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Der
Hirt
Zweites Gebot
27. "Er sprach zu mir: „An der Lauterkeit halte fest und sei unschuldig;
dann wirst du den Kindern gleichen, die das Böse nicht kennen, das der Menschen
Leben verdirbt. Erstlich verleumde niemanden, und höre auch nicht mit
Wohlgefallen einem Verleumder zu! Wenn du's aber tust, so wirst auch du, der Hörer,
der Sünde des Verleumders schuldig sein, wenn du der Verleumdung, die du hörst,
Glauben schenkst; denn wenn du ihr glaubst, wirst auch du selbst etwas wider
deinen Bruder haben. Und so wirst du der Sünde des Verleumders schuldig sein. Böse
ist die Verleumdung, ein Dämon, der nicht Ruhe gibt, nie dem Frieden gesellt,
aber immer beim Streit zu finden. Halte dich fern von ihr, dann wirst du immer
und mit allen im Frieden leben. Ergib dich vielmehr der Heiligkeit, die kein böses
Ärgernis schafft, sondern lauter Ruhe und Freude bringt. - Tue Gutes und gib
vom (Ertrag) der Arbeit, den Gott dir schenkt, allen Bedürftigen ohne Bedenken,
und ohne zu schwanken, wem du geben sollst und wem nicht. Gib allen; denn Gott
will, daß von seinen Gaben allen zuteil wird. Und die Empfänger werden vor
Gott Rechenschaft abzulegen haben, warum und wozu sie empfingen: Die einen, die
in bedrängter Lage empfingen, werden nicht gerichtet werden; aber die andern,
die in geheuchelter (Not) empfingen, werden Strafe leiden müssen. Der Geber ist
also (jedenfalls) ohne Schuld; denn wie er die Leistung vom Herrn zur Ausführung
empfing, hat er sie vollbracht ohne Bedenken, und ohne zu urteilen, wem er geben
solle und wem nicht. Und so brachte ihm diese Leistung, weil er sie in
Lauterkeit ausführte, Ruhm vor Gott. Wer so lauteren Dienst leistet, wird Leben
haben bei Gott. Nun halte dies Gebot, so wie ich es dir gesagt habe, auf daß
deine und deines Hauses Buße lauter und dein Herz rein und unbefleckt erfunden
werde."
Drittes Gebot
28. "Wieder sprach er zu mir: „Liebe die Wahrheit und laß lauter Wahrheit
aus deinem Munde hervorgehen, damit der Geist, den Gott in diesem Fleischesleib
hat wohnen lassen, bei allen Menschen als wahrhaftig erwiesen werde. So wird der
Herr verherrlicht werden, der in dir wohnt; denn der Herr ist wahrhaftig in
jedem Wort, und keine Lüge ist bei ihm. Menschen, die lügen, bringen also den
Herrn um sein Recht und werden zu Räubern an dem Herrn, da sie ihm das
anvertraute Gut nicht wiedererstatten, das sie empfangen haben. Denn sie
empfingen von ihm einen Geist, dem Lüge fremd ist. Wenn sie diesen durch Lüge
verdorben zurückgeben, so haben sie das Gebot des Herrn befleckt und sind zu Räubern
geworden.“ Als ich das hörte, begann ich bitterlich zu weinen. Er aber
fragte, als er mich weinen sah: „Warum weinst du?“ „Herr“, sagte ich,
„weil ich nicht weiß, ob ich gerettet werden kann.“ „Weshalb?“ fragte
er. „Herr“, sagte ich, „ich habe ja noch nie in meinem Leben ein wahres
Wort gesagt, sondern habe immer und im Verkehr mit allen wie ein Betrüger
gelebt und habe bei allen Menschen mein Lügen als Wahrheit hingestellt. Aber
niemals hat mir jemand widersprochen, sondern man hat meinem Wort geglaubt. Wie
kann ich nun, Herr“, so sprach ich, „zum (ewigen) Leben gelangen, da ich
solches getan habe?“ „Du denkst“, antwortete er, „richtig und wahr. Du
mußtest in der Tat als Knecht Gottes in der Wahrheit wandeln, und durftest das
böse Gewissen nicht mit dem Geist der Wahrheit zusammen wohnen lassen, noch den
heiligen und wahrhaftigen Geist betrügen.“ „Niemals“, sagte ich, „habe
ich diese Dinge richtig erfahren, Herr.“ „So hörst du sie also jetzt“,
sprach er; „beachte sie, damit auch die Lügen, die du früher bei deinen
Geschäften geredet hast, glaubwürdig werden, wenn sich dies (was du jetzt
redest) als wahr herausstellt. Denn es kann auch jenes andere glaubwürdig
werden. Wenn du dies beachtest und von jetzt an lauter Wahrheit sprichst, dann
kannst du dir das Leben erwerben. Und jeder, der dies Gebot hört und sich des
greulichen Lügens enthält, der wird Leben haben bei Gott."
Hermas, Der
Hirt, Mand.II, 27 –
Mand. III, 28.
Herausgegeben
von der Päpstlichen Theologischen Fakultät «Marianum» Rom
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