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13 - 12.10.2012
INHALT
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AUDIENZEN UND
ESSEN MIT DEM HEILIGEN VATER
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ACHTE GENERALKONGREGATION (FREITAG, 12. OKTOBER 2012 - NACHMITTAG)
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ZUSAMMENSETZUNG DER KOMMISSION FÜR DIE ABSCHLUSSBOTSCHAFT
- MITTEILUNGEN
AUDIENZEN UND ESSEN MIT DEM HEILIGEN VATER
Heute vormittag hat der Heilige Vater Benedikt XVI. Seine Heiligkeit
BARTHOLOMAIOS I., Erzbischof von Konstantinopel, Ökumenischer
Patriarch (TÜRKEI), und sein Gefolge in Privataudienz empfangen.
Danach empfing der Heilige Vater in der Sala Clementina die
Bischöfe, die am Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzil
teilgenommen haben, sowie die Patriarchen und Erzbischöfe der
katholischen Ostkirchen und die Präsidenten der Bischofskonferenz,
die gestern bei der Eröffnung des Jahres des Glaubens zum 50.
Jahrestag des Beginns der Konzilsarbeiten auf dem Petersplatz
konzelebriert haben.
Danach hat der Heilige Vater die Synodenväter und die anderen
Teilnehmer der XIII. Ordentlichen. Generalversammlung der
Bischofssynode sowie die zuvor in Audienz empfangenen Bischöfe zum
Mittagessen geladen.
An dem Essen nahmen der Ökumenische Patriarch und Seine Gnaden Rowan
Douglas WILLIAMS teil, Erzbischof von Canterbury, Primas von ganz
England und der Anglikanischen Gemeinde (GROSSBRITANNIEN).
Nach dem Essen richtete der Heilige Vater folgende Worte an die
Gäste:
Heiligkeit,
Euer Gnaden,
liebe Brüder,
zunächst möchte ich Ihnen eine erfreuliche Mitteilung machen: wir
werden heute abend nicht um halb fünf beginnen- was mir unmenschlich
scheint -, sondern um Viertel vor sechs.
Die schöne Tradition, die Synode mit einem gemeinsamen Essen zu
krönen, haben wir dem seligen Papst Johannes Paul II. zu verdanken.
Es freut mich, dass zu meiner Rechten Seine Heiligkeit Patriarch
Bartholomaios, Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, Platz
genommen hat, und auf der anderen Seite Erzbischof Rowan Williams
von der Anglikanischen Gemeinschaft.
Für mich ist diese Gemeinschaft ein Zeichen, dass wir auf dem Weg
zur Einheit sind und im Herzen weiter voranschreiten. Der Herr wird
uns helfen, auch äußerlich voranzuschreiten. Mir scheint, dass uns
diese Freude auch für den Auftrag der Evangelisierung Kraft gibt.
Synodos heißt “gemeinsamer Weg”, “gemeinsam auf dem Weg sein”, und
so lässt mich das Wort synodos an den berühmten Weg denken, den der
Herr mit den beiden Emmausjüngern gegangen ist, die ein wenig ein
Sinnbild der agnostischen Welt von heute sind. Jesus, ihre Hoffnung,
war tot; die Welt leer; es schien, als gäbe es Gott wirklich nicht
oder als würde er sich nicht für uns interessieren. Mit dieser
Verzweiflung im Herzen, aber doch mit einer kleinen Flamme des
Glaubens, schreiten sie voran. Der Herr geht auf geheimnisvolle
Weise mit ihnen und hilft ihnen, das Geheimnis Gottes besser zu
verstehen, seine Gegenwart in der Geschichte, sein stilles
Einhergehen mit uns. Am Ende, beim Mahl, als die Worte des Herrn und
das Hören auf sie ihr Herz entflammt und ihren Verstand erhellt
hatten, erkennen sie ihn im Mahl, und da beginnt ihr Herz endlich zu
sehen.
