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14 - 13.10.2012
INHALT
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NEUNTE GENERALKONGREGATION (SAMSTAG 13. OKTOBER 2012
- VORMITTAG)
- ZUSAMMENSETZUNG DER KOMMISSION FÜR DIE VORBEREITUNG DER
ABSCHLUSSBOTSCHAFT
- ERRATA CORRIGE
NEUNTE GENERALKONGREGATION (SAMSTAG 13. OKTOBER 2012
- VORMITTAG)
- BEITRÄGE IN DER AULA (FORTSETZUNG)
- AUDITIO DELEGATORUM FRATERNORUM (III)
Heute, Samstag, 13. Oktober 2012, hat um 09.05 Uhr in Gegenwart des
Heiligen Vaters mit dem Gebet der Hora Tertia die Neunte
Generalkongregation begonnen, mit der Fortsetzung der Beiträge der
Synodenväter in der Aula zum Synodenthema «Die neue
Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens».
Turnusmäßiger Delegierter Präsident S. Em. Kard. Laurent MONSENGWO
PASINYA, Erzbischof von Kinshasa (DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO).
Im Verlauf der Generalkongregation ergriff ein Brüderlicher
Delegierter das Wort.
Am Ende der Sitzungsperiode teilte der Generalsekretär die
Zusammensetzung der Kommission für Information mit, die wir in
dieser Verlautbarung veröffentlichen.
An dieser Generalkongregation, die um 12.30 Uhr mit dem Gebet des
Angelus Domini endete, nahmen 241 Synodenväter teil.
BEITRÄGE IN DER AULA (FORTSETZUNG)
Folgende Synodenväter ergriffen das Wort:
-
S.Sel. Fouad TWAL, Patriarch von Jerusalem der Lateiner, Präsident
der Konferenz der Lateinischen Bischöfe in den arabischen Gebieten (C.E.L.R.A.)
(JERUSALEM)
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S.Exz. Francesco MORAGLIA, Patriarch von Venedig (ITALIEN)
-
S.Exz. Sócrates René SÁNDIGO JIRÓN, Bischof von Juigalpa,
Präsident der Bischofskonferenz (NIKARAGUA)
-
Kardinal Odilo Pedro SCHERER, Erzbischof von São Paulo (BRASILIEN)
-
S.Exz. Filippo SANTORO, Erzbischof von Taranto (ITALIEN)
-
S.Exz. Julio Hernando GARCÍA PELÁEZ, Bischof von Istmina - Tadó
(KOLUMBIEN)
-
S.Exz. José Guadalupe MARTÍN RÁBAGO, Erzbischof von León (MEXIKO)
-
Kardinal Peter Kodwo Appiah TURKSON, Präsident des Päpstlichen
Rates für Gerechtigkeit und Frieden (VATIKANSTADT)
-
S.Exz. José Octavio RUIZ ARENAS, Emeritierter Erzbischof von
Villavicencio, Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der
Neuevangelisierung (VATIKANSTADT)
- S.Exz. José NAMBI, Bischof von Kwito-Bié (ANGOLA)
-
P. Jose PANTHAPLAMTHOTTIYIL, C.M.I., Generalprior der Karmeliten
der Seligen Jungfrau Maria Immakulata (INDIEN)
-
Kardinal George
ALENCHERRY, Großerzbischof von Ernakulam-Angamaly der Syro-Malabaren,
Vorsitzender der Synode der syro-malabarischen Kirche (INDIEN)
-
S.Exz. Jesús Esteban SÁDABA PÉREZ, O.F.M. Cap., Titularbischof von
Assura, Apostolischer Vikar von Aguarico (ECUADOR)
-
S.Exz. François LAPIERRE, P.M.E., Bischof von Saint-Hyacinthe
(KANADA)
- S.Exz. António José DA ROCHA COUTO, S.M.P., Bischof von Lamego
(PORTUGAL)
-
S.Exz. Bonifacio Antonio REIMANN PANIC, O.F.M., Titularbischof von
Saia maggiore, Apostolischer Vikar von Ñuflo de Chávez (BOLIVIEN)
-
P. Marco TASCA, O.F.M. Conv., Generalminister der Franziskaner
Minderbrüder
-
S.Exz. Nikolaos FOSKOLOS, Erzbischof von Athēnai,
Apostolisch Verwalter "sede vacante et ad Nutum Sanctae Sedis" in
Rhodos (GRIECHENLAND)
-
S.Exz. Petru GHERGHEL, Bischof von Iaşi
(RUMÄNIEN)
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S.Exz. Manuel José MACÁRIO DO NASCIMENTO CLEMENTE, Bischof von
Porto (PORTUGAL)
-
P. Julián CARRÓN, Präsident der Bruderschaft "Comunione e
Liberazione" (ITALIEN)
-
S.Exz. Leo Laba LADJAR, O.F.M., Bischof von Jayapura (INDONESIEN)
-
S.Sel. Baselios Cleemis THOTTUNKAL, Großerzbischof von Trivandrum
der Syro-Malankaren, Vorsitzender des Synods der
syrisch-malankarischen Kirche (INDIEN)
-
S.Exz. Berislav GRGIĆ{lang1031
, Bischof-Prälat von Tromsø (NORWEGEN)
Wir geben hier in der Folge die Zusammenfassungen der Beiträge
wieder:
- S.Sel. Fouad TWAL, Patriarch von Jerusalem der Lateiner, Präsident
der Konferenz der Lateinischen Bischöfe in den arabischen Gebieten (C.E.L.R.A.)
(JERUSALEM)
Die Pilgerreise zu den Heiligen Stätten und zu den ,lebendigen
Steinen“ ist ein hervorragendes Mittel, um unseren Glauben und den
der Pilger zu beleben, wobei wir den kulturellen, historischen und
geographischen Rahmen besser verstehen, in dem die Mysterien, an die
wir glauben, ihren Ursprung haben – Gelegenheit zur persönlichen und
tatsächlichen Begegnung mit der Person Jesus.
Die Christen des Heiligen Landes sind die direkten Nachkommen der
allerersten christlichen Gemeinde, welche das „kollektive lebendige
Gedenken an die Geschichte Jesus“ ist. Der Besuch der heiligen
Stätten, angemessen vorbereitet und angeleitet durch die Lektüre des
Wortes Gottes, und die Begegnung mit der Gemeinde können die
Glaubenden mit schwachem Glauben bestärken und in denen den Glauben
wieder erwecken, in denen er tot war.
In dieser Zeit, in der die Heiligen Stätten gelegentlich geschändet
und angegriffen werden, ist die Präsenz der Pilger eine wirkliche
Bezeugung des Glaubens und der Gemeinschaft mit unserer Kirche des
Kalvarienberges. Wir brauchen euch, eure Gebete und eure
Solidarität! Dorthin, wo die Apostel Jesus zuriefen, stärke unseren
Glauben“ (Lk 17,5) , kommt auch ihr, geliebte Brüder im Bischofsamt
mit euren Priestern, Seminaristen und der Gemeinde, um den Herrn um
den Glauben zu bitten und den Frieden, der uns fehlt.
Ich halte es für dringend notwendig, dass der Glaube ein Lebensstil
sei, der eine Annäherung an die anderen beinhaltet.
Wir müssen eine gewisse negative Mentalität ablegen, die im Glauben
die Zugehörigkeit zu einer soziologischen Gruppierung sieht, die zu
Militanz und Gewalt drängt. Der wahre Glaube hilft, dass wir uns
mehr als Kinder Gottes fühlen und also mehr als Brüder den anderen
gegenüber, auch um den Preis des Kreuzes und des Blutes.
Die Neuevangelisierung muss, um modern und wirksam zu sein, von
Jerusalem ausgehen: ausgehen von der ersten christlichen Gemeinde,
die in der Person Jesu verankert ist und die einen Grund hatte,
jegliches Opfer auf sich zu nehmen, dem sie ausgeliefert war, und
auch die Hingabe des eigenen Lebens auf sich zu nehmen. Unsere
Gemeinden sind eine Minderheit inmitten von Andersgläubigen . Die
Rahmenbedingungen haben sie dazu gedrängt, sich abzukapseln, sie
sind besorgt, sich zu verteidigen, sensibel hinsichtlich ihrer
Rechte, wach in Hinsicht auf ihre Heiligen stätten und ihren Ritus.
In sich zurückgezogene und verängstigte Gemeinden. Für viele ist der
Glaube ein ererbtes und soziales Faktum, während er in Wahrheit
stärker persönlich und einsatzbezogen sein sollte. Es geht nicht um
das Überleben, sondern um den Durchbruch und die Kommunikation.
[00146-05.03] [IN115] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. Francesco MORAGLIA, Patriarch von Venedig (ITALIEN)
Der Beitrag betrifft die Nummern 153-157 des Instrumentum laboris:
den Punkt “Glaube und Wissen”. Auf der Linie des ständigen Lehramtes
der Kirche und, in jüngster Zeit, Johannes Pauls II. (Fides et
ratio) und Benedikts XVI. (Lectio magistralis,
Regensburg, am 12. September 2006), hoffe ich, dass die
Neuevangelisierung der Katechese mehr Platz einräumt, unter
besonderer Berücksichtigung der Komplementarität von Glaube und
Vernunft. Wir sind dankbar für den Einsatz derer, die sich mit
Kompetenz und Einfühlungsvermögen der Seelsorge in den hohen Sphären
der Kultur annehmen, wobei sie den Dialog mit den Intellektuellen
und den christlichen Wissenschaftlern und mit all denen begünstigen,
die ehrlich auf der Suche sind. Auch auf der Ebene der normalen
Katechese ist es erforderlich, in Richtung eines von der Mehrheit
geteilten Bewußtseins hinsichtlich der kulturellen Dimension des
Glaubens zu gehen, damit die Gläubigen nicht ein psychologisches
Abhängigkeitsgefühl verspüren und den Eindruck haben, der Geschichte
hinterherzuhinken. Es kommt nicht selten vor, dass der Katholik eine
Art von Minderwertigkeitskomplex der Moderne und Postmoderne
gegenüber empfindet, wegen eines persönlichen, nie gelösten
Konfliktes zwischen dem Glauben und der Vernunft. Das Schweigen des
Durchschnittskatholiken, wenn er Gründe für seine Hoffnung angeben
soll, ist sehr viel mehr als sprechend. Zusätzlich zu einer
Verstärkung der Erstverkündigung, der Bibellektüre und der Lectio
divina (in Übereinstimmung mit Dei verbum und dem
Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Verbum Domini) halte
ich es im Hinblick auf die Neuevangelisierung für erforderlich, die
strukturelle Verbindung zwischen Vernunft und Glaube zu festigen. Es
geht darum, der Kultur Einlaß in die Seelsorge des Alltags zu
verschaffen; das antwortet heute der Geschichte gegenüber auf eine
christliche “diakonia”, angesichts einer Kultur, die unter Rückgriff
auf die Ergebnisse der Wissenschaft und Technik immer elaborierter
wird und ein instrumentelles und funktionales Denken hervorbringt.
