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BISCHOFSSYNODE

XI. ORDENTLICHE VOLLVERSAMMLUNG

DIE EUCHARISTIE:
QUELLE UND HÖHEPUNKT
DES LEBENS UND DER SENDUNG
DER KIRCHE

INSTRUMENTUM LABORIS

Vatikanstadt
2005

INHALT

Vorwort

EINLEITUNG

Synodenversammlung im Jahr der Eucharistie
Das Instrumentum laboris und seine Verwendung

I. Teil:

EUCHARISTIE UND HEUTIGE WELT

I. Kapitel: HUNGER NACH DEM BROT GOTTES

Brot für den Menschen in der Welt
Wichtige statistische Daten
Die Eucharistie in verschiedenen Kontexten der Kirche
Eucharistie und christlicher Sinn des Lebens

II. Kapitel: EUCHARISTIE UND KIRCHLICHE GEMEINSCHAFT

Das eucharistische Geheimnis ist Ausdruck der kirchlichen Einheit
Die Beziehung zwischen Eucharistie und Kirche, »Braut und Leib Christi«
Die Beziehung zwischen der Eucharistie und den anderen Sakramenten
Die enge Verbindung zwischen der Eucharistie und der Buße
Die Beziehung zwischen der Eucharistie und den Gläubigen
Schatten über der Feier der Eucharistie

II. TEIL:

DER GLAUBE DER KIRCHE AN DAS GEHEIMNIS DER EUCHARISTIE

I.Kapitel: DIE EUCHARISTIE EIN GESCHENK GOTTES AN SEIN VOLK

Die Eucharistie Geheimnis des Glaubens
Eucharistie - neuer und ewiger Bund
Glaube und Feier der Eucharistie
Persönlicher und kirchlicher Glaube
Wahrnehmung des eucharistischen Geheimnisses unter den Gläubigen
Sinn für das Heilige in der Eucharistie

II.Kapitel: OSTERGEHEIMNIS UND EUCHARISTIE

Zentralität des Ostergeheimnisses
Benennungen der Eucharistie
Opfer, Gedächtnis und Mahl
Konsekration
Wirkliche Gegenwart

III. TEIL:

EUCHARISTIE IM LEBEN DER KIRCHE

I. Kapitel: DIE EUCHARISTIE DES HERRN FEIERN

»Wir danken dir, daß du uns berufen hast, vor dir zu stehen«
Eröffnungsritus
Wortgottesdienst
Eucharistische Liturgie
Kommunion
Entlassungsritus
Ars celebrandi
Wort und Brot des Lebens
Bedeutung der Normen
Pastorale Dringlichkeiten
Der liturgische Gesang
Würde des sakralen Ortes

II. Kapitel: DAS GEHEIMNIS DES HERRN ANBETEN

Von der Feier zur Anbetung
Haltungen der Anbetung
Erwartung des Herrn
Sonntägliche Eucharistie

IV. TEIL:

DIE EUCHARISTIE IN DER SENDUNG DER KIRCHE

I. Kapitel: EUCHARISTISCHE SPIRITUALITÄT

Eucharistie Quelle der christlichen Moral
Eucharistische Personen und Gemeinschaften
Maria, die eucharistische Frau

II. Kapitel: EUCHARISTIE UND EVANGELISIERUNGSAUFTRAG

Eucharistische Haltung
Soziale Implikationen der Eucharistie
Eucharistie und Inkulturation
Eucharistie und Frieden
Eucharistie und Einheit
Eucharistie und Ökumenismus
Eucharistie und Interkommunion
Ite missa est

SCHLUSS


Vorwort

Seit ihren Anfängen lebt die Kirche von der Eucharistie. In ihr findet sie den Sinn ihres Daseins, die unerschöpfliche Quelle ihrer Heiligkeit, die Kraft der Einheit und das Band der Gemeinschaft, den Impuls ihrer evangeliumgemäßen Lebendigkeit, das Prinzip ihrer Evangelisierungstätigkeit, den Quell der Nächstenliebe und den Schwung zur Förderung des Menschen sowie die Vorwegnahme ihrer Herrlichkeit im ewigen Hochzeitsmahl des Lammes (vgl. Offb 19,7-9).

Der auferstandene Herr ist in seiner Kirche auf verschiedene Weise gegenwärtig, aber in ganz besonderer Weise im Sakrament der Eucharistie, wo durch die Gnade des Heiligen Geistes und die Worte der Konsekration das Brot und der Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi verwandelt werden, zum Lob und Ruhm Gottes, des Vaters. Dieses kostbare Geschenk und große Geheimnis fand im letzten Abendmahl und durch das ausdrückliche Gebot des Herrn Jesus: »Tut dies zu meinem Gedächtnis« (Lk 22,19), seine Vollendung und wurde uns durch die Apostel und ihre Nachfolger überliefert. Der Apostel Paulus schrieb in seinem Bericht vom Brot und Kelch des neuen Bundes: »Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe« (1 Kor 11,23). Es handelt sich um die kirchliche Tradition, die getreu von Generation zu Generation bis in unsere Tage weitergegeben wurde.

Das eucharistische Glaubensgut ist, trotz verschiedener Streitfragen in Lehre und Disziplin, durch die Gnade der göttlichen Vorsehung in seiner ursprünglichen Reinheit und vor allem durch die Lehre der beiden ökumenischen Konzilien von Trient (1545-1563) und des II. Vatikanums (1962-1965) zu uns gelangt. Zum besseren Verständnis des eucharistischen Geheimnisses haben mehrere Päpste viel beigetragen, unter ihnen ist pflichtgemäß an die Päpste Paul VI. und Johannes Paul II. ehrwürdigen Andenkens zu erinnern, die sich beide auf der Ebene der universalen Kirche um die Anwendung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils bemüht haben. Während des Pontifikats Johannes Pauls II. wurde die katholische Kirche um bedeutsame Dokumente über das Sakrament der Eucharistie bereichert. Es genügt, an den Katechismus der Katholischen Kirche, die Enzyklika Ecclesia de Eucharistia und das Apostolische Schreiben Mane nobiscum Domine zu erinnern. Im Hinblick auf die Anwendung des II. Vatikanischen Konzils und in treuer Kontinuität zu der zweitausendjährigen Tradition der Kirche hofft auch der jetzige Heilige Vater Benedikt XVI. sein Pontifikat zu verwirklichen, denn er hat schon in seiner ersten Ansprache, die durch das Kardinalskollegium an die ganze Kirche gerichtet war, angekündigt, daß die Eucharistie den immerwährenden Mittelpunkt und die Quelle des ihm anvertrauten Petrusdienstes bildet.

Die genannten Dokumente enthalten eine dichte Reflexion über das Sakrament der Eucharistie mit wichtigen geistlichen und pastoralen Implikationen. Die pastorale Sensibilität, die bischöfliche Verantwortlichkeit und die prophetische Vision erfordern es, zu Beginn des dritten Jahrtausends des Christentums zu prüfen, wie dieses reiche Glaubensgut in der Wirklichkeit der in den fünf Kontinenten verbreiteten katholischen Kirche angewendet wird.

Es überraschte also nicht, daß die Bischofskonferenzen der ganzen Welt und andere kirchliche Organismen, als sie mit Zustimmung des Ordentlichen Rats vom Generalsekretariat der Bischofssynode befragt wurden, den Vorschlag machten, Papst Johannes Paul II. das Thema Eucharistie für die XI. ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode zur Approbation zu unterbreiten. In Anbetracht dieses wichtigen Themas hat Seine Heiligkeit sehr gern den Vorschlag angenommen und als Thema »Die Eucharistie: Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche« sowie den Zeitpunkt der Versammlung vom 2. bis 23. Oktober 2005 beschlossen. In der Themenwahl ist der ausdrückliche Hinweis auf die Lehre des II. Vatikanischen Konzils über die Eucharistie, vor allem der dogmatischen Konstitution Lumen gentium (Nr. 11) nicht zu übersehen, die auch von Ecclesia de Eucharistia (Nr. 1 und 13) aufgegriffen wird. Es handelt sich nicht um einen zufälligen, sondern um einen programmatischen Aufruf, den Enthusiasmus des II. Vatikanischen Ökumenischen Konzils wieder aufleben zu lassen und die Anwendung der Lehre über das Sakrament der Eucharistie im Licht des nachfolgenden Lehramtes der Kirche zu überprüfen.

Mit Hilfe der Mitglieder des Ordentlichen Rates hat das Generalsekretariat der Bischofssynode die Vorbereitung der XI. ordentlichen Generalversammlung durch die Erstellung der Lineamenta begonnen. Dieses Dokument wurde zu Beginn des Jahres 2004 mit der Absicht veröffentlicht, ein weitreichendes kirchliches Nachdenken über das Geheimnis der Eucharistie anzuregen, das in den Diözesen und Gemeinschaften der katholischen Kirche gefeiert und angebetet und der ganzen Welt verkündet wird. Das Dokument wurde deshalb den Bischofskonferenzen, den katholischen orientalischen Kirchen sui iuris, den Dikasterien der Römischen Kurie und der Vereinigung der Generaloberen zugestellt mit der ausdrücklichen Bitte, nach Reflexion und Gebet einen Fragebogen über verschiedene pastorale Themen im Bezug auf die Eucharistie zu beantworten. Das Dokument wurde über die Medien in der Kirche und in aller Welt verbreitet. Von den Hirten angeleitet, hat das Volk Gottes diese Befragung gut beantwortet, indem es für die Vorbereitung der Synodenversammlung wertvolle Beiträge geliefert hat. In vielen Ländern wurden Gesprächsrunden auf diözesaner und pfarrlicher Ebene und in weiteren kirchlichen Gemeinschaften geführt. Es handelte sich also um eine Befragung über den Glauben und die eucharistische Praxis in der universalen Kirche.

Die Reaktionen sind beim Generalsekretariat seitens der vorgenannten Organismen mit deutlicher kollegialer Dimension in Form von »Antworten« und seitens derer, die spontan ihren Beitrag zum synodalen Vorgang leisten wollten, in Form von »Bemerkungen« eingegangen. Die Resultate sind im vorliegenden Instrumentum laboris zusammengefaßt, das eine getreue Synthese der eingegangenen Beiträge darstellt. Bei der Wiedergabe des Inhalts der Antworten wollte man keine systematische und vollständige theologische Zusammenfassung über das Sakrament der Eucharistie vorlegen, die im übrigen schon in der Kirche existiert, sondern vielmehr einige Lehrwahrheiten in Erinnerung rufen, die auf die Feier des höchsten Geheimnisses unseres Glaubens starken Einfluß haben, weil sie den tiefen pastoralen Reichtum hervorheben. Das Dokument konzentriert sich deshalb hauptsächlich auf die positiven Aspekte der Eucharistiefeier, die die Gläubigen zusammenruft und sie zu einer Gemeinschaft macht trotz der Unterschiede von Rasse, Sprache, Nation und Kultur. In dem Dokument werden auch manche Versäumnisse und Nachlässigkeiten in der Eucharistiefeier erwähnt, die - Gott sei Dank! - nur nebensächlich sind. Sie erlauben aber, die Achtung und Verehrung stärker bewußt zu machen, mit denen sich der Klerus und alle Gläubigen anschicken sollten, die Eucharistie, das heilige Geheimnis, zu feiern. Am Ende fehlt es nicht an einem konstruktiven Teil, der sich aus den vielen Antworten ergibt als Frucht vertieften pastoralen Nachdenkens der Teilkirchen und der anderen befragten Organismen.

Natürlich erweist sich die Feier des Sakraments der Eucharistie in den einzelnen Ländern und Kontinenten als sehr vielfältig, was besonders deutlich wird, wenn man die verschiedenen spirituellen Traditionen oder Riten der katholischen Kirche berücksichtigt. Die Unterschiedlichkeit schwächt keineswegs ihre Einheit, sondern offenbart den Reichtum der Kirche in der katholischen Gemeinschaft, für die der Austausch der Gaben und Erfahrungen bezeichnend ist. Die Katholiken lateinischer Tradition spüren diesen Reichtum in der tiefen Spiritualität der katholischen orientalischen Kirchen, wie aus den Lineamenta und aus dem Instrumentum laboris hervorgeht. Die Christen der orientalischen Traditionen entdecken ihrerseits das bemerkenswerte theologische und spirituelle Erbe der lateinischen Tradition. Diese Haltung hat auch eine ökumenische Zielsetzung. Denn wenn die katholische Kirche mit zwei Lungen atmet - dafür dankt sie der göttlichen Vorsehung -, dann wartet sie auch auf den seligen Tag, an dem dieser geistliche Reichtum durch die volle und sichtbare Einheit mit den orientalischen Kirchen, die trotz der mangelnden vollen Gemeinschaft sich zum Großteil zu demselben Glauben an das eucharistische Geheimnis Jesu Christi bekennen, erweitert und belebt werden kann.

Das Instrumentum laboris ist für die Synodenväter als Arbeitspapier und zum weiteren Nachdenken über die Eucharistie bestimmt, die als Herz der Kirche diese zu einem neuen missionarischen Eifer in der Gemeinschaft anspornt. Die Reflexion wird zweifellos fruchtbar sein, weil der Geist der Kollegialität, der den synodalen Versammlungen eigen ist, die Zustimmung zu den für den Heiligen Vater bestimmten Vorschlägen fördern wird. Außerdem werden aus der Liturgiereform, den exegetischen Forschungen und der theologischen Vertiefung, die die Zeit nach dem II. Vatikanischen Konzil gekennzeichnet haben, reiche Früchte hervorgehen.

In den im Instrumentum laboris zusammengefaßten Antworten spürt man die Hoffnung des Volkes Gottes, daß die Arbeiten der Synodenväter, die um den Bischof von Rom, das Haupt des Bischofskollegiums und Präsidenten der Synode, zusammen mit anderen Vertretern der Gemeinschaft der Kirche versammelt sind, dazu beitragen, die Schönheit der Eucharistie, des Opfers, Gedächtnisses und Gastmahls Jesu Christi, des Erlösers und Retters der Welt, wiederzuentdecken. Die Gläubigen erwarten entsprechende Weisungen, damit das Sakrament der Eucharistie, das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist (vgl. Joh 6,58) und von Gott, dem Vater, in seinem eingeborenen Sohn angeboten wird, mit mehr Würde gefeiert wird; damit der Herr unter den Gestalten von Brot und Wein mit mehr Verehrung angebetet wird, und damit die Bande der Einheit und Gemeinschaft unter denen, die sich vom Leib und Blut des Herrn nähren, verstärkt werden. Diese Erwartung überrascht nicht, denn die von der Gnade des Heiligen Geistes erleuchteten Christen, die am Herrnmahl teilhaben, sind lebendiger Teil der Kirche, des mystischen Leibes Jesu Christi, sowie seine Zeugen im Umfeld ihres Lebens und ihrer Arbeit; sie achten auf die geistlichen und materiellen Bedürfnisse des Menschen von heute, und sie beteiligen sich aktiv am Aufbau einer Welt mit mehr Gerechtigkeit, wo keinem »unser tägliches Brot« fehlt.

Die Synodenväter werden ihre synodalen Aufgaben erfüllen, indem sie dem Vorbild der seligen Jungfrau Maria, der eucharistischen Frau, folgen in der Bereitschaft, den Willen Gottes, des Vaters, in Offenheit für die Eingebungen des Heiligen Geistes zu erfüllen. Sie werden in dieser wichtigen Arbeit gestützt durch die Bande der Gemeinschaft mit dem Klerus und den Gläubigen, die in diesem Jahr der Eucharistie mit neuem Eifer beten und die Fruchtbarkeit des eucharistischen Geheimnisses unaufhörlich feiern, anbeten und durch ein christliches Leben und die brüderliche Liebe bezeugen. Dies tun sie, indem sie mit neuer apostolischer Kraft den Nahen und den Fernen die Schönheit des großen Geheimnisses des Glaubens, das im Sakrament der Eucharistie enthalten ist, verkünden, das Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche für das dritte Jahrtausend des Christentums ist.

Nikola Eterović
Titularerzbischof von Sisak
Generalsekretär


EINLEITUNG

Synodenversammlung im Jahr der Eucharistie

1. Der nächsten XI. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode, die vom 2. bis 23. Oktober 2005 über das Thema Die Eucharistie: Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche stattfindet, geht eine Zeit der Vorbereitung voraus, die die ganze weltumspannende katholische Kirche einbezieht. Dies geschieht dank des Lehramtes Johannes Pauls II., der die Enzyklika Ecclesia de Eucharistia und das Apostolische Schreiben Mane nobiscum Domine veröffentlich hat, sowie der Einladung seitens der Bischöfe und Theologen während des 48. Internationalen Eucharistischen Kongresses in Guadalajara, Mexiko.[1] Hinweisend auf das Synodenthema sind auch die Instruktion Redemptionis sacramentum und der Beitrag der Kongregation für den Gottesdienst und die Disziplin der Sakramente: Jahr der Eucharistie. Anregungen und Vorschläge, der anläßlich der Eröffnung des Jahres der Eucharistie verbreitet wurde, das am 17. Oktober 2004 begonnen hat und mit der Bischofssynode enden wird.

Zur Ausrichtung der eigentlichen Vorbereitung wurden die Lineamenta erstellt Sie sollten aber keinen vollständigen Traktat über die Eucharistie und ebensowenig über die in den obengenannten Dokumenten enthaltenen Weisungen in der Lehre darlegen, sondern die Probleme aufzeigen, die im Bezug auf die Kernpunkte der eucharistischen Lehre der Kirche hinsichtlich der Heiligen Schrift und der Tradition entstanden sind.

Antworten auf die Lineamenta und auf den entsprechenden Fragebogen wurden von den Bischofskonferenzen, von den orientalischen katholischen Kirchen sui iuris, von der Römischen Kurie und von der Vereinigung der Generaloberen sowie in Form von Bemerkungen seitens der Bischöfe, Priester, Ordensleute, Theologen und gläubigen Laien eingesandt; alle Antworten wurden dann im Instrumentum laboris gesammelt. Dieses Arbeitspapier der kommenden Versammlung dient dazu, über die Wirklichkeit des Glaubens, des Kultes und des eucharistischen Lebens der Teilkirchen in der Welt zu informieren und sie mit der Wirklichkeit der universalen Kirche zu vergleichen.

Das Instrumentum laboris und seine Verwendung

2. Um das Nachdenken und die vorbereitende Diskussion sowie die Wortmeldungen und die Debatte in der Synodenaula zu unterstützen, stellt das Instrumentum laboris die Fakten in der Lehre und Pastoral dar. Denn in diesen beiden Bereichen sind die Bischöfe ständig mit der Ausübung ihres dreifachen bischöflichen Dienstes beschäftigt, d.h., daß sie das Volk Gottes lehren, heiligen und leiten. In der Tat muß die Kirche in der Welt sich in der Praxis ständig mit der ewigen Lehre auseinandersetzen, die von der Heiligen Schrift und der Tradition genährt wird.

Indem die Methode auf das Thema der Synode angewandt wird, ist es notwendig, zu prüfen, ob das Gesetz des Gebets dem Gesetz des Glaubens entspricht, das heißt, zu fragen, was das Volk Gottes glaubt und wie es lebt, damit die Eucharistie immer mehr Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche und jedes einzelnen Gläubigen mit Hilfe der Liturgie, der Spiritualität und der Katechese in den kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Umfeldern sein kann.

Aus den Antworten auf die Lineamenta ergibt sich das Bedürfnis, die Eucharistie im Hinblick auf ihre doppelte Eigenschaft als fons et culmen in der Kirche zu verstehen. Das sakramentale Opfer ist Quelle, weil es kraft der Worte des Hern und des Werkes des Heiligen Geistes die Wirksamkeit des Leidens Jesu Christi und die Macht seiner Auferstehung enthält. Die Eucharistie ist Höhepunkt des Lebens der Kirche, weil sie zur Gemeinschaft mit dem Herrn, zur Heiligung und zur Vergöttlichung des Menschen führt, der Mitglied einer um den Tisch des Herrn versammelten Gemeinschaft ist. Aus dieser Wahrheit, fons et culmen, erwächst die Verpflichtung, die zeitlichen Wirklichkeiten umzuwandeln. Das ist das allgemeine Thema der Synode. Man kann sagen, daß in der Eucharistie der Sinn des Opfertodes Jesu enthalten ist: Gott schenkt sich vollständig und unentgeltlich, und der Mensch überläßt sich vollständig dem Vater, der ihn liebt. Es handelt sich um einen zweifachen Ausdruck der Liebe, der in gewisser Weise der Eucharistie als Opfer und als Mahl entspricht.

Die Tatsache, daß die Lineamenta die Eucharistie nicht nur mit Blick auf die Liturgie lateinischer Tradition, sondern auch mit Blick auf die Liturgien der orientalischen Traditionen dargelegt haben, wird von den Antworten allgemein gelobt: Der Austausch gilt als bereichernd und wohltuend, auch um die Lichtpunkte hervorzuheben und die Schatten zu vertreiben, die an nicht wenigen Orten festzustellen sind. Der Text des Instrumentum laboris soll dem gleichen Zweck dienen, indem es die ganze Tradition der Kirche umfaßt, nicht nur aus der Sicht des lateinischen Ritus, obwohl nicht zu vergessen ist, daß einige Phänomene diesem eigen sind.

Jetzt wird das vorliegende Instrumentum laboris den Hirten der Teilkirchen zur Reflexion vorgelegt, damit sie sich mit dem Volk Gottes auf die Synode vorbereiten, in der die Väter dem Bischof von Rom Vorschläge machen werden, die der eucharistischen Erneuerung des kirchlichen Lebens dienen sollen.

I. TEIL

EUCHARISTIE UND HEUTIGE WELT

I. Kapitel

Hunger nach dem Brot Gottes

»Das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und
gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn:
Herr, gibt uns immer dieses Brot«
(Joh 6,33-34).

Brot für den Menschen in der Welt

3. Auf die Frage, welches Zeichen er tue, damit man ihm glauben könne, hat Jesus der Menschenmenge sich selbst als das wahre Brot angeboten, das den Menschen sättigt (vgl. Joh 6,35), das Brot, das vom Himmel herabkommt, um der Welt das Leben zu geben. Auch heute hungert die Welt nach diesem Brot und will das Leben haben. Im Gespräch mit Jesus, der sich selbst als das Brot für das Leben der Welt vorstellte, bat die Menge ihn spontan: »Herr, gib uns immer dieses Brot.« Es handelt sich um eine bedeutsame Bitte, um den Ausdruck der tiefen Sehnsucht, die nicht nur dem Herzen des Gläubigen, sondern dem eines jeden Menschen innewohnt, der die Glückseligkeit ersehnt, die durch das Brot des ewigen Lebens versinnbildlicht wird. Auch im Jahr des Herrn 2005 sehnt sich die Welt trotz Schwierigkeiten und Widersprüchen aller Art nach dem Glück und verlangt nach dem Brot des Lebens der Seele und des Leibes. Um auf diese Sehnsucht zu antworten, hatte der Papst die ganze Kirche dazu aufgerufen, das Jahr der Eucharistie auch zum Anlaß eines ernsthaften und tiefgehenden Bemühens zu nehmen und das Drama des Hungers, die Geißel der Krankheiten, die Vereinsamung der alten Menschen, die Entbehrungen der Arbeitslosen und die Widrigkeiten der Migranten zu bekämpfen. Die Früchte dieses Bemühens werden den Beweis für die Wahrhaftigkeit der Eucharistiefeiern sein.[2]

Aber nicht nur der Mensch, auch die ganze Schöpfung erwartet einen neuen Himmel und eine neue Erde (vgl. 2 Petr 3,13) und daß in Christus alles vereint wird, alles, was im Himmel und auf Erden ist (vgl. Eph 1,10). Weil sie der Höhepunkt ist, dem die ganze Schöpfung zustrebt, ist die Eucharistie auch die Antwort auf die Sorge der jetzigen Welt um das ökologische Gleichgewicht. Denn das Brot und der Wein, die Materie, die Jesus Christus für jede heilige Messe gewählt hat, verbinden die Eucharistiefeier mit der Wirklichkeit der geschaffenen Welt, die der Herrschaft des Menschen anvertraut ist (vgl. Gen 1,28) unter Achtung der Gesetze, die der Schöpfer in die Werke seiner Hände gelegt hat. Das Brot, das Leib Christi wird, soll von einer fruchtbaren, reinen und nicht verschmutzten Erde herkommen. Der Wein, der sich in das Blut des Herrn Jesus verwandelt, soll Zeichen einer Arbeit sein, die das Geschaffene verwandelt entsprechend den Bedürfnissen der Menschen, die sich sorgen und die notwendigen Ressourcen auch für die kommenden Generationen bewahren wollen. Das mit Wein vermischte Wasser versinnbildlicht die Vereinigung der menschlichen Natur mit der göttlichen Natur im Herrn Jesus und soll seine heilsamen Eigenschaften für die Menschen bewahren, die nach Gott dürsten, nach »der sprudelnden Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt« (Joh 4,14).

Wichtige statistische Daten

4. Das Thema der Synode erfordert es auch, daß die wichtigsten Daten der Welt, in der die Kirche lebt und wirkt, berücksichtigt werden. Da es nicht möglich ist, ein vollständiges und erschöpfendes Bild zu liefern, werden nur die wichtigsten Angaben und entsprechende Überlegungen gemacht.

Manche Daten verdeutlichen das statistische Verhältnis zwischen der Bevölkerung im allgemeinen und den Gläubigen, die den katholischen Glauben bekennen. In diesem Sinn ist festzustellen, daß die Anzahl der Katholiken im Jahr 2003 1.086.000.000 betrug, das sind 15.000.000 Personen mehr als im Vorjahr; auf die Kontinente verteilt: Afrika +4,5%; Amerika +1,2%; Asien +2,2%; Ozeanien +1,3%. In Europa ist die Lage gleich geblieben. Wenn man die Anzahl der Katholiken in der ganzen Welt auf die einzelnen geographischen Bereiche verteilt, ergibt sich, daß in Amerika 49,8% der Katholiken leben, während in Europa 25,8%, in Afrika 13,2%, in Asien 10,4% und in Ozeanien 0,8% Katholiken leben.[3] Der Bevölkerungsanteil der Katholiken beträgt in den einzelnen Kontinenten: 62,46% in Amerika, 39,59% in Europa, 26,39% in Ozeanien, 16,89% in Afrika und 2,93% in Asien.[4]

Hinsichtlich der geographischen Verteilung der Kirche ist anzumerken, daß im Jahr 2003 die Kirchenbezirke 2.893 betrugen, 10 mehr als im Jahr 2002, mit einer Zunahme in allen Kontinenten.[5] Die Anzahl der Bischöfe in der Welt ist um 27,68% gestiegen, das heißt von 3.714 im Jahr 1978 auf 4.742 im Jahr 2003; die Gesamtzahl der Priester ist im Jahr 2003 (405.450: 268.041 Diözesan- und 137.409 Ordenspriester) im Vergleich zu 1978 (420.971: 262.485 Diözesan- und 158.486 Ordenspriester) um 3,69% zurückgegangen, das bedeutet eine Verringerung um 13,30% der Ordenspriester und eine Zunahme von 2,12% der Diözesanpriester. Außerdem ist eine Verringerung von 27,94% der Anzahl der Profeßordensmänner, die nicht Priester sind, zu verzeichnen (von 75.802 im Jahr 1978 auf 54.620 im Jahr 2003). In der Anzahl der Profeßordensfrauen ist ebenfalls ein Rückgang um 21,65% festzustellen (von 990. 768 im Jahr 1978 auf 776.269 im Jahr 2003).[6]

Da die Feier des Sakraments der Eucharistie wesentlich an das Weihesakrament gebunden ist, muß man für die Zeit von 1978 bis 2003 auch die steigende Zahl der Katholiken berücksichtigen, die auf einen Priester entfällt. Denn zu Beginn entfielen 1.797 Katholiken und am Ende des genannten Zeitraums 2.677 Katholiken auf einen Priester. Das Verhältnis unterscheidet sich nicht wesentlich von Kontinent zu Kontinent. Im Vergleich zu ca. 1.386 Katholiken pro Priester in Europa sind es in Afrika ca. 4.723, in Amerika 4.453, in Asien 2.407 und in Ozeanien 1.746.[7] Hervorzuheben ist außerdem, daß die ständigen Diakone im gleichen Zeitraum die Gruppe mit der größten Wachstumsrate bilden. Sie haben sich in allen Kontinenten mehr als verfünffacht mit einer Zunahme um 466,7%. Interessant mag der Hinweis sein, daß diese kirchliche Rolle besonders in Nordamerika sehr verbreitet ist mit 65,7 % aller Diakone der Welt, während auf Europa ebenfalls 32% entfallen. Wichtig ist auch die Rolle, die die Laienmissionare (172.331) und die Katechisten (2.847.673) weltweit in der Evangelisierung spielen.[8]

5. Die Synode findet in einer Zeit statt, die von starken Widersprüchen der Völkerfamilie gekennzeichnet ist. Die Globalisierung erlaubt die Wahrnehmung der Einheit der Menschheit, auch dank der Massenmedien, die über die Wirklichkeit in jedem Winkel der Erde berichten. Es handelt sich um einen wichtigen Aspekt des technischen Fortschritts, der sich in den vergangenen Jahrzehnten in außergewöhnlicher Weise entwickelt hat. Leider haben die Globalisierung und der technische Fortschritt weder den Frieden noch eine größere Gerechtigkeit zwischen den reichen und den armen Nationen der 3. und der 4. Welt gefördert. Alles weist darauf hin, daß in vielen Teilen der Welt Gewaltakte, Terrorismus und Kriege stattfinden, während die Synodenväter sich versammeln. Zur gleichen Zeit werden viele Brüder und Schwestern Opfer von Krankheiten, z.B. von Aids, die in breiten Bevölkerungsschichten vor allem in den armen Ländern Trostlosigkeit hervorrufen.

Der Skandal des Hungers, ein Phänomen, das sich in den letzten Jahren erschwert hat, bleibt leider weiterhin bestehen, denn über eine Milliarde Menschen lebt im Elend. Hier dürfen Phänomene wie der Hunger, die die soziale Wirklichkeit betreffen, nicht außer Acht gelassen werden, wenn man an das Verhältnis Kirche und Welt hinsichtlich der Evangelisierung denkt. Denn die Kirche hat schon immer die Verkündigung des Evangeliums und die Weitergabe des Heils durch die Sakramente mit den Werken der Förderung des Menschen begleitet, und zwar in vielen sozialen Lebensbereichen, wie im Gesundheitswesen, in der humanitären Hilfe und in der Erziehung und Bildung. Nicht zu vergessen ist deshalb u.a., daß es im Zeitraum von 1999 bis 2001 842 Millionen unterernährte Menschen in der ganzen Welt gegeben hat, davon 798 Millionen in den Entwicklungsländern, vor allem in der Subsahara von Afrika, in Asien und im pazifischen Raum.[9] Diese dramatische Wirklichkeit darf in der Reflexion der Synodenväter nicht fehlen, die wie jeder Christ mehrmals am Tag den Herrn bitten: »Gib uns heute unser tägliches Brot.«

Die Eucharistie in verschiedenen Kontexten der Kirche

6. Aus den Antworten auf die Lineamenta geht hervor, daß der Besuch der Sonntagsmesse in vielen Teilkirchen der afrikanischen und mancher asiatischer Nationen ziemlich hoch ist. In den europäischen und amerikanischen Ländern und zum Teil in Ozeanien ist das Gegenteil zu verzeichnen, wobei der negative Stand von 5% erreicht wird. Die Gläubigen, die das Sonntagsgebot meist vernachlässigen, halten die Teilnahme an der Messe nicht für besonders wichtig. Im Grund wissen sie nicht, was das eucharistische Opfer und Mahl ist, das die Gläubigen um den Altar des Herrn vereint.

