Verehrte Brüder,
sehr geehrte Herren,
liebe Brüder und Schwestern!
1. Mit Freude empfange ich euch und entbiete euch allen meinen herzlichen
Willkommensgruß. In besonderer Weise grüße ich die Bischöfe der Slowakischen
Bischofskonferenz, die zu dieser Nationalwallfahrt den Anstoß gegeben haben.
Zudem gilt mein Gruß den Kardinälen Ján Chryzostom Korec und Jozef Tomko sowie
Msgr. František Tondra, dem ich für die freundlichen Worte danke, mit denen er
euer aller Empfindungen zum Ausdruck gebracht hat. Mein aufrichtiger Dank gilt
auch dem Präsidenten der Republik für seine Anwesenheit und seine herzlichen
Begrüßungsworte.
2. Im Laufe meines Pontifikats hat mir die göttliche Vorsehung dreimal die
Möglichkeit gegeben, die Slowakei zu besuchen: 1990, nach dem Fall des
kommunistischen Regimes, 1995 und im vergangenen Jahr anläßlich des 10.
Jahrestages der Ausrufung der Republik und der Errichtung der Slowakischen
Bischofskonferenz.
Heute seid ihr zu mir gekommen, um insbesondere jenen Besuch zu erwidern, den
ich euch vor fünf Monaten abstatten konnte und der mir tief in Erinnerung
geblieben ist. Euer Aufenthalt in Rom fällt auf den Gedenktag der hll. Cyrill
und Methodius, der Schutzheiligen der Slowakei und Mitpatrone Europas. Dieser
glückliche liturgische Umstand ermöglicht mir, auf die alten Bande der
Gemeinschaft zu verweisen, die die Kirche in eurem Land mit dem Bischof von Rom
vereinen. Zugleich ist das Zeugnis dieser beiden großen Apostel der Slawen eine
eindringliche Aufforderung, die Wurzeln der europäischen Identität eures Volkes
neu zu entdecken, Wurzeln, die ihr mit den anderen Nationen des Kontinents teilt.
3. Mit Freude empfange ich euch am Grab des hl. Petrus, zu dem ihr gepilgert
seid, um das Bekenntnis jenes Glaubens zu erneuern, der das reichste und
wertvollste Erbe eures Volkes ist.
Möget ihr diesen Glauben unversehrt bewahren und ihn durch das Gebet, durch
eine angemessene Katechese und eine ständige Weiterbildung nähren. Nie soll er
verborgen bleiben, sondern vielmehr mit Mut und ökumenischem und missionarischem
Eifer verkündet und bezeugt werden. Das lehren die Brüder Cyrill und Methodius,
die Stammväter zahlreicher Heiliger, die eure Geschichte im Lauf der
Jahrhunderte hervorgebracht hat. Zutiefst im Kreuz Christi verankert, haben sie
das verwirklicht, was der göttliche Meister seine Jünger von Anfang an gelehrt
hatte: »Ihr seid das Salz der Erde… Ihr seid das Licht der Welt« (Mt
5,13.14).
4. »Salz« und »Licht« zu sein bedeutet für euch, die Wahrheit des Evangeliums
in den täglichen persönlichen und gemeinsamen Entscheidungen klar zum Ausdruck
zu bringen. Es bedeutet, das spirituelle Erbe der hll. Cyrill und Methodius
unverfälscht zu wahren und der weitverbreiteten Tendenz zur Angleichung an
vereinheitlichte und standardisierte Modelle entgegenzuwirken. Die Slowakei und
das Europa des dritten Jahrtausends werden durch zahlreiche kulturelle Beiträge
bereichert, aber es wäre gefährlich zu vergessen, daß das Christentum den
Kontinent auf entscheidende Weise geprägt hat. Für den ersehnten Aufbau der
europäischen Einheit leistet ihr, liebe Slowaken, einen bedeutenden Beitrag,
indem ihr jene menschlichen und spirituellen Werte zum Ausdruck bringt, die
eurer Geschichte Sinn verliehen haben. Es ist unerläßlich, daß diese Ideale, an
denen ihr beharrlich festgehalten habt, weiterhin richtungweisend bleiben für
ein freies und solidarisches Europa, das seine verschiedenen kulturellen und
religiösen Traditionen in Einklang zu bringen vermag.
Liebe Brüder und Schwestern, von neuem danke ich euch für euren Besuch.
Gestattet mir, mich mit den gleichen Worten von euch zu verabschieden, die
Christus an Simon Petrus gerichtet hat: »Duc in altum – Fahr hinaus« (Lk
5,4). Diese Aufforderung ist es, die stets in meiner Seele widerhallt und die
ich heute morgen auch euch zurufe.
5. Pilgerndes Volk Gottes in der Slowakei, fahr hinaus auf den Ozean dieses
dritten Jahrtausends, und richte dabei den Blick unverwandt auf Christus. Maria,
die jungfräuliche Mutter des Erlösers, möge zum Leitstern auf deinem Weg werden.
Es behüten dich deine verehrten Schutzheiligen Cyrill und Methodius zusammen mit
den zahlreichen Helden des Glaubens, die ihre Treue zum Evangelium mit ihrem
Blut bezahlt haben.
Mit diesen Empfindungen erteile ich euch, den euch Nahestehenden und dem
gesamten slowakischen Volk von Herzen meinen besonderen Apostolischen Segen.