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SYNODUS EPISCOPORUM
VERLAUTBARUNGEN

XIII. ORDENTLICHE GENERALVERSAMMLUNG
DER BISCHOFSSYNODE
7.-28. OKTOBER 2012

Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens


Die Verlautbarungen dienen nur als Arbeitsmittel zum journalistischen Gebrauch.
Die Übersetzungen aus der Originalsprache haben keinen offiziellen Charakter.


Deutsche Fassung

 

11 - 11.10.2012

INHALT

- SECHSTE GENERALKONGREGATION (DONNERSTAG, 11. OKTOBER 2012 - NACHMITTAG)

SECHSTE GENERALKONGREGATION (DONNERSTAG, 11. OKTOBER 2012 - NACHMITTAG)

- ABSTIMMUNG ÜBER DIE KOMMISSION FÜR DIE ABSCHLUSSBOTSCHAFT (II)
- BEITRÄGE IN DER SYNODENAULA (FORTSETZUNG)
- AUDITIO DELEGATORUM FRATERNORUM (II)

Am heutigen Donnerstag, den 11. Oktober 2012, begann um 16.30 Uhr mit dem Gebet von Psalm 116 (117) die Sechste Generalkongregation, in deren Verlauf die Zweite Abstimmung über die Kommission für die Abschlußbotschaft stattfand, gefolgt von der Fortsetzung der Beiträge in der Synodenaula über das Synodenthema «Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens»
.

Turnusmäßiger Delegierter Präsident: S. Em. Kard. John TONG HON, Bischof von Hong Kong (CHINA).

Einige Bruderdelegierte ergriffen das Wort.

Daraufhin folgten weitere freie Wortmeldungen.

An dieser Generalkongregation, die um 19.00 mit dem Gebet des Angelus Domini endete, nahmen 250 Synodenväter teil.

ABSTIMMUNG ÜBER DIE KOMMISSION FÜR DIE ABSCHLUßBOTSCHAFT (II)

Im Verlauf der Generalkongregation fand die Zweite Abstimmung zur Wahl der Mitglieder der Kommission für die Abfassung der Abschlußbotschaft statt.

BEITRÄGE IN DER SYNODENAULA (FORTSETZUNG)

Die folgenden Synodenväter ergriffen das Wort:

- P. Robert Francis PREVOST, O.S.A., Generaloberer des Augustinerordens
- S.Sel. Grégoire III LAHAM, B.S., griechisch-melkitischer Patriarch von Antiochien, Vorsitzender der Synode der griechisch-mekitisch- katholischen Kirche (SYRIEN)
- S.Exz. José Dolores GRULLÓN ESTRELLA, Bischof von San Juan de la Maguana (DOMINIKANISCHE REPUBLIK)
- S.Exz. Joseph VU DUY THÔNG, Bischof von Phan Thiêt (VIETNAM)
- P. Renato SALVATORE, M.I., Generaloberer des Ordo Clericorum Regularium Ministrantium Infirmis (Kamillianer) (ITALIEN)
- S.Exz. Gérald Cyprien LACROIX, Erzbischof von Québec (KANADA)
- Kardinal Joachim MEISNER, Erzbischof von Köln (DEUTSCHLAND)
- S.Exz. Yves LE SAUX, Bischof von Le Mans (FRANKREICH)
- S.Exz. Ján BABJAK, S.I., Metropolitan-Erzbischof von Prešov der Katholiken des byzantinischen Ritus, Präsident des Rates der slowakischen Kirche (SLOWAKEI)
- S.Exz. Bruno FORTE, Erzbischof von Chieti-Vasto (ITALIEN)
- S.Exz. Tadeusz KONDRUSIEWICZ, Erzbischof von Minsk-Mohilev (WEIßRUßLAND)

Wir drucken im Folgenden die Zusammenfassungen der Beiträge ab:

- P. Robert Francis PREVOST, O.S.A., Generaloberer des Augustinerordens

Zumindest in der gegenwärtigen westlichen Welt, wenn auch nicht in der ganzen Welt, wird das menschliche Denken hinsichtlich des religiösen Glaubens und auch der Ethik weitgehend durch die Massenmedien bestimmt, insbesondere durch Film und Fernsehen. Die westlichen Massenmedien sind in hohem Masse effizient, wenn es darum geht, Interesse beim Publikum zu wecken für Überzeugungen und Praktiken, die mit der Frohen Botschaft in Konflikt stehen.
Offene Opposition gegenüber dem Christentum durch die Massenmedien ist jedoch lediglich ein Teil des Problems. Die von den Massenmedien forcierte Sympathie für einen antichristlichen Lebensstil, wird der Öffentlichkeit mit soviel Geschick und Gerissenheit vermittelt, daß, wenn die Leute die christliche Botschaft hören, sie oft unvermeidlich ideologisch und emotional grausam erscheint im Vergleich zu der scheinbaren Menschlichkeit der antichristlichen Perspektive.
Wenn die ”Neue Evangelisierung” erfolgreich diesen durch die Massenmedien verbreiteten Verdrehungen der religiösen und ethischen Realität erfolgreich entgegentreten will, müssen Seelsorger, Prediger, Lehrer und Katecheten weitaus besser informiert sein über die Herausforderung einer Evangelisierung in einer durch die Massenmedien beherrschten Welt.
Unter diesem Aspekt können die Kirchenväter, der Heilige Augustinus eingeschlossen, eine wichtige Rolle als Mentoren für die Kirche spielen, gerade weil sie Meister der Kunst der Rhetorik waren. Ihre Evangelisierung war hauptsächlich erfolgreich, weil sie die richtigen Grundlagen der sozialen Kommunikation der Welt kannten, in der sie lebten.
Um die Herrschaft der Massenmedien über das religiöse und moralische Denken der Menschen erfolgreich zu bekämpfen, reicht es nicht aus, daß die Kirche ihre eigenen Fernsehsender besitzt oder religiöse Filme sponsert. Die eigentliche Mission der Kirche ist es, die Menschen in das göttliche Geheimnis einzuführen, als Gegengift gegen das Spektakuläre. Auch das religiöse Leben spielt eine wichtige Rolle in der Evangelisierung. Es geht darum, andere auf das Geheimnis hinzuweisen und ein den evanglischen Räten gemäßes Leben zu führen.

