Liebe Brüder und Schwestern!
1. Heute wird in Italien der »Tag für das Leben«
gefeiert; er steht unter dem Thema: »Mit dem Leben darf kein Handel
getrieben werden.« Dieser Grundsatz ist zwar in der Theorie anerkannt, aber
er wird leider nicht immer beachtet. Es gibt Situationen, in denen die
menschliche Person zum Werkzeug wirtschaftlicher, politischer und
wissenschaftlicher Interessen wird – vor allem wenn sie schwach ist und
nicht die Kraft hat, sich zu verteidigen.
Außerdem kann eine gewisse kommerzielle, mit modernen
Technologien einhergehende Logik manchmal bestimmte, in sich gute Wünsche der
Menschen - wie zum Beispiel den Wunsch, Mutter und Vater zu werden -
mißbrauchen und dazu führen, ein Kind »um jeden Preis« haben zu
wollen. In Wirklichkeit jedoch kann das menschliche Leben nie zum »Objekt«
werden: Von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod ist der Mensch Träger
unverletzlicher Rechte, vor denen die Freiheit haltmachen muß. Daher ist es
unumgänglich, daß die Staaten zum Schutz des unschätzbaren Guts des
menschlichen Lebens in diesen komplexen Themenbereichen organische und klare
Gesetze erlassen, die auf einem soliden ethischen Fundament ruhen.
2. Wie es schon seit zehn Jahren der Brauch ist, wird der »Tag
für das Leben« in der Diözese Rom um eine besondere »Woche der
Familie und des Lebens« verlängert. Diesem Thema wird auch die kirchliche
Diözesantagung im kommenden Juni gewidmet sein. Vor den römischen Familien
wiederhole ich die Botschaft, die während des vor kurzem zu Ende gegangenen
Welttreffens in Manila erklungen ist. Liebe christliche Familien, ihr seid eine
»frohe Botschaft« für unsere Stadt. Von der Gnade des Ehesakraments
gestützt, sollt ihr die verschiedenen Lebenssituationen einträchtig annehmen
und zum Erhalt gesunder sozialer Strukturen beitragen.
33. Heute, am Fest der Darstellung des Herrn im Tempel,
empfehlen wir Maria alle Menschen, die sich für die Verteidigung des Lebens
einsetzen, und die Familien, die der natürliche »Hort« des Lebens sind. Die
Muttergottes beschütze auch alle, die sich aufopferungsvoll im Dienst an den
Kranken einsetzen; am kommenden 11. Februar findet ja der Weltkrankentag statt.
Schließlich beschütze die Heiligste Jungfrau ganz besonders die Ordensmänner,
Ordensfrauen und die geweihten Laien, die heute den »Tag des geweihten
Lebens« begehen.
Nach dem Angelus
Große Betroffenheit hat die traurige Nachricht von der
tragischen Explosion des amerikanischen Raumschiffs »Columbia« bei seiner
Rückkehr in die Erdatmosphäre bei allen Menschen ausgelöst. Ich lade alle ein,
für die Opfer dieses Unfalls zu beten, die bei der Erfüllung eines
internationalen wissenschaftlichen Auftrags ums Leben gekommen sind. In dieser
Stunde schwerer Prüfung bin ich im Geiste ihren Angehörigen nahe und
versichere sie meines besonderen Gebetsgedenkens.
Erneut gehen meine Gedanken zur Elfenbeinküste, deren
Bevölkerung von einer schweren Krise heimgesucht wird. Beten wir dafür, daß
die Bemühungen der Menschen, denen die Einheit des Landes und die Achtung der
Gesetzlichkeit am Herzen liegen, die Oberhand über Trennungen und gegenseitige
Anschuldigungen gewinnen. Insbesondere sollen sich die katholischen Gläubigen
unter der Leitung ihrer Hirten dafür einsetzen, daß der Dialog und die Achtung
der Menschen und ihres Besitzes von allen praktiziert und gefördert werden.
Maria, Unsere Liebe Frau des Friedens von Yamoussoukro, möge
für die Versöhnung und Eintracht unter allen Söhnen und Töchtern dieser
geliebten Nation Fürsprache einlegen.
Am gestrigen Tag, dem 1. Februar, begann das neue Mondjahr für
viele Millionen Menschen - besonders Chinesen, Vietnamesen und Koreaner -, die
diesen Festtag im Rahmen ihrer Familien feiern. Ihnen gegenüber wiederhole ich
den Wunsch, den ich in der Botschaft zum jüngsten Weltfriedenstag zum Ausdruck
gebracht habe: Das neue Jahr sei eine Zeit des Friedens, auf der Grundlage von
»vier klaren Erfordernissen des menschlichen Geistes: Wahrheit, Gerechtigkeit,
Liebe und Freiheit«. Mein Wunsch ist, daß mein freundschaftlicher Gruß das
Herz eines jeden von ihnen erreiche. Mein Gebet begleitet sie jeden Tag .
Sehr herzlich begrüße ich die Pilger und Besucher aus den Ländern
deutscher Sprache, besonders die „Floridsdorfer Chorvereinigung Harmonie
1865" aus Wien. Maria, die Mutter Jesu, zeigt uns den Weg der Heiligkeit:
Ihr Leben steht ganz unter dem Willen Gottes. Ihre Fürbitte helfe uns, als Jünger
Christi Licht und Frieden in die Welt zu bringen. Der Herr segne euch!
Meinen Willkommensgruß richte ich an die Pilger aus dem
spanischen Sprachraum, die heute bei diesem Angelusgebet anwesend sind,
insbesondere an die Pilger aus den spanischen Diözesen Jerez de la Frontera und
Cádiz-Ceuta. Jesus Christus, der in der heutigen Liturgie als Licht der
Nationen vorgestellt wurde, ermutige euch auf eurem Weg!
Ich begrüße die Pilger italienischer Sprache, insbesondere die
Pfarrgruppen aus Troina, Caltagirone und Villa San Giovanni. Möge der Aufenthalt
beim Petrusgrab euren Glauben und euer Zeugnis für das Evangelium stärken.
Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag.
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