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29 - 22.10.2005
INHALT
♦ BOTSCHAFT DER XI. ORDENTLICHEN VOLLVERSAMMLUNG DER
BISCHOFSSYNODE
♦ BOTSCHAFT DER XI. ORDENTLICHEN VOLLVERSAMMLUNG DER BISCHOFSSYNODE
In der Zwanzigsten Generalversammlung von gestern, Freitag, den 21.
Oktober 2005, haben die Synodenväter die Botschaft der
Bischofssynode an das Volk Gottes zur Schließung der XI.
Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode abbrobiert.
Hier veröffentlichen wie im Folgenden den Orginaltext in deutsch:
Eucharistie: Brot des Lebens für den Frieden der Welt
Liebe Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt,
liebe Schwestern und Brüder,
1. „Der Friede sei mit euch!“ Im Namen des Herrn, der am Abend des
Ostertages plötzlich im Abendmahlsaal zu Jerusalem erschienen ist,
wiederholen wir: „Der Friede sei mit euch!“ (Joh 20, 21). Möge das
Geheimnis seines Todes und seiner Auferstehung euch trösten und euch
den Sinn eures ganzen Lebens erschließen. Möge er euch in der Freude
der Hoffnung bewahren! Denn Christus lebt in seiner Kirche, er
bleibt bei uns alle Tage bis zum Ende der Welt, wie er es uns
verheißen hat (vgl. Mt 28, 20). Im Allerheiligsten Sakrament der
Eucharistie schenkt er sich uns selbst dahin mit der Freude, wie er
zu lieben, indem er uns dazu beauftragt, seine siegreiche Liebe mit
unseren Brüdern und Schwestern auf der ganzen Welt zu teilen. Das
ist die froh machende Botschaft, die wir euch, liebe Schwestern und
Brüder, am Ende der Bischofssynode über die heilige Eucharistie,
verkünden.
Gepriesen sei der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns von
neuem versammelt hat wie im Abendmahlssaal, mit Maria, der Mutter
Gottes und unserer Mutter, um seiner unübertrefflichen Gabe inne zu
werden, der allerheiligsten Eucharistie.
2. Zusammengerufen nach Rom von seiner Heiligkeit, Papst Johannes
Paul II. seligen Angedenkens und bestätigt durch seine Heiligkeit
Benedikt XVI. sind wir von den fünf Kontinenten zusammengekommen, um
gemeinsam zu beten und über die Eucharistie als Quelle und Gipfel
des Lebens und der Sendung der Kirche nachzudenken. Das Ziel der
Synode bestand darin, dem Heiligen Vater Vorschläge zu unterbreiten,
welche der Erneuerung der eucharistischen Pastoral der Kirche
dienen. Wir haben erfahren können, was die heilige Eucharistie von
Anfang an bedeutet: ein und derselbe Glaube, eine und dieselbe
Kirche, ernährt von ein und demselben Brot und in sichtbarer
Gemeinschaft mit dem Nachfolger des Apostels Petrus.
3. Die brüderliche Gemeinschaft von Bischöfen, Hörerinnen und
Hörern, ebenso mit den Vertretern der christlichen Kirchen hat
unsere Überzeugung erneuert, dass die heilige Eucharistie das Leben
in unseren Ortskirchen des Ostens wie des Westens ebenso belebt und
umformt wie die vielfältigen Aktivitäten der Menschen in den
unterschiedlichsten Lebensbedingungen, in denen wir leben. Wir
empfinden eine große Freude über die Einheit unseres eucharistischen
Glaubens im Schoß einer großen Verschiedenheit der Riten, Kulturen
und der pastoralen Gegebenheiten. Die Gegenwart so vieler Brüder aus
den Orientalischen Kirchen hat uns auf eine sehr direkte Weise den
Reichtum der verschiedenen liturgischen Traditionen erfahren lassen,
welche die Tiefe des einzigen eucharistischen Mysteriums aufleuchten
lässt.
