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Päpstlicher Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen Unterwegs

 

4. Europäischer Kongress über Wallfahrtsorte und Wallfahrten

Marienwallfahrtsort Kevelaer (Deutschland) - 20. bis 23. September 2004

„Ökumenismus der Heiligkeit“ – Die Wallfahrt zu Beginn des 3. Jahrtausends

 Schlusserklärung

 Der Verlauf des Kongresses

 Vom 20. bis 23. September 2004 hat in Kevelaer (Deutschland) der vierte Europäische Kongress über Wallfahrtsorte und Wallfahrten stattgefunden. Der Kongress wurde vom Päpstlichen Rat der Seelsorge für Migranten und Menschen unterwegs in Zusammenarbeit mit dem Marienwallfahrtsort Kevelaer veranstaltet. Das Thema des Kongresses lautete: Ökumenismus der Heiligkeit – Die Wallfahrt zu Beginn des dritten Jahrtausends. An der Tagung haben Vertreter aus 21 europäischen Nationen sowie drei brüderliche Delegaten teilgenommen.

 Ziel des Kongresses war, gemeinsam über die Rolle nachzudenken, welche Wallfahrten, und mithin Wallfahrtsorte, bei der Förderung des Ökumenismus der Heiligkeit spielen können. In Europa besteht heute ein starkes Bedürfnis nach Hoffnung (wie Papst Johannes Paul II. in dem Apostolischen Schreiben Ecclesia in Europa mit Nachdruck feststellt). Ja, wahrscheinlich stehen wir hier vor seinem dringendsten Bedürfnis, weswegen sich die Kirche dazu gedrängt fühlt, Europa das Evangelium der Hoffnung zu verkünden. Doch um hoffen und Zeugnis geben zu können, ist Einheit notwendig. Daraus erklärt sich auch, warum das ökumenische Anliegen zum Ziel des Treffens gemacht wurde.

 Zu Beginn des Kongresses wurde eine von Kardinal Angelo Sodano telegraphisch übermittelte Grußadresse des Heiligen Vaters verlesen, in welcher der Papst den Teilnehmern mit herzlichen und aufmunternden Worten eine fruchtbare Arbeit wünschte und seinen Segen erteilte. Anschließend wandte sich Kardinal Stephen Fumio Hamao, Präsident des Päpstlichen Rates, mit einem Grußwort an die Kongressteilnehmer, wobei er einleitend die Wallfahrtsorte nannte, an denen die vorhergehenden Europäischen Kongresse durchgeführt wurden: Máriapócs in Ungarn (1996), Pompeji in Italien (1998) und Montserrat in Spanien (2002). Unter dem Hinweis auf die geographische Lage der gewählten Austragungsorte, hat Kardinal Hamao erklärt, dass die verschiedenen Standorte einen Kreis bilden, mit dem in symbolischer Weise der gesamte Kontinent umfangen wurde. Das anschließende Grußwort von S.E. Msgr. Reinhard Lettmann, Bischof der Diözese von Münster (zu der Kevelaer gehört), wurde von Weihbischof Msgr. Friedrich Ostermann verlesen. Der Rektor von Kevelaer, Msgr. Richard Schulte Staade, hat in seinem Willkommensgruß die glückliche Wahl hervorgehoben, die man mit Kevelaer als Austragungsort für den Kongress getroffen habe, liege es doch im Herzen Europas und biete es sich doch in besonderer Weise für die Behandlung des gewählten Themas an.

 Erzbischof Agostino Marchetto, Sekretär des Päpstlichen Rates, hat dann den Inhalt und pastoralen Zweck des Treffens erläutert. Dabei verwies er unter anderem auf die vom Päpstlichen Rat publizierte Schrift mit dem Titel ‘Heilige Stätten – Erinnerung, Gegenwart und Prophezeiung des lebendigen Gottes’, aus der er Punkt 12 zitierte, wo es heißt: Â“Das ökumenische Engagement kann an den heiligen Stätten ganz ausgezeichnet gefördert werden, denn sie sind äußerst geeignete Orte für jene Bekehrung des Herzens und jene Heiligkeit des Lebens, die die Seele der ganzen ökumenischen Bewegung sind.” Anschließend hat der Erzbischof einige konkrete und fundamentale Aspekte des ökumenischen Weges aufgezeigt, und zwar die Bereitschaft zu Bekehrung und Versöhnung, die Anerkennung der Heiligkeit anderer, das gemeinsame Gebet, das Zeugnis des Glaubens, den Dienst der Liebe sowie die gemeinsame Hoffnung.