Die Messe am Vorabend zum Sonntag erlaubt vielen Gläubigen, das Gebot zu halten, auch wenn es in manchen Fällen dazu benutzt wird, am Sonntag zu arbeiten. Vielerorts wird die Messe an Wochentagen von wenigen Personen besucht. Einige nehmen aus Gewohnheit an ihr teil, andere zufällig und andere wiederum auf Grund ihres Einsatzes im kirchlichen Leben.

Zu ermutigen wäre eine kontinuierliche und verstärkte katechetische Tätigkeit im Bezug auf die Bedeutung und die Pflicht, sonn- und feiertags an der Messe teilzunehmen. Manchmal wird die Bedeutung des Gebotes heruntergespielt mit der Behauptung, es genüge, das Gebot zu beobachten, wenn einem danach zu Mute ist.

7. Unter den Teilkirchen sind einige häufig auftretende Phänomene zu verzeichnen. Besonders unter den Jugendlichen ist ein Niedergang der Glaubenspraxis, der Teilnahme an der Messe, festzustellen. Da ist zu überlegen, wieviel Zeit die Hirten und Katechisten der Glaubensbildung von Jugendlichen und Kindern widmen, und wieviel Zeit sie für andere z.B. soziale Tätigkeiten verwenden.

Man spürt in den säkularisierten Gesellschaften eine Schwächung des Sinnes für das Geheimnis, die auch manchen Auslegungen und Akten zuzuschreiben ist, die vom Sinn der Liturgiereform des Konzils abweichen und zu banalen Riten führen, denen der spirituelle Sinn fehlt. Christliche Gemeinschaften in anderen Ländern haben einen ausgeprägten Sinn für das Geheimnis bewahrt, so daß die Liturgie bei ihnen eine große Bedeutung hat.

Man zeigt sich befriedigt über eine inkulturierte Liturgie, die erlaubt, die aktive Beteiligung an der Liturgie zu verbessern. Infolgedessen hat die Teilnahme an der Messe zugenommen. Viele Jugendliche und Erwachsene nehmen am Leben und an der Sendung der Kirche teil. Wenn auf Grund des Priestermangels in den ländlichen Gebieten nur monatlich oder sogar jährlich die Messe gefeiert werden kann, dann wird der Sonntagsgottesdienst unausweichlich den Laien anvertraut.

8. Es ist klarzustellen, daß der Zugang zum Geheimnis von einer würdigen Feier der Liturgie, einer genauen Vorbereitung, aber vor allem vom Glauben an das Geheimnis abhängt. Sehr hilfreich ist in dieser Beziehung die Enzyklika Redemptoris missio, die die beiden Aspekte des mangelnden Glaubens hervorhebt, die den missionarischen Schwung negativ beeinflussen: die Säkularisierung des Heils und der religiöse Relativismus. Erstere führt dazu, sich für den Menschen einzusetzen, aber für einen Menschen, der allein auf die horizontale Dimension reduziert ist.[10] Manche scheinen die Berufung zum Verwalter der Geheimnisse Gottes an die des Organisators der sozialen Gerechtigkeit zu binden. Der zweite Aspekt führt zur Abschaffung der Wahrheit des Christentums in der Meinung, daß eine Religion gleich viel gilt wie die andere.[11] Ohne dem Vergangenen nachzutrauern, hatte Johannes Paul II. in dem Apostolischen Schreiben Novo Millennio ineunte dazu aufgerufen, die Missionstätigkeit der Kirche zu verstärken.[12]

Unter Berücksichtigung dieses Kontextes kann man das Thema korrekt entfalten, ohne zu vergessen, daß für die Apostel und die Väter - man denke nur an Justinus[13] - die Eucharistie die heiligste Handlung der Kirche ist, die fest glaubt, daß in ihr der auferstandene Herr Jesus gegenwärtig ist. Diese Gegenwart ist das fundamentale Ergebnis des Sakraments.

Gerade dieses Ereignis, das aus der Verwandlung der Gestalten von Brot und Wein erwächst, bewirkt, daß sich die Kirche immer mit Furcht und Zittern und zugleich mit Vertrauen dem Mysterium naht, das das Wesen der Liturgie ausmacht. Heute ist es nötig, die Achtung vor dem Geheimnis der Eucharistie und das Bewußtsein seiner Unantastbarkeit zu bekräftigen. Dazu ist es notwendig, ein gegliedertes Bildungsprogramm zu beachten. Viel wird von der Existenz vorbildlicher Orte abhängen, wo die Eucharistie wahrhaftig geglaubt wird, wo sie korrekt gefeiert wird, und wo man persönlich erleben kann, was sie ist: die einzige wahre Antwort auf die Suche nach dem Sinn des Lebens, die den Menschen auf allen Breitengraden auszeichnet.

Eucharistie und christlicher Sinn des Lebens

9. Der Mensch fragt nach dem Sinn des Lebens: Was wird aus meinem Leben? Was ist Freiheit? Warum gibt es Leiden und Tod? Gibt es etwas nach dem Tod? Mit einem Wort: Hat das Leben des Menschen einen Sinn oder nicht?[14] Die Frage bleibt, auch wenn der Mensch sich einbildet, unabhängig zu sein, oder wenn er voll Angst und Unsicherheit ist. Die Religion ist die endgültige Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, weil sie den Menschen zur Wahrheit über sich selbst in der Beziehung zum wahren Gott führt.

Die Eucharistie, die »den christlichen Sinn des Lebens offenbart«,[15] beantwortet diese Frage, indem sie die Auferstehung und die wirkliche, volle und andauernde Gegenwart des Herrn als Unterpfand der zukünftigen Herrlichkeit verkündet. Das schließt ein, daß der Mensch seine Beziehung zu Gott allem zugrunde legt, weil sie Quelle der Freiheit ist, die ihn befähigt, in sein Innerstes einzutreten, um sich unentgeltlich zu schenken. Das geschieht im Ostergeheimnis, in dem die Wahrheit und die Liebe zusammentreffen und zeigen, daß sie die Merkmale der wahren Religion sind. So offenbart die Eucharistie die Wahrheit des Wortes Gottes: nihil hoc verbo veritatis verius, (er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann), heißt es in dem Hymnus Adoro Te, devote.

Der Sinn der Eucharistie erklärt sich ganz aus den Worten Jesu: »Tut dies zu meinem Gedächtnis« (Lk 22,19). Sie verkünden an erster Stelle, daß Jesus Christus die Ewigkeit in die Zeit eingebracht hat, indem er ihr die endgültige Ausrichtung gegeben und ihre vernichtende Macht beseitigt hat. An zweiter Stelle wird durch diese Worte hervorgehoben, daß die Freiheit Gottes und die des Menschen in Jesus zusammentreffen und die Gemeinschaft schaffen, die erlaubt, den Bösen zu besiegen. Schließlich bedeuten diese Worte, daß Jesus Christus die unversiegbare Quelle der Erneuerung des Menschen und der Welt ist, trotz der Grenzen und der Sünde der Menschen.

10. Die Antworten auf die Lineamenta beklagen eine gewisse Entfremdung des pastoralen Lebens von der Eucharistie, deshalb erwartet man sich von der Synode die Ermutigung, die Verbindung zwischen Leben und Sendung zu verstärken. Die Eucharistie ist die Antwort auf die »Zeichen der Zeit« der zeitgenössischen Kultur. Auf die Kultur des Todes antwortet die Eucharistie mit der Kultur des Lebens. Im Gegensatz zum individuellen und sozialen Egoismus bekräftigt die Eucharistie die Ganzhingabe. Dem Haß und dem Terrorismus setzt die Eucharistie die Liebe entgegen. Angesichts des wissenschaftlichen Positivismus verkündet die Eucharistie das Mysterium. Indem sie sich der Verzweiflung widersetzt, lehrt die Eucharistie die sichere Hoffnung auf die ewige Seligkeit.

Die Eucharistie will darauf hinweisen, daß die Kirche und die Zukunft der Menschheit an Christus gebunden ist, den einzigen wirklich dauerhaften Fels, und an keine andere Wirklichkeit. Deshalb ist der Sieg Christi das christliche Volk, welches das eucharistische Geheimnis glaubt, feiert und lebt.


II. Kapitel

Eucharistie und kirchliche Gemeinschaft

»E i n Brot ist es. Darum sind wir viele e i n Leib;
denn wir alle haben teil an dem einen Brot« (1 Kor 10,17).

Das eucharistische Geheimnis ist Ausdruck der kirchlichen Einheit

11. Wenn er die Gläubigen ermahnt, den Götzendienst zu meiden und das Fleisch, das den Götzen geopfert wird, nicht zu essen, hebt der Apostel Paulus das enge Band der Gemeinschaft der Christen mit dem Blut Christi und dessen Leib hervor, das imstande ist, aus den vielen Gläubigen eine einzige Gemeinschaft, die eine Kirche, zu machen (vgl. 1 Kor 8,1-10).

Das Thema der kirchlichen Gemeinschaft hat seitens des II. Vatikanischen Ökumenischen Konzils besondere Aufmerksamkeit verdient.[16] Dafür spricht, daß das Thema im Schlußbericht der II. außerordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode besonders herausgestellt wurde, die anläßlich des 25. Jubiläumsjahres des vorgenannten Konzils gefeiert wurde,[17] ebenso in einem Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre an die Bischöfe der katholischen Kirche.[18] Außerdem wurde das Thema im VI. Kapitel des nachsynodalen Apostolischen Schreibens Pastores gregis eingehend behandelt, das Papst Johannes Paul II. nach der X. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode veröffentlicht hat. In diesem päpstlichen Dokument, das die synodalen Überlegungen über das Thema zusammenfaßt, wird hervorgehoben, daß die Gemeinschaft der Bischöfe mit dem Nachfolger Petri, dem Zeichen der Einheit zwischen der universalen Kirche und den Teilkirchen, in der Eucharistiefeier der Bischöfe mit dem Papst während der ad-limina-Besuche den Höhepunkt findet. Die Eucharistie, der der Papst vorsteht und die von den Hirten der Teilkirchen konzelebriert wird, drückt in hervorragender Weise die Einheit der Kirche aus. Diese Konzelebration erlaubt es, noch klarer zu erfassen, daß »jede Eucharistie ... in Gemeinschaft mit dem eigenen Bischof, mit dem Papst und mit dem Bischofskollegium gefeiert wird, und durch diese mit den Gläubigen der Teilkirche und der ganzen Kirche. Auf diese Weise ist die Universalkirche in der Teilkirche gegenwärtig, und diese ist mit den anderen Teilkirchen in die Gemeinschaft der Gesamtkirche eingeordnet«.[19]

Im Bezug auf die Thematik der Eucharistie als Ausdruck der kirchlichen Gemeinschaft gehen aus den Antworten auf die Linementa folgende Themen hervor, die eine besondere Behandlung verdienen: Beziehung zwischen Eucharistie und Kirche; Beziehung zwischen Eucharistie und den anderen Sakramenten, insbesondere der Buße; Beziehung zwischen Eucharistie und den Gläubigen; Schatten über der Eucharistiefeier.

Die Beziehung zwischen Eucharistie und Kirche, »Braut und Leib Christi«

12. Die Eucharistie ist das Herz der kirchlichen Gemeinschaft. Das Konzil hat unter den vielen Bildern der Kirche eines vorgezogen, das ihre ganze Wirklichkeit ausdrückt: Mysterium. Vor allen anderen ist die Kirche das Geheimnis der Begegnung zwischen Gott und der Menschheit; deshalb ist sie Braut und Leib Christi, Volk Gottes und Mutter. Die gegenseitige Beziehung zwischen Eucharistie und Kirche erlaubt es, auf beide die Merkmale aus dem Credo anzuwenden: eine, heilige, katholische und apostolische, die die Enzyklika Ecclesia de Eucharistia näher beschrieben hat.[20]

Die Eucharistie baut die Kirche, und die Kirche ist der Ort, wo sich die Gemeinschaft mit und unter den Menschen verwirklicht. Die Kirche ist sich dessen bewußt, daß die Eucharistie das Sakrament der Einheit und der Heiligkeit, der Apostolizität und der Katholizität ist, das für die Kirche, die Braut Christi und ihren Leib, wesentlich ist. Die Eigenschaften der Kirche sind zugleich die Bande der katholischen Gemeinschaft, welche die rechtmäßige Feier der Eucharistie erlauben.

Papst Johannes Paul II. erinnerte daran, daß »die Kirche der Leib Christi« ist. »Man ist in dem Maß -mit Christus- auf dem Weg, in dem man in Beziehung - zu seinem Leib - steht«.[21] Das ist der eigentliche Sinn der Beachtung der Normen und der würdigen Feier: Es ist der Gehorsam seitens der Kirche, seiner Braut, zu Christus.

13. Die Kirche vollzieht die Eucharistie, und die Eucharistie baut die Kirche auf. Obwohl beide von Christus im Bezug zueinander eingesetzt wurden, sind diese Bezeichnungen des bekannten Aphorismus nicht gleichwertig. Wenn die Eucharistie die Kirche wachsen läßt, weil im Sakrament der lebendige Jesus Christus ist, dann hat er die Kirche noch früher gewollt, damit sie Eucharistie feiert. Die Christen des Ostens unterstreichen besonders, daß die Kirche seit der Schöpfung vor ihrer irdischen Verwirklichung besteht. Die Zugehörigkeit zur Kirche ist vorrangig, um die Sakramente empfangen zu können. Man kann die Eucharistie nicht empfangen, wenn man nicht zuvor die Taufe empfangen hat, oder man darf die Eucharistie nicht erneut empfangen, ohne das Bußsakrament empfangen zu haben, welches die »mühsame Taufe« für die schweren Sünden ist. Seit ihren Anfängen hat die Kirche, um diese propädeutische Dringlichkeit auszudrücken, jeweils das Katechumenat für die Initiation und den Bußweg für die Versöhnung eingesetzt. Außerdem gibt es ohne das Weihesakrament keine gültige und rechtmäßige Eucharistie.

Aus diesen Gründen spricht die Enzyklika Ecclesia de Eucharistia vom »ursächlichen Einfluß der Eucharistie auf den Ursprung der Kirche selbst«,[22] und von der engen Verbindung zwischen der einen und der andern.[23] Dies vorausgesetzt, versteht man folgende Aussage: »Die Feier der Eucharistie kann aber nicht der Ausgangspunkt der Gemeinschaft sein, sie setzt die Gemeinschaft vielmehr voraus und möchte sie stärken und zur Vollendung führen. Das Sakrament drückt dieses Band der Gemeinschaft aus, und zwar sowohl auf der unsichtbaren Ebene, ... als auch auf der sichtbaren Ebene... Die enge Beziehung, die zwischen den unsichtbaren und den sichtbaren Elementen der kirchlichen Gemeinschaft besteht, ist ein konstitutives Merkmal der Kirche als Sakrament des Heiles. Nur in diesem Zusammenhang ist die Feier der Eucharistie rechtmäßig und die Teilnahme an ihr wahrhaftig«. [24] Von eucharistischer Ekklesiologie sprechen bedeutet nicht, daß in der Kirche alles auf die Eucharistie zurückzuführen ist, aber sie bleibt die Quelle und der Höhepunkt des kirchlichen Lebens. In der Tat bekräftigt das II. Vatikanische Konzil: »In der heiligen Liturgie erschöpft sich nicht das ganze Tun der Kirche; denn ehe die Menschen zur Liturgie hintreten können, müssen sie zu Glauben und Bekehrung gerufen werden«.[25]

Der Bereich, wo sich natürlich das kirchliche Leben abspielt, ist die Pfarrei. Sie sollte, entsprechend erneuert und angeregt, der geeignete Ort für die Bildung und den eucharistischen Kult sein, denn - so hat Papst Johannes Paul II. gelehrt, »die Pfarrei ist nämlich eine Gemeinschaft von Getauften, die ihre Identität vor allem durch die Feier des eucharistischen Opfers ausdrücken«.[26] Sie sollte auch die Erfahrung und den Beitrag der neuen Bewegungen und Gemeinschaften nutzen, die unter dem Impuls des Heiligen Geistes die Elemente der christlichen Initiation entsprechend den eigenen Charismen zur Geltung bringen wollen. Sie helfen auf diese Weise vielen Gläubigen, die Schönheit der christlichen Berufung neu zu entdecken, deren Mitte für alle in der Pfarrgemeinde das Sakrament der Eucharistie ist.

14. Der liturgische Ausdruck der katholischen Ekklesiologie findet sich in der Anaphora mittels der sogenannten Diptycha, die an die eucharistische Dimension des Primats des Bischofs von Rom, des Papstes, ähnlich dem des Bischofs der Teilkirche als inneres Element der universalen Kirche erinnern.[27] Es ist die eine Eucharistie, die die Kirche in der Einheit gegen jede Zersplitterung zusammenruft. Die von Christus gewollte eine Kirche verweist immer auf eine Eucharistie, die sich in Gemeinschaft mit dem Apostelkollegium, dessen Haupt der Nachfolger Petri ist, verwirklicht. Der von Christus gewollten eucharistischen Einheit entspricht keinesfalls eine nur quer verlaufende Gemeinschaft zwischen den sogenannten Schwesterkirchen. Ein dem Sakrament innewohnendes Element ist die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri, dem Prinzip der Einheit in der Kirche und Hüter des Charismas der Einheit und Universalität, welches das petrinische Charisma ist. Die kirchliche Einheit offenbart sich also in der sakramentalen und eucharistischen Einheit der Christen.

Die Beziehung zwischen der Eucharistie und den anderen Sakramenten

15. Es besteht eine besondere Beziehung zwischen der Eucharistie und allen anderen Sakramenten. Hier ist einmal zu berücksichtigen, daß gemäß dem Konzil von Trient die Sakramente »die Gnade enthalten, die sie bezeichnen«, und diese kraft des vollzogenen Ritus mitteilen.[28] Zum andern sind alle Sakramente sowie alle kirchlichen Dienste und Apostolatswerke eng mit der heiligen Eucharistie verbunden und auf sie hingeordnet.[29] Deshalb ist das Sakrament der Eucharistie »die Vollkommenheit der Vollkommenheiten«.[30]

Die Beziehung zur Eucharistie betrifft nicht nur die liturgische Feier, sondern vor allem das Wesen eines jeden Sakraments. Das Sakrament der Taufe ist unerläßlich, um in die kirchliche Gemeinschaft einzutreten, die von den anderen Sakramenten bekräftigt wird, indem sie dem Gläubigen »Gnade über Gnade« (Joh 1,16) anbietet. Die grundlegende Beziehung zwischen der Taufe und der Eucharistie als Quelle des christlichen Lebens ist bekannt. In den Kirchen orientalischer Tradition empfängt man mit der Taufe auch die heilige Kommunion, während man in den Kirchen lateinischer Tradition erst nach Erreichung des vernünftigen Alters und nach Empfang der Taufe die heilige Eucharistie empfängt.

Die Antworten auf die Lineamenta empfehlen, den theologischen Zusammenhang zwischen Taufe und Eucharistie als Höhepunkt der Initiation deutlich zu machen, das heißt aber nicht, daß die Taufe immer während der Messe stattfinden soll. Hierzu werden Besorgnisse geäußert wegen der Qualität einer angemessenen Katechese.

16. Es besteht ein theologischer Zusammenhang zwischen der Firmung und der Eucharistie, weil der Heilige Geist den Menschen veranlaßt, an Jesus Christus, den Herrn, zu glauben. Um diesen Zusammenhang zu verdeutlichen, wurde in einigen Teilkirchen wieder die Praxis eingeführt, die Firmung vor der Erstkommunion zu spenden.

Die Eucharistie ist der Höhepunkt eines authentischen Weges der christlichen Initiation. Christliches Leben bedeutet, das von der Firmung belebte Geschenk der Taufe gegenwärtig zu setzen, indem es durch die regelmäßige Teilnahme an der heiligen Messe an den Sonntagen und gebotenen Feiertagen genährt wird.

Zu beachten ist, daß die Spendung der Firmung oft den Priestern übertragen wird, wodurch die Rolle des Bischofs, der ihr ursprünglicher Verwalter ist, in den Hintergrund rückt. So versäumen die Neugefirmten die Gelegenheit, dem Vater und sichtbaren Haupt der Teilkirche zu begegnen.

17. Manche Antworten werfen die Frage auf, welches Alter am geeignetsten sei für den Zugang zum Sakrament in der Kirche lateinischer Tradition, in Anbetracht der guten geistlichen und pastoralen Ergebnisse, die durch die Spendung der heiligen Kommunion im Kindesalter erzielt worden sind. Es ist gut, an das zu erinnern, was Papst Johannes Paul II. in seinem Buch »Auf, laßt uns gehen!« festgestellt[31] und worauf er später hingewiesen hat, das heißt, daß »die Kinder die Gegenwart und die Zukunft der Kirche sind. Sie spielen eine aktive Rolle in der Evangelisierung der Welt, und sie tragen durch ihr Beten dazu bei, sie zu retten und zu verbessern«.[32]

Vorher hat im Bezug auf dasselbe Thema das Dekret Quam singulari den Kindern vom siebten Lebensjahr an den Empfang der Eucharistie erlaubt, weil es als das Alter der Vernunft betrachtet wurde und sie das eucharistische Brot vom allgemeinen Brot unterscheiden konnten, und unter der Voraussetzung der sakramentalen Erstbeichte.[33] Diese Tendenz scheint heute noch nötiger zu sein, weil der Gebrauch der Vernunft wie auch die Gefahren und Versuchungen noch früher eintreten. Mit dieser Praxis wird der Vorrang der Gnade bekannt, die der Kirche große Wohltaten geschenkt hat, indem auch die Priesterberufungen gefördert wurden.

18. Die Beziehung zwischen dem geweihten Amt und der Eucharistie wird gerade in der Meßfeier, die vom Bischof oder Priester in der Person Christi, des Hauptes, geleitet wird, sichtbar. Die Lehre der Kirche macht das geweihte Amt zur unerläßlichen Voraussetzung für die gültige Feier der Eucharistie.

Aus diesem Grund wird lebhaft empfohlen, daß »die priesterliche Funktion des Amtspriestertums in der Feier der Eucharistie hervorgehoben wird, weil es sich vom allgemeinen Priestertum der Gläubigen nicht nur dem Grad nach, sondern im Wesen deutlich unterscheidet«.[34] Deshalb ist die Empfehlung richtig, daß die Priester an der Eucharistie als Zelebranten beteiligt sind und die Funktion ihrer Weihe erfüllen.[35]

19. Es ist bekannt, daß das Sakrament der Ehe in den lateinischen Kirchen gewöhnlich während der Messe gefeiert wird, zum Unterschied dessen, was in den orientalischen Kirchen geschieht.

Wenn die Eheschließung während der Messe gefeiert wird, ist als Vorbild der christlichen Liebe auf die Liebe Jesu Christi hinzuweisen, der die Kirche als seine Braut liebt und sein Leben für sie hingibt. Diese bräutliche Liebe soll auch in den Fällen erwähnt werden, in denen das Ehesakrament außerhalb der Messe gefeiert wird.[36] Denn die Eucharistie bleibt die unversiegbare Quelle der Einheit und der unauflöslichen Liebe der Ehe und wird die Speise der ganzen Familie beim Aufbau ihrer christlichen Gemeinschaft.

20. Die Beziehung zwischen der Eucharistie und der Krankensalbung hat wie alle Sakramente ihren Ursprung in der Person Christi: Er offenbarte in der Sorge um die Kranken den Sinn seiner Sendung, den Menschen zu heilen und zu erlösen.

In den Antworten auf die Lineamenta wird auch empfohlen, den Bezug von Krankensalbung und Eucharistie hauptsächlich als Ermutigung und Hoffnung in der Krankheit und dann erst als letzte Wegzehrung darzustellen. Die außerordentlichen Kommunionhelfer werden eingeladen, sich um die schwerkranken und alten Personen zu kümmern, die an der Eucharistiefeier in der Kirche nicht mehr persönlich teilnehmen können. Zu ihrem Wohl wäre es angemessen, wie einige Antworten empfehlen, die Nutzung der Medien zur Übertragung der heiligen Messen und anderer liturgischer Feiern zu verstärken. Es ist wünschenswert, daß die Fachleute, die diese moderne Technologie verwenden, auch eine entsprechende theologische, pädagogische und kulturelle Bildung haben.

21. Was die Eingliederung der Sakramente in die Messe betrifft, ist diese von den liturgischen Bestimmungen der orientalischen Kirchen nicht vorgesehen, obwohl hie und da Ausnahmen für die Taufe und die Eheschließung bestehen. Im Hinblick auf diese Praxis steht es den einzelnen Kirchen zu, angemessene Bestimmungen zu erlassen.

Für die Teilkirchen des lateinischen Ritus zeigen die Antworten, daß die Eingliederung in unterschiedlicher Weise von Land zu Land entsprechend den Gewohnheiten gehandhabt wird. In manchen Diözesen gibt es Bestimmungen, die die Feier der Sakramente und der Sakramentalien während der Messe regeln, besonders für die gemischten Ehen und die Begräbnisse von nicht praktizierenden Personen.

Die Rituale unterscheiden natürlich den individuellen vom gemeinschaftlichen Ritus wie bei Taufe und Buße. Obwohl in der Pastoral letzterer vorgezogen wird, darf man nicht in eine Art von Gemeinschaftlichkeit verfallen, sei es, weil das Sakrament immer ein Geschenk an eine Einzelperson ist, sei es, weil der Gläubige unter bestimmten Bedingungen das Recht auf die individuelle Spendung des Sakraments hat.

Die enge Verbindung zwischen der Eucharistie und der Buße

22. Das Sakrament der Versöhnung stellt die von der Todsünde unterbrochenen Bande der Gemeinschaft wieder her.[37] Deshalb verdient die Beziehung zwischen der Eucharistie und dem Sakrament der Versöhnung besondere Aufmerksamkeit. Die Antworten zeigen die Notwendigkeit, es im Zusammenhang der Beziehung zwischen Eucharistie und Kirche darzustellen und als Bedingung, um dem Herrn, dem Hochheiligsten, im Geist der Heiligkeit und mit reinem Herzen zu begegnen und ihn anzubeten. Er hat den Aposteln die Füße gewaschen, um auf die Heiligkeit des Geheimnisses hinzuweisen. Die Sünde, so sagt der Apostel Paulus, erzeugt eine Profanierung ähnlich der Prostitution, denn unsere Leiber sind Glieder Christi (vgl. 1 Kor 6,15-17). Der hl. Cesare de Arles sagt: »Jedesmal, wenn wir in die Kirche kommen, ordnen wir unsere Herzen so, wie wir das Gotteshaus finden möchten. Willst du eine glänzende Basilika finden? Dann beflecke dein Herz nicht mit dem Schmutz der Sünde«.[38]

Die Beziehung zwischen Eucharistie und Buße in der heutigen Gesellschaft hängt sehr vom Sinn für die Sünde und vom Sinn für Gott ab. Der Unterschied zwischen gut und böse wird oft subjektiv. Der moderne Mensch, der sich nur auf das Urteil seines eigenen Gewissens verläßt, läuft Gefahr, den Sinn der Sünde umzukehren.

23. Die Antworten auf die Lineamenta, die über die Beziehung zwischen Eucharistie und Versöhnung berichten, sind sehr zahlreich. In vielen Ländern hat man das Bewußtsein der notwendigen Bekehrung vor dem Empfang der Eucharistie verloren oder ist im Begriff, es zu verlieren. Die Verbindung mit der Buße wird nicht immer als die Notwendigkeit verstanden, vor dem Empfang der Kommunion im Stand der Gnade zu sein, so daß die Pflicht vernachlässigt wird, die Todsünden zu beichten.[39]

Auch die Idee der Kommunion als »Wegzehrung« hat dazu geführt, die Notwendigkeit zu unterschätzen, im Stand der Gnade zu sein. Wie aber die Nahrung einen lebendigen und gesunden Organismus voraussetzt, so erfordert die Eucharistie den Stand der Gnade, um das Taufversprechen zu bekräftigen: Man darf nicht im Stand der Todsünde sein, wenn man den empfangen will, der die »Medizin« der Unsterblichkeit und das »Gegenmittel« gegen den Tod ist.[40]

Viele Gläubigen wissen, daß sie mit einer Todsünde nicht die Kommunion empfangen dürfen, aber sie sind sich nicht im klaren darüber, was Todsünde ist. Andere erforschen sich in dieser Hinsicht nicht mehr. So entsteht ein Teufelskreis: »Ich kommuniziere nicht, weil ich nicht gebeichtet habe; ich habe nicht gebeichtet, weil ich keine Sünden begangen habe.« Die Ursachen können verschieden sein, aber ein Hauptgrund ist die mangelnde Katechese in dieser Frage.

Ein anderes sehr verbreitetes Phänomen besteht darin, daß der Zutritt zum Sakrament der Versöhnung nicht durch entsprechende festgelegte Zeiten erleichtert wird. In manchen Ländern wird dem Einzelnen das Bußsakrament nicht gespendet; höchstens zweimal im Jahr wird eine gemeinsame Bußandacht gefeiert, indem man eine Formel zwischen dem vom Ritualbuch vorgesehenen II. und III. Weg findet.

Festzustellen ist gewiß ein großes Mißverhältnis zwischen den vielen Gläubigen, die kommunizieren, und den wenigen, die beichten. Sehr häufig achten die Gläubigen, die die Kommunion empfangen, nicht darauf, ob sie im Stand der Todsünde sind. Nicht selten ist deshalb in manchen Ländern die Zulassung zum Kommunionempfang bei denen, die geschieden und standesamtlich wiederverheiratet sind. Bei den Totenmessen oder bei Hochzeiten und anderen Meßfeiern gehen viele Teilnehmer zur Kommunion, weil die Meinung verbreitet ist, daß die Messe ohne Kommunionempfang nicht gültig sei.

24. Angesichts dieser pastoralen Wirklichkeiten gibt es auch viele ermutigende Antworten. Sie hoffen, den Personen zu helfen, daß diese sich der Bedingungen zum Kommunionempfang und der Notwendigkeit der Buße bewußt werden, weil die Buße nach vorausgegangener Gewissensprüfung das Herz bereitet und von der Sünde reinigt. Zu diesem Zweck scheint es angemessen, daß der Zelebrant auch in der Predigt öfter über den Zusammenhang der beiden Sakramente spricht.

