-
DREIZEHNTE GENERALKONGREGATION (DIENSTAG, 16. OKTOBER 2012 -
VORMITTAG)
DREIZEHNTE GENERALKNGREGATON (DIENSTAG, 16. OKTOBER 2012 -
VORMITTAG)
-
BOTSCHAFT S.E. LUCAS LY JINGFENG, BISCHOF VON FENGXIANG [SHAANXI]
(CHINA)
- BEITRÄGE IN DER
AULA (FORTSETZUNG)
- AUDITIO AUDITORUM (I)
Heute, Dienstag, 16. Oktober 2012, begann um 09.00 Uhr mit dem Gebet
der Hora Tertia die Dreizehnte Generalkongregation zur Fortsetzung
der Beiträge der Synodenväter in der Aula über das Synodenthema
«Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen
Glaubens».
Turnusmäßiger Delegierter Präsident S. Em. Kard. Francisco ROBLES
ORTEGA, Erzbischof von Guadalajara (MEXIKO).
Bei der Eröffnung der Kongregation hat der Generalsekretär der
Bischofssynode, S.E. Nikola ETEROVIĆ,
Titularerzbischof von Cibale (VATIKANSTADT) eine Botschaft von S.E.
Lucas LY JINGFENG, Bischof von Fengxiang [Shaanxi] (CHINA) verlesen,
eines Neunzigjährigen, der im Jahr 1979 nach zwanzigjähriger Haft
zur Zeit der chinesischen Kulturrevolution freigelassen worden war.
Er wurde 1922 geboren; Priesterweihe 1947; Bischofsweihe 1980; er
wurde am 30. August 2004 von der Regierung legitimiert und
anerkannt. Die Diözese von Fengxiang, Shaanxi, liegt Im Zentrum der
Provinz Shaanxi. Derzeit leben in der Diözese zwanzigtausend
Katholiken. Der Text seiner Botschaft wird in dieser Verlautbarung
abgedruckt.
Anschließend sprach der Generalsekretär der Kirche von Haiti die
Solidarität der Synodenväter und der anderen Teilnehmer aus und
versicherte deren Bischofskonferenz ihrer Verbundenheit aus Anlaß
des Erdbebens, das diese Region betroffen hat.
Einige Auditoren ergriffen das Wort.
An dieser Generalkongregation, die um 12.35 Uhr mit dem Gebet des
Angelus Domini endete, nahmen 253 Synodenväter teil.
BOTSCHAFT S.E. LUCAS LY JINGFENG, BISCHOF VON FENGXIANG [SHAANXI]
(CHINA)
Sehr verehrte, hochwürdigste Väter der XIII. Synodenversammlung,
ich beglückwünsche Sie dazu, dass Sie an dieser Synode teilnehmen
und dem Grab des heiligen Petrus die Ehre erweisen können. Es
betrübt mich sehr, dass Sie keine Stimme der chinesischen Kirche
hören können. Ich möchte Ihnen und vor allem unserem Heiligen Vater
Benedikt XVI. wenigstens einige Worte mitteilen und sende Ihnen
deshalb heute diese kurze Botschaft. Ich möchte sagen, dass unsere
Kirche in China, und vor allem die Laien, bisher immer die
Frömmigkeit, die Treue, die Aufrichtigkeit und die Ehrfurcht der
ersten Christen bewahrt haben, auch wenn sie fünfzig Jahre lang
Verfolgung erlitten. Ich möchte hinzufügen, dass ich Gott, den
Allmächtigen innig und beständig bitte, dass unsere Frömmigkeit,
Treue, Aufrichtigkeit und unsere Verehrung die Lauheit, Untreue und
Säkularisierung heilen mögen, die im Ausland die Folgen einer
hemmungslosen Öffnung und Freiheit waren. Mögen Sie im Jahr des
Glaubens bei den Diskussionen Ihrer Synode untersuchen können, warum
sich unser Glaube in China unversehrt bis heute erhalten konnte. So
hat der große chinesische Philosoph Laotse gesagt: “Wie das Unheil
Gedeihen hervorbringt, so verbirgt sich in der Schwäche das Unheil.”
In der Kirche außerhalb von China haben die Lauheit, die Untreue und
die Säkularisierung der Gläubigen große Teile des Klerus angesteckt.
In der chinesischen Kirche dagegen sind die Laien frömmer als der
Klerus. Könnten nicht vielleicht die Frömmigkeit, die Treue, und
Aufrichtigkeit der chinesischen Christen den Klerus im Ausland
aufrütteln? Mich hat die Klage von Papst Benedikt XVI. sehr bewegt:
“Wie wir wissen, ist in weiten Teilen der Erde der Glaube in Gefahr
zu verlöschen wie eine Flamme, die nicht mehr gespeist wird. Wir
stehen vor einer tiefen Glaubenskrise und einem Verlust des
religiösen Sinnes, die für die Kirche in der heutigen Zeit die
größte Herausforderung darstellen. Die Erneuerung des Glaubens muß
daher im tätigen Einsatz der Kirche in unseren Tagen Vorrang haben”
(Ansprache des Heiligen Vaters Benedikt XVI. an die Teilnehmer der
Vollversammlung der Kongregation für die Glaubenslehre, 27. Januar
2012). Ich glaube jedoch, dass unser Glaube als chinesische Christen
den Papst trösten kann. Ich werde nicht auf die Politik eingehen,
die immer vergänglich ist.
[00307-05.08] [NNNNN] [Originaltext: mehrsprachig]
BEITRÄGE IN DER AULA
(FORTSETZUNG)
Die folgenden Synodenväter ergriffen das Wort:
-
Kardinal Telesphore Placidus TOPPO, Erzbischof von Ranchi, Präsident
der Bischofskonferenz (INDIEN)
-
S.Exz. Ägidius Johann ZSIFKOVICS, Bischof von Eisenstadt
(ÖSTERREICH)
-
S.Exz. Launay SATURNÉ, Bischof von Jacmel (HAITI)
-
S.Exz. Joseph Anthony ZZIWA, Bischof von Kiyinda-Mityana (UGANDA)
- S.Exz.
Mario GRECH, Bischof von Gozo (MALTA)
-
Kardinal Kurt KOCH, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung
der Einheit der Christen (VATIKANSTADT)
-
S.Exz. Felix GMÜR, Bischof von Basel (SCHWEIZ)
- S.Exz.
Clet FELIHO, Bischof von Kandi (BENIN)
-
Kardinal Manuel MONTEIRO DE CASTRO, Großpönitentiar (VATIKANSTADT)
-
S.Exz. Arūnas PONIŠKAITIS, Titularbischof
von Sinna, Weihbischof und Generalvikar von Vilnius (LITAUEN)
-
S.Exz. Geraldo LYRIO ROCHA, Erzbischof von Mariana (BRASILIEN)
-
S.Exz. Claudio Maria CELLI, Titularerzbischof von Civitanova,
Präsident des Päpstlichen Rates für die sozialen
Kommunikationsmittel (VATIKANSTADT)
-
S.Exz. Bonaventure NAHIMANA, Bischof von Rutana (BURUNDI)
-
S.Exz. Stanley ROMAN, Bischof von Quilon (INDIEN)
-
S.Exz. Ignatius SUHARYO HARDJOATMODJO, Erzbischof von Jakarta,
Militärbischofsamt für Indonesien (INDONESIEN)
-
S.Exz. Zygmunt ZIMOWSKI, Emeritierter Erzbischof-Bischof von Radom,
Präsident des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst
(VATIKANSTADT)
-
Kardinal Kazimierz NYCZ, Erzbischof von Warschau, Ordinarius für
Gläubigen des orientalischen Ritus, die keinen eigenen Ordinarius
für ihren Ritus haben (POLEN)
-
S.Exz. Adriano LANGA, O.F.M., Bischof von Inhambane (MOSAMBIK)
-
S.Exz. Cristoforo PALMIERI, C.M., Bischof von Rrëshen (ALBANIEN)
-
Kardinal Laurent MONSENGWO PASINYA, Erzbischof von Kinshasa
(DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO)
-
S.Exz. Franz-Peter TEBARTZ-VAN ELST, Bischof von Limburg
(DEUTSCHLAND)
-
S.Exz. Joseph WERTH, S.I., Bischof der Diözese Verklärung Christi in
Nowosibirsk (RUSSISCHE FÖDERATION)
Wir drucken hier die Zusammenfassungen ihrer Beiträge ab:
- Kardinal Telesphore Placidus TOPPO, Erzbischof von Ranchi,
Präsident der Bischofskonferenz (INDIEN)
“Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch)
Glauben vorfinden?” (Lk 18,8). Der Heilige Vater Benedikt
XVI. hat in seinem Rückblick auf das Jahr 2011 vor der Römischen
Kurie im vergangenen Dezember offen gesagt, daß zahlreichen
Berichten zufolge in Europa “Glaubensmüdigkeit” herrscht. In seinen
eigenen Worten: “Der Kern der Krise in Europa ist die Krise des
Glaubens. Wenn wir auf sie keine Antwort finden, wenn Glaube nicht
neu lebendig wird, tiefe Überzeugung und reale Kraft von der
Begegnung mit Jesus Christus her, dann bleiben alle anderen Reformen
wirkungslos.”
Bei unserer Suche nach Antworten auf die Krise des Glaubens könnte
ein Weg, Abhilfe zu schaffen, darin bestehen, eine ganz massive
Kampagne zu starten, das Kerygma abermals und sehr viel
kraftvoller zu predigen. In meinem Land, in Indien, habe ich immer
wieder das kraftvolle Wirken des Evangeliums unter Christen und
Nichtchristen gleichermaßen gesehen.
Ich möchte in aller Bescheidenheit die religiösen Gemeinschaften
dazu aufrufen, wieder Missionare zu werden! Im Verlauf der
Geschichte der Evangelisierung haben alle religiösen Gemeinschaften,
geleitet vom Heiligen Geist, hervorragende, wundervolle Arbeit
geleistet. Können wir dasselbe auch von den religiösen
Gemeinschaften unserer Zeit sagen? Könnte es sein, daß sie
angefangen haben, wie multinationale Großkonzerne zu arbeiten, die
eine hervorragende und notwendige Arbeit leisten, um die materiellen
Bedürfnisse der Menschheit zu befriedigen, aber vergessen haben, daß
der eigentliche Zweck ihrer Gründung der war, einer verlorenen Welt
das Kerygma, das Evangelium, zu bringen? Wir wissen es
natürlich zu würdigen, daß zahlreiche Jugendgruppen und neue
kirchliche Bewegungen sich dieser Herausforderung stellen. Aber
meines Erachtens ist es die Pflicht dieser Synode, an die
Ordensmänner und -frauen zu appellieren, daß sie ganz explizit und
direkt das Werk der Evangelisierung und der Weitergabe des Glaubens
in Zusammenarbeit mit den Ortsbischöfen wieder aufnehmen! Ich möchte
aber auch an die Kongregation für die Institute des geweihten Lebens
appellieren, die Initiative zu ergreifen und bei allen Ordensleuten
den sensus ecclesiae zu fördern.
Und zum Schluß: eine würdige Eucharistiefeier ist die Grundlage der
Neuevangelisierung. Die Eucharistie ist die “Quelle und der Höhepukt
des christlichen Lebens” und darf nicht so nachlässig und
oberflächlich gefeiert werden, wie das mancherorts und durch einige
Priester zu geschehen pflegt. Wir haben die Pflicht, die Würde und
Zentralität der heiligen Eucharistie wieder herzustellen, so daß die
Kraft der Eucharistie, das Glaubensleben unseres Volkes zu
verwandeln und aufzubauen, wieder intensiver verspürt wird. Erst
dann wird unser Bemühen, einen starken Glauben heranzuziehen,
den Erfolg haben, der bis zur Wiederkunft Christi andauern wird.!