 Am Vormittag des 21. Septembers, hat S.E. Msgr. Brian Farrell, Sekretär des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen, zu dem Thema Spiritueller Ökumenismus: der notwendige Weg vorwärts gesprochen. Er erklärte unter anderem, dass der Ökumenismus selbst eine Wallfahrt, sprich ein Ausdruck des pilgernden Unterwegsseins der Kirche und des ganzes Gottesvolkes ist, das auf seinem Weg vom Heiligen Geist geleitet, erhellt und helfend begleitet wird. Wallfahrten können auf vielerlei Weise zu ökumenischen Ereignissen werden und Personen der verschiedensten Traditionen zusammenführen. Wallfahrten bieten außerdem die Möglichkeit, dass man einander begegnet und voneinander die Geschichte, die Frömmigkeit, das liturgische Leben und die kirchliche Disziplin des anderen lernt. Wallfahrten zu den “heiligen Orten” können zu Gelegenheiten werden, um gemeinsam für die Einheit zu beten.

 P. René Beaupère, Direktor des “Centre St. Irènée” (Lyon, Frankreich), hat unter dem Titel 50 Jahre ökumenische Wallfahrt: Aussagen und Überlegungen seine Erfahrungen zusammengefasst und dabei insbesondere den biblischen Charakter (das ‘Heilige Land’ ist die spirituelle Heimat aller Christen), die interkonfessionelle Dimension (die Gruppen, welche aus Christen verschiedener Konfessionen gebildet sind, werden von ihren jeweiligen Amtsträgern begleitet) sowie die ökumenischen Perspektiven betont (wir müssen auf die christlichen Brüder und Schwestern anderer Länder und auch auf die Mitglieder anderer spiritueller Familien zugehen). Zum Schluss hat er auf einige (konfessionelle und interkonfessionelle) kirchliche Dokumente hingewiesen, in denen solche Wallfahrten befürwortet werden.

Msgr. Noël Treanor,Generalsekretär der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE), hat die Kongressteilnehmer über die Europäische Wallfahrt nach Santiago de Compostela im vergangenen April informiert. Der Initiative lag der Gedanke zugrunde, vom Glauben geleitete europäische Bürger zusammenzuführen, um sichtbar und zeichenhaft das Band zum Ausdruck zu bringen, das Europa mit dem Christentum vereint, und dafür zu beten, dass das “Projekt Europa” sich am christlichen Menschenbild orientiert. Die Teilnahme zahlreicher Gläubiger, Bischöfe und Vertreter anderer Kirchen und ihr Beitrag zu den Überlegungen, welche bei der Gelegenheit angestellt wurden, haben eindrucksvoll den Wunsch nach Einheit und den Willen bezeugt, für die Einheit der Christen in Europa zusammenzuarbeiten.

Im Anschluss hat Rev. Reinhard Kürzinger, Direktor des Pilgerbüros der Diözese Eichstätt in Deutschland, betont, wie wichtig es ist, die Wallfahrten mit ökumenischem Geist neu zu beleben, und hat entsprechende neue Formen präsentiert. Msgr. Richard Schulte Staade, Rektor des Marienwallfahrtsortes Kevelaer, hat die Geschichte des Wallfahrtsortes illustriert und dargestellt, wie die verschiedenen Pilgergruppen empfangen und welche Mittel den Pilgern anderer christlichen Konfessionen angeboten werden. S.E. Msgr. Séamus Hegarty, Bischof von Derry in Irland, hat über die ökumenischen Erfahrungen aus der Irischen Republik und aus Nordirland berichtet. P. Joël Houque, Rektor der Abteikirche von Conques in Frankreich, hat ebenfalls über einige ökumenische Initiativen und von einigen Zentren in seinem Land berichtet, in denen Pilger aufgenommen werden, die eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela machen. Abschließend hat Herr Prof. Anthony Jackowski, Direktor des Geographischen Instituts an der Jagellonischen Universität von Krakau, über die Wallfahrten zu den zahlreichen Marienwallfahrtsorten in Europa gesprochen und unterstrichen, dass auch sie einen wichtigen Beitrag zur Integration zwischen West- und Osteuropa leisten.

 Darauf haben sich die Teilnehmer in Sprachgruppen versammelt, um gemeinsam zu überlegen, wie der Ökumenismus der Heiligkeit bestmöglich gefördert werden kann. Auch am folgenden Tag arbeiteten die Teilnehmer in Sprachgruppen.