So sind wir bei der Synode gemeinsam mit unseren Zeitgenossen auf
dem Weg. Beten wir zum Herrn, dass er uns erleuchte, unser Herz
entflamme, damit wir Sehende werden, dass er unseren Verstand
erleuchte; und beten wir darum, dass wir beim Mahl, in der
eucharistischen Gemeinschaft, wirklich offen sein können, ihn sehen
und so auch die Welt entflammen und dieser Welt sein Licht schenken
können.
In diesem Sinne könnte das Mahl - wie der Herr das Mittags- und das
Abendmahl als Zeichen für das Reich Gottes verwendet hat - auch für
uns ein Sinnbild des gemeinsamen Weges sein und eine Gelegenheit,
den Herrn darum zu bitten, dass er uns begleite, uns helfe. In
diesem Sinne sprechen wir jetzt das Dankgebet...
Angenehme Mittagsruhe! Auf Wiedersehen in der Synodenhalle! Danke!
[00193-05.09] [NNNNN] [Originaltext: Italienisch]
ACHTE GENERALKONGREGATION (FREITAG, 12. OKTOBER 2012-
NACHMITTAG)
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REDE DES SONDERGASTES PROF. WERNER ARBER, PROFESSOR FÜR
MIKROBIOLOGIE AM BIOZENTRUM DER UNIVERSITÄT BASEL, PRÄSIDENT DER
PÄPSTLICHEN AKADEMIE FÜR DIE WISSENSCHAFTEN (SCHWEIZ)
Heute, am Freitag, den 12. Oktober 2012, hat um 18.05 Uhr in
Anwesenheit des Heiligen Vaters die Achte Generalkongregation mit
dem Gebet Pro felici Synodi exitu begonnen.
Turnusmäßiger Delegierter Präsident: S. Em. Kard. Francisco ROBLES
ORTEGA, Erzbischof von Guadalajara (MEXIKO).
Zu Beginn der Generalkongregation hat der Generalsekretär die
Zusammensetzung der Kommission für die Abschlussbotschaft
mitgeteilt, die wir in diesem Bulletin veröffentlichen.
Dann hat der Delegierte Präsident dem Sondergast Prof. Werner ARBER,
Professor für Mikrobiologie am Biozentrum der Universität Basel
(Schweiz), Präsident der Päpstlichen Akademie für die
Wissenschaften, das Wort erteilt. Er sprach zum Thema: “Betrachtung
über die Beziehungen zwischen den Wissenschaften und religiösem
Glauben”.
Darauf folgten freie Redebeiträge:
An dieser Generalkongregation, die um 18.55 Uhr mit dem Angelusgebet
abgeschlossen wurde, haben 232 Synodenväter teilgenommen.
REDE DES SONDERGASTES PROF. WERNER ARBER, PROFESSOR FÜR
MIKROBIOLOGIE AM BIOZENTRUM DER UNIVERSITÄT BASEL, PRÄSIDENT DER
PÄPSTLICHEN AKADEMIE FÜR DIE WISSENSCHAFTEN (SCHWEIZ)
Bei der Vorstellung des Sondergastes sagte der Delegierte Präsident
folgende Worte:
Arber ist ein Schweizer Mikrobiologe und Genetiker. 1978 wurde ihm
für die Entdeckung der Restriktionsenzyme zusammen mit den
amerikanischen Forschern Hamilton Smith und Daniel Nathans der
Nobelpreis für Physik oder Medizin verliehen. Das Konzept der
transduzierenden Hybrid-Viren diente anderen später als Modell für
die Vektorklonierung in der rekombinanten DNA-Technologie.
Werner Arber wurde nicht nur mit vielen Preisen, Auszeichnungen und
Mitgliedschaften geehrt, sondern gehört auch dem “World Knowledge
Dialogue Scientific Board” an, ist assoziiertes Mitglied der
Akademie für Wissenschaften für Entwicklungsländer (TWAS) (seit
1997), sowie Präsident des Internationalen Rats der
Wissenschaftsunionen (ICSU) (1996-1999).