Wir laden euch, Schwestern und Brüder aus allen Konfessionen, dazu
ein, noch eifriger dafür zu beten, dass der Tag der Versöhnung und
der vollen sichtbaren Einheit der Kirche komme in der Feier der
heiligen Eucharistie, entsprechend dem Gebet des Herrn am Vorabend
seines Todes: „Alle sollen eins sein. Wie du, Vater, in mir bist und
wie ich in dir bin, so sollen sie eins sein in uns, damit die Welt
glaubt, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17, 21).
4. In tiefer Dankbarkeit gegenüber Gott für das Pontifikat des
Heiligen Vaters Johannes Pauls II. und für seine letzte Enzyklika
„Ecclesia de Eucharistia“ – der das das Eucharistische Jahr
eröffnende Apostolische Schreiben „Mane nobiscum Domine“ folgte –
bitten wir Gott, er möge die Früchte seines Zeugnisses und seiner
Lehre vervielfältigen. Unsere Dankbarkeit gilt auch dem ganzen Volk
Gottes, dessen Nähe und Solidarität wir während dieser drei Wochen
des Gebetes und der Überlegung gespürt haben. Die Ortskirchen Chinas
und ihre Bischöfe, die sich nicht unseren Arbeiten anschließen
konnten, nehmen in unseren Gedanken und Gebeten einen besonderen
Platz ein.
Euch allen, Bischöfen, Priestern, Diakonen, Missionaren überall auf
der Welt, Männern und Frauen des gottgeweihten Lebens, den in der
Welt lebenden Laien, Männern und Frauen guten Willens aber auch
allen, die für die Massenmedien Verautvortung tragen, wünschen wir
im Namen des auferstandenen Christus Frieden und Freude im Heiligen
Geist!
Im Hören auf das Leid der Welt
5. Die Synodenversammlung war eine Zeit intensiven Austausches und
des Zeugnisses über das Leben der Kirche in den unterschiedlichen
Kontinenten. Uns wurden dramatische Situationen bewusst, vielfaches
vom Krieg verursachtes Leid, Hunger, die verschiedenen Formen von
Terrorismus und Ungerechtigkeit, von denen Hunderte Millionen
Bewohner dieser Erde in ihrem alltäglichen Leben betroffen sind. Die
Explosion der Gewalt und im Mittleren Osten in Afrika hat uns dafür
sensibel gemacht, wie sehr der afrikanische Kontinent in der
öffentlichen Meinung der Welt dem Vergessen anheim gefallen ist. Die
Naturkatastrophen, deren Zahl sich zu verdoppeln scheint, zwingt uns
dazu, die Natur mit größerem Respekt zu behandeln und die Bande der
Solidarität mit den vom Leid geprüften Völkern zu verstärken.
Wir haben die schweren Probleme nicht schweigend übergangen, die dem
Säkularismus entspringen, von denen besonders der Westen betroffen
ist, Probleme, die zum religiösen Indifferentismus und zu den
verschiedenen Ausdrucksformen des Relativismus führen. Wir haben an
Ungerechtigkeit und extreme Armut erinnert, wie sie – nicht nur,
aber doch besonders – Lateinamerika, Afrika und Asien beherrschen.
Alle diese Leiden schreien zu Gott und appellieren an das Gewissen
der Menschheit. Sie appellieren auch an uns. Was wird aus dem
globalen Dorf unserer Erde angesichts einer bedrohten Umwelt, die
umzukippen droht? Was ist zu tun, damit in dieser Epoche der
Globalisierung, die Solidarität über Leid und Elend siegt? Wir
denken aber auch an diejenigen, die die Länder regieren, damit sie
sorgfältig für alle das Gemeinwohl sichern, dass sie Förderer der
Würde der menschlichen Person seien von ihrer Empfängnis an bis hin
zu ihrem natürlichen Ende. Wir bitten sie, Gesetze zu erlassen, die
das natürliche Recht von Ehe und Familie respektieren. Unsererseits
werden wir weiterhin aktiv an den gemeinsamen Anstrengungen
mitarbeiten, dauerhafte Rahmenbedingungen zu schaffen für einen
wahren Fortschritt der ganzen Menschheitsfamilie, in der niemand des
täglichen Brotes entbehren muss.