[00062-05.09] [IN039] [Originaltext: Englisch]

- S.Sel. Grégoire III LAHAM, B.S., griechisch-melkitischer Patriarch von Antiochien, Vorsitzender der Synode der griechisch-mekitisch- katholischen Kirche (SYRIEN)

Neuevangelisierung ist ein Synonym für “Aggiornamento”. Das Konzil ist ein “Aggiornamento”. Die Konzilstexte sind ein Vorspiel zu unserer Synode.
Ich werde in meinem Beitrag drei Punkte behandeln.
1.Bildung oder Formung von Kadern
Wir Christen im Orient leben inmitten einer nicht-christlichen Welt: wir sind eine kleine Herde, ad extra im Verhältnis zum Islam und ad intra aufgrund der Abnahme der religiösen Praxis.
Die Realpolitik zwingt uns dazu, bei unserer Arbeit diese doppelte Realität des ad extra und ad intra im Auge zu behalten. Das bedeutet, daß wir unsere seelsorgerische Arbeit der Neuevangelisierung auf diese kleine Herde konzentrieren müssen, ohne dabei diejenigen unserer Gläubigen auszuschließen, die - die einen mehr, die anderen weniger - weniger praktizierend sind.
Diese kleine Herde muß hervorragend sein, um aus den eigenen Reihen Führungspersönlichkeiten im Bereich der Neuevangelisierung hervorzubringen.
Selbst wenn die Kirche solange wachsen würde, bis sie kolossale Dimensionen erreichen würde, müßte sie die Strategie der kleinen Herde beibehalten.
Das ist der Sinn, die Quintessenz, die Motivation, die Daseinsberechtigung der kleinen Herde im Orient wie im Rest der Welt.
2. Leitfaden des christlichen Glaubens
Unser Glaube ist schön. Aber sein Inhalt und seine Aussagen sind wahrhaftig schwierig.
Die Verkündigung des Glaubens im Islam kann in dem doppelten Bekenntnis zusammengefaßt werden: “Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Gesandter.”
Bei den Juden drückt sich das Wesen des Glaubens in dem doppelten Gebot aus: “Ich bin dein Gott! Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. Du sollst deinen Gott von ganzem Herzen lieben, und deinen Nächsten wie dich selbst!”
Unser schöner christlicher Glaube ist allzu kompliziert: die Begriffe, ihr Inhalt und ihre Erklärung. Wir schwimmen in einer ganzen Reihe von Dogmen und Mysterien: die Heiligste Dreifaltigkeit, die Inkarnation, die Erlösung, die Sakramente (die auf Griechisch Mysterien heißen).
Es ist notwendig, daß die Dogmen in einer Form interpretiert werden, die es ermöglicht, das Alltagsleben, die Bestrebungen der Menschen, Glück und Reichtum, die Realität des Alltags unserer Gläubigen zu berühren.
Deshalb ist es von großer Bedeutung und Notwendigkeit für die Neuevangelisierung, daß ein konziser, präziser und klarer Text verfaßt wird, der unseren Glauben zusammenfaßt. Das ist wichtig für unsere Gläubigen ad intra, aber auch für unsere nichtchristlichen Mitbürger ad extra.
Ich hoffe, daß dieser Vorschlag seinen Weg gehen kann, und daß sich die Theologen nach der Verabschiedung des Synodentextes seiner annehmen werden.
3. Ein praktisches Programm
Die Neuevangelisierung wird notwendigerweise durch die Besonderheiten der Ortskirchen bedingt; ebenso auch durch die Zeiten, den Kontext der Traditionen, der Gebräuche, der Kultur, der Bedürfnisse. Ich habe deshalb versucht, die östliche, melkitische griechisch-katholische, arabische Sicht der Neuevangelisierung mit praktischen Vorschlägen vorzutragen.
Die Liste [dieser Vorschläge] ist in der Vollversion meines Beitrags einzusehen.

[00084-05.04] [IN055] [Originaltext: Französisch]

- S.Exz. José Dolores GRULLÓN ESTRELLA, Bischof von San Juan de la Maguana (DOMINIKANISCHE REPUBLIK)

Unter denen, die das Privileg haben, die Neuevangelisierung durchzuführen, sind außer den Diözesen, Pfarrgemeinden und Familien auch kleine Gemeinschaften, die von einer kleinen Anzahl von Menschen gebildet werden, die sich wie Keimzellen einer kirchlichen Struktur zusammenfinden, um den Glauben zu leben, sich weiterzubilden, zu evangelisieren und gemeinsame Aktionen zu unternehmen.
In der Dominikanischen Republik entstehen diese Gemeinschaften als Früchte einer wirklichen pastoralen Umkehr, seitens verantwortlicher Gemeindemitglieder, die sich dafür entscheiden, das ganze Gottesvolk in lebendigen und dynamischen Evangeliesierungsgemeinschaften zu strukturieren.
Der erste Schritt wird von Pastoralteams der Pfarrgemeinde unter der Leitung der Priester unternommen, die die Gemeinde in Sektoren unterteilen, so daß sie von großen zu kleinen Gruppen werden.
Der nächste Schritt ist der Aufruf, das Zusammenrufen aller Gläubigen. Dieser Aufruf liegt im Zuständigkeitsbereich der Visionäre, die vom Enthusiasmus über Gottes großes Projekt getragen werden.
Die dritte Phase besteht darin, durch die Verkündigung des Kerygma zur Begegnung mit Christus zu ermutigen. Diejenigen, die sich dazu bereiterklären, die Animierung der Gemeinschaften zu übernehmen, sind aufgefordert, sich auf diese Mission vorzubereiten. Sie organisieren die Gemeinschaften in allen Bereichen, Stadtvierteln und Wohnblocks.
Um brüderliche und evangelisierende christliche Gemeinschaften bilden zu können, bedarf die Kirche der Priester und Laien, die an Jesu Seite bleiben und ihm nichts verweigern; die zulassen, daß der Geist Jesu sie ermutigt, der imstande ist, den Glauben neu zu beleben und Inbrunst und Leidenschaft zu schenken; die mutig und als Zeugen des Lebens das Kerygma verkündigen; die sich von Jesus dazu berufen fühlen, Jünger zu sein; die die Freude leben, an der Seite eines Volkes voranzugehen, das den Pfad zur Erlösung beschreitet; die wissen, wie man in einem Team arbeitet, indem man ein gemeinsames Projekt in diesselbe Richtung voranbringt; die Gott so sehr lieben, daß sie alle anderen damit anstecken; die Christus und seine Missionstätigkeit leidenschaftlich lieben; die Träger des Evangeliums sind; die inmitten von Tränen aussäen können.