Unter diesen Umständen verliert in Italien eine große Mehrheit der
Jugendlichen nach Abschluss der Initiation ins Christentum ihre
Bindung an die Kirche, an den Glauben, an Gott. Die Gründe dafür
sind vielfältiger Natur, ich bin allerdings der Ansicht, dass in
nicht wenigen Fällen der Glaube nicht von einer vernunftfreundlichen
Katechese unterstützt wird, die dazu fähig ist, ein echtes
anthropologisches Angebot zu machen und in der Lage ist, die
Plausibilität der Entscheidung für den christlichen Glauben zu
legitimieren. Es ist erforderlich, dass der Katechismus der
Katholischen Kirche neu lanciert wird, wobei dessen Inhalten mehr
Platz eingeräumt werden muß, damit sich der Glaube nicht darauf
reduziert, ein “hausgemachter” Glaube zu werden. Oft ist in unserer
Katechese die fides quae äußerst spärlich vertreten; die
Methodik ist wichtig, aber nicht auf Kosten der Inhalte oder der
Erfahrung, die in den Rang eines theologischen Ortes erhoben wird.
Wenn mit Gott oder ohne Gott alles anders ist, dann ist es unsere
Pflicht, die Katechese wieder auf Gott auszurichten und darauf, was
die christliche Offenbarung über ihn sagt, ohne dabei zu vergessen,
dass der Gott Jesu Christi - wie es uns Benedikt XVI. In Erinnerung
ruft - zugleich Agape und Logos ist.
[00177-05.05] [IN140] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. Sócrates René SÁNDIGO JIRÓN, Bischof von Juigalpa,
Präsident der Bischofskonferenz (NIKARAGUA)
Im Blick auf die neue Evangelisierung müssen wir bedenken, dass es
in den Evangelien zahlreiche konkrete Beispiele für die Weitergabe
des Glaubens in personalisierter Form gibt, wie jene, die im
Gleichnis vom verlorenen Schaf aufscheinen (Lk 15, 1-7; Mt
18, 12-14), oder bei Jesus selbst in der Begegnung mit der
samaritanischen Frau (Joh 4, 7-27) und Nikodemus (Joh
3, 1-21): das löst bei jenen, die das Wort des Herrn empfangen, eine
positive Antwort aus. In Aparecida haben wir Bischöfe Lateinamerikas
auf der Grundlage unserer Erfahrung herausgestellt, wie wichtig es
ist, den Glauben auf eine personalisierte Weise weiterzugeben; man
muss nur bedenken, wie sehr sich die Person geschätzt fühlt in dem
Moment, in dem sie in der Art, wie wir sie behandeln, ganz im Stile
Jesu, die Bedeutung wahrnehmen kann, die sie für Gott und für die
Kirche hat.
Bei der Perspektive der neuen Evangelisierung dürfen wir den Umstand
nicht vernachlässigen, dass das zahlenmäßige Wachstum der Kirche
wahrscheinlich bewirkt hat, dass dem Einzelnen nicht mehr genug
Aufmerksamkeit gewidmet wurde, wie es dagegen Jesus getan hat. So
ist eine Situation entstanden, in der viele Getaufte nicht
individuell betreut werden, so dass die Definition “viele nicht
evangelisierte Getaufte “ geprägt wurde. Diese personalisierte Art
und Weise, den Glauben weiterzugeben, bedarf vieler Mitglieder, die
der einzelnen Person ihre Zeit widmen können, und dafür ist es
notwendig, die Unterstützung einer Familie zu haben, die Familie
“war und ist die Schule des Glaubens, Übungsplatz
menschlicher und ziviler Werte” (Eröffnungsbotschaft Papst Benedikts
XVI. in Aparecida).
Konkret gesagt, wenn man mit der neuen Evangelisierung den Glauben
weitergeben will, der sich derzeit in einer Krise befindet, muss sie
sich auch um die Familie kümmern, denn so hat der Heilige Vater
Papst Benedikt XVI. in der Predigt zur Eröffnung der Synode am 7.
Oktober gesagt hat: “Es besteht eine offenkundige Entsprechung
zwischen der Krise des Glaubens und der Krise der Ehe.”
[00113-05.10] [IN085] [Originaltext: Spanisch]
- Kardinal Odilo Pedro SCHERER, Erzbischof von São Paulo (BRASILIEN)
Die Neuevangelisierung braucht „neue Evangelisierer“. Mehr als neue
Methoden und technische Ressourcen sind Verkünder des Evangeliums
nötig, die eine tiefe Glaubenserfahrung haben, genährt von der
Gemeinschaft mit Gott.
Die Heiligen waren in der Geschichte der Kirche echte Christen und
die wirksamsten Evangelisierer. Seit den Zeiten der Apostel und der
ersten Märtyrer konnte die Kirche in den schwierigsten Zeiten ihres
Bestehens und ihrer Mission auf die Zeugenschaft der Heiligen
zählen: heilige Märtyrer und Bekenner, heilige Priester und
Kirchenlehrer, heilige Missionare und Prediger, heilige Mystiker,
geweihte Jungfrauen, Heilige der Nächstenliebe, heilige
Ordensgründer. Diese waren immer wahre Jünger und Missionare Jesu
und seine Zeugen in der Welt! In jedem Land haben die lokal oder von
der ganzen Kirche verehrten Heiligen stets den Glauben der Gläubigen
unterstützt und tun dies noch immer; sie sind ihnen ein Beispiel des
Lebens und darüber hinaus brüderliche Fürsprecher. Die Orte der
Heiligen (Heiligtümer) sind Orte des Glaubens und der Tröstung für
das Volk der Gläubigen.
Deshalb kann die Neuevangelisierung im Leben, im Zeugnis und in der
Fürsprache der Heiligen eine unermessliche Quelle finden. Die
Verehrung der Heiligen und die „Gemeinschaft“ mit den Heiligen
erlauben den Gläubigen, die Nähe zu jenem „Geheimnis des Glaubens“
zu erleben, an das die Kirche glaubt und das von ihr der Welt
verkündet wird.
Dieses „Geheimnis des Glaubens“, das der dreifaltige Gott ist, der
uns durch Jesus Christus nahe geworden ist, hat vor uns viele
Heilige fasziniert und kann auch die Männer und Frauen unserer Zeit
faszinieren.
Das Leben, das Zeugnis und die Fürsprache der Heiligen ist ein
großer Schatz der Kirche und kann von großer Hilfe für die
Neuevangelisierung sein!
[00114-05.04] [IN086] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. Filippo SANTORO, Erzbischof von Taranto (ITALIEN)
Die Neuevangelisierung dürstet danach, inzwischen weit entfernten
Christen zu begegnen und mit der aktuellen Kultur der Welt in Dialog
zu treten. Aber die Welt hat häufig keinerlei Verlangen nach einem
Dialog mit uns, und wenn sie ihn führt, dann nur in Kämpfen, die von
ihr gemäß der Geisteshaltung der Zeit festgelegt wurden. Aber auch
zu Beginn der Evangelisierung hatte niemand Interesse, mit den
Christen einen Dialog zu führen, mit jener kleinen Schar seltsamer
Menschen, die glaubten, dass ein gekreuzigter Mann auferstanden sei.
Aber es war genau jene Welt, an die sie sich wandten, indem sie die
Erfahrung eines veränderten Lebens und den Vorschlag der Erlösung
denen zeigten, die sie ignorierten und sie verfolgten. Jener Welt
antwortete man nicht mit einem Vortrag, sondern mit dem Wunder einer
veränderten Menschheit.
Nach 27 Jahren Mission und Dienst für die Kirche in Brasilien bin
ich nach Italien in eine Diözese alter Evangelisierung
zurückgekehrt, in ein Umfeld weitverbreiteter unddeutlich spürbarer
Volksfrömmigkeit, wo der Glaube stark von der Säkularisierung
herausgefordert wird. Wegen der umweltverpestenden Auswirkungen der
größten Eisenhütte Europas laufen 12.000 Personen Gefahr (20.000 mit
Zulieferbetrieben), ihren Arbeitsplatz zu verlieren, während viele
andere Personen schon Opfer von Tumoren und anderen ernsten
Krankheiten aufgrund der Umweltbelastung geworden sind.
Die Kirche hat nicht lediglich zugeschaut: sondern hat sofort Partei
ergriffen zur Verteidigung des vom Dioxin und von anderen giftigen
Substanzen bedrohten Lebens, aber sie hat auch die Arbeit
verteidigt, die die Entwicklung des Lebens ermöglicht. Da wir nicht
ein Rezept für die Lösung dieses ernsten Problems haben, haben wir
eine solidarische Präsenz und eine konkrete Unterstützung denen
angeboten, die von den entsetzlichen Auswirkungen dieser traurigen
Alternative in dieser Zeit der Rezession der Weltwirtschaft
betroffen sind. Wir bieten keine Lösungen an, sondern Nähe im
Bewusstsein des Sendungsauftrags, Pilger zu sein neben denen, die
leiden, um den Dialog und das Gemeinwohl herzustellen. Aus diesem
Grunde habe ich die Arbeiter des Hochofens 5 besucht, die in 60
Metern Höhe streikten, und habe die Tumorkranken getroffen, ich habe
die Lega zum Kampf gegen die Leukämie besucht, zum Kampf gegen
Multiple Sklerose, den Nationalen Verband zur Bekämpfung von Tumoren
und andere Verbände, unter ihnen die Kinderinitiative gegen
Umweltverschmutzung. Aber der Konflikt schwelt weiter, und wir sehen
die tiefe menschliche und soziale Krise dieses Modells der
ökonomischen Entwicklung.