[00061-05.06] [IN038] [Originaltext: Englisch]
- S.Exz. Ägidius Johann ZSIFKOVICS, Bischof von Eisenstadt
(ÖSTERREICH)
Die Pastoralkonstitution “Gaudium et spes” trägt die Dynamik des
Denkens eines der großen Glaubenden des zwanzigsten Jahrhunderts:
Pater Pierre Teilhard de Chardin. Vor dieser Synode soll sein Werk
ausdrücklich in Erinnerung gerufen werden. Ob wir es wollen oder
nicht: Die von ihm vor mehr als 60 Jahren vorausgesagten globalen
Phänemene haben uns heute eingeholt. Wir alle leben in einer Welt,
in der nicht mehr nur das Dasein des Einzelmenschen, sondern das der
ganzen Menschheit fragwürdig geworden ist. Teilhard sah des Leben
und den Kosmos in einer von Gott bewirkten kreativen Bewegung, die
noch nicht an ihr Ziel gelangt ist. Ich bin überzeugt, dass diese
Sicht der Kirche und der Welt in der Krise einen Weg zeigen kann.
Sie wird auf die in der modernen Gesellschaft vorhandene Trennung
von Glauben und Leben ebenso heilsam wirken wie auf die
Verständnisprobleme zwischen christlicher Vernunft und
technologischer Forschung.
Nur eine vertiefte, alles umfassende, auch kosmische Sicht der
Person Jesu wird in dem Moment, wo sie die Seele des modernen
Menschen mitzureißen vermag, nicht individualistisch bleiben,
sondern wird Gemeinschaft bilden, in der diese neue Sichtweise auch
wahrhaft gelebt wird - begonnen bei den Familien und der Hauskirche,
über unsere Gemeinden hin zu unseren Teilkirchen. Und nur, wenn
diese Sicht gelebt wird, kann sie einen neuen als natürlich und
normal empfundenen Lebensstil formen und wird so auch eine neue
christliche Kultur hervorbringen, die imstande ist, die ganze
zeitliche Ordnung zu durchdringen und zu verwandeln.
[00258-05.04] [IN192] [Originaltext: Deutsch]
-
S.Exz. Launay SATURNÉ, Bischof von Jacmel (HAITI)
Wir leben heute in einer Welt, die von einer tiefen Krise auf
mehreren Ebenen gekennzeichnet ist und einen neuen spiriturellen
Frühling notwendig macht. Als Papst Johannes Paul II. am 9. März
1983 in der Kathedrale von Port-au-Prince in Haiti über die neue
Evangelisierung sprach, wollte er der Kirche sicherlich ein Mittel
zur Bekämpfung dieses Verfalls geben. Durch die Förderung der
ständigen Mission in Lateinamerika und auf den Karibischen Inseln,
die Einberufung der hier stattfindenden Synodenversammlung und die
Ausrufung des Jahres des Glaubens setzt Seine Heiligkeit Benedikt
XVI. das Werk Papst Johannes Pauls II. fort.
Die Initiativen der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben
in dem Teil der Kirche, die sich in Haiti befindet, Enthusiasmus
ausgelöst. Das Handeln Papst Johannes Paul II. kam zu einer Zeit, in
der wir gegen die Diktatur kämpften. Seine Worte: “Hier muss sich
etwas ändern”, klingen noch in unseren Herzen. Die Worte Papst
Benedikts XVI. kommen zu einem Zeitpunkt, zu dem wir in Haiti
versuchen, das von Naturkatastrophen, und dem Erdbeben vom 12.
Januar 2010 furchtbar verwüstete Land zu bauen und wieder
aufzubauen. Die Überlegungen zu den Katastrophen, von denen Haiti
heimgesucht wurde, führen zu dem Schluß, daß ein Bau oder
Wiederaufbau der Gebäude nicht ausreicht: man muß den haitianischen
Menschen wieder aufbauen. In Haiti bedarf es einer Pastoral, die “ad
intra!” und “ad extra”, auf der Grundlage der Werte des Evangeliums,
der christlichen und menschlichen Werte, aufbaut und wiederaufbaut,
und auf eine Bekehrung der Herzen und der Strukuren zum Evangelium
und zu Jesus Christus abzielt. Deshalb schlage ich folgendes vor:
1. An unseren Universitäten, in unseren katholischen Schulen, in
unseren Priesterseminaren oftlinebedarf es einer begleitenden
Förderung der persönlichen und tiefgehenden Begegnung mit Jesus
Christus, damit die jungen Menschen als Erwachsene in der
Gesellschaft im Namen ihres Glauben einsetzen können.
2. Unsere pastorale Präsenz muß prophetischen Charakter haben.
3. Die neue Evangelisierung zur Weitergabe des Glaubens erfordert
eine besondere Aufmerksamkeit für unsere Bildungsstätten, unsere
Priesteramtskandidaten und die Kandidaten für das gottgeweihte
Leben.
Die Kirche in Haiti begrüßt die Initiativen des Heiligen Vaters. Die
tiefgreifende Krise dieser Welt, macht die Rückkehr Jesu Christi
notwendig und den Einsatz von uns allen, im Namen unseres Glaubens
an Gott, Vater der ganzen Schöpfung, an seinen Sohn Jesus Christus,
durch den alles neu geworden ist, und an den Heiligen Geist, der das
Antlitz der Erde erneuert.
[00220-05.06] [IN168] [Originaltext: Französisch]
- S.Exz. Joseph Anthony ZZIWA, Bischof von Kiyinda-Mityana (UGANDA)
Wir können nicht hoffen, junge Menschen mit moralischer
Charakterstärke zu erziehen, wenn ihre Erziehung nicht auf den
Glauben an Gott gegründet ist. Das ist auch der Grund, warum die
ersten Missionare in Uganda gleichzeitig Kirchen und Schulen gebaut
haben. Wo sie mit der direkten Bekehrung der Älteren keinen Erfolg
hatten, ist es ihnen so vielleicht gelungen, die junge Generation
durch Schulen zu bekehren. In solchen Fällen – wenn die jungen
Menschen evangelisiert und zum Christentum bekehrt waren –, haben
sie dann wiederum die Älteren evangelisiert.
In vielen Ländern hat die Kirche im Bildungssektor als Lehrerin und
Hüterin des Glaubens und der Sitten eine wichtige Rolle gespielt.
Die Formulierung einer festen diözesanen Bildungspolitik diente als
Grundlage dafür, mit der Ausbildung auf allen Ebenen zu beginnen und
diese zu fördern. Einige Ortskirchen haben Schulen nach katholischem
Vorbild gegründet, um Schülern, die dann später selbst katholische
Berufe ergriffen haben, einen intensiven Unterricht in katholischer
Lehre und Moral anbieten zu können. Durch das Amt des Seelsorgers in
katholischen Einrichtungen war es der Kirche möglich, den heutigen
Herausforderungen zu begegnen, indem sie gewährleistet hat, dass
katholische Werte und Normen in diesen Einrichtungen geschützt
werden.
In einigen Ländern ist die Katechese oder der Religionsunterricht in
den letzten Jahren allerdings ins Abseits gedrängt, ja sogar vom
Lehrplan gestrichen worden, und das war sogar an katholischen
Schulen oder Ausbildungsstätten der Fall. Noch schlechter ist die
Situation in öffentlichen Einrichtungen, wo überhaupt keine
Katechese-Programme und kein katholischer Religionsunterricht für
unsere katholischen Schüler vorgesehen ist. Religionsunterricht gilt
als Privatangelegenheit, mit der man sich nur in der Kirche oder
zuhause befasst.
Der Weg zur neuen Evangelisierung sieht so aus:
Katholische Schulen müssen als Kanal für die Weitergabe des
christlichen Glaubens dienen.
Priester, Männer und Frauen des geweihten Lebens und andere in der
Pastoral Tätige wie beispielsweise Katechisten, müssen die
notwendigen Voraussetzungen mitbringen, um an den Schulen
Religionsunterricht geben zu können.ine Der christliche
Religionsunterricht muss dort wieder eingeführt werden, wo er
vernachlässigt oder ganz vom Lehrplan gestrichen worden ist. Die
Kirche muss in diesem Bereich mit Nachdruck tätig werden.
Laienapostolatsbewegungen müssen in den Schulen neu intensiviert
werden.
Ethik, Katechismus der Katholischen Kirche und Soziallehre der
katholischen Kirche müssen auf dem Lehrplan höherer
Bildungsinstitute stehen.
Die katholische Identität muss an unseren Schulen und Einrichtungen
sichtbar sein und respektiert werden.
Der Gebrauch der Massenmedien als wirksames Werkzeug für Katechese
und Erziehung.
[00234-05.04] [IN169] [Originaltext: Englisch]
- S.Exz.
Mario GRECH, Bischof von Gozo (MALTA)
Wie der Heilige Vater in der Eröffnungspredigt dieser Bischofssynode
anmerkte, stellt die Ehe als Verbindung treuer und unauflöslicher
Liebe zwischen einem Mann und einer Frau „in sich ein Evangelium,
eine Frohe Botschaft für die Welt von heute dar.“ Des weiteren
stellte der Heilige Vater heraus, dass „die Ehe berufen ist, nicht
nur Objekt, sondern auch Subjekt der neuen Evangelisierung zu sein.“
Während die Kirche auch weiterhin dieses Evangelium der Ehe
verkündet, dürfen wir die schmerzliche Realität der vielen Ehen
nicht vernachlässigen, die leider scheitern.
Aber selbst wenn wir die Schwierigkeiten erkennen, ist es meiner
Meinung nach doch von grundlegender Bedeutung, dass wir als Kirche
im Leben vieler eheähnlicher Lebensgemeinschaften oder
wiederverheirateter Geschiedener präsent sind, die mit der ganzen
Kirche einen gemeinsamen Weg des Glaubens gehen möchten. Für die
eheähnlichen Lebensgemeinschaften, die die Aussagen des Lehramts wie
eine bedrohliche Last empfinden und denen es schwerfällt, sich mit
der Kirche, ja vielleicht mit Gott, zu versöhnen, erweist sich die
Tatsache, die Kirche auf diesem Weg an ihrer Seite zu wissen,
wirklich als eine Frohe Botschaft. Erfahrungen dieser Art lassen
eine Kirche erkennen, „die den zerbrochenen Herzen nahe ist“.
Obwohl sie aufgrund ihrer irregulären Situation nicht in voller
Gemeinschaft mit der Kirche stehen, lieben viele von ihnen den
Herrn, glauben an ihn und an die Kirche. Ich würde sagen, dass sich
diese Paare heute von dieser Synode ein "erlösendes Wort" erhoffen –
ein erleuchtendes Wort, wie das, das der Heilige Vater in Mailand
gesagt hat: “In Wahrheit ist dieses Problem der wiederverheirateten
Geschiedenen heute eines der großen Leiden der Kirche. Und wir haben
keine Patentrezepte. Und dann müssen wir, was diese Personen
betrifft, sagen, dass die Kirche sie liebt, dass sie diese Liebe
aber sehen und fühlen müssen. Es scheint mir eine große Aufgabe
einer Pfarrei, einer katholischen Gemeinde zu sein, wirklich alles
nur Mögliche zu tun, damit sie sich geliebt und akzeptiert fühlen,
damit sie spüren, dass sie keine »Außenstehenden« sind, auch wenn
sie nicht die Absolution und die Eucharistie empfangen können: sie
müssen sehen, dass sie auch so vollkommen in der Kirche leben“ (2.