Seit 1981 ist er Mitglied der Päpstlichen Akademie der
Wissenschaften. Im Januar 2011 ernannte ihn der Heilige Vater, Papst
Benedikt XVI., zum Präsidenten der Päpstlichen Akademie der
Wissenschaften, womit zum ersten Mal ein Protestant dieses Amt
innehat.
Erteilen wir Professor Werner Arber jetzt das Wort.
[00179-05.05] [NNNNN] [Originaltext: Spanisch]
Daraufhin hielt der Sondergast seine Ansprache:
Einleitung
Neugier ist eine grundlegende Eigenschaft des menschlichen Geistes.
Einerseits ist sie die treibende Kraft für wissenschaftliche
Untersuchungen zur Identifizierung von Naturgesetzen. Andererseits
ist die Neugier auch die Grundlage für das Interesse eines jeden
Menschen, die grundlegenden Gesetze der Natur zu kennen, als
wesentlicher Beitrag zu seiner Suche nach Sinn und Wahrheit. Während
die Naturwissenschaften bei weitem keine entsprechende Antwort auf
alle Fragen geben können, insbesondere nicht auf jene, die die
natürliche Sphäre übersteigen, nehmen verschiedene Glaubensformen
(einschließlich derer, die religiösen Ursprungs sind) ebenfalls
einen wichtigen Platz bei Beantwortung der Sinnfrage ein. Sie sind
wesentliche Teile des Orientierungswissens, das als Leitfaden für
das menschliche Handeln dient. In diesem Zusammenhang stellen wir
hier die Frage nach den gegenseitigen Beziehungen zwischen
wissenschaftlicher Erkenntnis und grundlegenden Glaubensinhalten und
nach ihrer Kompatibilität.
Kontext und Bedeutung des Orientierungswissens
Das Orientierungswissen wird unser ganzes Leben hindurch im
menschlichen Geist aufgebaut und aktualisiert. Es enthält Elemente,
die bereits in der embryonalen Phase und in der frühen Kindheit
erworben wurden. Dann wird es bereichert durch Erziehung und Bildung
sowie durch die persönliche Suche nach Wahrheit. So wird fundierte
wissenschaftliche Erkenntnis den verschiedenen Formen des Glaubens,
einschließlich des religiösen Glaubens, zur Seite gestellt. Wir
können übrigens Agnostikern auch einen bestimmten Glauben
zuschreiben, nämlich den an die Nichtexistenz Gottes. In unserem
täglichen Handeln und besonders dann, wenn wichtige Entscheidungen
zu treffen sind, werden wir bewußt oder oft auch unbewußt von
unserem Orientierungswissen gesteuert. Wir können das
Orientierungswissen als sozialisierendes Element in unserem Leben
betrachten. Es trägt dazu bei, unser Handeln mit unserem Leben in
Gemeinschaft und mit einem nachhaltigen Gebrauch unserer Lebensräume
und der vorhandenen Ressourcen in Einklang zu bringen.
Die kosmische Evolution und die biologische Evolution sind
Tatsachen, die wichtige Naturgesetze offenbaren.
Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften befaßt sich immer wieder
mit den ständig wachsenden wissenschaftlichen Erkenntnissen in
beiden Bereichen: der Evolution des Universums und der Evolution des
Lebens. Dies geschieht zum großen Teil auf der Grundlage der
Beobachtung der ständigen Evolution. Zumindest einige der so
gewonnenen Erkenntnisse können uns erlauben, auch Rückschlüsse auf
frühere Evolutionsprozesse zu ziehen. Bisher gibt es in der
Wissenschaft jedoch noch keine genauen Erkenntnisse über die
Ursprünge der kosmischen Evolution (Wie sind zum Beispiel die
Grundteilchen, die Bausteine der Materie, entstanden?) oder über die
Ursprünge des Lebens (Wie sind all die Elemente, die für die
Lebensvorgänge notwendig sind, zusammengekommen?). Mit anderen
Worten, wir haben bisher keinen sicheren wissenschaftlichen Nachweis
für eine sogenannte "creatio ex nihilo", mit der die Philosophie
sich befassen muß. Andererseits sind die andauernden
Evolutionsprozesse des Universums und des Lebens heute gut fundierte
wissenschaftliche Tatsachen und dienen als wesentliche Elemente
unablässiger Schöpfung.
