The Holy See
back up
Search
riga

HEILIGE MESSE ZUM ABSCHLUSS DER NIEDERLÄNDISCHEN PARTIKULARSYNODE

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Sixtinische Kapelle, 31. Januar 1980

 

Ehrwürdige und liebe Brüder!

1. In diesem Augenblick hegen wir alle wohl ein und denselben Wunsch. Wir möchten Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist für einen Dienst danken, mit dem wir uns nun mehr als zwei Wochen befaßt haben. Wir haben im Rahmen der Partikularsynode der niederländischen Bischöfe gemeinsam gearbeitet und müssen über diese Tage sagen, daß wir uns von der Wahrheit der Worte des Zweiten Vatikanischen Konzils, im ersten Kapitel der Konstitution Lumen gentium, leiten ließen: „So erscheint die ganze Kirche als das von der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes her geeinte Volk" (Nr. 4).

Von daher richtet sich unsere Dankbarkeit an diese Einheit in drei Personen, in der die Einheit der Kirche, des Gottesvolkes, ihren Ursprung hat. Wir wollen danken, weil wir uns zu dieser Einheit bekennen und ihr an jedem Tag und zu jeder Stunde unserer gemeinsamen Arbeit dienen konnten. Wir wollen danken, weil wir auf der Suche nach Einheit zwischen uns auch der Einheit der Kirche, des Gottesvolkes, dienen durften, nämlich auf der Ebene der Kirchenprovinz, eurer Heimat, und auf einer noch viel umfassenderen: Denn, ehrwürdige und liebe Brüder, ich bin zutiefst überzeugt, daß unsere Arbeit auch der Kirche Christi in ihrer ganzen Universalität gedient hat.

Für diese Arbeit, die wir zusammen mit zäher Ausdauer geleistet haben, möchte ich allen und jedem einzelnen von euch recht herzlich danken. Allen voran den beiden beauftragten Präsidenten, Kardinal Jan Willebrands und Erzbischof Godfried Danneels: ihnen möchte ich sagen, daß ich zu schätzen weiß, wie sie die Arbeiten dieser Versammlung leiteten. Den Bischöfen der Niederlande danke ich dafür, daß sie großzügig und aus tiefer Liebe für ihre Gläubigen und die Gesamtkirche da sind, und den beiden Ordensobern darf ich sagen, wie dankbar ich ihnen für den eigenständigen Beitrag bin, den sie in die Synode eingebracht haben. Aus ganzem Herzen danke ich ferner meinen engsten Mitarbeitern, den hochwürdigsten Kardinälen, Präfekten der Kongregationen. Aus ihrem Beitrag zu diesen Arbeiten sprach die in ihrem Amt erworbene Erfahrung. Dem Generalsekretär, Erzbischof Jozef Tomko, seinem Assistenten, Bischof Albert Descamps, dem Sondersekretar, Pater Joseph Lescrauwaet, sage ich herzlichen Dank für die sachkundigen Dienste, die sie alle geleistet haben. Nicht verschweigen will ich den aufopferungsvollen Einsatz des Personals des Synodensekretariats, des Pressedienstes sowie aller Zusatzkräfte. Es sei mir gestattet, auch ein Wort des Dankes an alle Vertreter der sozialen Kommunikationsmittel zu richten, die bei voller Achtung der für die Beratungen notwendigen Zurückhaltung bereit waren, Kontakt mit der Gesamtkirche zu wahren.

An allen diesen Tagen konnte ich bei euch sein und morgens wie abends an den meisten Sitzungen teilnehmen. Ich konnte mich von der Redlichkeit, Aufmerksamkeit und Objektivität überzeugen, mit der ihr jedes Problem behandelt habt. Solche Aufmerksamkeit und Sorgfalt ließen deutlich werden, wie sehr euch die gemeinsam erörterten Probleme am Herzen liegen und wie sehr ihr all eure Kräfte für ihre Lösung einsetzen wollt. Dafür danke ich Christus und auch euch, ehrwürdige und liebe Brüder. Diese ruhige, wirklichkeitsnahe und aufrichtige Atmosphäre des Gedankenaustausches über die untersuchten Themen hat deutlich gemacht, daß der Geist unseres Herrn und Meisters bei uns war und wir auch den Beistand der Muttergottes empfangen haben, an die wir uns mit unserem Gebet, besonders mit dem "Engel des Herrn", jeden Tag wandten.