[00083-05.05] [IN056] [Originaltext: Spanisch]

- S.Exz. Joseph VU DUY THÔNG, Bischof von Phan Thiêt (VIETNAM)

Bei der Lektüre von Nr. 81 des Instrumentum laboris möchte ich eure Aufmerksamkeit auf die Rolle lenken, die die Pfarrei im Kontext der Evangelisierung und der Weitergabe des Glaubens spielt.
Auf kirchlicher Ebene ist jede Pfarrgemeinde eine grundlegende Einheit der Ortskirche, aber sie hat auch die Fähigkeit, die Universalkirche sichtbar zu machen. Insofern sie Kirche ist, die der Bevölkerung eines konkreten Ortes nahe ist, muß das Gemeindeleben jeweils so organisiert werden wie dasjenige der Universalkirche, damit sich die Bevölkerung, wenn sie die Vitalität ihrer Gemeinde sieht, sich der Universalkirche nahe fühlt. Ganz unversehens stellt sie fest, daß sie teilnehmendes und aktives Mitglied einer Ortskirche ist. Wenn man im Wirtschaftsleben sagt “think globally, work locally” [‘denke global, arbeite lokal’], sollte man dann vielleicht nicht auch sagen können “man soll emotional denken wie die Universalkirche und tatsächlich in der Ortskirche wirken?”
Auf pastoraler Ebene stellt jede einzelne Pfarrgemeinde einen ganz konkreten Ort dar, an dem sich die Verantwortlichen des Gemeindelebens treffen. Die Seelsorge wird als mehr oder weniger lebendig betrachtet auf der Grundlage des tatsächlichen Austauschs, der bei diesen Zusammenkünften zwischen den Gemeindemitgliedern stattfindet. Ein gut vorbereitetes, gründlich durchgesprochenes und gut entschiedenes Pastoralprogramm wird mit Sicherheit Früchte tragen, die die ganze Gemeinde beleben. In meiner Diözese Phan Thiet spielen die Pfarrgemeinden aus politischen Gründen in den pastoralen Aktivitäten immer noch eine wichtige Rolle. Es ist nicht gestattet, religiöse Versammlungen an einem anderen Ort als in den Räumlichkeiten der Gemeinde abzuhalten, und deshalb stellen die Kirche und das Pfarrhaus immer noch Orte dar, die für die Treffen aller Gemeindeglieder zum Katecheseunterricht wie auch für die Weitergabe des Glaubens bestens geeignet sind.
Auf missionarischer Ebene stellt jede Gemeinde immer noch eine brüderliche Umgebung dar, in der sich die Menschen sehr gut kennen und wiedererkennen. Man kennt den Menschen, seine Familie, seinen Beruf und selbst seine intellektuellen und menschlichen Qualitäten. Und man kennt sie in ihrer Gesamtheit. Die missionarischen Programme werden innerhalb der Gemeinde gerade auf dieser Grundlage vorgeschlagen.

[00085-05.04] [IN057] [Originaltext: Französisch]

- P. Renato SALVATORE, M.I., Generaloberer des Ordo Clericorum Regularium Ministrantium Infirmis (Kamillianer) (ITALIEN)

Die Interesse für die Kranken ist ein grundlegender Aspekt für die evangelisierende Mission der Kirche im Sinne von Jesus “(der) zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden”(Mt9,35).
Die Kirche ist eine Gemeinschaft von Personen, die vom Herrn “geheilt” worden sind und die folglich zu einer “heilenden” Gemeinschaft wird. Christus, Arzt der Seele und des Leibes, schenkt dem Menschen Rettung/Heil im allumfassenden Sinne: Körper, Psyche und Geist. In der Tat ist “Er gekommen, um den ganzen Menschen zu heilen, an Leib und Seele” (Katechismus der Katholischen Kirche1503).
Der Selige Johannes Paul II. sagte: “Die Kirche, ..., muss die Begegnung mit dem Menschen vor allem auf dem Weg seines Leidens suchen (Apostolisches Schreiben 3).“ Das Wissen, daß der Dienst an den Kranken und den Leidenden integrierender Teil der Mission der Kirche ist, macht es notwendig, in das Projekt der Evangelisierung den Aspekt der Gesundheit, die Sorge für die Linderung des Leidens und der Fürsorge für die Kranken im Sinne des Gebots Christi einzubeziehen, das den Missionsauftrag und die Aufgabe der Heilung der Kranken eng miteinander verbindet” (vgl. Italienische Bischofskonferenz, pastorale Note, 2006, Anmerkung 2).

[00086-05.09] [IN058] [Originaltext: Italienisch]

- S.Exz. Gérald Cyprien LACROIX, Erzbischof von Québec (KANADA)

Wir sind im Bereich der Neuevangelisierung tätig, weil wir Männer und Frauen sind, die zuvor eine persönliche Begegnung mit Jesus, dem Herrn und Erlöser, gehabt haben. Diese Begegnung zu bezeugen ist die erste Anforderung an uns, damit sich auch die Herzen unserer Brüder und Schwestern hinzugesellen können. Die neuerliche Rückkehr zu dieser Erfahrung ermöglicht es uns, wieder mit der ursprünglichen Gnade jener Begegnung und deren nie endender Erneuerung in Berührung zu kommen. Die Evangelisierung ist die Aufgabe der gesamten Kirche und jedes ihrer Mitglieder. Viel Glück bei unserer Evangelisierung!

