![]() |
![]() |
|
|
ERSTER TEIL ZWEITER ABSCHNITT DRITTES KAPITEL ARTIKEL 11 988 Das christliche Credo - das Bekenntnis unseres Glaubens an Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist und an sein schöpferisches, erlösendes und heiligendes Wirken - gipfelt in der Verkündigung, daß die Toten am Ende der Zeiten auferstehen und daß es ein ewiges Leben gibt. 989 Wir glauben fest und hoffen zuversichtlich: Wie Christus wirklich von den Toten auferstanden ist und für immer lebt, so werden die Gerechten nach ihrem Tod für immer mit dem auferstandenen Christus leben und er wird sie am Letzten Tag auferwecken [Vgl. Joh 6,39-40]. Wie seine, so wird auch unsere Auferweckung das Werk der heiligsten Dreifaltigkeit sein.
990 Der Ausdruck ÂÂFleisch" bezeichnet den Menschen in seiner Schwäche und Sterblichkeit [Vgl. Gen 6,3; Ps 56,5; Jes 40,6]. ÂÂAuferstehung des Fleisches" (wie die Formulierung im apostolischen Glaubensbekenntnis wörtlich lautet) bedeutet somit, daß nach dem Tod nicht nur die unsterbliche Seele weiterlebt, sondern daß auch unsere ÂÂsterblichen Leiber" (Röm 8,11) wieder lebendig werden. 991 Der Glaube an die Auferstehung der Toten war von Anfang an ein wesentlicher Bestandteil des christlichen Glaubens. ÂÂDie Auferstehung der Toten ist die Zuversicht der Christen; im Glauben an sie existieren wir" (Tertullian, res. 1,1):
I. Die Auferstehung Christi und unsere Auferstehung Die allmähliche Offenbarung der Auferstehung 992 Gott hat seinem Volk die Auferstehung von den Toten Schritt für Schritt geoffenbart. Die Hoffnung auf die leibliche Auferstehung der Toten setzte sich durch als eine Folgerung aus dem Glauben an einen Gott, der den ganzen Menschen, Seele und Leib, erschaffen hat. Auch hält der Schöpfer des Himmels und der Erde an seinem Bund mit Abraham und dessen Nachkommenschaft treu fest. Im Blick auf diese beiden Gegebenheiten beginnt sich der Glaube an die Auferstehung zu äußern.
993 Die Pharisäer [Vgl. Apg 23,6] und viele Zeitgenossen des Herrn [Vgl. Joh 11,24] hatten die Hoffnung auf die Auferstehung. Jesus lehrt diese nachdrücklich. Den Sadduzäern, die sie leugnen, erwidert er: ÂÂIhr irrt euch, ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes" (Mk 12,24). Der Glaube an die Auferstehung der Toten beruht auf dem Glauben, daß Gott ÂÂnicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden" ist (Mk 12,27). 994 Jesus bindet den Glauben an die Auferstehung an seine Person: ÂÂIch bin die Auferstehung und das Leben" (Joh 11,25). Jesus selbst wird am Letzten Tag jene auferwecken, die an ihn geglaubt [Vgl. Joh 5,24-25; 6.40], die seinen Leib gegessen und sein Blut getrunken haben [Vgl. Joh 6,54]. Er gibt schon in seinem irdischen Leben ein Zeichen und eine Gewähr dafür, indem er einzelne Tote auferweckt [Vgl. Mk 5,21-42; Lk 7,11ÂÂ17; Joh 11] und dadurch seine eigene Auferstehung ankündigt, die jedoch einer anderen Ordnung angehören wird. Von diesem einzigartigen Ereignis spricht er als vom ÂÂZeichen des Propheten Jona" (Mt 12,39), dem Zeichen des Tempels [Vgl. Joh 2,19-22]: Er kündigt an, er werde getötet werden, aber am dritten Tag danach auferstehen [Vgl. Mk 10,34]. 995 Zeuge Christi sein heißt ÂÂZeuge seiner Auferstehung sein" (Apg 1,22) [Vgl. Apg 4,33], ÂÂmit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben" (Apg 10,41). Die christliche Auferstehungshoffnung ist ganz durch die Begegnungen mit dem auferstandenen Christus geprägt. Wir werden gleich ihm, mit ihm und durch ihn auferstehen. 996 Der christliche Auferstehungsglaube ist von Anfang an auf Unverständnis und Widerstand gestoßen [Vgl. Apg 17,32; 1 Kor 15,12-13]. ÂÂDer christliche Glaube stößt in keinem Punkt auf mehr Widerspruch als in bezug auf die Auferstehung des Fleisches" (Augustinus, Psal. 88,2,5). Man nimmt allgemein an, daß das Leben der menschlichen Person nach dem Tod geistig weitergeht. Wie kann man aber glauben, daß dieser so offensichtlich sterbliche Leib zum ewigen Leben auferstehen wird? Wie werden die Toten auferstehen? 