2. Das von der Synode untersuchte Problem, das diese mehr als zwei Wochen dauernden Diskussionen in Rom vollständig ausfüllte, kommt schon in der Überschrift zu unserem Tagespensum zum Ausdruck: "Die Ausübung der Seelsorgearbeit der Kirche in den Niederlanden unter den gegenwärtigen Umständen, damit sich die Kirche immer mehr als Gemeinschaft erweise."

Um dieses wichtige Thema anpacken zu können, mußten wir immer wieder die vielfältigen Erfahrungen vorbringen, welche die niederländische Kirche gemacht hat, und sie in Beziehung bringen zur Antwort, die die Bischöfe der ganzen Welt vor einigen Jahren in den vier Jahren des Zweiten Vatikanischen Konzils auf die selbstgestellte Frage fanden: "Ecclesia, quid dicis de te ipsa?" "Kirche, was sagst du von dir selbst?." Diese Antwort, die, sorgfältig ausgearbeitet, in der Lehre des Konzils zum Ausdruck kommt, ist jetzt für euch, ehrwürdige und liebe Brüder, zu dem systematischen Bezugspunkt und zugleich Fundament geworden, das die Lösung jedes Problems ermöglicht, das sich täglich eurer Erfahrung als Hirten und eurem Gewissen als Bischöfe stellt.

Im Laufe unserer Beratungen und Überlegungen ist eines immer klar gewesen: wir können von ganzem Herzen nur eine Kirche wollen, die voll und ganz der Intention und dem Willen unseres Herrn Jesus Christus entspricht, wie dies vom Konzil formuliert und bestätigt wurde. Wir glauben in der Tat, daß das Zweite Vatikanische Konzil in unserer Zeit als ein Thema und Ort bevorzugt wird, durch welche der Heilige Geist, der Geist Jesu Christi, zur ganzen Kirche "gesprochen" (vgl. Offb 2, 7) und sie in die volle Wahrheit geführt hat (vgl. Joh 16, 13), und damit in die Wahrheit der Existenz "in der modernen Welt", der Existenz, wie sie uns in den "Zeichen der Zeit" gegeben ist. Indem unser Herr und Erlöser zur ganzen Kirche "gesprochen hat", hat er zugleich auch zu allen Kirchen gesprochen, die in der Gemeinschaft dieser einen und universalen Kirche stehen. Deshalb galt das Hauptbemühen von uns allen in dieser Synode der Sorge, daß die Existenz der Kirche in den Niederlanden, ihre konkrete Existenz, in all ihren Lebensbereichen die Kennzeichen jener Identität aufweisen und offenkundig machen könne, die das  Zweite Vatikanische Konzil in Übereinstimmung mit der ganzen Überlieferung neu zum Ausdruck gebracht hat.

3. Deshalb wollte man bei der täglichen Synodenarbeit durch Analyse der verschiedenen Bereiche des kirchlichen Lebens in eurer Heimat zu einem klareren Bewußtsein all dessen gelangen, was sozusagen das Alltagsleben der Kirche unter seinen verschiedenen Aspekten ausmacht. Dann wurde versucht, Richtlinien für die Zukunft zu setzen. Denn die Identität der Kirche manifestiert sich ja gerade an der konkreten Form ihrer Existenz; sie manifestiert sich in der Art und Weise, wie sie jeden Tag lebt, in der Art, wie sie ihre Aufgaben in den verschiedenen Lebens- und Einsatzbereichen vollbringt.

In unserer, von diesen Voraussetzungen bestimmten Analyse sprachen wir, ehrwürdige und liebe Brüder, sämtliche wesentlichen Aspekte an, die im Hinblick auf die Identität der niederländischen Kirche jetzt und künftig wichtig sind. Denn ohne Zweifel wird im heutigen Tun und Wirken der Kirche zugleich auch die künftige Gestalt ihres Lebens und ihres Apostolats geformt.