Es wurde der Wunsch ausgesprochen, überall das eucharistische Fasten wieder einzuführen, jene strenge Aufmerksamkeit, die bei den orientalischen Kirchen noch Brauch ist.[41] In der Tat erfordert das Fasten als Selbstbeherrschung die Mitwirkung des Willens und führt zur Reinigung des Sinnes und des Herzens. Der hl. Athanasius sagt: »Willst du wissen, was das Fasten bewirkt? ... Es verjagt die Teufel und befreit von schlechten Gedanken, es erfreut den Sinn und reinigt das Herz«.[42] In der Fastenliturgie wird oft auf die Reinigung des Herzens durch Fasten und Stillschweigen hingewiesen, wie es der hl. Basilius empfiehlt.[43] In manchen Antworten auf die Lineamenta wird die Frage gestellt, ob es nicht angemessen sei, die Pflicht des dreistündigen eucharistischen Fastens wieder einzuführen.

Man lädt dazu ein, sich anzustrengen, um mehr Gelegenheit zur individuellen Versöhnung zu schaffen, indem man auf die Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien am Samstag und Sonntag und in höherem Maße im Advent und in der Fastenzeit zurückgreift. Viel könnte auch in der Predigt und Katechese getan werden, um den Sinn für die Sünde und die Bußpraxis wieder zu wecken und die Schwierigkeiten zu überwinden, die der säkularisierten Mentalität zuzuschreiben sind.

Man hält es für notwendig, die Möglichkeit zur Beichte vor der Messe anzubieten, indem die Zeiten der wirklichen Situation der Bußfertigen angepaßt werden, aber auch während der Eucharistiefeier, wie es das Apostolische Schreiben Misericordia Dei empfiehlt.[44]

Die Priester sollen zur Spendung des Bußsakramentes ermutigt werden und diese als eine bevorzugte Gelegenheit nutzen, Zeichen und Werkzeug der Barmherzigkeit Gottes zu sein. Die Kirche ist den Priestern äußerst dankbar, wenn sie eifrig Beichte hören, um die Gläubigen darauf vorzubereiten, Christus in der Eucharistie zu empfangen und ihm zu begegnen. Anderseits werden die Gläubigen ermutigt, zu beichten, besonders wenn sie den Priester in der Ausübung seines Dienstes im Beichtstuhl sehen, wie es in unseren Tagen die Heiligen Leopold Mandi?, Pio da Pietrelcina und viele heilige Priester bezeugt haben.

Die Beziehung zwischen der Eucharistie und den Gläubigen

25. Die gläubigen Laien, wesentlicher Teil der hierarchisch aufgebauten Gemeinschaft der Kirche, wie es das II. Vatikanische Konzil und andere lehramtliche Dokumente betonen,[45] sind in der heiligen Versammlung zusammengerufen, um an der Eucharistiefeier teilzuhaben.

Die Menschwerdung des göttlichen Wortes, in dem sich Gott, der Vater, sichtbar gemacht hat, hat den geistlichen Kult vernunftgemäß eingeführt, der im Heiligen Geist vollzogen wird; der Kult darf kein »angelerntes menschliches Gebot« (Jes 29,13) mehr sein. Der christliche Kult hat eine christologische und anthropologische Implikation. Deshalb besteht die Teilhabe der Gläubigen an der Liturgie und vor allem an der Eucharistiefeier hauptsächlich darin, in diesen Kult einzutreten, in dem Gott zum Menschen herabsteigt und der Mensch zu Gott emporsteigt. Die Eucharistie, das Gedächtnis des Sohnes, ist der Kult der Anbetung, der im Geist zum Vater aufsteigt. Das ist das Fundament der vom II. Vatikanischen Konzil gewollten liturgischen Erneuerung.

Vielfach wird festgestellt, daß die Teilnahme oft auf die äußeren Aspekte reduziert ist. Nicht alle erfassen ihren wahren Sinn, der aus dem Glauben an Jesus, den Sohn Gottes, erwächst. Die Teilhabe an der Eucharistie wird zu Recht als ein vorrangiger Akt des Lebens der Kirche angesehen, als Gemeinschaft mit dem Leben der Dreifaltigkeit, mit dem Vater, der der Ursprung jeden Geschenkes ist, mit dem Mensch gewordenen und auferstandenen Sohn und mit dem Heiligen Geist, der die Verwandlung und Vergöttlichung des menschlichen Lebens bewirkt.

Die Antworten auf die Lineamenta stimmen in der Feststellung überein, daß es notwendig ist, den Gläubigen zu helfen, das Wesen der Eucharistie und die Verbindung mit der Menschwerdung des Wortes zu erfassen, um an dem eucharistischen Geheimnis mit Herz und Sinn, vor jedem äußeren Akt, teilzuhaben, indem man vor allem sich selbst darbringt. In dieser Hinsicht wird empfohlen, die bräutliche Beziehung der Eucharistie und des neuen Bundes als Modell der Berufungen der Christen darzustellen: Ehe, Jungfräulichkeit, Priestertum. Das alles hat zum Ziel, eucharistische Personen und Gemeinschaften zu bilden, die glauben, lieben und dienen wie Jesus in der Eucharistie.

26. Außerdem wäre es gut, die schon vorhandenen Kommunikationsmittel zu verstärken, vor allem um die Teilnahme jener Gläubigen zu erleichtern, die aus verschiedenen Gründen verhindert sind, persönlich in der Kirche an den Eucharistiefeiern teilzunehmen, wie das II. Vatikanische Konzil empfiehlt.[46] Es gibt Vorschläge, die die Medien des Heiligen Stuhls betreffen, die mit bestmöglicher Synergie imstande sein sollen, rechtzeitig und sachkundig der universalen Kirche angemessene Dienste zu leisten und rasch auf die Verbreitung antichristlicher Prinzipien zu reagieren. In diesem Werk sollten alle katholisch inspirierten Kommunikationsmittel eine große Rolle spielen. Ihre Verstärkung ist dringend notwendig, um die christliche Botschaft in ausgewogener und positiver Weise anzubieten und um die Gewissen der gutwilligen Menschen über ethische und moralische Themen zu erleuchten, die für das Leben der Kirche und der Gesellschaft außerordentlich wichtig sind.

Schatten über der Feier der Eucharistie

27. Durch die Schatten über der Eucharistiefeier, die auch aus den Antworten auf die Lineamenta hervorgehen, wird die kirchliche Gemeinschaft schwer gestört und verletzt. Das Thema, das schon von Johannes Paul II. in der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia behandelt wurde,[47] und im einzelnen in der Instruktion der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Redemptionis Sacramentum, erläutert wird,[48] ist eine Einladung, einen aufmerksamen und ausgewogenen, aber nicht unkritischen Blick darauf zu werfen, wie die Kirche dieses Sakrament feiert, das die Quelle und der Höhepunkt ihres Lebens und ihrer Sendung ist. Gerade die Tatsache, daß diese Einladung in diesem geschichtlichen Augenblick gemacht wird, während sich die Kirche immer stärker in den Dialog mit den Religionen und mit der Welt engagiert, ist nichts anderes als eine providentielle Inspiration des Nachfolgers Petri, die zu verstehen gegeben hat, daß die Kirche notwendigerweise immer auf sich selbst schauen muß, wenn sie mit den Gesprächspartnern bessere Beziehungen aufbauen will, ohne daß sie die eigene Identität als universales Heilssakrament verliert.

Im vorliegenden Text werden mehrere Schatten gemeldet, die aus der Analyse der Antworten auf die Lineamenta hervorgehen. Solche Schatten sollten nicht nur als reine Überschreitungen der liturgischen Rubriken und Praktiken betrachtet werden, sondern als Ausdruck der inneren Haltung.

Festzustellen ist eine Verringerung der Teilnahme an der Feier des Dies Domini, des Tags des Herrn, am Sonntag und an den gebotenen Feiertagen auf Grund einer mangelnden Kenntnis des Inhalts und der Bedeutung des eucharistischen Geheimnisses, auf Grund von Gleichgültigkeit, insbesondere in den stark säkularisierten Ländern, wo sich der Sonntag nicht selten auch in einen Arbeitstag verwandelt.

Verbreitet ist die Meinung, daß die Gemeinschaft die Gegenwart Christi bewirkt, und nicht daß Christus die Quelle und der Mittelpunkt unserer Gemeinschaft und das Haupt seines Leibes, der Kirche, ist.

Der Sinn für das Heilige im Bezug auf dieses große Sakrament verändert sich; es ist die Auswirkung einer Entkräftigung des Gebets, der Betrachtung und der Anbetung des eucharistischen Geheimnisses.

Man läuft Gefahr, die Wahrheit des katholischen Dogmas der Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi abzuschwächen, die traditionsgemäß als Transsubstantiation bezeichnet wird, und in der Folge die Wahrheit der Realpräsenz Christi in der Eucharistie; dies geschieht im Zusammenhang von Ideen, die das eucharistische Mysterium nicht so sehr in sich selbst, sondern mehr in der Perspektive des Subjekts zu erklären suchen, mit dem es in Beziehung tritt; zum Beispiel durch Bezeichnungen wie Transfinalisation und Transsignifikation. Festzustellen ist eine Inkohärenz zwischen dem im Sakrament bekannten Glauben und der moralischen Dimension, sei es in der Privatsphäre, sei es im Bereich des kulturellen und sozialen Lebens.

Die Dokumente der Kirche und insbesondere des II. Vatikanischen Konzils sind kaum bekannt, so die großen Enzykliken über die Eucharistie, wie Ecclesia de Eucharistia, das Apostolische Schreiben Mane nobiscum Domine u.a. Es fehlt die rechte Ausgewogenheit in der Feier; das geschieht durch einen passiven Ritualismus oder eine übertriebene Kreativität, die manchmal so weit geht, daß der Zelebrant der Eucharistie die Hauptrolle spielt, nicht selten sehr redselig ist, zu viel und zu lange kommentiert und das Mysterium durch den Ritus und die Formeln der Liturgie nicht sprechen läßt.


II. TEIL

DER GLAUBE DER KIRCHE AN
DAS GEHEIMNIS DER EUCHARISTIE

I. Kapitel

Die Eucharistie ein Geschenk Gottes an sein Volk
»Geheimnis des Glaubens«

Die Eucharistie Geheimnis des Glaubens

28. Mit diesen Worten verkündet der Priester, der der Eucharistie vorsteht, mit Staunen den Glauben der Kirche an den auferstandenen Herrn, der wirklich gegenwärtig ist unter den Gestalten von Brot und Wein, die kraft der Gnade des Heiligen Geistes in den Leib und in das Blut des Herrn Jesus verwandelt wurden.

Bekanntlich beharrte das konziliare Lehramt auf der Eucharistie als Mitte und Herz des Lebens der Kirche und vor allem als Geheimnis des Glaubens, als Plan Gottes, der in Jesus Christus offenbar wurde. Gott, der sich uns schenkt, der mit uns ist, ist ein Geschenk und Geheimnis von unaussprechlichem Reichtum, ein Geschenk und Geheimnis, das es ständig neu zu entdecken gilt. Das Mysterium fidei ist Gott, der sich uns schenkt, Er, der Erste, der Letzte und der Lebendige, der in die Zeit eingetreten ist. Der Herr Jesus ist wahrhaftig Mensch und wahrhaftig Gott unter uns. Er ist der Gottessohn und der Menschensohn.

Ein bekannter Text des II. Vatikanischen Konzils beantwortet die Frage über Glauben und Geheimnis: »Tatsächlich klärt sich nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf. Christus ... macht eben in der Offenbarung des Geheimnisses des Vaters und seiner Liebe dem Menschen den Menschen selbst voll kund und erschließt ihm seine höchste Berufung«.[49]

Das Wort Geheimnis wird dreimal wiederholt, so daß die Wahrheit über Christus und die Wahrheit über den Menschen verdichtet wird. Das Geheimnis des Wortes, das Geheimnis des Vaters und das Geheimnis des Menschen bleiben kein unlösliches Rätsel, sondern finden Antwort in Jesus Christus, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Er, der wirklich »einer von uns« geworden ist und sich »in gewisser Wiese mit jedem Menschen vereinigt« hat,[50] hat jedem, der es wünscht, erlaubt, den Weg zu finden, der zum Vollsinn des Daseins führt. Er hat sich dem Menschlichen nicht entfremdet, sondern die Wahrheit der Schöpfung zur Vollendung geführt, denn »mit Menschenhänden hat er gearbeitet, mit menschlichem Geist gedacht, mit einem menschlichen Willen hat er gehandelt, mit einem menschlichen Herzen geliebt«.[51] Johannes Paul II. hatte diesen Text in seiner ersten Enzyklika Redemptor hominis aufgegriffen ,[52] gleichsam um ihn zum Programm der Kirche zu machen, die berufen ist, aus der Wahrheit über Christus die Wahrheit über den Menschen abzuleiten, die sich im Evangelium findet.

29. Das Faktum und Geheimnis der Menschwerdung, des Todes und der Auferstehung Jesu Christi, des Herrn, das dem Menschen erlaubt, am göttlichen Leben teilzuhaben, ist in der Eucharistie, dem Brot des ewigen Lebens, gegenwärtig, weil es die Kraft mit sich bringt, den Tod zu besiegen. »Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag« (Joh 6,54). Die Auferstehung ist deshalb die ständige Quelle der Sinngebung, die der Menschheit angeboten wird.

Die Eucharistie steht also im Mittelpunkt der Botschaft, die den Christen in der Welt seit zweitausend Jahren verkündet wird, d.h., daß der gekreuzigte Jesus, der tot war, zum Leben zurückgekehrt ist, und daß wir seine Zeugen sind (vgl. 1 Kor 15,3-5).

Die Eucharistie verkündet den Tod Christi, dessen Dramatik alle verstehen können. Aber sie verkündet auch seine Auferstehung, die den Glauben und die Öffnung erfordert, Gott in unser Dasein aufzunehmen. Der Glaube ist der neue Lebensstil, der aus der Eucharistie erwächst und in sich selbst den letzten und endgültigen Sinn der Erwartung der Wiederkunft des Herrn in sich hat.

Ohne Glauben kann man Eucharistie weder feiern noch leben, wie die in den Pastoralplänen so verbreitete Dreiheit Glaube, Liturgie und Leben ausdrückt. Ohne Glauben ist aktive Teilnahme an der Liturgie kein Thema.

Eucharistie - neuer und ewiger Bund

30. Der Katechismus der Katholischen Kirche schreibt unter Hinweis auf den hl. Irenäus: »Die Eucharistie ist also der Inbegriff und die Summe unseres Glaubens: »Unsere Denkweise stimmt mit der Eucharistie überein, und die Eucharistie wiederum bestätigt unsere Denkweise«.[53] Sieht man hier nicht den Bund mit Gott, den der Mensch zum Leben braucht, den Bund des Glaubens, verwirklicht? »Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht« (Jes 7,9b), spricht der Herr. Die Eucharistie ist der neue und ewige Bund, der Pakt und das Testament, das Jesus im Sakrament seines Leibes und seines Blutes hinterlassen hat.

Denn in ihr drückt die ganze Kirche ihren Glauben aus: Nachdem das Wort Gottes gehört wurde, bekennt man den Glauben an das eucharistische Geheimnis, die Offenbarung und das Geschenk Gottes in Jesus, der die Christen zur vollen und vollkommenen Selbsthingabe anspornt. Besonders in der Eucharistie bedeutet der Glaube, Jesus Christus zu erkennen und aufzunehmen wie in einer Begegnung, in der die Person des Gläubigen voll einbezogen ist, nach Marias Vorbild, dem Modell eines voll verwirklichten Glaubens.

Glaube und Feier der Eucharistie

31. Die Antworten auf die Lineamenta stellen auch die Eigenschaften des Glaubens als notwendige Bedingungen, die Eucharistie zu feiern, ins Licht. In ihr tut sich der Primat der Gnade Gottes kund, das heißt der Glaube, daß Gott immer der Ursprung von allem ist, und daß er uns sein geheimnisvolles Handeln im Sakrament für die Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu und für unsere Heiligung durch das Geschenk des Heiligen Geistes aufnehmen läßt. Wenn man zur eucharistischen Liturgie geht, ohne an die Gnade zu glauben und man sich nicht einmal wünscht, im Stand der Gnade zu sein, gibt es keine Teilhabe an der Anbetung im Geist und in der Wahrheit.

In der Eucharistie wird die Wahrheit des Wortes Gottes verkündet, die sich in Jesus, dem fleischgewordenen Wort, geoffenbart hat, der die letzte Vollendung der menschlichen Geschichte schon in sich trägt. Wenn man mit Zweifel anstatt mit Zustimmung zur Wahrheit an der Liturgie der Eucharistie teilnehmen will, besteht keine wahre Teilhabe. Das Geschenk der Freiheit, das der Schöpfer dem Geschöpf gemacht hat, bewirkt, daß der Glaube ein freier Akt der Zustimmung zur Person Jesu, dem Weg, der Wahrheit und dem Leben (vgl. Joh 14,6), ist. In der Liturgie der Eucharistie macht er sich bekannt, bleibt aber zugleich verborgen, um die Vernunft und den Verstand des Gläubigen anzuregen, ihn ständig zu suchen, um ihn im Leben zu finden, d.h., daß er gegenwärtig ist. Das ist das Wirken des Geheimnisses, in das die Liturgie immer tiefer eindringt. Die Väter nannten es Mystagogik.

Die Liebe verwirklicht und vollendet den Glauben, wie die Apostel Jakobus und Paulus schreiben (vgl. Jk 2,14 ff; Röm 13,10; Gal 5,6). Der Glaube wandelt das Herz des Gläubigen, er bekehrt es und öffnet es für die Liebe. Glaube, Hoffnung und Liebe begründen das Christsein. Die Eucharistie ist das Sakrament der Liebe, das den Menschen für die Liebe öffnet und ihn seinen Ursprung und seine Daseinsberechtigung finden läßt. Ohne Agape gibt es kein Leben im Heiligen Geist.

Alle diese Eigenschaften führen die Teilhabe so weit, daß man den Willen Gottes im Höchstmaß tun will, wie im Vaterunser gebetet wird, im Hinblick auf die Fülle der Gemeinschaft. Gewiß kann man an der Messe auch teilnehmen, obwohl man die Bedingungen nicht erfüllt hat, um zur Kommunion gehen zu können, aber man muß immer den Wunsch und den Willen haben, sie möglichst bald zu erfüllen.

Persönlicher und kirchlicher Glaube

32. Die Gemeinschaft mit Christus und mit der Kirche macht offenbar, daß die persönliche Dimension des Glaubens ständig die kirchliche Dimension anstrebt, so wie es die Liturgie vom Glaubensbekenntnis in der Taufe tut. Deshalb gibt es ohne Taufe keinen Zutritt zur Eucharistie, die den Glauben voraussetzt. Hat man also durch die Sünde die Taufgnade verloren, bedarf es der »mühsamen Taufe«, der Buße, um zur Eucharistie zurückkehren zu können.

Vor der Eucharistie wird das Glaubensbekenntnis erneuert, das unerläßliche Band, das die Gemeinschaft jeder Teilkirche mit allen anderen in der Welt verstreuten Ortskirchen und zuerst mit der Kirche von Rom und ihrem Bischof, dem notwendigen Prinzip der Einheit, bezeugt. Das gleiche tut man in der Anaphora, wenn man die Dypticha verkündet. Wir bekunden in der Eucharistie den persönlichen und den kirchlichen Glauben.

Die Teilhabe an der Eucharistie schärft den Verstand für das Geheimnis, das in den Menschen und in sein Leben einbricht und dem Christen erlaubt, seinen Glauben gegen irrige und mangelhafte Auslegungen zu schützen. Nicht zufällig ist die Liturgie integrierender Bestandteil des Glaubensweges, der das ganze Leben hindurch dauert.

Den Vollsinn des Glaubens erfaßt man vor allem im Zeugnis der Märtyrer, die den ihnen um des Glaubens willen auferlegten Tod frei angenommen haben, oft während oder gleich nach der Eucharistiefeier. Sie waren fest überzeugt, in der Wahrheit zu sein und das Leben zu haben, indem sie Christus nachfolgen, der sich freiwillig geopfert und in der Eucharistie das Gedächtnis seines Opfertodes hinterlassen hat. Im Martyrium wird sie tatsächlich in höchster Weise als fons et culmen des Lebens und der Sendung der Kirche offenbar, wie es in vielen Kirchen geschieht, die offen oder heimlich verfolgt werden.

Wahrnehmung des eucharistischen Geheimnisses unter den Gläubigen

33. Aus den Antworten auf die Lineamenta geht im allgemeinen eine gewisse Verringerung der Wahrnehmung des gefeierten Geheimnisses hervor. Nicht immer wird das Geschenk und das Geheimnis der Eucharistie voll wahrgenommen. Aber es gibt unterschiedliche Nuancen entsprechend den verschiedenen kulturellen Kontexten. In den meisten westlichen Ländern, wo im allgemeinen eine Atmosphäre des Friedens und Wohlstandes herrscht, wird z.B. das eucharistische Geheimnis von vielen als eine Erfüllung des Sonntagsgebotes betrachtet und als ein brüderliches Mahl angesehen. In den Ländern mit Krieg und schwierigen Lebensbedingungen hingegen ist ein vertieftes Verständnis des eucharistischen Geheimnisses in seiner Ganzheit, das heißt auch in der Dimension des Opfers, festzustellen. Das auf dem Altar unblutig gefeierte Ostergeheimnis gibt in solchen Ländern den Leiden der katholischen Christen einen sehr tiefen geistlichen Sinn und hilft ihnen, diese durch die Teilhabe am Geheimnis des Todes und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus anzunehmen.

In einigen Antworten, die von der Kirche, die in Afrika lebt, kommen, wird auf die Tatsache hingewiesen, daß der Opfergedanke Teil der Kulturen dieses Erdteils ist und daß diese Auffassung, nachdem sie von den Elementen, die dem Evangelium fremd sind, gereinigt und erhoben wurde, oft in der Pastoral und Katechese verwendet wird, um die Eucharistie als Opfer verständlicher zu machen.

In der Katechese zeigt sich die Schwierigkeit, Eucharistie als Opfer und Mahl beizubehalten, weil man oft den Akzent auf letzteren Aspekt legt.

Um diese pastoralen Situationen zu bewältigen, wünschen viele Antworten auf die Lineamenta eine wirksame und getreue Anwendung der Liturgiereform, die das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Dimensionen der Eucharistie wieder herstellt. Wenn nötig, könnte man an eine Änderung der liturgischen Normen denken. Zugleich wird empfohlen, eine angemessene Katechese auf allen Ebenen zu fördern, um noch verständlicher zu machen, daß sich in der Eucharistie das Ostergeheimnis erneuert und daß sie das Opfer des Lobes und der Gemeinschaft ist, das die Gemeinschaft wachsen läßt.

Sinn für das Heilige in der Eucharistie

34. Zweifellos hat die im Geist des II. Vatikanischen Konzil durchgeführte Liturgiereform große Auswirkungen gehabt. Denn die nachkonziliare Liturgie hat die aktive, bewußte und fruchtbringende Teilhabe der Gläubigem am heiligen Opfer des Altares sehr gefördert.[54]

Dennoch wurden in den Antworten, die aus vielen Nationen eingesandt wurden, sowohl vom Klerus als auch von den Gläubigen Mängel und Schatten in der Praxis der Eucharistiefeier gemeldet, die ihren Ursprung in einem geschwächten Sinn für das Heilige im Bezug auf das Sakrament haben. Geschützt wird dieser Sinn im Grunde von dem Bewußtsein, daß die Eucharistie ein Geheimnis und ein Geschenk ist, deren Gedächtnis Zeichen und Worte erfordert, die dem sakramentalen Wesen entsprechen.

Oft werden in den Antworten auf die Lineamenta gemeldet, die den Sinn für das Heilige gefährden. Zum Beispiel: die Nachlässigkeit in der Verwendung des eigenen liturgischen Schmuckes seitens des Zelebranten und der Priester sowie die mangelnde schickliche Kleidung der Teilnehmer an der Messe; die Ähnlichkeit bestimmter in der Kirche verwendeter Lieder mit den profanen Liedern; die schweigende Zustimmung, einige liturgische Gesten auszulassen, weil sie für altmodisch gelten, wie die Kniebeuge vor dem Allerheiligsten Sakrament; eine unangemessene Kommunionausteilung in die Hand, ohne eine entsprechende Katechese; wenig ehrerbietige Haltungen vor, während und nach der Feier der heiligen Messe, nicht nur von seiten der Laien, sondern auch von seiten des Zelebranten selbst; die schlechte architektonische und künstlerische Qualität der Gotteshäuser und der sakralen Einrichtungsgegenstände; Fälle von Synkretismus aufgrund einer leichtsinnigen Inkulturation der liturgischen Formen, die mit Elementen anderer Religionen gemischt werden.

Alle diese negativen Wirklichkeiten, die in der lateinischen Liturgie häufiger auftreten als in den orientalischen Liturgien, sollen keine falsche Panik verursachen, weil sie begrenzt sind. Aber sie müssen zu einem ehrlichen und eingehenden Nachdenken führen mit dem Ziel, sie zu beseitigen und zu veranlassen, daß die eucharistischen Liturgien Orte des Lobes, des Gebets, der Gemeinschaft, des Hörens, der Stille und der Anbetung werden unter Achtung des Geheimnisses Gottes, der sich in Christus unter Brot und Wein offenbart, und in der respektvollen Freude, sich als Glieder einer Gemeinschaft von Gläubigen zu fühlen, die mit Gott dem Vater in der Gnade des Heiligen Geistes versöhnt sind. Die Eucharistie ist der heiligste und höchste Punkt des Gebets. Sie ist ein großes Gebet.


II. Kapitel

Ostergeheimnis und Eucharistie

»Sooft ihr von diesem Brot eßt und aus dem Kelch trinkt,
verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt«
(1Kor 11,26)

Zentralität des Ostergeheimnisses

35. In jeder Eucharistiefeier erneuert sich das Ostergeheimnis des Todes und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, Brot, das gebrochen wird für das Leben der Welt, und Blut, das für die Erlösung der Menschen und die Befreiung des Kosmos vergossen wird (vgl. Röm 8,19-23).

Das synodale Thema soll das Ostergeheimnis Jesu als Geheimnis der Erlösung, aus dem das Leben und die Sendung der Kirche fließt, neu entdecken lassen. Die Eucharistie erweist sich als das Geschenk: Der Herr schenkt sich selbst, er ist der Gott mit uns. Die Eucharistie ist seine Person und sein Leben für uns. Durch die Eucharistie übt der Herr die priesterliche, die prophetische und die königliche Sendung aus.

»Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen« (Lk 24,34), sagten die Apostel und die Jünger. Paulus mahnt Timotheus: »Denk daran, daß Jesus Christus ... von den Toten auferstanden ist« (2 Tim 2,8). Gerade im Bezug auf das apostolische Zeugnis bemerkt Johannes Chrysostomus: »Deshalb ist klar: Wenn sie ihn nicht als Auferstandenen gesehen hätten, und wenn sie nicht einen unwiderlegbaren Beweis seiner Macht gehabt hätten, dann hätten sie sich nicht einer so großen Gefahr ausgesetzt«.[55]

Der Mensch kann in gewissem Sinn alles wollen, aber Macht hat er nur über das, was er konkret verwirklicht. Der Tod und seine Anzeichen wie Krankheit und Leiden zeigen die Grenze, die der Entscheidungsfreiheit des Menschen gesetzt ist. Durch seine Auferstehung legt Jesus in die Geschichte der Menschheit den Keim der endgültigen Hoffnung: den Sieg über den Tod. Das ist schließlich der Höhepunkt der Offenbarung, die er vollbringt. Der Tod ist besiegt, einmal, weil die Sünde getilgt und der Mensch mit Gott versöhnt wurde; zweitens, weil das Leben wiederhergestellt ist und jedem, der an Christus glaubt, in Ewigkeit gegeben wird. Das konkrete Zeichen dieser Hoffnung bietet unser Herr Jesus, indem er die Kirche als seinen mystischen Leib will. Denn die Gläubigen sind mit Christus gestorben und auferstanden (vgl. Röm 6,1-11).

Benennungen der Eucharistie

36. Zum Verständnis des christlichen Kultes ist es notwendig, die Benennungen der Eucharistie zu erklären und ihren Inhalt zu vertiefen.

Der Katechismus der Katholischen Kirche zählt die Namen auf, mit denen dieses Sakrament bezeichnet wurde: Zunächst Eucharistie,[56] dann Mahl des Herrn als Gedächtnis des von ihm gefeierten Abendmahls und als Vorwegnahme des Hochzeitsmahles des Lammes im himmlischen Jerusalem; Brechen des Brotes, ein Ritus, der das gemeinschaftliche Teilen unterstreicht, wo alle einen einzigen Leib bilden, und auf dem die synaxis oder eucharistische Versammlung gründet, in der die Kirche sichtbar zum Ausdruck kommt; Gedächtnis des Leidens und der Auferstehung des Herrn; heiliges Opfer, denn es vergegenwärtigt das einzigartige Opfer Christi, des Erlösers; heilige und göttliche Liturgie, heilige Mysterien, heiligstes Sakrament, Kommunion, Heilige Dinge, Arznei der Unsterblichkeit, Wegzehrung, heilige Messe, welche die missionarische Dimension unterstreicht.

Für eine vollständige Katechese, die die Voraussetzung zu einer wirklich bewußten Teilhabe an der Liturgie bildet, ist es äußerst wichtig, die Bedeutung aller dieser Benennungen ohne Ausnahme zu erklären bzw. verständlich zu machen.

Opfer, Gedächtnis und Mahl

37. In den Antworten und in den Bemerkungen zu den Lineamenta wird häufig gefordert, den Opfercharakter der Eucharistie zu vertiefen, und man bittet darum, diese Wahrheit unseres Glaubens noch klarer, dem jüngsten Lehramt der Kirche folgend, darzustellen.

Schon das II. Vatikanische Konzil hat das theologische Nachdenken über den Sinn des Opfertodes Jesu als vollkommene, freie und ungeschuldete Opfergabe an den Gott, den Vater, für das Heil der Welt gefördert. Unter den vielen Texten, die diesen Aspekt behandeln, verdient der Text aus der dogmatischen Konstitution Lumen gentium, der die Ausübung des Amtspriestertums betrifft, besondere Aufmerksamkeit: Die Priester »üben ihr heiliges Amt in der eucharistischen Feier oder Versammlung aus, wobei sie in der Person Christi handeln und sein Mysterium verkünden, die Gebete der Gläubigen mit dem Opfer ihres Hauptes vereinigen und das einzige Opfer des Neuen Bundes, das Opfer Christi nämlich, der sich ein für allemal dem Vater als unbefleckte Gabe dargebracht hat (vgl. Hebr 9,11-28), im Meßopfer bis zur Wiederkunft des Herrn (1 Kor 11,26) vergegenwärtigen und zuwenden.«[57]

Im Katechismus der Katholischen Kirche [58] heißt ein Titel: Das sakramentale Opfer: Danksagung, Gedächtnis, Gegenwart, dem zu entnehmen ist, daß der bevorzugte Name, der alle anderen einschließt, sakramentales Opfer lautet, das heißt, die Tatsache des Todes Christi, der uns durch seinen Opfertod, dessen Wirksamkeit im Sakrament jedem Menschen zur Verfügung steht, erlöst hat. Die Danksagung wird also für sein Opfer gebracht, für das Gedächtnis seines Opfertodes, für die Gegenwart seines Opfers im Leib, der hingegeben und im Blut, das vergossen wurde. Die Danksagung gilt Gott für die Erschaffung und die Erlösung der Welt.