Juni, 2012).
[00235-05.04] [IN170] [Originaltext: Italienisch]
- Kardinal Kurt KOCH, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung
der Einheit der Christen (VATIKANSTADT)
“Die Herausforderung der Neuevangelisierung ruft die universale
Kirche auf den Plan und macht es auch erforderlich, dass wir mit
aller Kraft fortfahren, nach der vollen Einheit unter den Christen
zu suchen.” (Benedikt XVI., La Chiesa è un immensa forza
rinnovatrice. La celebrazione dei primi vespri della solennità dei
Santi Pietro e Paolo il 28 giugno 2010, in: Insegnamenti di
Benedetto XVI., VI, 1 2010 (Città del Vaticano 2011), 984-987, hier
S. 987). Mit diesen Worten hat Papst Benedikt XVI. die Gründung des
Päpstlichen Rats zur Förderung der Neuevangelisierung angekündigt.
Die Universalkirche wird ganz besonders von der hier versammelten
Bischofssynode auf den Plan gerufen. Die Präsenz der
Bruderdelegierten und ihr Beitrag zur Synode, für den ich zutiefst
dankbar bin, erinnert uns an die zweite Aufforderung, nämlich die
Erfordernis, dass die Neuevangelisierung eine ökumenische Dimension
haben sollte.
Die unauflösliche Verbindung zwischen der Evangelisierung und den
Bemühungen um die Einheit der Christen war bereits dem II.
Vatikanischen Konzil bekannt. Das Konzilsdekret über die Ökumene
geht von der Überzeugung aus, dass die Spaltung der Christenheit
“ein Ärgernis für die Welt” sei und “ein Schaden für die heilige
Sache der Verkündigung des Evangeliums vor allen Geschöpfen” (Unitatis
Redintegratio, Nr. 1). Von seinem ersten Satz an bekräftigt das
Dekret folglich, dass “die Einheit aller Christen wiederherstellen
zu helfen eine der Hauptaufgaben des Heiligen Ökumenischen Zweiten
Vatikanischen Konzils (ist).” Ökumene und Evangelisierung werden
immer zusammen gesehen. Es würde ein schönes Zeichen setzen, wenn
von dieser Bischofssynode eine Einladung an andere Kirchen und
christlichen Gemeinschaften geschickt würde, die Neuevangelisierung
als gemeinsame Aufgabe zu verstehen und gemeinsam und noch
entschiedener Zeugnis für Jesus Christus abzulegen.
Die glaubwürdigsten Glaubenszeugen sind die Märtyrer, die ihr Leben
für Christus gegeben haben. Deshalb möchte ich auch an jene tiefe
Dimension der Ökumene erinnern, die dem sel. Papst Johannes Paul II.
so sehr am Herzen lag, nämlich die Ökumene der Märtyrer. Im
Bewusstsein der Tatsache, dass heutzutage alle Kirchen und
kirchlichen Gemeinschaften ihre Märtyrer haben, hat Papst Johannes
Paul II. in den Märtyrern “den bedeutendsten Beweis dafür (gesehen),
dass in der Ganzhingabe seiner selbst an die Sache des Evangeliums
jedes Element der Spaltung bewältigt und überwunden werden kann”
(Johannes Paul II., Ut unum sint, Nr. 1). Solange wir
Christen immer noch in einer unvollkommenen Gemeinschaft auf dieser
Erde leben, leben die Märtyrer in der himmlischen Seligkeit bereits
in vollkommener Gemeinschaft. Deshalb können wir uns mit der
Hoffnung trösten, dass das Blut der Märtyrer unserer Zeit eines
Tages zum Samen der vollen Einheit im Leib Christi werden möge. Und
diese Hoffnung wollen wir gemeinsam durch eine glaubwürdige, neue
Evangelisierung bezeugen.
[00236-05.07] [IN171] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz.
Felix GMÜR, Bischof von Basel (SCHWEIZ)
Um glaubwürdig zu sein, muss man zuerst sich selber evangelisieren
(Nr. 37). Der Aufruf zur Bekehrung ergeht an die Personen und an die
Institution. Die Bekehrung der Person findet ihre Entsprechung in
der Reform der Institutionen. Beide zielen auf die auf den Glauben
gegründete geistliche Erneuerung ab.
Viele Gläubige legen Zeugnis ab für ihren Glauben, zeigen anderen
das menschliche und personale Antlitz Jesu. Wie können wir das
Evangelisierungswerk dieser Laien herausstellen und ihre Kompetenz
anerkennen? Nehmen wir ihre Erfahrungen, ihre Fragen und konkreten
Vorschläge ernst – vor allem, was die zwischenmenschlichen
Beziehungen angeht? Ich habe den Eindruck, dass wir den Laien mehr
Gehör schenken, und das, was sie zu sagen haben, mit Wohlwollen
beurteilen müssen.
Eine Herausforderung liegt darin, zu verstehen, welche Reformen
notwendig sind. Die Ortsgemeinden, die oft ohne Priester sind,
versammeln sich um Laien, die bereit sind, verschiedene
Verantwortungen zu übernehmen. Es wäre wichtig, darüber
nachzudenken, ob es nicht ein kirchliches Mandat gibt, der ihnen –
Männern und Frauen – eine Beauftragung gibt für der Pastoralarbeit,
die sie auf der Grundlage ihrer Taufwürde ausüben.
Mehr Gehör und ein offizielles Mandat für die Laien: das sind die
beiden konkreten Zeichen, die uns als Kirche glaubwürdiger machen
könnten.
[00237-05.03] [IN172] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz.
Clet FELIHO, Bischof von Kandi (BENIN)
Die Rezeption der Frohen Botschaft erfolgte in unserem Land ab dem
18. April 1861 langsam von Süden nach Norden. Auch wenn der Norden
des Landes einen längeren Weg zurücklegen muß, ist die Kirche
insgesamt stolz auf den Fortschritt des Glaubens in den Herzen der
Menschen. Sie kämpft weiterhin, damit dieser Glaube nicht nur eine
leere Hülle bleibt, sondern Ausdruck der Nachfolge Christi,des
lebendigen Wortes des Heils ist. Deshalb setzt sich die Kirche aktiv
für den Prozeß der Inkulturation ein, der den Gläubigen helfen soll,
eine Spaltung ihres Lebens zu vermeiden, da dies die Entwicklung der
Person nicht begünstigt.
Unsere Ortskirche ist sich bewußt, daß die Beweggründe ihrer Söhne
und Töchter für die Nachfolge Christi gewöhnlich Ausdruck einer
Kultur sind, die das Höchste Wesen als Person sieht, der man sich
nähert, um von seiner Großzügigkeit zu profitieren, ein ausgenutzter
Gott, sozusagen. Sie macht sich die Worte Jesu nach der wunderbaren
Brotvermehrung zu eigen:”Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen
gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt
geworden seid” (Joh 6,26). Folglich glaubt sie, daß sie in der neuen
Evangelisierung ein Mittel findet, das es ihr gestattet, sich ihrer
Gläubigen auch nach der Zeit der Initiation in die christlichen
Sakramente weiterhin annehmen zu können. Deshalb hat sie
beschlossen, Glaubensschulen zu eröffnen, die den Menschen aller
Klassen und jeder Rangordnung offen oftlinestehen sollen, und die
ein besseres Wissen über Christus und seine Zentralität im Leben
eines Gläubigen vermitteln sollen. Nur so können wir wirklich Salz
und Licht sein, auch im Bereich der Politik und der Wirtschaft.
Die starke Ausbreitung des Islam und das Wiederaufleben der
traditionellen Kirchen zwingen die Ortskirche dazu, durch die neue
Evangelisierung die Ökumene und den interreligiösen Dialog zu ihrem
Hauptanliegen zu machen. Dazu braucht es überzeugte und in der
christlichen Soziallehre gut vorbereitete pastorale Mitarbeiter,
damit in dem Anderen nur ein Bruder gesehen wird, mit dem man
gemeinsam ein Stück des Weges geht. Wir träumen nicht von einer
ruhmreichen Kirche, sondern wir wollen den Ärmsten und den am Rande
der Gesellschaft lebenden Menschen zur Seite stehen, ohne dabei das
starke Signal der Gefahr der Verbreitung der Sekten zu
vernachlässigen. Unsere Kirche hat vor, sich als Kirche der
Gemeinschaft und des Austauschs zu definieren, sowohl in ihrem
Innern als auch außerhalb.
Möge der Geist des Herrn ihre Schritte lenken und die Fürsprache der
seligen Jungfrau Maria ihre Bemühungen verstärken.
[00238-05.06] [IN173] [Originaltext: Französisch]
- Kardinal Manuel MONTEIRO DE CASTRO, Großpönitentiar (VATIKANSTADT)
Die Apostolische Pönitentiarie, der Gerichtshof der Barmherzigkeit
im Dienst der Beichtväter und der Pönitenten, befasst sich mit
denjenigen Themen, die sowohl das sakramentale und
nicht-sakramentale Forum internum betreffen als auch all das, was
den Brauch und die Gewährung von Ablässen betrifft. Das Ziel unserer
Arbeit besteht darin, den Menschen dazu zu verhelfen, ein
zuversichtliches, ausgeglichenes und mit dem Herrn vereintes Leben
zu führen, der der einzige Erlöser unseres Lebens ist. Diese
Vereinigung wird sehr bedeutungsvoll im liturgischen Ritus der
Eucharistie ausgedrückt, wenn der Zelebrant einige Tropfen Wasser -
die unsere menschliche Natur darstellen - in den im Kelch
befindlichen Wein gießt. Vereint mit Christus werden wir von ihm in
seinen verherrlichten Leib verwandelt.
Die Neuevangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens
sucht den Menschen unserer Zeit das Antlitz Christi als mysterium
pietatis nahezubringen, als den, in dem uns Gott sein
mitleidvolles Herz zeigt und uns ganz mit sich versöhnt. Sie wird
den Gläubigen helfen, sich der Schwere der Sünde in einer Welt
bewusst zu werden, der das “Sündenbewusstsein” abhanden gekommen
ist. Zuzugeben, dass wir Sünder sind, drängt uns dazu, unser Herz
dem Herrn zuzuwenden, ihn um seine Vergebung anzuflehen und so das
Heil und den Frieden zu erlangen: “Denn ich erkenne meine bösen
Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen” (Psalm 51,5).
Es ist notwendig, dass die gute und korrekte Praxis, das
Versöhnungssakrament im Beichtstuhl zu erteilen, wieder aufgenommen
wird.
Die Apostolische Pönitentiarie veranstaltet Jahr für Jahr einen Kurs
über das Forum internum, Studientage über die Geschichte der Buße
und der Pönitentiarie, Vorträge über das Forum internum in den
verschiedenen Ortskirchen, monatliche Ausbildungstreffen für die
Beichtväter in den Päpstlichen Basiliken Roms.
Ich komme zum Schluss, indem ich an die Gleichnisse über die
göttliche Barmherzigkeit erinnere - das verlorene Schaf, die
verlorene Drachme und den verlorenen Sohn - sowie an die Worte Jesu:
“Im Himmel wird mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder,
der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig
haben umzukehren” (Lk 15,7).
