiöser Überzeugungen in
angemessener Weise zu führen. Diese Menschen sind oft empfänglich für das
Evangelium, für die Person Jesu, für die echt menschlichen Werte seiner
Predigt und seines Beispiels. Sie erwarten von der Kirche ein klares Wort, die
Überwindung der Vorurteile, die aufmerksame Suche nach den glaubwürdigen
Werten der Wahrheit und Gerechtigkeit. Sie sehnen sich manchmal insgeheim nach
dem Christentum, wo sich die Gründe des Glaubens und der Hoffnung verbinden, während
heute der Glaubensmangel nach dem Zerfall der Utopien in der Unfähigkeit
offenbar wird, die Schwelle der Hoffnung zu überschreiten.
Deshalb muß der Bischof in seiner Kirche Möglichkeiten fördern, damit
die Menschen, die auf der Suche nach Wahrheit und empfänglich für die
transzendenten Werte der Güte, Gerechtigkeit und Schönheit und besorgt sind um
die Menschheit von heute, zusammenkommen. Und das zu dem Zweck, gemeinsam nach
Wegen zur Förderung der Werte des Menschen zu suchen, besonders durch den
Dialog mit anerkannten Exponenten des kulturellen und geistlichen Lebens.
Als Hirt aller, verantwortlich für die Verkündigung des Evangeliums in
der komplexen Situation unserer Gesellschaft, darf der Bischof nicht vergessen,
daß er der Verteidiger der Rechte der katholischen Gläubigen und auch der
Kirche ist; der Rechte, die an manchen Orten oder unter gewissen
gesellschaftlichen oder politischen Umständen verweigert oder angefochten
werden. Als Stütze seiner Gläubigen muß der Bischof durch das nachdrückliche
Zeugnis der Wahrheit und Grundsatztreue seines Lebens Hoffnung geben, wenn seine
Gläubigen angefeindet und verfolgt werden. Auf
die neuen sozialen Probleme und neuen Formen der Armut achten 139. Eine
bevorzugte Möglichkeit für die Verkündigung der Hoffnung ist die Sorge um die
Armen. Damit öffnet sich der wirtschaftliche und soziale Lebensbereich, dessen
Ursprung, Mittelpunkt und Ziel der Mensch ist, wie das Konzil betont hat.[40] Daher rührt die Sorge der Kirche, daß der Fortschritt
nicht nur im wirtschaftlichen, sondern auch im ganzheitlichen Sinn zugunsten des
Menschen zu verstehen ist.
Die christliche Hoffnung ist gewiß auf das himmlische Reich und das
ewige Leben ausgerichtet. Diese eschatologische Bestimmung verringert aber nicht
die Verpflichtung zum Fortschritt der irdischen Stadt. Im Gegenteil, sie gibt
ihr Sinn und Kraft. Ja, "der Schwung, den die Hoffnung verleiht, bewahrt
vor Selbstsucht und führt zum Glück der christlichen Liebe".[41] Die Unterscheidung zwischen irdischem Fortschritt und
Wachstum des Reiches Gottes bedeutet keine Trennung, weil die Berufung des
Menschen zum ewigen Leben diesen nicht davon entbindet, sondern noch mehr in die
Pflicht nimmt, um die vom Schöpfer für die Entfaltung seines Lebens auf Erden
empfangenen Kräfte einzusetzen. 140. Es
ist zwar nicht Aufgabe der Kirche, Lösungen für die wirtschaftlichen und
sozialen Fragen anzubieten, doch ihre Soziallehre enthält eine Reihe von Grundsätzen,
die für den Aufbau eines gerechten sozialen und wirtschaftlichen Systems unerläßlich
sind. Auch darüber hat die Kirche ein "Evangelium" zu verkünden, für
das jeder Bischof in seiner Teilkirche Wortführer sein soll, indem er die
Seligpreisungen in die Mitte rückt.[42]
Weil schließlich das Gebot der Nächstenliebe sehr konkret ist, muß der
Bischof in seiner Diözese entsprechende Initiativen entwickeln und zur Überwindung
eventueller Haltungen von Trägheit, Passivität und Selbstsucht oder
Ausgrenzung aufrufen. Ebenso wichtig ist es, daß der Bischof durch seine Verkündigung
das christliche Gewissen jedes Bürgers weckt, indem er ihn ermahnt, in aktiver
Solidarität und mit den verfügbaren Mitteln für den Schutz seines Bruders
gegen jeden Mißbrauch einzutreten, der die Menschenwürde bedroht. Dabei muß
er die Gläubigen immer daran erinnern, daß in jedem Armen und jedem Bedürftigen
Christus gegenwärtig ist (vgl. Mt
25,31-46). Selbst das Bild des Herrn als eschatologischer Richter ist die Verheißung
einer endgültig vollkommenen Gerechtigkeit für die Lebenden und für die
Toten, für die Menschen aller Zeiten und aller Orte.[43] Den Leidenden nahe
sein 141. Gemäß
seiner Rolle als Vater und Beschützer der Armen hat der Bischof die Aufgabe,
die Nächstenliebe gegenüber den Armen durch sein Beispiel, durch die Werke der
Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit, durch die einzelnen Initiativen, aber auch
durch weitgefächerte Programme der Solidarität zu bezeigen.