Jesus hat sich der Not angenommen, er hat sich auf die Seite der
Armen, der Sünder, der Ausgestoßenen gestellt. Er hat sie geliebt,
und damit hat er das Antlitz des Vaters offenbart.
[00116-05.04] [IN087] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. Julio Hernando GARCÍA PELÁEZ, Bischof von Istmina - Tadó
(KOLUMBIEN)
Auch wenn die Kirche für die Weitergabe des Glaubens verantwortlich
ist, so sind es doch die Bischöfe, die zuständig dafür sind, daß sie
auf eine neue Art und Weise erfolgt.
Der Bischof kann nicht auf die Ausübung seines Charismas verzichten,
das ihn als Evangelisierer verpflichtet. Er wird unterstützt vom
Heiligen Geist, damit er neue Methoden für die Weitergabe des
Glaubens fördert, vorschlägt und schafft, in dieser spirituellen
Wüste,in der sich die Menschheit heute befindet.
Die Evangelisierung gehört zur Dimension und zur Berufung des
Bischofs. Er würde den Auftrag des Herrn nicht treu und gehorsam
erfüllen, wenn er die Evangelisierung nicht zu seiner Hauptaufgabe
machte. Der Bischof evangelisiert nicht, weil es ihm gefällt, oder
aus strategischen Gründen, sondern weil er dazu gerufen und gesandt
wurde.
Wenn der Bischof diese apostolische Verantwortung aus innerster
Überzeugung voll übernimmt, kommt es zu einer radikalen Veränderung,
zu einer echten pastoralen Bekehrung in der Teilkirche. Der Bischof,
der Hauptverantwortliche für die Weitergabe des Glaubens, wird
Protagonist dieser Veränderung. Dank der Erneuerung des
apostolischen Charismas führt er seine Teilkirche zu einer ständigen
Mission und setzt all seine Kräfte und Ressourcen für das Kerygma,
die Katechese, das Leben in der Gemeinschaft und die Solidarität
ein, damit es ihr in systematischer und vollständiger Weise nie
daran fehlen möge.
Der Bischof weiß, daß er nicht allein ist. Er wird vom Geist des
Auferstandenen unterstützt, von der Fürsprache der großen
Evangelisierer und vom ganzen zahlreichen Volk. Als Nachfolger der
Apostel sind seine ganze Energie und sein ganzes Handeln darauf
gerichtet, der Menschheit, die nach der Liebe Gottes dürstet, den
Glauben weiterzugeben.
[00117-05.05] [IN088] [Originaltext: Spanisch]
- S.Exz. José Guadalupe MARTÍN RÁBAGO, Erzbischof von León (MEXIKO)
Im lateinamerikanischen Lehramt gibt es häufige Verweise auf den
pastoralen Wert der Volksfrömmigkeit.
Wir erkennen an, dass die Evangelisierung und die Läuterung der
Volksfrömmigkeit Herausforderungen darstellen, die mit pastoraler
Kreativität angegangen werden müssen, da die Volksfrömmigkeit, wenn
sie dem reinen Sentimentalismus und der Folklore überlassen bleibt,
die Schaffung einer Kultur verhindert, die wirklich evangelisierend
ist und die Strukturen der Sünde verwandelt: soziale Ungleichheit,
Gewalt, Ungerechtigkeit und andere Phänomene, die die Würde der
Person verletzen und das brüderliche Zusammenleben gefährden.
Ich möchte Ihnen hier eine Initiative vorstellen, die anderen
vielleicht als Inspiration dienen kann: die mexikanische Diözese
Querétaro organisiert jedes Jahr eine Pilgerfahrt zur Basilika
Unserer Lieben Frau von Guadalupe. Und das nun schon zum 122. Mal.
Die Zahl der Pilger beläuft sich auf ca. 40.000, und sie sind in
Gruppen eingeteilt, die von Priestern, Seminaristen und Laien
geleitet werden. Während dieser Wallfahrt, die 17 Tage dauert,
feiern die Priester jeden Tag die Eucharistie und spenden das
Bußsakrament.
Die Früchte sind wunderbar:
Der eucharistische Kult wird durch die Heilige Stunde intensiviert,
die jeden Tag abgehalten wird. Und die in den Diözesen und in den
Pfarreien organisierte und abgehaltene Pilgerfahrt ist zu einer
Tradition geworden, die positive Veränderungen im Leben der Menschen
bewirkt und ein größeres Engagement in der planmäßigen
Pastoralarbeit fördert.
[00118-05.05] [IN089] [Originaltext: Spanisch]
- Kardinal Peter Kodwo Appiah TURKSON, Präsident des Päpstlichen
Rates für Gerechtigkeit und Frieden (VATIKANSTADT)
Als Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils schließt sich der
Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden in dieser für die ganze
Kirche und für ihre Sendung so bedeutsamen Zeit, »die Gerechtigkeit
und Liebe Christi den Armen in aller Welt zuteil werden zu lassen
..., die Gemeinschaft der Katholiken immer wieder anzuregen, den
Aufstieg der notleidenden Gebiete und die soziale Gerechtigkeit
unter den Völkern zu fördern«, mit Begeisterung dem»Prozeß der
Wiederbelebung der grundlegenden Sendung der Kirche«an, das heißt
der Neuevangelisierung.
Das Instrumentum Laboris dieser XIII. Ordentlichen
Generalversammlung hebt nämlich unter der Nr. 130 unter Bezugnahme
auf die Lehren von Papst Paul VI. und Papst Benedikt XVI. hervor, »daß
die Evangelisierung nicht vollkommen [wäre,] wenn sie nicht dem
Umstand Rechnung tragen würde, daß sich im Lauf der Zeit das
Evangelium und das konkrete, persönliche und gemeinschaftliche Leben
des Menschen gegenseitig fordern. […] Das Zeugnis für die Liebe
Christi durch Werke der Gerechtigkeit, des Friedens und der
Entwicklung gehört zur Evangelisierung, denn dem uns in Liebe
zugewandten Jesus Christus liegt der ganze Mensch am Herzen. Auf
diese wichtigen Lehren gründet sich der missionarische Aspekt der
Soziallehre der Kirche als wesentliches Element der Evangelisierung.
Die Soziallehre der Kirche ist Glaubensverkündigung und
Glaubenszeugnis. Sie ist Instrument und unverzichtbarer Ort der
Erziehung zum Glauben«. Aus der tiefgreifenden pastoralen Erfahrung
des sel. Johannes Paul II. als Erzbischof von Krakau und aus seinem
Petrusdienst ist außerdem die nachhaltigste Definition der
Soziallehre der Kirche hervorgegangen: ein »Mittel der
Evangelisierung«.
Der ursprüngliche Beweggrund der Evangelisierung ist die Liebe
Christi für das ewige Heil der Menschen; und die Verkündigung Jesu
Christi ist der wichtigste Entwicklungsfaktor.
Wenn die Erneuerung eine bleibende Notwendigkeit der Evangelisierung
ist – gilt das um so mehr für die Evangelisierung der sozialen
Werke, da ihre Strategien die Veränderungen der Gesellschaft
begleiten müssen –, so ist sie zweifellos besonders dringend in
dieser Stunde, in der wir an einem Wendepunkt der Geschichte stehen,
an dem die soziale Frage radikal zur anthropologischen Frage
geworden ist, anthropologische Frage, die zwingend die Frage nach
Gott mit sich bringt. Wenn Gott nicht ausdrücklich abgelehnt wird,
so ist man doch geneigt, die Öffnung des Menschen zur Transzendenz
für bedeutungslos zu halten.
In Anbetracht dieses Augenblicks der Geschichte ist eine
Neuevangelisierung auch des Sozialwesens dringend notwendig – nicht
nur, weil sie integrierender Teil der Neuevangelisierung selbst ist,
sondern auch, weil sie ein wirksames Mittel zu ihrer Durchführung
ist. Denn viele Menschen sind heute in immer größerem Maße
aufgeschlossen für Fragen der Menschenrechte, der Gerechtigkeit, der
Ökologie, der Bekämpfung der Armut und für Themen, die das konkrete
Leben der Menschen und das gemeinsame Leben der Nationen betreffen;
und gerade deshalb kann das “Soziale” Zugangstor zur Evangelisierung
sein.
Es geht also darum, neue Strategien zu finden. Hier einige
Vorschläge:
Beharren auf einer angemessenen Ausbildung, mit besonderem Augenmerk
auf das Studium der Soziallehre der Kirche in den Priesterseminaren,
den verschiedenen Bildungshäusern und den Pfarreien.
Die Möglichkeiten, die vom ökumenischen und interreligiösen Dialog
geboten werden, nicht vernachlässigen.
Auf der Ebene der apologetischen Haltung, von der unter der Nr. 138
des Instrumentum Laboris die Rede ist, wäre es angebracht, die große
Tradition der »sozialen Heiligkeit« besser zur Kenntnis zu bringen.
Einige Beispiele: die Priester Arcangelo Tardini und José Maria
Arizmendarrieta (Sozialpastoral), der sel. Giuseppe Toniolo (im
Bereich der Arbeit), Robert Schuman, Alcide De Gasperi und Julius
Nyerere (im Bereich der Politik).
Auf apologetischer Ebene ist auch das inspirierend, was der sel.
Johannes XXIII. in der Enzyklika Mater et Magistra gesagt hat: “Alle
Soziallehren müssen jedoch nicht nur vorgetragen, sie müssen auch
verwirklicht werden”.
