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SCHREIBEN VON JOHANNES PAUL II.
AN
MSGR. JOHANNES VONDERACH ANLÄSSLICH DES 500. TODESTAGES DES HL. NIKLAUS VON FLÜE

 

Meinem verehrten Bruder Johannes Vonderach,
Bischof von Chur

”Seit so vielen Generationen ist unter euch ein Mensch geistig gegenwärtig, der mit seinem ganzen irdischen Leben die Wirklichkeit des ewigen Lebens in Gott bekräftigt hat“. Diese Worte, die ich am 14. Juni 1984 bei der heiligen Eucharistiefeier auf dem Flüeli gesprochen habe, kommen mir erneut in den Sinn, wenn ich heute durch Dich, lieber Mitbruder, diese kurze Grussbotschaft an alle richte, die sich hier aus Anlass des 500. Todestages des heiligen Niklaus von Flüe - Bruder Klaus genannt - zum festlichen Gottesdienst versammelt haben oder aus der Ferne mit Euch verbunden sind.

Meine Gedanken sind beim ganzen Schweizervolk, das sich auf jenen 21. März 1487 zurückbesinnt, da der heilige Einsiedler und Friedensstifter im Ranft nach einer schweren Leidenswoche starb. Dieser Gottesfreund, dessen Lebenszeugnis bis in unsere Tage hereinleuchtet, ist geistig gegenwärtig in den Kirchen und Kapellen, die ihm geweiht sind oder sein Andenken bewahren; in Bildern und Schriften, die sein friedvolles und zugleich ernstes Antlitz aufstrahlen lassen; in Liedern und Gebeten, die von seinem Christsein künden. Vielfältige Schöpfungen des Glaubens und der Frömmigkeit wollen dazu einladen, das Leben und Sterben, das Beten und Wirken des Schweizer Landespatrons zu betrachten und seinem Vorbild nachzueifern.

In meiner Predigt vor drei Jahren habe ich Euch die Verantwortung für den Frieden im Kleinen und im Grossen, die ständige Aufgabe des Einanderannehmens, den heilsamen Verzicht auf einen Teil des materiellen Wohlstandes zugunsten der Schwachen und Armen in nah und fern eindringlich ins Bewusstsein gerufen. Dem Rat von Bruder Klaus ”Macht den Zaun nicht zu weit“ habe ich den Aufruf hinzugefügt: ” . . . scheut Euch nicht, über den Zaun hinauszuschauen, macht die Sorgen anderer Völker zu Euren eigenen und bietet über die Grenzen hinweg eine helfende Hand“.

Ich darf Euch heute an diese Worte erinnern und möchte beim Gedenken an den Todestag des heiligen Niklaus von Flüe den Gebetsruf des Psalmisten wiederholen: ”Unsere Tage zu zählen, lehre uns (o Gott), damit wir ein weises Herz gewinnen!“ (Ps 90, 12). Dieses weise Herz, das den Friedensstifter Bruder Klaus auszeichnete, brauchen wir alle, wenn wir Antwort auf die drängenden Fragen des Lebens erhalten wollen, wenn wir Lösungen für alte und neue Probleme suchen, wenn wir Schwierigkeiten im persönlichen und gesellschaftlichen Bereich zu meistern haben, wenn wir im Auf und Ab der Stimmungen und Meinungen für das Wahre und Gerechte eintreten müssen. Ein weises Herz gewinnt nur, wer die ”Kraft aus der Tiefe“ schöpft, aus der Tiefe des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Ein weises Herz erlangt, wer sich in das unergründliche Geheimnis Gottes versenkt und im Gebet mit dem dreifaltigen Gott verbunden bleibt.

Im Vertrauen auf die Fürsprache der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria bitten wir den gerechten und barmherzigen Gott: ”Lass uns mit Bruder Klaus und seiner heiligmässigen Frau Dorothea immer mehr einsehen, dass echte Versöhnung und dauerhafter Friede allein von dir kommen“. Diese Bitte habe ich hier am Grab des heiligen Niklaus von Flüe ausgesprochen. Ich erneuere sie heute zusammen mit Euch und erteile allen von Herzen meinen besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 3. September 19237.

 IOANNES PAULUS PP. II

 

© Copyright 1987 -  Libreria Editrice Vaticana 

 

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