In den letzten Jahrhunderten und zunehmend in den letzten
Jahrzehnten haben wissenschaftliche Untersuchungen durch
hocheffiziente Forschungsstrategien gezeigt, daß unser Universum ein
enormes Ausmaß besitzt und außer einer sehr großen Anzahl von
Sonnensystemen auch die immer noch mysteriöse sogenannte Dunkle
Materie und Dunkle Energie enthält. Und dieser ganze Komplex, von
dem unser Planet Erde nur ein winzig kleines Teilchen ist, befindet
sich bekanntlich in langsam fortschreitender, ständiger Evolution.
Auf unserem Planeten kann jeder aufmerksame Beobachter die
physikalische Evolution in relativ kleinen Schritten, wie
Erdrutschen, wahrnehmen.
Gegenwärtig nehmen wir an, daß es auch auf einigen außerirdischen
Planeten Leben geben könnte, aber ein wissenschaftlicher Nachweis
für diese Annahme steht noch aus. Andererseits haben die
Biowissenschaften umfassendes fundiertes Wissen über die komplexen
Lebensprozesse erworben, sowohl im Hinblick auf die Vorgänge in
einzelnen Organismen als auch auf die ständige biologische Evolution
auf der Ebene von Populationen.
Natürlich auftretende genetische Veränderungen als treibende Kraft
biologischer Evolution
Seit etwa 60 Jahren wissen wir, daß die Lebensvorgänge abhängig sind
von der genetischen Information, die in sehr langen Strängen der
Nukleinsäure DNA verschlüsselt ist. Die jeweiligen linearen
Sequenzen von nur vier verschiedenen Grundbausteinen (Nukleotiden)
sind der Schlüssel zu allen Lebensvorgängen und zur Kontrolle ihres
Ausdrucks zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort
innerhalb des Organismus. Wenn wir die aufeinander folgenden
Nukleotide mit der Buchstabenfolge in unseren Texten vergleichen, so
entspricht die genetische Information einer einzelligen Bakterie dem
Inhalt eines Buches. Das vielstudierte E.coli-Bakterium entspricht
beispielsweise dem Informationsgehalt der Bibel. Im Gegensatz dazu
haben mehrzellige Pflanzen und Tiere genetische Information, die
einer Enzyklopädie von oft mehreren 100 und bis zu 1000 Bänden vom
Umfang der Bibel entspricht. Das menschliche Genom entspricht etwa
700 solcher Bände.
Die genetische Information wird von Generation zu Generation
weitervererbt Nur gelegentlich tritt in diesem Prozeß eine
Veränderung gegenüber den elterlichen Nukleotidsequenzen auf. Einige
dieser Abweichungen verursachen eine Veränderung einer
phänotypischen Eigenschaft des betreffenden Organismus. Bekanntlich
wirken sich solche Abweichungen meist eher negativ auf die
Lebensvorgänge aus als dem betreffenden Organismus einen
funktionalen Vorteil zu verschaffen. Ein beträchtlicher Teil der
natürlich auftretenden Sequenzabweichungen hat außerdem keine
unmittelbare Auswirkung auf die Lebensfunktionen.