6. Wir haben diese Leiden und Fragen in unsere Debatten, in die
Eucharistiefeier und in die eucharistische Anbetung eingebracht.
Indem wir aufmerksam einer auf den anderen hörten, wurden wir in
unseren Debatten bewegt und erschüttert vom Zeugnis der Märtyrer,
die – wie in der gesamten Kirchengeschichte – an mehreren Orten der
Erde auch in unseren Tagen nicht fehlen. Die Synodenväter haben in
Erinnerung gerufen, dass die Märtyrer ihre Kraft, den Hass durch die
Liebe und die Gewalt durch die Vergebung zu überwinden, stets in der
heiligen Eucharistie gefunden haben
„Tut dies zu meinem Gedächtnis“
7. Am Abend vor seinem Leiden „nahm Jesus das das Brot und sprach
den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und
sagte: Nehmt und eßt; das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch,
sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten:
Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für
viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26, 26-28); „Tut
dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22, 19-20; 1 Kor 11, 24-25). Seit
ihren Anfängen gedenkt die Kirche des Todes und der Auferstehung
Jesu mit den gleichen Worten und Gesten des letzten Abendmahls;
dabei bittet sie den Heiligen Geist, Brot und Wein in Leib und Blut
Christi zu verwandeln. Wir glauben fest daran und wir lehren in der
ungebrochenen Überlieferung der Kirche, dass die Worte Jesu,
ausgesprochen in der Messe vom Priester, in der Kraft seines Geistes
bewirken, was sie bedeuten. Sie bewirken die Realpräsenz des
auferstandenen Christus (KKK 1366). Die Kirche lebt von dieser
vorzüglichen Gabe, die sie zusammenführt, reinigt und in den einen
Leib Christi verwandelt, den der eine Geist belebt (vgl. Eph 5, 29).
Die Eucharistie ist eine Gabe der Liebe, der Liebe des Vaters, der
seinen einzigen Sohn gesandt hat, damit die Welt gerettet werde
(vgl. Joh 3, 17), der Liebe Christi, der uns geliebt hat bis zur
Vollendung (vgl. Joh 13, 1), der Liebe Gottes, die ausgegossen ist
in unsere Herzen durch den Heiligen Geist (vgl. Röm 5, 5), die in
uns ruft: „Abba, Vater“! (Gal 4, 6). Wenn wir das heilige Opfer
feiern, dann verkünden wir frohen Herzens das Heil der Welt, indem
wir den siegreichen Tod des Herrn verkünden, bis er wiederkommt;
indem wir Anteil erhalten an seinem Leib, empfangen wir das „Angeld“
unserer eigenen Auferstehung.
8. Vierzig Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wollten wir
überprüfen, inwieweit die Geheimnisse des Glaubens in unseren
gottesdienstlichen Versammlungen ihrem Wesen gemäß Ausdruck finden
und gefeiert werden. Erneut bestätigt die Synode, dass das Zweite
Vatikanum die notwendigen Grundlagen für eine authentische
Erneuerung der Liturgie gelegt hat. Von daher ergibt sich die
Aufgabe, die guten Früchte zu pflegen und die Missbräuche
abzustellen, die sich in der Praxis eingeschlichen haben. Wir sind
davon überzeugt, dass der Respekt vor dem sakralen Charakter der
Liturgie zu einer authentischen Treue gegenüber den vom Leitungsamt
erlassenen liturgischen Normen führt. Niemand darf sich als Herr und
Meister über die Liturgie der Kirche betrachten. Der lebendige
Glaube, welcher die Gegenwart des Herrn wahrnimmt, ist die erste
Bedingung für die Schönheit der liturgischen Feiern und ihrer
Vollendung im Amen zur Ehre Gottes.
