1. Heute, am 6. August, ist das Fest der Verklärung des Herrn.
Dieses liturgische Gedenken feiern Christen in Ost und West am selben Tag. Im
Zusammenhang mit dem Jubiläumsjahr hat Seine Heiligkeit Bartholomaios I.,
Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, die Initiative ergriffen und alle
Christen eingeladen, sich am Vorabend dieses Festes zu einer längeren
Gebetsvigil zusammenzuschließen. Die katholische Kirche hat diesem Appell
mit Freude Folge geleistet. Gestern abend fand in der Lateranbasilika in Rom
eine stimmungsvolle Gebetsvigil statt - in Gemeinschaft des Glaubens und der
Gebetsanliegen. Es war eine günstige Gelegenheit, um das gemeinsame
Glaubensbekenntnis an Jesus Christus, den Sohn Gottes, und den Willen, seinem
Evangelium zu gehorchen, herauszustellen. Nach der heutigen Lesung aus dem
Evangelium wurde Jesus vor Petrus, Jakobus und Johannes »verwandelt«: »Sein
Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das
Licht« (Mt 17,2). Durch den Schleier der Menschlichkeit offenbarte sich
der Sohn Gottes, »Licht vom Licht«. Dies wurde von einer geheimnisvollen Stimme
vom Himmel bestätigt: »Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden
habe; auf ihn sollt ihr hören« (Mt 17,5). Es handelt sich hier um eine
echte Epiphanie: die Offenbarung des Gottessohnes vor der Welt.
2. Wir stehen im Mittelpunkt des christlichen Mysteriums und
folglich auch des Großen Jubiläumsjahres, das uns zu einer Erneuerung unserer
Treue zu Christus anspornt. Die verschiedenen Veranstaltungen des Heiligen Jahrs
sind für die Gläubigen in der Tat günstige Gelegenheiten zur Begegnung mit ihm
und zum erneuten Ausdruck ihres festen Willens zur Mitarbeit in seinem
universalen Heilswirken. In diesem Geist wird auch der bevorstehende
Weltjugendtag abgehalten werden. Viele Jugendliche sind schon auf
unterschiedliche Weise nach Rom unterwegs; Familien, Gemeinden, Einrichtungen
und Schulen wurden mobilisiert, um sie aufzunehmen, und auch ich werde hier in
Castelgandolfo die Freude haben, einige von ihnen zu beherbergen. Beten wir
dafür, daß dieser wichtige Termin im Herzen des Heiligen Jahres für die
Jugendlichen der ganzen Welt ein wichtiger Anlaß sei, um ihre hochherzige Treue
zu Christus zu erneuern.
3. Das Fest der Verklärung des Herrn erinnert an meinen
verehrten Vorgänger, den Diener Gottes Paul VI.: Er starb nämlich am 6.
August 1978, der ebenfalls ein Sonntag war. Er war ein begnadeter Verkünder der
Verklärung, in der er das ganze Geheimnis Christi, als wahren Menschen und als
wahren Gott, betrachtete. Den Menschen seiner Zeit, oft von tausend
verschiedenen und trügerischen Versuchungen verunsichert, verweist Paul VI. mit
leidenschaftlicher Liebe und weiser Lehre auf Christus, »Meister, Hirte und
Licht der Seele«. »Er ist unentbehrlich« - so betonte er in einer Predigt - »und
wir können ihn nicht entbehren; er ist unser Vermögen, unsere Freude und unser
Glück, Versprechen und Hoffnung; er ist uns Weg, Wahrheit und Leben« (vgl.
Insegnamenti, III [1965], 1192). Die Jungfrau Maria, die Paul VI. wie mit
der Liebe eines Sohnes verehrte, helfe allen Christen, treue Zeugen des Herrn zu
sein. Sie unterstütze außerdem die Bemühungen der Christen der verschiedenen
Konfessionen für einen mutigen Fortschritt auf dem Weg zur vollen Einheit.
Nach dem Angelus
Einen herzlichen Gruß richte ich an die Pilger deutscher
Sprache, die am Fest der Verklärung des Herrn nach Castelgandolfo gekommen
sind. Besonders möchte ich zwei Pilger aus der Lausitz nennen, die sich auf
nicht alltägliche Weise auf den langen Weg nach Rom gemacht haben: Sie sind
unterwegs zu Pferd. Mit dem Wunsch, daß unser aller Pilgerweg zum Berg der
Verklärung führe, erteile ich Euch gern den Apostolischen Segen.
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