[00239-05.04] [IN174] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. Arūnas PONIŠKAITIS,
Titularbischof von Sinna, Weihbischof und Generalvikar von Vilnius
(LITAUEN)
Wir brauchen glaubhafte Zeugen, die, inspiriert durch die lebendige
und fortwährende Begegnung mit Jesus den Menschen in jeder
Lebenssituation erreichen, und ihm mit Nächstenliebe und Demut das
Wort vom Heil vorstellen. Wir benötigen Heilige: Männer und Frauen,
Priester, Ordensleute, Laien.Seit November des vergangenen Jahres
feiern wir in Litauen das Jahr des seligen Georg Matulaitis
(1871-1927), Bischof, und auf diese Weise haben wir uns auf das Jahr
des Glaubens vorbereitet, angeleitet durch diesen unseren
Evangelisierer aus nicht weit entferntenTagen. In seinem geistlichen
Tagebuch drückt er einige Gedanken aus, die durch sein Lebenszeugnis
bestätigt wurden und die für die Arbeiter im Bereich der
Neuevangelisierung aktuell bleiben.
Vor allem der lebhafte Wunsch, “Christus überall hinzutragen, alles
in Christus zu erneuern, alles für Christus zu gewinnen und alles zu
Ihm zu ziehen“. Der selige Georg Matulaitis lebte dies wirklich
durch seine umfassende pastorale Aktivität unter den Arbeitern,
unter den einfachen Leuten, unter den Studenten, den Leuten
verschiedener Sprachen und Kulturen.
Sein aufrechtes Bestreben, den Glauben zu verteidigen, wurde
gekennzeichnet durch den tiefen Respekt sowohl für den Glauben
selbst als auch vor den Menschen, denen er verkündet wurde. Der
selige Georg Matulaitis schrieb, dass wir die Menschen anziehen
können, nur indem wir ihnen “unseren heiligen Glauben in seiner
ganzen Weite (vorbringen), in seiner ganzen Tiefe, in all seiner
Klarheit und Schönheit“ und so sprechen, dass auch die Gegner davon
überzeugt werden, dass wir “voller Liebe und Respekt für sie“ sind.
Der selige Georg Matulaitis lud dazu ein, den Weg der Demut
einzuschlagen, die Arbeit ohne großes Aufsehen zu verrichten und bei
den Kleinsten und Verlassenen, bei den kleinen Dingen zu beginnen.
Für die Neuevangelisierung benötigen wir ähnliche enthusiastische
Verkünder des Evangeliums, die sich einbringen, um “an jedem Ort und
zu jeder Zeit die Bedingungen schaffen, auf dass […] diese Begegnung
zwischen den Menschen und Jesus Christus geschehe“ (Instrumentum
laboris 18).
[00241-05.05] [IN176] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. Geraldo LYRIO ROCHA, Erzbischof von Mariana (BRASILIEN)
Die Neuevangelisierung soll die Menschen zu der tiefen Erfahrung der
Begegnung mit dem lebendigen Jesus Christus hinführen. Die heilige
Liturgie ist einer der privilegierten Orte für diese Begegnung (vgl.
Ecclesia in America, Nr. 12). Die persönliche Begegnung mit
dem Herrn erfolgt vor allem in der Feier der Eucharistie (vgl.
Instrumentum laboris, Nr. 18f.). Daraus folgt, dass die
liturgischen Feiern die heilige Pflicht haben, es möglich zu machen,
Jesus, das Wort des Vaters, der durch seinen Geist unter uns weilt
(vgl. SC 14), zu hören, zu erfahren und intensiv zu leben. Die
Kirche glaubt auf diesselbe Weise, wie sie auch betet: Lex orandi
lex credendi. - Die Liturgie schenkt und vermittelt uns durch
die Riten und die Gebete den Inhalt des Glaubens (SC 48). Die
Liturgie ist Quelle und Schauplatz der Evangelisierung, weil Gott in
ihr zu seinem Volk spricht und Christus sein Evangelium verkündet
(vgl. SC 33). Da die Liturgie der besondere Schauplatz für die
lebendige Gegenwart des Evangeliums und folglich der privilegierte
Ort der Erziehung im Glauben, oder auch die “dauerhafte heilige
Mystagogie der Kirche”,ist, muß dies aus der angemessenen Weise
deutlich werden, in der sie gefeiert wird. Die faszinierende und
ansteckende Schönheit des in den Riten und in den Symbolen
verborgenen Mysteriums muß in all ihrer Kraft ausgedrückt werden
können, damit die Liturgie wirklich evangelisierenden Charakter
haben kann. Die Neuevangelisierung hängt folglich weitgehend von der
Fähigkeit ab, die Liturgie zur Quelle des geistlichen Lebens zu
machen. Unsere wohl schwierigste Aufgabe und die größte
Herausforderung bestehen darin, erfolgreich dafür zu sorgen, dass
unsere Liturgiefeiern immer schöner und für die göttliche Schönheit
transparent werden, ein intensiver Augenblick der Gotteserfahrung,
der Erfahrung eines lebendigen und wahren Gottes, Quelle neuer Kraft
und der Erneuerung, die dem Christen Freude und hoffnung gibt, um in
Christus und in der Liebe des Herrn zu leben.
Das Bewußtsein des Sakramentalcharakters der Liturgie ist folglich
von höchster Bedeutung für die Neuevangelisierung. Diese erzieht uns
im Glauben gerade “mit Hilfe sichtbarer Zeichen”. Daher kommt die
Notwendigkeit, uns der Bedeutung der ars celebrandi als der
wirksamsten Form der Evangelisierung bewusst zu werden, wie es uns
Papst Benedikt XVI. im Apostolischen Schreiben Sacramentum
Caritatis (Nr. 38-65) lehrt. Die Liturgie muß - aber ganz auf
ihre Art - zur Aufgabe der Neuevangelisierung beitragen: “Die
Liturgie verkündet die Frohe Botschaft, indem sie sie zelebriert”
(vgl. SC 33).
[00242-05.04] [IN177] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. Claudio Maria CELLI, Titularerzbischof von Civitanova,
Präsident des Päpstlichen Rates für die sozialen
Kommunikationsmittel (VATIKANSTADT)
Die Neuevangelisierung verlangt von uns, Rücksicht zu nehmen auf die
“Neuheit” des kulturellen Kontexts, in dem wir dazu aufgerufen sind,
die Frohe Botschaft zu verkündigen, aber ebenso auf die “Neuheit”
der anzuwendenden Methoden. Die Neuen Medien verändern die Kultur,
in der wir leben, radikal und bieten uns neue Wege zur Verbreitung
der Botschaft des Evangeliums. Die neuen Technologien haben nicht
nur die Art der Kommunikation verändert, sondern sie haben auch die
Kommunikation selbst verwandelt, indem sie eine neue kulturelle
Infrastruktur geschaffen haben, die das Umfeld der Kommunikation
beeinflußt, und wir können nicht mehr tun, was wir immer getan
haben, auch nicht mit den neuen Technologien.
Die digitale Arena ist ein “virtueller” Raum, der keineswegs
unwichtiger ist als die “reale” Welt und, wenn die Frohe Botschaft
nicht auch “digital” verkündet wird, laufen wir Gefahr, zahlreiche
Menschen zu verlieren, für die dies die Welt ist, in der sie
“leben”. Die Kirche ist im digitalen Raum bereits vertreten, aber
die nächste Herausforderung besteht darin, unseren
Kommunikationsstil zu ändern, um diese Präsenz effizient zu machen,
indem wir uns in erster Linie mit der Frage der dafür spezifischen
Sprache befassen. Im digitalen Forum sind die Unterhaltungen
spontan, interaktiv und auf Beteiligung angelegt; in der Kirche sind
wir daran gewöhnt, geschriebene Texte als normale Kommunikationsform
zu benutzen. Ich weiß nicht, ob diese Form in der Lage ist, jüngere
Menschen anzusprechen, die an eine Sprache gewöhnt sind, die in der
Annäherung von Wort, Ton und Bild wurzelt. Wir sind dazu aufgerufen,
mit unserem Zeugnis zu kommunizieren und in den persönlichen
Beziehungen die Hoffnung, die wir in uns tragen, mitzuteilen. Wir
dürfen die Inhalte unseres Glaubens nicht verwässern, aber wir
müssen neue Wege finden, um ihn in seiner Fülle auszudrücken.
Wir sind dazu verpflichtet, uns selbst so auszudrücken, dass wir die
anderen mit einbeziehen, die ihrerseits unsere Ideen mit ihren
Freunden und “Followern” teilen. Wir müssen die “Stimmen” der
zahlreichen Katholiken, die in den Blogs vertreten sind, einbeziehen
und nutzen, damit sie evangelisieren, die Lehre der Kirche
vorstellen und auf die Fragen der anderen antworten können. Ich
denke an die Kirche, die dazu aufgerufen ist, einen respektvollen
Dialog mit allen aufzubauen und allen die Gründe für die Hoffnung,
die sie im Herzen trägt, zu erklären.
[00244-05.04] [IN179] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. Bonaventure NAHIMANA, Bischof von Rutana (BURUNDI)
Die lebendigen kleinen christlichen Gemeinschaften brauchen neue
Impulse, um eine wichtige Rolle in der neuen Evangelisierung spielen
zu können. Nach dem Krieg und den Konflikten, in die unser Land
verwickelt war, und den sich daraus ergebenen Konsequenzen, haben
wir die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Evangelisierung
festgestellt, und die Notwendigkeit eines Engagements unserer
lebendigen christlichen Gemeinschaften fürdie Vertiefung des
Glaubens und für das Leben der Kirche.
Die Dimension dieser Gemeinschaften ermöglicht den Mitgliedern, sich
untereinander zu kennen und sich gegenseitig zu helfen, und den
Zusammenhalt und die Einheit in einer Atmosphäre der Brüderlichkeit
und der Solidarität zu stärken.
Die Gemeinschaften sind ein Ort, an dem die Christen Versöhnung
erfahren können, die vor allem durch das Bußsakrament konkrete
Gestalt annimmt. Damit die Kirche ihrem Auftrag zum Dienst am
Frieden, an der Gerechtigkeit und der Versöhnung gerecht werden
kann, erfordert die neue Evangelisierung, wie der Heilige Vater
sagt,”die Versöhnung mit dem Nächsten, das Überwinden von Schranken
aller Art, wie jene der Sprache, der Kultur und der Abstammung”
(Africae Munus, Nr. 169).
Der dynamische Glaube und das Engagement dieser Gemeinschaften
begünstigen die Berufung zum Priestertum und Ordensleben, da sie das
ständige Gebet zur Förderung von Berufungen unterstützen und den
Eltern helfen, ihre Verantwortung für die Glaubenserziehung zu
erkennen.
Diese Gemeinschaften sind dazu aufgerufen, sich zusammenzuschließen,
um sich weiter zu entwickeln, um den Hunger, das Elend und die
Ungerechtigkeiten jeder Art zu bekämpfen, damit sie ihre
Lebensbedingungen verbessern und Lösungen für ihre Probleme finden
können.
[00245-05.06] [IN180] [Originaltext: Französisch]
-
S.Exz. Stanley ROMAN, Bischof von Quilon (INDIEN)
“Ihr Kleingläubigen!”, wie die Apostel im Matthäus-Evangelium (6,30)
apostrophiert werden, kann entweder ein Verweis oder aber eine
scharfe Herausforderung an uns, die Nachfolger der Apostel, sein, da
der Herr uns Freunde genannt hat und uns mit seinem unermeßlichen
Segen überschüttet hat. Wenn es eine Herausforderung ist, dann
möchte ich es gerne so verstehen, dass Glaube heißt, eine vertraute
Beziehung zu ihm aufzubauen. Redemptoris missio erinnert mich
daran: “Der Glaube wird stark durch Weitergabe!” (RM, Nr. 2).
