|
TAUFE VON 19 NEUGEBORENEN
PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.
Sixtinische Kapelle -
Sonntag, 10. Januar 1999 Fest der
Taufe des Herrn
1.»Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe«
(Mt 3,17).
Diese feierlichen Worte erklingen heute, am Fest der Taufe Jesu. Sie laden
uns dazu ein, den Augenblick mitzuerleben, in welchem Jesus, von Johannes
getauft, aus dem Wasser des Jordanflusses steigt, und Gott Vater ihn als seinen
eingeborenen Sohn vorstellt, als das Lamm, das die Sünde der Welt auf sich
nimmt. Eine Stimme aus dem Himmel wird vernehmbar, während der Heilige Geist in
Gestalt einer Taube sich auf Jesus niederläßt, der öffentlich seine
Heilssendung beginnt. Diese Sendung ist vom Stil des demütigen und
sanftmütigen Knechtes gekennzeichnet, der bereit ist zum Teilen und zur
vollständigen Hingabe seiner selbst: »Er schreit nicht und lärmt nicht
… Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht
er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht« (Jes 42,2-3).
Die Liturgie läßt uns die eindrucksvolle Szene im Evangelium miterleben:
Unter der Menge, die büßend zu Johannes dem Täufer kommt, um die Taufe zu
empfangen, ist auch Jesus. Und nun soll die Verheißung in Erfüllung gehen, und
für die ganze Menschheit tut sich ein neues Zeitalter auf. Dieser Mann, der
sich seinem Aussehen nach nicht von allen anderen unterscheidet, ist in Wahrheit
Gott, zu uns gekommen, um denen, die ihn aufnehmen, die Macht zu geben, »Kinder
Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut,
nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus
Gott geboren sind« (Joh 1,12-13).
2. »Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören« (Ruf vor
dem Evangelium).
Heute ergehen diese Verkündigung und diese Einladung, für die Menschheit
reich an Hoffnung, besonders an die Kinder, die nun bald durch das Sakrament der
Taufe zu neuen Geschöpfen werden. Des Geheimnisses von Tod und Auferstehung
Jesu teilhaft geworden, werden sie mit dem Geschenk des Glaubens ausgestattet
und in das Volk des Neuen und endgültigen Bundes, die Kirche, eingegliedert
werden. Gott Vater wird sie in Christus zu seinen Adoptivkindern machen und
einen einzigartigen Lebensplan für sie enthüllen: als Jünger auf seinen Sohn
zu hören, um berufen zu sein und wirklich seine Kinder zu sein.
Auf jedes von ihnen wird der Heilige Geist herabkommen, und, ebenso wie es
uns am Tag unserer Taufe geschah, werden auch sie in den Genuß jenes Lebens
kommen, das der Vater durch Jesus, den Erlöser des Menschen, den Glaubenden
schenkt. Aus einem so unermeßlichen Reichtum an Gaben ergibt sich für sie, wie
für jeden Getauften, eine einzige Aufgabe. Der Apostel Paulus wird nicht müde,
die ersten Christen darauf hinzuweisen mit den Worten: »Laßt euch vom Geist
leiten« (Gal 5,16), das heißt, lebt und handelt beständig in der Liebe
Gottes.
Ich bringe meinen Wunsch zum Ausdruck, daß die Taufe, die diese Kleinen
heute empfangen, sie im Lauf ihres ganzen Lebens zu mutigen Zeugen des
Evangeliums mache. Das wird durch ihr ständiges Bemühen möglich sein. Aber
auch euer erzieherisches Wirken wird notwendig sein, liebe Eltern, die ihr heute
Gott dankt für die außerordentlichen Gaben, die er diesen euren Kindern
gewährt. Und notwendig ist auch die Unterstützung der Paten und Patinnen.
3. Nehmt, liebe Brüder und Schwestern, die Aufforderung an, die die
Kirche an euch richtet: Seid für die Kinder »Erzieher im Glauben«, damit
in ihnen der Keim des neuen Lebens sich entfalte und zu voller Reife komme.
Helft ihnen mit euren Worten und vor allem mit eurem Beispiel.
Von euch mögen sie recht bald lernen, Christus zu lieben, ohne Unterlaß
zu ihm zu beten, ihn nachzuahmen in beständiger Treue zu seinem Ruf. Ihr
habt in ihrem Namen im Symbol der Kerze die Flamme des Glaubens empfangen:
Habt acht, daß sie beständig genährt werde, damit jedes dieser
neugetauften Kinder in der Kenntnis und Liebe Jesu stets der Weisheit des
Evangeliums entsprechend handle. Auf diese Weise werden sie wahre Jünger
des Herrn und frohe Apostel seines Evangeliums.
Jedes dieser Kinder und ihre Familien vertraue ich der Jungfrau Maria an.
Die Muttergottes helfe allen, in Treue den Weg zu gehen, der mit dem
Sakrament der Taufe begonnen hat.
© Copyright 1999 - Libreria Editrice
Vaticana
|