Um abschließend noch einmal die Bedeutung der Neuevangelisierung des
Sozialwesens hervorzuheben: wäre es nicht denkbar, auf der Website
des Vatikans unter der Rubrik »grundlegende Texte« außer dem
Katechismus der Katholischen Kirche auch das Kompendium der
Soziallehre der Kirche erscheinen zu lassen? Und wäre es nicht auch
denkbar, dem Thema der (neuen) Evangelisierung des Sozialwesens eine
eigene Synodenversammlung zu widmen?
[00119-05.05] [IN090] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. José Octavio RUIZ ARENAS, Emeritierter Erzbischof von
Villavicencio, Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der
Neuevangelisierung (VATIKANSTADT)
Die Erhaltung und Übermittlung zahlreicher religiöser
Äußerungsformen ist, vor allem in entchristianisierten Umfeldern,
weiterhin ein beständiges Zeugnis für das unbestreitbare Dürsten
nach Gott, das in jedem Menschen angelegt ist. Wenn
dieseVolksfrömmigkeit aus dem Glauben an Christus hervorgeht und vom
Geist der Kirche belebt wird, dann wird sieb außerdem eine
authentische Frömmigkeit des Gottesvolkes, ein wertvolles und
wirksames Mittel zur Weitergabe des Evangeliums und zur Neubelebung
des Glaubens in denen, die dem Glauben fernstehen.
Daher muß, damit die Volksfrömmigkeit im Kontext unserer Zeit zu
einem wahren Instrument der Verkündigung werden kann, diese
zuallererst als Gegenstand bzw. Schauplatz der Neuevangelisierung
betrachtet werden, so dass der Glaube, den sie ausdrücken will, reif
und authentisch werden kann. Dies kann man erstens dadurch
erreichen, dass man die Frömmigkeitspraxis erleuchtet, damit ihre
Absichten sowohl im Hinblick auf ihre Bedeutung als auch auf ihre
Hierarchie mit den Glaubenswahrheiten und den daraus folgenden
moralischen Anforderungen übereinstimmen. Zweitens erreicht man dies
durch das entschiedene Handeln der Hirten, die diese Devotionsformen
der Wahrheit gemäß begleiten sollen, auch um den Preis, auf einige
Vorteile zu verzichten, die die Beibehaltung von einigen von ihnen
einbringen könnte. Drittens durch die Förderung des Verständnisses
des Bandes, das im Christentum zwischen der Volksfrömmigkeit und dem
Wesen der Liturgie besteht. Im Hinblick auf diesen letzten Punkt
sind die Kenntnis, Verkündigung und Meditation von Gottes Wort eine
große Hilfe, denn durch sein Wort offenbart Gott sich selbst und
teilt sich mit und dadurch können die Getauften in einen wahren
Dialog mit Ihm eintreten.
Eine der Aufgaben der Hirten der Kirche besteht darin, die
unterschiedlichen Äußerungsformen der Frömmigkeit des Gottesvolkes
fürsorglich zum Verständnis des Glaubens und zur Teilnahme an den
Sakramenten hinzuführen, damit die Volksfrömmigkeit zum Szenarium
der Neuevangelisierung werden möge.
[00120-05.05] [IN091] [Originaltext: Spanisch]
- S.Exz. José NAMBI, Bischof von Kwito-Bié (ANGOLA)
Nach 500 Jahren Evangelisierungserfahrung, mit all ihren Licht- und
Schattenseiten, erlebt Angola derzeit einen neuen Kontext des
Friedens und tiefgreifender sozialer Umwälzungen, die auf das
Wirtschaftswachstum ausgerichtet sind. Das wiederum erregt das
Interesse fremder Länder und leistet der Verbreitung von Sekten
Vorschub.
Die unangenehmsten Erinnerungen der Vergangenheit konnten Gott sei
Dank überwunden werden. Und im Moment können wir ein
wirtschaftliches und soziales Wachstum beobachten, dass zwar auf
Fortschritt abzielt, aber weit davon entfernt ist, den wahren
Herausforderungen zu begegnen, die enorm sind. So kann man
beispielsweise sehen, dass große Anstrengungen unternommen werden,
um aus dem Elend herauszukommen; Anstrengungen, die zugleich auch
ein erneuertes Interesse an den inneren und äußeren Angelegenheiten
wecken.
Nach innen hin liefert eine solche Situation den Vorwand dafür, den
eigenen Vorteil zu suchen und schafft die Möglichkeit, sich leicht
und rücksichtslos zu bereichern (was den Graben zwischen Arm und
Reich noch mehr vertieft), was letztendlich bewirkt, dass zwischen
Glaube und Leben eine Kluft geschaffen wird. Nach außen hin bewirkt
es eine starke Emigrationswelle, deren Motive oft unlauter und
opportunistisch sind.
Die Kirche in Angola verfolgt diese Situation aufmerksam, und hat -
die Zeichen der Zeit im Licht des kirchlichen Lehramtes
interpretierend, besonders die Beiträge der beiden
Sonderversammlungen für Afrika - versucht, diesen Herausforderungen
mit der Umsetzung einer Familienpastoral zu begegnen, die in drei
Teile geteilt ist: Familie und Ehe; Familie und Versöhnung; Familie
und Kultur.
All das, um einen Prozess einzuleiten, der uns den Weg der
christlichen Initiation in den Familien wieder einschlagen lässt,
die schon von ihrem Wesen her der bevorzugte Raum für die
Evangelisierung sind. Auf der anderen Seite machen diese und andere
Situationen unweigerlich eine tiefgreifende ständige Katechese
erforderlich, die die Christgläubigen Gott, der Kirche und der
Gesellschaft gegenüber in die Pflicht nimmt.
[00122-05.08] [IN093] [Originaltext: Portugiesisch]
- P. Jose PANTHAPLAMTHOTTIYIL, C.M.I., Generalprior der Karmeliten
der Seligen Jungfrau Maria Immakulata (INDIEN)
Aus der Lehre Jesu und der Kirche ist ganz klar zu ersehen, dass die
Evangelisierung aller Völker die grundlegende Mission der Kirche
ausmacht. Aus dieser Perspektive ist es auch klar, dass
Evangelisierung nicht eine unter vielen Aktivitäten ist, sondern die
wichtigste Aufgabe der Kirche. Wenn Evangelisierung die
hauptsächliche Aufgabe der Kirche ist, sollten wir jede Aktivität
der Kirche aus dieser Perspektive sehen. Wir sollten keine Aktivität
zur Evangelisierung zählen, die nicht auf die Verkündigung und die
Vermittlung des Glaubens abzielt.
Eine christozentrische, auf die Bibel gegründete und auf die Welt
ausgerichtete Spiritualität soll die wichtigste Quelle unserer
Neuevangelisierung sein. Schritte zur Neuevangelisierung müssen sich
vor allem konzentrieren auf eine Ausbildung im Glauben, die auf das
Wort Gottes gegründet ist, denn diese entspricht dem Durst nach dem
Wort Gottes, den unsere Gläubigen spüren.
Sehr ernsthafte Schritte sollten unternommen werden, um Massenmedien
für die Evangelisierung zu nutzen, so dass die Stimme Gottes unter
den vielen Stimmen der Welt gehört werden kann. Um Massenmedien
wirksam zu nutzen, sollten personelle und materielle Investitionen
auf internationalen, nationaler und lokaler Ebene gemacht werden mit
direktem Bezug auf die Notwendigkeit und Wichtigkeit dieser Sendung.
Wir müssen innovative Schritte zur Nutzung unserer Institutionen auf
der ganzen Welt für eine wirksame Verbreitung des Glaubens
unternehmen. Darüber hinaus sollte man sich darum bemühen, ein
tieferes Bewusstsein der Verantwortung jedes Christen zu erlangen,
einzeln und gemeinsam aktive Träger der Evangelisierung zu werden.
Die Verkündigung des Evangeliums ist das Recht und die Pflicht der
gesamten Kirche und jedes getauften Christen. Deshalb sollte die
Kirche auch kreative Schritte unternehmen im Hinblick auf die
Verkündigung des Evangeliums von seiten der Ostkirchen sui juris,
wie z. B. der lebendigen syro-malabarischen Kirche, über ihre
heutigen geographischen Grenzen hinaus. Wenn die Kirche eine
umfassendere Sichtweise hat, um neue Wege für die syro-malabarische
und andere Ostkirchen zu öffnen, wird dies reiche Frucht für die
Evangelisierung tragen.
Im Kontext der Neuevangelisierung, während wir den Dialog zwischen
den Religionen weiter fördern, sollten wir auch bereit sein, die
lebensspendende Botschaft Jesu zu teilen, vor allem wegen des
besorgniserregenden Anstiegs von Säkularismus und Atheismus, die
eine große Bedrohung für alle Religionen sind.
[0012405.006 [IN095] [Originaltext: Englisch]
- Kardinal George ALENCHERRY, Großerzbischof von Ernakulam-Angamaly
der Syro-Malabaren, Vorsitzender der Synode der syro-malabarischen
Kirche (INDIEN)
Die Neuevangelisierung erfordert, eine kritische interne Betrachtung
seitens der Kirche selbst. Tatsächlich wissen viele Menschen in der
Kirche nicht, wer Christus ist und welchen Preis sie bezahlen
müssen, um seine Jünger zu sein. Die Kirche muß immer mehr zu einer
Gemeinschaft von Personen werden, die Christus begegnet sind und die
daher durch die Kraft der Gnade Gottes den Preis der Jüngerschaft
Christi freiwillig bezahlen. Der universale Ruf zur Heiligkeit muß
zu einem Grundbewußtsein aller gläubigen Christen werden. Die
Einzigartigkeit des christlichen Glaubens und das immer wieder
erneuerte Bekenntnis zu Christus in der Kirche muß zur treibenden
Kraft im Leben eines jeden Christen werden. Jesus Christus, der
einzige Erlöser, wirkt sowohl im Evangelisierer als auch im
Evangelisierten. Er hat über sich selbst gesagt: »Ich bin die
Wahrheit, ich bin das Licht, ich bin der Weg, ich bin die Tür, ich
bin das Brot und ich bin das Leben«. In den 50 Jahren nach dem
Zweiten Vatikanum war die Erneuerung der Kirche facettenreich und
sehr fruchtbar. Gleichzeitig wurden das Leben und der Dienst der
Priester und der gottgeweihten Männer und Frauen eher funktional als
geistlich und kirchlich. Die heutige Ausbildung der Priester und
Ordensleute scheint eher darauf abzuzielen, sie zu Funktionären für
verschiedene Ämter in der Kirche zu machen als zu Missionaren, die
von der Liebe zu Christus entflammt sind. Selbst an Orten der
kirchlichen »missio ad gentes« hat das Wirken durch Institutionen
die Priester und Ordensleute die Antriebskraft und Stärke des
Evangeliums verlieren lassen, für das sie sich kraft ihrer Berufung
einsetzen. Die Säkularisierung wirkt sich auf das Leben der
einzelnen Christen und auch der kirchlichen Gemeinschaften aus. Die
Neuevangelisierung erfordert eine gründliche Erneuerung des Lebens
der einzelnen Christen und eine Aufwertung der kirchlichen
Strukturen, um sie zu stärken durch die Dynamik der Werte des
Evangeliums: Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe, Frieden und Eintracht.