Deshalb sind wir bei unseren Überlegungen von der Wirklichkeit und den fundamentalen Bedürfnissen der kirchlichen Gemeinschaft ausgegangen, einer Gemeinschaft, die zugleich örtlich gebunden und universal, zugleich spirituell und institutionell ist, eine Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, in der alle Gläubigen sowohl mit Christus und seinem Vater als auch untereinander vereint sind. In dem einmütigen Wunsch und Willen, diese Gemeinschaft zu bekunden, haben wir unsere Übereinstimmung über den Inhalt des katholischen Glaubens entsprechend der Lehre des Lehramts der Kirche erneut bekräftigt und daraus die Schlußfolgerungen gezogen, die sich für das Amt des Bischofs als Lehrer des Glaubens und als Hirte aufdrängen, ob das nun für den Bischof in seiner Diözese gilt oder für alle Bischöfe gemeinsam in der Bischofskonferenz.

Die Synode hat Resolutionen angenommen, die das priesterliche Dienstamt, das Leben der Ordensmänner und Ordensfrauen und die Teilnahme der Laien am Evangelisierungsauftrag der Kirche betreffen. Sie hat geprüft, wie man das sakramentale Leben fördern kann, vor allem die Feier und Verehrung der Eucharistie, Quelle des Lebens und Wachsens, und des Bußsakraments. Abschließend hat die Synode den Wert der nach kirchlichen Vorschriften gefeierten Liturgie herausgestellt, die Bedeutung des Lehrgehalts und der pastoralen Methoden in der Katechese hervorgehoben und schließlich auf der Förderung einer Ökumene nach den Richtlinien des Konzils bestanden.

4. Dieser wenn auch kurze Bericht über Gegenstand und Ergebnisse der Synode genügt, um die Fülle ihrer Beratungen und den weiten Umfang der Untersuchung zu verdeutlichen, die der Pastoralarbeit der Kirche in den Niederlanden gewidmet war. Niemandem ist entgangen, wie wichtig alle hier erörterten Probleme für die künftige Entwicklung der pastoralen Bemühungen des ganzen Gottesvolkes sind. Es sei mir allerdings erlaubt, hier einen Punkt besonders hervorzuheben, der sich als Kern aller anderen angeschnittenen Fragen erwiesen hat und für die Zukunft der Kirche von großem Gewicht ist. Ich beziehe mich hier auf das authentische Dienstamt der Priester hinsichtlich seiner Natur, seiner Beziehung zum Bischof und seinem Verhältnis zu den Laien, die in der Sendung der Kirche eingesetzt sind.

Der Aufbau der kirchlichen Gemeinschaft und die Ausübung ihres Sendungsauftrags sind der ganzen Gemeinde anvertraut, doch wie die dogmatische Konstitution Lumen gentium (vgl. Nr. 30-38) sagt, wird diese Verantwortlichkeit entsprechend dem Charisma und dem Platz ausgeübt, die ein jeder im "Leib Christi" hat. Alle Berufungen, alle Dienste und Ämter, alle Charismen sind darauf hingeordnet, in ihrer Vielfalt den Reichtum der Kirche kundzutun und ihrer Einheit zu dienen. Die Kirche soll den Überfluß ihres Lebens in der Fülle der Berufungen und Charismen im Priestertum, im Apostolat der Laien sowie in den geweihten Ordensleuten entsprechend dem Geist und der besonderen Zielsetzung jedes Ordens zum Ausdruck bringen können. Aber jedes dieser Ämter und jeder Dienst hat einen eigenen Charakter, und alle ergänzen sich gegenseitig, ohne sich zu vermischen.

Ihr, liebe Brüder, habt mit Recht die Bedeutung und Notwendigkeit der Teilnahme von Laien an der pastoralen Aufgabe der Kirche unterstrichen; ihr habt auch die aktive Mitarbeit gewürdigt, die Laien in allen niederländischen Diözesen leisten. Ja, sie sind aufgerufen, sie noch zu verstärken. Denn ohne die Mitarbeit der Laien könnte die Kirche in der heutigen Welt schwerlich präsent und tätig sein (vgl. Apostolicam actuositatem, Nr. 1). Aber wie ihr hervorgehoben habt, muß man bei der Verteilung der Aufgaben und bei der Abgrenzung der Verantwortlichkeiten den Unterschied zwischen dem Beitrag der Laien und den Aufgaben für Priester und Diakone wahren. Also die volle Bedeutung der Ergebnisse, zu welchen diese Synode hinsichtlich der Mitarbeit von Laien an pastoralen Aufgaben und der Ausbildung künftiger Priester gelangt ist.