[00087-05.04] [IN059] [Originaltext: Französisch]

- Kardinal Joachim MEISNER, Erzbischof von Köln (DEUTSCHLAND)

Es liegt in der Natur des Glaubens, dass er sich verbreitet, dass er weitergegeben werden möchte. Die Apostelgeschichte zeigt uns das in der Person des Philippus, den der Geist Gottes in Jerusalem an die Straße nach Gaza führt (vgl. Apg 26-40). Er begegnet dem Hofbeamten der Königin von Äthiopien, der in einem Wagen sitzt und an einer Jesaja-Rolle studiert, die er bei einem Devotionalienhändler im Tempelbereich erworben hat. Philippus fragt den vornehmen Herrn, ob er überhaupt verstehe, was er da lese. Die Antwort ist bekannt: “Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet” (Apg 8,31). Philippus steigt ein, er erklärt ihm die Schrift. und nach kurzer Zeit hält der Hofbeamte den Wagen an und lässt sich in einem vorbeifließenden Wasser taufen. Hier wird eine Kirche im Vormarsch sichtbar, die über die Straßen geht und Fragen an die Menschen stellt.
Heute sind die meisten Christen froh, wenn ihnen niemand eine Frage stellt. Von fünf Menschen, die wir auf den Straßen des Alltags treffen, sind drei auf dem gleichen Weg wie der äthiopische Regierungsbeamte, auf dem Rückweg von irgendeiner religiösen Sozialisation in ihr gegenwärtiges Leben. Sie sind beladen mit einer Auskunft über den Sinn ihres Lebens aus ihrer Vergangenheit, an der sie nun traurig herumbuchstabieren, ohne zu verstehen, was das mit ihrem Leben zu tun hat. Sie haben gleichsam ein Stück biblischer Botschaft eingekauft, so wie dieser Reisende eine Jesaja-Rolle, aber sie haben niemanden, der sie anleitet, der eine Brücke zwischen dem Wort des Glaubens zu ihrem alltäglichen Leben schlägt. Es gehört offenbar für viele Zeitgenossen zur Modernität, an religiösen Fragen nicht interessiert zu sein.
Aber in Wirklichkeit schlägt sich ein übenwiegender Teil der Menschen, zumindest in Europa, mit Fragen herum, von denen er nicht weiß oder wahrhaben will, dass es religiöse Fragen sind. Darum ist die Straße in unseren Städten und Dörfern der Ort für die Weitergabe des Glaubens. Und es braucht dabei nicht das Engagement eines hauptberuflichen Christentums, um Gottes Aufruf gehorsam zu sein. Ein kleines Stück Weggenossenschaft genügt schon viel; es kann vielleicht alles sein, wie wir das bei Philippus sehen. Wir lassen uns oft nicht auf die Probleme eines anderen Menschen ein, weil wir meinen sie für ihn lösen zu müssen. Vielleicht braucht er aber nur ein wenig Zuhören, Mitdenken und die Wohltat, dass sich einer in seine Lage hineinversetzt, in den Wagen seines Lebens einsteigt und seine Fragen ernst nimmt. Das bedeutet, dort anzufangen und mitzudenken, wo der andere steht. Zeugenschaft für Jesus Christus braucht nicht zuerst eine komplette und kirchlich genehmigte Christologie, sondern etwas viel Wichtigeres: Sie braucht immer einen Deckungspunkt in der eigenen Existenz, und sei es nur ein einziger, ganz kleiner. Das zählt!
In manchen geistlichen Gemeinschaften gibt es solche Zeugen des Glaubens. Sie sind nötig, um das Evangelium in die Gegenwart hineinzutragen.

[00088-05.09] [IN060] [Originaltext: Deutsch]

- S.Exz. Yves LE SAUX, Bischof von Le Mans (FRANKREICH)

Es erscheint mir notwendig, den Inhalt des Begriffs “Neuevangelisierung” zu klären. Es handelt sich nicht um eine Verleugnung der Vergangenheit, noch um eine Abschottung der Identität, noch um eine Rückgewinnung. Es handelt sich darum, die Neuheit der Erlösung in Christus, des göttlichen Erbarmens, einer Welt zu verkündigen, die ständigen Umwälzungen unterworfen ist, die lebt, als ob Gott nicht existiere und in einer tiefen inneren Leere versunken ist. Es ist insbesondere notwendig, den Mut aufzubringen, über Gott zu reden und im Herzen der Menschen die Sehnsucht nach Gott wiederzuerwecken.
Ich werde drei Sorgen hervorheben.
Das missionarische Gewissen aller Getauften zu wecken: Die Evangelisierung, die Weitergabe des Glaubens erfolgt in erster Linie von Mensch zu Mensch. Jeder Getaufte ist befähigt, vor Verwandten, Nachbarn und Kollegen Zeugnis für die demütige Freude, Christus zu kennen, abzulegen. Aber hier präsentiert sich ein ernsthaftes Problem. Viele Menschen leben eine Art von Relativismus,über dessen Tragweite sie sich nicht im klaren sind. Der Glaube wird auf eine bloße persönliche Entscheidung reduziert.
Das Problem der “Getauften, die nicht gläubig sind”, die sich an die Pfarrer wenden, um ihre Kinder taufen zu lassen oder die Vorbereitungskurse für die Ehe zu besuchen. Der Sinn ihrerBitte ist ihnen unbekannt. Manchmal definieren sie sich als nicht-praktizierend, ungläubig - etwas, was die Priester zur Verzweiflung treibt. Wie kann man auf ihre Bitten eingehen? Wie kann man diese Bitte in einen katechumenalen Weg verwandeln, wobei man sich am Ritus des Erwachsenenkatechumenats inspiriert?
Die Zukunft der Evangelisierung hängt von der Wiederentdeckung und der Erfahrung des Bußsakraments ab, das eine zentrale Rolle spielt. Es ist auch opportun, am korrekten Verständnis der Initiationssakramente (Taufe, Firmung und Eucharistie) und ihrer Einheit zu arbeiten.
Wir leben nicht mehr in einem christlichen Kontext, aber wir organisieren uns so, als ob dies immer noch der Fall wäre. Wir dürfen in Anbetracht der verschwindend kleinen Zahl von Priestern nicht mehr in Begriffen der Abdeckung des Territoriums noch in solchen der Rekrutierung des Personals denken. Wir müssen dafür sorgen, daß lebendige, freudige christliche Gemeinschaften entstehen, die sich durch missionarischen Elan auszeichnen.
Die eigentliche Herausforderung besteht in der Verkündigung der Freude über die Erlösung und der erbarmende Liebe für alle. Es ist erforderlich, daß neue Räume geschaffen werden, in denen es möglich ist, mit denen einen Dialog aufzunehmen, die fern von Gott sind.