Der Theorie der biologischen Evolution zufolge - sie beruht auf
Charles Darwins Postulat der natürlichen Selektion, die auf
phänotypische Abweichungen einwirkt -, ist die natürliche Entstehung
genetischer Abweichungen die treibende Kraft der biologischen
Evolution. Die wissenschaftliche Forschung in den letzten
Jahrzehnten hat deutlich gemacht, daß viele verschiedene Mechanismen
zur Entstehung neuer genetischer Abweichungen beitragen können. Der
Beitrag bisher bekannter Molekularmechanismen kann einem, in einigen
Fällen auch zwei allgemeinen mutationserzeugenden Vorgehensweisen,
die bei Lebewesen vorhanden sind, zugeordnet werden. Einer dieser
natürlichen Vorgänge genetischer Abweichung bringt eine lokale
Veränderung der Nukleotidsequenz mit sich: zum Beispiel eine
Nukleotidsubstitution, das Weglassen eines oder mehrerer
benachbarter Nukleotide, die Einfügung eines oder mehrerer
zusätzlicher Nukleotide oder auch die Vertauschung mehrerer
benachbarter Nukleotide. Das kann durch die Replikation von
DNA-Molekülen oder durch das Einwirken eines Mutagens geschehen. Ein
zweiter natürlicher Vorgang genetischer Veränderung bringt eine
segmentweise Neuanordnung der vorhandenen genetischen Information
eines Organismus hervor. Dies kann zu einer Vervielfältigung, zu
einer Verlagerung oder zum Verlust eines gewöhnlich kleinen Teils
der genetischen Information des betreffenden Organismus führen. Der
dritte natürliche Vorgang genetischer Veränderung besteht im Erwerb
eines relativ kleinen Segments genetischer Information von einer
anderen Art von Organismus durch sogenannten horizontalen
Gentransfer.
Durch die natürliche Selektion werden jene seltenen Abweichungen
aussortiert und erhalten, die dem Organismus einen funktionalen
Vorteil bringen. Weiterhin ist anzumerken, daß jeder der drei
natürlichen Vorgänge der genetischen Veränderung mit
unterschiedlicher Qualität zur biologischen Evolution beiträgt.
Lokale Veränderungen der DNA-Abfolge können nach und nach zur
Verbesserung einer speziellen Funktion führen. Die Neuanordnung von
Segmenten vorhandener genetischer Information in der DNA kann zu
neuartigen Fusionen funktionaler Bereiche oder zur Fusion eines
existierenden Gens mit einem anderen Element zur Kontrolle der
Genexpression führen. Der Vorgang des Erwerbs der DNA wird letztlich
als Teilhabe am funktionalen Erfolg einer anderen Art von lebendigem
Organismus betrachtet.
Das natürliche Evolutionspotential und seine Auswirkung auf die
biologische Vielfalt
An der natürlichen Entstehung genetischer Abweichungen sind im
allgemeinen sowohl besondere Genprodukte als auch einige
nichtgenetische Elemente beteiligt. Die Produkte sogenannter
Evolutionsgene treten dabei als Variationsgeneratoren und/oder als
Modulatoren der Häufigkeit der genetischen Veränderung auf.
Nichtgenetische Elemente können Auswirkungen chemischer oder
physikalischer Mutagene, zufälliges Aufeinandertreffen und
strukturelle Unterschiede wie isomere Formen biologischer Moleküle
sein. Es ist anzunehmen, daß die Evolutionsgene in der langen
Evolutionsphase der Vergangenheit genau darauf abgestimmt worden
sind, ihre evolutionäre Funktion wahrzunehmen, die in der
gelegentlichen Erzeugung neuer genetischer Varianten besteht. Diese
Prozesse sind weitgehend zufällig, was den Ort der Veränderung der
Sequenzabweichung in der DNA und auch die Zeit der Mutagenese
angeht. Das Ausmaß jeglicher Art von genetischer Veränderung wird
natürlicherweise sehr gering gehalten. Das gewährleistet eine
ausreichende Stabilität der genetischen Information lebender
Organismen als Voraussetzung für nachhaltiges Leben in Populationen.
Die Welt der Lebewesen sorgt also aktiv für die biologische
Evolution durch ihr natürliches Potential zur biologischen
Evolution. Mit anderen Worten, die biologische Evolution ist ein
ständig andauernder Prozeß unablässiger schrittweise
voranschreitender Kreativität.