In dieser Betrachtungsweise der Eucharistie wird die Dialektik zwischen Opfer und Mahl überwunden. Denn wenn man den zweiten Terminus als Synonym für Abendmahl versteht, schließt er den Opfertod mit ein, weil es sich um das Mahl des geopferten Lammes handelt; wenn man ihn als Synonym für Gemeinschaft versteht, verweist er auf das Ziel oder den Höhepunkt der Eucharistie.

Die Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, die das eucharistische Opfer behandelt,[59] lehrt, daß die Kirche das Opfer Christi auch in Form der Fürbitte darbringt, weil der Sohn sich in seinem Leib geopfert hat und so Mittler zwischen dem Menschen und dem Vater ist. Die Kirche Christi ist mit diesem Opfer in der Anaphora oder dem Eucharistischen Hochgebet vereint. Dieses wenn auch unblutige Opfer ist nicht neu, sondern es ist das gleiche wie das am Kreuz vollbrachte Opfer. In diesem Sinn wird der Hinweis der Enzyklika verständlich: »Die Messe macht das Opfer des Kreuzes gegenwärtig, sie fügt ihm nichts hinzu und vervielfältigt es auch nicht«.[60] Die Versicherung, daß das auf Grund der Opferliebe des Herrn geschieht, dient dazu, das in der Enzyklika Gesagte zu wiederholen.

Konsekration

38. Die Menschwerdung, der Tod und die Auferstehung, die Himmelfahrt und Pfingsten sind Ereignisse, die wirklich stattgefunden haben und zu verstehen geben, daß die ständige und substantielle Gegenwart des Herrn im Sakrament nicht typologisch oder metaphorisch ist. Wenn das Sakrament hingegen nur als ein Symbol für die Gegenwart Christi dargestellt wird, dann bezweifelt man, daß Gott in materielle Wirklichkeiten eingreifen kann. Versetzt man sich nun in den Kontext der anderen Weisen des Gegenwärtig-Seins, dann läßt das Ostergeheimnis die Natur der eucharistischen Gegenwart erfassen, die von der Verwandlung der Gestalten gegeben ist, das heißt die Transsubstantiation. Das Brot wird hingegebener Leib, gebrochen zu unserem Heil: Corpus Christi salva me - Leib Christi erlöse mich; der Wein wird vergossenes Blut, überfließend von göttlicher Köstlichkeit: Sanguis Christi, inebria me - Blut Christi tränke mich.[61] Die Überwindung der Distanz zwischen der Armut der sakramentalen Gestalten und Jesus Christus, der sich wirklich und substantiell schenkt, erlaubt der Eucharistie, den Samen der neuen Geschichte in die Welt einzusenken.[62] Das Ostergeheimnis bekräftigt die Nachsicht Gottes und die kenosi des Sohnes, indem es die absolute Transzendenz der Dreifaltigkeit bleibt.

Jesu Worte: »Nehmet und eßet«, bezeichnen vor allem, daß er sich uns schenkt. An zweiter Stelle bedeuten sie das brüderliche Mahl, die Tischgemeinschaft, die Einheit der Gemeinschaft der Kirche, die Verpflichtung, das Brot mit dem zu teilen, der keines hat. Daraus entspringt die Anbetung, das heißt das ständige Wiedererkennen des Herrn, der den Weg des Volkes Gottes begleitet.

Die Transsubstantiation ereignet sich in der Konsekration von Brot und Wein. In dieser Hinsicht wird in den Antworten die Erklärung der Theologie der Konsekration im Licht der kirchlichen Traditionen des Ostens und des Westens empfohlen, besonders die Konsekration als Nachfolge des Herrn in dem, was er beim letzten Abendmahl getan und befohlen hat, und die Anrufung des Heiligen Geistes in der Epiklese. Eine verständlichere Theologie der Konsekration dürfte von großem Nutzen sein, nicht nur für den ökumenischen Dialog mit den orientalischen Kirchen, mit denen noch keine volle Einheit besteht, sondern auch für die Beseitigung mancher Schatten, die von den Antworten auf die Lineamenta vorgebracht wurden, wie zum Beispiel die Verwendung von Hostien, die mit Hefe und anderen Zutaten hergestellt werden; die Feier mit gewöhnlichem Brot; das Improvisieren des Eucharistischen Hochgebetes, das ganz oder teilweise auf Wunsch des Zelebranten vom Volk mitgesprochen wird; die fractio panis im Augenblick der Konsekration.

Wirkliche Gegenwart

39. Die Gegenwart des Herrn im Sakrament ist von ihm selbst gewollt, um dem Menschen nahe zu sein und ihn mit seinem Selbst zu nähren und so in der kirchlichen Gemeinschaft zu bleiben. Die Antwort des Menschen ist der Glaube an die wirkliche und substantielle Gegenwart, wie in manchen Antworten auf Grund der Enzykliken Ecclesia de Eucharistia und Mysterium fidei betont wird. Mit dem Glauben an die Gegenwart Christi im Sakrament werden die anderen Aspekte verbunden: der Sinn für das Geheimnis und die Haltungen, die ihn ausdrücken, der Ort des Tabernakels, die würdevolle Feier, die eschatologische Bedeutung oder das Sakrament als Unterpfand der Herrlichkeit: Denn es ist auch Vorwegnahme der letzten und ewigen Wirklichkeit auf dem Pilgerweg zum Haus des himmlischen Vaters, wie es zum Beispiel durch die bräutliche Erwartung der geweihten Personen zum Ausdruck kommt.

Johannes Paul II. erklärte im Apostolischen Schreiben Mane nobiscum Domine zum Jahr der Eucharistie diese Glaubenssynthese der Gegenwart Christi, der in seiner Kirche lebt: »Diese Dimensionen der Eucharistie verdichten sich in einem Aspekt, der mehr als alle anderen unseren Glauben auf die Probe stellt: das Geheimnis der -Realpräsenz-. Mit der Gesamttradition der Kirche glauben wir, daß unter den eucharistischen Gestalten Jesus wirklich gegenwärtig ist. Es handelt sich um eine Gegenwart, die - wie Papst Paul VI. vortrefflich erklärte - 'wirklich' genannt wird nicht im ausschließlichen Sinn, als ob die anderen Formen der Gegenwart nicht wirklich wären, sondern hervorhebend, denn kraft der Realpräsenz wird der ganze und vollständige Christus in der Wirklichkeit seines Leibes und seines Blutes substantiell gegenwärtig. Deswegen verlangt der Glaube von uns, vor der Eucharistie zu stehen im Bewußtsein, vor Christus selbst zu stehen. Gerade seine Gegenwart verleiht den übrigen Dimensionen - des Gastmahls, des Pascha-Gedächtnisses, der eschatologischen Vorwegnahme - eine Bedeutung, die weit über einen reinen Symbolismus hinausgeht. Die Eucharistie ist das Geheimnis der Gegenwart, durch das sich die Verheißung Christi, immer bei uns zu sein bis ans Ende der Welt, auf höchste Weise verwirklicht«.[63]

Dieses Zitat bekräftigt die Lehraussage, die von vielen Antworten auf die Lineamenta hervorgehoben wird: Er, der im Sakrament verborgen ist, ist der erhabene Mittler zwischen Gott und dem Menschen, der ewige Hohepriester, der göttliche Lehrer, der Richter der Lebenden und der Toten, der Gottmensch, das fleischgewordene Wort, er, der alle Gläubigen auf geheimnisvolle Weise in der großen Gemeinschaft der Kirche zusammenhält. So zeigt er sich in der Messe.

40. Aber aus manchen Antworten auf die Lineamenta geht hervor, daß Erklärungen verbreitet werden, die der Transsubstantiation und der Realpräsenz - verstanden nur im symbolischen Sinn - entgegenstehen, und Verhaltensweisen werden beobachtet, die implizit diese Überzeugung offenbaren. Viele merken in ihren Antworten an, daß einige sich in der Liturgie scheinbar wie Animatoren verhalten, die die Aufmerksamkeit des Publikums auf ihre Person lenken müssen, anstatt daß sie als Diener Christi handeln, die berufen sind, die Gläubigen zur Vereinigung mit ihm zu führen.[64] Das wirkt sich natürlich negativ auf das Volk aus, das Gefahr läuft, im Verständnis und im Glauben an die Realpräsenz Christi im Sakrament verwirrt zu werden.

In der Tradition der Kirche wurde eine genaue Ausdrucksweise der liturgischen Gesten geschaffen mit dem Ziel, den rechten Glauben an die Realpräsenz Christi in der Eucharistie auszudrücken, wie zum Beispiel die sorgfältige Reinigung der heiligen Gefäße nach der Kommunion und der Stelle, wo die eucharistischen Gestalten gegebenenfalls auf den Boden gefallen sind, die Kniebeuge vor dem Tabernakel, der Gebrauch der Patene beim Austeilen der Kommunion, das regelmäßige Auffüllen der im Tabernakel aufbewahrten Hostien, die Aufbewahrung des Tabernakelschlüssels an einem sicheren Ort, die Würde und Sammlung des Zelebranten in Übereinstimmung mit dem transzendentalen und göttlichen Charakter des Sakraments. Das Auslassen oder Vernachlässigen dieser heiligen Zeichen, die eine tiefere und weitere Bedeutung ihres äußeren Aspekts enthalten, trägt sicher nicht dazu bei, den Glauben an die Realpräsenz Christi im Sakrament zu bewahren. Deshalb wird in den Antworten empfohlen, daß die ausdrucksstarken Zeichen und Symbole des Glaubens an die Realpräsenz Gegenstand einer angemessenen Mystagogie und liturgischen Katechese seien.

41. Nicht zu vergessen ist außerdem, daß der Ausdruck des Glaubens an die Realpräsenz des Herrn im Heiligsten Sakrament, der gestorben und auferstanden ist, den Höhepunkt in der eucharistischen Anbetung hat, in einer Tradition, die in der lateinischen Kirche fest verwurzelt ist. Diese Praxis, so wird in vielen Antworten auf die Lineamenta betont, sollte nicht als Diskontinuität zur Eucharistiefeier dargestellt werden, sondern als ihre natürliche Verlängerung. Dieselben Antworten weisen darauf hin, daß in einigen Teilkirchen ein Wiedererwachen der eucharistischen Anbetung stattfindet, die auf jeden Fall mit Würde und Feierlichkeit zu vollziehen ist.

Auch die Aufstellung des Tabernakels an einem gut sichtbaren Ort dient dazu, den Glauben an die Gegenwart Christi im Heiligsten Sakrament hervorzuheben. In den Antworten auf die Lineamenta wird darum gebeten, über die richtige Aufstellung des Tabernakels in den Kirchen mehr nachzudenken, wobei die kanonischen Vorschriften zu berücksichtigen sind.[65] Es wäre zu überlegen, ob die Entfernung des Tabernakels aus der Mitte des presbyterialen Raumes und seine Aufstellung in einer unscheinbaren und nicht würdevollen Ecke oder in einer Seitenkapelle, oder die Verlegung des Sitzes des Zelebranten in die Mitte oder vor den Tabernakel, wie es in den antiken oder in den neugebauten Kirchen geschehen ist, nicht zur Verringerung des Glaubens an die Realpräsenz beitragen könnte.

Aus denselben Antworten geht hervor, daß dort, wo Anweisungen für den Neubau und den Umbau der Kirchen gegeben wurden mit besonderer Betonung des Ortes für die Aufstellung des Tabernakels, damit er das Bewußtsein der Realpräsenz ausdrückt, positive Ergebnisse wie die Zunahme des Glaubens und der Anbetung zu verzeichnen waren. Die Gotteshäuser müssen Orte des Gebets und der Anbetung bleiben und nicht in Museen umgewandelt werden. Das gilt auch für die Kathedralen und Basiliken von großem geschichtlichen und künstlerischen Wert.


III. TEIL

EUCHARISTIE IM LEBEN DER KIRCHE

I. Kapitel

Die Eucharistie des Herrn feiern

»Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt« (Mt 28,20)

»Wir danken dir, daß du uns berufen hast, vor dir zu stehen«[66]

42. Die Feier der heiligen Messe beginnt mit dem Bekenntnis, daß dort, wo zwei oder mehr in seinem Namen versammelt sind, Gott gegenwärtig ist, und daß wir vor ihm stehen. Wenn wir an der Messe teilnehmen, müssen wir uns der Gnadenquelle nahe fühlen: »Unser Lobpreis kann deine Größe nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil«.[67] Der Mensch schaut in der Liturgie nicht auf sich selbst, sondern auf Gott.

Nicht unser Lobpreis, sondern sein Handeln schafft Eucharistie. Die Eucharistie ist Mittelpunkt der kosmischen Liturgie, in der die Dreifaltigkeit gegenwärtig ist, die von Maria und von den Engeln in Ewigkeit angebetet wird, wobei sie uns ein Modell des Dienstes anbieten. Der dreieinige und dreifaltige Gott wird auch von den Heiligen und von den Gerechten angebetet, die seine selige Schau genießen und Fürsprache für uns einlegen, ebenso von den Seelen der Gläubigen, die sich reinigen in Erwartung, Gott zu sehen. Hier offenbart sich die Kirche als Familie Gottes, wie das II. Vatikanische Konzil und jüngst das nachsynodale Apostolische Schreiben Ecclesia in Africa lehren.[68]

Der dem Herrn und den Heiligen dargebrachte Gottesdienst hat seine Mitte im Ostergeheimnis: »In den Gedächtnisfeiern der Heiligen verkündet die Kirche das Pascha-Mysterium in den Heiligen, die mit Christus gelitten haben und mit ihm verherrlicht sind«.[69] Diese Liturgie der Gemeinschaft, die Himmel und Erde vereint, wird für das Heil aller gefeiert, auch derer, die nicht glauben. Die himmlische Liturgie in Erinnerung rufen heißt nicht, sich von der irdischen Liturgie zu entfernen, sondern will die pilgernde und die eschatologische Dimension der Liturgie erfassen.

43. Die Feier der Eucharistie hat eine eigene Struktur und eigene Elemente, die in der Allgemeinen Ordnung des römischen Meßbuches und in der Instruktion für die Anwendung der liturgischen Vorschriften des Codex der Canones der orientalischen Kirchen angegeben sind, besonders in der byzantischen Tradition, die in den katholischen orientalischen Kirchen am meisten verbreitet ist, aber auch in den anderen Traditionen. Zu bekräftigen ist, daß die Eucharistiefeier den demütigen Gehorsam des Priesters und der Diener gegenüber diesen kanonischen Normen erfordert.

Um die gebührende Achtung und Verehrung der Eucharistie zu fördern, ist es wünschenswert, daß vor allem die Priester sich durch Gebet auf die Feier des eucharistischen Opfers vorbereiten, in dem der Herr in ihren Händen gegenwärtig wird, und daß sie nach der Feier Gott Dank sagen.[70]

Wie es in manchen Antworten heißt, werden diese Zeiten der Vorbereitung und der Danksagung nicht immer beachtet. Und doch muß anerkannt werden, daß viele Bischöfe, Priester, Diakone und Laien diesen Lobpreis und diese Danksagung mit großem geistlichen Gewinn vollbringen. In dieser Hinsicht darf die von vielen Antworten ausgehende Mahnung nicht unterlassen werden, sich auf die Feier durch Stille und Gebet vorzubereiten und sich an die ehrwürdigen Traditionen des Gottesdienstes zu halten.

44. Um diesen Gebetsgeist zu wecken, wird nicht nur hilfreich sein, daß der Zelebrant sich des großen Geheimnisses, das er vollzieht, und des Gebrauchs von gewissen Zeichen bewußt ist, wie des Weihrauchs, der das Gebet symbolisiert, das zu Gott aufsteigt, nach den Worten des Psalms: »Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor dir auf; als Abendopfer gelte vor dir, wenn ich meine Hände erhebe« (Ps 141,2).

Auch ein Minimum an Assistenz und Mitarbeit seitens der Laien bei der würdigen Feier der heiligen Geheimnisse trägt dazu bei, eine für die eucharistische Liturgie angemessene Atmosphäre zu schaffen. Manchmal übernehmen die Zelebranten auch die Rolle der Zerimoniäre, sie unterweisen die Leute, erteilen Anordnungen, kümmern sich um alles, während sie die Eucharistiefeier vorbereiten. Aber der Priester bedarf der Hilfe von Lektoren, Akolythen, Ministranten und Laien, so daß er sich auf die heiligen Geheimnisse konzentrieren kann, die er feiert, und diese Haltung des Friedens und der Sammlung auf die um den Tisch des Herrn gescharte Versammlung überträgt. In vielen Antworten wird deshalb vorgeschlagen, die Mitarbeit der entsprechend ausgebildeten Laien zu verstärken und den Dienst der »ostiari« wieder einzuführen, das heißt von Laien, die bereit sind, die Personen in der Kirche zu begrüßen, während der Liturgiefeier die Ordnung zu überwachen und darauf zu achten, daß die Kommunion nicht an außenstehende Personen ausgeteilt wird.

Eröffnungsritus

45. Der Gesang zur Eröffnung, das Kreuzzeichen, die Begrüßung, im römischen Ritus der Gesang des Gloria, wenn vorgesehen; im byzantinischen Ritus und in den anderen Riten wie im ambrosianischen und im mozarabischen Ritus sowie in den altorientalischen Riten die Antiphonen, die Litaneien, der Hymnus Eingeborener Sohn, dienen dazu, den Gläubigen, bevor sie das Wort Gottes hören und ihm mit der Eucharistie Dank sagen, bewußt zu machen, daß sie vor dem Herrn, stehen. Besonders der Bußakt verweist auf die Haltung, die notwendig ist, um die heiligen Geheimnisse zu feiern: die Haltung des Zöllners, der demütig bekennt, daß er ein Sünder ist. Obwohl dieser Akt kein Sakrament ist, erinnert er an die unauflösliche Verbindung zwischen Buße und Eucharistie; auf dieses Band wird in den katholischen orientalischen Kirchen besonders geachtet. Wenn er von der Austeilung des Weihwassers ersetzt wird, weist er auf die Taufe hin, den Beginn des neuen Lebens, in der wir den Werken des Bösen widersagt haben. Von Anfang an werden wir daran erinnert, daß wir, wenn wir die Eucharistie empfangen wollen, durch die Buße gereinigt werden müssen, das heißt frei von Streit und Spaltung sein müssen, die das Gegenteil des Zeichens der Einheit sind, das die Eucharistie ist. Es ist wichtig, in der Katechese solche Aspekte zu beschreiben und auch klarzustellen, daß der Bußakt keine schweren Sünden nachläßt, und es deshalb nötig ist, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen.

Wortgottesdienst

46. Die biblischen Lesungen, der 1. und der 2. Zwischengesang, die Predigt, das Glaubensbekenntnis bilden den Wortgottesdienst. Gott hat zu uns durch den Sohn, sein fleischgewordenes Wort, gesprochen. Das göttliche Wort ist nur eines, und weil es das vollbringt, was es sagt, wird es zur selben Zeit Brot des Lebens, das Zeichen, das Jesus Christus vollbracht hat. Unter Hinweis auf die Erzählung von Emmaus (vgl. Lk 24) zeigte Papst Johannes Paul II. die unauflösliche Verbindung zwischen dem »Tisch« des Wortes und dem »Tisch« der Eucharistie.[71] Der Wortgottesdienst in Verbindung mit der eucharistischen Liturgie bezeichnet deshalb die Feier als einen einzigen Gottesdienst, der keinen Bruch erlaubt.

Der Wortgottesdienst verbindet uns mit der Offenbarung, die Gott im Alten Testament gemacht hat. Der große Reichtum der mächtigen Gegenwart Gottes, die der Ruhm des auserwählten Volkes Israel war, ist Teil der katholischen Liturgie geworden, erleuchtet vom Licht des menschgewordenen Wortes, Jesus Christus, der gestorben und auferstanden ist für alle.

Wie das II. Vatikanische Konzil lehrt, geht die Offenbarung Jesu über die Verschlüsselung des Textes der Heiligen Schrift hinaus, die sie nicht vollständig ausdrückt.[72] Sein Wort bleibt lebendig im Leben der Kirche, die es im Verlauf der Jahrhunderte weitergibt und im sakramentalen Zeichen zugänglich macht. Die Verkündigung, die Jesus durchführt, ist von seiner Gegenwart im Sakrament nicht getrennt, weil er eine nie zuvor erreichte und nachher wiederholte Einheit schafft.

Seine Menschwerdung, sein Leiden und Sterben, seine Auferstehung sind Wort und Ereignis, die es zu sehen und zu betrachten gilt. Das Wort verweist auf das Ereignis. Das eucharistische Geheimnis wird das Leben der Kirche immer begleiten als Synthese von Wort und Ereignis, und wird zur Betrachtung hinführen. Im römischen Ritus und im byzantinischen »Kleinen Einzug« wird das alles in Erinnerung gerufen von der Verehrung und der Ehre, die dem Evangeliar als mystischem Eintritt des menschgewordenen Wortes und seiner Gegenwart inmitten der Versammlung der Gläubigen erwiesen wird.

47. In dieser Hinsicht wurde hervorgehoben, daß die Verkündigung des Wortes Gottes nicht immer in angemessener Weise gepflegt wird. Zu verbessern wäre der Dienst der Lektoren, wenn sie an die Gläubigen die Schönheit des Inhalts und der Form des Wortes weitergeben, das Gott an sein Volk richtet. An einigen Orten, wo die Gewohnheit überwiegt, nur am Sonntag und an den gebotenen Feiertagen zwei Lesungen zu halten, wird der Mangel der Kenntnis der Lesungen und der Apostelgeschichte beklagt. Deshalb ist es angemessen, daran zu erinnern, solche Lesungen, die vom Handeln Gottes in der Urkirche berichten, nicht auszulassen.

Ein wichtiger Teil des Wortgottesdienstes ist die Predigt, die vom geweihten Amtsträger gehalten wird mit dem Ziel, den Gläubigen zu helfen, daß sie mit Herz und Sinn dem Wort Gottes zustimmen. Zu diesem Zweck werden vielfach mystagogische Homilien empfohlen, die es erlauben, die Gläubigen in die heiligen Geheimnisse einzuführen, die gefeiert werden, entsprechend den verkündeten Lesungen, um das Leben jedes Einzelnen mit dem Licht Jesu Christi zu erhellen, wobei aber unangemessene profane Andeutungen und Hinweise zu vermeiden sind.

Unter Berücksichtigung der Schriftlesungen sollte man auch an thematische Homilien denken, die im Lauf des liturgischen Jahres die großen Themen des christlichen Glaubens vorstellen können: das Credo; das Pater noster; der Aufbau der heiligen Messe; die Zehn Gebote u.a. Dazu wären Vorlagen nützlich, die von sachkundigen Kommissionen der Bischofskonferenzen oder der Bischofssynoden der orientalischen Kirchen sui iuris oder von anderen in der Pastoral spezialisierten Einrichtungen erstellt wurden. In den katholischen orientalischen Kirchen klagt man über Homilien, die mit den liturgischen Lesungen nicht zusammenhängen, weil jedes Jahr dieselben Lesungen an den gleichen Tagen wiederholt werden.

Eucharistische Liturgie

48. Die Antworten auf die Lineamenta empfehlen, bei der Darbringung der Gaben darauf zu achten, daß die Aufmerksamkeit zuerst auf das Brot und den Wein gelenkt wird, die Leib und Blut des Herrn werden. Deshalb soll in erster Linie auf diese für den Gottesdienst bestimmten Gaben hingewiesen werden, denn für sie findet die Vorbereitung und Darbringung am Altar statt, und danach auf die für caritative Zwecke u.a. bestimmten Gaben. Diese Gaben verweisen auch auf das große Geschenk der Liebe, die Eucharistie, die den Impuls zur Liebe gegenüber den Ärmsten gibt.

Im Bezug auf dieses Thema ist es notwendig, durch eine entsprechende Katechese die Bedeutung des Almosens während der Eucharistiefeier zu erklären, das für die Armen und für die Bedürfnisse der Kirche bestimmt ist. So wird das Bewußtsein für die soziale Dimension der Eucharistie geweckt. Dieses Bewußtsein ist vor allem in solchen Ländern zu bekräftigen, wo die Kirche ihre caritative Tätigkeit nicht frei ausüben kann. Die Gläubigen müssen aufgerufen werden, denjenigen, die in Not sind, zu helfen.

49. Auf die Darbringung der Gaben folgt das Eucharistische Hochgebet, das in seinen verschiedenen Formen im Osten und im Westen die Kirche im Licht des dreifaltigen Geheimnisses sieht: ihren Anfang in der Schöpfung, ihren Höhepunkt im Pascha-Mysterium und ihr Ziel in der Vereinigung von allem am Ende der Zeiten. Deshalb beginnt es mit der Einladung des Zelebranten, die Herzen zum Herrn zu erheben. Der Terminus Anaphora heißt, die Gaben und uns selbst zum Vater zu erheben, sich an den Herrn zu wenden, von dem das Heil kommt.

Mit der Epiklese bittet die Kirche den Vater, den Heiligen Geist zu senden, damit er mit seiner Macht auf die Gabe herabkomme. In der orientalischen Liturgie wird in der Epiklese nach der Konsekration das Band zwischen der Eucharistie und dem Pfingstgeheimnis, der Ausgießung des Heiligen Geistes auf die versammelte Gemeinde, betont: »Herr, wir bitten dich, wie du deinen Heiligen Geist auf deine heiligen Jünger und auf deine heiligen Apostel ausgegossen hast, so gieße deinen heiligen Geist auch über uns aus, damit er unser Herz, unsern Leib und unsern Geist heilige«.[73] Die Anrufung des Heiligen Geistes betrifft diejenigen, die die Kommunion empfangen, damit sie die Kraft haben, sich einander zu schenken und dem Sakrament entsprechend zu leben, das sie feiern.

Mittelpunkt des Eucharistischen Hochgebets ist der Einsetzungsbericht mit den Segensworten, die Jesus über das Brot und den Wein gesprochen hat. Es ist die Wandlung, der feierliche Augenblick, in dem sich die Realpräsenz des auferstandenen Herrn unter den Gestalten von Brot und Wein vollzieht. Sie sichert die ständige Kontinuität der Eucharistie, von Christus zu den Aposteln und ihren Nachfolgern und Mitarbeitern, den Bischöfen und Priestern, die durch das hierarchische Dienstamt in Namen des Herrn zugunsten der Kirche handeln.

Diese Kontinuität kommt besonders in der Fürsprache zum Ausdruck: »Gedenke deiner Kirche auf der ganzen Erde«.[74] Hier zeigt die Eucharistiefeier, daß sie ein Akt der Kirche in ihrer Universalität ist, die jedem besonderen und örtlichen Unterschied vorangestellt ist.

Im Bewußtsein ihrer Pilgerschaft auf Erden tritt die eucharistische Versammlung mit den Fürbitten in die Gemeinschaft der Heiligen ein, richtet sich auf das Reich aus, weiß aber, daß sie hier auf Erden lebt. Sie vergißt in der Fürbitte nicht die Schwierigkeiten, denen sie begegnet, die Verfolgungen, die sie erleidet, die zeitlichen Katastrophen, die Kriege, indem sie vor allem die Gaben der Einheit und des Friedens erbittet.

Der Heilige Geist drückt dem Hochgebet die innere Ausrichtung auf den Herrn Jesus auf, damit die Gabe »auf deinen himmlischen Altar vor deine göttliche Herrlichkeit« getragen werde[75] und der dreifaltige Lobpreis »per ipsum, cum ipso et in ipso« mit der Zustimmung des Volkes Gottes erwiesen wird, das Amen spricht.

Kommunion

50. Die Allgemeine Ordnung des römischen Meßbuches empfiehlt, daß die »Gläubigen wohlgesinnt« die Kommunion empfangen.[76] Die gute Gesinnung erwächst aus dem Unterscheidungsvermögen, nach dem der Leib des Herrn kein gewöhnliches Brot, sondern ein Brot des Lebens ist, das auf diejenigen wartet, die sich mit dem Vater versöhnt haben. Wie das Teilen des Mahles unter den Menschen Eintracht voraussetzt, so ist die Eucharistie das Sakrament der Versöhnten, in dem Sinn, daß sie durch das Bußsakrament der Höhepunkt des Weges der Versöhnung mit Gott und mit der Kirche ist. Auf diese Weise wird das Mitleid Christi für das Heil der Seelen offenbar, das auch das höchste Gesetz der Kirche ist. Nachdem die Versöhnung durch die Buße wieder hergestellt ist und der Stand der Gnade wieder erlangt worden ist, dienen die Riten der Kommunion der unmittelbaren Vorbereitung. Es wäre angemessen, mehr die Bedeutsamkeit der Gnade der Sakramente als ein Gut zu unterstreichen, das niemandem verweigert werden darf, sobald die erforderlichen Bedingungen erfüllt sind,[77] die in den kanonischen und liturgischen Vorschriften festgelegt sind, ohne daß andere hinzugefügt werden.

Erforderlich für die Vorbereitung auf die Kommunion ist die Reinigung, die notwendig ist, um sich dem Herrn nähern zu können. In der Tat obliegt es jedem von uns, sich zu prüfen, ob er diese Gesinnung hat. Dazu mag eine angemessene Katechese über die Macht der Eucharistie, läßliche Sünden zu tilgen, hilfreich sein. Denn durch den Kommunionempfang mit reumütigem Herzen erlangt man die Gnade des Heiligen Geistes, damit man den Versuchungen nicht erliegt, sondern ein christliches Lebenszeugnis gibt, trotz des meist ungünstigen Umfeldes. Auch das Gebet des Pater noster hilft uns, weil wir dadurch die Reinigung von den Sünden und die Befreiung vom Bösen erbitten, so wie der Friedensgruß dann den Gläubigen erlaubt, die kirchliche Gemeinschaft und die gegenseitige Liebe zum Ausdruck zu bringen,[78] während er ein Anlaß ist, die Bereitschaft zur Vergebung zu prüfen, die notwendig ist, um die Kommunion würdig zu empfangen. In den orientalischen Liturgien und in der ambrosianischen Liturgie wird gerade dieser Aspekt, die Tilgung jeder Feindschaft (vgl. Mt 5,23-24), durch den Friedenskuß hervorgehoben, der bei der Gabenbereitung getauscht wird. Von mehreren Seiten wird angemerkt, daß die Friedensgeste fakultativ ist und sich nicht mit der nachfolgenden und hauptsächlichen Geste der fractio panis überschneiden darf, die auf den für uns zerbrochenen Leib hinweist.