Daher ist es meine Pflicht und Schuldigkeit als ein getaufter
Christ, ihn weiterzugeben.
Zu untersuchen, wann, wo und wie die Kirche auf die eine oder andere
Weise von ihrem Auftrag zur beständigen Evangelisierung abgewichen
ist, ist in der Tat eine lange Geschichte voll schmerzlicher
Erinnerungen. Da wir unsere Lektion aus solch schmerzlichen
Ereignissen der Vergangenheit gelernt haben, müssen wir nunmehr auf
die neue Einladung der Synode eingehen, den Sprung in die Tiefe zu
wagen, um all das, was in den unterschiedlichen Kulturen gut und
schön ist, zu sammeln, um neue Methoden zur Evangelisierung und
Neuevangelisierung der Völker der Welt anzuwenden. Die Inkulturation
sollte ermutigt werden.
Während zahlreiche Vorschläge des Instrumentum laboris meiner
bescheidenen Meinung nach von einem bereits wohlakzeptierten
katholischen Hintergrund auszugehen scheinen, habe ich den Eindruck,
dass die Stimmen derer, die sich vom sakramentalen Leben entfernt
haben, fehlen. In Indien sind wir Zeugen davon, dass junge Männer
und Frauen, ja selbst gebildete Menschen aus den entwickelten
Ländern zu vielen Ashrams (Klöstern) strömen, um etwas zu finden,
das ihnen in ihren eigenen Ländern fehlt. Ihr Hunger und Durst nach
etwas, das jenseits dieser materiellen Welt liegt, gibt uns die
Gewissheit, dass Jesus wichtig ist und dass die Heilsgeschichte in
ihrer Sprache neu erzählt und im Bezug auf ihre Lebenssituation
erläutert werden sollte.
Neuevangelisierung und Weitergabe des Glaubens
1. Katholische Schulen sind notwendig
2. Katholische Lehrer müssen unbescholten sein
3. Gut ausgebildete Laien durch kleine christliche Gemeinschaften
4. Längere Vorbereitungskurse auf die Ehe zu einem besseren
Verständnis des Ehesakraments
5. Bessere Nutzung der Massenmedien, um die Werte des Evangeliums
und das wahre Gesicht der Kirche zu verbreiten.
[00246-05.04] [IN181] [Originaltext: Englisch]
- S.Exz. Ignatius SUHARYO HARDJOATMODJO, Erzbischof von Jakarta,
Militärbischofsamt für Indonesien (INDONESIEN)
Ich möchte Ihnen eine einfache Erfahrung erzählen, die ich gemacht
habe, als ich bei einem Pfarreibesuch einen Katechisten des Ortes
traf. Ich fragte ihn: “Wieviele Katechumenen hast Du?”. Und meine
Überraschung war groß, als er sagte, er hätte mehr als neunzig. Das
waren ungeheuer viele! Ich fragte ihn also: “Hast Du Deine
Katechumenen je gefragt, warum sie in der katholischen Kirche
getauft werden wollen?”. Und er antwortete: “Viele von ihnen haben
mir gesagt, sie wären erstaunt gewesen zu sehen, wie die Katholiken
bei öffentlichen Ereignissen beten – bei Hochzeiten oder
Begräbnissen beispielsweise”. Diese Gebete berührten sie in ihrem
Inneren, weil die Anrufungen und Segnungen bei diesen Gelegenheiten
in ihrer Muttersprache gesprochen werden, und so verstehen sie ihren
Inhalt, während sie zuvor meist in einer fremden Sprache beten
gehört hatten, weil die Muslime auf Arabisch beten.
Das Evangelisierungswerk der Kirche ist, wie alle wissen, eine Geste
der Kommunikation, zu der zwei grundlegende Komponenten gehören: die
Vermittlung des Inhalts oder der Botschaft - die Offenbarung Gottes
und der Glaube an Jesus Christus -, und das Kommunikationswerkzeug
(das Mittel und die Sprache) im Kontext einer Glaubensgemeinschaft.
Was die Sprache betrifft, ist festzuhalten, dass uns die Übersetzung
eines liturgischen Textes in eine andere Sprache – und das gilt auch
für jeden anderen beliebigen Text – oft vor heikle
Herausforderungen, ja sogar Probleme stellt. Da ist auf der einen
Seite die Notwendigkeit einer wörtlichen Übersetzung – auf der
anderen aber wissen wir alle, dass eine wörtliche Übersetzung
angesichts der Verschiedenheit und der Komplexität der Sprachen
nicht immer möglich ist. Wenn der Priester zum Beispiel zu den
Gläubigen sagt: “Dominus vobiscum”, und diese antworten: “Et cum
spiritu tuo”, dann könnte das Wort “spiritus”, das in unserer
Sprache mit “roh” übersetzt wird, leicht an einen “bösen Geist”
denken lassen; und das ist auch der Grund, warum “et cum spiritu
tuo” für einige Gemeinschaften “mit deinem bösen Geist” bedeutet.
Mein Wunsch ist es – und ich hoffe, damit nicht allein dazustehen –
dass die liturgischen Texte nicht immer wortwörtlich übersetzt
werden, sondern den Inhalten der jeweiligen Zielsprache Rechnung
tragen. Vielleicht könnte man auf die Aufgabe des Übersetzens, ja
auch auf andere Bereiche des Lebens der Ortskirche, das
Subsidiaritätsprinzip anwenden – schließlich war die Subsidiarität
der Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils. Auf diese Weise können
wir uns unsere “ Treue gegenüber einer Botschaft, deren Diener Wir
sind, und gegenüber den Menschen, nedenen Wir sie übermitteln
müssen” bewahren (Evangelii nuntiandi, Nr. 4). Besonders was die
jungen Leute angeht, die in einer Kultur der Massenmedien leben,
muss die Kirche versuchen, ihre Botschaft in einer Sprache zu
vermitteln, die in ihre Herzen dringt.So wird die Ortskirche
kommunikativer und ausdrucksstärker, und dann kann der Glaube mehr
Energie erhalten und wird in ihrem Leben und in ihrem katholischen
Engagement in der Kirche und in der Welt mehr Bedeutung haben.
[00247-05.03] [IN182] [Originaltext: Englisch]
- S.Exz. Zygmunt ZIMOWSKI, Emeritierter Erzbischof-Bischof von
Radom, Präsident des Päpstlichen Rates für die Pastoral im
Krankendienst (VATIKANSTADT)
Dem Auftrag Jesu “Euntes docete et curate infirmos” (Mt 10, 6-8)
treu hat die Kirche den Dienst an den Kranken im Laufe ihrer langen
Geschichte stets als wesentlichen Bestandteil ihrer
Evangelisierungssendung verstanden. In diesem Sinne stellt die Welt
des Leidens und der Krankheit in ihren verschiedenen Ausdrucksformen
einen ganz spezifischen Bereich und einen unabdingbaren
Evangelisierungsweg dar, der daher immer wieder neu aufgegriffen
werden muss. Das zeigt besonders die Herausforderung, der sich die
Evangelisierung vor allem heute im Dialog mit der Wissenschaft und
der angewandten Biotechnologie stellen muss, in der die Möglichkeit
einer ganzheitlichen Entwicklung des Menschen selbst auf dem Spiel
steht.
Die Pastoral im Krankendienst hat einen weitverzweigten und
komplementären Aktionsradius, der von den Krankenhäusern bis zu den
Beziehungen zu den verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitswesen
reicht (Ärzte, Krankenpfleger, eigens für diesen Bereich
ausgebildete Seelsorger, Verwalter der finanziellen Ressourcen, die
für die Gesundheitspolitik bestimmt sind, Politiker, die mit der
Gesetzgebung in Fragen der Bioethik befasst sind); von der
persönlichen Begegnung mit den Personen, die vom Geheimnis des
Schmerzes gezeichnet sind und vom Dialog mit ihren Familien bis zur
Pastoral in den Pfarreien; von der Kollaboration mit der so
unterschiedlichen Welt des Volontariats bis hin zum großen Werk der
Barmherzigkeit und der Hoffnung, das in den Heiligtümern – vor allem
den Marienheiligtümern – stattfindet, die oft von zahlreichen
Kranken aufgesucht werden, auch am Weltkrankentag.
Besonders das Krankenhaus muß als ein bevorzugter Ort der
Evangelisierung betrachtet werden, weil da, wo die Kirche sich zum
“Werkzeug der Gegenwart Gottes” macht, sie gleichzeitig zum
“Werkzeug einer wahren Humanisierung des Menschen und der Welt” wird
(Kongregation für die Glaubenslehre, Lehrmäßige Note zu einigen
Aspekten der Evangelisierung, Nr. 9): das vor allem durch das Werk
des Seelsorgers “evangelisierte” Krankenhaus ist daher der “Ort, an
dem die Pflegebeziehung nicht Beruf ist, sondern Berufung und
Sendung; wo die Liebe des Barmherzigen Samariters der erste Lernort
und das Antlitz des leidenden Menschen das Antlitz Christi selbst
ist” (Benedikt XVI., Ansprache an der Katholischen
HeiligHerzUniversität in Rom, 3. Mai 2012).
Dem Auftrag ihres Herrn treu und gerade in Ausübung des
Heilungsauftrags ist die Kirche im Rahmen ihres pastoralen Wirkens
im Gesundheitswesen folglich aufgerufen, sich zum Protagonisten
jener “Diakonie der Nächstenliebe“ zu machen, „die für die Sendung
der Kirche grundlegend ist” (Benedikt XVI., Botschaft an die
Teilnehmer der XXV. Internationalen Konferenz des Päpstlichen Rats
für die Pastoral im Krankendienst, 18. November 2010), und auf
beredte und stets aktuelle Weise Zeugnis für sie abzulegen.
[00248-05.02] [IN183] [Originaltext: Italienisch]
- Kardinal Kazimierz NYCZ, Erzbischof von Warschau, Ordinarius für
Gläubigen des orientalischen Ritus, die keinen eigenen Ordinarius
für ihren Ritus haben (POLEN)
Die erste Woche der Synodendiskussionen hat gezeigt, wie wichtig und
dringend das Thema der Neuevangelisierung ist. Dabei haben die
Beiträge die Probleme genannt, welche die Kirche in allen Teilen der
Erde hat. Zweifellos bleiben gemeinsame Probleme in einer globalen
Welt die Säkularisierung, der Relativismus, der Subjektivismus
ebenso wie die Privatisierung der Religion. Über diese
Gemeinsamkeiten hinaus können wir allerdings auch von einer
Geographie der Neuevangelisierung reden. Das nämlich, was den
Unterschied zwischen den verschiedenen Gegenden der Welt ausmacht,
sind die Menschen, an welche die Neuevangelisierung gerichtet ist.