[00089-05.04] [IN061] [Originaltext: Französisch]

- S.Exz. Ján BABJAK, S.I., Metropolitan-Erzbischof von Prešov der Katholiken des byzantinischen Ritus, Präsident des Rates der slowakischen Kirche (SLOWAKEI)

Gott ist die Liebe, laßt ihn uns lieben!” Dieses Motto des seligen Bischofs und Märtyrers Pavel Peter Gojdic OSBM begleitete die griechisch-katholische Kirche in der Slowakei in der Zeit der Verfolgung unter dem Kommunismus. Diese Konkretisierung des Wortes Gottes drückt die Erfahrung unserer Bischöfe, Priester, Ordensleute und Gläubigen aus, die die Liebe Gottes in ihrem Leben so intensiv erfuhren, daß sie in der Lage waren, auch in den schwierigen Zeiten der erzwungenen Auflösung unserer Kirche ihren Glauben zu bezeugen.
Die bis zum Martyrium gehende heroische Bezeugung des Glaubens unserer Vorfahren und ihre Fürbitte im Himmel haben dazu beigetragen, daß wir in der griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei heute Gott danken für die Fülle der Berufungen zum Priestertum. In der Tat kommen bei uns über 450 Priester auf 250 000 Gläubige und wir haben ungefähr 90 Seminaristen in den Priesterseminaren. Wir können in den Seminaren keine weiteren Kandidaten aufnehmen, weil wir nicht wissen, wohin wir sie anschließend zum priesterlichen Dienst schicken sollen, und wir können mit ihnen auch nicht anderen Kirchen außerhalb unseres Landes aushelfen, da die Mehrheit von ihnen ihr Priestertum mit dem Ehestand verbindet, weshalb ihnen die Länder des Westens verschlossen sind.
Auch heute ist es wichtig, vor allem die Heiligkeit und den Eifer der Priester zu betonen, die Bischöfe natürlich eingeschlossen. Wo ein eifriger Priester wirkt, ein Mann, der ein heiligmäßiges Leben führt, da wächst der Glaube, wogegen da, wo ein lauer Priester am Werk ist, alles erlöscht. Die Priester und die Bischöfe müssen Männer der Neuevangelisierung sein, und dieser Aspekt ihres Lebens muß bereits während ihrer Ausbildung im Seminar angelegt werden.
Im byzantinischen Ritus kommen uns im Kontext der (alten oder neuen) Evangelisierung auch die byzantinische Spiritualität, die Ikonen und die Beteiligung des Volkes am liturgischen Leben zu Hilfe. Diese Elemente einer geistlichen Kultur erinnern uns auch daran, daß auch die Kultur und die Kunst das Herz des Menschen unserer Zeit für die Aufnahme des Evangeliums öffnen können.
Aber bisher haben wir noch nicht genug Mut aufgebracht, um das Evangelium außerhalb der Kirchen, außerhalb der Bildungszentren oder der Wallfahrtsorte zu verkündigen.
Ich sehe eine Priorität im Eifer von uns Bischöfen, Priestern und Personen, die das Gott geweihte Leben gewählt haben, damit wir durch unser Beispiel auch den Eifer der Laien anregen mögen. Wir selbst müssen darauf hören, was Gott uns sagt, denn “ der Glaube gründet in der Botschaft” (Rm 10,17), damit wir die Liebe Gottes für die Welt authentisch verkündigen können.

[00090-05.04] [IN062] [Originaltext: Italienisch]

- S.Exz. Bruno FORTE, Erzbischof von Chieti-Vasto (ITALIEN)

Die Relatio unterstreicht das anthropologische, christologische und ekklesiologische Fundament der Neuevangelisierung. Es wäre wichtig, die pneumatologische Dimension auszuarbeiten, auch im Hinblick auf das, was IL 41 bekräftigt: der Heilige Geist ist die erste Ursache der Neuevangelisierung. Er ist es, der das Herz neu macht, damit es das neue Lied singt (“Novi novum canamus canticum”: hl. Augustinus). Ihm ist es zu verdanken, daß die Neuheit nicht zur Ordnung der chronologischen Neuheit gehört (“neòs” im Griechischen des NT), sondern zu derjenigen der eschatologischen, qualitativen Neuheit (“kainòs”). Das “mandatum novum” ist die “kainé entolé”. Der Heilige Vater hat uns, als er das Gebet der Terz kommentierte, daran erinnert: “Nunc, Sancte, nobis, Spiritus, unum Patri cum Filio, dignare promptus ingeri nostro refusus pectori.” Gott ergreift die Initiative, durch die Kraft des Geistes.
Ich habe den Eindruck, daß in der Relatio die grundlegende Rolle der Pfarrei, der das IL wichtige Reflexionen widmet (IL 81), nur wenig betont wird. Die direkte Erfahrung des Bischofsamtes, vor allem die Pastoralvisiten, die ich seit dreieinhalb Jahren weitflächig in den Gemeinden der Erzdiözese durchführe, hat mich davon überzeugt, daß es ohne einen neuen missionarischen Impuls der Gemeinde, der von den Arbeitern in der Pastoral, die in der Gemeinde arbeiten, selbst ausgeht, schwierig sein wird, eine radikale Neuevangelisierung zu leben. In diesem Licht - und auch wenn ich die Gaben des Geistes, die die neuen Bewegungen sind, schätze - bin ich der Ansicht, daß die Katholische Aktion, auf die sich IL in Nr. 117 ganz klar bezieht, ein wertvolles Werkzeug ist, das ganz im Geist der Mitarbeit der Laien am Sendungsauftrag der Hirten wirkt.
Schließlich, so denke ich, sollte auch die Bedeutung der Jugendlichen als Adressaten der Neuevangelisierung hervorgehoben werden: auch wenn ihre Abkehr von der religiösen Praxisvon vielen als selbstverständliche Tatsache betrachtet wird, will das noch lange nicht besagen, daß ihre Herzen nicht nach Gott dürsten. Wenn ich ihnen in großer Zahl in den Universitäten und den Schulen begegne, habe ich dafür ständig aufs Neue den Beweis. Manmuss auf die Antwort auf den sogenannten “erzieherischen Notstand” setzen, von dem IL Nr. 149 spricht. Man muß sie anhören, ihnen Zeit geben, ihnen von Gott erzählen, und sie unter Rücksichtnahme auf ihr Freiheitsbedürfnis aufnehmen.Hier sieht man, wie entscheidend die Rolle der Familie ist (IL 110ff.), aber auch, wie dramatisch die Lage der Kinder geschiedener Wiederverheirateter ist, die oft dadurch, daß ihre Eltern nicht daran teilnehmen können, den Sakramenten entfremdet werden. Hier ist eine ganz entschiedene Wende in der pastoralen Nächstenliebe angesagt, wie Papst Benedikt XVI. mehrfach bekräftigt hat (beispielsweise beim Weltfamilientreffen in Mailand). Außerdem ist es notwendig, eine Reflexion über die Verfahrensweisen und die erforderlichen Wartezeiten in Gang zu bringen, die erforderlich sind, die Nichtigkeitserklärung des Ehebandes anerkannt zu bekommen: als Bischof und Moderator eines Regionalen Kirchengerichts muß ich zugeben, daß einige Anforderungen (wie etwa die Erfordernis eines doppelten konformen Urteilsspruchs, auch wenn es keinen Einspruch gibt) zahlreichen bereits verletzten Menschen, die ihre Lage in Ordnung bringen wollen, wenig nachvollziehbar erscheinen.