Im Augenblick der Kommunionausteilung - so ist in manchen Antworten zu lesen - segnet der Priester die Kinder oder die eigens gekennzeichneten Katechumenen, die vortreten und die Erstkommunion noch nicht empfangen haben. In manchen Kirchen wird der Segen auch den Nichtkatholiken erteilt, wenn sie zum Altar kommen im Augenblick der Kommunion. In dieser Hinsicht wird von asiatischen Ländern vorgeschlagen, eine Geste für die Nichtchristen während der Kommunion zu erwägen, damit sie sich nicht von der liturgischen Gemeinschaft ausgeschlossen fühlen.

Entlassungsritus

51. Nach dem Empfang der Kommunion soll man beten, um die Früchte des gefeierten Geheimnisses zu erlangen. Eine der ersten Früchte ist das Heilmittel für die täglichen Unterlassungen und die Todsünden.[79] Es ist notwendig, vor allem darum zu bitten, daß unser Glaube und die Gemeinschaft mit Christus es erreichen, daß wir sein Evangelium in der Welt, in allen unseren Lebensbereichen, durch das Zeugnis unserer Werke verkünden, damit die Menschen an Gott den Vater glauben und ihn lobpreisen.

Die Entlassung aus der Messe schließt eine Einladung zur Sendung ein, die die Kirche, von der Eucharistie unterstützt, vom Beispiel und der Fürsprache Marias angeführt und begleitet, in der Evangelisierung der Welt von heute zur Vollendung bringt. Die Eucharistie hat das Ziel, uns in der Liebe Christi wachsen zu lassen, und in seinem Wunsch, allen das Evangelium zu bringen.

Ars celebrandi

52. Es ist notwendig, auf die ars celebrandi zu achten, um die Gläubigen zum wahren Gottesdienst, zur Verehrung und zur Anbetung hinzuführen. Die erhobenen Hände des Priesters wollen die Bitte des Armen und Einfachen andeuten: »wir bitten dich«, heißt es im Eucharistischen Hochgebet.[80] Die Demut der Haltung und des Wortes stimmt mit Christus, sanft und demütig von Herzen, überein. Er muß wachsen, und wir müssen abnehmen. Damit die Eucharistiefeier den katholischen Glauben ausdrückt, wird empfohlen, daß ihr der Priester in Demut vorsteht; nur so kann sie wirklich mystagogisch sein und zur Evangelisierung beitragen. In den liturgischen Gebeten heißt es nicht »ich«, sondern »wir«; wenn in den sakramentalen Formeln in der ersten Person gesprochen wird, dann spricht der Priester in der Person Christi, nicht im eigenen Namen.

Manche Antworten auf die Lineamenta berühren das Thema der Mystagogik und verstehen es als Einführung in das Geheimnis der Gegenwart des Herrn, indem sie betonen, daß man heute den Menschen dazu bringen muß, sich Gott mehr zu nähern, denn er lebt in Umfeldern, wo die Existenz des Geheimnisses scheinbar verneint wird. Der Hauptweg wird vom Herrn selbst angegeben: »Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe« (Joh 15,15). Der Herr will, daß wir ihm näher kommen, damit er uns das Geheimnis des göttlichen Lebens offenbaren kann.

Auffallend ist die Verantwortung des Bischofs, des wichtigsten Mystagogen, für die Eucharistie. Die Verpflichtung zur »vollen, bewußten und tätigen Teilnahme«[81] der Gläubigen an der Eucharistiefeier ist ganz an die besondere Verantwortung des Bischofs für das Heiligste Sakrament gebunden und erwächst daraus, daß der Herr sie den Aposteln und der Kirche anvertraut hat und daß die Kirche sie weitergibt. Jede Eucharistiefeier in einer Diözese findet in Gemeinschaft mit dem Bischof und unter seiner Autorität statt.[82] Er wacht darüber, daß die Gläubigen an der heiligen Messe teilnehmen können und daß das Sakrament würdig und rechtmäßig gefeiert wird und mögliche Mißbäuche vermieden werden. Der sensus Ecclesiae in der liturgischen Feier ist es, der die besonderen Situationen, die Gruppierungen und die Kulturen übersteigt. Als primus mysteriorum Dei dispensator, als erster Ausspender der Geheimnisse Gottes feiert der Bischof die heilige Messe oft in der Kathedrale, der Mutterkirche und dem Herzen der Diözese, deren Liturgie für die ganze Diözese beispielgebend sein muß.

53. Es ist Pflicht des Diözesanbischofs und des Pfarrers, die Messe pro populo für die Lebenden und die Verstorbenen zu feiern und zu applizieren.[83] Aus theologischen und spirituellen Gründen wird auch empfohlen, daß die Priester jeden Tag die Eucharistie feiern. Besonders wichtig ist es, sie für die Verstorbenen zu feiern, deren Seelen im Fegfeuer sind und den seligen Tag erwarten, an dem sie Gott von Angesicht zu Angesicht schauen können. Für die Verstorbenen beten ist ein Akt der Nächstenliebe ihnen gegenüber.

Im Hinblick auf die Intention ist in manchen Antworten von Mißbräuchen die Rede, zu denen hauptsächlich die Anhäufung in den sogenannten Messen mit mehreren Intentionen gehört. Zu diesem Thema wird auch vorgeschlagen, die Haltung im Bezug auf die Intentionen der heiligen Messen zu klären. Jedenfalls wird festgestellt, daß diese Praxis in manchen Ländern sehr nachgelassen hat und beinahe verschwunden ist, während in vielen Ländern die Intentionen für die heiligen Messen die traditionelle und oft einzige Möglichkeit sind, für den Unterhalt des Klerus zu sorgen. In anderen Ländern hingegen mangeln die Intentionen, so daß sie schon seit Jahren aus anderen Ländern kommen als gültiger Beitrag zur kirchlichen Gemeinschaft und zur konkreten Teilhabe an der Missionstätigkeit.

Nicht weniger wichtig ist vom pastoralen Standpunkt aus die Bildung der Gläubigen im Hinblick auf die Bedeutung der Applikation von Messen für die Verstorbenen, die durch die Verdienste der Erlösung Christi und durch das Gebet der ganzen Kirche bald Zutritt zum Gastmahl des ewigen Lebens haben werden. So werden die Intentionen der Messen für die Verstorbenen auch zum Ausdruck des Glaubens an die Auferstehung der Toten, einer im Credo feierlich verkündeten Glaubenswahrheit.

Wort und Brot des Lebens

54. Hinsichtlich der Beziehung zwischen der heiligen Messe und dem Wortgottesdienst wird in vielen Antworten auf die Lineamenta festgestellt, daß die Gläubigen in bestimmten Situationen nach und nach den Sinn für die Unterscheidung zwischen Eucharistiefeier und anderen Gottesdiensten verlieren. Dieses pastorale Problem zeigt sich zum Beispiel, wo die Liturgien der Gemeinschaft von Diakonen oder außerordentlichen Amtsträgern geleitet werden. Dieselbe Gefahr laufen die Gläubigen, die mancherorts eingeladen werden, am Wortgottesdienst teilzunehmen, anstatt in die Messe in einer Nachbarpfarrei zu gehen.

Es gibt aber auch Antworten, die vom Zeugnis des wertvollen Dienstes berichten, den die entsprechend vorbereiteten Laien in den Wortgottesdiensten mit oder ohne Austeilung der Eucharistie in den Gemeinden leisten, die in Erwartung eines festangestellen Priesters für den Sonntagsgottesdienst nicht mit ihm rechnen können. Unter der Leitung des Diözesanbischofs und der Priester ist es in diesen Fällen möglich, durch die Mitarbeit der Laien den pastoralen Bedürfnissen vieler Gemeinden abzuhelfen, die nach dem Wort des Lebens und dem Brot des Lebens hungern. Wenn diese Tätigkeit den Richtlinien des Lehramtes in dieser Materie entsprechend ausgeübt wird,[84] sind die Ergebnisse ermutigend, und es können sogar Priesterberufungen in den Familien der Laien erwachen, die diese Dienste leisten, ebenso in den jeweiligen Gemeinschaften, die den wertvollen Dienst des Priesters, des ordentlichen Amtsträgers der Eucharistie, hochschätzen.

55. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage des Übermaßes an Wortgottesdiensten, die die heilige Messe ersetzen und den christlichen Gottesdienst zu einem Versammlungsdienst zu reduzieren drohen. Sinn hätte hingegen eine Katechese wie in den Missionsstationen in Erwartung, daß ein Priester die Eucharistie feiert. In der Tat wäre es besser, hier von Liturgien in Erwartung und nicht in Abwesenheit des Priesters zu sprechen. Als Hinweis auf diese Wirklichkeit wird in manchen Gebieten eine Stola auf den Altar oder auf den Stuhl gelegt. Das Gebet um Berufungen hält den Wunsch wach, einen ständigen Zelebranten der Eucharistie zu haben. Der Priestermangel, der mancherorts besorgniserregende Ausmaße annimmt, sollte ein kräftiger Anstoß für das Erwachen der Missionstätigkeit und des Gabenaustausches unter den Teilkirchen sein.

Viele Antworten auf die Lineamenta schlagen vor, daß die Gläubigen, die zu außerordentlichen Dienern der Eucharistie bestimmt werden, an besonderen Lehrgängen teilnehmen, um die eucharistische Lehre und die liturgischen Bestimmungen zu vertiefen. Dieses Programm sollte auch in die Weiterbildung der Katechisten eingegliedert werden.

Aus denselben Antworten geht die Notwendigkeit hervor, die dreifache Dimension, die priesterliche, prophetische und königliche, und den Unterschied zwischen Weiheamt und nicht geweihtem Amt zu erklären. So wird die Identität des Priesters als Verwalter der göttlichen Geheimnisse, deren Ausleger, Mystagoge und Zeuge er ist, hervorgehoben. Um eine gewisse Verwirrung des Weiheamtes in der Kirche zu überwinden, wird schließlich unter anderem empfohlen, die Kenntnis entsprechender Dokumente des Lehramtes zu fördern, wie des postsynodalen Apostolischen Schreibens Pastores dabo vobis über den Priester als Zeichen für Christus, der Haupt, Bräutigam und Hirt ist.

56. Den gläubigen Laien und besonders den Katechisten ist zu danken, denn sie leiten die Vorbereitung auf das Gebet und auf die Kommunion, besonders in den Fällen, wo der Priestermangel es den Gläubigen unmöglich macht, an der Eucharistie teilzunehmen. Dennoch werden in nicht wenigen Antworten auf die Lineamenta gewisse Praktiken gemeldet, die dahin tendieren, in den Gläubigen den wesentlichen Unterschied zwischen dem Amtspriestertum und dem allgemeinen Priestertum zu verdunkeln. Zum Beispiel ist da die Haltung einiger Pastoralassistenten zu nennen, die die tatsächliche Leitung einiger Pfarreien nutzen und der Eucharistiefeier beinahe vorstehen, während sie dem Priester nur das Wenigste überlassen, damit sie gültig ist; dann die von Laien gehaltene Predigt in der heiligen Messe; die Gewohnheit, den außerordentlichen Dienern der Eucharistie den Vortritt in der Austeilung des Sakraments zu geben, während die geweihten Amtsträger, vor allem der zelebrierende Priester und die Konzelebranten sitzen bleiben; der Brauch unter einigen außerordentlichen Dienern, das Heiligste Sakrament bei sich zuhause aufzubewahren, bevor sie es zu den Kranken bringen, oder die Autorisation, die der Pfarrer einem Verwandten des Kranken gibt, damit er ihm die Wegzehrung bringt. Die Bestimmungen in der Instruktion Ecclesia de mysterio zusammen mit den kanonischen Gesetzen zu dieser Frage[85] sollten erwogen werden, um die Verantwortlichen angemessen zu informieren und um eine kirchliche Feier der Eucharistie zu sichern.

Bedeutung der Normen

57. Die Frage der instauratio der Liturgie wird in den Antworten auf die Lineamenta im Zusammenhang mit dem neuen Ordo Missae und der Allgemeinen Regelung des römischen Meßbuches aufgeworfen, die die Wesenszüge der Liturgie der universalen Kirche darstellen.

Die liturgischen Normen sind als Hinführung zum Geheimnis zu verstehen. Die Väter nach den Aposteln waren die ersten, die die Normen und canones durch die bekannten Constitutiones und Didascaliae festgesetzt haben. Sie mußten damals einerseits das in Jesus geoffenbarte Geheimnis verkünden und anderseits den auf das Mysterium bezogenen allegorischen und esotherischen Vorstellungen der Heiden entgegenwirken.

Wenn die Normen zur Apostolizität der Eucharistie hinführen, ist es vor allem ihre Heiligkeit, die sie erfordert: Das Heiligste will mit höchster Achtung behandelt werden. Man kann sagen, daß die Priester aus diesem Grund geweiht werden, wie es die Worte des Bischofs vor der Priesterweihe in Erinnerung rufen: »Denn durch euren Dienst wird das geistliche Opfer der Gläubigen vollendet in Einheit mit dem Opfer Christi, das durch eure Hände, zusammen mit den Gläubigen, bei der heiligen Eucharistie vergegenwärtigt wird. Erkennt also, was ihr tut; ahmt nach, was ihr vollzieht, da ihr das Mysterium des Todes Christi und seiner Auferstehung begeht, müht euch, alles Böse in euch zu überwinden und im neuen Leben zu wandeln«.[86] In manchen Antworten wird darauf hingewiesen, daß die Grundregel, die ein Bischof und ein Priester zu beachten hat, die ist, daß er den Gläubigen helfen soll, in das Geheimnis der Gegenwart des Herrn einzudringen.

58. In vielen Antworten auf die Lineamenta ist die Rede von einigen Motivierungen, die dahin führen, die Regeln zu verletzen: die geringe Kenntnis der Geschichte und der theologischen Bedeutung der Riten; der Wunsch nach Neuheit und das geringe Vertrauen auf die Fähigkeit des Ritus, den Menschen durch die Sprache der Zeichen anzusprechen. In einigen Antworten wird die Meinung vertreten, daß die Nichtbeachtung der Regeln durch angebliche Fehler hervorgerufen werden, die die Allgemeine Ordnung des römischen Meßbuches enthält, und die fehlende Genauigkeit in den Rubriken, die es der Freiheit des Zelebranten überlassen, manche Teile zu improvisieren. Insbesondere wird die Notwendigkeit angesprochen, die liturgischen Texte mit großer Sorgfalt zu übersetzen, indem unter Aufsicht der Bischöfe und mit Approbation der zuständigen Kongregation des Hl. Stuhls die heikle Übersetzungsarbeit den Fachleuten anvertraut wird.

Wenn Leitlinien oder Normen der Lehre festgelegt werden, ist ein Grundprinzip zu berücksichtigen: So wie eine Überbewertung der Reife der Gläubigen dazu beigetragen haben mag, daß bei der Einführung der Reform praktische Schwierigkeiten aufgetreten sind, so darf auch die Volkspsychologie oder die Fähigkeit der Gläubigen nicht unterschätzt werden, den Hinweis auf die Grundwahrheiten anzunehmen.

Pastorale Dringlichkeiten

59. Insgesamt kann man aus den Antworten auf die Lineamenta folgendes Bild im Bezug auf die Schatten in der Eucharistiefeier entnehmen.

Während eine Haltung des Mißtrauens gegenüber den liturgischen Rubriken festzustellen ist, werden zusätzlich andere erfunden mit dem Ziel, Änderungen zu bewirken, die von Ideologien oder theologischen Abweichungen inspiriert sind. Viele Initiativen dieser Art kommen von Bewegungen und Gruppen, die die Liturgie erneuern wollen.

Oft herrscht die Meinung, die Bekräftigung der universalen Normen, die von der Kirche als Ausdruck der Katholizität unterstützt wird, stehe im Widerspruch zu den eigenen liturgischen Feiern mancher kirchlicher Bewegungen. In diesem Punkt wird, um Verwirrungen zu vermeiden, eine größere Klarheit seitens der zuständigen Autoritäten der Kirche gefordert. Nach der Einführung der Volkssprachen ist es notwendig, die Struktur des Ritus zu respektieren, weil es die einzige Weise ist, um die Einheit der katholischen Kirche westlicher Tradition sichtbar zu machen. Die Gläubigen sind sehr empfindsam für eventuelle willkürliche Änderungen des Ritus.

In manchen Fällen ist zu beobachten, daß ein Übermaß an Eingriffen dahin führt, die Messe zu manipulieren; das geht so weit, daß in einigen Füllen die liturgischen Texte von anderen fremden Texten ersetzt werden. Diese Haltung ruft nicht selten Konflikte zwischen dem Klerus und den Laien hervor, auch innerhalb des Presbyteriums selbst.

60. Um diese Schatten aufzulösen, werden in den gleichen Antworten auf die Lineamenta folgende Vorschläge gemacht. Es ist notwendig, einen neuen Gebetsgeist zusammen mit einer Potenzierung der ständigen Fortbildung des Klerus zu fördern mit dem Ziel, die Haltung demütiger Zustimmung zum Geist und zum Buchstaben der liturgischen Normen zu verstärken, so daß dem Volk Gottes wirklich gedient ist, weil es berufen ist, seinem Herrn im Heiligen Geist durch die göttliche Liturgie Dank zu sagen und Bitten an ihn zu richten.

Zu prüfen sind die schon bekannten Prinzipien hinsichtlich der Weise, in die liturgischen Feiern Elemente der örtlichen Kulturen zu integrieren und dazu gegebenenfalls neue klarere und präzisere Instruktionen zu erlassen im Hinblick auf die jüngste Revision der Allgemeinen Ordnung des römischen Meßbuches, der Instruktionen Redemptionis Sacramentum und Varietates legitimae der Kongregation für den Gottesdienst und die Disziplin der Sakramente.

Man muß den Gläubigen die Tragweite des eucharistischen Glaubens erklären. In der Eucharistie nähren sich die Gläubigen vom Leib des auferstandenen Christus. Der auferstandene Herr, Sieger über Sünde und Tod, übersteigt die Dimensionen von Raum und Zeit und ist unter den Gestalten von Brot und Wein in jeder Eucharistiefeier in der ganzen Welt wirklich gegenwärtig. Es handelt sich deshalb um den Leib des verherrlichten, verwandelten Herrn, um das Brot der Engel und aller Menschen, die berufen sind, in der Gemeinschaft der Heiligen die selige Anschauung und ewige Anbetung des einen dreifaltigen Gottes zu teilen.

Mögliche magische, abergläubische oder spiritistische Auffassungen von der Eucharistie sind durch eine entsprechende Katechese zu berichtigen. Diese Katechese ist besonders notwendig in den Heilungs-Messen, die in manchen Ländern gefeiert werden. Es gilt, sich gegen die Sakrilegien der konsekrierten Hostien zu wappnen, die in den satanischen Riten und in den sogenannten schwarzen Messen geschehen.

Der liturgische Gesang

61. Das im Haus des Herrn versammelte Volk Gottes drückt die Danksagung und den Lobpreis durch Worte, Hören, Stille und Gesang aus.

In verschiedenen Antworten auf die Lineamenta heißt es, es sei wünschenswert, daß der Gesang während der Messe und der Anbetung wirklich würdevoll ist. Daraus wird die Notwendigkeit ersichtlich, dafür zu sorgen, daß dem Volk die Grundkenntnisse des gregorianischen Gesangs vertraut sind. Er wurde nach Maß des Menschen aller Zeiten und aller Orte komponiert, dank seiner Transparenz, seiner Mäßigung, seiner Leichtigkeit, seiner Formen und Rhythmen. Deshalb müssen die zur Zeit üblichen Gesänge überprüft werden.[87] Die Instrumental- und Vokalmusik versperrt sich sonst, wenn sie nicht zugleich den Sinn für das Gebet, die Würde und die Schönheit besitzt, den Einlaß in die sakrale und religiöse Sphäre. Das erfordert Qualität der Formen als Ausdruck wahrer Kunst, Übereinstimmung mit den verschiedenen Riten und Anpassungsfähigkeit an die berechtigten Ansprüche der Inkulturation und der Universalität zu entstellen, wobei jedes Nachgeben gegenüber der Leichtfertigkeit und Oberflächlichkeit zu vermeiden ist. Der gregorianische Gesang entspricht diesen Anforderungen und ist deshalb das Modell, an dem man sich inspirieren soll, wie Papst Johannes Paul II. betont hat.[88] Deshalb ist unter Musikern und Dichtern die Komposition neuer Gesänge zu fördern, die eine wirkliche Katechese über das österliche Geheimnis, den Sonntag und die Eucharistie beinhalten und nach liturgischen Maßstäben verfaßt sind.

62. Der Gebrauch von Musikinstrumenten war ebenfalls Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit in verschiedenen Antworten mit Hinweis auf die entsprechenden Weisungen der Konstitution Sacrosanctum Concilium.[89] Diesbezüglich wird in der lateinischen Tradition oft der Vorzug der Orgel hervorgehoben, deren Klang imstande ist, dem Gottesdienst Feierlichkeit zu verleihen und die Kontemplation zu fördern. In mehreren Antworten wurde auch über die Erfahrung mit der Zulassung anderer Musikinstrumente berichtet, und zwar mit positiven Ergebnissen, wenn mit Erlaubnis der zuständigen kirchlichen Autorität solche Instrumente für den sakralen Gebrauch geeignet erscheinen, mit der Würde des Gotteshauses übereinstimmen und zur Auferbauung der Gläubigen beitragen.

In anderen Antworten hingegen wird die mangelhafte Übersetzung der liturgischen Texte und vieler musikalischer Texte in eine zeitgemäße Sprache beklagt, die unschön und manchmal theologisch zweifelhaft ist und zugleich die Lehre und das Verständnis für den Sinn des Gebets schwächen. In manchen Antworten wird besonders auf die Musik und der Gesang in den Messen für die Jugend geachtet. In dieser Hinsicht zeigt sich die Wichtigkeit, musikalische Formen zu vermeiden, die nicht zum Gebet anleiten, weil sie den Regeln des profanen Gebrauchs unterworfen sind. Manche Antworten berichten von zuviel Hast, mit der neue Lieder komponiert werden, weil diese scheinbar einer konsumistischen Mentalität unterworfen sind. Die Qualität der Musik und des Textes wird nicht geprüft, und ein großes künstlerisches Erbe wird leicht vernachlässigt, das sich in der Liturgie der Kirche als theologisch und musikalisch wertvoll erwiesen hat.

Ebenso wird empfohlen, daß bei internationalen Treffen wenigstens das Eucharistische Hochgebet in Latein gesprochen wird, um eine angemessene Teilnahme der Konzelebranten und derer, die die Ortssprache nicht kennen, zu erleichtern, wie es in der Konstitution über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium diesbezüglich vorgeschlagen wird.[90]

Grund zur Zufriedenheit ist jedenfalls die Feststellung, daß es in manchen Nationen eine feste Tradition von eigenen Kirchenliedern für jede Zeit des liturgischen Jahres gibt: für Advent, Weihnachten, Fastenzeit, Ostern. Solche bekannten und vom Volk gesungenen Lieder fördern die innere Sammlung und helfen, die Feiern des Glaubensgeheimnisses in den einzelnen liturgischen Zeitabschnitten mit tiefer innerer Anteilnahme zu erleben. Wünschenswert ist, daß sich diese positive Erfahrung auch in den anderen Nationen verbreitet und den besonderen Anlässen des liturgischen Jahres Glanz gibt, so daß den Gläubigen geholfen wird, die Botschaft mit Hilfe der Musik und der Worte zu erfassen.

Würde des sakralen Ortes

63. In den Lineamenta wird auch auf die Rolle der Kunst hingewiesen. Die Würde der Eucharistiefeier offenbart den Glauben an das Geheimnis und trägt wirksam dazu bei, ihn auch in den geweihten Amtsträgern und Gläubigen lebendig zu erhalten. Diese Haltung kann in der entsprechenden Einteilung des kirchlichen Raums zum Ausdruck kommen wie auch in einer passenden Aufstellung des Tabernakels und des Vorsitzes und auch in der Sorge für gewisse Details wie die Sauberkeit, die Einrichtung und die frischen Blumen. Denn für die Bildung der Gläubigen in der eucharistischen Lehre zählt nicht nur das, was sie hören, sondern auch das, was sie sehen. Die Nachlässigkeit hingegen zeigt, daß der Glaube schwach ist.

Die Tradition der Kirche hat von der Bibel die Vornehmheit des für die geweihten Amtsträger bestimmten Raumes gelernt. Sie ist beredtes Zeichen dafür, daß es der Herr ist, der seine Diener auswählt und in seinen Dienst nimmt. Diese Unterscheidung haben die orientalischen Kirchen durch die Umgrenzung des Heiligtums und die westlichen Kirchen durch den Raum des Presbyteriums beibehalten. Sie will zeigen, daß sich in der Liturgie das Volk Gottes offenbart, hierarchisch geordnet und bereit zur aktiven Teilnahme. Der Altar ist der heiligste Teil des Gotteshauses und ist erhöht, um das Werk Gottes zu zeigen, das höher als alle Werke des Menschen ist. Die Tücher, die ihn bedecken, deuten die Reinheit an, die notwendig ist, um Gott aufzunehmen. Der Altar ist wie das Gotteshaus nur für Ihn bestimmt und darf für keinen anderen Zweck verwendet werden.

64. In den Antworten merkt man die Sorge, daß die Kirchen häufig für andere profane Zwecke verwendet werden, wie Konzerte und Theateraufführungen, die nicht immer religiösen Inhalts sind. Die Liturgie der Einweihung der Kirche erinnert daran, daß die Gemeinde das Gotteshaus ganz dem Herrn darbringt, sie darf es also für keinen anderen Zweck bestimmen als für den, zu dem es geweiht ist.

Es wurde von anderen Phänomenen berichtet, die der genannten Tradition der Kirche widersprechen und den Sinn des Heiligen und die Transzendenz des Geheimnisses verdunkeln. Viele neue und auch manche alte Kirchen weisen nach der Restaurierung als Grundkonzeption des architektonischen Projekts die Nähe der Gläubigen zum Altar auf, um eine gute Sicht und die engere Verbindung zwischen Zelebranten und Versammlung zu sichern. Auch die Tendenz, den Altar in den für die Gläubigen bestimmten Raum zu rücken und das Presbyterium praktisch abzuschaffen, rührt von derselben Auffassung her. Man gewinnt zwar an Kommunikation, aber nicht immer wird der Sinn für das Heilige ausreichend geschützt, der auch ein wesentlicher Teil der liturgischen Feier ist.

Weitere Antworten berichten von ermutigenden Zeichen. Entsprechend den Linien der Allgemeinen Ordnung des römischen Meßbuches wurden verschiedene Initiativen ergriffen, um zu gewährleisten, daß der sakrale Raum der schon bestehenden oder der noch im Bau befindlichen Kirchen ein wirklicher Ort des Gebets und der Anbetung ist, wo die Kunst und die Ikonografie Mittel sind, die der Liturgie dienen. Zum Beispiel wurden in manchen Kirchen die Kniebänke wieder aufgestellt, und unter den Gläubigen wurde die Praxis wieder eingeführt, sich während des eucharistischen Hochgebetes niederzuknien; wo er nicht gut sichtbar war, steht der Tabernakel wieder an zentraler oder prominenter Stelle; die neuen Projekte des Kirchenbaus schenken der Kunst, der Verzierung, den Kirchengeräten und den Paramenten größere Aufmerksamkeit. Man versucht auf diese Weise, die Nähe des Zelebranten zum Volk und die Heiligkeit des Geheimnisses Gottes, der zugleich gegenwärtig und transzendent ist, in Einklang zu bringen.


II. Kapitel

Das Geheimnis des Herrn Anbeten

»Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig!
Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen,
der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt«
(1 Petr 3,15).

Von der Feier zur Anbetung

65. Die Anbetung ist die angemessene Haltung des Zelebranten und der liturgischen Versammlung dem allmächtigen Gott gegenüber, der im Sakrament der Eucharistie wirklich gegenwärtig wird. Nicht selten wird diese Haltung nach der heiligen Messe in der katholischen Kirche noch eine Weile beibehalten.

Gott sucht den Menschen, und dieser will ihn sehen. »Mein Herz denkt an dein Wort: 'Sucht mein Angesicht!' Dein Angesicht, Herr will ich suchen. Verbirg nicht dein Gesicht vor mir« (Ps 26,8-9). Das Christentum ist nicht nur die Religion des Hörens, sondern auch des Sehens. Wenn man Jesus sieht, sieht man Gott den Vater (vgl. Joh 14,9). Gott nimmt die menschliche Natur an, um mit uns unser Leben zu teilen. Der Brief des hl. Paulus an die Philipper öffnet einen Spalt dieses Geheimnisses, das wir mit dem Terminus kenosis bezeichnen, das heißt, der Sohn, gibt die ihm gebührende Herrlichkeit auf, nur um an der menschlichen Natur teilzuhaben: »Christus Jesus ... war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein« (Phil 2,6). Diese kenosis wird in gewissem Sinn in der Eucharistie fortgesetzt, obwohl in ihr der auferstandene und verherrlichte Leib des Herrn gegenwärtig ist. Aber das Paradoxe ist, daß Jesus von Nazaret Gott in der Fülle seiner Menschheit offenbar macht: »Wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat« (Joh 12,45), sagte er zu den Juden, während er die tiefe Wahrheit des christlichen Glaubens in diesem einen Satz zusammenfaßte. Der Gott, der Mensch wird, ruft Reaktionen des Erkennens hervor, wie das Sehen, das Berühren, das Hören, das Betrachten (vgl. 1 Joh 1,1-2). Mit einem Wort, die Offenbarung Jesu stellt eine Beziehung her, die die Sinneswahrnehmung als Vermittlerin der Erkenntnis mit einbezieht. Das Sehen und das Hören werden eine wesentliche Kombination für die christliche Religion. Jesus von Nazaret darf nicht nur gehört, sondern muß auch gesehen werden.

Jesus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes (vgl. Kol 1,15). Der Terminus eikon ist beladen mit seinem geschichtlichen Sinn, denn er verkürzt nicht das, was in ihm dargestellt wird, zu einem reinen Symbol. Für die griechische Kultur bedeutete eikon allgemein das Bild. Ein Bild ist glaubwürdig, aber nur dort, wo ein reales, konkretes und geschichtliches Gesicht gezeigt wird, ohne Raum für die Phantasie zu lassen.

So kehrt das Thema des Gesichts zurück, das heißt der persönliche Ausdruck, der mehr als alles die Identität offenbart. Das Antlitz Jesu, das Gott durchscheinen läßt, wird im gleichen Augenblick zur Ikone der ganzen erlösten und geheilten Menschheit, weil er »in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist« (Hebr 4,15). Schon das zeigt, daß das Christentum nicht nur unter die Religionen des Buches eingereiht werden kann.