In den Antworten auf die Lineamenta
werden folgende Aufgaben genannt, die dem Bischof als Förderer der Nächstenliebe
in der heutigen Zeit zustehen.
Mit Hilfe von qualifizierten Personen im Bereich der Gesundheitspastoral
soll der Bischof in seiner Diözese im Umfeld der physischen und psychischen
Gesundheitsfürsorge das Evangelikum verkünden. Der Schutz der Gesundheit nimmt
in unserer Gesellschaft einen wichtigen Platz ein. Die Humanisierung der Medizin
und die Assistenz der Kranken, die Zuwendung, die allen in ihrer Stunde des
Leidens zu schenken ist, ruft im Herzen jedes Jüngers Jesu das mitleidvolle
Bild Christi wach, des Arztes für Leib und Seele, und erinnert an seinen immerwährenden
Sendungsauftrag: "Heilt Kranke" (Mt 10,8).
Die Organisation und ständige Förderung dieses Pastoralsektors sollte
im Herzen und Leben eines jeden Bischofs Vorrang haben. 142.
Die Themen von Gerechtigkeit und Nächstenliebe rufen spontan die des
Friedens in Erinnerung: "Wo Frieden herrscht, wird für die Menschen, die
Frieden stiften, die Saat der Gerechtigkeit ausgestreut" (Jak
3,18). Der Frieden, den die Kirche verkündet, ist der Frieden Christi, des
"Friedensfürsten", der die seliggepriesen hat, "die Frieden
stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden" (Mt
5,9). Es sind nicht nur diejenigen, die auf Gewaltanwendung als gewohnheitsmäßige
Methode verzichten, sondern auch diejenigen, die den Mut haben, dafür
einzutreten, daß das ausgelöscht wird, was den Frieden verhindert. Diese
Friedensstifter wissen sehr gut, daß er im Herzen des Menschen beginnt. Deshalb
widersetzen sie sich dem Egoismus, der die anderen nicht als Brüder und
Schwestern einer einzigen Menschheitsfamilie betrachtet. Sie werden darin von
der Hoffnung auf Jesus Christus, den Erlöser, bestärkt, dessen Leiden ein
unauslöschliches Zeichen der Hoffnung für die Menschheit ist. Christus ist der
Frieden (vgl. Eph 2,14), und der Mensch findet erst dann Frieden, wenn er Christus
begegnet.
Der Frieden ist eine allumfassende Verantwortung, die tausend kleine Akte
des Alltagslebens betrifft. Durch ihr Verhalten im täglichen Zusammenleben mit
den anderen entscheiden sich die Menschen für oder gegen den Frieden. Der
Frieden wartet auf seine Propheten und seine Bauleute.[44] Diese Baumeister des Friedens müssen vor allem in den
kirchlichen Gemeinschaften wirken, deren Hirt der Bischof ist.
Es ist deshalb notwendig, daß der Bischof keine Gelegenheit vorübergehen
läßt, um in den Gewissen den Wunsch nach Eintracht zu wecken und das
Einvernehmen zwischen den Personen im Engagment für die Sache der Gerechtigkeit
und des Friedens zu begünstigen. Es handelt sich um eine schwere Aufgabe, die
Hingabe, neue Anstrengungen und beharrliche Erziehung erfordert, vor allem im
Bezug auf die jungen Generationen, damit sie sich mit neuer Freude und
christlicher Hoffnung bemühen, eine friedlichere und geschwisterlichere Welt
aufzubauen. Die Friedensarbeit ist auch in den bevorzugten
Evangelisierungsauftrag eingeschlossen. Deshalb gehört auch die Förderung
einer wahren Kultur des Dialogs und des Friedens zu den Grundpflichten der
Pastoral eines Bischofs. 143. Als
Stimme der Kirche, die evangelisiert und alle Menschen zusammenruft, versäumt
es der Bischof nicht, sein kluges und ausgewogenes Wort hören zu lassen, damit
die Verantwortlichen des politischen, gesellschaftlichen und wirtschaflichen
Lebens die gerechtesten realisierbaren Lösungen suchen, um die Probleme des bürgerlichen
Zusammenlebens zu bewältigen.