[00091-05.05] [IN063] [Originaltext: Italienisch]

- S.Exz. Tadeusz KONDRUSIEWICZ, Erzbischof von Minsk-Mohilev (WEIßRUßLAND)

Auf ihrer Suche nach neuen Mitteln für die Evangelisierung richtet die Kirche ihre Aufmerksamkeit auf die sozialen Kommunikationsmittel. In Weißrußland gibt es derzeit zwei Verlage und es werden drei Tageszeitungen und sieben Zeitschriften veröffentlicht. Das Internet wird immer mehr für die Aktivitäten der Kirche herangezogen. Die Webseite www.catholic.by der Bischofskonferenz bietet Informations-, Katechese- und Kulturmaterialien in fünf verschiedenen Sprachen an. Da wir über keine eigenen Radio- und Fersehkanäle verfügen, nutzen wir diejenigen des Staates. Der zentrale staatliche Fernsehsender strahlt ca. drei Stunden im Monat katholische Programme aus. Derzeit sind wir im Begriff, mit der Übertragung der Sendungen von “Radio Maria” anzufangen.
Das Potential der Medien muß genutzt werden, um den Menschen zu helfen, Christus zu finden und aus Seiner Wahrheit zu leben. Sie sind dazu aufgerufen, in jedem von uns das Feuer der Hoffnung zu entzünden, damit eine glückliche Zukunft verwirklicht werden kann, wobei die Würde des Menschen gewahrt werden muß. Die Kirche muß, wenn sie Trägerin der Evangelisierung sein will, mediatisch sein.
Im neuen Lebensbereich, den die Informationstechnologien geschaffen haben, sind wir dazu aufgerufen, das Wort Gottes zu predigen und Christus zu verkünden, dem wir begegnet sind und der unser Leben verändert hat: hierin liegt der eigentliche Sinn der Neuevangelisierung.
In der neuen säkularisierten Kultur müssen die sozialen Kommunikationsmittel dazu in der Lage sein, die Kirche dabei zu unterstützen, eine wahre Trägerin der Evangelisierung und Missionierung zu sein, als Antwort auf die Erfordernisse der Zeit, in der es notwendig ist, nicht nur die Konvertiten zu taufen, sondern auch die Getauften zu konvertieren.

[00092-05.07] [IN064] [Originaltext: Italienisch]

AUDITIO DELEGATORUM FRATERNORUM (II)

Die folgenden Brüderlichen Delegierten ergriffen das Wort:

- S. Em. LEO [Makkonen], Erzbischof von Karelia und von ganz Finnland (FINNLAND)
- Prof. EMMANUEL [Adamakis], Metropolit von Frankreich, Präsident der Konferenz der Europäischer Kirchen (FRANKREICH)
- S. Em. NIFON [Mihăiţă], Metropolit und Erzbischof von Targovistis (RUMÄNIEN)

Wir drucken im Folgenden die Zusammenfassungen der Beiträge ab:

- S. Em. LEO [Makkonen], Erzbischof von Karelia und von ganz Finnland (FINNLAND)

Es ist für mich ein hohes Privileg, eine Ehre und eine Freude, Ihnen die Grüße von Seiner Heiligkeit Bartholomaios I., Erzbischof von Konstantinopel und Ökumenischer Patriarch, zu überbringen. Ich wende mich also an diese Versammlung nicht nur als Repräsentant und Gast, denn die Dringlichkeit der “neuen Evangelisierung” ist ein ebenso wichtiges Thema für die Christen im Osten wie sie dies für die Kirche von Rom ist.
Wir lesen mit Freude die Lineamenta, insbesondere ihre Wertschätzung der Tatsache, auf welche Weise die Tradition, die Mystagogie und die neueren Erfahrungen der östlichen Christenheit Einsichten schenkt in die neuen Bemühungen der Evangelisierung heute. Am meisten haben wir die Einsicht zu schätzen gewusst, dass die Evangelisierung nicht mit der Predigt beginnt, sondern mit dem Hören.
Nicht zufällig zeigt die Ikone den größten Evangelisten und Apostel Johannes, der bei uns im Osten als “der Theologe” bekannt ist, mit einem Finger an den Lippen, um auf die Stille hinzuweisen. Diese Stille, wie die Lineamenta so bedeutungsvoll feststellen, ist nicht begründet in Müdigkeit, Furcht, Scham oder Mangel an Glauben: vielmehr anerkennt sie, dass wir, wenn wir wirklich echte Partner “im Dialog mit der Welt sein wollen”, wenn wir wirklich “Teilhaber an derselben menschlichen Natur und nach der Wahrheit über das Leben Suchende” sein wollen, dort beginnen müssen, wo die wahre Menschlichkeit beginnt - in der Erfahrung des Staunens, die uns zur Transzendenz erhebt.
Still zu sein, zuzuhören und dann die Frohe Botschaft mitzuteilen, ist der beste Weg unsere Liebe und Sorge für die Welt von heute zum Ausdruck zu bringen - so wie Gott selbst seine Heilsökonomie als Antwort auf unser Versagen, unsere Suche und Not zum Ausdruck gebracht hat. Nur dann, wenn wir die Probleme unseres Gesprächspartners ebenso ernst nehmen, wie wir ihnen die Lösungen Gottes anempfehlen, können wir Vertrauen aufbauen und wiedergewinnen, so dass unsere Worte erneut in all ihrer lebensspendenden Macht offenbar werden - ganz gleich ob sie gesprochen, als SMS versendet oder getwittert werden.
Und jetzt, Heiliger Vater, Eminenzen, Gnaden, Brüder und Schwestern in Christus, werde ich anfangen zuzuhören - so wie die ganze Welt es tun wird.