Die Eucharistie bewirkt einen vollständigen Gottesdienst, weil sie zugleich Opfer, Gedächtnis und Mahl ist und zur Betrachtung führt. Deshalb wird die psychologische Schwierigkeit überwunden, in der irrtümlich die Anbetung und Verehrung als unnatürliche Form der Liturgie verstanden wird und damit die Handlungen der eucharistischen Andacht, wie die Aussetzung des Allerheiligsten und der eucharistische Segen, abgewertet werden.

Haltungen der Anbetung

66. Zu den größten und häufigsten Problemen in den westlichen Ländern und in den anderen Erdteilen, wohin sie manchmal von den Pastoralassistenten übertragen wurden, gehört vor allem die Krise des Gebets und die Verkürzung der Eucharistiefeier zu einem Gebot oder zu einem einfachen Versammlungsevent.

Die Antworten auf die Lineamenta verlangen, das Gebet im vollen und vollendeten Sinn als Geschenk, als Bund und als Gemeinschaft[91] und in seiner Form des Segens, der Anbetung, des Lobes, und Dankes, der Bitte, der Sühne und der Fürsprache zu fördern. Ohne die entsprechende Katechese werden die Gläubigen nicht in den Genuß des Lebenssaftes kommen können, der aus der Liturgie regula fidei durch die heiligen Zeichen fließt.

Häufig kehrt in den Antworten die Forderung wieder, der Anbetung und Betrachtung eine gewisse Zeit und einen bestimmten Raum zu widmen. Denn die Menschen von heute, die den hektischen Rhythmus des modernen Lebens gewohnt sind, haben das Bedürfnis, einmal still zu halten, nachzudenken und zu beten. Viele Religionen, vor allem die des Orients, bieten die Meditation gemäß den Eigenschaften der eigenen besonderen religiösen Tradition an. Auch angesichts dieser Herausforderung sind die Christen aufgerufen, die Schönheit der Anbetung, des persönlichen und gemeinschaftlichen Betens, des Schweigens und der Betrachtung neu zu entdecken, das im Christentum die persönliche Begegnung des Menschen mit Gott ist, mit der Heiligsten Dreifaltigkeit, mit dem in der Eucharistie gegenwärtigen auferstandenen Jesus Christus, durch die Macht des Heiligen Geistes und zum Lob Gottes des Vaters.

Es gibt Forderungen, die theologischen und geistlichen Gründe der Anbetung, verstanden als Vorbereitung auf die heilige Messe, als Haltung für die Feier der heiligen Geheimnisse und als Danksagung für das Geschenk der Eucharistie darzulegen. Dabei wurde vorgeschlagen, die Bruderschaften des Heiligsten Sakraments wieder aufleben zu lassen, indem sie den Erwartungen und Bedürfnissen des zeitgenössischen Menschen auf der Suche nach Gott angepaßt werden. Außerdem wird vorgeschlagen, die eucharistische Anbetung unter den Priestern zu fördern. Jede Pfarrei könnte dann an einem Tag die feierliche Aussetzung des Allerheiligsten Sakraments veranlassen, so daß in den Diözesen, vor allem in den sehr großen, das Volk Gottes jede Woche den eucharistischen Herrn in einer der Pfarreien anbetet. Eine Wiedereinführung des Segens mit dem Allerheiligsten besonders am Sonntagnachmittag, wo diese Praxis nicht mehr Brauch ist, könnte helfen, die eucharistische Verehrung zu verstärken. Man kann die Vesper oder die Laudes vor dem ausgesetzten Allerheiligsten beten. Wo mehrere heilige Messen gefeiert werden, zum Beispiel am Spätnachmittag in manchen Stadtpfarreien, könnte eine Anbetungsstunde zwischen der einen und der andern Messe eingeführt werden.

Außerdem sind andere Formen der eucharistischen Andacht zu unterstützen, wie die Anbetung am Gründonnerstag, die Sakramentsprozessionen, vor allem am Fronleichnamsfest, der Besuch der Eucharistie in der Kirche, die vierzigstündige Anbetung, das gemeinschaftliche Gebet vor dem ausgesetzten Allerheiligsten. Diese Handlungen leiten gemäß den Weisungen des Lehramtes die Gläubigen zum Sühnegebet für die dem Allerheiligsten Sakrament zugefügten Bekleidungen an.[92] Und es wäre auch gut, im rechten Maß die Ausdrucksweisen der Volksfrömmigkeit, die mit der Eucharistie verbunden sind, aufzuwerten, wie die Lieder, den Blumenschmuck, die Dekorationen.

67. Das Gebet beginnt mit der Stille, die bewußt macht, daß man in Gegenwart des Herrn ist, der zum Herzen spricht und im großen Gebet der Liturgie oder außerhalb von ihr in der eucharistischen Anbetung eine Antwort hervorruft. In diesem Dialog vollzieht man äußere Handlungen, die religiöse Gesten sind: das Kreuzzeichen, die Handbewegungen, die Kniebeugen, die Verneigungen, das Stehen und das Sitzen, die Prozession u.a.[93] Nicht wenige Antworten auf die Lineamenta rufen zu einer Katechese über diese äußeren Haltungen auf, die durch ein tieferes Bewußtsein verinnerlicht werden.

Die Priester und die Gläubigen drücken den Glauben und die Anbetung durch die Körperhaltungen aus entsprechend den Anweisungen der Liturgiebücher oder der Tradition. Je nach Kulturkreis sind Anpassungen solcher Gesten vorgesehen, soweit sie Ausdruck der Verehrung und Liebe für das Geheimnis der Eucharistie sind.

Erwartung des Herrn

68. Der auferstandene Jesus ist »der Erstgeborene der Toten« (Kol 1,18). Diese Worte des Apostel Paulus drücken die geoffenbarte Wahrheit aus, aufgrund derer der Tod für den Christen nicht das Ende von allem, sondern, im Gegenteil, der Eingang in ein neues und geheimnisvolles Leben ist, gekennzeichnet von einer direkten, engen Beziehung zum Herrn und deshalb von einer Glückseligkeit, die alle unsere Erwartungen weit übersteigt.

Nicht zu vergessen ist jedoch, daß bestimmte kulturelle Faktoren dazu neigen, jede Aussicht über den Tod hinaus auszuschließen, während der Anspruch auf eine totale ethische Unabhängigkeit des Menschen jeden Gedanken an Lohn oder Strafe für unser moralisches Verhalten, die uns nach dem Tod erwarten sollten, unannehmbar oder jedenfalls bedeutungslos erscheinen läßt.

In manchen Antworten wird heute die Katechese über die eschatologische Wahrheit der Eucharistie für unangemessen gehalten. Der Katechismus der Katholischen Kirche[94] widmet ihr einen Titel: »Die Eucharistie - Unterpfand der künftigen Herrlichkeit, Vorwegnahme der himmlischen Herrlichkeit und Manifestation der Gemeinschaft der Heiligen.« Diese Vorwegnahme ist natürlich nicht losgelöst vom Leben in der Welt, das wird in diesem Gebet ausgedrückt: »Herr, unser Gott, gib, daß deine Sakramente in uns das Heil wirken, das sie enthalten, damit wir einst als unverhüllte Wirklichkeit empfangen, was wir jetzt in heiligen Zeichen begehen«.[95]

69. Die eschatologische Spannung kann als Einbruch dessen in das liturgische Heute erklärt werden, der ist, der war und der kommen wird. Er, der Auferstandene und der Lebendige, ist immer gegenwärtig. Darum ist die Eucharistie das Sakrament der Gegenwart dessen, der gesagt hat: »Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt« (Mt 2820). Einige Antworten auf die Lineamenta merken an, daß dieser Aspekt nicht genügend hervorgehoben wird, ausgenommen in der lateinischen Liturgie in den Totenmessen und in den Messen vom 1. und 2. November oder in den Meßtexten in einigen Gebeten für die Verstorbenen.

Viele verstehen die Eucharistie als Quelle der Gemeinschaft mit den Verstorbenen und den Heiligen, aber nicht als Vorwegnahme des himmlischen Gastmahls. Deshalb wäre es gut, gegenwärtig zu halten, daß zwar die Gemeinschaft der Heiligen während des ganzen liturgischen Jahres gefeiert wird, daß aber der ganze Monat November auch eine gute Gelegenheit wäre, sie mit der Fürbitte für die Verstorbenen zu feiern.

Im Hinblick auf die Erwähnung der Namen der Verstorbenen während der Messe gibt es zwar gewisse Regeln, aber aus vielen Antworten geht hervor, daß Mißbrauch getrieben wird durch die Verweigerung jeder Erwähnung oder durch übermäßiges Wiederholen.

Die gleichen Antworten schlagen auch eine Richtung vor, die die eschatologische Dimension des eucharistischen Geheimnisses deutlich macht: das wenn möglich nach Osten gerichtete Gebet; eine angemessene Darstellung des Zusammenhangs zwischen der Realpräsenz Christi in der Eucharistie und der eucharistischen Anbetung, durch die wir bitten, zur Fülle seiner Gegenwart zu gelangen, wenn er uns zum eschatologischen Mahl am Ende der Zeiten führen wird, wie es in den Anaphoren heißt: »... bis du kommst« und »... bis du kommst in Herrlichkeit«.[96] Die Eucharistie ist die Medizin der Unsterblichkeit, weil sie als Gegenmittel vor der Sünde schützt und von den leichten Sünden befreit; sie gießt in die Seele die Kraft der heiligmachenden Gnade ein, die uns durch die Anrufung des Herrn, der kommt: »Maranà tha« (1 Korr 16,22; vgl. Offb 22,20), auf das ewige Leben vorbereitet.

Sonntägliche Eucharistie

70. Die Antworten laden dazu ein, der Eucharistiefeier am Tag des Herrn, Dies Domini, dem Tag, der für das Leben der Kirche, für die Glaubensgemeinschaft und für jeden Gläubigen heilig ist, mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Nachdrücklich zu betonen ist in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Gemeinde, die sich gemeinsam zur Feier versammelt, weil der Herr in ihrer Mitte ist. Aber ohne den Glauben könnten wir vom Tag des Herrn weder sprechen noch ihn erleben. Der Sonntag hilft, die Welt im Licht der Eucharistie zu sehen. Die Messe ist das Opfer Christi, der die Welt verändert und die Kirche bittet, sich selbst als Gabe darzubringen, indem sie sich allen öffnet.

Die Eucharistie ist auch Quelle einer Kultur der Vergebung, die heute so schwierig erscheint. Während der Eucharistiefeier wird die Bitte um Vergebung mehrmals wiederholt, um das Leben zu erneuern. Papst Johannes Paul II. hatte außerdem dazu eingeladen, daß man als »eine bedeutsame Konsequenz der eschatologischen Spannung, die in die Eucharistie eingeschrieben ist«,[97] einen Samen lebendiger Hoffnung in die tägliche Arbeit einpflanzt und neue Zeichen in der Welt setzt, um sagen zu können, daß man von der Eucharistie lebt.

Der Tag des Herrn ist auch der Tag der Solidarität und des Teilens mit den Armen, weil die Eucharistie das Band der Brüderlichkeit und die Quelle der Gemeinschaft ist. Denn »von der Sonntagsmesse geht eine Welle der Liebe aus, die sich im ganzen Leben der Gläubigen ausbreiten soll, angefangen damit, daß sie die Art und Weise, wie der übige Sonntag gelebt wird, beeinflußt«.[98]

71. Ohne die Sonntagsmesse nährt sich der Glaube nicht von der Begegnung mit dem Herrn, hört man das Wort Gottes nicht und lebt man nicht in der Wirklichkeit der kirchlichen Gemeinschaft. Für viele ist die Sonntagsmesse der einzige Kontakt mit der Kirche, so daß ihr Glaube an diesen Augenblick gebunden ist. Wenn der Christ die Sonntagsmesse verfehlt, wird ihm allmählich auch Christus fehlen. Wenn die Achtung des Tages des Herrn gefördert werden soll, müssen sich alle Glieder des Volkes Gottes engagieren, vor allem der Klerus, die geweihten Personen, die Katechisten und die Mitglieder der kirchlichen Gemeinschaften. Die Synodenversammlung sollte dazu beitragen, den tiefen theologischen und geistlichen Sinn des Sonntags als Tag des Herrn wieder zu entdecken, indem seine Feier gefördert wird, was seinerseits sehr positive Auswirkungen auf die Gläubigen, auf ihre Familien und auf die ganze Gemeinschaft haben wird.

Wenn er dem Herrn tatsächlich an jedem Sonntag und an den gebotenen Feiertagen Zeit widmet, entdeckt der Mensch als Person und als Mitglied einer Familie die Hierarchie der Werte, an die er seine Existenz anpassen soll, indem er in Gemeinschaft mit Gott, seinem Schöpfer und Erlöser, die freie Zeit nutzt, um sich der Ausübung seiner menschlichen und christlichen Fähigkeiten zu widmen zum Wohl der ganzen Gesellschaft. Deshalb ist es wichtig, den Sonntag vor allem in den Ländern mit christlichen Wurzeln als einen arbeitsfreien Tag zu schützen.

Verschiedene Antworten auf die Lineamenta erhoffen sich pastorale Orientierungen, die imstande sind, die Gläubigen vor allem am Sonntag zur Teilnahme an der Eucharistie zu motivieren. In der Feier des Tages des Herrn können die Gläubigen, die oft mit persönlichen, familiären und sozialen Problemen belastet sind, in einer aufnahmebereiten Versammlung aus der Eucharistie, der Quelle des Lichtes, des Friedens und der geistlichen Ermutigung, die notwendige Kraft schöpfen, um ihr Leben und die Welt entsprechend den Plänen Gottes des Vaters in Jesus Christus verändern.

Zugleich erkennt man die Notwendigkeit, der größtmöglichen Anzahl von Gläubigen die Meßfeier zu sichern, und die wesentlichen Vorkehrungen zu treffen, um die Eucharistie würdig, das heißt im Stand der Gnade und Nüchternheit empfangen zu können, und diejenigen seelsorgerisch zu begleiten, die unter moralischen Bedingungen leben, die ihnen nicht erlauben, an der sakramentalen Kommunion teilzuhaben.

In diesem letzten Kontext wird vorgeschlagen, zusammenfassend die Lehre über die geistliche oder wunschgemäße Kommunion darzulegen, die sich auf die von der Taufe verliehenen Vorzüge gründet und die einzige Form der Kommunion ist, zu der viele aus objektiven oder subjektiven Mangel der Voraussetzungen für die sakramentale Kommunion Zutritt haben können. Die geistliche Kommunion zum Beispiel ist für die alten und kranken Personen zugänglich, die ihre Liebe zur Eucharistie bekunden und an der Gemeinschaft der Heiligen mit großem geistlichen Gewinn für sich selbst und für die Kirche teilhaben, die durch ihr Leiden bereichert wird, das sie Gott darbringen. So ergänzt man für den Leib Christi, die Kirche, das, was an den Leiden Jesu Christi noch fehlt (vgl. Kol 1,24), und man verkündet das »Evangelium des Leidens«,[99] das der Meister den Jüngern durch sein Opfer übergeben hat, dessen Gedächtnis die Eucharistie ist.

Die Freude an der sonntäglichen Eucharistiefeier wieder zu entdecken ist eine der vielen pastoralen Herausforderungen für die Kirche in der Welt von heute, die immer mehr dazu neigt, das Fest nur als eine Gelegenheit zum oberflächlichen Vergnügen zu verstehen und nicht als einen Anlaß zu Gemeinsamkeit und Feier. Eine weitere ebenfalls anspruchsvolle Herausforderung besteht darin, das Interesse für die Teilnahme der Familien an der heiligen Messe zu wecken. Auf diese Weise erweitert die Familie, die Hauskirche, ihren christlichen Gesichtskreis und entdeckt mit den anderen Familien, ein lebendiger Teil der großen Familie Gottes, der katholischen Kirche, zu sein.

Die sonntägliche Feier wird schließlich ein Erkennungszeichen für die Katholiken, insbesondere in den Ländern, in denen sie die Minderheit bilden. Wenn sie zusammen beten und diese Haltung dann in Werke der Nächstenliebe umsetzen, liefert man einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Gesellschaft besonders in den Nationen, in denen traditionsgemäß eine individualistische Auffassung der Beziehung des Menschen zur Gottheit vorherrscht.

IV. TEIL

DIE EUCHARISTIE IN DER SENDUNG DER KIRCHE

I. Kapitel

Eucharistische Spiritualität

»Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt,
so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt«
(Joh 15,4).

Eucharistie, Quelle der christlichen Moral

72. Die Metaphora des Johannesevangeliums, die in die Rede des letzten Abendmahls eingefügt ist, erhält nicht nur eine kirchliche, sondern auch eine moralische Bedeutung; denn das durch die Eucharistie empfangene Gnadenleben garantiert die wahre kirchliche Gemeinschaft und auch ein moralisches Leben, gekennzeichnet von guten Werken und einer Rechtschaffenheit im Handeln dessen, der mit Christus lebendig verbunden ist.

Nicht wenige Antworten auf die Lineamenta betonen nachdrücklich die personale und kirchliche Bedeutung der Eucharistie im Bezug auf das moralische Leben, auf die Heiligkeit und auf die Sendung in der Welt. Die ständige Gegenwart und das Wirken des Heiligen Geistes, Geschenk des auferstandenen Herrn und durch die Kommunion empfangen, ist die Quelle des Dynamismus des geistlichen Lebens, der Heiligkeit und des Zeugnisses der Gläubigen.

Eucharistie und moralisches Leben sind also unzertrennlich. Wenn man sich vom heiligen Sakrament nährt, wandelt man sich innerlich, und der Mensch, der in der Taufe zum Leben nach dem Heiligen Geist wiedergeboren wurde, neigt zu einem neuen moralischen Leben, das nicht dem Fleisch gemäß ist. Die Eucharistie stärkt tatsächlich den christlichen Sinn des Lebens, denn ihre Feier ist ein Dienst an Gott und den Brüdern und führt zum Zeugnis für die evangeliumgemäßen Werte in der Welt. So offenbaren die drei Dimensionen des christlichen Lebens, liturgia - martyria - diakonia, die Kontinuität zwischen dem gefeierten und angebeteten Sakrament, der Verpflichtung, Christus inmitten der zeitlichen Wirklichkeiten zu bezeugen, und der Gemeinschaft, die besonders durch den Dienst der Nächstenliebe an den Armen aufgebaut wird.

73. Verschiedene Antworten bestehen auf der Beziehung zwischen Eucharistie und moralischem Leben und verweisen nachdrücklich auf das klare Bewußtsein, daß die moralische Verpflichtung wichtig ist, die aus der eucharistischen Kommunion erwächst. Es fehlt nicht an Hinweisen auf die Tatsache, daß zu viele das Sakrament empfangen, ohne daß sie zuvor über die Moralität ihres Lebens genügend nachgedacht haben.[100] Manche empfangen die Kommunion, obwohl sie die Lehre der Kirche verneinen oder öffentlich unmoralische Entscheide unterstützen, wie die Abtreibung, ohne daran zu denken, daß sie einen Akt schwerer persönlicher Unehrlichkeit begehen und Skandal erregen. Im übrigen gibt es Katholiken, die nicht verstehen, warum es Sünde ist, wenn sie einen Kandidaten politisch unterstützen, der offensichtlich die Abtreibung oder andere schwere Akte gegen das Leben, die Gerechtigkeit und den Frieden befürwortet. Aus dieser Haltung ergibt sich u.a., daß der Sinn der Zugehörigkeit zur Kirche in Krise ist und daß die Unterscheidung zwischen leichter und schwerer Sünde nicht klar ist.

In vielen Antworten wird angemerkt, daß sich auch gewisse Christen nicht von anderen Personen unterscheiden, weil sie der Versuchung zur Korruption auf vielfache Weise und auf allen Ebenen nachgeben.

Oft werden die besonderen Anforderungen an das moralische Leben von der Rolle der Kirche als Lehrerin des Lebens getrennt, so daß ihre Weisungen so gesehen werden, als müßten sie vom Gewissen des einzelnen gefiltert werden. In anderen Bereichen sind die Hirten bemüht, zu klären, warum es widersprüchlich ist, die Gewissensfreiheit oder die Religionsfreiheit als Maßstab zu nehmen, um die Lehre der Kirche zu mißachten. Man beruft sich auf der Pflicht der Gläubigen, die Wahrheit zu suchen und das rechte Gewissen zu haben.

Viele versuchen jedoch, die Eucharistie in ihr Leben einzubinden und als Kraftquelle zu betrachten, um die Sünde zu besiegen. Das geschieht vor allem in den Pfarreien, wo eine starke Präsenz von verschiedenen Diensten, caritativen Verbänden, Gebetsgruppen und Laienvereinigungen besteht.

74. Aus den Antworten auf die Lineamenta gehen einige Vorschläge hervor zur Überwindung der Dichotomie zwischen der Lehre der Kirche und der moralischen Haltung der Gläubigen. An erster Stelle wird für nützlich gehalten, die Notwendigkeit der persönlichen Heiligung und Bekehrung immer mehr herauszustellen und die Einheit zwischen der Lehre der Kirche und dem moralischen Leben noch mehr zu betonen. Die Gläubigen müssen auch ständig ermutigt werden, sich ins Bewußtsein zu rücken, daß die Eucharistie die Quelle der moralischen Kraft, der Heiligkeit und jedes geistlichen Fortschritts ist. Äußerst wichtig scheint auch, in der Katechese den Zusammenhang zwischen der Eucharistie und dem Aufbau einer gerechten Gesellschaft hervorzuheben, weil jeder Einzelne persönlich zur aktiven Teilnahme an der Sendung der Kirche in der Welt verpflichtet ist. In diesem Sinn tragen Katholiken, die in der Politik und in verschiedenen sozialen Aktivitäten eine hohe Position einnehmen, ganz besondere Verantwortung.

Die Kirche setzt ihre Hoffnung auf die Jugendlichen, die immer mehr auf die Eucharistie achten, den wertvollen Schatz und die unerschöpfliche Quelle für die Erneuerung des Lebens der Kirche und für die Hoffnung der Welt. Deshalb überrascht es nicht, daß das Thema, das für den Weltjugendtag in Köln vom 16.-21. August 2005 gewählt wurde: »Wir sind gekommen, um ihm zu huldigen« (Mt 2,2), eine tiefe eucharistische Bedeutung hat. Besondere Aufmerksamkeit verdient der wertvolle Beitrag, den dieses wichtige Ereignis zur synodalen Reflexion anbietet. Diesbezüglich hatte Papst Johannes Paul II. gesagt: »Die Eucharistie wird dabei der lebendige Mittelpunkt sein, um den herum - so wünsche ich es - sich die Jugendlichen sammeln, um ihren Glauben und ihren Enthusiasmus zu nähren«.[101] Deshalb wird zurecht vorgeschlagen, daß auch in den katholischen Schulen mehr Gewicht auf die Erziehung und Bildung der jungen Generationen zum Glauben und insbesondere zur eucharistischen Spiritualität gelegt wird.

Die Eucharistie, die Gegenwart des Leibes und Blutes des auferstandenen Herrn Jesus Christus ist, führt zur Vollkommenheit und zur Heiligkeit im christlichen Leben. Um dieses Ideal zu erreichen, ist die Gnade Gottes, die gute Vorbereitung der Gläubigen und eine ständige Katechese für jede Gruppierung von Personen notwendig.

Eucharistische Personen und Gemeinschaften

75. Die Eucharistie beweist ihre Wirksamkeit mit Früchten neuen Lebens auf Erden, Früchten der Heiligung und Vergöttlichung, das heißt ewigen Lebens. In diesem Sinn offenbart sich die Eucharistie als Sakrament hoher Spiritualität.

Viele Antworten verzeichnen eine positive Entwicklung der eucharistischen Spiritualität. Denn an vielen Orten ist in letzter Zeit die Anbetung des Allerheiligsten Sakraments wieder aufgenommen worden. Es wird auf eine Zunahme der eucharistischen Verehrung in den Pfarr- und Stiftskirchen hingewiesen, wie es die Dauer der eucharistischen Anbetung und die Einrichtung besonderer diesem Zweck dienender Kapellen anzeigt. Die Fronleichnamsprozession ist nach wie vor sehr populär, und das Stundengebet wird jetzt vor dem ausgesetzten Allerheiligsten gesprochen. Nicht weniger wichtig ist in dieser Hinsicht die von den neuen kirchlichen Bewegungen eingeführte Verehrung. Wo eine tatsächliche katechistische und liturgische Bildung vorhanden ist, spüren die Gläubigen deutlich den Unterschied zwischen der Messe und den anderen liturgischen Feiern oder Andachten, wenn sie an allen eucharistischen Initiativen, die von ihren Hirten angeboten werden, andächtig teilnehmen. Allgemein ist zu sagen, daß durch diese Übungen die Verehrung genährt wird, die man als das Sich-Schenken mit Geist, Seele und Leib an den Herrn verstehen kann.

Aber es gibt Antworten, die auf einige weniger ermutigende Aspekte hinweisen: das Nachlassen der Praxis des eucharistischen Segens; die verschlossenen Kirchen, vielleicht aus Furcht vor Diebstahl, während des größten Teil des Tages, was die private eucharistische Anbetung der Gläubigen verhindert; die Aufstellung des Tabernakels an ungeeigneten oder verborgenen Stellen, die nicht leicht zu finden sind, so daß die meisten Gläubigen, wenn sie in die Kirche kommen, die Gegenwart des Heiligsten Sakraments nicht bemerken und vom Gebet Abstand nehmen; die schwindende Gewohnheit, das Allerheiligste zum persönlichen Beten und Betrachten zu besuchen; die mangelnde Katechese, die den Unterschied zwischen der heiligen Messe und den übrigen liturgischen Feiern oder Andachten lehrt, weil sie durch die individualistische Sicht der Messe verhindert, die gemeinschaftliche Dimension des eucharistischen Opfers im rechten Maß zu schätzen.

76. Zahlreiche Antworten auf die Lineamenta wünschen sich ein verstärktes Bewußtsein der kirchlichen Dimension der Eucharistie, die jeden Individualismus überwindet, ebenso eine Erneuerung der eucharistischen Spiritualität, die das Sakrament als Anfang der Erlösung der Welt darstellt, wobei sie auch die Verehrung des auferstandenen Christus einschließt.

Es wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Kenntnis des Lebens der Heiligen und Seligen zu fördern, die Vorbilder der Spiritualität und des eucharistischen Lebens waren, und den Inhalt der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia [102] aufzugreifen. Sie lehren uns, das christliche Leben auf das Geheimnis der Eucharistie zu konzentrieren, die Gegenwart des Herrn im Heiligsten Sakrament anzubeten, sich vom Brot des Lebens zu nähren, das uns auf unserm Pilgerweg zum himmlischen Vaterhaus stützt. Die Eucharistie ist für alle Heiligen die Mitte und der Schwerpunkt des geistlichen Lebens; aber es gibt auch viele Heilige, die eine rein eucharistische Spiritualität entwickelt haben: so Ignatius von Antiochien, Tarcisius, Johannes Chrysostomos, Augustinus, Antonius der Abt, Benedikt, Franz von Assisi und Thomas von Aquin, Katharina von Siena, Klara von Assisi, Pasquale Baylon, Pier Giuliano Eymard, Alfons von Liguori, Charles de Foucauld, Johannes Maria Vianney, Józef Bilczewski, Iwan Mertz, Teresa von Kalkutta, um nur einige Beispiele eines reichen Verzeichnisses zu nennen.[103]

Maria, die eucharistische Frau

77. Unter allen Heiligen glänzt die seligste Jungfrau Maria als Modell der eucharistischen Heiligkeit und Spiritualität. Ihr Name wird gemäß der lebendigen kirchlichen Tradition in allen Canones der heiligen Messe und mit besonderem Nachdruck in den katholischen orientalischen Kirchen verehrungsvoll erwähnt. In vielen Antworten wird empfohlen, die Rolle der seligen Jungfrau Maria in der eucharistischen Liturgie genauer darzustellen.

Maria ist so eng mit dem eucharistischen Geheimnis verbunden, daß sie zu Recht in der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia[104] als die »eucharistische Frau« bezeichnet wird. Im Dasein Marias von Nazaret drückt sich nicht nur die einzigartige Beziehung zwischen der Mutter und dem Sohn Gottes in erhabener Weise aus, der von ihrem Leib und ihrem Blut Leib und Blut angenommen hat, sondern es wird auch die enge Beziehung deutlich, die die Kirche und die Eucharistie verbindet, weil die seligste Jungfrau Maria Modell und Urbild der Kirche ist, und Leben und Sendung der Kirche haben ihre Quelle und ihren Höhepunkt im Leib und Blut des Herrn Jesus Christus.

Die eucharistische Ausrichtung Marias erwächst aus einer inneren Haltung, die ihr ganzes Leben kennzeichnet, mehr als aus der aktiven Teilhabe im Augenblick der Einsetzung des Sakraments. Ihr Dasein, das einen tiefen ekklesialen Sinn hat, erhält auch diese eucharistische Note. Maria hat im eucharistischen Geist gelebt, noch bevor dieses Sakrament eingesetzt worden war, weil sie ihren jungfräulichen Schoß für die Menschwerdung des Wortes Gottes angeboten hat. Neun Monate lang war sie der lebendige Tabernakel Gottes. Dann führte sie eine eucharistische und zugleich ekklesiale Geste aus, als sie das Jesuskind den Hirten, den Magiern und dem Hohenpriester im Tempel vorstellte, indem sie die gebenedeite Frucht ihres Leibes dem Volk Gottes und auch den Heiden zeigte, damit sie es anbeten und als Messias erkennen konnten. Eine ähnliche Tat war ihre Anwesenheit und ihre besorgte Fürsprache in Kanaan, in der Stunde des ersten Zeichens, das der Sohn wirkte, als er sich durch ein Wunder vorstellte. Eine ähnliche Geste vollbrachte die Jungfrau und Mutter unter dem Kreuz, als sie an den Leiden ihres Sohnes teilhatte und dann seinen Leib in ihre Arme nahm und als geheimnisvollen Samen der Auferstehung und des neuen Lebens für das Heil der Welt ins Grab legte. Eine Darbringung eucharistischer und ekklesialer Natur war auch ihre Gegenwart bei der Ausgießung des Heiligen Geistes, des ersten Geschenks des auferstandenen Herrn an die entstehende Kirche.

Die Jungfrau Maria war sich bewußt, daß sie den Christus für das Heil aller Menschen empfangen hatte. Dieses Bewußtsein wurde in ihrer Teilhabe am Ostergeheimnis offenbar, als ihr Sohn mit den Worten »Frau, siehe, dein Sohn« (Joh 19,26) ihr durch den Apostel Johannes alle Gläubigen anvertraute. Wie die Jungfrau Maria so vergegenwärtigt auch die Kirche den Herrn Jesus durch die Feier der Eucharistie, um ihn allen zu schenken, damit sie das Leben in Fülle haben (vgl. Joh 10,10).