Die Weitergabe des Glaubens erfolgt stets durch die Traditionen der
Teilkirchen und der Kirchen sui iuris. Zu diesen Traditionen gehören
die Feier der Sakramente, insbesondere die Spendung der Kommunion,
die Katechese, das tägliche Gebet in der Familie, kleine christliche
Gemeinschaften, Abstinenz und Buße in der Fastenzeit und an anderen
Fastentagen, die Feier der Hochfeste, Wallfahrten, Übung der
Nächstenliebe auf allen Ebenen, menschenfreundliche und
familienorientierte Seelsorge und die Beteiligung der Laien an der
Führung der Kirche. Alle Traditionen, die sich zur Weitergabe des
Glaubens in den Teilkirchen und in den Kirchen sui iuris als
erfolgreich erwiesen haben, müssen von allen Seiten der
Universalkirche immer mehr ermutigt und unterstützt werden.
Mangelnde Weitsicht und fehlendes Verständnis für die Ekklesiologie
der Gemeinschaft, wie sie vom Zweiten Vatikanischen Konzil vertreten
wurde, hemmen das Potential der Evangelisierung und der Seelsorge
für die Gemeinschaften von Einwanderern einiger Kirchen, vor allem
derer der Orientalischen Kirchen. In den letzten Jahren gibt es
Anzeichen für eine Verbesserung in diesem Bereich. Die Ekklesiologie
der Gemeinschaft, die der Heilige Vater Benedikt XVI. immer wieder
hervorhebt, muß zur ekklesiologischen Sicht aller Bischöfe in der
katholischen Kirche werden. Die Neuevangelisierung für die
Weitergabe des christlichen Glaubens muß neue Maßnahmen ergreifen
zugunsten der Freiheit in der Evangelisierung und der Seelsorge
aller Kirchen sui iuris unter der Führung des Apostolischen Stuhls.
[00123-05.04] [IN094] [Originaltext: Englisch]
- S.Exz. Jesús Esteban SÁDABA PÉREZ, O.F.M. Cap., Titularbischof von
Assura, Apostolischer Vikar von Aguarico (ECUADOR)
Heutzutage ist es wichtig, daß das Evangelium in der eigenen Kultur
verkündet wird, ob sie nun traditionell ist oder modern.
Die Menschwerdung ist die Grundlage für die Inkulturation. Solange
die Kultur nicht evangelisiert wird, kann das Evangelium nicht in
den Menschen eindringen. Der heilige Paulus wollte “Jude mit den
Juden sein, und Grieche mit den Griechen”, um Christus zu allen zu
bringen.
Wenn wir heute die Situation der Kultur unserer Vorfahren
betrachten, bemerken wir, daß die Präsenz des Evangeliums oft als
eine Art Kolonisation gesehen wird.
Dazu gibt es zwei Meinungen, zum einen die des Experten für
“Religionspolitik” der behauptet, daß nur wenn die Kirche in Europa
glaubwürdig ist, sie dies auch in der Welt sein kann.” Zum anderen
die Meinung des Missionars, die von Msgr. Alejandro Labaka zum
Ausdruck gebracht wurde, einem Missionsbischof und im Amazonasgebiet
getöteten Märtyrer.
All diejenigen lieben, denen wir das Evangelium bringen wollen, fest
glauben, daß der Geist Gottes in allen Kulturen wirkt, anerkennen,
daß das Evangelium nicht ausschließlich nur einer Kultur gehört,
sondern daß es von allen aufgenommen werden kann und soll. Das ist
es, was die Freude des Evangeliums zu allen Völkern bringt.
[00125-05.06] [IN096] [Originaltext: Spanisch]
- S.Exz. François LAPIERRE, P.M.E., Bischof von Saint-Hyacinthe
(KANADA)
Nummer 130 des Instrumentum laboris bekräftigt, dass “die
Soziallehre der Kirche Glaubensverkündigung
und Glaubenszeugnis ist. Sie ist Instrument und unverzichtbarer Ort
der Erziehung zum Glauben”.
Das Instrumentum laboris behandelt die Beziehung zwischen
Neuevangelisierung und Soziallehre der Kirche auf reichhaltige und
zugleich schwache Weise. Das innige Band, das zwischen der
Verkündigung des Evangeliums und dem Dienst der Gerechtigkeit und
des Friedens wird meines Erachtens nach nicht ausreichend entfaltet.
Diese Situation bringt die Gefahr mit sich, die neue Evangelisierung
wie eine Antwort auf kircheninterne Probleme erscheinen zu lassen,
und stellt nicht in ausreichender Form heraus, dass sie ein
einzigartiger Beitrag zur Entwicklung von Gerechtigkeit und Frieden
auf der Welt sein soll.
Die derzeitige Wirtschaftskrise lässt uns erkennen, wie Geiz und
Gier sinnvolle Beziehungen zerstören, wodurch die Wirtschaft die
soziale Dimension eingebüßt hat, die sie im Leben der Menschen hat.
Diese Beziehungen können nur durch die Liebe, die Brüderlichkeit und
die Freundschaft wiederhergestellt werden, die nicht nur in den
zwischenmenschlichen Beziehungen zum Ausdruck kommen müssen, sondern
auch im Umgang mit Wirtschaft und Handel, wie Papst Benedikt XVI. in
seiner Enzyklika Caritas in veritate zum Ausdruck gebracht
hat.
In diesem Kontext ist es wichtig, dass sich die Kirche als eine
geschwisterliche Gemeinschaft zeigt, als ein Leib, der Leib Christi.
Bereits die Gemeinschaft ist eine Verkündigung des Evangeliums
Gottes.
In der christlichen Initiation trennen wir oft die Liebe von der
Gerechtigkeit, den Weg des Glaubens von den sozialen und politischen
Gegebenheiten. Was wir brauchen, ist eine Kultur der Solidarität.
Im Laufe der Jahrhunderte haben es die großen Missionare verstanden,
die mutige Verkündigung des Evangeliums Christi mit der Sorge um die
Armen zu verbinden. Und oft waren ihre Gesten beredter als ihre
Worte.
[00126-05.13] [IN097] [Originaltext: Französisch]
- S.Exz. António José DA ROCHA COUTO, S.M.P., Bischof von Lamego
(PORTUGAL)
Die Kirche von gestern, von heute und zu allen Zeiten muss die Züge
des Angesichts Jesu Christi haben. Sie muss folglich kindgleich,
brüderlich, liebevoll, menschennah und gastfreundlich sein, wie es
sehr gut der selige Papst Johannes Paul II. in dem Schreiben
Catechesi tradendae [1979], Nr. 67, und im Schreiben
Christifideles Laici [1988], Nr. 26, ausgedrückt hat.
Sie muss die Dynamik der ersten christlichen Gemeinschaften haben,
wie sie der Autor des Buches der Apostelgeschichte dargelegt hat:
immer aufmerksam gegenüber dem Wort Gottes, der Gemeinschaft, dem
Brechen des Brotes und dem Gebet (2, 42-47; 4,32-35; 5,12-15),
gleichsam wie ein Atrium der Brüderlichkeit, das offen ist für die
Welt, so dass sie eine junge Kirche ist und widerspiegelt, agil und
schön, so jung, geschickt und schön, dass die Leute darum kämpfen
werden, in sie einzutreten.
Sie wird darüberhinaus eine verkündende Kirche sein müssen, in enger
Bindung an ihren Herrn, nicht fehlgeleitet von der Neuigkeit der
letzten Mode, sondern gut verankert in der Treue zum ihrem Herrn,
die sich ausdrückt in einer völligen Hingabe, in einem einfachen
Lebensstil, demütig, entäußert, glücklich, leidenschaftlich, kühn,
voll Nächstenliebe und ergeben. Ja, wir benötigen Verkünder des
Evangeliums ohne Gold, Silber, Kupfer, Taschen, zwei Tuniken…Ja, ich
rede von Bekerhung, und ich lasse mir die Frage: Warum haben die
Heiligen so sehr gekämpft und mit solcher Freude, um arm und
unterwürfig zu sein, und wir, die wir uns so sehr bemühen, reich und
wichtig zu sein?
[00127.05 [IN098] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. Bonifacio Antonio REIMANN PANIC, O.F.M., Titularbischof von
Saia maggiore, Apostolischer Vikar von Ñuflo de Chávez (BOLIVIEN)
Mit dem Blick der Gläubigen betrachten wir vor allem das Phänomen
des Auseinanderbrechens der Familien. Das Fehlen des Vaters kann auf
viele Weisen erklärt werden und im Licht vieler anthropologischer,
kultureller und wirtschaftlicher Faktoren. Wir glauben, dass die
Verkündigung Gottvaters, die wir von unserm Herrn Jesus Christus
erhalten haben, die Quelle der neuen Evangelisierung in Bolivien
sein muss (vgl. DA 462).