In den europäischen Ländern haben wir mit Getauften zu tun, die dann
aus verschiedenen Gründen Christus und die Kirche verlassen. In
Polen wird man in den allermeisten Fällen als Kind getauft. Der
Grund für einen Abfall von Christus und der Kirche ist dann der, daß
die Entscheidung der Eltern zur Taufe ihres Kindes nicht von einem
tiefen Glauben getragen ist. Es fehlt sozusagen, gerade seitens der
Eltern und der vertrauten Nächsten an dem erforderlichen Minimum an
Glauben. Man fragt sich in solchen Fällen, ob die Taufe hier
angemessen ist. Die polnische Kirche muß deshalb das Problem der
Einführung in den Glauben, in das Gebet, in die Sakramente, in die
Gemeinde angehen. Wir wissen, daß der vorrangige Ort dieser
Einführung in den Glauben die Familie bleiben muß, trotz aller
Probleme und Schwächungen, denen sie in der heutigen Welt ausgesetzt
sind. In diesem Zusammenhang ist es natürlich, daß sie die Hilfe der
Pfarrei, der geistlichen Bewegungen und der Gemeinschaften, die in
der Pfarrei wirken, benötigt. Die Pfarrei sollte der bevorzugte Ort
der Neuevangelisierung sein. Ich möchte jetzt noch kurz auf die
Katechese in Pfarrei und Schule eingehen. In Polen ist diese ein
wichtiges Instrument der Neuevangelisierung. Im Unterschied zu
vielen europäischen Ländern, wie Kardinal Erdö erinnert hat, gibt es
in den polnischen Schulen nicht nur den Religionsunterricht, sondern
wir versuchen, auch die Katechese dort einzuführen. In den meisten
polnischen Gegenden nehmen 90 Prozent der Schüler am
Religionsunterricht teil. Das Mißverhältnis zwischen der Teilnahme
am Religionsunterricht und der Teilnahme am sakramentalen Leben der
Kirche ist für die Neuevangelisierung in Polen eine große
Herausforderung und für die Katechese in der Schule eine gute
Gelegenheit und große Verantwortung. Und das gilt sowohl für die
Jugendlichen wie für ihre Eltern. Die Katechese in der Schule bleibt
eine nicht voll ausgeschöpfte Gelegenheit zur Evangelisierung und
zur Begegnung mit denen, die trotz der Taufe Christus und der Kirche
den Rücken gekehrt haben. Was muß man tun, um diese Gelegenheit
nicht zu verschwenden? Eine neue Form der Ausbildung der Katechisten
und der pfarrlichen Gruppenleiter scheint nötig zu sein. Dabei
reicht eine Ausbildung für Pastoral und Katechese nicht aus. Wir
brauchen eine Ausbildung für Evangelisierung. In Polen sind in den
Diözesen und in den kirchlichen und katholischen Hochschulen im
Rahmen der Neuevangelisierung und der Vorbereitung auf das Jahr des
Glaubens zahlreiche Schulen für die Neuevangelisierung entstanden.
Das scheint eine Hoffnung für die Neuevangelisierung zu sein.
[00249-05.04] [IN184] [Originaltext: Italienisch]
- S.Exz. Adriano LANGA, O.F.M., Bischof von Inhambane (MOSAMBIK)
Ich möchte hervorheben, dass die Evangelisierung in Afrika ein
großartiges Werk geleistet hat und dies immer noch tut. Und dies
kann zu Recht gelobt werden. In dieser Kirche jedoch hat es nicht an
Problemen jeglicher Art gefehlt, die das Vordringen der Verkündigung
des Evangeliums behindern.
In den Ländern alter christlicher Tradition spricht man von neuen
“Methoden” und neuen “Begriffen” für die Verkündigung des
Evangeliums, weil die bereits existierenden keine Bedeutung mehr für
den Menschen von heute haben. In Afrika war das Hauptproblem der
Dialog mit den örtlichen Kulturen. Wenn man jetzt von neuer
Evangelisierung spricht, ist es notwendig, dass die Kirche sich die
Frage nach dem stellt, was die Evangelisierung Afrikas, des
afrikanischen Menschen behindert. Es ist notwendig, dass die Kirche
sich fragt, was dieses \pard softlineAfrika ist und wer dieser
Afrikaner ist. Tatsächlich kann man sagen, dass in Afrika ein
“Unbekannter” einen anderen “Unbekannten” das Evangelium gelehrt
hat. Die anthropologisch -kulturelle Frage ist von entscheidender
Bedeutung und machte den entscheidenden Aspekt der Evangelisierung
in Afrika aus. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Lehramt in
verschiedener Weise auf den Plan gerufen, um die Aufmerksamkeit der
Evangelisierer zu erwecken. Noch heute ist es notwendig darauf zu
bestehen, denn für viele Missionare bleiben die Weisungen des
Lehramtes und die Stimme der Humanwissenschaften und sozialen
Wissenschaften toter Buchstabe.
Eine Folge davon ist, dass die Evangelisierung des“Unbekannten”
durch einen anderen “Unbekannten” einen Christen hervorgebracht hat,
der innerlich geteilt und gequält ist, verwundbar angesichts der
Sekten wegen der Zwiespältigkeit, der er im praktischen Leben
unterworfen ist, da er gezwungen ist, die Überzeugungen, den
Volksglauben, die Praktiken der Vorfahren ohne eine entsprechende
Katechese aufzugeben.
Es ist notwendig, dass in der Person des Evangelisierers das
Evangelium weiß, wer der Afrikaner ist: es ist notwendig, dass er
weiß, was diesen Menschen unter kulturellem, sozialem und
politischen Gesichtspunkt freut oder betrübt. Es ist notwendig, dass
der Evangelisierer zum Afrikaner in einer Art und Weise spricht,
dass dieser wie die Samariterin sagen kann: “Er hat mir alles
gesagt, was ich getan habe” (Joh 4,39); es ist notwendig, dass die
Afrikaner den Evangelisierern das sagen, was die Samariter der
samaritischen Frau gesagt haben: “Nicht mehr eaufgrund deiner
Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und
nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt” (Joh 4,42). Diese
Begegnung zwischen Jesus und der Samariterin geschah sicher, weil
Jesus tief von ihrem Leben durchdrungen war; um dies zu tun, sprach
Jesus ihre Sprache und bediente sich ihrer Ausdrucksweise. Er sprach
nicht so, wie er zu den Juden, den Schriftgelehrten und den
Pharisäern sprach.
Deshalb ist es unerlässlich und dringend notwendig, dass die
Inkulturation aufhört, toter Buchstabe zu sein. Ein Missionar, oder
jeder andere Evangelisierer, wie bereitwillig er auch immer sein
mag, wird“neue Methoden” oder “neue Sprachen” oder “neue
Ausdrucksweisen” in Afrika und noch viel weniger für die Afrikaner
erfinden, ohne sich in ihre Kultur hineinzuversetzen. Wenn die
Neuevangelisierung eine Frage von “Methoden” und “Ausdrucksweisen”
ist, um “neu” zu sein, muss sie über die Inkulturation gehen.
[00250-05.05] [IN185] [Originaltext: Portugiesisch]
- S.Exz. Cristoforo PALMIERI, C.M., Bischof von Rrëshen (ALBANIEN)
Die Evangelisierung – als Erstverkündigung für jene, die in Albanien
geboren wurden und nichts von Gott wussten, außer der ein oder
anderen, von den alten Menschen heimlich vollbrachten christlichen
Geste – oder die Evangelisierung der muslimischen Brüder, die
christliche Wurzeln hatten und noch haben, und die sich der
Verkündigung gegenüber aufgeschlossen zeigen, war und ist mehr denn
je notwendig und ist bei uns dringlicher als andernorts.
Wir erwarten uns daher von dieser Synode stimulierende Hinweise und
neue Methoden, um uns alle dazu getrieben zu fühlen, uns sowohl zu
angemessener als unangemessener Zeit mit Liebe und Opferbereitschaft
(die auch aufgrund der verschiedenen Probleme und der geographischen
Zerstreuung der Bevölkerung notwendig ist, die die Begegnung und
Aggregation schwieriger macht, wozu noch die Armut der Bevölkerung
kommt), in der Predigt zu engagieren.
Die Ernte ist alles andere als gering, ja, sie ist zum Teil schon
bereit; es fehlt, um sie einzufahren, allerdings noch an eifrigen
instruierten Arbeitern – an Arbeitern, die zum Opfer bereit und
ihrem Volk nahe sind, und das nur aus Liebe und mit Liebe, ganz
gleich, ob sie Einheimische oder eine Gabe anderer Schwesterkirchen
sind.
Wir hoffen, dass uns die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils,
die uns erst 50 Jahre, nachdem es stattgefunden hat, in albanischer
Sprache zur Verfügung stehen, das Wort der Kirche näherbringen.
Es unterstütze uns das Gebet all jener unter Euch, die sich unserer
Probleme annehmen wollen.
Wir hoffen, dass das Blut der Märtyrer, die während des
kommunistischen Regimes getötet wurden – der Seligsprechungsprozess
von 40 von ihnen ist bei der Kongregation für die Selig- und
Heiligsprechungsprozesse bereits an einem guten Punkt angelangt –,
auch für uns in Albanien folgendes bewirken wird: eine
Wiedererweckung des christlichen Lebens; den Wunsch, die
Glaubensgründe tiefer, erleuchteter und überzeugter zu machen, damit
wir auch die Leere füllen können, die in den Jahren der Diktatur
entstanden ist; und dass er uns zu Missionaren für jene mache, die
der Kirche fernstehen.
Möge die ganze Kirche, also all jene, die vor Gott die größte
Verantwortung tragen, auch für die Verkündigung des Evangeliums,
schon bald die Geburt einer neuen Menschheit erleben, eines neuen
Menschen, und gewiss nicht eines solchen wie dessen, der sich
anmaßte, die kommunistische Diktatur schaffen zu wollen, ein Mensch
ohne Gott, ohne Kirche, und folglich vollkommen inkonsistent in sich
selbst, sondern eines Menschen, der nach Gottes Willen in
Gerechtigkeit und Heiligkeit geschaffen wurde.
[00251-05.02] [IN186] [Originaltext: Italienisch]
- Kardinal Laurent MONSENGWO PASINYA, Erzbischof von Kinshasa
(DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO)
In der Erfahrung der jungen afrikanischen Kirchen wurden wir durch
die Begegnung mit den Missionaren sofort in einen interkulturellen
Kontext eingefügt, wie es uns Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch
in Benin im November 2011 in Erinnerung gerufen hat. Die ersten
Verkünder des Evangeliums kamen nämlich von außen und hatten ihre
eigene Kultur, eine Kultur, die anders war als unsere. Daher das
Wunder der Polysemie im missionarischen Diskurs, ein Werk des
Heiligen Geistes.
Nach langen theologischen Debatten konnte der Begriff der
Inkulturation geklärt werden. Aber wenn der Begriff auch noch
relativ jung ist, so ist dessen Realität doch so alt wie die
Erfahrung Israels. Dieses Volk, das in den Genuss der Erfahrung der
Offenbarung gekommen war, mußte sich vor allem mit der
hellenistischen Kultur auseinandersetzen. Es musste eine Art und
Weise erfinden, um “jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der
Hoffnung fragt, die euch erfüllt”. Auch die Apostel Jesu, und dann
der hl. Paulus, haben sich der griechischen Kultur bedient, um die
Erfahrung des Mysteriums Christi mitzuteilen. Das Zweite
Vatikanische Konzil hat diese Dynamik bekräftigt und verlangt, dass
„ in jedem soziokulturellen Großraum die theologische Besinnung
angespornt werden muss, die im Licht der Tradition der Gesamtkirche
die von Gott geoffenbarten Taten und Worte, die in der Heiligen
Schrift aufgezeichnet sind und von Kirchenvätern und Lehramt
erläutert werden, aufs neue durchforscht” (Ad gentes, Nr. 22, vgl.
Lumen gentium, Nr. 23).