Am Vormittag des 22. Septembers hat S.E. Msgr. Georg Müller, Bischofsprälat von Trondheim in Norwegen, von der Kathedrale gesprochen, in der sich das Grab des heiligen Olaf Haraldson befindet, zu dem heute Protestanten wie Katholiken pilgern. Die Verehrung des Andenkens dieses Heiligen hat, ganz besonders seit 1950, zu gemeinsamen Feiern geführt und andere ökumenische Initiativen gefördert. Der hochwürdigste Archimandritas Spiridon Katramadon, Delegat der Heiligen Synode der Griechischen Kirche, hat sich in besonderer Weise mit den Wallfahrten in seinem Land auf den Spuren des Apostels Paulus befasst. Der hochwürdigste Herr Keith Jones, Dekan von York (Anglikanische Gemeinschaft), hat die “Pilgrims Association” aus Großbritannien vorgestellt, der er als Präsident vorsteht. Diese Vereinigung setzt sich bei den Verantwortlichen der bedeutendsten Kirchen und Kathedralen aller christlichen Traditionen dafür ein, dass den Besuchern die Inspiration bewusst gemacht wird, welche allen ‘heiligen Stätten’ zugrunde liegt. In seinem Vortrag mit dem Titel Pilgertum und Gastfreundschaft hat er hervorgehoben, dass das große Wachstum des Tourismus heute auch zu einer beachtlichen Vermehrung der Pilgerreisen geführt hat. In unserer heutigen, stark säkularisierten Gesellschaft können die ‘heiligen Stätten’ einen Anziehungspunkt für den Glauben darstellen. 

Pfarrer Paul Martin Clotz vom Zentrum Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (Frankfurt, Deutschland) hat die Kongressteilnehmer über die Kampagne informiert, welche anlässlich des neuen Jahrtausends unter dem Titel“Pilgrimage 2000plus” veranstaltet wurde. Das ‘Pluszeichen’ stand dabei für die Hoffnung, dass die Initiativen, die sich aus dieser Kampagne entwickelten, auch nach dem Jahr 2000 eine Fortsetzung finden würden, was denn auch geschehen ist. Das Ziel der Kampagne war, eine Rückbesinnung auf die Pilgertradition zu fördern und Pilgerreisen vermehrt anzubieten, und zwar in der Form von „Wanderexerzitien”.

Die Erfahrungen, welche bei diesen Wallfahrten gemacht wurden, haben den Teilnehmern, welche verschiedenen christlichen Konfessionen angehörten, ermöglicht, das Gemeinsame zu entdecken, das sie vereint, aber auch den Reichtum zu würdigen, der sich aus ihrer Verschiedenheit ergibt. Außerdem entdeckte man bei diesen Pilgerwanderungen die Freude erlebter Weggemeinschaft wieder sowie im Namen Christi empfangener und geschenkter Gastfreundschaft.

Der dritte Kongresstag schloss mit einem Empfang, welcher den Teilnehmern von der Gemeinde Kevelaer im Konzert- und Bühnenhaus geboten wurde. Bei der Gelegenheit begrüßte der Bürgermeister der Stadt, Herr Heinz Paal, die Gäste mit herzlichen Worten.

  Donnerstag, den 23. September, sprach bei der Wiederaufnahme der Kongressarbeiten am Vormittag zuerst S.E. Msgr. Szilárd Keresztes, Bischof von Hajdúdorog in Ungarn, über Zigeunerwallfahrten und deren Besonderheiten. Darauf folgten die Beiträge von Msgr.Luciano Gomes Guerra, Rektor des Wallfahrtsortes Fatima in Portugal, und von Msgr. Pasquale Silla, Rektor des Wallfahrtsortes „Divino Amore“ in Rom. Beide befassten sich im besonderen mit den ökumenischen Initiativen, welche an ihren Wallfahrtsorten durchgeführt werden.

P. Marc Trautmann, Vikar des Wallfahrtsortes Kevelaer, hat im Anschluss einen Vorschlag illustriert, nach dem an allen Wallfahrtsorten in Europa in einer besonderen Gebetsmeinung für die jungen Menschen gebetet werden soll, welche am bevorstehenden Weltjugendtag teilnehmen.

Der Kongress schloss mit einer zusammenfassenden Darstellung der Ergebnisse der Gruppenarbeiten und mit der Approbation der Schlusserklärung.