[00159-05.10] [DF005] [Originaltext: Englisch]

- Prof. EMMANUEL [Adamakis], Metropolit von Frankreich, Präsident der Konferenz der Europäischer Kirchen (FRANKREICH)

Bei der Vorbereitung dieses bescheidenen Vortrags habe ich mich gefragt, welche Verbindung hergestellt werden kann zwischen dem ökumenischen Engagement als Aufgabe des zeitgenössischen Christentums und der Evangelisierung als Weitergabe des christlichen Glaubens. Diese beiden Themen schöpfen ihre Substanz aus dem Geheimnis der Inkarnation. Es kann also nicht darum gehen, sich allein mit der theologischen oder sogar intellektuellen Erarbeitung dieses Geheimnisses zufrieden zu geben. Es scheint mir von wesentlicher Bedeutung zu sein, dieses Geheimnis der Menschwerdung in der Art und Weise des heiligen Irenäus von Lyon zu verstehen, das heißt als eine “erneuernde” Kraft für das ganze Menschengeschlecht, ja für die gesamte Schöpfung. Die Lehre der Kirchenväter schlägt uns also vor, die Übereinstimmung zwischen dem theologischen Bemühen und der Erfahrung eines in der Welt Fleisch gewordenen und in der Zeit verwurzelten Christentums zu betrachten. Diese Erfahrung besteht nicht nur in der Wiederholung bestimmter Weisheiten, sondern in einer vollkommenen Umgestaltung, um nicht zu sagen einer ganzheitlichen Umgestaltung des Menschen, als Leib, Seele und Geist.
Wie soll man also Ökumenismus, Evangelisierung und Weitergabe des Glaubens definieren? In der Tat ist das nicht einfach und würde Überlegungen erfordern, die ich aufgrund der zeitlichen Grenzen, die mir gesetzt sind, nicht eingehender anstellen kann. Dennoch muss man anerkennen, dass wir durch die drei Begriffe meiner anfänglichen Fragestellung einen hervortretenden Aspekt entdecken können, der uns erlaubt den Sinn hervorzuheben. Denn der Kern der uns interessierenden Problematik verweist nicht so sehr auf den Glauben an sich, sondern auf die Antworten, die der Glaube in unserer zeitgenössischen Welt geben kann. Kurz gesagt, was beim Thema dieser Begegnung den Vorrang hat, ist zu wissen, auf welches semantische Feld der Begriff “neu” verweist. Nur so werden wir in der Lage sein, eine angemessene Antwort auf die Fragen unserer Brüder und Schwestern zu geben. Globalisierung und Konsumgesellschaft sind nur die Begleiterscheinungen eines tiefer liegenden Problems: die Umwandlung, Mutation der Hoffnung in eine Suche nach Glück. Unsere Zeitgenossen haben die Hoffnung verloren und sind nur auf der Suche nach dem Glück. Einige könnten sich nun fragen, wie diese Umwandlung vonstatten gehen konnte und wie man darauf antworten kann. Die “Wieder-Verzauberung” der Hoffnung besteht darin, die Verbindung zu bestimmen, die zwischen Gott und Mensch, zwischen den verschiedenen Menschen und innerhalb der einzelnen Persönlichkeit besteht. Wenn Christus erklärt, dass er “die Wahrheit, der Weg und das Leben” ist, spricht er nicht von abstrakten Begriffen, sondern vielmehr von dynamischen Prinzipien, die auf das Fundament des einen Logos gegründet sind. Folglich ist der Logos sowohl Verbindung als auch Beziehung. So verwandelt sich das Glück in Hoffnung in dem Maße, in dem jeder Mensch lernt, sich selbst zu erkennen als ein Wesen der Beziehung, um nicht zu sagen als ein Wesen der Gemeinschaft. Christus ist Objekt der Gemeinschaft und er ist zugleich Band der Gemeinschaft. Wenn das persönliche Glück an die Bestimmung der Gemeinschaft, der Kirche, geknüpft ist, verwandelt es sich unter dem Einfluss der Eschatologie, dem Kommen der letzten Zeiten in Hoffnung.
Diese Überlegungen sind nicht so weit entfernt von meiner Anfangsabsicht, die den Stellenwert des Ökumenismus innerhalb der neuen Formen der Evangelisierung verstehen will. In der Tat ist der Ökumenismus eine Verpflichtung, unsere persönlichen Vorstellungen hinter uns zu lassen, die sich häufig auf reine Lokalkonflikte beschränken. Aber eine solche Haltung bezeugt nicht mehr die Heilsbotschaft Christi. Die ökumenische Erfahrung, so wie wir sie im Rahmen der Konferenz der Europäischen Kirchen erleben, denkt aktiv über die Art und Weise nach, die Spaltung der Christen durch die Evangelisierung zu überwinden. Deshalb haben sich die Kirchen und christlichen Gemeinschaften, die Mitglieder des KEK sind, verpflichtet, ich zitiere: “von unseren Evangelisierungsinitiativen mit den anderen Kirchen zu sprechen, Vereinbarungen zu diesem Thema abzuschließen und so eine schädliche Konkurrenz zu vermeiden wie auch die Gefahr neuer Spaltungen”. Angesichts dieser Überlegungen scheint mir, daß eine ganze Reihe von “Baustellen” auf pastoraler Ebene zu erkunden zu bleiben. Sie sind die notwendigen Vorbedingungen für die Wiederherstellung der Einheit der Christen, die es uns ermöglichen würde, unseren gemeinsamen Glauben in adäquater Weise zu bezeugen. Ich empfehle Ihnen also, in ihren Reflexionen die ökumenische Dimension der Evangelisierung in Betracht zu ziehen.
[00157-05.09] [DF002] [Originaltext: Französisch]

- S. Em. NIFON [Mihăiţă], Metropolit und Erzbischof von Targovistis (RUMÄNIEN)