Lichte Seiten im eucharistischen Leben der Kirche
9. Die Arbeiten der Synode fanden in einer von Freude und
Brüderlichkeit bestimmten Atmosphäre statt, die auch von der offenen
Diskussion über die Probleme und vom spontanen Teilen der Früchte
des Eucharistischen Jahres geprägt war. Das Zuhören und die Beiträge
unseres Heiligen Vaters Benedikts XVI. waren für uns alle ein
Beispiel und eine wertvolle Hilfe. Viele Zeugnisse über wertvolle
und froh machende Tatsachen wurden gegeben, zum Beispiel eine
Neuentdeckung der Wichtigkeit der Sonntagsmesse, die Mehrung der
Berufungen zum Priesteramt und zum geweihten Leben in verschiedenen
Regionen der Erde, die starke Erfahrung der Weltjugendtage mit ihren
Höhepunkten in Köln, die Entwicklung zahlreicher Initiativen für die
Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes fast in der ganzen Welt,
die Erneuerung der Katechesen über Taufe und Eucharistie im Licht
des Katechismus der Katholischen Kirche, das Anwachsen der
kirchlichen Bewegungen und Gemeinschaften, welche Missionare für die
Neuevangelisierung heranbilden, die Zunahme der Ministrantengruppen,
welche neue Berufungen erhoffen lassen, und viele andere lichte
Seiten gibt es, die unsere Dankbarkeit verlangen.
Schließlich wünschen die Synodenväter, dass das Eucharistische Jahr
Anfang und Stützpunkt einer Neuevangelisierung der Menschheit im
Zuge der Globalisierung sei, die von der Eucharistie ausgeht.
10. Wir wünschen, dass das „Eucharistische Staunen“ (EE 6) die
Gläubigen zu einem immer stärkeren Leben aus dem Glauben führt. Zu
diesem Zweck pflegen die ostkirchlichen Traditionen der Orthodoxen
und orientalischen Katholiken das Jesusgebet, das eucharistische
Fasten und den hymnischen Lobpreis, während die lateinische
Überlieferung eine „Eucharistische Spiritualität“ vorstellt, welche
die eucharistische Feier, die Anbetung des Allerheiligsten
Sakraments auch außerhalb der Messe, den eucharistischen Segen,
Prozessionen mit dem Allerheiligsten und die gesunden Formen der
Volksfrömmigkeit einschließt. Mit Sicherheit entfaltet eine solche
Spiritualität ihre Früchte, um das Alltagsleben zu stützen und unser
Zeugnis zu bekräftigen.
11. Wir danken Gott dafür, dass in verschiedenen Ländern, wo
Priester gänzlich fehlten oder im Geheimen tätig sein mussten, die
Kirche heute frei die Heiligen Geheimnisse feiern kann. Die Freiheit
der Verkündigung und die Zeugnisse wieder gefundenen Glaubenseifers
erwecken nach und nach den Glauben in tief entchristlichten
Gebieten. Mit bewegender Liebe grüßen wir alle, die noch unter der
Verfolgung leiden müssen und wollen sie ermutigen. Darüber hinaus
bitten wir darum, dass dort, wo die Christen in der Minderheit sind,
sie in aller Freiheit den Tag des Herrn begehen können.
Herausforderungen für eine eucharistische Erneuerung
12. Das Leben unserer Kirchen ist auch von Schatten und Problemen
geprägt, über die wir nicht hinweg gegangen sind. Wir denken
zunächst an den Verlust für das Verständnis der Sünde und an die
dauerhafte Krise in der Praxis des Bußsakramentes. Es ist wichtig,
seinen tiefen Sinn wieder zu entdecken: die Umkehr und das wertvolle
Heilmittel, das der auferstandene Christus zur Vergebung der Sünden
(vgl. Joh 20, 23) und zum Wachstum der Liebe zu ihm und unseren
Brüdern und Schwestern geschenkt hat.
Mit Interesse kann man feststellen, dass immer mehr sachgerecht im
Glauben unterwiesene Jugendliche das persönliche Bekenntnis der
Sünden pflegen und ein Gespür für die empfangene Versöhnung zum
würdigen Empfang der Kommunion entwickeln.
