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APOSTOLISCHE REISE
VON PAPST BENEDIKT XVI.
NACH KAMERUN UND ANGOLA
(17.-23. MÄRZ 2009)

BEGEGNUNG MIT DEN KRANKEN

ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.

Zentrum "Card. Paul Emile Léger" - CNRH von Yaoundé
Donnerstag, 19. März 2009


...
auf französisch:

Meine Herren Kardinäle,
Frau Sozialministerin,
Herr Gesundheitsminister,
liebe Mitbrüder im Bischofsamt und lieber Herr Bischof Joseph Djida,
Frau Direktorin des »Centre Cardinal Léger«,
liebes Pflegepersonal, liebe Kranke!

Es war mein aufrichtiger Wunsch, diese Augenblicke mit euch zu verbringen, und ich freue mich, euch zu begrüßen, liebe Brüder und Schwestern, die ihr die Last der Krankheit und des Leidens tragt. Ihr seid nicht allein in diesem Schmerz, denn Christus selbst ist solidarisch mit allen Leidenden. Er offenbart den Kranken und den Behinderten den Platz, den sie im Herzen Gottes und in der Gesellschaft haben. Der Evangelist Markus gibt uns als Beispiel die Heilung der Schwiegermutter des Petrus. Er schreibt: »Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, faßte sie an der Hand und richtete sie auf« (Mk 1,30–31). In diesem Abschnitt des Evangeliums sehen wir, wie Jesus einen Tag bei den Kranken verbringt, um ihnen Erleichterung zu schenken. So zeigt er uns durch konkrete Taten seine brüderliche Liebe und Güte gegenüber allen, deren Herz gebrochen und deren Leib verwundet ist.

Von diesem Zentrum aus, das den Namen von Kardinal Paul-Émile Léger trägt, eines Kanadiers, der zu euch gekommen ist, um die Menschen an Leib und Seele aufzurichten, vergesse ich auch jene Menschen nicht, die sich in den Krankenhäusern, in besonderen Einrichtungen oder in den Krankenstationen befinden und die körperlich oder geistig behindert sind – ebenso wenig wie jene, deren Leib von Gewalt und Kriegen gezeichnet ist. Ich denke auch an alle Kranken und hier in Afrika besonders an die Opfer von Krankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose. Ich weiß, daß die katholische Kirche bei euch sehr darum bemüht ist, diese schrecklichen Geißeln nachhaltig zu bekämpfen, und ich ermutige sie, diese so dringend notwendige Arbeit entschlossen fortzusetzen. Euch, die ihr durch Krankheit und Leiden geprüft seid, sowie allen euren Familien möchte ich von seiten des Herrn ein bißchen Stärkung bringen. Ich möchte euch noch einmal meine Unterstützung zusichern und euch einladen, euch Christus und Maria zuzuwenden, die er uns als Mutter geschenkt hat. Sie hat den Schmerz kennengelernt, und sie ist ihrem Sohn auf dem Kreuzweg gefolgt und hat in ihrem Herzen die Liebe bewahrt: Jesus ist gekommen, um allen Menschen diese Liebe zu bringen.

auf englisch: Wenn man dem Leiden, der Krankheit und dem Tod gegenübersteht, ist man versucht, vor Schmerz zu schreien, wie Ijob es tat, dessen Name »der Leidende« bedeutet (vgl. Gregor der Große, Moralia in Job 1,1,15). Auch Jesus schrie kurz vor seinem Tod laut auf (vgl. Mk 15,37; Hebr 5,7). Wenn unser Zustand sich verschlechtert, wächst unsere Angst; mancher ist versucht, daran zu zweifeln, daß Gott in seinem Leben gegenwärtig ist. Ijob jedoch war sich der Gegenwart Gottes bewußt; sein Schrei war kein Aufbegehren, sondern aus der Tiefe seines Elends heraus ließ er sein Vertrauen wachsen (vgl. Ijob 19; 42,2–6). Seine Freunde versuchten, wie jeder von uns, wenn er der dem Leiden eines geliebten Menschen gegenübersteht, ihn zu trösten, aber sie gebrauchten hohle und leere Worte.