 Die Erkenntnisse des Kongresses

 1. Das Wallfahrts- und Pilgerbrauchtum, das beinahe in allen religiösen Traditionen als ein bevorzugter Weg gilt, findet bei den Christen wachsende ‘Wertschätzung’, auch bei denen, die sich aus geschichtlichen Gründen davon entfernt haben.

 2. Obwohl sie sich noch vielfach im Anfangsstadium befinden, bilden sich in Europa vermehrt ökumenische Pilgerinitiativen heraus, wobei einige bereits auf eine lange Tradition zurückblicken können. Dank der positiven Früchte, die sich daraus entwickelt haben, vermehren sich heute solche Initiativen und erlangen in manchen Fällen offiziellen Charakter.

 3. Die derzeitigen Einheitsbestrebungen in Europa auf politischer Ebene wie auch die Einheitsbestrebungen der europäischen Christen sind eine Herausforderung, ein Zeichen der Zeit und eine Einladung Gottes, dass die Einzelnen und die Gemeinschaften sich verstärkt darum bemühen sollen, das Gemeinsame zu entdecken und noch mehr das Eigene zu achten. Das zeigt sich in der gemeinsamen Wertschätzung des Pilgerbrauchtums. Auch der Ökumenismus ist eine Pilgerreise zur Einheit.

 4. Der Kongress hat erkannt, dass die Wallfahrtsorte, obwohl es einige Erfahrungen gibt, die sogar ‘offiziellen’ Charakter erlangt haben, allgemein noch kein ökumenisches Programm oder Projekt haben.

 5. Ökumenische Pilgerinitiativen können wahrscheinlich leichter gefördert und durchgeführt werden, sobald es eine neue Christengeneration gibt, die besser auf den spirituellen Austausch vorbereitet ist. Dabei muss jedoch darauf geachtet werden, dass man nicht in extreme Formen verfällt, d.h. weder in Relativismus noch in Fundamentalismus, sondern sich bemüht, das Wesentliche zu erkennen, das allen gemeinsam ist, sprich, dass der eine Gott das Heil des Menschen ist und allem Vergänglichen den Hauch der Ewigkeit schenkt.

 6. Damit die Wallfahrtsorte ihrer ökumenischen, zur Heiligkeit anspornenden Bestimmung gerecht werden können, müssen zumindest all jene, die dort seelsorglich beim Empfang der Pilger mitwirken, von Glauben, Liebe und Hoffnung geleitet sein. 

 7. Der ökumenische Geist bewirkt von sich aus eine Läuterung von allen Verkrustungen, welche die Wahrheit und Liebe behindern, und zwar sowohl durch die Anerkennung der Gabe der Heiligkeit, welche der Herr unseren Brüdern und Schwestern schenkt, als auch durch die Vermeidung aller Taten und Worte, welche die bestehenden Missverständnisse verschärfen können. Wir müssen zugeben, dass uns zahlreiche und mannigfaltige Vorurteile überliefert wurden, von denen wir uns nur langsam zu befreien imstande sein werden. Doch wenn wir den Bußcharakter von Pilgerfahrten beachten, werden wir das, was uns eint, stärken, und das, was uns trennt, verringern. Auf diese Weise steht jeder Gemeinschaft der Weg offen, das wahre Gut zu erkennen und anzuerkennen und zur Einheit zu finden, welche Frieden schenkt. 

 8. Außer den Fundamenten des Glaubens, die uns gemeinsam sind, eint die Christen, zumindest die engagiertesten unter ihnen, die Überzeugung, dass entschieden gegen gewisse Übel unserer heutigen Gesellschaft gekämpft werden muss, besonders gegen solche, an denen eine bestimmte Kultur des Todes sichtbar wird, wie z.B. Säkularisierung, Apathie, religiöse Indifferenz und Ignoranz sowie Verzweiflung aufgrund des Fehlens eines wertstiftenden Lebenssinns.

 9. Darüber hinaus sind sich die Christen in Europa einig, dass unserem Kontinent nur, wenn Gott großherzig seine Barmherzigkeit ausgießt, die Kraft entstehen kann, die er braucht, um seiner Aufgabe gegenüber seinen ärmsten Nachbarländern gerecht zu werden, aus denen ein wachsender Flüchtlings- und Zuwandererstrom zu uns drängt, oder aber auch gegenüber dem Volk der Zigeuner. Wallfahrtsorte können und müssen in diesem Zusammenhang zu zeichenhaften Orten der Barmherzigkeit Gottes und der Solidarität werden. 