II. Kapitel

Eucharistie und Evangelisierungsauftrag

»Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern;
tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und
des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen,
was ich euch geboten habe«
(Mt 28,19-20)

Eucharistische Haltung

78. Die missionarische Sendung, alle Völker zu evangelisieren, mit der Jesus die Jünger beauftragt hat und die auf der Taufe als dem Sakrament gründet, das den Weg zu einem neuen Leben durch das unauslöschliche Prägemal der Kinder Gottes öffnet, umfaßt die Gewissensbildung hinsichtlich eines evangeliumsgemäßen Lebensstils, der die Verkündigung der frohen Botschaft und das neue Liebesgebot in den Mittelpunkt stellt, dessen Höhepunkt und unversiegbare Quelle die Eucharistie ist.

Die Antworten auf die Lineamenta machen deutlich, daß überall ein neuer Schwung der Evangelisierung erwartet wird, weil die Zeit ihn erfordert. Die Zahl der Erwachsenentaufen und der Kircheneintritte steigt an. Aber viele müssen Christus und sein Evangelium noch kennenlernen, und viele andere kennen ihn zwar, müssen aber in dem Glauben, den sie bekennen, noch wachsen. Sie alle sind heute das Ziel der Neuevangelisierung. Es war Papst Johannes Paul II., der erstmals diese Redewendung gebraucht und gleichzeit deren Bedeutung erklärt hat. Er wollte nämlich sagen, daß die Evangelisierung »in ihrer Glut neu, in ihren Methoden neu und in ihrem Ausdruck neu« sein sollte.[105] Während man mit dieser Definition auf eine Neuheit des frohen Zeugnisses in der Haltung der Evangelisatoren anspielte, bekräftigte man zugleich den immerwährenden und unveränderlichen Inhalt der frohen Botschaft, die Jesus Christus ist, der dem Menschen von heute in angemessener Weise vorgestellt wird. Dieser neue Impuls der Evangelisierung, den man auch auf die Erstverkündigung des Evangeliums beziehen kann, nährt sich von der Eucharistie, die in den Wechselfällen der Geschichte immer Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche ist.

Die Eucharistie hat den Entscheidungen und dem ethischen und moralischen Verhalten der Gläubigen immer Kraft verliehen, wobei sie in der Philosophie, in der Kunst, in der Literatur und sogar in den bürgerlichen Einrichtungen und in den Gesetzen Aufnahme gefunden hat, indem sie dazu beitrug, das Gesicht einer ganzen Gesellschaft im persönlichen, familiären, kulturellen, politischen und sozialen Leben zu formen. Die Eucharistie regt die Christen zum Engagement für die Gerechtigkeit in der Welt von heute an: »Für diese Sendung gibt die Eucharistie nicht nur die innere Kraft, sondern liefert auch - in gewissem Sinn - den Plan. Die Eucharistie ist wirklich eine Seinsweise, die von Jesus auf jeden Christen übergeht und durch sein bzw. ihr Zeugnis in die Gesellschaft und in die Kultur ausstrahlen möchte... Dem eucharistischen Plan im Alltag, dort, wo wir arbeiten und leben - in der Familie, in der Schule, in der Fabrik wie in den verschiedenen Lebensbedingungen -, eine Gestalt zu geben, heißt unter anderem zu bezeugen, daß sich die menschliche Wirklichkeit nicht ohne Bezug zum Schöpfer begründen läßt. Denn das Geschöpf sinkt ohne den Schöpfer ins Nichts«.[106] Das wird als »eucharistische Haltung« bezeichnet, die die Christen drängen soll, in verstärktem Maß die Gegenwart Gottes in der Welt zu bezeugen, keine Angst zu haben, von Gott zu sprechen und die Zeichen des Glaubens erhobenen Hauptes zu tragen, im Zeugnis und im Dialog mit allen. Der besondere Auftrag des eucharistischen Jahres ist deshalb, die »Kultur der Eucharistie« zu fördern und zu verbreiten.[107]

Soziale Implikationen der Eucharistie

79. Wesentliche Auswirkung der Eucharistie ist die Nächstenliebe, die das soziale Leben durchdringen muß. Das II. Vatikanische Konzil und Papst Paul VI. haben über die unterschiedliche Gegenwart Christi gesprochen:[108] Man muß den Christen helfen, daß sie den Zusammenhang erfassen, der zwischen dem Christus in der Eucharistie und dem Christus besteht, der in ihren Brüdern und Schwestern, besonders in den Armen und Ausgegrenzten der Gesellschaft, gegenwärtig ist.

Die Liebe zu den Armen und Ausgegrenzten war für Jesus nicht nur Gegenstand der Verkündigung, sondern hat seinem ganzen Leben Sinn gegeben. Die Lösung der großen und kleinen Probleme der Menschheit ist nicht die schwache und rhetorische Liebe, sondern die Liebe, die Christus in der Eucharistie uns lehrt, die Liebe, die sich schenkt, sich ausbreitet, sich opfert. Wir müssen beten, daß Christus unsere menschlichen Widerstände besiegt und jeden von uns zu einem glaubwürdigen Zeugen seiner Liebe macht.

Das Thema des 48. Internationalen Eucharistischen Kongresses: Die Eucharistie, Licht und Leben des neuen Jahrtausends, sollte bekräftigen, daß Christus, der das Licht der Welt ist, sie im neuen Jahrtausend durch die Kraft eines erneuerten Lebens gemäß der Logik des Evangeliums erleuchten soll. In der heutigen globalisierten und - wie es heißt - wenig solidarischen Welt, die von der ständig sich weiter entwickelnden Technologie bestimmt wird und vom internationalen Terrorismus und anderen Formen der Gewalt und Ausbeutung gekennzeichnet ist, bewahrt die Eucharistie ihre zeitgemäße Botschaft, die notwendig ist, um eine Gesellschaft aufzubauen, in der die Gemeinschaft, die Solidarität, die Freiheit, die Achtung der Personen, die Hoffnung und das Vertrauen auf Gott vorherrschen.

Eucharistie und Inkulturation

80. Der Glaube wird Kultur und bewirkt Kultur. Wir alle kennen den Kulturreichtum, der sich in den Jahrhunderten in der Liturgie des Ostens und des Westens niedergeschlagen hat: die Texte der Gebete, die reichhaltigen Riten, die Werke der Architektur, der plastischen Künste und der Kirchenmusik. Das alles zeigt, daß die Religion an die Kultur anknüpft, an die Gesamtheit dessen, was die Menschheit an Gutem und Bedeutenden geschaffen hat. Die Kultur liefert dem Glauben die geeigneten Mittel, um die von Gott geoffenbarte und in der Liturgie verkündete Wahrheit auszudrücken.

Die Inkulturation ist der Entwicklungsprozeß, der die Kirche von Anfang an begleitet hat. Es gibt viele und ausgezeichnete Beispiele der Inkulturation. Das bezeugen zum Beispiel die katholischen orientalischen Kirchen. Hier verdient das Werk der heiligen Slawenapostel Cyrill und Method erwähnt zu werden.[109] Der Inkulturationsprozeß bleibt auch in den heutigen kirchlichen Gemeinschaften lebendig. Um ihn recht in Gang zu bringen, muß man die ungeschuldete Natur der Erlösungstat Gottes und das entsprechende Erfassen und Aufnehmen seitens des Menschen in seiner vollen Verantwortlichkeit und in seiner personalen und gemeinschaftlichen Wirklichkeit gegenwärtig halten, die sich in seinem Leben und in der Kultur widerspiegeln.

Die allgemeinen Grundsätze der Inkulturation werden im Konzilsdekret Ad gentes,[110] in der Instruktion Varietates legitimae über die römische Liturgie und die Inkulturation[111] und in vielen anderen diesbezüglichen Weisungen des Lehramtes klar ausgedrückt.[112] Das Thema Inkulturation wurde auch in mehreren kontinentalen Sonderversammlungen und in den entsprechenden Apostolischen nachsynodalen Schreiben behandelt.[113]

Dennoch treten Schwierigkeiten auf bei dem Versuch, diese Prinzipien anzuwenden. Es bestehen hauptsächlich zwei Risiken, einmal, in die Altertümlichkeit zu verfallen, oder zum zweiten, der Versuch, um jeden Preis modern sein zu wollen. Es darf aber nie das Ziel der Sendung der Kirche außer Acht gelassen werden: die Evangelisierung aller Menschen im Kern ihrer Kulturen. Inkulturation ist also nicht einfaches Anpassen, sondern das lebendige Ergebnis der gelebten Begegnung zwischen der Kultur eines bestimmten Umfeldes und der aus dem Evangelium erwachsenen Kultur. Aus diesem Grund, bevor die Einbindung bestimmter Elemente einer Ortskultur in die Liturgie beschlossen wird, soll das Evangelium verkündet und eine große Anstrengung in der Glaubensbildung gemacht werden, das heißt in der Katechese und Bildung auf allen Ebenen, damit eine neue evangelisierte Kultur entstehen kann. Dann können die Bischofskonferenzen und andere zuständige Organe beurteilen, ob die Einbindung von Elementen möglich ist, die das Brauchtum der Völker geprägt haben und lebendiger Teil ihrer Kultur sind, damit sie die liturgische Handlung bereichern, ohne daß sie ungünstige Auswirkungen auf den Glauben und die Frömmigkeit der Gläubigen haben.

81. Aus den Antworten auf die Lineamenta ist ersichtlich, daß die Inkulturation in verschiedenen Teilen der westlichen Welt im allgemeinen die Gruppen der Einwanderer und die ethnischen Pfarrgemeinden betreffen, und daß viele Anstrengungen auf diesem Gebiet unternommen werden. In anderen geographischen Regionen wird die Inkulturation eine vordringliche Frage der Pastoral.

Hinsichtlich des Themas der liturgischen Inkulturation müssen jedenfalls die Bestimmungen der offiziellen Dokumente der Kirche beachtet werden, die entsprechende pastorale Kriterien anbieten. Gleichzeitig muß man gegenwärtig halten, daß eine große Treue gegenüber dem Heiligen Geist erforderlich ist, um »das Glaubenserbe unverändert zu bewahren, so unterschiedlich die Gebete und die Riten auch sein mögen«.[114] Gerade deshalb ist es notwendig, ein genaues Gleichgewicht zu bewahren zwischen der Tradition, die einen unveränderten Glauben an die Eucharistie ausdrückt, und der Anpassung an die neuen Bedingungen.

Manche Antworten weisen auf bestimmte Probleme hin, die aus den Versuchen der liturgischen Inkulturation entstehen, die zwar im guten Glauben durchgeführt wurden, aber Schatten auf die Eucharistie werfen können. In dieser Hinsicht ist zu beachten, daß die örtlichen Elemente, wie Lieder, Gesten, Tänze, Gewänder einer entsprechenden Reinigung zu unterziehen sind, bevor man in die Liturgiefeier das einbindet, was mit dem eucharistischen Kult übereinstimmt. Es hat nicht an Fällen von liturgischen Anpassungen gefehlt, die im guten Glauben vollzogen wurden, aber ohne eine entsprechende Kenntnis der örtlichen Kultur, so daß es für die Gläubigen zum Anstoß wurde. Sie sind überrascht, wenn sie sehen, daß der Eucharistie unpassende Inhalte zuerkannt werden, die für ihre Riten typisch sind.

Aus anderen Antworten auf die Lineamenta aber gehen positive Aspekte auf dem Gebiet der Inkulturation hervor, vor allem im Bereich der Kirchenmusik. Es wird jedenfalls empfohlen, die Inkulturation unter der Verantwortung des Diözesanordinarius mit der Aufsicht der Bischofskonferenz und der recognitio des Heiligen Stuhls zu vollziehen. Zugleich wird die getreue Anwendung der allgemeinen Normen im Bereich der Inkulturation und der Innovation gefordert, um zu vermeiden, daß im Namen der Inkulturation unangemessene Änderungen vorgenommen werden.

Man hofft, daß Latein weiterhin verwendet wird, vor allem in den internationalen Liturgiefeiern, um die Einheit und Universalität der Kirche im Bezug auf den Ritus der römischen Mutterkirche zum Ausdruck zu bringen. In dieser Hinsicht wäre es wünschenswert, daß die Christen aller Länder einige liturgische Grundtexte auf Latein, wie das Gloria, Credo und Pater noster beten und singen könnten.

Eucharistie und Frieden

82. Vor der Kommunionausteilung bittet der Bischof oder der Priester den auferstandenen Herrn Jesus Christus, der zu seinen Jüngern gesagte hatte: »Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch« (Joh 14,27). Der Zelebrant bittet den Herrn Jesus, der Kirche Einheit und Frieden seinem Willen entsprechend zu gewähren.[115]

Die Eucharistie ist das Sakrament des Friedens, das im Anschluß an die im Bußsakrament mit Gott und dem Nächsten erfolgte Versöhnung seine Vollendung findet. Sie macht die Gnade gegenwärtig, die der auferstandene Herr mit den Worten ausgesprochen hat: »Friede seit mit euch« (Joh 20,19). Das Sakrament der Eucharistie bietet den Gläubigen auch die Gnade, den Geist der Seligpreisungen und insbesondere das Wort Jesu Christi: »Selig, die Frieden stiften« (Mt 5,9), in die Praxis umzusetzen. Durch das Kreuzesopfer hat Er den Sieg über die Sünde, über den Tod, über jede Spaltung und jeden Haß errungen. Als Auferstandener verkündete er seinen Frieden den Nahen und den Fernen (vgl. Eph 2,17).

Der Frieden der Herzen, der Familien, der Gemeinschaften, der Kirche ist das Geschenk des auferstandenen Herrn, der im Sakrament der Eucharistie gegenwärtig ist. Wer dieses Sakrament empfängt, soll in seinem Innern schon den Frieden Gottes besitzen, der aber durch die Sünde ausgeschlossen ist. Während der Bußakt am Anfang der heiligen Messe von den leichten Sünden reinigt, ist für die schweren Sünden die sakramentale Absolution notwendig. Die Eucharistie verstärkt von sich aus dieses Geschenk des Friedens und schenkt allen, die sie empfangen, die Gnade, an ihrem Wohnsitz und am Arbeitsplatz selbst Friedensstifter zu werden.

83. Die Gläubigen sollen die Eucharistie als Kraft der Versöhnung und des Friedens mit Gott und unter den Brüdern wieder entdecken. In der heutigen Welt, wo es nicht an Gründen, auch berechtigen, zur Spaltung und Isolation fehlt, ist es angemessen, daß die um den Tisch des Herrn versammelten Christen ihre gemeinsamen Wurzeln wieder entdecken, die in ihm zu finden sind. Im Gebet, im Nachdenken und in der Anbetung werden die Gläubigen mit Hilfe des Wortes Gottes und der Predigt des Zelebranten in ihrem Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung gestärkt, damit sie sich immer mehr der anspruchsvollen Aufgabe widmen, eine bessere, gerechtere und friedlichere Welt aufzubauen. Sie werden die verschiedenen politischen und sozialen Optionen respektieren, solange sie nicht im Widerspruch zu den Grundsätzen des Evangeliums stehen, die die Soziallehre der Kirche inspiriert haben.

Aber nicht immer wird diese Dimension der Eucharistie erfaßt, woraus folgt, daß die langwierigen Konflikthaltungen zwischen Personen und Gemeinschaften Grund zum Widerspruch und zum Skandal werden. Die Kirche, in ihren Gläubigen befriedet, feiert und betet die Eucharistie an als Sakrament der Barmherzigkeit, als Zeichen der Einheit und als Band der Liebe.[116]

84. Indem sie sich der unerschöpflichen Quelle der Gnade, der Eucharistie, anvertraut, fördert die Kirche die Sache des Friedens in der Welt, die durch Konflikte, Gewalt- und Terrorakte und Kriege heimgesucht wird, die die Würde der Menschen und der Völker verletzen und jede Weiterentwicklung verhindern. Die katholische Kirche wird nicht müde, das Evangelium des Friedens zu verkünden (vgl. Eph 6,15) und verschiedene Initiative zu fördern mit dem Ziel, jeden Krieg zu beenden und mit Hilfe des Dialogs und der Zusammenarbeit den Aufbau des Friedens in der Welt zu ermutigen.

Die Eucharistie, Gedächtnis und Opfer Jesu Christi, der »unser Friede ist, der die beiden Teile (Juden und Heiden) vereinigte und der durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft niederriß« (vgl. Eph 2,14), lenkt die Kirche in dieser dringenden und schwierigen Sendung, indem sie sie für die Zusammenarbeit mit den Menschen guten Willens öffnet. Die Eucharistie, das Sakrament der mit Gott und mit den Brüdern Versöhnten (vgl. Kol 1,22), wird auch Ansporn zur Ausübung des »Dienstes der Versöhnung« (2 Kor 5,18). Weil sie vom Wort Gottes weiß, daß alle gesündigt haben (vgl. Röm 3,23) und deshalb alle der Vergebung bedürfen, bietet die Kirche den Menschen an, den Teufelskreis der Gewalt und des Hasses zu brechen, indem sie die Kraft finden, um Vergebung zu bitten und zu vergeben.

Der Heilige Vater und der Heilige Stuhl sind im Namen der Kirche in den internationalen Foren aktiv präsent, während sie die Sache des Friedens eifrig unterstützen, den Dialog und die Zusammenarbeit in Achtung des internationalen Rechts fördern und u.a. sich für den Abbau der Waffen und die Verbannung der Massenzerstörungswaffen engagieren. In diesem Werk des Gebets, der Überzeugung und Bildung spielen die Botschaften des Papstes anläßlich des Weltfriedenstages eine wichtige Rolle.

In dem Bewußtsein, daß der wahre Frieden nur von oben kommen kann (vgl. Jk 1,17; Lk 2,14), erbittet die Kirche weiterhin dieses große Geschenk, während sie danach strebt, sich so weit wie möglich auf dieser Erde auszubreiten, bevor sie in der Ewigkeit voll erstrahlt, wo der Gott des Lebens den Friedensstiftern Frieden, Segen, Licht und Freude zusichert (vgl. Mt 5,9).

Eucharistie und Einheit

85. Im Eucharistischen Hochgebet bittet die Kirche Gott den Allmächtigen, ihr auch das Geschenk der Einheit zu gewähren. Dieses Geschenk betrifft die Natur der von Jesus Christus gewollten Kirche, die sich ja ihren wesentlichen Eigenschaften entsprechend die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche nennt.

Bevor er den Opfertod am Kreuz auf sich nahm, hat der Herr Jesus für die Einheit seiner Jünger gebetet: »Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir« (Joh 17,11). In diesem »Hohepriesterlichem Gebet« sind die Christen aller Zeiten präsent, Jesus Christus hat sowohl für die Einheit der Apostel als auch derer gebetet, die durch ihr Wort an ihn glauben sollten (vgl. Joh 17,20). Die Einheit der Jünger des Herrn Jesus Christus kommt von der Natur der Kirche her. Die Einheit ist außerdem einer der Gründe für ihre Glaubwürdigkeit: »Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast« (Joh 17,21).

Die Sünden gegen die Einheit haben leider das irdische Leben der Kirche begleitet. Neben dem Sohn des Verderbens (vgl. Joh 17,12) mußte die Urgemeinde sich mit falschen Propheten auseinandersetzen (vgl. 1 Joh 4,4) und mit denen, die aus der Gemeinschaft ausgeschieden waren, weil sie ihr in Wirklichkeit nicht angehörten (vgl. 1 Joh 2,19). Paulus mußte warnen vor denen, »die im Widerspruch zu der Lehre, die ihr gelernt habt, Spaltung und Verwirrung verursachen« (Röm 16,17). Er selbst mußte in der Gemeinde von Korinth entschieden eingreifen, um ihre Spaltungen zu heilen (vgl. 1 Kor 1,12), die von irdisch gesinnten Menschen hervorgerufen worden waren, die den Geist nicht besaßen (vgl. Jud 19).

Leider gibt es auch heute in der Kirche noch den Skandal der Spaltungen auf verschiedenen Ebenen. Die Eucharistie sollte für alle ein deutlicher Aufruf sein, die Einheit in den Familien, in den Pfarrgemeinden, in den kirchlichen Bewegungen, in den Ordensgemeinschaften und in den Diözesen zu wahren. Die Eucharistie schenkt auch die Gnade, die Einheit der Christen, der Glieder des Leibes Christi, wiederherzustellen. »E i n Brot ist es. Darum sind wir viele e i n Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot« (1 Kor 10,17).

Das Hohepriesterliche Gebet Jesu Christi umfaßt alle, die an ihn glauben (vgl. Joh 17,20). Leider hat das Christentum im Lauf der Geschichte schmerzliche Spaltungen in mehreren Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften erfahren. Angesichts dieser Sünde, die Grund zum Skandal für die Welt ist, muß man beten und dahin wirken, daß das Gewand Jesu ohne Naht (vgl. Joh 19,23-24) wiederhergestellt werde und das Netz der Menschenfischer unversehrt erhalten bleibe (vgl. Mt 4,19; Joh 21,11). Es handelt sich um das Werk Gottes, zu dessen Verwirklichung alle Christen berufen sind gemäß der eigenen Berufung und Verantwortung. Aber alle haben die Pflicht zu beten, daß sich das Wort Jesu Christi erfülle: »Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muß ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten« (Joh 10,16). Diesem Wort des Herrn folgt das Gebet der ganzen Kirche, die durch den Mund ihres universalen Hirten bittet: »Ja, Herr, gedenke deiner Zusage. Laß einen Hirten und eine Herde sein. Laß dein Netz nicht zerreißen, und hilf uns, Diener der Einheit zu sein!«.[117]

Eucharistie und Ökumenismus

86. Der Ökumenismus ist sicher ein Geschenk des Heiligen Geistes und ein unausweichlicher Weg für die Kirche. Nach dem II. Vatikanischen Ökumenischen Konzil und dem Dekret über den Ökumenismus »Unitatis redintegratio« wurde in den Beziehungen zu den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften ein weiter und fruchtbarer Weg zurückgelegt, wobei die Bande der Einheit verstärkt wurden, die auf verschiedenen Ebenen bereits bestehen, in der Suche nach der vollen Einheit im Hinblick auf die gemeinsame Eucharistiefeier. In diesem dringenden und unverzichtbaren Werk bestehen besondere Beziehungen zu den orientalischen Kirchen, denen die katholische Kirche, trotz einer mangelnden vollen Gemeinschaft, die Gültigkeit des Sakraments der Eucharistie anerkennt. Unter bestimmten Voraussetzungen ist deshalb die Kommunion der Katholiken in den genannten Kirchen erlaubt, so wie deren Mitglieder auch in der katholischen Kirche am Altar aufgenommen werden, wenn ihnen der rechtmäßig geweihte Priester fehlt.

Auch die Beziehungen zu den aus der Reformation hervorgegangenen Gemeinschaften haben sich günstig entwickelt. Hier ist die Erfahrung eines heiklen und hoffnungsvollen Weges zum Großteil vom Verhältnis zum Sakrament der Eucharistie abhängig, wie es dementsprechend in der kanonischen Regelung[118] und im Direktorium über den Ökumenismus[119] beschrieben wird.

In den Antworten auf die Lineamenta wird unterstrichen, daß die Liturgie als Kultausdruck geachtet wird und nicht mit irgendeiner sozialen Initiative zu verwechseln ist. Papst Johannes Paul II. hat nachfolgend zur Lehre des II. Vatikanischen Konzil in seiner ersten Enzyklika erklärt: »Obgleich es richtig ist, daß die Eucharistie immer die tiefste Offenbarung und Feier der menschlichen Brüderlichkeit unter den Jüngern und Zeugen Christi gewesen ist und noch weiter sein muß, darf sie nicht nur als eine 'Gelegenheit' benutzt werden, um diese Brüderlichkeit zu bekunden. In der Feier des Sakramentes des Leibes und Blutes des Herrn muß man die volle Dimension des göttlichen Geheimnisses und den vollen Sinn dieses sakramentalen Zeichens beachten, bei dem der wahrhaft gegenwärtige Christus empfangen, die Seele mit Gnaden beschenkt und ein Unterpfand der künftigen Herrlichkeit gegeben wird«.[120] Im Licht dieser Lehre wird die Bekräftigung verständlich, daß die Eucharistie die kirchliche Gemeinschaft voraussetzt.[121] Wenn man nun sagt, daß die Eucharistie Zeichen der Einheit der Kirche, seines Leibes, ist, dann ist das nicht auf die Natur des Sakraments, sondern auf seine Wirkung zu beziehen.[122]

Die ökumenischen Treffen sind eine bevorzugte Gelegenheit, die Lehre der Kirche über die Eucharistie und die Einheit der Christen bekannt zu machen. Obwohl die Spaltungen mit Schmerz akzeptiert werden, die die gemeinsame Teilnahme am Tisch des Herrn verhindern, hört die Kirche nicht auf, zum Gebet zu ermutigen, damit die Tage der vollen Einheit aller, die an Christus glauben, wiederkehren.[123] Dennoch wird in einigen Antworten auf die Lineamenta auf die Tatsache hingewiesen, daß bei solchen Begegnungen manchmal eine klare Auslegung der Lehre über die Eucharistie von seiten der Katholiken fehlt. Während dieses Sakrament in bestimmten Fällen bei den jeweiligen Gottesdiensten ausgeschlossen wird, wird es in anderen Fällen einbezogen, und man lädt alle Teilnehmer unterschiedslos zum Kommunionempfang ein. Beklagt werden auch gewisse Probleme, die dort entstanden sind, wo manche aus der Reformation hervorgegangene kirchliche Gemeinschaften besonders unter den Spanisch sprechenden Immigranten Proselytenmacherei betreiben, indem sie Einladungen verteilen, in denen ihr Gottesdienst nicht selten »Messe« genannt wird.

Jedenfalls ist der Geist sehr positiv, mit dem viele Hirten in Zustimmung zur Lehre der Kirche in diesem Bereich sich mit Eifer und Nächstenliebe bemühen, zur ersehnten kirchlichen Einheit beizutragen, aber nicht vergessen, daß die Eucharistie das letzte Ziel des ökumenischen Bemühens ist, das die Einheit im Glauben anstrebt. Als Ziel der Einheit darf die Feier natürlich nicht das Mittel zur Vereinigung sein. So lange nicht die Einheit des Glaubens erreicht ist, darf sie nicht vorweggenommen werden. Nur im Licht der Einheit, die von der Eucharistie vorausgesetzt und bekräftigt wird, wird der Sinn der »Interkommunion« verständlich.

Eucharistie und Interkommunion

87. Die Spaltung zwischen den Christen ist Grund großen Leidens. Das Bemühen um die Wiederherstellung der Gemeinschaft mit den getrennten Brüdern, die nicht dasselbe Glaubensverständnis für die Gegenwart Christi in der Eucharistie haben, ist eine unabdingbare Dringlichkeit. In dieser Sache gibt es genaue kanonische Vorschriften und eine klare Weisung des Lehramtes der Kirche, das dazu ermutigt, in der Suche der Einheit fortzufahren, aber immer auch die Gründe verdeutlicht, die die volle Gemeinschaft verhindern und die Kommunikation in sacris regeln.[124] Viele Katholiken kennen und schätzen diese Disziplin, weil sie in ihr einen sicheren Weg sehen, der zum Gebet für die getrennten Brüder in Erwartung der Vereinigung anleitet.

Und doch gibt es, wie aus einigen Antworten auf die Lineamenta hervorgeht, Fälle von mißverständlichem Egalitarismus, die zu manchem Irrtum geführt haben. Denn viele wollen die heilige Kommunion in sacris empfangen, ohne eine Kommunion, die auf einer höheren lehrmäßigen und kirchlichen Ebene steht. Diese Haltung überrascht, weil es ein Irrtum wäre, nicht zur kirchlichen Gemeinschaft zu gehören, aber die eucharistische Kommunion empfangen zu wollen, die doch das Zeichen der Zugehörigkeit ist; das heißt die Hirten und die Lehre nicht zu akzeptieren, aber an den Sakramenten teilzuhaben, die von ihnen gefeiert werden. Diese Denkweise kommt vielleicht von einer mangelnden Klarheit im Bezug auf den Unterschied, der zwischen der Einheit der Kirche und der Einheit des Menschengeschlechts besteht: die erste ist Zeichen und Werkzeug der zweiten, die es noch zu erlangen gilt.

In den Antworten wird auch angemerkt, daß in manchen Fällen, wenn an der Eucharistiefeier in einer katholischen Kirche auch nichtkatholische Personen teilnehmen, der Hauptzelebrant diese einlädt, zum Altar zu kommen, um den Segen, aber nicht die Kommunion zu empfangen. Es ist eine Weise, die der Verteilung des antidoron im byzantinischen Ritus ähnelt. In diesen Fällen wird die katholische Lehre über die Kommunion ohne Kompromisse dargestellt und beachtet. In manchen Nationen finden die ökumenischen Treffen im Ramen von Wortgottesdiensten statt, wobei jedes Mißverständnis hinsichtlich des Sakraments der Eucharistie vermieden wird. Wenn jedenfalls Nichtkatholiken oder Nichtchristen an der heiligen Messe teilnehmen, wäre es nützlich, ihnen eine Broschüre mit den wichtigsten Erklärungen der Feier zu geben, damit sie der Handlung folgen können.

Viele Antworten auf die Lineamenta drücken das sichere Bewußtsein aus, daß eine treue Beachtung der Weisungen der Kirche in Sache eucharistische Interkommunion ein wahrer Ausdruck der Liebe zu Jesus Christus im Heiligsten Sakrament und zu den Brüdern der anderen christlichen Bekenntnisse sowie ein echtes Zeugnis für die Wahrheit ist.[125] Während der Konsens über die Tatsache, daß der Eucharistiefeier die Einheit im Glaubensbekenntnis vorausgehen muß, sehr breit zu sein scheint, bleibt noch die Weise zu klären, auf welche Weise das eucharistische Geheimnis im Kontext des ökumenischen Dialogs vorgestellt werden soll, damit zwei entgegengesetzte Gefahren zu vermeiden: die vorbehaltliche Ausschließung und der Relativismus. Das rechte Maß finden, das ist die Hauptbedingung, um eine gesunde Öffnung beizubehalten und zugleich die Wahrheit und die eigene katholische Identität zu schützen.

Ite missa est

88. Die Worte, mit denen die Eucharistiefeier endet, Ite, missa est, erinnern an den Missionsauftrag des auferstandenen Herrn an die Jünger vor seiner Himmelfahrt: »Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern« (Mt 28,19). Denn der Abschluß jeder heiligen Messe ist unmittelbar mit dem Sendungsauftrag verbunden. Darin sind alle Getauften mit einbezogen, jeder entsprechend der eigenen Berufung inmitten des Volkes Gottes: die Bischöfe, die Priester, die Diakone, die Mitglieder des geweihten Lebens und der kirchlichen Bewegungen, die Laien. Wesentlich für die Erfüllung dieser Sendung ist das Zeugnis, das die erste Pflicht jedes in die Welt gesandten Christen ist. Denn »es gibt kein Zeugnis ohne Zeugen und keine Mission ohne Missionare«.[126] Diese Charakteristik der Missionstätigkeit ergibt sich aus den Worten Jesu: »Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt« (Joh 13,35). Die Mission ist anspruchsvoll und verbindlich für die menschlichen Fähigkeiten. Wo soll man die Kraft hernehmen, wenn nicht aus der Eucharistie, aus der unerschöpflichen Quelle der Mission und dem wahren Ursprung der Gemeinschaft und Solidarität, der Versöhnung und des Friedens?