Grußworte des Generalsekretärs des ÖRK [Ökumenischer Rat der Kirchen],
Pastor D. Olav Fykse Tveit,an die XIII. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode

Heiliger Vater,
verehrte Eminenzen und Exzellenzen,
sehr geehrte Delegierte und Beobachter,
Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten” (1 Kor 2,2).
Das lebendige Wort Gottes, das uns im Kreuz und in der Auferstehung Jesu Christi offenbart wurde, ist die Frohbotschaft, das euangelion, das all jene, die Jesus Christus als Herrn und Retter bekennen, in allen Bereichen ihres Lebens verkünden müssen. Es liegt eine Logik in der Weiterführung des Themas, das für die XII. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode gewählt worden war, und an Johannes 1,14, erinnerte: Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit, und dem Thema dieser XIII. Ordentlichen Generalversammlung, das den Schwerpunkt auf .die neue Evangelisierung legt.
Die Rechtfertigung in Christus, die Verkündigung des Evangeliums und der Ruf zur Heiligkeit sind in der Gemeinschaft der Gläubigen, Glieder des einen Leibes Christi (1 Kor 12,12 ff), untrennbar miteinander verbunden .
Die Kirche wird dann gebaut, wenn die Menschen verwandelt werden, die Christus empfangen, das fleischgewordene Wort Gottes, in der Kraft des Heiligen Geistes. Die Menschen werden glaubwürdige und sichtbare Jünger Christi, wenn sie die Heilige Eucharistie feiern, Bibeltexte meditieren und in ihrem Heim und bei ihren Familien, auf den Straßen oder am Arbeitsplatz, wo sie als Arbeiter, Unternehmer, Forscher und vielen anderen Berufen Zeugnis ablegen für das Evangelium.
Das Zweite Vatikanische Konzil erklärt im Dogmatischen Konstitution Dei Verbum: “Der Heilige Geist, durch den die lebendige Stimme des Evangeliums in der Kirche und durch sie in der Welt widerhallt, führt die Gläubigen in alle Wahrheit ein und läßt das Wort Christi in Überfülle unter ihnen wohnen (vgl. Kol 3,16)” [Nr.8].
Wir haben das Zweite Vatikanische Konzil als einen außergewöhnlichen Moment der Erneuerung der katholischen Kirche im Geiste des Evangeliums erlebt. Das hat der Generalsekretär des ÖRK-Zentralausschusses, Pastor Dr. Walter Altmann, in seiner Grußadresse anläßlich der letzten Tagung im September dieses Jahres in Kreta betont. Wir haben unsere Dankbarkeit und Freude darüber zum Ausdruck gebracht, daß sich die katholische Kirche durch das Dekret über den Ökumenismus (Unitatis Redentegratio) der ökumenischen Bewegung geöffnet hat, und der Suche nach einer sichtbaren Einheit neuen Elan gegeben hat. Das Dekret gab den Christen auf der ganzen Welt Hoffnung und Neuanstösse.
Die dogmatischen Konstitutionen, Stellungnahmen und Dekrete des Konzils waren und sind nicht nur relevant für die Erneuerung der katholischen Kirche, sondern auch für die Ökumene. Das Zweite Vatikanische Konzil war auch in der positiven Rezeption der damaligen ökumenischen und theologischen Forschung ökumenisch, die die Ergebnisse der Arbeit der “Faith and Order Commission” [Kommission für Glauben und Kirchenverfassung] miteinschloss. Sehr bedeutungsvoll war die Einladung, die auf alle brüderlichen Beobachter ausgedehnt wurde, wie auch die ihnen gegebenen Möglichkeiten, zu interagieren. Das erscheint heute selbstverständlich. Zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils war das jedoch ein bemerkenswertes Zeichen der Aufgeschlossenheit Christen anderer Traditionen gegenüber. Ihre Präsenz trug dazu bei, die trennende Wand der Feindschaft niederzureißen (Eph 2, 14).
Dank der Lektüre der Texte und der neuen Initiativen des Zweiten Vatikanischen Konzils, wuchs meine Überzeugung, daß die Einheit ein Geschenk des Lebens ist, das uns als Leib Christi gegeben wird, in dem wir alle einander brauchen. Für die Einheit der Kirche zu wirken bedeutet, für die Einheit des Lebens zu wirken; die Verschiedenheit, die uns Gott in den vielen Kulturen, Kontexten und Sprachen gegeben hat, anzuerkennen und wertzuschätzen. Als Leib Christi ist die Kirche solidarisch mit der ganzen Menschheit und der ganzen Schöpfung verbunden, und betet darum, dass Gott sie zu Gerechtigkeit und Frieden führen möge.
Wir haben in den letzten 50 Jahren einen weiten Weg zurückgelegt. Das von Kardinal Kasper veröffentlichte Buch Die Früchte ernten, die Studie über das Thema Reception der gemeinsamen Arbeitsgruppe des ÖRK und der katholischen Kirche, und andere ähnliche Initiativen haben gezeigt, wieviel schon erreicht werden konnte, aber sie verweisen auch auf wichtige Aufgaben, die wir auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirche in einem Glauben und einer eucharistischen Gemeinschaft noch bewältigen müssen.
Wenn wir an all das denken, was in den letzten 50 Jahren erreicht werden konnte, erkennen wir auch, wie sehr sich der Kontext und damit auch die Bedingungen für die Verkündigung des Evangeliums in den verschiedenen Kulturen und Gesellschaften der Welt verändert haben. Die Realität, der wir uns stellen müssen, ist schnellen Veränderungen unterworfen, sie ist voller Widersprüche, die nicht verallgemeinert werden können, und uns vor neue Herausforderungen stellen. Ihr Wirken für die neue Evangelisierung und das nun beginnende Jahr des Glaubens werden uns allen helfen, mehr über die Verkündigung des Evangeliums in den verschiedenen heutigen Kontexten zu lernen, und hoffentlich viele Gelegenheiten zur Zusammenarbeit schaffen als Zeichen der Einheit, die uns bereits in Christus gegeben ist und nach der sich so viele Christen sehnen.
Möge Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist allzeit mit euch sein und alle eure Beratungen segnen:
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus (1 Kor 1,3).

[00158-05.11] [DF003] [Originaltext: Englisch]

 

 

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