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SCHREIBEN VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE TEILNEHMER DER VOLLVERSAMMLUNG DER KONGREGATION FÜR DEN GOTTESDIENST
UND DIE SAKRAMENTENORDNUNG

 

An Kardinal FRANCIS ARINZE
Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst
und die Sakramentenordnung

1. Mit Freude übermittle ich Ihnen, verehrter Bruder, meinen herzlichen Gruß, den ich auch auf die Herren Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe und Priester ausweite, die zur Vollversammlung dieser Kongregation zusammengetreten sind. Ich weiß, daß dabei Themen von großem Interesse behandelt werden, die nicht zuletzt mit den Initiativen dieses besonderen Jahres der Eucharistie in engem Zusammenhang stehen.

Allen möchte ich meine zuneigungsvolle Nähe bekunden. Einige Teilnehmer der Vollversammlung lassen seit Jahren ihre Mitarbeit dem Leben des Dikasteriums zugute kommen, während anderen diese Verantwortung erst seit kurzer Zeit übertragen ist. Mit Freude stelle ich fest, daß die Kongregation durch die jüngsten Ernennungen nicht nur die Zahl ihrer Mitglieder erhöht sieht, sondern daß nun auch die auf allen Kontinenten verbreitete Kirche besser repräsentiert ist.

Jedem einzelnen gilt meine Dankbarkeit. In besonderer Weise aber danke ich Ihnen, Herr Kardinal, für die herzlichen Worte und die Zusicherung Ihres besonderen Gebetsgedenkens, die Sie mir im Namen aller übermittelt haben, wie auch für die hochherzige Hingabe, mit der Sie das Dikasterium leiten.

2. Bei der derzeitigen Sitzung richtet Ihr Eure Aufmerksamkeit vor allem auf die in den vergangenen Jahren von der Kongregation geleistete Arbeit, die sich am Pastoralplan ausrichtet, den ich dem gesamten Volk Gottes unterbreitet habe. In diesem Zusammenhang habe ich dazu aufgefordert, sich mehr und mehr in der »Kunst des Gebets « auszuzeichnen (vgl. Novo millennio ineunte, 32). Besonders danke ich der Kongregation für die bereitwillige Unterstützung der Richtlinien der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia und des Apostolischen Schreibens Mane nobiscum Domine durch die Ausarbeitung der Instruktion Redemptionis Sacramentum sowie der Empfehlungen und Vorschläge für das Jahr der Eucharistie. Ich hoffe, daß auch durch diese Dokumente die christliche Gemeinschaft in der Liebe zum Allerheiligsten Sakrament wachse und ihr geholfen werde, das eucharistische Opfer in immer würdigerer Weise, gemäß den liturgischen Normen und vor allem mit wahrer innerer Teilnahme zu feiern.

3. Von großer Bedeutung auf der Tagesordnung der Vollversammlung ist in diesem Zusammenhang das Thema der »ars celebrandi«, das aus der theologischen Sicht der Liturgie betrachtet werden muß, wie sie in der Konzilskonstitution Sacrosanctum Concilium zum Ausdruck kommt. Die Liturgie ist eine Handlung, die Christus selbst als der ewige Hohepriester des Neuen Bundes unter Teilhabe seines ganzen mystischen Leibes vollzieht (vgl. Sacrosanctum Concilium, 7). Vor allem in der Eucharistiefeier, der lebendigen Vergegenwärtigung des österlichen Geheimnisses, ist Christus gegenwärtig und sein Handeln wird auf angemessene Weise unserer menschlichen Natur, die Worte, Zeichen und Riten braucht, mitgeteilt und kommt ihr zugute. Die Wirksamkeit dieser Handlung ist Werk des Heiligen Geistes, es ist dazu aber auch die Antwort des Menschen notwendig. Die »ars celebrandi« bringt vor allem die Fähigkeit der geweihten Diener und der gesamten zur Meßfeier versammelten Gemeinschaft zum Ausdruck, den Sinn jeder liturgischen Handlung zu verwirklichen und zu leben. Diese Kunst umfaßt auch die Verpflichtung zur Kontemplation und zu einem konsequenten christlichen Leben. Durch die Riten und das Gebet müssen wir uns vom Geheimnis erfassen und zutiefst durchdringen lassen.

4. Besondere Aufmerksamkeit wird ganz zu Recht der Predigt gewidmet, die vom Konzil als wichtiger Bestandteil der Liturgie im Dienst am Wort Gottes bezeichnet wurde (vgl. Sacrosanctum Concilium, 52). Sie hat eine andere Physiognomie als die ordentliche Katechese und überträgt dem, der predigt, eine zweifache Verantwortung: dem Wort und der Versammlung gegenüber. Die Predigt muß möglichst tief und fruchtbringend die Begegnung zwischen Gott, der spricht, und der Gemeinschaft, die zuhört, fördern. Vor allem in der sonntäglichen Eucharistiefeier darf sie nicht fehlen. Im Kontext der Neuevangelisierung ist die Predigt eine wertvolle und für manche die einzige Gelegenheit zur geistlichen Bildung.

5. Ein weiteres Thema, das der Aufmerksamkeit der Vollversammlung unterbreitet wurde, ist die liturgische Ausbildung als grundlegender Bestandteil der Vorbereitung der künftigen Priester und Diakone, der geweihten Personen und Ordensleute, aber auch als ständige Dimension der Katechese für alle Gläubigen. In den Pfarrgemeinden, den kirchlichen Vereinigungen und Bewegungen müssen dringend angemessene Ausbildungswege angeboten werden, damit die Liturgie in ihrer reichen Ausdruckskraft besser bekannt und in Fülle gelebt werde. Je intensiver dies verwirklicht werden kann, um so deutlicher spürbar wird der positive Einfluß auf das persönliche und gemeinschaftliche Leben.

6. Daher bestärke ich Euer Dikasterium, sich auch weiterhin in herzlicher und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Bischofskonferenzen und den einzelnen Bischöfen für die Förderung der Liturgie einzusetzen. Die Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils hat große Früchte hervorgebracht, aber »von der Erneuerung muß zur Vertiefung« übergegangen werden (vgl. Spiritus et Sponsa, 6), damit die Liturgie das Leben der einzelnen Menschen wie auch der Gemeinschaften mehr und mehr prägen und zur Quelle der Heiligkeit, des Miteinanders und des missionarischen Eifers werden kann.

Eine große Aufgabe ist also dem Dikasterium anvertraut, dem Sie, Herr Kardinal, vorstehen. Das Wirken des Heiligen Geistes und der mütterliche Beistand Marias möge all Eure Bemühungen fruchtbar werden lassen. Meinerseits begleite ich Euch mit meinem Gebet, während ich Euch und alle, die an den zahlreichen Aktivitäten des Dikasteriums mitwirken, von Herzen segne.

Aus der Gemelli-Klinik, am 3. März 2005

JOHANNES PAUL II.

 

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