997 Was heißt ÂÂauferstehen"? Im Tod, bei der Trennung der Seele vom Leib, fällt der Leib des Menschen der Verwesung anheim, während seine Seele Gott entgegengeht und darauf wartet, daß sie einst mit ihrem verherrlichten Leib wiedervereint wird. In seiner Allmacht wird Gott unserem Leib dann endgültig das unvergängliche Leben geben, indem er ihn kraft der Auferstehung Jesu wieder mit unserer Seele vereint. 998 Wer wird auferstehen? Alle Menschen, die gestorben sind: ÂÂdie das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht" (Joh 5, 29) [Vgl. Dan 12,2]. 999 Wie? Christus ist mit seinem eigenen Leib auferstanden: ÂÂSeht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst" (Lk 24,39), aber er ist nicht in das irdische Leben zurückgekehrt. Desgleichen werden in ihm ÂÂalle ... mit ihren eigenen Leibern auferstehen, die sie jetzt tragen" (4. K. im Lateran: DS 801). Ihr Leib wird aber in ÂÂdie Gestalt [eines] verherrlichten Leibes" verwandelt werden (Phil 3,21), in einen ÂÂüberirdischen Leib" (1 Kor 15,44):
1000 Dieses ÂÂWie" übersteigt unsere Vorstellung und unser Verstehen; es ist uns nur im Glauben zugänglich. Der Empfang der Eucharistie gibt uns aber schon eine Vorahnung von der Verklärung unseres Leibes durch Christus:
1001 Wann? Endgültig ÂÂam Letzten Tag" (Joh 6, 39-40. 44. 54; 11,24), ÂÂam Ende der Welt" (LG 48). Die Auferstehung der Toten ist nämlich eng mit der Wiederkunft Christi verbunden:
Mit Christus auferstanden 1002 Christus wird uns ÂÂam Letzten Tag" auferwecken; andererseits sind wir aber schon in gewisser Weise mit Christus auferstanden. Durch den Heiligen Geist ist das christliche Leben schon jetzt auf Erden eine Teilhabe am Tod und an der Auferstehung Christi:
1003 Die Gläubigen sind durch die Taufe mit Christus vereint und haben deshalb schon jetzt wirklich Anteil am himmlischen Leben des auferweckten Christus [Vgl. Phil 3,20]. Dieses Leben bleibt aber ÂÂmit Christus verborgen in Gott" (Kol 3,3). ÂÂEr hat uns mit Christus Jesus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben" (Eph 2,6). Als in der Eucharistie mit seinem Leib Genährte gehören wir schon dem Leib Christi an. Wenn wir am Letzten Tag auferstehen, werden wir auch ÂÂmit ihm offenbar werden in Herrlichkeit" (Kol 3,4). 1004 Im Harren auf diesen Tag haben Leib und Seele der Gläubigen schon jetzt teil an der Würde, ÂÂChristus anzugehören". Deswegen sollen wir unseren Leib in Ehren halten, aber auch den Leib anderer, besonders der Leidenden:
1005 Um mit Christus aufzuerstehen, muß man mit Christus sterben; dazu ist es notwendig, ÂÂaus dem Leib auszuwandern und daheim beim Herrn zu sein" (2 Kor 5,8). Bei diesem ÂÂAufbrechen" (Phil 1,23), beim Tod, wird die Seele vom Leib getrennt. Sie wird am Tag der Auferstehung der Toten wieder mit ihrem Leib vereint werden [Vgl. SPF 28]. Der Tod 1006 ÂÂAngesichts des Todes wird das Rätsel des menschlichen Daseins am größten" (GS 18). In einer bestimmten Hinsicht ist der leibliche Tod natürlich; für den Glauben aber ist er ein ÂÂLohn der Sünde" (Röm 6,23) [Vgl. Gen 2,17]. Und für jene, die in der Gnade Christi sterben, ist der Tod ein Hineingenommenwerden in den Tod des Herrn, um auch an seiner Auferstehung teilnehmen zu können [Vgl. Röm 6,3-9; Phil 3.10-11]. 1007 Der Tod ist das Ende des irdischen Lebens. Unser Leben dauert eine gewisse Zeit, in deren Lauf wir uns verändern und altern. Unser Tod erscheint wie bei allen Lebewesen der Erde als natürliches Lebensende. Dieser Aspekt des Todes gibt unserem Leben etwas Dringliches: Das Wissen um die Sterblichkeit kann uns daran erinnern, daß uns zur Verwirklichung unseres Lebens nur eine beschränkte Frist zur Verfügung steht:
1008 Der Tod ist Folge der Sünde. Als authentischer Ausleger der Aussagen der Heiligen Schrift [Vgl. Gen 2,17; 3,3; 3,19; Weish 1,13; Röm 5,12; 6,23] und der Überlieferung lehrt das Lehramt der Kirche, daß der Tod in die Welt gekommen ist, weil der Mensch gesündigt hat [Vgl. DS 1511]. Obwohl der Mensch eine sterbliche Natur besaß, bestimmte ihn der Schöpfer nicht zum Sterben. Der Tod widerspricht somit den Ratschlüssen Gottes, des Schöpfers. Er hielt als Folge der Sünde in die Welt Einzug [Vgl. 1 Kor 15,26]. ÂÂDer leibliche Tod, dem der Mensch, hätte er nicht gesündigt, entzogen gewesen wäre" (GS 18), ist so der ÂÂletzte Feind" des Menschen, der zu besiegen ist [Vgl. 1 Kor 15,26]. 1009 Der Tod ist durch Christus umgewandelt worden. Auch Jesus, der Sohn Gottes, hat den Tod, der zum menschlichen Dasein gehört, erlitten. Obwohl er vor ihm zurückschreckte [Vgl. Mk 14,33-34; Hebr 5,7-8], nahm er ihn in völliger und freier Unterwerfung unter den Willen seines Vaters auf sich. Der Gehorsam Jesu hat den Fluch, der auf dem Tod lag, in Segen verwandelt [Vgl. Röm 5,19-2]. Der Sinn des christlichen Todes 1010 Durch Christus hat der christliche Tod einen positiven Sinn. ÂÂFür mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn" (Phil 1,21). ÂÂDas Wort ist glaubwürdig: Wenn wir mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben" (2 Tim 2,11). Das wesentlich Neue am christlichen Tod liegt darin: Durch die Taufe ist der Christ sakramental schon ÂÂmit Christus gestorben", um aus einem neuen Leben zu leben. Wenn wir in der Gnade Christi sterben, vollendet der leibliche Tod dieses ÂÂSterben mit Christus" und vollzieht so endgültig unsere Eingliederung in ihn durch seine Erlösungstat:
1011 Im Tod ruft Gott den Menschen zu sich. Darum kann sich der Christ ähnlich wie Paulus nach dem Tod sehnen: ÂÂIch sehne mich danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein" (Phil 1,23). Und er kann, nach dem Beispiel Christi, seinen Tod zu einem Akt des Gehorsams und der Liebe zum Vater machen [Vgl. Lk23,46].
1012 Die christliche Sicht des Todes [Vgl. 1 Thess 4,13-14] wird in der Liturgie der Kirche besonders gut ausgedrückt:
1013 Der Tod ist das Ende der irdischen Pilgerschaft des Menschen, der Zeit der Gnade und des Erbarmens, die Gott ihm bietet, um sein Erdenleben nach dem Plane Gottes zu leben und über sein letztes Schicksal zu entscheiden. ÂÂWenn unser einmaliger irdischer Lebenslauf erfüllt ist" (LG 48), kehren wir nicht mehr zurück, um noch weitere Male auf Erden zu leben. Es ist ÂÂdem Menschen bestimmt", ÂÂein einziges Mal zu sterben" (Hebr 9,27). Nach dem Tod gibt es keine ÂÂReinkarnation". 1014 Die Kirche ermutigt uns, uns auf die Stunde des Todes vorzubereiten (,ÂÂVon einem plötzlichen Tode erlöse uns, o Herr!": Allerheiligenlitanei), die Gottesmutter zu bitten, ÂÂin der Stunde unseres Todes" für uns einzutreten (Gebet ÂÂAve Maria") und uns dem hl. Josef, dem Patron der Sterbenden, anzuvertrauen:
1015 ÂÂCaro salutis est cardo - Das Fleisch ist der Angelpunkt des Heils" (Tertullian, res. 8 2). Wir glauben an Gott, den Schöpfer des Fleisches; wir glauben an das Wort, das Fleisch geworden ist, um das Fleisch zu erlösen; wir glauben an die Auferstehung des Fleisches, in der sich die Schöpfung und die Erlösung des Fleisches vollenden.
1016 Durch den Tod wird die Seele vom Leibe getrennt; in der Auferstehung aber wird Gott unserem verwandelten Leib das unvergängliche Leben geben, indem er ihn wieder mit unserer Seele vereint. Wie Christus auferstanden ist und immerdar lebt, so werden wir alle am Letzten Tag auferstehen.
1017 ,,Wir glauben die wahre Auferstehung dieses Fleisches, das wir jetzt tragen" (DS 854). Ins Grab gesät wird ein verweslicher Leib; auferstehen wird ein unverveslicher Leib [Vgl. 1 Kor 15,42], ein ,,geistlicher Leib" (1 Kor 15,44).
1018 Infolge der Erbsünde muß der Mensch den leiblichen Tod erleiden, dem er, ,,hätte er nicht gesündigt, entzogen gewesen wäre" (GS 18).
1019 Jesus, der Sohn Gottes hat für uns freiwillig den Tod erlitten in einer völligen und freien Unterwerfung unter den Willen Gottes, seines Vaters. Durch seinen Tod hat er den Tod besiegt und so allen Menschen den Zugang zum Heil erschlossen.
|
|