Die Umstände, unter denen die Hirten gerufen sind, ihre Sendung in
diesen Bereichen zu erfüllen, sind oft sehr schwierig, sowohl für die
Evangelisierung als auch für die Förderung des Menschen. Hier zeigt sich.
inwieweit auch die Bereitschaft zum Leiden in den bischöflichen Dienst
eingeschlossen ist. Aber ohne sie ist es nicht möglich, daß die Bischöfe
ihren Sendungsauftrag erfüllen. Ihr Vertrauen auf den Geist des auferstandenen
Herrn muß deshalb groß sein, und ihr Herz muß immer von der Hoffnung erfüllt
sein, die nicht zugrunde gehen läßt (vgl. Röm
5,5). Hüter der
Hoffnung und Zeugen der Liebe Christi 144. Die
Christen erfüllen den von Christus empfangenen prophetischen Auftrag, indem sie
in der Welt als Hoffnungsträger präsent sind. Deshalb erinnert das Konzil
daran, daß die Kirche, die "den Weg mit der ganzen Menschheit gemeinsam
geht, das gleiche irdische Geschick mit der Welt erfährt und gewissermaßen der
Sauerteig und die Seele der in Christus zu erneuernden und in die Familie Gottes
umzugestaltenden menschlichen Gesellschaft ist".[45]
Die Übernahme der Verantwortung für die ganze Welt und ihre
Schwierigkeiten, ihre Fragen und Erwartungen gehört ebenfalls zum
Evangelisierungseinsatz, zu dem die Kirche vom Herrn gerufen ist. Sie betrifft
in erster Linie jeden Bischof, indem sie ihn aufmerksam die "Zeichen der
Zeit" lesen läßt, um in die Menschen neue Hoffnung einzupflanzen. Dabei
handelt er als Diener des Geistes, der auch heute zu Beginn des dritten
Jahrtausends nicht aufhört, Großes zu vollbringen, damit das Antlitz der Erde
erneuert wird. Nach dem Beispiel des guten Hirten zeigt er dem Menschen den Weg,
den er gehen muß, und als barmherziger Samariter beugt er sich über jeden, um
seine Wunden zu heilen. 145. Der
Mensch ist grundsätzlich auch ein "Wesen der Hoffnung". Aber in nicht
wenigen Teilen der Welt können die Geschehnisse zu Skepsis und Mutlosigkeit
verleiten: so zahlreich und so verschieden sind die Herausforderungen an die
Hoffnung. Aber die Kirche findet im Geheimnis des Kreuzes und der Auferstehung
ihres Herrn den Grund der "seligen Hoffnung". Daraus schöpft sie die
Kraft, den Dienst an der Menschheit und an jedem Menschen zu leisten und
weiterzuführen.
Das Evangelium, dessen Dienerin die Kirche ist, ist eine Botschaft der
Freiheit und eine Kraft der Befreiung, die durch die Enthüllung und
Verurteilung der falschen und fragwürdigen Hoffnungen die tiefsten Bestrebungen
des Menschen erfüllt. Der Wesenskern dieser guten Nachricht liegt darin, daß
Christus durch sein Kreuz und seine Auferstehung und durch das Geschenk des
Heiligen Geistes für die Menschheit neue Wege zur Freiheit und zur Befreiung eröffnet
hat.