Das Phänomen des Fehlens der Vaterfigur und die Bedeutung, die dies
für das soziale und persönliche Leben hat, wirken sich auf die
Erfahrung der Vaterschaft Gottes aus und kommen im Verlust der
zutiefst christlichen Werte zum Ausdruck: Unentgeltlichkeit,
Brüderlichkeit, Verantwortlichkeit und Vergebung.
Der erhabenste Moment, in dem Gottvater sich im Neuen Testament
offenbart, ist wohl das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk
15,11-32). Es ist gerade das Bewusstsein, diesen Vater zu haben, der
dem jüngeren Sohn die Rückkehr zum Leben ermöglicht, zur Begegnung
und zum Haus seines Vaters, während das Fehlen dieses Bewusstseins
den älteren Sohn daran hindert, die Unentgeltlichkeit des Vaters zu
verspüren.
Auch die Begegnung Jesu mit der samaritanischen Frau (Joh 4, 4-43)
wirft ein neues Licht auf die schwierige Rolle, die die Frau heute
in der Familie hat. Die besagte Begegnung offenbart die tiefe
Identität des Herrn als Mensch, Prophet, Messias, Retter der Welt
und Sohn Gottvaters. Und sie offenbart die menschliche Identität der
Frau, die eine Dirne ohne Ehemann ist, aber nun zur Jüngerin wird
und zur Zeugin für die Wahrheit. Die neue Evangelisierung muss sich
daher an die bolivianische Frau wenden, die Mutter und oft
verlassene, gering geschätzte und misshandelte Ehefrau ist, damit
sie - wie die samaritanische Frau - von der Begegnung mit Christus
her in aller Würde leben kann.
[00129-05.09] [IN100] [Originaltext: Spanisch]
- P. Marco TASCA, O.F.M. Conv., Generalminister der Franziskaner
Minderbrüder
Als sechstes Szenarium, das seitens dieser Synode untersucht und
interpretiert werden soll (nach dem kulturellen, dem das Phänomen
der Migration betreffenden, dem wirtschaftlichen, politischen und
dem der wissenschaftlichen und technologischen Forschung) geben die
Nummern 59 bis 62 des Instrumentum laboris dasjenige der
Kommunikation an.
Hier beschränkt man sich nicht darauf, die massive Verbreitung und
die alles durchdringende Ubiquität der Medien zur Kenntnis zu
nehmen, sondern auch die Tatsache, dass wir heutzutage in einer
wirklich und wahrhaftig von den Massenmedien bestimmten Kultur
leben.
Heutzutage organisiert ein Großteil der Männer und Frauen ihr
Arbeitsleben, ihr Privatleben, ihre Freizeit und ihre Beziehungen
mit Hilfe der Medien (man denke etwa an Internet und
Smartphone).
Gleichwohl stellen die Medien zweifellos eine große Chance
dar. Der selige Johannes Paul II. schreibt: “In den
Kommunikationsmitteln findet die Kirche eine wertvolle Hilfe für die
Verbreitung des Evangeliums ... Gerne bedient sie sich dieser
Mittel, um Informationen über sich selbst zur Verfügung zu stellen
und die Evangelisierung, die Katechese und die Bildung
voranzutreiben und betrachtet diese Anwendung als eine Antwort auf
das Gebot des Herrn: ‘Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet
das Evangelium allen Geschöpfen’ (Mk 16,15)” (Apostolisches
Schreiben Die schnelle Entwicklung, 24. Januar 2005, Nr. 7).
Es geht darum, zu entdecken, “dass es einen christlichen Stil der
Präsenz auch in der digitalen Welt gibt” (Botschaft des Heiligen
Vaters Benedikt XVI. zum 45. Welttag der sozialen
Kommunikationsmittel, Wahrheit, Verkündigung und Authentizität
des Lebens im digitalen Zeitalter, 5. Juni 2011), der sich heute
in stets zunehmendem Maße als Vorschlag eines (auch digitalen)
kohärenten und in seiner Gesamtheit einladenden Identitätsprofils
darstellt.
Die neue Evangelisierung ist eine Frage der neuen Beziehungen, von
denen aus es dann möglich ist, die explizite Verkündigung Jesu
Christi als des einzigen und universalen Erlösers zu verbreiten.
Wenn die Welt der Medien bereits per definitionem die Massen
erreicht, dann ist die christliche Perspektive, die in diesem
Kontext arbeiten muß, diejenige, die dahinführt, dass der Mensch in
seiner Einzigartigkeit, in seiner Eigenschaft als Empfänger der
göttlichen Offenbarung begriffen wird. Wir müssen uns also freuen
über die zahlreichen Möglichkeiten, die die neuen “Fronten” des
Kommunikationsszenariums uns bieten.
[00128-05.04] [IN099] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. Nikolaos FOSKOLOS, Erzbischof von Athēnai,
Apostolisch Verwalter "sede vacante et ad Nutum Sanctae Sedis" in
Rhodos (GRIECHENLAND)
Die Kirche muss, um den Menschen des 21. Jahrhunderts das Evangelium
zu verkünden, die erste Evangelisierung durch die Apostel im Auge
behalten. In vielen Gegenden der Welt wiederholen sich die gleichen
Schwierigkeiten, denen z.B. der hl. Paulus in Athen und in Korinth
ausgesetzt war.
Um die Welt zu evangelisieren, muss die Kirche, “schlanker“ sein:
Wie David nicht Goliat gegenübertreten konnte mit den schweren
Waffen, die ihm Saul gegeben hatte, so muss die Kirche viele
Gewohnheiten des europäischen Mittelalters aufgeben (materielle und
geistliche Strukturen, die Sprechweise, Gewohnheiten „früheren Zeit“
usw.). Als mystischer Leib des auferstandenen Christus muss sie der
modernen Welt das Evangelium vom Heil verkünden, indem sie ihre
Lehre und ihre wahre Tradition unverändert beibehält. Sie darf nicht
wie eine Weltmacht noch wie eine europäische Macht auftreten,
sondern muss vielmehr der Welt das Evangelium anbieten, die Frohe
Botschaft, und dabei vor allen den toten und auferstandenen Christus
klar und unzweifelhaft verkünden, wie es die Apostel und die großen
Missionare, z.B. der hl. Franz Xaver getan haben .
[00132-05.04] [IN101] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. Petru GHERGHEL, Bischof von Iaşi
(RUMÄNIEN)
Die Geschichte, die das Evangelium in der katholischen Kirche in
Rumänien geschrieben hat, die sich aus drei Riten zusammensetzt (dem
lateinischen, dem griechisch-katholischen und dem armenischen
Ritus), kennt die Freude und das Opfer vieler Verkünder des
Evangeliums. Der wahre Schatz der Verkündigung ist Jesus selbst, der
Sohn Gottes, der das scheinbare Scheitern des Kreuzes in einen
wunderbaren Sieg der Auferstehung für die Erlösung der Welt
verwandelt hat. Die Feindseligkeit, der das Evangelium in dieser
Zeit begegnet, darf uns nicht die Logik des Kreuzes vergessen
lassen, wo es dem menschlichen Eingreifen nicht gelungen ist, die
göttliche Gnade zu unterdrücken.
In den schwierigen Zeiten der atheistischen Diktatur in Rumänien
spielte die christliche Familie eine grundlegende Rolle; oft war sie
die einzige Möglichkeit, das Evangelium zu verkündigen und den
Glauben weiterzugeben. Und jetzt haben viele katholische rumänische
Migranten den Familien, bei denen sie arbeiten, geholfen, die
Schönheit des Gebets und des Glaubens an Christus wiederzuentdecken.
Die Elternbildung erweist sich heute als eine wahre pastorale
Priorität.
In Rumänien hatte das Ende der atheistischen Verfolgung einem
vielversprechenden ökumenischen Frühling die Tore geöffnet. Das
Gebet hat uns nie verlassen, aber seit eine kürzlich erlassene
Anordnung des Synods der Rumänisch Orthodoxen Kirche jedes Gebet
zwischen orthodoxen und katholischen Gläubigen untersagt hat, sehen
wir uns gezwungen, Gott vor den Bruderdelegierten zu bitten: »O
Herr, gib, daß wenigstens das ›Vaterunser‹ deine Kinder vereine!«
Abschließend schlägt die katholische Kirche in Rumänien für eine
Neuevangelisierung vor: a) neu zu beginnen in Christus, Evangelium
und Evangelisierer; b) die christliche Familie zu fördern, auf der
Grundlage der Ehe und der Elternbildung; c) die Ökumene des Gebets
zu pflegen, damit die Einheit der Christen der Welt hilft, an
Christus zu glauben (vgl. Joh 17,21).
[00166-05.04] [IN129] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. Manuel José MACÁRIO DO NASCIMENTO CLEMENTE, Bischof von
Porto (PORTUGAL)
Die “Neuheit” der Evangelisierung kann nichts anderes sein als die
Wiederentdeckung und Vertiefung der ständigen Neuheit Christi unter
den aktuellen Gegebenheiten der Kirche und der Welt. Diese
Gegebenheiten sind in meinem Land unter anderem durch eine große
Mobilität der Bevölkerung geprägt sowie durch eine abgestumpfte
Mentalität.
Die Mobilität der Bevölkerung zeigt sich im Auszug aus den
ländlichen Gebieten in die Stadt; hinzu kommt die Vereinfachung der
täglichen Kommunikation zwischen den verschiedenen Orten, an denen
die Menschen sich niederlassen oder vorübergehend aufhalten, um
ihrer Arbeit nachzugehen oder auszuruhen (am Wochenende). Die
Abgestumpftheit kann aus der großen Dichte der “zeitlichen
Wirklichkeiten” resultieren, die die unmittelbare Aufmerksamkeit und
mittelfristige Anliegen in Anspruch nehmen, so daß sie sich nicht
leicht dem geistlichen und religiösen Horizont gegenüber öffnen. So
greift der Säkularismus im persönlichen Bereich und im Umfeld
allgemein um sich.