Das Werk der Evangelisierung hat als letztes Ziel die persönliche Begegnung jedes Menschen mit Jesus Christus, lebendig und gegenwärtig im Sakrament seines Leibes und seines Blutes, das die Kirche als Brot für das Leben der Welt anbietet. Auch diese eucharistische Zielsetzung der Mission hat ihre Grundlage in der Lehre Jesu Christi, der alle Menschen guten Willens ohne Unterschied und Vorurteil zum Gastmahl einlädt (vgl. Mt 22,1-13; Lk 14,16-24) und sich für das Heil aller opfert (vgl. Mt 26,26-29; Lk 22,15-20; Mk 14,22-25; 1 Kor 11,23-25). Die Eucharistie ist also der Höhepunkt, den die ganze Missionstätigkeit der Kirche, auch die ad gentes natürlich anstrebt. Welchen Sinn hätte es sonst, das Evangelium zu verkünden, wenn nicht den, jeden zur Gemeinschaft mit Christus und mit den Brüdern hinzuführen, von der die heilige Messe als Vorwegnahme des ewigen Gastmahls höchster liturgischer und sakramentaler Ausdruck ist?

Die Eucharistie ist also das pulsierende Herz der Mission, sie ist die wahre Quelle und ihr einziges Ziel. Die aus vielen Antworten auf die Lineamenta hervorgegangene berechtigte Forderung, mit neuem Geist den missionarischen Elan zu fördern, der der Natur der Eucharistiefeier innewohnt und aus einem apostolischen und aufmerksamen Blick auf diese Welt zu Beginn des dritten Jahrtausends erwächst, die mehr denn je des Friedens, der Liebe und brüderlichen Gemeinschaft bedarf, die nur Jesus Christus schenken kann.

89. Deshalb müssen die Christen die missionarische Dimension der Eucharistie bekräftigen. Sie verkünden spontan den Menschen und der Welt die großen Taten Gottes, der Mensch geworden und gegenwärtig ist unter den Gestalten von Brot und Wein, die mit Hilfe der Kommunion in ihr Leben eintreten, um es zu verwandeln. Das gilt für die Christen, die in einer säkularisierten Welt leben, wo die mehrheitlichen Fernen in ständiger geistlicher Qual auf der Suche nach Gott sind, der ihnen doch immer nahe bleibt. Dieser Eifer begleitet die Missionare, die, angetrieben von der Liebe zu Gott, die Erstverkündigung der frohen Botschaft den Personen anbieten, die bisher das Evangelium Jesu Christi nicht kannten oder es nicht in angemessenem und vollem Sinn kannten.

Der Dialog und die gebührende Achtung gegenüber den Werten, die in den Wirklichkeiten gegenwärtig sind, denen sie begegnen, können die Christen nicht daran hindern, den Menschen guten Willens das missionarische Angebot zu machen getreu dem Gebot des Herrn: »Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen« (Mk 16,15).

Es handelt sich um eine begeisternde und zugleich schwierige Aufgabe, die volle Hingabe, auch bis zum Martyrium erfordert. In diesem für die Kirche wesentlichen Werk werden die Jünger des Herrn von der Eucharistie gestützt, deren Feier in allen Teilen der Welt die Verheißung bekräftigt: »Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt« (Mt 28,20).


SCHLUSS

90. Mit der Feier der XI. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode endet das Jahr der Eucharistie, in dem die ganze Kirche aufgerufen war, den Blick auf das große Geheimnis zu richten, das den tiefsten Grund ihres Seins und ihres Lebens birgt. Denn »Die Kirche lebt von der Eucharistie«,[127] in ihr »ist das ganze Geheimnis unserer Erlösung enthalten«[128] »Dank der Eucharistie wird die Kirche immer wieder neu geboren!«[129] Das eucharistische Jahr durfte deshalb nicht enden ohne eine kollegiale Begegnung des Nachfolgers Petri mit den Bischöfen, des Hauptes mit den Mitgliedern des Episkopats, um das große Geschenk der Eucharistie zu feiern, um sich vom Brot des Lebens zu nähren, um die Gegenwart des Herrn im Allerheiligsten Sakrament anzubeten und um über das wertvolle Gut nachzudenken, das Christus seiner Kirche anvertraut hat. So wird es möglich sein, den Evangelisierungsauftrag fortzuführen mit neuem apostolischem Eifer und mit konkreten pastoralen Weisungen, die den Erwartungen der christlichen Gemeinschaft und dem tiefsten Sehnen des Menschen von heute entsprechen.

Im Apostolischen Schreiben Mane nobiscum Domine ermutigte der Papst die Hirten, sich dafür einzusetzen, daß die Feier der Eucharistie lebendiger und eifriger, aber vor allem »inniger« gefeiert werde.[130] Die Liebe zum eucharistischen Kult geht über eine Wiederentdeckung der Schönheit der Feier des eucharistischen Opfers in der Anbetung und in der Danksagung. Aber die fromme Aufnahme des Sakraments öffnet sich für die Hoffnung auf die verheißenen Wirklichkeiten, jenseits der von der Alltäglichkeit begrenzten Horizonte, die stark verkürzt sind durch eine Kultur, die vom Materialismus und Konsumismus überflutet ist. Die Eucharistie wird so die umwandelnde Kraft der Kulturen, denn sie ist Epiphanie der Gemeinschaft, Begegnungsort des Volkes Gottes mit Jesus Christus, der gestorben und auferstanden und damit Quelle des Lebens und der Hoffnung ist. Die Eucharistie ist der Samen einer neuen Welt und die wahre Schule des Dialogs, der Versöhnung, der Liebe, der Solidarität und des Friedens, Samen einer neuen Welt.

91. Die Schatten in der Feier der Eucharistie, auf die man hinweisen wollte, um die Informationen realistisch weiterzugeben, die mit den Antworten auf die Lineamenta zugesandt wurden, werden in dem Maß verschwinden, in dem die synodale und damit kirchliche Diskussion erneut die Schönheit und Größe des Geschenks entdecken wird, ohne daß sie die hauptsächliche Zielsetzung der Synode aus den Augen verliert: mit Hilfe der Erfahrung der bischöflichen Kollegialität von Grund auf erforschen, welche Wege der Heilige Geist in der Kirche heute erweckt, damit die Eucharistie wirklich Quelle und Höhepunkt ihres Lebens und ihrer Sendung ist, das heißt der Neuevangelisierung, derer die Welt dringend bedarf.

Denn das ganze Leben der Kirche findet im eucharistischen Geheimnis - Opfer, Gedächtnis, Mahl - die unversiegbare Gnadenquelle, um die sakramentale Vergegenwärtigung des Leidens und Sterbens und der Auferstehung Christi zu feiern, um die Erfahrung der personalen Begegnung mit dem Herrn zu machen, um die kirchliche Gemeinschaft auf dem festen Fundament der Liebe aufzubauen und die künftige Herrlichkeit der Hochzeit des Lammes im voraus zu kosten. Im Leben der Kirche gipfelt alles im eucharistischen Geheimnis, dem endgültigen Ziel ihrer ganzen Tätigkeit: von der Katechese bis zum Empfang der anderen Sakramente, von der Volksfrömmigkeit bis zur Feier der göttlichen Liturgie, von der Meditation des Wortes Gottes bis zum persönlichen und gemeinschaftlichen Beten. Die Eucharistie ist das Herz der kirchlichen Gemeinschaft.

Wenn die Kirche in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit ist,[131] dann wird die Eucharistie, die lebendige Gegenwart des Herrn, auch die Quelle der universalen Sendung der Kirche. Von ihr empfangen die Bischöfe, die Priester und die Diakone die Gnade, mit pastoralem Eifer das Evangelium in der Welt von heute zu verkünden; von ihr erhalten die Missionare den Mut, um die frohe Botschaft vom Gottesreich bis an die Grenzen der Erde zu tragen; aus ihr schöpfen die Mitglieder des geweihten Lebens die Kraft, um das christlichen Lebensideal in Armut, Gehorsam und Keuchscheit zu leben; von ihr bekommen die Laien Licht und Kraft, um die zeitlichen Wirklichkeiten gemäß dem neuen Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe zu verwandeln; aus ihr erwächst die Kühnheit in den verfolgten Christen, daß sie Zeugen Christi in der Welt sind. Der Evangelisierungsauftrag der Kirche hat als letztes Ziel, daß alle Menschen schon hier auf Erden dem im eucharistischen Geheimnis gegenwärtigen Christus begegnen mit dem Blick auf die endgültige Begegnung beim ewigen Hochzeitsmahl. Deshalb ist die Eucharistie auch Höhepunkt jedes Pastoralprojekts, jeder Missionstätigkeit und der Kern der Evangelisierung und menschlichen Förderung. Denn die das Brot des Lebens kommunizieren und sein Geheimnis in der Welt verkünden, müssen auch das Leben in all seinen Erscheinungsformen schützen, während sie sich auch für die gebührende Achtung gegenüber der Schöpfung einsetzen. Die Gläubigen, die das Brot essen, das vom Himmel herabgekommen ist, empfinden die Pflicht, beim Aufbau einer gerechteren Welt mitzuhelfen, wo der Wille Gottes getan und jeder Peron »unser tägliches Brot« sichergestellt wird.

Die Synodenväter werden bei ihrem Nachdenken auf die Gebete der ganzen Kirche, aber auch auf die Fürsprache der Heiligen zählen, die qualifizierte Ausleger der wahren eucharistischen Frömmigkeit und Theologie sind und die uns auf unserer Pilgerschaft unter Freuden und Schmerzen der heutigen Welt ermutigen und stützen.

Unter ihnen glänzt die Mutter Gottes, die, seit sie dem Sohn Gottes ihr unbeflecktes Fleisch dargeboten hat, - Ave, verum corpus, natum de Maria Vergine -, für immer eine ausschließliche Beziehung zum eucharistischen Geheimnis gehabt hat. In Maria, der eucharistischen Frau schlechthin, erblickt die Kirche nicht nur ihr Urbild, sondern auch die vorweggenommene Verwirklichung des »neuen Himmels« und der »neuen Erde«, die die ganze Schöpfung mit glühender Sehnsucht erwartet. Indem wir voll Vertrauen und Andacht ihren Schutz erbitten, wird die Kirche neuen Antrieb finden, damit die Eucharistie Quelle und Höhepunkt ihres ganzen Lebens und ihrer Sendung ist zum Ruhm Gottes und für das Heil der Menschen in der Welt.[132]


[1] Cf. XLVIII Conventus Eucharisticus Internationalis, 10-17 Octobris 2004: Eucharistia, Lux et Vita Novi Millennii, Memoria, Guadalaiara, Mexicum, 2004.

[2] Cf. Ioannes Paulus ii, Litt. Ap. Mane nobiscum Domine (7 Octobris 2004), 28: L'Osservatore Romano (9 Octobris 2004), 6.

[3] Cf. L'Osservatore Romano (31 Ianuarii - 1 Februarii 2005), 6.

[4] Cf. Annuarium Statisticum Ecclesiae 2003, tab. 4.

[5] Cf. Annuarium Statisticum Ecclesiae 1978/2003, tab. 1.

[6] Cf. Ebd., tab. 5.

[7] Cf. Annuarium Statisticum Ecclesiae 2003, tab. 6.

[8] Cf. Ebd., tab. 5.

[9] Notitiæ a F.A.O. datæ mense Ianuario 2005.

[10] Cf. Ioannes Paulus ii, Litt. Enc. Redemptoris Missio (7 Decembris 1990), 11: AAS 83 (1991) 260.

[11] Ebd.em, 36: AAS 83 (1991) 281.

[12] Cf. Ioannes Paulus ii, Litt. Ap. Novo millennio ineunte (6 Ianuarii 2001), 2: AAS 93 (2001) 267.

[13] Cf. S. Iustinus, Apologia I, 66, de Eucharistia: Corpus Apologetarum Christianorum I, pars I, Wiesbaden 1969, pp. 180-182.

[14] Cf. Ioannes Paulus ii, Litt. Enc. Fides et Ratio (14 Novembris 1998), 81: AAS 91 (1999) 68-69.

[15] Missale Romanum, Oratio Post Communionem, I Dominica Adventus.

[16] Cf. Conc. Œcum. Vat. ii , Const. Dogm. de Ecclesia Lumen gentium, 4, 8, 13-15, 18, 21, 24-25; Const. Dogm. de Divina Revelatione Dei Verbum, 10; Const. Past. De Ecclesia in Mundo Huius Temporis Gaudium et spes, 32; Decr. de Œcumenismo Unitatis Redintegratio, 2-4, 14-15, 17-19, 22.

[17] Cf. II Coetus Extraordinarius Synodi Episcoporum (1985), Relatio Finalis II, C, 1.

[18] Cf. Congregatio pro Doctrina Fidei, Litt. ad Catholicae Ecclesiae episcopos de aliquibus aspectibus Ecclesiae prout est communio Communionis Notio (28 Maii 1992): AAS 85 (1993) 838-850.

[19] Ioannes Paulus ii, Adhort. Ap. Post-syn. Pastores Gregis (16 Octobris 2003), 57: AAS 96 (2004) 900-901.

[20] Cf. Ioannes Paulus ii, Litt. Enc. Ecclesia de Eucharistia (17 Aprilis 2003), 26: AAS 95 (2003) 451.

[21] Ioannes Paulus ii, Litt. Ap. Mane nobiscum Domine (7 Octobris 2004), 20: L'Osservatore Romano (9 Octobris 2004), 6.

[22] Ioannes Paulus ii, Litt. Enc. Ecclesia de Eucharistia (17 Aprilis 2003), 21: AAS 95 (2003) 447.

[23] Cf. Ebd., 26: AAS 95 (2003) 451.

[24] Ebd., 35: AAS 95 (2003) 457.

[25] Conc. Œcum. Vat. ii, Const. de Sacra Liturgia Sacrosanctum Concilium, 9.

[26] Ioannes Paulus ii, Litt. Enc. Ecclesia de Eucharistia (17 Aprilis 2003), 32: AAS 95 (2003) 455.

[27] Cf. Congregatio pro Doctrina Fidei, Litt. ad Catholicae Ecclesiae episcopos de aliquibus aspectibus Ecclesiae prout est communio Communionis Notio (28 Maii 1992), 14: AAS 85 (1993) 846-847.

[28] Conc. Tridentin., Decr. de Sacramentis, Sessio VII (3 Martii 1547), can 6: DS (1973), 1606; cf. Can 8: DS (1973), 1608.

[29] Cf. Conc. Œcum. Vat. ii, Decr. de Presbyterorum ministerio et vita Presbyterorum Ordinis, 5.

[30] Pseudo-Dionysius Areopagita, De Ecclesiastica Hierarchia III,1: PG 3, 424 c.

[31] Cf. Ioannes Paulus ii, Alzatevi, andiamo!, Romæ 2004, 81.

[32] Ioannes Paulus ii, Angelus (6 Ianuarii 2005): L'Osservatore Romano, (7-8 Ianuarii 2005), 1.

[33] Cf. Sacra Congregatio de Disciplina Sacramentorum, Decr. Quam singulari (8 Augusti 1910), 3: AAS 2 (1910) 582.

[34] Congregatio de Cultu Divino et Disciplina Sacramentorum, Instr. Eucharisticum Mysterium (25 Maii 1967), 11: AAS 59 (1967) 548.

[35] Cf. Ebd., 43: AAS 59 (1967) 564.

[36] Cf. Ebd., 36: AAS 59 (1967) 561.

[37] Cf. Ioannes Paulus ii, Adhort. Ap. Post-syn., Reconciliatio et Pænitentia (2 Decembris 1984), 27: AAS 77 (1985) 249.

[38] S. Cæsarius Arelatensis, Sermo 229 De natale templi, 3: CCL 104, 907.

[39] Cf. Ioannes Paulus ii, Litt. Enc. Ecclesia de Eucharistia (17 Aprilis 2003), 36: AAS 95 (2003) 458.

[40] Cf. S. Ignatius Antiochenus, Ad Ephesios 20, 2: Patres Apostolici, F.X. Funk ed., Tübingen 1992, 88.

[41] Cf. Congregationis pro Ecclesiis Orientalibus, Instruction pour l'application des prescriptions liturgiques du Code des Canons des Églises Orientales (6 Ianuarii 1996), 62.

[42] Pseudo-Athanasius, De virginitate, 7: PG 28, 260 A.

[43] Cf. S. Basilius Cæsariensis, Epistola 2: PG 32, 228 A.

[44] Cf. Ioannes Paulus ii, Litt. Ap. Motu proprio datæ Misericordia Dei (7 Aprilis 2002), 2: AAS 94 (2002) 455.

[45] Cf. Conc. Œcum. Vat. ii, Const. Dogm. de Ecclesia Lumen gentium, 10-11; Const. de Sacra Liturgia Sacrosanctum Concilium, 10-11; Ioannes Paulus ii, Adhort. Ap. Post-syn. Christifideles laici (30 Dicembris 1988), 9 et 20: AAS 81 (1989) 405-406; 425-427.

[46] Cf. Conc. Œcum. Vat. ii, Const. de Sacra Liturgia Sacrosanctum Concilium, 20.

[47] Cf. Ioannes Paulus ii, Litt. Enc. Ecclesia de Eucharistia (17 Aprilis 2003), 10: AAS 95 (2003) 439.

[48] Cf. Congregatio de Cultu Divino et Disciplina Sacramentorum, Instr. Redemptionis Sacramentum (23 Aprilis 2004), 172-184: AAS 96 (2004) 597-600.

[49] Conc. Œcum. Vat. ii, Const. Past. de Ecclesia in Mundo Huius Temporis Gaudium et spes, 22.

[50] Ebd.

[51] Ebd.

[52] Cf. Ioannes Paulus ii, Litt. Enc. Redemptor hominis (4 Martii 1979), 8: AAS 71 (1979) 270-272.

[53] Catechismus Catholicæ Ecclesiæ, 1327.

[54] Cf. Ioannes Paulus ii, Litt. Enc. Ecclesia de Eucharistia (17 Aprilis 2003), 10: AAS 95 (2003) 439.

[55] S. Ioannes Chrysostomus, In Epistolam I ad Corinthios, Homilia IV, 4: PG 61, 36.

[56] Cf. Catechismus Catholicæ Ecclesiæ, 1328 et ss.

[57] Conc. Œcum. Vat. ii, Const. Dogm. de Ecclesia Lumen gentium, 28. Cf. Conc. Œcum. Vat. ii, Decr. de Presbyterorum Ministerio et Vita Presbyterorum ordinis, 5; Const. Dogm. de Ecclesia Lumen gentium, 3.

[58] Cf. Catechismus Catholicæ Ecclesiæ, 1356 et sq.

[59] Cf. Ioannes Paulus ii, Litt. Enc. Ecclesia de Eucharistia (17 Aprilis 2003), 12-13: AAS 95 (2003) 441-442.

[60] Ebd., 12: AAS 95 (2003) 441.

[61] Oratio Anima Christi.

[62] Cf. Ioannes Paulus ii, Litt. Enc. Ecclesia de Eucharistia (17 Aprilis 2003), 58: AAS 95 (2003) 472.

[63] Ioannes Paulus ii, Litt. Ap. Mane nobiscum Domine (7 Octobris 2004), 16: L'Osservatore Romano (9 Octobris 2004), 5.

[64] Cf. Conc. Œcum. Vat. ii, Const. de Sacra Liturgia Sacrosanctum Concilium, 26 et 47; Codex Iuris Canonici, can.899.

[65] Cf. Codex Iuris Canonici, can. 938.

[66]Missale Romanum, Prex Eucharistica II.

[67] Ebd., Præfatio communis IV.

[68] Cf. Conc. Œcum. Vat. ii, Const. Dogm. de Ecclesia Lumen gentium, 6; Ioannes Paulus ii, Adhort. Ap. Post-syn. Ecclesia in Africa, (14 Septembris 1995), 63: AAS 88 (1996), 39-40.

[69] Conc. Œcum. Vat. ii, Const. de Sacra Liturgia Sacrosanctum Concilium,104.

[70] Cf. Codex Iuris Canonici, can. 909; Congregatio de Cultu divino et Disciplina Sacramentorum, Instr. Inæstimabile donum, (3 Aprilis 1980), 17: AAS 72 (1980), 338.

[71] Ioannes Paulus ii, Epist. Apost. Mane nobiscum Domine, (7 Octobris 2004), 12: L'Osservatore Romano (9 Octobris 2004), 5.

[72] Cf. Conc. Œcum. Vat. ii, Const. Dogm. de Divina Revelatione Dei Verbum, 9.

[73] A. Hänggi-I.Pahl, Prex eucharistica. Textus e variis liturgiis antiquioribus selecti, Fribourg, 1968, p. 192.

[74] Missale Romanum, Prex Eucharistica II.

[75] Ebd.em, Canon Romanus.

[76] Institutio Generalis Missalis Romani, (20 Aprilis 2000), 80.

[77] Cf. Codex Iuris Canonici, can. 912.

[78] Cf. Institutio Generalis Missalis Romani, (20 Aprilis 2000), 82.

[79] Cf. Conc. Œcum. Tridentin., Sess.XIII, cap. 2: DS 1551.

[80] Missale Romanum, Prex Eucharistica II.

[81] Conc. Œcum. Vat. ii, Const. de Sacra Liturgia Sacrosanctum Concilium, 14.

[82] Cf. Codex Iuris Canonici, can. 899, ' 2; Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, can. 699, ' 1.

[83] Cf. Codex Iuris Canonici, can. 388, '1; 429; 534; 543, 'b2; 549; 901; Cf. Catechismus Catholicæ Ecclesiæ, 1369 et 1371.

[84] Cf. Congregatio pro Clericis et Aliae , Instr. Ecclesiæ de Mysterio, (15 Augusti 1997), 7: AAS 89 (1997), 869-870; Congregatio pro Cultu Divino et Disciplina Sacramentorum, Directorium de celebrationibus dominicalibus absente presbytero (2 Iunii 1988): L'Osservatore Romano, (30 Iunii - 1 Iulii 1988), 2-3.

[85] Cf. Congregatio pro Clericis et Aliæ, Instr. Ecclesiæ de Mysterio, (15 Augusti 1997), 8: AAS 89 (1997), 870-872; Codex Iuris Canonici, can. 767, ' 1; 910, ' 2 e 230, ' 2.

[86] Pontificale Romanum, De Ordinatione episcoporum, presbyterorum et diaconorum, Civitas Vaticana, 1992, 91.

[87] Cf. Congregatio de Cultu Divino et Disciplina Sacramentorum, Instr. Liturgiam authenticam, (28 Martii 2001), 108: AAS 93 (2001), 719.

[88] Cf. Ioannes Paulus ii, Chirografo per il centenario del Motu Proprio di Pio X Tra le sollecitudini (22 Novembris 2003), 12: AAS 96 (2004), 256-265.

[89] Cf. Conc. Œcum. Vat. ii, Const. de Sacra Liturgia Sacrosanctum Concilium, 120.

[90] Cf. Ebd., 54.

[91] Cf. Catechismus Catholicæ Ecclesiæ, 2559 - 2565.

[92] Cf. Pius xi, Litt. Enc. Miserentissimus Redemptor (8 Maii 1928): AAS 20 (1928), 169; Litt. Enc. Haurietis Aquas (15 Maii 1956): AAS 48 (1956), 350-352; Paulus vi, Litt. Enc. Mysterium Fidei (3 Septembris1965): AAS 57 (1965), 769-770; Sacra Congregatio Rituum, Instr. Eucharisticum Mysterium (25 Maii 1967), 58-67: AAS 59 (1967), 569-573.

[93] Cf. Romano Guardini, Lo spirito della liturgia. I santi segni, Morcelliana, Brescia, 1930, pp. 133 et ss.

[94] Cf. Catechismus Catholicæ Ecclesiæ, 1402-1405.

[95] Missale Romanum, Oratio post-communionem, XXX Dominica per annum.

[96] Ebd., Preces Eucharisticae III e IV.

[97] Ioannes Paulus II, Litt. Enc. Ecclesia de Eucharistia (17 Aprilis 2003), 20: AAS 95 (2003) 446.

[98] Ioannes Paulus II, Epist. Ap. Dies Domini (31 Maii 1998), 72: AAS 90 (1998) 757-758.

[99] Cf. Ioannes Paulus II, Epist. Ap. Salvifici Doloris (11 Februarii 1984), 25-27: AAS 76 (1984) 235-242.

[100] Cf. Ioannes Paulus II, Adhort. Ap. Familiaris consortio (22 Novembris 1981), 79-85: AAS 74 (1982) 180-187.

[101] Ioannes Paulus II, Litt. Ap. Mane nobiscum Domine (7 Octobris 2004) 4: L'Osservatore Romano (9 Octobris 2004), 5.

[102] Cf. Ioannes Paulus II, Litt. Enc. Ecclesia de Eucharistia (17 Aprilis 2003), 25 et 62 : AAS 95 (2003) 449-450; 474-475.

[103] Relatio inter Eucharistiam, sanctitatem et sanctificationem argumentum fuit Symposii cuiusdam, a Congregatione de Causis Sanctorum promoti, cuius inter labores in lucem perductæ sunt divitiæ illius thesauri eucharisticæ spiritualitatis, quæ in vita sanctorum præsens adest. Ad rem cf. Eucaristia: Santità e Santificazione, Atti del simposio celebrato dal 6 al 7 dicembre 1999, in Vaticano, Libreria Editrice Vaticana, 2000.

[104] Cf. Ioannes Paulus II, Litt. Enc. Ecclesia de Eucaristia (17 Aprilis 2003), 53: AAS 95 (2003) 469.

[105] Ioannes Paulus II, Alloc. In Portu Principis, ad episcopos Consilii episcopalis Latino-Americani sodales (9 Martii 1983), III: AAS 75 (1983) 777-779.

[106] Ioannes Paulus II, Litt. Ap. Mane nobiscum Domine (7 Octobris 2004) 25-26: L'Osservatore Romano (9 Octobris 2004), 6; cf. Conc.Œcum. Vat. ii, Const. Past. De Ecclesia in Mundo Huius Temporis Gaudium et spes, 36.

[107] Cf. Ebd., 26.

[108] Cf. Conc.Œcum. Vat. ii, Const. de Sacra Liturgia Sacrosanctum Concilium, 7; Paulus VI, Litt. Enc. Mysterium fidei (3 Septembris 1965), 35-39: AAS 57 (1965) 762-764; Institutio Generalis Missalis Romani (20 Aprilis 2000), 27.

[109] Cf. Ioannes Paulus II, Litt. Enc. Slavorum Apostoli (2 Iunii 1985), 21 et 26: AAS 77 (1985), 802-803; 806-807.

[110] Cf. Conc.Œcum. Vat. ii, Decr. de activitate missionali Ecclesiæ Ad Gentes, 22.

[111] Cf. Congregatio de Cultu Divino et Disciplina Sacramentorum, Instr. Varietates legitimæ (25 Ianuarii 1994): AAS 87 (1995) 288-314.

[112] Cf. Diligenter collecta Acta Magisterii circa argumentum hoc praebuit Pontificium Consilium de Cultura. Ad rem cf. Per una Pastorale della Cultura (23 Maii 1999): L'Osservatore Romano (2 Iunii 1999), Suppl.

[113] Cf. Ioannes Paulus II, Adhort. Ap. Post-syn. Ecclesia in Africa (14 Septembris 1995), III, nn. 55-71: AAS 88 (1996) 34-47; Adhort. Ap. Post-syn. Ecclesia in America (22 Ianuarii 1999), 70: AAS 91 (1999) 805-806; Adhort. Ap. Post-syn. Ecclesia in Asia (6 Novembris 1999), 21-22: AAS 92 (2000) 482-487; Adhort. Ap. Post-syn. Ecclesia in Oceania (22 Novembris 2001), 16: AAS 94 (2002) 382-384; Adhort. Ap. Post-syn. Ecclesia in Europa (28 Iunii 2003), 58-60: AAS 95 (2003) 685-686.

[114] Institutio Generalis Missalis Romani (20 Aprilis 2000), 9.

[115] Cf. Missale Romanum, Oratio "Domine Iesu Christe".

[116] Cf. S. Augustinus, In Ioannis Evangelium tractatus, XXVI, cap. VI, n. 13: PL 35, 1613.

[117] Benedictus XVI, Homilia (24 Aprilis 2005): L'Osservatore Romano (25 Aprilis 2005), 5.

[118] Cf. Codex Iuris Canonici, can. 844, ' 4; Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, can 671, ' 4.

[119] Cf. Pontificium Consilium ad Unitatem Christianorum fovendam, Directorium Œcumenicum noviter compositum, Directoire pour l'application des Principes et des Normes sur l'Œcumenisme (25 Martii 1993), 129-131: AAS 85 (1993) 1088-1089.

[120] Ioannes Paulus II, Litt. Enc. Redemptor hominis (4 Martii 1979), 20: AAS 71 (1979) 312.

[121] Cf. Ioannes Paulus II, Litt. Enc. Ecclesia de Eucharistia (17 Aprilis 2003), 35: AAS 95 (2003) 457.

[122] Cf. Paulus VI, Litt. Enc. Mysterium fidei (3 Septembris 1965), 2: AAS 57 (1965), 753.

[123] Cf. Catechismus Catholicæ Ecclesiæ, 1398-1401.

[124] Cf. Codex Iuris canonici, can. 844; Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, can. 671; Catechismus Catholicæ Ecclesiæ, 1399-1401; Ioannes Paulus II, Litt. Enc. Ecclesia de Eucharistia (17 Aprilis 2003), 45: AAS 95 (2003), 462-462.

[125] Cf. Ioannes Paulus II, Litt. Enc. Ecclesia de Eucharistia (17 Aprilis 2003), 46: AAS 95 (2003) 463.

[126] Ioannes Paulus II, Litt. Enc. Redemptoris missio (7 Decembris 1990), 61: AAS 83 (1991) 309-310.

[127] Ioannes Paulus II, Litt. Enc. Ecclesia de Eucharistia (17 Aprilis 2003), 1: AAS 95 (2003) 433.

[128] S. Thomas Aquinas, Summa Theologica, III, q. 83, a. 4 c.

[129] Benedictus XVI, Homilia in Romani Episcopi Cathedræ possessione capienda (7 Maii 2005), L'Osservatore Romano (9-10 Maii 2005), 7.

[130] Ioannes Paulus II, Litt. Ap. Mane nobiscum Domine (7 Octobris 2004) 29: L'Osservatore Romano (9 Octobris 2004), 6.

[131] Cf. Conc.Œcum. Vat. ii, Const. Dogmat. de Ecclesia Lumen gentium, 1.

[132] Cf. Ioannes Paulus II, Litt. Ap. Mane nobiscum Domine (7 Octobris 2004) 31: L'Osservatore Romano (9 Octobris 2004), 6.

 

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