Die Bischöfe der Niederlande, die sich einmütig zu der wesentlichen Unterscheidung zwischen sakramentalem Priestertum und allgemeinem Priestertum der Gläubigen sowie zum unkündbaren Charakter des sakramentalen Priestertums bekannten, haben auch ihre Sorge und ihren Wunsch zum Ausdruck gebracht, ein zölibatärer Klerus möge ihnen zur Seite stehen. Sie selbst wollen alles in ihrer Macht Stehende tun, um Priesterberufe zu fördern. Dieselbe Sorge bekundeten sie auch hinsichtlich der Berufung zum Ordensleben, der Antwort von Männern und Frauen auf den Ruf Gottes. Ihr habt vor, die Ausbildung der Priesteramtskandidaten in richtigen Seminaren sicherzustellen, sei es in Seminaren, die für die Gesamtausbildung sorgen, sei es in anderen Institutionen, die alle Merkmale eines Seminars besitzen, auch wenn ein Teil der Unterrichts auf den vom Hl. Stuhl anerkannten Theologischen Hochschulen angeboten werden kann und soll.

Mit der gleichen Entschlossenheit habt ihr unterstrichen, daß es zweckmäßig ist, sich für den Weg des Diakonats einzusetzen, gerade im Hinblick auf die besondere Aufgabe und die Bedeutung dieses ständigen Dienstamtes, das vom Zweiten Vatikanischen Konzil wieder eingerichtet wurde. Dann habt ihr die Bedeutung des besonderen Beitrages der Laien in der Kirche erneut bestätigt und euch entschlossen, die Laien zur Mitarbeit in den pastoralen Aufgaben einzusetzen, wie sie ihnen nach den Anweisungen des Hl. Stuhls übertragen werden dürfen.

Diese Beschlüsse also stellen die Zukunft der Kirche in den Niederlanden unter ein gutes Vorzeichen. Der Papst ist überzeugt, daß alle auf diesen Appell antworten und so dieser Kirche die volle Dimension einer christlichen Gemeinschaft geben werden, die sich so eng mit ihrer ganzen Tradition verbunden ebenso in ihrem missionarischen Werk äußert.

5. Bei der ganzen Arbeit, die wir während der Synode geleistet haben und bei der Arbeit, die euch nach Schluß der Synode erwartet , ist das, was unser Schutz und unsere Kraft war, ist und bleiben wird, der ständige Bezug unseres Glaubens, unserer Hoffnung und unserer Liebe auf Christus, unseren Meister und Herrn, auf Christus, den Erlöser der Menschen, auf Christus, der in seinem Ostergeheimnis zum Bräutigam seiner Kirche geworden ist.

Im Laufe unserer Zusammenkünfte in Rom, bei unseren täglichen Sitzungen und in unserem Gedankenaustausch haben wir versucht, ihm die Treue zu halten. Seine Wahrheit und seine Liebe waren die Quelle des Lichts für unsere Überlegungen, Beschlüsse und Entscheidungen. Und bei all dem kam uns immer klarer zu Bewußtsein, daß wir für unseren Dienst der Kirche viel Mut und zugleich große Klugheit brauchen. Dieser Mut und diese Klugheit müssen aus unserer absoluten Zuversicht in eine Liebe erwachsen, die er seiner Kirche überall schenkt, und in eine Treue, die er seinerseits allen schenkt, die ihm stets die Treue halten wollen. Diese Überzeugung macht es uns zur Pflicht, voll evangelischer Hoffnung in die Zukunft zu blicken: "Habt Mut: Ich habe die Welt besiegt" (Joh 16, 33). So werden wir unseren Auftrag als Bischöfe und Hirten gegenüber der Kirche in den Niederlanden und zugleich gegenüber der Universalkirche erfüllen können. Wir werden dem Volk Gottes so dienen, wie es der Geist Jesu Christi von uns verlangt.