Wir wissen, daß das natürliche Evolutionspotential der Ursprung der
biologischen Vielfalt ist und daß die unablässige biologische
Evolution auch eine ständige, wenn auch sehr langsam
voranschreitende Ergänzung der biologischen Vielfalt gewährleistet.
Im Hinblick auf die weitgehend zufällige Erzeugung genetischer
Abweichungen kann man jedoch nicht erwarten, daß verlorene
biologische Vielfalt im zukünftigen Evolutionsprozeß genauso
wiederhergestellt werden kann. Vielmehr ist zu erwarten, daß die
ergänzte biologische Vielfalt hauptsächlich aus neuen Arten
mutierter Organismen besteht.
Kulturelle Werte wissenschaftlicher Erkenntnis
Wissenschaftliche Erkenntnisse über die Gesetze und Konstanten der
Natur sind unter folgenden Gesichtspunkten kulturelle Werte:
Einerseits bereichert fundierte wissenschaftliche Erkenntnis unsere
Weltsicht und trägt so zu unserem Orientierungswissen bei.
Andererseits kann wissenschaftliche Erkenntnis auch neue Zugänge zu
technischen Anwendungen und Neuerungen zum Wohl unseres Lebens und
unserer Umwelt öffnen. Da solche Neuerungen oft zur Gestaltung der
Zukunft beitragen, sollten wir idealerweise fordern, daß jede
diesbezügliche Entscheidung von einer sorgfältigen Begutachtung der
zu erwartenden Folgen abhängig gemacht wird und daß andererseits die
Zivilgesellschaft und die Kirche bereit sein müssen, zusammen mit
Wissenschaftlern und der Wirtschaft Mitverantwortung zu übernehmen
bei einer neuen Gestaltung der Zukunft, im Hinblick auf den Nutzen
für die Menschheit und ihre Umwelt. Solche Maßnahmen können dazu
beitragen, die Nachhaltigkeit des Prozesses und damit die
langfristige zukünftige Entwicklung auf unserem Planeten zu
gewährleisten.
Die Rolle von Verhaltensregeln für die Menschheit
Wir wissen, daß unser gesellschaftliches Leben einige verbindliche
Verhaltensregeln erfordert, die zu einem festen Bestandteil unseres
Orientierungswissens werden sollten. In modernen Gesellschaften
gewährleistet eine politisch begründete Gesetzgebung, daß empfohlene
Verhaltensregeln weitgehend befolgt werden. Die Annahme dieser
Regeln kann gefördert werden, wenn ihre Prinzipien auch in einem
religiösen Glauben verankert sind. In der christlichen Gesellschaft
sind wichtige Verhaltensregeln von Jesus Christus ausgegangen und
werden seit jener Zeit von Christen weitgehend befolgt. Dennoch ist
es eine wichtige Aufgabe der heutigen Gesellschaften, das etablierte
Regelwerk zu aktualisieren und der wissenschaftlichen Erkenntnis,
die wir erworben haben, dabei besondere Aufmerksamkeit
entgegenzubringen. In diesem Zusammenhang glaube ich, daß Jesus
Christus, wenn er heute unter uns leben würde, die Anwendung
fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse zum langfristigen Wohl
der Menschen und ihrer natürlichen Umwelt begrüßen würde, solange
durch eine solche Anwendung, die zur Gestaltung der Zukunft führt,
sichergestellt ist, daß die betroffenen Naturgesetze in vollem
Umfang geachtet werden.
