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SCHREIBEN VON KARDINALSTAATSSEKRETÄR ANGELO SODANO
AN DEN APOSTOLISCHEN NUNTIUS IN DEUTSCHLAND,
ERZBISCHOF GIOVANNI LAJOLO*

10. September 1999

 

Hochwürdigster Herr Nuntius!

Am 30. September wird während eines feierlichen Aktes in der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland der Grundstein für den neuen Sitz der Apostolischen Nuntiatur gelegt. Der Heilige Vater hat mit Freude von diesem Ereignis Kenntnis erlangt und sendet herzliche Grüße und Segenswünsche vom Tiber an die Spree.

Mit Berlin verbinden ihn selbst tiefe persönliche Erinnerungen. Unvergeßlich hat sich ihm der Gang durch das Brandenburger Tor eingeprägt, mit dem er seinen dritten Pastoralbesuch in Deutschland 1996 beschloß. Was durch die sanfte Revolution vor fast genau zehn Jahren politisch Wirklichkeit wurde, ist die Grundlage dafür, daß sich heute der Apostolische Nuntius anschickt, von Bonn nach Berlin umzuziehen. Berlin, einst Symbol der Trennung, ist mittlerweile zu einem Zeichen der Einheit Deutschlands geworden. Diese Einheit ist nicht nur Gabe, sondern auch Aufgabe. Denn trotz der »Wende« sind bis in unsere Tage längst noch nicht alle inneren geistigen Mauern gefallen, die einst zwischen Ost und West die Menschen voneinander trennten.

Deshalb gibt Papst Johannes Paul II. seinem Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland ein Wort mit auf den Weg, durch das der Völkerapostel Paulus seine eigene Mission treffend umschrieben hat: »Wir sind Gesandte an Christi Statt, und Gott, ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi Statt: Laßt euch mit Gott versöhnen!« (2 Kor 5,20). Das Amt des Apostolischen Nuntius ist in besonderer Weise ein mitunter unauffälliger, aber nicht minder wirkungsvoller Dienst der Versöhnung und der Einheit. Mit der Grundsteinlegung möge nicht nur ein festes Fundament für das neue Gebäude gesichert, sondern auch das Wirken des Vertreters des Heiligen Vaters in Berlin auf eine solide und fruchtbare Basis gestellt sein.

Seine Heiligkeit möchte es an dieser Stelle nicht versäumen, für die Hochherzigkeit des Verbandes der Diözesen Deutschlands zu danken, durch die das Bauvorhaben der Apostolischen Nuntiatur in der Bundeshauptstadt erst verwirklicht werden konnte. Möge dieser Akt der Großzügigkeit ein Zeichen für das Band unverbrüchlicher Treue sein, das die Kirche in Deutschland mit dem Nachfolger des hl. Petrus verbindet.

Indem Papst Johannes Paul II. dem Bau ein gutes Gelingen wünscht, dankt er den Planern und Ausführenden für ihren Einsatz und ihr Mühen. Schon jetzt betet er darum, daß dem Wirken des Apostolischen Nuntius und seinen Mitarbeitern in Berlin reiche Früchte der Versöhnung und der Einheit beschieden seien – zum Wohl der Kirche und der Bundesrepublik Deutschland. Dazu erteilt er den Vertretern des kirchlichen, politischen und öffentlichen Lebens sowie allen, die sich zur Feier der Grundsteinlegung versammelt haben, von Herzen den Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 10. September 1999

Mit besten persönlichen Wünschen

Angelo Kardinal Sodano
Staatssekretär Seiner Heiligkeit


*L'Osservatore Romano. Wochenausgabe in deutscher Sprache n. 40 p.1.

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