Die Inkulturation ist jener nie abgeschlossene Prozess der
Inkarnation des christlichen Lebens und der christlichen Botschaft
in den Kulturen. Auf diese Weise findet die Erfahrung des
Geheimnisses Christi einerseits ihren Ausdruck in uns, und wird
andererseits zum Prinzip, Urteilskriterium und Interessenpunkt der
persönlichen und gemeinschaftlichen Lebensmodelle (vgl. Evangelii
Nuntiandi, Nr. 19).
Die Evangelisierung ist ein nie ganz abgeschlossenes Werk, sondern
ein nie endender Dialog zwischen der Evangeliumsbotschaft und der
Kultur, die von ihrem Wesen her dynamisch und in Bewegung ist. Diese
kontinuierliche Metamorphose, Zeichen des Lebens, findet auch in
unseren menschlichen Gemeinschaften statt, in denen Generation auf
Generation folgt. Die Erfahrung Jesu Christi kann in ihrer Form und
in ihrem Inhalt nur von einer Generation zur anderen weitergegeben
werden; aber wie uns die Schrift lehrt, müssen wir die Erzählung von
der freudvollen Begegnung mit Jesus Christus weitergeben, damit
unsere Zeitgenossen, und ganz besonders die jungen Menschen (vgl. Ex
13; Jos 4), ihm die Tür ihres Herzens öffnen können (vgl. Offb 3,
20; Joh 4). Das ist wahrscheinlich der tiefe Sinn der christlichen
Identitätskrise, die bewirkt, dass wir uns heute so verloren fühlen.
Welche Sprache soll man verwenden, um den Menschen unserer Zeit, der
aufgehört hat, sich die Gottesfrage zu stellen, oder der sie auf
eine falsche Weise stellt, vom Gott Jesu Christi zu erzählen? Das
von Benedikt XVI. vorgeschlagene Bild des Vorhofs der Heiden öffnet
interessante Horizonte.
Und so wird die neue Evangelisierung zur Aufforderung, in der Kultur
unserer Zeit jene Sprache zu finden, die am besten geeignet dafür
ist, von dieser Erfahrung zu erzählen, damit sie in allen Bereichen
des menschlichen Lebens in konkrete und beredte Taten umgesetzt
werden kann.
[00252-05.02] [IN187] [Originaltext: Französisch]
- S.Exz. Franz-Peter TEBARTZ-VAN ELST, Bischof von Limburg
(DEUTSCHLAND)
Artikel 92 des Instrumentum laboris verweist mit Bezug auf Evangelii
nuntiandi darauf, dass Evangelisierung ein Prozess mit Phasen und
Stufen ist. Beispielhaft wird das im frühkirchlichen Katechumenat
deutlich. Wie in anderen Ländern können wir auch in Deutschland seit
fast 20 Jahren feststellen, dass der Katechumenat zu einer der
großen Früchte des Konzils geworden ist. Drei Zusammenhänge sind
durch die wiederbelebte Praxis des Katechumenates zur Anregung für
die Suche nach einer neuen Evangelisierung geworden: Glaubenswege
brauchen Glaubensinhalte. So entsteht eine Glaubensvergewisserung,
die eine Glaubensidentität ausbildet. Dabei sind Biografie und
Botschaft keine Gegensätze; - geht es im Glauben doch um ein Leben
lernen, das wert und fähig ist, immer zu bleiben. Liturgie ist nicht
menschliches Machwerk oder kreativer Aktionismus. Katechumenale
Liturgie macht den Taufbewerbern und Getauften gleichermaßen
anschaulich: Die Berufung eines Menschen zum Glauben ist Gottes
Initiative und sein Werk. Eine Liturgie, die das widerspiegelt, wird
zur katechetischen Schule. Es ist die Berufung Einzelner, die die
Gemeinschaft der Getauften in die zweite Bekehrung, d. h. in eine
neue Evangelisierung führt.
[00253-05.04] [IN188] [Originaltext: Deutsch]
- S.Exz. Joseph WERTH, S.I., Bischof der Diözese Verklärung Christi
in Nowosibirsk (RUSSISCHE FÖDERATION)
Russland ist das größte Land der Welt. Katholiken machen knapp 1 %
der Bevölkerung aus.
Dieses Land wurde im XX. Jahrhundert von der grausamsten
Glaubensverfolgung heimgesucht. Die äußere Struktur der Kirche war
völlig zerstört worden. Nur kleine Gemeinden, einzelne Familien
konnten den Glauben bewahren.
Und nun sind wir schon mehr als 20 Jahre frei! Wir haben wieder
Kirchen, Gemeinden, Priester. Wir haben katholische Schulen,
Kindergärten, Zeitschriften, Radio und Fernsehstudios. Ich danke im
Namen aller Katholiken Russlands Euch allen, der Weltkirche für Eure
Hilfe und Unterstützung!
Der Kommunismus hat tiefe, schreckliche Spuren
hinterlassen. Unsere Gesellschaft braucht einen langen Heilkurs.
Auf was beruht unsere Hoffnung heute?
Erstens auf den Fürbitten unserer Märtyrer. Wir bauen heute auf dem
Fundament der Märtyrer des XX. Jahrhunderts. Letztendlich ist es das
Fundament des Kreuzes Jesu Christi.
Zweitens erwarte ich viel von den kommenden 3 Jahren, in denen wir
die Lehre des II. Vatikanischen Konzils wiederholen wollen.
Vor 50 Jahren haben die Bischöfe der ganzen Welt im Vatikan und der
Heilige Geist wichtige Beschlüsse getroffen, die das Angesicht der
Kirche erneuern sollten. Die Ankündigung und der Anfang des Konzils
haben Freude und Begeisterung im gläubigen Volk hervorgerufen.
Und wir, - die Katholiken in der SU, - waren vor 50 Jahren durch den
"eisernen Vorhang" von der freien Welt, von der Weltkirche getrennt.
Der eigentliche Prozess der Wiederholung der Lehre des II.
Vatikanischen Konzils wird den Zeitraum vom 11. Oktober 2012 bis 8.
Dezember 2015 einnehmen. Wir haben heute vielleicht sogar Vorteile
vor der freien Kirche damals. Von der 50-jährigen Entfernung aus mit
einer 50-jährigen Erfahrung der Kirche können wir heute manche
negativen Momente vermeiden.
Möge das 50-jährige Gedenken des Konzils ein wahres Pfingsten,
Pentecoste, - für die Kirche in Russland werden!
[00254-05.05] [IN189] [Originaltext: Deutsch]
AUDITIO AUDITORUM (I)
Die folgenden Auditoren ergriffen das Wort:
-
Prof. José PRADO FLORES, Gründer und Internationaler Direktor der
Schulen für ftlineEvangelisierung "Sant'Andrea" (MEXIKO)
-
Herr Manoj SUNNY, Regisseur und Journalist; Gründungsmitglied der
Bwegung "Jesus Youth" (INDIEN)
-
Dr. Riad SARGI, Präsident der Gesellschaft des heiligen Vinzenz von
Paul in Damasco (SYRIEN)
-
P. Vinko MAMIĆ, O.C.D., Präsident der
Union der Höheren Ordensoberen und -oberinnen in Kroatien (KROATIEN)
-
Prof. Marco IMPAGLIAZZO, Präsident der Gemeinschaft Sant'Egidio
(ITALIEN)
-
Herr Mikhail FATEEV, Produktionsleiter beim Fernsehkanal "United
Television" in Sankt Petersburg (RUSSISCHE FÖDERATION)
-
Prof. Guzmán CARRIQUIRY, Sekretär der Päpstlichen Kommission für
Lateinamerika (URUGUAY)
Wir geben hier die Zusammenfassungen der Beiträge wieder:
- Prof. José PRADO FLORES, Gründer und Internationaler Direktor der
Schulen für Evangelisierung "Sant'Andrea" (MEXIKO)
So wie Jesus und Maria in Jerusalem Jesus verloren haben, so kann
etwas Ähnliches auch auf dem Pilgerweg unserer Kirche geschehen.
Vor fünfhundert Jahren haben wir die freudige Erstverkündigung
hinter uns gelassen und uns in die Sakramente, die Dogmen und den
Katechismus geflüchtet, die an sich nicht schlecht sind, wenn sie
nach der Erstverkündigung kommen. Aber nicht vorher, und vor allem
nicht an ihrer Stelle.
Einige haben das Wort Gottes verloren und ziehen schematische
menschlichen Weisheit vor.
Ich wage es nicht zu behaupten, dass wir Jesus verloren haben, aber
ich frage mich...
- Halten wir wirklich alles für Verlust und Unrat angesichts der
“Erkenntnis des Auferstandenen” (vgl. Phil 3,7-8)?
- Erkennt man in uns die Freude dessen, der den verborgenen Schatz
gefunden hat? (Mt 13,44)
- Warum fällt es bei vielen Frömmigkeitspraktiken schwer, darin den
lebendigen und auferstandenen Jesus zu finden?
- Wenn der auferstandene Jesus nicht dem ganzen Volk erscheint,
sondern “nur den Zeugen”, die das Evangelium verkünden (Apg
10,40-42): Können wir dann sagen, dass wir dem lebendigen Jesus
persönlich begegnet sind, der uns zu Zeugen macht?
Das Volk Gottes wiederholt uns und fordert: :θέλομεν
τὸν ̓ΙησοØν
ἰδεÃν,
“Wir wollen Jesus sehen.” Paulus versagte auf dem Aeropag, weil er
von der Auferstehung gesprochen hat, aber nicht vom auferstandenen
Jesus, während Petrus einen reichen Fang in Jerusalem erreicht hat,
weil er Κατενύγησαν τ±
καρδίᾳ,“das Herz durchbohrt hat” mit dem
Schwert des Geistes.
Das Problem ist nicht, dass die katholische Kirche nicht
evangelisiert, sondern dass die Evangelisierung zuweilen von “nicht
Evangelisierten” durchgeführt wird. Das heißt, dass einige Verkünder
des Evangeliums noch nicht zum Jordan hinabgestiegen sind, um eine
persönliche Erfahrung der Liebe Gottes zu machen, und den
Abendmahlssaal noch nicht betreten haben, um ihr persönliches
Pfingstfest zu erleben.
Die Pädagogik des Glaubens ist wie ein Fußballspiel, das in zwei
Halbzeiten gespielt wird. Die erste Halbzeit: die Erstverkündigung;
die zweite Halbzeit: die Katechese und die Theologie. Das heißt die
Evangelisierer spielen in der ersten Halbzeit und die Katecheten und
Lehrer in der zweiten Halbzeit.
Wie Jesus und Maria zurückgekehrt sind und Jesus dort wiederfanden,
wo sie ihn verloren hatten (Lk 2,45), so wollen auch wir nach
Jerusalem zurückkehren, wo es ein leeres Grab gibt!
[00187-05.10] [UD008] [Originaltext: Italienisch]
- Herr Manoj SUNNY, Regisseur und Journalist; Gründungsmitglied der
Bwegung "Jesus Youth" (INDIEN)
Vier Bereiche, die im Kontext der Neuevangelisierung Aufmerksamkeit
verdienen:
1. Die zentrale Rolle der Laien: Mehr als jeder andere Teil der
kirchlichen Gemeinschaft sind die Laien in der Welt und in die
sieben Bereiche involviert, die im Instrumentum laboris aufgezählt
werden (Nr. 51-67). Die wichtige Bedeutung der Laien für die
Erreichung der entscheidenden Bereiche der säkularen Welt in der
Zusammenarbeit mit dem Klerus zu erkenne, ist lebenswichtig für die
“neue Evangelisierung”.