Lassen Sie uns diese Aussage kurz durch ein Beispiel erläutern:
Durch die jüngsten Fortschritte in der Erforschung der Genome,
Proteome und Metabolome ist es möglich geworden, die biologische
Evolution darauf auszurichten, unserem Bedürfnis nach gesunder
Ernährung entgegenzukommen und zur Verbesserung der Medizin
beizutragen. Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften hat im Mai
2009 diesem Thema eine Studienwoche gewidmet und das Augenmerk dabei
besonders auf genetisch veränderte Pflanzen zur Ernährungssicherung
im Kontext der Entwicklung gerichtet. Unsere Akademie ist zu dem
Schluß gekommen, daß kürzlich eingeführte Methoden zur Herstellung
genetisch veränderter Organismen den Naturgesetzen der biologischen
Evolution folgen und keine Gefahren bergen, die in der Methode der
Gentechnik verankert sind. Denn diese Methoden beinhalten lokale
Veränderungen der Sequenzen, die Neuanordnung von Segmenten
genetischer Information, die in dem betreffenden Organismus
vorhanden ist, und/oder den horizontalen Transfer eines relativ
kleinen Abschnitts genetischer Information von einem Organismus auf
einen andersartigen Organismus. Wie bereits oben erläutert, sind
dies die drei natürlichen Vorgänge zur natürlichen Erzeugung
genetischer Abweichungen in der biologischen Evolution. Die Aussicht
auf eine Verbesserung weitverbreiteter Nutzpflanzen kann
voraussichtlich dazu beitragen, Unterernährung und Hunger in den
Entwicklungsländern einzudämmen.
Die Kompatibilität von wissenschaftlicher Erkenntnis und religiösem
Glauben
Lange Zeit haben die Menschen wissenschaftliche Erkenntnisse
hauptsächlich durch die Sinneswahrnehmung und mit Hilfe mentaler
Überlegungen einschließlich des logischen Denkens erlangt. Das
entsprechende Kapitel aus dem alttestamentlichen Buch Genesis ist
für mich ein Zeugnis für eine frühe wissenschaftliche
Weltanschauung, die es bereits vor einigen Jahrtausenden gab. Dieses
Kapitel spiegelt auch eine weitgehende Übereinstimmung zwischen
religiösem Glauben und wissenschaftlicher Erkenntnis wider. Es
bietet eine logische Abfolge von Ereignissen: Auf die Schöpfung
unseres Planeten Erde folgt die Schaffung der Voraussetzungen für
das Leben. Dann wurden die Pflanzen hinzugefügt, und diese boten in
einem nächsten Schritt Nahrung für Tiere, bevor schließlich der
Mensch hinzugefügt wurde. Ungeachtet der Frage nach der Offenbarung
ist dies eindeutig ein logischer Bericht über den möglichen
evolutionären Ursprung der Dinge durch imaginäre Ereignisse, die zu
der Natur führten, die die antiken Völker beobachteten. Aus der
Genealogie im Alten Testament kann ich auch schließen, daß seine
Autoren sich phänotypischer (also genetischer) Abweichungen bewußt
waren. Die beschriebenen Personen haben ihre eigenen persönlichen
Merkmale und sind daher keine genetisch identischen Klone von Adam
und Eva. In diesen Erzählungen finden wir eine gute Übereinstimmung
zwischen dem frühen religiösen Glauben und der wissenschaftlicher
Erkenntnis über evolutionäre Entwicklungen. Jetzt ist es unsere
Pflicht, diese Übereinstimmung auf der Grundlage der heute
vorhandenen verbesserten wissenschaftlicher Erkenntnis zu erhalten
(und wo nötig wiederherzustellen).
Meiner Überzeugung nach sind wissenschaftliche Erkenntnis und Glaube
einander ergänzende Elemente unseres Orientierungswissens und
sollten es auch bleiben.