Er ist es, auf den wir unseren Wunsch und unsere Hoffnung auf Einheit untereinander, auf communio unter euch Bischöfen und Hirten der niederländischen Kirche setzen. Denn Einheit ist für die Erfüllung dieses Hirtenamtes unerläßlich. Die Synode war für euch, liebe Brüder, eine Zeit freundlicher Verbundenheit und eines ernsthaften Gedankenaustausches; es war die Zeit eines wahren „Heilsdialogs". Dieser Dialog ist und muß, wie Paul VI. lehrte, ein Gedankenaustausch in Achtung und Liebe bleiben und gleichzeitig der Wahrheit, dem Wohl des Evangeliums und der Einheit der Kirche verpflichtet sein. Nun, da diese glückliche Zeit zu Ende geht, bleibt uns nur, den Geist der Wahrheit und den Herrn der Ernte zu bitten, daß dieselbe Form des Dialogs und dasselbe nützliche Klima der Verbundenheit unter euch immer fortbestehen möge zum Wohl der ganzen Kirche und besonders zum Wohl der Diözesen, als deren Bischöfe euch der Heilige Geist eingesetzt hat.

6. Nun da sich die niederländischen Bischöfe auf die Rückkehr in ihre Diözesen vorbereiten, wenden sich meine Gedanken und meine Liebe der ganzen Kirche der Niederlande, allen und jedem einzelnen von denen zu, die diese Kirche bilden. Ihr sollt wissen, liebe Brüder und Schwestern, daß die Synode euch für alles dankbar ist, was ihr unternommen habt, um zum Erfolg ihrer Beratungen beizutragen. Im Namen der Synode danke ich euch ganz besonders für euer Gebet, das uns während dieser Zeit der Gnade begleitet hat. Ich habe von dem großen Widerhall von Initiativen gehört, die von eurer begeisterten Antwort auf den Appell zeugen, den ich am Vorabend der Synode an euch gerichtet habe: Für die Synodenteilnehmer war es eine echte Hilfe und Anregung, zu wissen, daß ihnen die Kirche in den Niederlanden im Gebet in den Pfarreien und Schulen, in den Ordenshäusern, Jugendgruppen und Exerzitienhäusern verbunden war.

Ich danke besonders auch den Brüdern und Schwestern der christlichen Kirchen und Gemeinschaften, die sich den Katholiken angeschlossen haben, um das Licht des Geistes auf unsere Arbeiten herabzuflehen. Voll Bewegtheit und Dankbarkeit möchte ich hier erwähnen, daß eine Gruppe protestantischer Pastoren zu Beginn der Synode ein Telegramm gesandt hat, um uns ihres Gebets zu versichern. Die solcherart bekundete geistige Einheit ist Unterpfand des Segens Gottes für eine wachsende Einheit unter all jenen, die denselben Glauben und dieselbe Hoffnung in Jesus Christus bekennen. Mögen unser Erwarten, unser Wünschen und unser Einsatz dem Willen des Herrn entsprechen! So werden wir furchtlos eine dynamische weil echte Ökumene fordern, die ein Wachsen im Glauben sein soll, kurz und gut eine Ökumene, die erfüllt ist vom Glauben. an den Heiligen Geist.

Jetzt, wo die praktische Verwirklichung der Beschlüsse dieser Synode beginnt, vertraue ich euren Gebeten, liebe Brüder und Schwestern in den Niederlanden, erneut den Weg an, der zurückzulegen ist. Denn mehr als von Beratungen und Überlegungen werden Leben und Pastoral der niederländischen Kirche künftig vom Gebet abhängen. Versammelt euch im Beten wie im Handeln um eure Bischöfe! Sie zählen mehr denn je auf euch. Die Einheit im Gebet, das Bewußtsein, daß "jede gute Gabe von oben kommt, vom Vater der Gestirne" (Jak 1,17), wird euch zu dieser Erneuerung und Umkehr helfen, die ein jeder von uns unablässig vollziehen muß. Das Gebet hilft glauben hoffen und lieben, auch wenn menschliche Schwäche uns in gespannte Situationen bringt oder uns versagen läßt. Das glühende Gebet der ganzen christlichen Gemeinschaft in den Niederlanden wie anderswo läßt hoffen, daß alle, Priester und Laien Ordensmänner und Ordensfrauen, im Geist des Glaubens und mit aufrichtiger Überzeugung die Beschlüsse der Synode annehmen. Die Fastenzeit naht, die uns auf die Feier der Auferstehung des Herrn Jesus Christus vorbereitet: wir zögern nicht, um euer Gebet und euer Opfer zu bitten damit der Same der Synode in eine Erde falle die gut ist und reiche Frucht bringt (vgl. Mk 4, 8).