Von den Bereichen, in denen der Bischof berufen ist, seine Gemeinschaft
zu leiten, indem er Verpflichtungen vorzeichnet und sich so verhält, daß darin
die erneuernde Kraft des Evangeliums und wirkungsvolle Zeichen der Hoffnung zum
Ausdruck kommen, werden einige besonders wichtige hervorgehoben, die die
Soziallehre der Kirche betreffen. Sie kommt nämlich nicht zur christlichen
Botschaft hinzu, sondern ist einer ihrer wesentlichen Teile, weil sie die
unmittelbaren Konsequenzen des Evangeliums für das Leben der Gesellschaft
darlegt. Über sie hat sich auch das Lehramt mehrmals ausgesprochen und sie im
Licht des Ostergeheimnisses entfaltet, aus dem die Kirche immer die Wahrheit über
die Geschichte und Menschheit schöpft; es hat auch daran erinnert, daß es den
Teilkirchen in Gemeinschaft mit dem Stuhl Petri und untereinander zukommt, diese
Lehre in konkrete Wirklichkeit umzusetzen. 146. Ein
erster Bereich betrifft die Beziehung zur bürgerlichen und politischen
Gesellschaft. In diesem Fall ist es augenscheinlich, daß die Sendung der Kirche
eine religiöse und die bevorzugte Zielsetzung ihres Handelns die Verkündigung
Jesu Christi an alle Menschen ist; die Verkündigung des einzigen Namens, der
uns Menschen "unter dem Himmel gegeben (ist), durch den wir gerettet werden
sollen" (Apg 4,12). Daraus ergibt
sich u.a. der vom Konzil hervorgehobene Unterschied zwischen politischer
Gemeinschaft und Kirche. Autonom und unabhängig voneinander auf dem je eigenen
Gebiet, dienen sie der persönlichen und gesellschaftlichen Berufung derselben
menschlichen Personen.[46]
Die gemäß dem Auftrag des Herrn für alle Menschen guten Willens offene
Kirche ist also niemals Konkurrentin des politischen Lebens und darf es nie
sein, aber sie steht den sozialen Problemen des Lebens auch nicht gleichgültig
gegenüber. Deshalb kann die Kirche im eigenen Zuständigkeitsbereich der
ganzheitlichen Förderung des Menschen auch Lösungen für die Probleme
zeitlicher Ordnung suchen, vor allem dort, wo die Würde des Menschen verletzt
wird und seine Grundrechte mit Füßen getreten werden. 147. In
diesen Rahmen gehört auch das Wirken des Bischofs, der die Autonomie des
Staates anerkennt und deshalb jede Verwicklung zwischen Glaube und Poltiik
vermeidet, sondern der Freiheit aller dient. Weit entfernt von Formen, die dazu
verleiten, den Glauben mit einer bestimmten politischen Richtung zu
identifizieren, sucht er vor allem das Reich Gottes; in glaubwürdiger und
echter Liebesgesinnung mit dem Ziel, seinen Brüdern und Schwestern zu helfen
sowie unter dem Antrieb der Liebe die Werke der Gerechtigkeit zu vollbringen,
tritt er als Hüter der transzendenten Natur der menschlichen Person und als
Zeichen der Hoffnung ein.[47] Der eigene Beitrag, den ein Bischof auf diesem Gebiet
leistet, ist derselbe, den die Kirche leistet, das heißt "die Sicht von
der Würde der Person, die sich im Geheimnis des menschgewordenen Wortes in
ihrer ganzen Fülle offenbart".[48]
Die Eigenständigkeit der politischen Gemeinschaft schließt nicht ihre
Unabhängigkeit von den moralischen Prinzipien ein; im Gegenteil, eine Politik
ohne moralische Bezugspunkte führt unweigerlich zum Niedergang des
gesellschaftlichen Lebens, zur Verletzung der Würde und der Rechte der
menschlichen Person. Deshalb liegt es der Kirche am Herzen, daß in der Politik
das Bild des Dienstes, der am Menschen und an der Gesellschaft zu leisten ist,
bewahrt oder wiederhergestellt wird. Weil es gerade Aufgabe der Laien ist, sich
in der Politik zu engagieren, ist es Sorge des Bischofs, seinen Gläubigen zu
helfen, damit sie ihre Fragen diskutieren und ihre Entscheidungen im Licht des
Wortes der Wahrheit treffen; ihre Bildung so zu fördern und zu festigen, daß
sie in der Entscheidungsfindung motiviert werden von einer echten Sorge um das
Gemeinwohl der Gesellschaft, in der sie leben, das heißt von der Sorge um das
Wohl aller Menschen und des ganzen Menschen; dafür einzutreten, daß die öffentliche
und die private Moral im Einklang sind. Die Zeugenschar
und der Hoffnungsanker 148. Als
Jünger und Zeuge Christi bemüht sich der Bischof zu Beginn des Jahrhunderts
und des Jahrtausends, wie Jesus das Reich des Vaters durch die Hoffnung zu verkünden,
zu verwirklichen und zu fördern.
Stark im Glauben, der ist: "Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein
von Dingen, die man nicht sieht" (Hebr
11,1), ist der Bischof bereit, sein Volk wie das Volk Israel in der Wüste, das
lebendige Bild der Kirche auf dem Pilgerweg durch die Zeit, "zwischen den
Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes"[49] fortschreiten zu lassen. Den Blick auf Christus
gerichtet, den Urheber und perfector
des Glaubens, und gestützt von der Schar der Zeugen des Glaubens und der
Hoffnung, ist der Bischof zu allen Zeiten ein glaubwürdiger Zeuge der Treue zum
Herrn. Deshalb wollte die Kirche am Jahrhundert- und Jahrtausendende der
Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts als der Boten der christlichen Hoffnung für
die kommenden Generationen auch ökumenisch gedenken.