Diese Gegebenheiten bringen relativ »neue« Probleme für die
Evangelisierung mit sich, zumindest was die Intensität betrifft, mit
der sie auftreten. Die ursprünglich recht stabilen Gemeinschaften
wie Familien und Pfarreien, wo der Glaube an Christus und das
christliche Leben auf natürliche Weise weitergegeben wurden,
bestehen nicht mehr in dieser Form, und die Integration ihrer
Mitglieder, vor allem junger Menschen, ist nicht einfach.
Die Zerstreuung und das Umherziehen machen das Zusammenleben in der
Familie und in der Gemeinschaft schwierig. Die Individualisierung
des Lebens, noch verstärkt durch die Technik, führt zu
Subjektivismus und Virtualismus, die die soziale und kirchliche
Wirklichkeit ausdünnen. Folglich ist es nicht einfach, das
Individuum und die Gesellschaft oder den Gläubigen und die
Gemeinschaft einander anzupassen. Es ist durchaus nicht einfach.
Ich glaube daher, daß die für die heutige Evangelisierung zu
suchende »Neuheit« sich als Wiederentdeckung des lebendigen Christus
in der Koexistenz besonderer Gemeinschaften darstellt. Diese
wiederum müssen zwischenmenschlichen Bindungen miteinbeziehen, die
heute unverzichtbar sind: Gemeinschaften, die untereinander
verbunden sind; miteinander verbundene Fixpunkte. Auf jeden Fall ist
die Gemeinschaft unverzichtbar, denn wir wissen, daß wir, wenn wir
miteinander vereint bleiben, die Gegenwart des Auferstandenen unter
uns besser erfahren und miteinander daran Anteil haben (vgl. Joh
20,26).
Die ersten Gemeinschaften, die von echten Bekehrungen und durch eine
wahre christliche Initiation genährt waren, haben aus dem
Lebenszeugnis und aus der Reflexion ihrer Hirten Ausdrucksformen
sowie soziale und kulturelle Praktiken von großer Tragweite
hervorgebracht. Die Klöster und Pfarrgemeinden, die darauf folgten,
gaben dem mittelalterlichen Christentum Seele und Leib, mit
wunderbaren Ergebnissen in verschiedenen Bereichen, auf der Ebene
der Gelehrten wie des Volkstums.
[00135-05.04] [IN104] [Originaltext: Italienisch]
- P. Julián CARRÓN, Präsident der Bruderschaft "Comunione e
Liberazione" (ITALIEN)
Wir können nicht damit fortfahren, “den Glauben immer noch als eine
selbstverständliche Voraussetzung des allgemeinen Lebens (zu)
betrachten. In Wirklichkeit aber besteht diese Voraussetzung nicht
nur nicht mehr in dieser Form, sondern wird häufig sogar geleugnet”
(Porta fidei, 2).
Bei der Lektüre des Instrumentum laboris hat mich die
folgende Beobachtung betroffen gemacht: “Der Mangel an
Erstverkündigung im alltäglichen Leben ruft große Sorge hervor.”
Alle Anstrengungen, die bisher gemacht wurden, bringen nur mit Mühe
eine neue Art von Leben hervor, das so geartet ist, dass es Neugier
am Leben der Getauften hervorruft. Wie kann man diesen Bruch
zwischen dem Glauben und dem Leben überwinden, die es dem Glauben so
schwer macht, auf vernünftige und folglich attraktive Weise gefunden
zu werden? Wenn sie nicht die “kostbare Gabe, die der Glaube ist,
wiederentdeckt” und wieder annimmt, läuft die Neuevangelisierung
Gefahr, nur eine Expertenfrage zu werden.
Wir haben, um dieses Interesse zu erzeugen, einen Verbündeten im
Herzen der Menschen aller Kulturen und Lebensumstände. Wir wissen,
dass das Herz des Menschen fürs Unendliche geschaffen ist. Es ist in
ihm angelegt, immer auf die Vollendung zu warten. Denn kein
“falsches Unendliches vermag ihm Befriedigung zu verschaffen.” “Was
nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber
sein Leben einbüßt?” (Mt 16,26).
Auf diese Erwartung kann keine Lehre, keine Sammlung von Regeln,
keine Organisation antworten, wohl aber ein Ereignis. Wie Don
Giussani auf der Synode des Jahres 1987 sagte: “Es fehlt nicht so
sehr an einer verbalen oder kulturellen Wiederholung der
Verkündigung. Der Mensch unserer Zeit erwartet vielleicht ganz
unbewußt die Erfahrung der Begegnung mit Personen, für die die
Tatsache Christi eine so gegenwärtige Realität ist, dass ihr Leben
sich radikal geändert hat.” Ein Ort, an den jedermann eingeladen
werden kann, um die Erfahrung zu machen, die die beiden am Ufer des
Jordan machten: “Komm und sieh”, denn “ein Glaube, der nicht in der
gegenwärtigen Erfahrung angetroffen und gefunden werden kann, von
ihr bestätigt werden kann, der dabei hilft, auf ihre Bedürfnisse zu
antworten, kann kein Glaube sein, der in der Lage ist, in einer Welt
standzuhalten, wo alles, einfach alles das Gegenteil behauptet.”
[00136-05.07] [IN105] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. Leo Laba LADJAR, O.F.M., Bischof von Jayapura (INDONESIEN)
Das Instrumentum Laboris (IL) beginnt mit dem persönlichen Charakter
des Christentums, also mit der persönlichen Begegnung mit Jesus
Christus und der persönlichen Beziehung zu ihm. Das ist das Herz
unseres Glaubens, der unser Verständnis der Evangelisierung
erleuchten muß: (1) die Evangelisierung ist nicht nur eine Reaktion
auf die soziale Wirklichkeit und ihre säkulare Kultur, sondern das
Wesen der Kirche selbst; (2) Jesus Christus ist der Mittelpunkt des
Christentums und kann nicht auf eine Ebene mit anderen
Religionsgründern gestellt werden; (3) das Christentum ist keine
Lehrbuch-Religion und die Erlösung keine Leistung, die durch das
Befolgen der in dem Buch niedergeschriebenen Lehren erlangt wird,
sondern das Werk der Liebe Gottes. Nur in der Begegnung mit dem
Herrn wird das, was in der Schrift geschrieben steht, zu seinem
“Wort”, seiner “Stimme”.
In Jesus Christus offenbart sich Gott als Liebe. Er bietet sich
selbst der Menschheit dar, ohne zu erzwingen, angenommen zu werden,
sondern stellt sich dem Risiko, abgelehnt zu werden. Das wunderbare
Geheimnis der göttlichen Liebe ist, daß Gott sich der Menschheit
nicht aufzwingt. Die Liebe Gottes, die in Jesus Christus offenbar
wird, ist eine an die Freiheit des Menschen gerichtete Bitte, und
dieser ist frei, sie anzunehmen oder abzulehnen. Diese unendliche
und wunderbare Liebe Gottes sollte bei der Evangelisierung
dargeboten werden, wenn es um den Umgang mit dem »kulturellen Klima«
(IL 48) der säkularen Gesellschaft geht, die dazu neigt, die
Freiheit und Autonomie des Menschen zu vergötzen und jedes
transzendente Element in der Religion als Verletzung der
menschlichen Freiheit abzulehnen.
Dieses Bild von Gott als eine an die Menschheit gerichtete Bitte um
Liebe könnte für die säkulare Mentalität berührender sein als das
Bild von Gott als mächtigem König. Ich schlage daher vor, in einigen
Texten, wie in IL 24, wo es um die »Erfahrung der Umkehr« geht,
anstelle des Ausdrucks »Reich Gottes«, das einen feudalistischen
Anklang hat, den Ausdruck »Gottes Macht der Liebe« zu gebrauchen.
Denn vielmehr als die Macht eines Königs ist die göttliche Liebe
»süßer als Wein« und »stark wie der Tod« (Hoheslied 1,2; 8,6). Die
göttliche Liebe zieht den Menschen an und wartet auf die Antwort.
Die Liebe will geliebt werden. Umkehr ist die liebevolle Antwort des
Menschen auf die liebevolle Bitte Gottes.Die Kirche ist der Ort der
Begegnung mit Jesus. So muß die “communio”, die den Geist des
Zweiten Vatikanums wesentlich bestimmt, in den kirchlichen
Gemeinschaften offenbar werden. Die “communio” der Liebe, des
Dienstes und des Opfers für andere ist ein mächtiges Zeugnis in der
Evangelisierung. Die Liebe Gottes offenbart sich in Jesus Christus
als Opfer; ein echtes Zeugnis für jene göttliche Liebe muß also auch
eine opfernde Liebe sein.
[00137-05.04] [IN106] [Originaltext: Englisch]
- S.Sel. Baselios Cleemis THOTTUNKAL, Großerzbischof von Trivandrum
der Syro-Malankaren, Vorsitzender des Synods der
syrisch-malankarischen Kirche (INDIEN)
Schätzungsweise 60 Prozent der Weltbevölkerung leben in Asien. Asien
ist die Region, in der viele Weltreligionen entstanden sind,
einschließlich des Christentums. Ich komme vom asiatischen
Kontinent, genauer gesagt vom Indischen Subkontinent, wo die
Menschen eine mächtige Verbreitung religiöser Botschaften erlebt
haben. Obwohl die christliche Religion der heutigen Gesellschaft in
Asien, wo Gläubige anderer Religionen die große Mehrheit bilden,
eine andere Geschichte erzählen kann, scheint sie Begriffe wie
Verkündigung, Evangelisierung etc. nicht zu schätzen und
anzuerkennen. Diese Begriffe haben ihnen eine andere Denkweise und
folglich eine andere Haltung eingeprägt. Hier möchte ich das
unterstreichen, was Jesus selbst gesagt hat: »Ihr werdet meine
Zeugen sein« (Apg 1,8). Unsere liebe selige Mutter Teresa von
Kalkutta hat der Welt, vor allem Indien, ein sehr praktisches Mittel
der Evangelisierung gebracht: Zeugnis durch Vorbild. Ich muß sagen,
daß sie die erfolgreichste Missionarin war in einem Land, in dem die
Christen nur weniger als drei Prozent der Bevölkerung darstellen.