13. Der Mangel an Priestern, um die Sonntagsmesse feiern zu können,
beschäftigt uns sehr und lädt uns dazu ein, zu beten und die
priesterlichen Berufungen aktiver zu fördern. Verschiedene Priester
sind um den Preis großer Mühen dazu gezwungen, viele Messen an
verschiedenen Orten zu feiern, um den Bedürfnissen der Gläubigen so
gut wie möglich entgegen zu kommen. Sie verdienen unsere Hochachtung
und unsere Solidarität. Unsere Anerkennung gilt auch den zahlreichen
Missionaren, deren Begeisterung in der Verkündigung des Evangeliums
auch heute noch das Gebot des Herrn in Erfüllung gehen lässt, in
alle Welt zu gehen und in seinem Namen zu taufen (vgl. Mt 28, 19).
14. Auf der anderen Seite macht es uns Kummer, wenn die Abwesenheit
eines Priesters die Feier der Messe am Sonntag unmöglich macht.
Verschiedene Formen von Gottesdiensten gibt es schon in den
verschiedenen Ländern, in denen Priestermangel herrscht. Übrigens
könnte und sollte die in der katholischen Tradition so hoch
geschätzte Praxis der „Geistlichen Kommunion“ mehr verbreitet und
erklärt werden, einerseits, um die Gläubigen besser auf die
sakramentale Kommunion vorzubereiten, aber auch um denen ein wahrer
Trost zu sein, die aus verschiedenen Gründen, nicht am Leib und Blut
Christi teilhaben können. Wir glauben, dass diese Praxis allein
stehenden Personen helfen kann, im Besonderen den Behinderten, den
Alten, den Gefangenen und den Flüchtlingen.
15. Wir kennen die Trauer derer, die wegen ihrer dem Gebot des Herrn
(vgl. Mt 19,3-9) nicht entsprechender familiären Situation nicht zur
hl. Kommunion gehen können. Viele geschiedene Wiederverheiratete
nehmen es mit Schmerzen an, nicht kommunizieren zu können, und sie
opfern dies Gott auf. Andere verstehen diesen Ausschluss nicht und
leben in einer inneren Frustration. Obwohl wir ihre Haltung nicht
teilen können (vgl. KKK 2384), sagen wir ihnen erneut, dass sie
nicht vom Leben der Kirche ausgeschlossen sind. Wir bitten sie, die
Sonntagsmesse mitzufeiern und aufmerksam auf das Wort Gottes zu
hören, das sie für ihr Leben aus dem Glauben und der Liebe sowie für
ihre Bekehrung ernährt. Wir wollen ihnen sagen, wie nahe im Gebet
und in der Hirtensorge sie uns sind. Bitten wir gemeinsam den Herrn,
seinem Gebot treu zu bleiben.
16. In verschiedenen Gegenden haben wir auch einen Niedergang des
Sinnes für das Heilige feststellen müssen, der nicht nur die tätige
und fruchtbare Teilnahme der Gläubigen an der Messe betrifft,
sondern auch die Art des Zelebrierens und die Qualität des
Lebenszeugnisses, das zu geben die Christen berufen sind. Trachten
wir danach, durch die heilige Eucharistie den Sinn der Zugehörigkeit
zur katholischen Gemeinschaft wieder zu verlebendigen, denn der
dramatische Abschied vom Glauben nimmt in manchen Ländern immer mehr
zu. Die Tatsache der Entchristlichung verlangt nach einer besseren
Erziehung zum christlichen Leben in den Familien, damit sich das
sakramentale Leben erneuere und wirklich den Inhalt des Glaubens zum
Ausdruck bringe. Entsprechend laden wir Eltern, Hirten und
Katecheten dazu ein, aufzubrechen zu einer großen Baustelle der
Evangelisierung und der Erziehung zum Glauben am Beginn dieses neuen
Jahrtausends.