Der Bischof verkündet die Gemeinschaft und Solidarität, die Einheit und
Versöhnung in einer globalisierten Welt. Er bietet in einer Gesellschaft, die
auf der Suche nach einem Lebenssinn ist, das freimachende Wort des Evangeliums
an, das Wort der Wahrheit, das dem Menschen einen Ausblick über den Tod hinaus
öffnet und den Lebensweg durch das Osterlicht Christi erhellt.[50]
Indem der Bischof an der Hoffnung wie an einem sicheren und festen Anker
(vgl. Hebr 6,18 f.) festhält, führt
er sein Volk an: mit Zuversicht und im Geist des Dieners des Evangeliums Jesu
Christi für die Hoffnung der Welt. Schluß 149. Die
Bischöfe aus aller Welt haben vom 6. bis 8. Oktober 2000 in Gemeinschaft mit
dem Papst ihre Heilig-Jahr-Feier begangen, in einer Athmosphäre der Umkehr und
des Gebets und unter dem Leitwort der kommenden ordentlichen Synodenversammlung:
Der Bischof als Diener des
Evangeliums Jesu Christi für die Hoffnung der Welt.[51] Wie festgestellt wurde, waren seit den Tagen des II.
Vatikanischen Konzils die Bischöfe aus allen Teilen der Welt erstmals wieder so
zahlreich versammelt, um Momente echter Spiritualität zu leben: den Bußgottesdienst
in St. Johann im Lateran, die Sendungsfeier in St. Paul vor den Mauern, das
Rosenkranzgebet in der Aula Paul VI., die Begegnungen mit dem Papst und vor
allem die Konzelebration der Eucharistie am Sonntag, 8. Oktober, dem Höhepunkt
der Heilig-Jahr-Feier der Bischöfe.
Die Marienverehrung, die in der Verehrung der Statue der Jungfrau von
Fatima gipfelte, die die schmerzliche Geschichte der Kirche im 20. Jahrhundert
auf dem Weg der Hoffnung geführt hat, hat der Begegnung eine besondere Note
verliehen. Wie der Papst mehrmals wiederholt hat, war es gleichsam eine Rückkehr
der Apostelnachfolger in den Abendmahlssaal von Pfingsten mit Maria, der Mutter
Jesu. 150. Bei
dieser besonderen Gelegenheit hat Johannes Paul II. der Mutter des Herrn in
einem innigen Gebet die Früchte des Jubiläums und die Ängste des neuen
Millenniums anvertraut.
In den Worten des Weihegebets an die Jungfrau Maia wurde die Hoffnung für
die Zukunft mit der Gewißheit verbunden, daß Christus der Herr die einzige
Rettung und der Geist der Wahrheit die unerläßliche Lebensquelle für die
Kirche sind. Der Papst erinnerte an die großen Fortschritte der Menschheit, die
sich an einem Wendepunkt der Geschichte befindet; er erinnerte an die Bedürfnisse
der Schwächsten: Kinder, die nicht zur Welt gekommen oder in Armut und Not
geboren sind; junge Menschen auf der Suche nach einem Lebenssinn; Arbeitslose
oder Menschen, die unter Hunger und Krankheit leiden, zerrüttete Familien, alte
Menschen ohne Hilfe, Alleinstehende ohne Hoffnung.[52]
Mit den Hoffnungen der Menschheit steht der Wert des menschlichen Lebens
selbst auf dem Spiel, den die Kirche jeder Gefahr gegenüber mutig verteidigt
und verkündet, wobei sie sich dem Gott des Lebens und der Mutter dessen
anvertraut, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.
In den Worten des Nachfolgers Petri und in seiner Bitte für das Geschick
der Menschheit haben wir das Gebet für eine Welt vernommen, die nach Gründen
sucht, um glauben und hoffen zu können.
Als logische Konsequenz treffen sich die Bischöfe zur nächsten
Synodenversammlung, um die Hoffnung in Christus und in das Wirken des Geistes für
die Zukunft der Kirche und der Menschheit zu verkünden.
