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ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
AN HERRN OSCAR AYUSO,
NEUER BOTSCHAFTER VON BELIZE BEIM HL. STUHL

Donnerstag, 18. Dezember 2008

 

Exzellenz!

Ich freue mich, Sie im Vatikan willkommen zu heißen und das Schreiben entgegenzunehmen, durch das Sie als Botschafter und bevollmächtigter Vertreter von Belize beim Heiligen Stuhl akkreditiert werden. Ich danke Ihnen für die freundlichen Grüße, die Sie mir von Ihrem Generalgouverneur und Ihrem Premierminister überbracht haben und bitte Sie, auch meine herzlichen Grüße und guten Wünsche zu übermitteln sowie sie meiner Gebete für sie und ihre Mitbürger zu versichern.

Ich danke Ihnen sehr für Ihre freundliche Erwähnung des Beitrags, den die Kirche vor allem durch ihr etabliertes Erziehungs- und Sozialapostolat zur Entwicklung Ihres Landes geleistet hat. Eine Geschichte fruchtbarer Zusammenarbeit mit den Zivilbehörden und respektvoller Beziehungen zu den anderen religiösen Gruppen hat der Kirche in der Tat ermöglicht, ihren religiösen und kulturellen Auftrag in Belize unbehindert auszuführen. Die Unterstützung, die der Staat den katholischen Schulen und der religiösen Erziehung der jungen Menschen traditionellerweise gewährt, ist nicht nur der Kirche zugute gekommen, sondern hat auch dazu beigetragen, die Struktur der Gesellschaft als ganzer zu stärken.

Jungen Menschen steht überall das Recht auf eine gesunde Erziehung zu, die es ihnen erlaubt, die geistigen, humanen und religiösen Dimensionen des Lebens zu einer kohärenten Synthese zu verbinden (vgl. Gravissimum educationis, 1). Die Einwohner von Belize sind zu Recht stolz auf ihre reiche Geschichte, die Vielfältigkeit ihrer kulturellen und religiösen Traditionen und den Geist der gegenseitigen Achtung und Zusammenarbeit, der seit langem die Beziehungen zwischen den verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft kennzeichnet. Dieses eindrucksvolle Vermächtnis kann nicht als selbstverständlich betrachtet werden, sondern bedarf immer neuer Aneignung und muß der jüngeren Generation auf jeder Ebene der Erziehung und des Gemeinschaftslebens bewußt weitergereicht werden.

Diese Aufgabe ist heute besonders dringend, da die Werte, die das Leben des Landes und die Identität von Belize geprägt haben, durch den Import gewisser kultureller Muster herausgefordert werden, die auf tragische Weise die Kraft und die Gaben schwächen, die die jungen Menschen in die Gesellschaft einbringen: ihren Idealismus, ihre Hochherzigkeit, ihre Freude, ihre Hoffnung und ihren Enthusiasmus. Ein Klima des Zynismus und der Entfremdung unterstützt die Ausbreitung einer Gegenkultur der Gewalt und der Wirklichkeitsflucht sowie die Suche nach falschen Utopien durch Alkohol- und Drogenmißbrauch.

Letztere Erscheinung, die sich für so viele Leben und Hoffnungen als zerstörerisch erwiesen hat, ist eine Quelle besonderer Besorgnis für alle, die sich um das Wohl nicht nur der Jugendlichen, sondern der Gesellschaft als ganzer kümmern. Die Kirche möchte ihrerseits dabei helfen, diesen Herausforderungen zu begegnen, indem sie den jungen Menschen beisteht, im Licht des Evangeliums die immerwährenden Wahrheiten zu entdecken, die die Grundlage eines wirklich erfüllten Lebens und die Basis einer friedlichen und menschlichen sozialen Gemeinschaft sind. Wesentlich für die Zukunft jeder Gesellschaft sind ihre Familien.

In meiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2008 habe ich die besondere Rolle der Familie als »Fundament der Gesellschaft« und als »die erste und unersetzliche Erzieherin zum Frieden« herausgestellt (Nr. 3). Starke Familien waren lange ein Kennzeichen des Lebens in Ihrem Land, und die katholische Gemeinschaft in Belize bemüht sich, mit allen Menschen guten Willens zusammenzuarbeiten, um den wachsenden Bedrohungen der Einrichtungen von Ehe und Familie verantwortlich zu begegnen, besonders durch die Aufrechterhaltung des Wesens der Ehe auf der Grundlage einer lebenslangen Vereinigung von Mann und Frau, durch den Schutz der besonderen Rechte der Familie und durch die Achtung der unverletzlichen Würde des menschlichen Lebens, vom Moment der Empfängnis bis zum natürlichen Tod.

Dieses Zeugnis, das darauf abzielt, die öffentliche Meinung zu informieren und eine weise sowie weitsichtige Familienpolitik zu fördern, soll zum Allgemeinwohl beitragen, indem es eine Einrichtung verteidigt, die »eine wesentliche Quelle im Dienst des Friedens« (vgl. ebd., Nr. 5) und des sozialen Fortschritts war und immer noch ist.

Innerhalb der internationalen Gemeinschaft hat Ihr Land versucht, seine Verbindungen mit anderen Ländern zu konsolidieren und sich an den Programmen der internationalen Zusammenarbeit zu beteiligen. Auf der Grundlage seiner vergangenen Geschichte, seiner relativ kurzen Erfahrung der Unabhängigkeit und der Stabilität seines politischen Lebens kann Belize nicht nur innerhalb der Karibik oder Zentralamerikas, sondern auch den jungen Demokratien in anderen Teilen der Welt als eine Ermutigung und als Bezugspunkt gelten. Durch solche Solidarität können die Menschen guten Willens ihre Bemühungen vereinen, eine soziale Ordnung zu schaffen, die die Werte des Friedens, des respektvollen Dialogs und der Zusammenarbeit im Dienste des Gemeinwohls, den Schutz der Menschenwürde und die Förderung einer wirksamen Sorge für die Armen und Benachteiligten umfaßt.

Mit diesen Gedanken, Herr Botschafter, entbiete ich Ihnen nun meine guten Segenswünsche für die Mission, die Sie im Dienste Ihres Landes durchführen, und versichere Sie der Bereitschaft der verschiedenen Ämter des Heiligen Stuhls, Ihnen bei der Erfüllung Ihrer Aufgabe beizustehen. Ich bin zuversichtlich, daß Ihre Repräsentanz helfen wird, die guten Beziehungen, die zwischen dem Heiligen Stuhl und Belize bestehen, zu stärken. Für Sie und Ihre Familie sowie für alle lieben Menschen Ihres Landes erbitte ich von Herzen Gottes Segen, Freude und des Frieden.

 

© Copyright 2008 - Libreria Editrice Vaticana

 

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