17. Im Angesicht des Herrn der Geschichte und der Zukunft der Welt,
wenden sich die Armen an uns, solche, die schon immer arm waren und
die ständig neu Dazukommenden, dazu die immer zahlreicheren Opfer
der Ungerechtigkeit und alle Vergessenen dieser Erde; sie erinnern
uns daran, dass Christus bis ans Ende der Welt leidet. Diese Leiden
können der Feier des eucharistischen Mysteriums nicht fremd bleiben,
das uns alle dazu aufruft, für Gerechtigkeit und Umwandlung der Welt
einzutreten auf eine aktive und bewusste Weise, die gestärkt wird
durch die Soziallehre der Kirche, welche die menschliche Person und
ihre Würde in den Mittelpunkt stellt.
„Wir können uns keiner Illusion hingeben: Es ist die Nächstenliebe
und im Besonderen die Liebe zu denen, die unserer Sorge am meisten
bedürfen, die uns als wahre Jünger Christi auszeichnet (vgl. Joh 13,
35; Mt 25, 31-46). Dies ist das Kriterium, das die Authentizität
unserer eucharistischen Feiern prüft“ (Mane nobiscum Domine 28).
Ihr werdet meine Zeugen sein
18. „Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies Jesus
ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.“ Das Johannesevangelium
offenbart uns den Sinn der Einsetzung der heiligen Eucharistie durch
den Bericht von der Fußwaschung (vgl. Joh 13, 1-20). Jesus neigt
sich dazu herab, die Füße seiner Jünger zu waschen als Zeichen
seiner Liebe, die bis zum Äußersten geht. Diese prophetische Geste
kündigt seinen Herabstieg bis zum Tod am Kreuz an, der die Sünde der
Welt hinweg nimmt und unsere Seelen von allen Sünden rein wäscht.
Die heilige Eucharistie ist eine Gabe der Liebe, eine Begegnung mit
Gott, der uns liebt und ein sprudelnder Quell ewigen Lebens. Wir,
die Bischöfe, Priester und Diakone, sind die ersten Zeugen und
Diener dieser Liebe.
19. Liebe Priester, wir haben in diesen Tagen viel an Euch gedacht.
Wir kennen eure Hochherzigkeit und eure Herausforderungen. In
Gemeinschaft mit uns tragt Ihr die Last des täglichen pastoralen
Dienstes für das Volk Gottes. Ihr verkündet das Wort Gottes und
achtet darauf, die Gläubigen gut in das eucharistische Mysterium
einzuführen. Welch eine Gnade ist euer Dienst! Wir beten mit euch
und für euch, dass wir alle gemeinsam der Liebe des Herrn treu
bleiben. Wir bitten euch, mit uns nach dem Beispiel des Heiligen
Vaters Benedikt XVI. „demütige Arbeiter im Weinberg des Herrn“ zu
sein in einem stimmigen priesterlichen Leben. Möge der Friede
Christi, den ihr den reuigen Sündern und in der Feier der
Eucharistie erteilt, auf euch und auf die Gemeinschaften zurück
strahlen, die von eurem Zeugnis leben.
Mit Dankbarkeit erinnern wir an das Engagement der Ständigen
Diakone, der Katechisten, der Laien im pastoralen Dienst und der
Laien, die durch ihren eifrigen Einsatz zum Wohl der Gemeinschaft
beitragen. Möge euer Dienst stets großherzig und fruchtbar sein,
unterstützt durch die volle Gemeinschaft in Gesinnung und Aktion mit
dem Hirten der Gemeinde. 20. Liebe Schwestern und Brüder, was immer
auch der Lebensstand sei, in dem wir gerufen sind, unserer
Taufberufung zu folgen, machen wir uns die Gesinnung Christi zu
eigen (vgl. Phil 2, 2) und begegnen wir einander in der Demut nach
dem Beispiel Jesu Christi. Unsere gegenseitige Liebe ist nicht nur
eine Nahahmung des Herrn, sie ist ein lebendiger Beweis seiner
wirksamen Gegenwart in unserer Mitte. Wir grüßen und danken allen
Personen des gottgeweihten Lebens, diesem erwählten Anteil am
Weinberg des Herrn, der ohne allen Lohn die Gute Nachricht vom
Kommen des Bräutigams bezeugt (vgl. Apk 22, 17-20). Euer
eucharistisches Zeugnis in der Nachfolge Christi ist ein Schrei nach
Liebe in der Nacht dieser Welt, ein Echo des Stabat Mater und des
Magnificat. Möge euch die Eucharistische Frau schlechthin, gekrönt
mit Sternen und ungeheuer fruchtbar, die Jungfrau der Himmelfahrt
und der Unbefleckten Empfängnis, im Dienst für Gott und die Armen,
in der Freude von Ostern bewahren für die Hoffnung der Welt.