Mutter Teresa bezeugte Jesus überall. In der Geschichte Indiens
bleibt sie stets ein Vorbild und Symbol des Christentums. Das
Zeugnis durch Vorbild beginnt bei dir und mir.
Der moderne Mensch denkt, daß er/sie alles macht; alles existiert
aufgrund seiner/ihrer Fähigkeiten. Diese Haltung trägt ein
verzerrtes Bild von der übernatürlichen Wirklichkeit bis in das
tiefste Wesen des menschlichen Lebens hinein. Die für die
Evangelisierung Verantwortlichen, besonders die geweihten Priester,
Menschen, die mit »Geschenk und Geheimnis« (sel. Johannes Paul II.)
ausgestattet sind, müssen in den liturgischen Feiern mehr echte
Schritte unternehmen, um die Sakramente zu einem konkreten Mittel
der »Immanuel-Erfahrung« in diesen Stunden der Gnade zu machen. Die
Sozialisierung miteinander hat überall einen Platz gefunden, aber
das Zwiegespräch mit dem Herrn ist überall ins Abseits geraten.
Jesus hat gesagt: »Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und
es in Fülle haben« (Joh 10,10). Das Leben in Fülle ist erst
dann vollkommen verwirklicht, wenn die Menschen in das ewige Leben
eingehen. Das Wirken der Kirche führt den Weg an zum Leben in Fülle.
Wenn die Kirche, die Fortsetzung des Wirkens Jesu in der Welt, sich
von dem Prozeß, die Fülle des Lebens zu erlangen, um die Würde des
Menschen zu gewährleisten, entfernt, dann kann man sicher sein, daß
die Erfahrung und das Zeugnis des Immanuel in jenem Teil der Welt
schwach sein wird. Jeder Versuch der Kirche, die Würde des Menschen
zu fördern, den Benachteiligten Recht zu verschaffen, ist ein echtes
Zeichen des Gehorsams gegenüber dem Willen Jesu. Die Würde des
Menschen zu fördern, für jene zu sprechen, die keine Stimme haben,
ein Symbol der Gerechtigkeit zu sein, demokratische Werte zu fördern
etc. müssen als ernsthafte Zeichen der Förderung des menschlichen
Lebens betrachtet werden, die die Menschen am Ende zum Leben in
Fülle führen.
[00138-05.04] [IN107] [Originaltext: Englisch]
- S.Exz. Berislav GRGIĆ, Bischof-Prälat
von Tromsø (NORWEGEN)
Die katholische Kirche in den nordischen Ländern - Dänemark,
Finnland, Island, Norwegen und Schweden - ist eine ganz kleine
Minderheit und hat so weder die Vor- noch die Nachteile, die die
Kirche in traditionellen und überwiegend katholischen Gebieten oft
hat. Trotz der zahlenmäßigen und gesellschaftlich geringen Bedeutung
ist unsere Kirche aber eine wachsende Kirche. Neue Kirchen werden
gebaut oder angekauft, neue Pfarreien errichtet, nicht-lateinische
Riten kommen hinzu, es gibt relativ viele Konversionen und
Erwachsenentaufen, es gibt Berufungen zum Priestertum und zum
Ordensleben, die Zahl der Taufen übersteigt bei Weitem die der
Sterbefälle und Austritte, und der sonntägliche Gottesdienstbesuch
ist relativ hoch.
In Teilen der Gesellschaft besteht ein großes Interesse an Glaube
und Spiritualität, sowohl bei Nichtgläubigen, die die Wahrheit
suchen, als auch bei engagierten Christen anderer Konfessionen, die
Vertiefung und Bereicherung im religiösen Leben anstreben. Es ist
auch auffallend, dass verhältnismäßig viele kontemplative
Ordensgemeinschaften in den letzten Jahren ihre Häuser errichtet
haben.
Die Weitergabe des Glaubens ist aber oft durch die großen Abstände
erschwert.
Unsere Priester müssen viel reisen -manchmal bis zu 2000 km im Monat
-, um unsere Gläubigen, die in entfernten Ortschaften wohnen, zu
besuchen und mit ihnen die Gottesdienste zu feiern. In den
Wintermonaten ist das sehr anstrengend.
[00139-05.05] [IN108] [Originaltext: Deutsch]
AUDITIO DELEGATORUM FRATERNORUM (III)
Der folgende Brüderliche Delegierte ergriff das Wort:
- Rev. Dr. Geoffrey TUNNICLIFFE, Generalsekretär der Weltweiten
Evangelischen Allianz (USA)
Wir geben hier in der Folge die Zusammenfassung seines Beitrags
wieder:
- Rev. Dr. Geoffrey TUNNICLIFFE, Generalsekretär der Weltweiten
Evangelischen Allianz (USA)
Evangelisierung ist die Verkündigung in Wort, Tat und christlichem
Wesen des Heilswerkes Jesu Christi am Kreuz und durch die
Auferstehung. Die Evangelisierung ist die Mitte der evangelischen
Identität. Wir bekräftigen, dass es nicht möglich ist, wirklich
evangelisch zu sein, ohne ein echtes Engagement im Bereich der
Weltevangelisierung. Und ein solches Engagement liegt tatsächlich
der christlichen Identität selbst zugrunde. Die EWA (Evangelische
Weltallianz) ruft alle Mitglieder der evangelischen Kirche, alle
Christen auf der Welt auf, ihr Engagement für eine ganzheitliche
Evangelisierung zu erneuern.
Wie bei allen christlichen Traditionen hat es Zeiten gegeben, in
denen Fehler gemacht wurden und sich die Mitglieder der
evangelischen Kirche darum bemüht haben, die Verkündigung des
Evangeliums mit Taten der Gerechtigkeit und des Friedens zu
verbinden. Doch in unserer Geschichte gab es viele starke Stimmen
und Lebensbeispiele, die ein Vorbild sind für die holistische Natur
der Evangelisierung.
Der biblische Bericht in Markus 5 liefert uns sozusagen eine
“Linse”, durch die wir die wenig förderliche Dichotomie zwischen
Verkündigung und Handeln sowie einem Weg überwinden können, der uns
alle wieder auf die ganzheitliche Evangelisierung und auf das Wort
Gottes verweist. Zwei Themen scheinen aus diesem Kapitel auf: (1)
die Autorität und die Macht Jesu und (2) die Spannbreite des
Evangeliums. Zuerst sehen wir, dass Jesus Macht über das Böse hat;
er hat Macht über Krankheit und Leiden, ja er hat Macht über den Tod
selbst, auf seine eigene kommende Auferstehung verweisend. Zweitens,
der Text zeigt, dass das Evangelium die gesamte Schöpfung umfasst.
Die Frage, die sich den Mitgliedern der evangelischen Kirchen - und
allen, die sich auf den Namen Christi beziehen - stellt, ist
folgende: was wirst du, persönlich und in der Gemeinschaft, dafür
tun, die Sache der weltweiten ganzheitlichen Evangelisierung
weiterzuverfolgen? Eine Kirche, die nicht evangeliumsgemäß ist,
bleibt Jesus ihre Antwort schuldig.
Wir Mitglieder der evangelischen Kirchen lernen, wie man auf Jesu
Art das Evangelium verkündet - wie man das von unserem Gott kommende
Heil und die Implikation dieser Verkündigung für die Verwandlung der
Gesellschaft verkündet.
Wir lernen auch, dass es die wahre biblische Verkündigung des
Evangeliums erforderlich macht, dass Teilungen unter Christen
überwunden werden. Das gemeinsame Dokument der römisch -katholischen
Kirche, der Evangelischen Weltallianz und des Weltkirchenrats,
Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt: Empfehlungen
für einen Verhaltenskodex, erinnert uns auf wundervolle Weise an
die Bedeutung und das Mandat der Evangelisierung.
Als Gläubige sind wir vom Vater und vom Sohn durch den Heiligen
Geist, befähigt, Gottes Sendungsauftrag auszuführen, so dass es die
Hauptaufgabe der Verkünder des Evangeliums ist - und immer sein muss
- die ganze Welt das Evangelium in Wort, Tat und in ihrem Wesen
vernehmen zu lassen.
[00160-05.08] [DF006] [Originaltext: Englisch]
ZUSAMMENSETZUNG DER KOMMISSION FÜR INFORMATION
Präsident
- S.Exz. Claudio Maria CELLI, Titularerzbischof von Civitanova,
Präsident des Päpstlichen Rates für die sozialen
Kommunikationsmittel (VATIKANSTADT)
Vizepräsident
- S.Exz. Ján BABJAK, S.I., Metropolitan-Erzbischof von Prešov der
Katholiken des byzantinischen Ritus, Präsident des Rates der
slowakischen Kirche (SLOWAKEI)
Mitglieder
- S.Exz. John Olorunfemi ONAIYEKAN, Erzbischof von Abuja (NIGERIA)
- S.Exz. Tadeusz KONDRUSIEWICZ, Erzbischof von Minsk-Mohilev (WEIßRUßLAND)
- S.Exz. Manuel José MACÁRIO DO NASCIMENTO CLEMENTE, Bischof von
Porto (PORTUGAL)
- S.Exz. José Horacio GÓMEZ, Erzbischof Los Angeles (USA)
- S.Exz. Francis Xavier Kriengsak KOVITHAVANIJ, Erzbischof von
Bangkok (THAILAND)
Mitglieder ex-officio
- S.Exz. Pierre-Marie CARRÉ, Erzbischof von Montpellier
(FRANKREICH), Sondersekretär
- S.Exz. Nikola ETEROVIĆ,
Titularerzbischof von Cibale, Generalsekretär der Bischofssynode
(VATIKANSTADT)
Sekretär ex-officio
- P. Federico LOMBARDI, S.I., Direktor des Presseamtes des Heiligen
Stuhls (VATIKANSTADT)
ERRATA CORRIGE
Die in den Errata Corrige der Verlautbarungen Nr. 14 veröffentlichten Korrekturen wurden direkt in den jeweiligen auf
dieser Internetseite veröffentlichten Verlautbarungen wiedergegeben. |