![]() |
![]() |
|
|
|
|
APOSTOLISCHE REISE NACH GROSSBRITANNIEN BESUCH BEI IHRER MAJESTÄT QUEEN ELIZABETH II. UND STAATSEMPFANG ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
Schloß
"Holyroodhouse" -
Edinburgh (Video)
Eure Majestät! Ich danke Ihnen für Ihre
liebenswürdige Einladung zu einem offiziellen Besuch in das Vereinigte
Königreich sowie für Ihre freundlichen Worte der Begrüßung im Namen der
britischen Bevölkerung. Eure Majestät mögen mir gestatten, mit diesem Dank meine
persönlichen Grüße an alle Menschen im Vereinigten Königreich zu richten und
ihnen in Freundschaft die Hand zu reichen. Es ist mir eine große Freude,
meine Reise mit einem Besuch bei den Mitgliedern der Königlichen Familie zu
beginnen. Besonders danke ich Seiner Königlichen Hoheit dem Herzog von
Edinburgh, der mich am Flughafen zuvorkommend willkommen geheißen hat. Ich
bringe auch meinen Dank an die jetzige und die vorhergehende Regierung Eurer
Majestät zum Ausdruck wie auch an all jene, die mit ihnen zusammengearbeitet
haben, um dieses Ereignis möglich zu machen. Dazu gehören Lord Patten und der
frühere Minister Murphy. Ebenso gilt meine dankbare Anerkennung der Arbeit der
parlamentarischen All-Parteien-Gruppe über den Heiligen Stuhl, die wesentlich
zur Stärkung der bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem
Heiligen Stuhl und dem Vereinigten Königreich beigetragen hat. Wenn ich nun meinen Besuch im
Vereinigten Königreich in Schottlands historischer Hauptstadt beginne, grüße ich
in besonderer Weise den First Minister Salmond und die Vertreter des
Schottischen Parlaments. Wie die Walisische und die Nordirische
Regionalversammlung möge das Schottische Parlament immer mehr die edlen
Traditionen und die charakteristische Kultur der Schotten zum Ausdruck bringen
und danach streben, ihren Anliegen in einem Geist der Solidarität und der Sorge
für das Gemeinwohl zu dienen. Der Name Holyroodhouse
des Amtssitzes Eurer Majestät in Schottland erinnert an das Heilige Kreuz und
weist auf die tiefen christlichen Wurzeln hin, die immer noch in jeder Schicht
britischen Lebens vorhanden sind. Die Monarchen Englands und Schottlands sind
seit frühester Zeit Christen gewesen und schließen herausragende Heilige wie
Eduard den Bekenner und Margareta von Schottland ein. Wie Sie wissen, haben
viele von ihnen ihre Pflichten als Souverän bewußt im Geiste des Evangeliums
ausgeübt und auf diese Weise das Land durch und durch zu seinem Wohl geprägt.
Als Ergebnis ist die christliche Botschaft über einen Zeitraum von mehr als
tausend Jahren ein wesentlicher Bestandteil von Sprache, Gedanken und Kultur der
Britischen Inseln geworden. Die Achtung Ihrer Vorfahren für Wahrheit und
Gerechtigkeit, für Barmherzigkeit und Nächstenliebe erben Sie von einem Glauben,
der eine starke Kraft zum Guten in Ihrem Königreich zum Nutzen für Christen
ebenso wie für Nichtchristen bleiben wird. Wir finden viele Beispiele
dieser Kraft zum Guten in der langen Geschichte Großbritanniens. Selbst in
vergleichsweise neuerer Zeit hat Großbritannien dank solcher Persönlichkeiten
wie William Wilberforce und David Livingstone direkt eingegriffen, um den
internationalen Sklavenhandel zu beenden. Vom Glauben inspiriert haben Frauen
wie Florence Nightingale den Armen und Kranken geholfen und so neue Standards
für die Gesundheitsfürsorge gesetzt, die in der Folge überall nachgeahmt wurden.