21. Liebe Jugendliche, der Heilige Vater Benedikt XVI. hat euch
gesagt und immer wieder betont, dass ihr nichts verliert, wenn ihr
euch Christus schenkt. Wir greifen die starken und erhabenen Worte
des Papstes in der Messe seiner Amtseinführung auf, die euch den Weg
zum wahren Glück weisen – im größten Respekt vor eurer Freiheit:
„Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts weg, sondern gibt
alles. Wer sich ihm hingibt, erlangt das Hundertfache zurück. Ja,
öffnet, öffnet weit die Tore für Christus – und ihr werdet das wahre
Leben finden.“ Wir setzen auf eure Fähigkeiten und auf euren Wunsch,
in der Welt positive Werte zu entwickeln und das umzuändern, was
ungerecht und gewalttätig ist. Ihr könnt auf unsere Unterstützung
und auf unser Gebet zählen, dass wir gemeinsam die Herausforderung
annehmen, die Zukunft mit Christus zu bauen. Ihr seid der „Weckruf
am Morgen“ und die „Erforscher der Zukunft“. Versäumt es nicht, aus
der Quelle göttlicher Energie der heiligen Eucharistie zu schöpfen,
um die notwendigen Umgestaltungen in Angriff zu nehmen.
Unseren jungen Seminaristen, die sich auf den priesterlichen Dienst
vorbereiten und die mit ihrer Generation die gleichen Hoffnungen für
die Zukunft teilen, wünschen wir, dass ihr Leben von einer
authentischen eucharistischen Spiritualität geprägt sei.
22. Liebe christliche Eheleute und eure Familien, die universale
Berufung zur Heiligkeit beginnt bei euch in der Familie, der
Hauskirche, ernährt am heiligen Tisch der Eucharistie. Im Sakrament
der Ehe verwandelt euer Glaube eure eheliches Einssein in einen
Tempel des Heiligen Geistes, in eine fruchtbare Quelle neuen Lebens,
die Kinder hervorbringt als Frucht eurer Liebe. Wir haben auf der
Synode oft von euch gesprochen, denn wir sind uns der Schwächen und
Unsicherheiten der gegenwärtigen Welt wohl bewusst. Bewahrt euren
Mut in der Anstrengung, eure Kinder im Glauben zu erziehen. Ihr seid
die Keimzelle der Berufungen zum Priestertum und zum gottgeweihten
Leben. Vergesst nicht, dass Christus in eurem Einssein lebt, und
dass er es mit allen seinen Gnaden beschenkt, die ihr nötig habt, um
eure Berufung heilig zu leben. Wir ermuntern euch, die Sonntagsmesse
in der Familie zu pflegen. So erfreut ihr das Herz Jesu, der gesagt
hat: Lasset die Kinder zu mir kommen (vgl. Mk 10, 14).
23. Wir wollen ein besonderes Wort an alle Leidenden richten, an die
Kranken und die Behinderten, die durch ihr Leiden mit dem Opfer
Christi verbunden sind (vgl. Röm 12, 2). Durch den Schmerz, den ihr
in eurem Leib und in eurem Herzen verspürt, nehmt ihr auf besondere
Weise am Eucharistischen Opfer teil und ihr seid bevorzugte Zeugen
der Liebe, die daraus hervorgeht. Wir sind sicher, dass die Kraft
der Eucharistie in den Momenten, in denen wir die Schwäche erfahren
oder an unsere Grenzen stoßen, eine große Hilfe sein kann. Vereint
mit dem österlichen Mysterium Christi finden wir eine Antwort auf
die bohrenden Fragen nach Leid und Tod, vor allem, wenn Krankheiten
unschuldige Kinder treffen. Euch allen sind wir nahe, besonders aber
den Sterbenden, die den Leib Christi als Wegzehrung (Viaticum) für
ihre letzte Reise in das Reich Gottes empfangen.