Schlussbemerkungen
Mit besonderem Augenmerk auf die Evolution des Lebens und seiner
Lebensräume und Umwelt haben wir hier dargelegt, wie die
wissenschaftliche Erkenntnis zusammen mit anderen Elementen unseres
Orientierungswissens das menschliche Handeln beeinflußt -
einschließlich der Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse zum
Nutzen des menschlichen Wohlergehens und einer intakten Umwelt, die
einer langfristigen nachhaltigen Entwicklung unseres Planeten Erde
und seiner Bewohner dient. Die hier angeführten Beispiele können auf
jede andere Handlungsweise übertragen werden, die auf vorhandener
wissenschaftlicher Erkenntnis gründet und einer nachhaltigen
kulturellen Entwicklung dienlich sein kann. In diesem Zusammenhang
geht die Päpstliche Akademie der Wissenschaften ihrer Aufgabe nach,
die Entwicklung wissenschaftlicher Untersuchungen und die Pläne zur
Anwendung des erworbenen Wissens kritisch zu verfolgen. Sie bringt
regelmäßig Veröffentlichungen heraus, in denen sie die Welt der
Wissenschaft, die kirchliche Hierarchie sowie alle Christen und
Menschen guten Willens informiert, sowohl in Buchform als auch
digital auf ihrer Website www.pas.va, und sie gibt auch
entsprechende Empfehlungen zugunsten einer sicheren,
verantwortlichen und nachhaltigen Entwicklung.
[00131-05.07] [SP000] [Originaltext: Englisch]
ZUSAMMENSETZUNG DER KOMMISSION FÜR DIE
ABSCHLUSSBOTSCHAFT
Wir veröffentlichen im Folgenden die Zusammensetzung der Kommission
für die Abschlussbotschaft mit den Namen des Präsidenten und des
Vizepräsidenten, die vom Papst ernannt werden, den Namen von 8
Mitgliedern, die in der Sechsten Generalkongregation am gestrigen
Nachmittag gewählt wurden, sowie mit den Namen von 2 Mitgliedern,
die vom Papst ernannt wurden.
Präsident
- Kardinal Giuseppe BETORI, Erzbischof von Florenz (ITALIEN)
Vizepräsident
- S.Exz. Luis Antonio G. TAGLE, Erzbischof von Manila (PHILIPPINEN)
Mitglieder
- Kardinal Polycarp PENGO, Erzbischof von Dar-es-Salaam, Präsident
des Symposiums der Bischofskonferenzen Afrikas und Madagaskars
(S.C.E.A.M. - S.E.C.A.M.) (TANSANIA)
- Kardinal Christoph SCHÖNBORN, O.P., Erzbischof von Wien, Präsident
der Bischofskonferenz (ÖSTERREICH)
- Kardinal Gianfranco RAVASI, Präsident des Päpstlichen Rates für
die Kultur (VATIKANSTADT)
- Kardinal George ALENCHERRY, Großerzbischof von Ernakulam-Angamaly
der Syro-Malabaren, Vorsitzender der Synode der syro-malabarischen
Kirche (INDIEN)
- Kardinal Timothy Michael DOLAN, Erzbischof von New York, Präsident
der Bischofskonferenz (USA)
- S.Exz. André LÉONARD, Erzbischof von Mechelen-Brüssel, Präsident
der Bischofskonferenz (BELGIEN)
- S.Exz. John Atcherley DEW, Erzbischof von Wellington, Präsident
der Bischofskonferenz, Präsident der Föderation der Katholischen
Bischofskonferenzen Ozeaniens (F.C.B.C.O.) (NEUSEELAND)
- S.Exz. Sérgio DA ROCHA, Erzbischof von Brasília (BRASILIEN)
- S.Exz. Socrates B. VILLEGAS, Erzbischof von Lingayen-Dagupan
(PHILIPPINEN)
- P. Adolfo NICOLÁS PACHÓN, S.I., General der Gesellschaft Jesu
(Jesuiten)
MITTEILUNGEN
- ÖFFNUNGSZEITEN DES PRESSEAMTES DES HEILIGEN STUHLS
ÖFFNUNGSZEITEN DES PRESSEAMTES DES HEILIGEN STUHLS
Am morgigen Samstag, den 13. Oktober 2012, ist das Presseamt des
Heiligen Stuhls von 09.00 bis 15.00 Uhr geöffnet.
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