 Die Empfehlungen des Kongresses

 10. Bei den Initiativen, welche Christen gemeinsam bei Wallfahrten und an Wallfahrtsorten durchführen können, soll der Atem des Heiligen Geistes spürbar sein. Bei jeder Zusammenarbeit, selbst bei so praktischen Dingen wie beim Dienst der Ehrenamtlichen, kommt diese Einheit in einem gewissen Maß bereits zum Ausdruck. Trotzdem bleibt bei der derzeitigen ökumenischen Entwicklung das gemeinsame Gebet, als Antwort auf das Wort Gottes, das stärkste evangelische Zeichen dafür, dass Jesus unter uns gegenwärtig ist. Daneben ist natürlich auch die Nächstenliebe als Ausdruck der Heiligkeit notwendig.

 11. Wir schlagen vor, dass an den Wallfahrtsorten gemeinsame Gebetstage für bestimmte Intentionen veranstaltet werden, wie z.B. für den Frieden, für eine stärkere Gütergemeinschaft zwischen reichen und armen Ländern, für die Einheit der Christen, für die Familie, für Migranten und Flüchtlinge sowie für Europa selbst. An einigen Orten sollte man öfter für die Einheit beten und den Kreuzweg(Via Crucis)von falschen Urteilen und Interessen befreien. Andere Wallfahrtsorte könnten dem Beispiel derjenigen folgen, die eine ökumenische Gebetsschule errichtet haben, und so den Boden für eine Mahlgemeinschaft der Einheit bereiten. Bei bestimmten Anlässen kann auch ein Amtsträger anderer Konfessionen eingeladen werden, die Predigt zu halten. Schließlich kann die zuständige Autorität der Ortskirchen den Brüdern, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, bestimmte Räumlichkeiten am Wallfahrtsort zum Gottesdienst zur Verfügung stellen. 

 12. Die Pilger und Christen, welche sich an unseren Wallfahrtsorten versammeln, sollten das Gedächtnis der Märtyrer und selbstverständlich auch der Heiligen feiern, vor allem der Patrone Europas, d.h. des heiligen Benedikt, der heiligen Cyrillus und Methodius, der heiligen Brigitte von Schweden, der heiligen Katherina von Siena und der heiligen Theresia vom Kreuz, denn dadurch kommt die ökumenische Dimension zum Tragen. Dabei kann uns ganz besonders das Ideal des heiligen Benedikt helfen, nach dem der Gast (am Wallfahrtsort) wie Christus selbst aufgenommen werden soll. 

 13. Die Teilnehmer haben auch mehrere Themen vorgeschlagen, die bei kommenden Kongressen behandelt werden sollen, wie z.B. der Umgang mit Gläubigen anderer Religionen, Jugendwallfahrten bzw. Wallfahrten anderer Gruppen, und die Pastoral der Sakramente, vor allem des Bußsakraments.

 14. Zum Schluss wurde der Wunsch geäußert, einen Weltkongress zu veranstalten, der von den in den einzelnen Ländern bestehenden bzw. zu errichtenden Arbeitsgemeinschaften der Rektoren und Direktoren von Wallfahrten vorbereitet werden soll.

  * * *

 Rückschauend sind die Teilnehmer bei diesem vierten Kongress unter dem liebevollen Blick der Heiligsten Jungfrau von Kevelaer, Consolatrix afflictorum, der Trösterin der Betrübten, zum Schluss gekommen, dass das Thema des Ökumenismus der Heiligkeit einen Schwerpunkt bei der Seelsorgearbeit an Wallfahrtsorten bilden muss, wenn sie, wie Jesus es gewünscht hat, zu klaren Zeichen der von Gott gewollten Einheit werden sollen, deren Fundament der eine Gott im Mysterium der göttlichen Dreifaltigkeit ist. 

Das Bild der Gottesmutter Maria, welche die erste Jüngerin unseres Herrn war und deren Schönheit unsere Wallfahrtsorte mit mütterlicher Zärtlichkeit erfüllt, kann uns helfen, einen marianischen Ökumenismus zu entwickeln. Dieser sollte von der Annahme der Tatsache ausgehen, dass Maria stets auf das Wort Gottes gehört hat, aus dem Glauben dem Willen Gottes vollkommen gehorsam war und deswegen ein Modell und eine Ikone für die Heilige Kirche und einen jeden Christen ist. 

  Kevelaer, am 23. September 2004

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