Von Maria, der demütigen Magd, die sich Gott anvertraut hat, lernt die
Kirche, das Evangelium des Heils und der Hoffnung zu verkünden. Im Magnificat erklingt die Gewißheit aller Armen im Herrn, die auf
sein Wort vertrauen. In ihr, der Frau mit der Sonne umkleidet, in die
Herrlichkeit neben den auferstandenen Sohn aufgenommen, hat die Kirche die
Garantie dafür, daß sich die Verheißungen des Herrn an der Menschheit im engültigen
Sieg über das Böse und den Tod erfüllen. An sie, die bis zur Ankunft des
Tages des Herrn (vgl. 2 Petr 3,10) als
Zeichen der sicheren Hoffnung des Trostes dem wandernden Gottesvolk
voranleuchtet,[53] richtet die Kirche ihre Bitte und ruft sie an als Mutter
der Hoffnung, als Erstlingsfrucht der zukünftigen Welt. I
N H A L T
einleitung Beim
Anbrechen des neuen Jahrtausends In
den Fußstapfen der vorhergehenden Synodenversammlungen Kontinuität
und Neuheit Neue Verkündigung des
Evangeliums der Hoffnung 1. KAPITEL Dienst der Hoffnung Mit dem Herzen Im
Zeichen der göttlichen Hoffnung Zwischen
Vergangenheit und Zukunft Die
Welt mit ihren Licht und Schattenseiten Zwischen
einer Rückkehr zum Heiligen und der Gleichgültigkeit Neue
ethische Probleme am Horizont Neue
kirchliche Situationen Zeichen
der Lebenskraft und Hoffnung Ein
neuer Humanismus Die
Früchte des Jubiläums Unter
der Führung des Heiligen Geistes Auf
dem Weg der Einheit einander näher kommen Ein
starkes Verlangen nach Spiritualität Die
Bischöfe als Zeugen der Hoffnung Wie
die Jungfrau Maria den Erwartungen und
Verheißungen Gottes treu 2. KAPITEL Geheimnis,
Dienst und geistlicher Weg des Bischofs Die
Ikone Christi des guten Hirten I. Geheimnis und Gnade des Episkopats Die
Gnade der Bischofsweihe In
Gemeinschaft mit der Dreifaltigkeit Vom
Vater durch Christus im Heiligen Geist Die
kirchliche Ikone des Bischofs Der
Geist der Heiligkeit II. Die Heiligung im eigenen Dienstamt Das
geistliche Leben des Bischofs Eine
authentische Hirtenliebe Der
Verkündigungsdienst Beter
und Lehrer des Gebets Von
der Gnade der Sakramente genährt Als
Hoherpriester unter seinem Volk Eine
Spiritualität der Communio
Förderer
einer pastoralen Spiritualität In
Gemeinschaft mit der heiligen Gottesmutter III. Der geistliche Weg des Bischofs Ein
geistlicher Weg ist notwendig Mit
dem geistlichen Realismus des Alltäglichen In
Harmonie mit dem Göttlichen und Menschlichen Treue
bis zum Ende Das
Vorbild heiliger Bischöfe 3. KAPITEL Das Bischofsamt Dienst der Gemeinschaft Freunde
Christi, von Ihm erwählt und ausgesandt I. Der bischöfliche Dienst in einer Ekklesiologie
der Communio In
der Kirche Ikone der Dreifaltigkeit In
einer Ekklesiologie von Communio und Missio Einheit
und Katholizität des Bischofsamtes In
Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri Mitwirken
mit dem Petrusamt Die
ad limina-Besuche und die Beziehungen zum Heiligen Stuhl Die
Bischofskonferenzen Die
affektive und effektive Communio II. Besondere Problemkreise Das
Bischofsamt in seinen verschiedenen Formen Die
emeritierten Bischöfe Wahl
und Ausbildung der Bischöfe 4. KAPITEL Der
Bischof im Dienst seiner Kirche Die
biblische Ikone der Fußwaschung: Joh
13,1-16 I. Der Bischof in seiner Teilkirche Die
Teilkirche Ein
Geheimnis, das im Bischof mit seinem Volk konvergiert Wort,
Eucharistie, Gemeinschaft Die
eine heilige katholische und apostolische Kirche Eine
Kirche mit menschlichem Antlitz Universalkirche
und Teilkirche II. Communio und Missio in der Teilkirche In
Gemeinschaft mit dem Presbyterium Besondere
Sorge für die Priester Der
Dienst und die Mitarbeit der Diakone Das
Priesterseminar und die Berufspastoral In
Beziehung zu den anderen Ämtern Sorge
für das gottgeweihte Leben Laien,
die sich engagieren und Verantwortung übernehmen Im
Dienst der Familie Die
Jugend pastoraler Schwerpunkt für die Zukunft Die
Pfarreien Kirchliche
Bewegungen und neue Gemeinschaften III. Das Bischofsamt im Dienst des Evangeliums 1.
Der Dienst am Wort Das
Evangelium der Hoffnung verkünden Die
Mitte der Verkündigung Glaubensunterweisung
und Katechese Die
ganze Kirche ist in die Katechese einbezogen Dialog
und Zusammenarbeit mit Theologen und Gläubigen Zeuge
der Wahrheit Aufgaben
für die Zukunft Kultur
und Inkulturation 2.