John Henry Newman, dessen Seligsprechung wir in Kürze feiern werden, ist einer
von vielen britischen Christen seiner Zeit, deren Frömmigkeit, Sprachbegabung
und Hilfstätigkeit ihren Landsleuten alle Ehre machten. Diese und viele Menschen ihresgleichen ließen sich von dem tiefen Glauben inspirieren, der auf diesen
Inseln hervorgegangen und genährt worden ist. Selbst aus unserer Zeit können
wir uns in Erinnerung rufen, wie Großbritannien und seine Verantwortlichen der
Nazityrannei widerstanden haben, die Gott aus der Gesellschaft entfernen wollte
und vielen das allgemeine Menschsein absprachen, besonders den Juden, die als
„lebensunwert“ betrachtet wurden. Ebenso möchte ich an die Haltung jenes Regimes
gegenüber christlichen Pastoren und Ordensleuten erinnern, welche die Wahrheit
in Liebe sagten, sich den Nazis entgegenstellten und diesen Widerstand mit ihrem
Leben bezahlten. Wenn wir über die nüchternen Lektionen des atheistischen
Extremismus des 20. Jahrhunderts nachdenken, wollen wir nicht vergessen, wie der
Ausschluß von Gott, Religion und Tugend aus dem öffentlichen Leben uns letztlich
zu einer verkürzten Vision des Menschen und der Gesellschaft führt und damit zu
einer „herabwürdigenden Sicht des Menschen und seiner Bestimmung“
(Caritas in
veritate, 29). Vor 65 Jahren spielte
Großbritannien eine wesentliche Rolle bei der Erarbeitung des internationalen
Konsenses nach dem Krieg, der die Errichtung der Vereinten Nationen befürwortete
und eine bislang ungekannte Phase des Friedens und des Wohlstands in Europa
einleitete. In neuerer Zeit hat die internationale Gemeinschaft die Ereignisse
in Nordirland genau verfolgt, die zur Unterzeichnung des Karfreitagsabkommens
und die Übertragung von Zuständigkeiten an die Nordirische Regionalversammlung
geführt haben. Die Regierung Eurer Majestät und die Regierung Irlands haben
gemeinsam mit den politischen, religiösen und zivilen Verantwortungsträgern
Nordirlands dazu beigetragen, eine Friedensresolution für den dortigen Konflikt
auf den Weg zu bringen. Ich ermuntere alle Beteiligten, auf dem für sie
vorgesehenen Weg zu einem gerechten und dauerhaften Frieden gemeinsam weiter
mutig voranzuschreiten. Wenn wir ins Ausland schauen,
bleibt das Vereinigte Königreich politisch und wirtschaftlich eine
Schlüsselfigur auf der internationalen Bühne. Ihre Regierung und Ihr Volk
bringen Ideen ein, die nach wie vor weit über die britischen Inseln hinaus
Wirkung zeigen. Dies legt ihnen eine besondere Verpflichtung auf, klug für das
Gemeinwohl zu arbeiten. Entsprechend haben auch die britischen Medien, deren
Meinungen ein so breites Publikum erreichen, eine schwerwiegendere Verantwortung
als die meisten anderen Medien und eine größere Gelegenheit, den Frieden der
Nationen, die ganzheitliche Entwicklung der Völker und die Ausbreitung
authentischer Menschenrechte zu fördern. Mögen alle Briten weiterhin ihr Leben
nach den Werten der Aufrichtigkeit, des Respekts und der redlichen Gesinnung
führen, die ihnen die Wertschätzung und Bewunderung vieler Menschen eingebracht
haben. Heute strebt das Vereinigte
Königreich danach, eine moderne und multikulturelle Gesellschaft zu sein. Bei
diesem interessanten Unternehmen möge es stets seinen Respekt vor jenen
traditionellen Werten und kulturellen Ausdrucksformen bewahren, die von
aggressiveren Formen des Säkularismus nicht länger für wichtig erachtet oder
nicht einmal mehr toleriert werden. Lassen Sie ihn den christlichen Grund nicht
verdunkeln, der seine Freiheit untermauert. Und möge jenes Erbe, das Ihrem Land
immer gut gedient hat, stets das Beispiel prägen, das Ihre Regierung und Ihr
Volk den zwei Milliarden Mitgliedern des Commonwealth und der großen Familie
englisch sprechender Nationen auf der ganzen Welt geben. Gott segne Eure Majestät und
die Menschen Ihres Königreichs. Danke!
© Copyright 2010 - Libreria Editrice Vaticana
|
|
|
|