Angesichts solcher Qualen fühlen wir uns machtlos und können nicht die richtigen Worte finden. Bei einem Bruder oder einer Schwester, die in das Geheimnis des Kreuzes hineingenommen sind, erreichen respektvolles und mitfühlendes Schweigen, betende Präsenz, eine liebevolle und tröstende Geste, ein freundlicher Blick, ein Lächeln oft mehr als viele Worte. Diese Erfahrung machte eine kleine Gruppe von Männern und Frauen, zu der auch die Jungfrau Maria und der Apostel Johannes gehörten: Sie folgten Jesus in seinem tiefsten Schmerz in der Zeit seines Leidens und seines Todes am Kreuz. Unter ihnen war, wie uns das Evangelium berichtet, ein Afrikaner, Simon von Zyrene. Ihm wurde aufgetragen, Jesus zu helfen, sein Kreuz auf dem Weg nach Golgota zu tragen. Dieser Mann kam, wenn auch nicht aus eigener Entscheidung, dem Schmerzensmann zu Hilfe, als dieser von all seinen Jüngern verlassen und blinder Gewalt ausgeliefert worden war. Aus der Geschichte wissen wir also, daß ein Afrikaner, ein Sohn eures Kontinents, selbst leiden mußte, um am unendlichen Leiden dessen teilzuhaben, der alle Menschen erlöst hat, einschließlich derer, die ihn hinrichteten. Simon von Zyrene konnte nicht wissen, daß es sein Erlöser war, der dort vor ihm stand. Sie »zwangen« ihn, ihm zu helfen (vgl. Mk 15,21). Er wurde genötigt, gezwungen, es zu tun. Es ist schwer zu akzeptieren, das Kreuz eines anderen zu tragen. Erst nach der Auferstehung konnte er verstehen, was er getan hatte. Brüder und Schwestern, so ist es auch für einen jeden von uns: In der Tiefe unseres Schmerzes, unseres eigenen Aufbegehrens, schenkt Christus uns seine liebevolle Gegenwart, auch wenn es für uns schwer ist zu verstehen, daß er an unserer Seite ist. Erst der endgültige Sieg des Herrn wird uns die letztendliche Bedeutung unserer Prüfungen offenbaren.

Kann man nicht sagen, daß jeder Afrikaner gewissermaßen zur Familie des Simon von Zyrene gehört? Jeder Afrikaner, der leidet, jeder Mensch, der leidet, hilft Christus, sein Kreuz zu tragen und geht mit ihm den Weg nach Golgota hinauf, um eines Tages mit ihm aufzuerstehen. Wenn wir die Niedertracht sehen, der Jesus unterworfen war, wenn wir sein Antlitz am Kreuz betrachten, wenn wir sein schreckliches Leiden erkennen, läßt uns der Glaube das strahlende Antlitz des auferstandenen Herrn erahnen, der uns sagt, daß Leiden und Krankheit in unserem menschlichen Leben nicht das letzte Wort haben werden. Ich bete darum, liebe Brüder und Schwestern, daß ihr euch in diesem »Simon von Zyrene« wiedererkennen könnt. Ich bete darum, liebe kranke Brüder und Schwestern, daß viele von euch einem Simon an ihrem Krankenbett begegnen mögen.

Seit der Auferstehung und bis in unsere Zeit hinein haben zahllose Zeugen sich mit Glauben und Hoffnung dem Erlöser der Menschheit zugewandt und seine Gegenwart inmitten ihrer Leiden erkannt. Möge der Vater des Erbarmens gnädig die Gebete aller erhören, die sich ihm zuwenden. Er antwortet auf unseren Ruf und unser Gebet, wie und wann er will, zu unserem Wohl und nicht unseren Wünschen gemäß. Wir wiederum müssen über seine Antwort nachdenken und die Gaben annehmen, die er uns aus Gnade anbietet. Laßt uns den Blick auf den Gekreuzigten richten, mit Glauben und Mut, denn von ihm kommen Leben, Trost und Heilung. Lernen wir, auf ihn zu schauen, der unser Wohl möchte und der es versteht, die Tränen von unseren Augen abzuwischen. Lernen wir, uns in seine Arme zu werfen, wie ein kleines Kind in die Arme seiner Mutter.