Dass alle eins seien
24. Auf feierliche Weise hat Papst Benedikt XVI. das Engagement der
Kirche für die Sache der Ökumene bekräftigt. Für diese Einheit sind
wir alle verantwortlich (vgl. Joh 17, 21), denn wir sind durch
unsere Taufe alle Mitglieder der Familie Gottes, ausgestattet mit
einer fundamental gleichen Würde und die unschätzbare sakramentale
Gabe des göttlichen Lebens teilend. Wir alle fühlen den Schmerz der
Trennung, die die gemeinsame Feier der Eucharistie verhindert. Wir
wollen in unseren Gemeinden das Gebet für die Einheit intensivieren,
Gaben zwischen den Kirchen und den kirchlichen Gemeinschaften
austauschen, ebenso respektvolle und brüderliche Kontakte unter uns
pflegen, damit wir uns besser kennen und lieben lernen, dabei aber
die Differenzen ebenso respektieren, wie wir die gemeinsamen Werte
schätzen. Die präzisen Normen der Kirche bestimmen die Haltungen
hinsichtlich der eucharistischen Kommunion mit den Brüdern und
Schwestern, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit uns sind. Eine
gesunde Disziplin verhindert die Konfusion, und voreilige Gesten
können der wahren Gemeinschaft schaden.
25. Als Christen fühlen wir uns den anderen Nachkommen Abrahams
nahe, vor allem den Juden, die Erben des Ersten Bundes sind, und den
Muslimen. Wenn wir die heilige Eucharistie feiern, dann denken wir
auch – wie es der hl. Augustinus sagt – an das „Sakrament der
Menschheit“ (De civ. Dei, 10, 6), an die Stimme all der Gebete und
Flehrufe, die von der Erde zu Gott aufsteigen.
Schluß: Ein Friede, voll der Hoffnung
Liebe Schwestern und Brüder,
26. Sagen wir Gott Dank für diese elfte Synode, vierzig Jahre nach
dem Zweiten Vatikanischen Konzil, die uns zur Quelle des
Geheimnisses der Kirche zurückkehren ließ. So beenden wir auf schöne
Weise das Eucharistische Jahr, indem wir in der Einheit bestärkt und
im apostolischen und missionarischen Eifer erneuert werden.
Zu Beginn des vierten Jahrhunderts wurde der christliche
Gottesdienst durch die kaiserlichen Autoritäten verboten.
Nordafrikanische Christen, tief verbunden mit der
Sonntagseucharistie, missachteten das Verbot. Sie wurden zu
Märtyrern, weil sie bekannten, nicht ohne die sonntägliche
Eucharistiefeier leben zu können. Die 49 Märtyrer von Abitene, die
vereint sind mit so vielen Heiligen und Seligen, die die Eucharistie
zum Zentrum ihres Lebens gemacht haben, treten am Beginn des neuen
Jahrtausends fürbittend für uns ein. Sie lehren uns die Treue zur
Begegnung des neuen Bundes mit dem auferstandenen Christus.
Am Ende dieser Synode erfahren wir den Frieden voller Hoffnung, den
die Jünger von Emmaus vom auferstandenen Herrn beim Brechen des
Brotes mit brennendem Herzen empfangen haben. Sie haben sich
aufgemacht und sind eilig nach Jerusalem zurückgekehrt um ihre
Freude mit ihren Brüdern und Schwestern im Glauben zu teilen. Wir
wünschen euch, dass ihr fröhlich zur Begegnung mit ihm in der
Heiligen Eucharistie aufbrecht und die Wahrheit seiner Worte
bestätigt: „Ich bin bei euch bis zum Ende der Welt“ (Mt 28, 20).
Liebe Schwestern und Brüder, der Friede sei mit euch! |