Mit ganz besonderer Hoffnung und Zuversicht wende ich mich an die Jugend der Kirche in den Niederlanden. Während der Vorbereitung der Synode ist eine Gruppe Jugendlicher eurer Hauptstadt zusammengekommen, um bei Kerzenlicht, dem Symbol für das Licht Christi, zu beten: Diese Kerze hat man dann mir als Zeichen für ihren Einsatz und ihre Verbundenheit mit der Synode gebracht. Liebe, junge Leute, möge das Licht Christi euren Weg als Christen und euer Verlangen, das gewiß seinen Platz in der Kirche findet, erleuchten! Seid überzeugt, daß eure Hochherzigkeit und euer Gespür für das Echte der ganzen Gemeinschaft helfen werden, die richtige Entscheidung zu treffen und die Konsequenzen zu ziehen, die der Glaube an Jesus Christus und die Zugehörigkeit zur Kirche mit sich bringen.

Ehrwürdige und liebe Brüder, im Augenblick, da wir uns wieder trennen, lade ich euch ein, die Früchte dieser Synode und die Zukunft der niederländischen Kirche Maria, der Mutter des Herrn und der Mutter der Kirche, in die Hand zu legen. Das letzte Kapitel der dogmatischen Konstitution Lumen gentium hat die geistig-religiösen Folgen herausgestellt, die sich für die Kirche und für jeden Christen aus unserer Beziehung zum menschgewordenen Sohn Gottes und zu seiner allerseligsten Mutter ergeben. Weil er "von einer Frau geboren wurde" (Gal 4, 4) macht unser Herr Jesus Christus uns zu "wahren Söhnen" (vgl. Lumen gentium, Nr. 52). Weil sie das Wort Gottes zugleich in ihrem Herzen und in ihrem Leib empfangen hat, kommt der seligen Jungfrau eine einzigartige Rolle in dem Mysterium des fleischgewordenen Wortes und des mystischen Leibes zu. Sie ist aufs innigste mit der Kirche verbunden, der sie Vorbild im Glauben, in der Liebe und der vollkommenen Verbundenheit mit Christus ist. In Erwiderung unserer Frömmigkeit und unseres Gebetes ruft Maria, die gewissermaßen in sich selbst das höchste gläubige Verlangen vereint und widerspiegelt, die Gläubigen zu ihrem Sohn und seinem Opfer sowie zur Liebe des Vaters. "Daher blickt die Kirche wie das Konzil lehrt auch in ihrem apostolischen Wirken mit Recht zu ihr auf, die Christus geboren hat, der dazu vom Heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau geboren wurde, daß er durch die Kirche auch in den Herzen der Gläubigen geboren werde und wachse" (Lumen gentium, Nr. 65). Mit der Jungfrau Maria hat die Kirche vor nunmehr zweitausend Jahren an Pfingsten ihren Weg durch die Geschichte dieser Welt begonnen. Danach ist die Kirche jeden Abschnitt dieses Weges mit ihr gegangen, die das leuchtende Zeichen der Hoffnung und des Trostes des Gottesvolkes ist (vgl. ebd., Nr. 68). Auch den Abschnitt, den wir heute Mcn dieser Synode beginnen, müssen wir mit ihr gehen. In den Niederlanden gibt es eine ganze Reihe von Orten, wo die Muttergottes von den Gläubig» mit besonderer Liebe verehrt wird. Es mag genügen, unter den vielen Heiligtümern, die von der Marienfrömmigkeit zeugen, die Namen des Heiligtums "Ster der Zee" in Maastricht, jenes der "Zoete Lieve Vrouw den Bosch" und das von "Onze Lieve Vrouw ter Nood" in Heiloo anzuführen, die euren und meinem Herzen so lieb und teuer sind. Mögen diese Orte immer mehr zu Stätten der Begegnung werden, von wo aus Maria das Volk Gottes zu einem Glauben und einer Hoffnung führt, die in der Gemeinschaft der Liebe erneuert wurden

An die ganze Kirche in den Niederlanden sende ich, zusammen mit allen Teilnehmern der Bischofssynode, meine Wünsche und meinen Segen.

Möge der Herr in euch allen vollenden, was er hier während der vergangenen Tage des Gebets und des Nachdenkens begonnen hat.

Möge die Einheit im Glauben und in der Liebe das Merkmal des Gottesvolkes in den Niederlanden sein.

Gelobt sei Jesus Christus. Amen.

 

© Copyright 1980 -  Libreria Editrice Vaticana

 

top