... auf französisch: Die Heiligen sind uns dafür ein gutes Vorbild, da sie ihr Leben ganz Gott, unserem Vater, anvertraut haben. Die hl. Teresa von Avila, die ihr Kloster unter den Schutz des hl. Josef gestellt hatte, wurde genau an dessen Festtag von einem Leiden geheilt. Sie sagte, daß sie niemals umsonst gebetet hat, und legte allen ans Herz, die vorgaben, nicht beten zu können: »Ich verstehe nicht, wie man an die Königin der Engel denken kann und an all das, was sie erleiden mußte, als das göttliche Kind noch klein war, ohne dem hl. Josef für die so vollkommene Hingabe zu danken, mit der er sowohl ihm als auch ihr zu Hilfe kam. Wer niemanden hat, der ihn beten lehrt, möge diesen wunderbaren Heiligen zum Lehrmeister wählen. Er braucht nicht zu fürchten, unter seiner Führung vom Weg abzukommen« (Leben, 6). Er war ein Fürsprecher für die leibliche Gesundheit, und so sah die Heilige im hl. Josef einen Fürsprecher für die Gesundheit der Seele, einen Lehrmeister des Gebets.

Wählen auch wir ihn als Lehrmeister des Gebets! Nicht nur wir, die wir bei guter Gesundheit sind, sondern auch ihr, liebe Kranke, und alle Familien. Ich denke ganz besonders an euch, die ihr zum Pflegepersonal gehört, und an all jene, die im Gesundheitswesen arbeiten. Indem ihr die Leidenden begleitet und ihnen Aufmerksamkeit und Fürsorge entgegenbringt, vollbringt ihr einen Akt der Mildtätigkeit und der Liebe, den Gott anerkennt: »Ich war krank, und ihr habt mich besucht« (Mt 25,36). Liebe Wissenschaftler und Ärzte, eure Aufgabe ist es, alle legitimen Mittel anzuwenden, um den Schmerz zu lindern; in erster Linie müßt ihr das menschliche Leben schützen und es verteidigen, von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende. Für jeden Menschen ist die Achtung des Lebens ein Recht und gleichzeitig eine Pflicht, denn jedes Leben ist ein Geschenk Gottes. Ich möchte zusammen mit euch dem Herrn für all jene danken, die auf die eine oder andere Weise im Dienst der leidenden Menschen tätig sind. Ich ermutige die Priester und jene, die die Kranken besuchen, sich durch ihre aktive und freundschaftliche Gegenwart in der Krankenhausseelsorge einzusetzen oder für eine kirchliche Präsenz in der Hauspflege zu sorgen, zur Stärkung und geistlichen Unterstützung der Kranken. Wie er es verheißen hat, wird Gott euch den rechten Lohn geben und es euch im Himmel vergelten.

Bevor ich euch vor meinem Abschied persönlich begrüße, möchte ich einem jeden von euch meine liebevolle Nähe und mein Gebet zusichern. Ich möchte euch auch sagen, daß ich wünsche, daß niemand von euch sich jemals allein fühlen möge. Jeder Mensch ist nämlich nach dem Abbild Christi geschaffen und ist daher aufgerufen, seinem Nächsten beizustehen. Ich vertraue euch alle der Fürsprache der Jungfrau Maria, unserer Mutter, und des hl. Josef an. Gott gewähre uns, füreinander Boten der Barmherzigkeit, der Zartheit und der Liebe unseres Gottes zu sein, und er segne euch!

 

© Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana

 

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