Der Dienst der Heiligung Der
Bischof als Priester und Liturge in seiner Kathedrale Die
Eucharistie als Mitte der Teilkirche Auf
das Gebet und die Volksfrömmigkeit achten Einige
besondere Fragen 3.
Die Ausübung des Leitungsamtes Der
Leitungsdienst Wahre
Hirtenliebe üben Ein
Seelsorgestil, der sich im Leben niederschlägt Die
Pastoralvisitationen Die
Diözesansynode Ein
vom Geist der Communio inspirierter Führungsstil Die
wirtschaftliche Verwaltung Praktische
Fragen in der Teilkirche 5. KAPITEL Im Dienst am Evangelium In
Jesus Christus feiern wir das immerwährende Jubiläum der Kirche Der
Heilsdienst der Kirche Eine
neue religiöse Situation Der
ökumenische Dialog Die
Verkündigung des Evangeliums Kooperatives
Wirken in der Mission Der
interreligiöse Dialog und die Begegnung mit
den anderen Religionen Besondere
Wachsamkeit gegenüber dem Phänomen der Sekten Der
Dialog mit Personen anderer religiöser Überzeugungen Auf
die neuen sozialen Probleme und neuen Formen
der Armut achten Den
Leidenden nahe sein Hüter
der Hoffnung und Zeugen der Liebe Christi Die
Zeugenschar und der Hoffnungsanker Schluß Inhalt [1]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 4. [2]
Ioannes Paulus II, Litt. enc. Dominum et vivificantem (18.05.1986), 66: AAS 78 (1986) 897. [3]
Cf. Paulus VI, Adhort. apost. Evangelii
nuntiandi
(8.12.1975), 48: AAS 68 (1976)
37-38. [4]
Cf. Catechismus
Ecclesiæ Catholicæ, 1674-1676. [5]
Cæremoniale episcoporum,
pars III: De liturgia horarum et celebrationibus Verbi Dei. [6]
Conc. Œcum. Vat. II, Const. dogm. de Ecclesia Lumen
gentium, 27; cf. Decr. de past. Episc. mun. in Ecclesia Christus
Dominus, 16. [7]
Ioannes Paulus II, Ansprache bei
der Generalaudienz am Mittwoch
(18.11.1992), 2.4: L’Osservatore
Romano (19.11.1992)
S. 4. [8]
Cf. C.I.C. can. 383 § 1; 384. [9]
Cf. Sacra Congregatio Pro Episcopis,
Direct. Ecclesiæ imago
(22.02.1973), 93-98. [10]
Ioannes Paulus II, Adhort. apost. postsyn. Pastores dabo vobis (25.03.1992),
23: AAS 84 (1992) 694. [11]
Cf. Ioannes Paulus II, Ansprache
an die Bischöfe von
Nord-Brasilien beim ad
limina
Besuch (28.10.1995),
5: L'Osservatore Romano (4.11.1995)
S. 4. [12]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Decr. de presbyterorum ministerio et vita Presbyterorum
ordinis, 17. [13]
Cf. C.I.C. can. 396 § 1; cf. can. 398. [14]
Sacra Congregatio Pro Episcopis, Direct. Ecclesiæ imago
(22.02.1973), 166; cf. ibid.
166-170. [15]
Cf.
C.I.C. can. 460-468; cf. Sacra
Congregatio Pro Episcopis Direct.
Ecclesiæ imago (22.02.1973), 163-165. [16]
Cf. C.I.C. can. 212 § 2,3. [17]
Cf. Congregatio Pro Episcopis et Congregatio Pro Gentium Evangelizatione, Istr. In
constitutione apostolica de Synodis diœcesanis agendis (19.03.1997): AAS
89 (1997) 706-727. [18]
Cf. ibid., V, 2,3,4; cf. C.I.C.
can. 466. [19]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II,
Const. past. de Ecclesia in mundo huius temporis Gaudium
et spes, 1. [20]
Cf. C.I.C. can. 1752. [21]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Const.
past. de Ecclesia in mundo huius temporis Gaudium
et spes, 22. [22]
Ibid., 93; cf. Paulus VI, Litt. enc. Ecclesiam suam, III: AAS
56 (1964) 637-659. [23]
Cf. Congregatio pro Doctrina Fidei, Decl. Dominus Iesus (6.08.2000), 20-22: AAS
92 (2000) 761-764. [24]
Cf. Ioannes Paulus II, Litt.
enc. Ut unum sint (25.05.1995): AAS 87 (1995) 921-982. [25]
Cf. Sekretariat
zur Förderung der Einheit der Christen,
Directoire pour l'application des Principes et Normes sur l'œcuménisme (25.03.1993):
AAS 85 (1993) 1039-119; bes. n° 37-47. [26]
Cf. Ioannes Paulus II, Litt.
enc. Redemptoris missio
(7.12.1990), 37: AAS 83 (1991)
282-286. [27]
Ibid., 31: AAS 83
(1991) 276-277. [28]
Ibid.,
20: AAS 83 (1991) 267-268. [29]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Decr.
de activ. mission. Ecclesiæ
Ad gentes, 38. [30]
Ibid.;
cf. Ioannes Paulus II, Litt.
enc. Redemptoris missio
(7.12.1990), 63: AAS 83 (1991)
311-312. [31]
Ioannes Paulus II, Litt. enc. Redemptoris missio (7.12.1990), 11: AAS (1991) 259-260. [32]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Decr.
de activ. mission. Ecclesiæ
Ad gentes, 9. [33]
Cf.
Congregatio pro Gentium Evangelizatione, Instr. de cooperatione missionali
Cooperatio missionalis (1.10.1998): AAS
91 (1999) 306-324. [34]
Cf. Ioannes Paulus II, Litt.
enc. Redemptoris missio
(7.12.1990), 55: AAS 83 (1991)
302-304; cf. Epist. ap. Tertio
millennio adveniente (10.11.1994), 53: AAS
87 (1995) 37. [35]
S. Iustinus, Dialogus cum
Tryphone, 11: PG
6, 499; cf. Congregatio pro Doctrina
fidei, Decl. Dominus Iesus
(6.08.2000), 13-15: AAS 92 (2000)
754-756. [36]
Conc. Œcum. Vat. II, Declar. de libert. religiosa Dignitatis humanæ, 1; cf. Congregatio
pro Doctrina Fidei, Decl. Dominus
Iesus (6.08.2000), 16-17: AAS 92 (2000)
756-759. [37]
Cf. Ioannes Paulus II, Litt.
enc. Redemptoris missio
(7.12.1990), 5: AAS 83 (1991)
253-254. [38]
Cf. Sekretariat
zur Förderung der Einheit der Christen - Sekretariat für die Nichtchristen
- Sekretariat für die Nichtglaubenden - Päpstlicher Rat für die Kultur,
Sekten und neue
religiöse Bewegungen - Eine Herausforderung für die Seelsorge
(7.05.1986), 10:
L'Osservatore Romano
(13.06.1986). [39]
Cf. Rituale
Romanum, De Exorcismis et
Supplicationibus quibusdam, Editio typica 1999; cf. Congregatio
pro Doctrina Fidei, Instr. de orationibus ad obtinendam a Deo
sanationem (14.09.2000). [40]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Const.
past. de Ecclesia in mundo huius temporis Gaudium
et spes, 63. [41]
Catechismus Ecclesiæ
Catholicæ, 1818. [42]
Cf. Congregatio pro Doctrina Fidei,
Instr. de libertate christiana et liberatione Libertatis
conscientia (22.03.1986), 62: AAS
79 (1987) 580-581. [43]
Cf. ibid., 60: AAS 79 (1987) 579. [44]
Cf. Ioannes Paulus II, Ansprache beim
Weltgebetstag für den Frieden in Assisi (27.10.86), 7: Insegnamenti di
Giovanni Paolo II,
IX / 2, S. 1263. [45]
Conc. Œcum. Vat. II, Const.
past. de Ecclesia in mundo huius temporis Gaudium
et spes, 40. [46]
Cf.
ibid., 76. [47]
Cf.
ibid., 72. 76. [48]
Ioannes Paulus II, Litt. enc. Centesimus annus (1.05.1991), 47: AAS 83 (1991) 851-852. [49]
Conc. Œcum. Vat. II, Const.
dogm. de Ecclesia Lumen gentium,
8. [50]
Cf. Conc. Œcum. Vat. II, Const.
past. de Ecclesia in mundo huius temporis Gaudium
et spes, 22. [51]
Cf. Heilig-Jahr-Feier der Bischöfe. Der Bischof als Diener des Evangeliums Jesu Christi für die Hoffnung der
Welt, Rom 6.-8.10.2000 (Heft). [52]
Cf. Ioannes Paulus II, Weihgebet an die seligste Jungfrau Maria (8.10.2000), 3. 4:
L’Osservatore Romano (9-10.10.2000) S. 6. [53] Conc. œcum. Vat. II, Const. dogm. de Ecclesia Lumen gentium, 68 |
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