2. Die Bedeutung der Evangelisierung Asiens: Wir müssen uns auf die
Evangelisierung Asiens konzentrieren, in Anbetracht der wachsenden
Wirtschaft Asiens, des schnellen Wachstums CHINDIAS (China und
Indien) und der hohen Migrationszahlen aus China in verschiedene
Teile der Welt. Die Evangelisierung der Laien in Asien wird im
Gegenzug das wirksamste Mittel zur weltweiten Evangelisierung
sein.3. Die dringend notwendige Ausbildung von jungen Missionaren:
In Anbetracht der Tatsache, dass es auf der Erde drei Milliarden
Menschen gibt, die jünger als 25 sind, ist es dringend notwendig,
diese jungen Leute zu Missionaren auszubilden. In der Bewegung
“Jesus Youth” folgen wir sieben Schritten, um dies zu tun: 1.
Hinausgehen und sie zu einer Gruppe von Freunden einladen; 2. Sie zu
einer Begegnung mit dem Herrn hinführen; 3. Sie in eine Gemeinschaft
integrieren und in eine vom Glauben geprägte Kultur; 4. Ihnen
helfen, ihre Berufung und ihre Charismen zu entdecken; 5. Für eine
Katechese zum Aufbau ihres katholischen Glaubens sorgen; 6. Sie
motivieren und zur Mission aussenden; 7. Ihnen helfen, am Leben der
Bewegung und seiner Kultur der Mission und des Engagements
teilzunehmen.
4. Das Entstehen von neuen kirchlichen Bewegungen und die Bildung
von Laienmissionaren: Die in Abschnitt 115 erwähnten kirchlichen
Bewegungen haben das neue Phänomen der Vollzeit-Laienmissionare
entstehen lassen, das für die “neue Evangelisierung” unerlässlich
ist. Viele Laien sind aufgerufen, ihre Vollzeitjobs aufzugeben und
als Missionare zu dienen. Ausgerüstet mit großen professionellen
Begabungen und besserem Zugang zu säkularen Wegen, bringen sie das
Evangelium in die entferntesten Bereiche der Welt, die die Kirche
nur sehr schwer erreicht. Die Kirche muss diese Laienmissionare
anerkennen und ermutigen und ihre Ausbildung unterstützen, damit die
“neue Evangelisierung” wahrhaft wirksam sein kann.
[00191-05.04] [UD012] [Originaltext: Englisch]
- Dr. Riad SARGI, Präsident der Gesellschaft des heiligen Vinzenz
von Paul in Damasco (SYRIEN)
Während der letzten wenigen Tage dieser Synode haben wir eine Menge
von Vorträgen von den Synodenvätern aus verschiedenen Länder der
ganzen Welt gehört. Wir haben Wissen und Erfahrungen zum Hauptthema
dieser Synode ausgetauscht. Meiner Ansicht nach ist das Ziel der
Kirche, wie sie die Christen in ihren eigenen Familien, in ihren
Städten, ihren Ländern und in der ganzen Welt das Evangelium konkret
ins Leben umsetzen will. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir
zulassen, dass Kinder und junge Leute vom Evangelium, vom
Katechismus und den Lehren der Christenheit genährt werden und
später dieses Wissen weiter verbreiten. Um dieses Ziel zu erreichen,
müssen wir Methoden, um Mädchen und Jungen anzusprechen, finden. Wir
können sie nicht verpflichten, zur Kirche zu kommen, um eine gute
christliche Erziehung zu erhalten. Deshalb müssen wir Mittel und
Wege finden, um sie zu ermutigen, zur Kirche zu kommen durch die
Schaffung einer Atmosphäre voller Freude und Segen und durch
Übermittlung von christlichem Wissen, das auf moderner Technologie
fußt: durch die Medien, Computer und die modernen
Kommunikationssysteme. Bischöfe und Priester müssen auch mit
Erwachsenen in ihren Gemeinden und Diözesen kooperieren und alle
vorhandenen Möglichkeiten dabei nutzen.
Heiliger Vater, wir sind in unserem Lande die Minderheit, und wir
haben zwei unterschiedliche Termine für das Osterfest. Im kommenden
Jahr 2013 wird der zeitliche Abstand zwischen ihnen fünf Wochen
betragen. Diese Situation bringt die Christen in Bedrängnis, und
viele fühlen sich wegen dieser Situation vor dem auferstandenen
Jesus Christus schuldig. Wir bitten untertänig, dass eine Lösung für
dieses tiefgreifende Problem zwischen unserer Kirche und den
orthodoxen Kirchen gefunden werden möge.
[00223-05.04] [UD015] [Originaltext: Englisch]
- P. Vinko MAMIĆ, O.C.D., Präsident der
Union der Höheren Ordensoberen und -oberinnen in Kroatien (KROATIEN)
Ich finde es bezeichnend, dass im Vorwort des Instrumentum Laboris
Mt 8,26 zitiert wird: „Warum habt ihr solche Angst, ihr
Kleingläubigen?“, während im Schlusswort ein anderes Zitat aus Mt
28,5 zweimal zitiert wird: „Fürchtet euch nicht!“. Der letzte Satz
des Dokuments bekräftigt„ dass “Fürchtet euch nicht!“ die Worte der
Neuevangelisierung seien.
Evangelisieren bedeutet grundsätzlich, Menschen beizustehen, um zur
Gabe des Glaubens und der christlichen Lebensweise zu gelangen.
Folglich ist die Verkündigung des Wortes Gottes nur ein Teil dieser
Aufgabe. Wie in diesen vergangenen Tagen erwähnt, beruht
Evangelisierung auch auf Kontemplation und Schweigen. In der Tat war
der gedenkwürdige und wahrscheinlich wirkungsvollste Moment der
Evangelisierung während des Besuchs des Heiligen Vaters Benedikt
XVI. in Kroatien im letzten Jahr ein kurzer Augenblick des
Schweigens und der eucharistischen Anbetung mit der Jugend auf dem
Hauptplatz von Zagreb, der Hauptstadt. In dieser Stille, die
ungefähr fünf Minuten anhielt, erfuhren viele, die bei der
Versammlung anwesend waren, die Nähe Gottes und seine Liebe – wie
sie später bezeugten. Niemand empfand Furcht, sie waren von ihren
Lasten und Ängsten befreit, sie genossen es, beisammen zu sein; sie
waren wirklich glücklich und verbrachten den Rest des Tages mit
fröhlichem Singen und einer Danksagung an Gott. Ich glaube nicht,
dass Worte oder wunderbare Gedanken wirkunsvoller hätten
evangelisieren können als dieser Moment kontemplativer Stille, der
es ihnen erlaubte, persönlich Jesus Christus zu begegnen.
Stille und Kontemplation sind lediglich sporadisch im Instrumentum
Laboris erwähnt. Ich denke, dass sie in größerem Maße
herausgearbeitet werden sollten, wenn wir den Pfad in Richtung auf
eine Aktualisierung des Schlüsselwortes des Dokuments „Fürchtet euch
nicht!“ besser kennzeichnen wollen. Einige der Ideen, die in der
Botschaft des Heiligen Vaters zum 46. Kommunikationstag enthalten
sind und den Titel tragen „Die Stille und das Wort: Pfad der
Evangelisierung“, könnten als Ausgangspunkt dienen.
[00229-05.04] [UD016] [Originaltext: Englisch]
- Prof. Marco IMPAGLIAZZO, Präsident der Gemeinschaft Sant'Egidio
(ITALIEN)
Ich möchte zwei Zeichen der Zeit herausstellen, in denen das Thema
der neuen Evangelisierung angesiedelt werden kann. Erstens: die
Globalisierung.
In der globalisierten Welt fühlen sich der Mann und die Frau
„verloren”, da ihnen viele Formen der Gemeinschaft fehlen. Es ist
eine wirkliche, stillschweigende anthropologische Revolution. Der
Mann und die Frau sind allein. Der Katholizismus hatte lange mit der
Realität der Säkularisierung zu kämpfen – weniger mit der
Globalisierung, die nicht ideologischer Art ist, was aber nicht
heißt, dass sie keine anthropologischen Konsequenzen hätte.
Die spirituelle christliche Dimension ist eng verbunden mit der
sozialen und gemeinschaftlichen Dimension, also mit der menschlichen
Nähe. In dieser Kultur bedeutet die neue Evangelisierung das
Entdecken einer Dimension der Gemeinschaft und der Einheit. Die
Kirche ist Gemeinschaft.
Und dann gibt es da noch ein zweites, nicht zu übersehendes Zeichen
der Zeit: die Zahl der Armen steigt und die Armut breitet sich immer
mehr aus.
Wir müssen zugeben, dass unsere Landsleute in den letzten Jahren auf
eine Art und Weise über die Begegnung mit den Armen gesprochen
haben, die nicht nur wenig anziehend wirkte, sondern eher schal,
administrativ war, manchmal sogar “politisierend” oder
“soziologisierend”, auf jeden Fall wenig kommunikativ und
ansprechend. Dabei ist die Freundschaft mit den Armen doch das Herz
des Christentums! Die Gegenwart des Armen hat eine geheimnisvolle
und menschliche Kraft: sie kann mehr verändern als eine Rede, sie
lehrt uns, was Treue ist, belehrt uns über die Zerbrechlichkeit des
Lebens, hilft uns, mit ihnen zu beten. Der Kontakt zu den Armen
müsste auch auf dem Bildungsweg junger Menschen präsenter sein.
Die neue Evangelisierung geschieht auch durch eine neue Begegnung
mit den Armen, in der der “verlorene” und individualistische Mensch
der Begegnung mit Christus selbst zugeführt werden kann.
ne [00287-05.04] [UD021] [Originaltext: Italienisch]
- Herr Mikhail FATEEV, Produktionsleiter beim Fernsehkanal "United
Television" in Sankt Petersburg (RUSSISCHE FÖDERATION)
In Russland gehören die meisten Christen erst zur ersten Generation
von Gläubigen. Zahlreiche Menschen haben unser christliches Leben
erst im Erwachsenenalter begonnen. Da wir nicht in christlichen
Familien aufgewachsen sind, haben wir keinerlei Erfahrung, die zur
Erziehung unserer eigenen Kinder erforderlich wäre.
Dieses Problem teilen nun alle christlichen Konfessionen in
Russland: die Katholiken, die Orthodoxen und die Protestanten. Das
ist der Grund dafür, dass wir versuchen, diese Herausforderung
gemeinsam zu meistern. Eine offizielle Zeitschrift der
Russisch-Orthodoxen Kirche in St. Petersburg bittet regelmäßig
katholische Autoren darum, Texte über christliche Erziehung, den
Katechismus und ein christliches Familienleben zu verfassen. Wir
haben darin ein inspirierendes Beispiel für eine Kooperation
zwischen zwei Schwesterkirchen. Diese Kooperation legt Zeugnis ab
für die wahre Einheit der Christen, derer wir in der modernen
säkularisierten Welt so sehr bedürfen.
Gleichwohl dürfen wir bei der Suche nach der Einheit nicht unsere
katholische Identität ablegen oder vergessen. Die Menschen sind eher
dazu bereit, mit uns gerade als Katholiken zu sprechen, denn als
“Christen im allgemeinen”. Wir konnten das nach einem Treffen sehen,
das von katholischen Laien in einer der größten Buchhandlungen von
St. Petersburg organisiert worden war. Das Ereignis erregte in den
Medien große Aufmerksamkeit. Wir beschlossen daher, eine Reihe von
öffentlichen Versammlungen und Diskussionen über die katholische
Kirche, ihren Glauben und ihre Traditionen zu organisieren. Wir als
Katholiken gingen hinaus und auf die Menschen zu, und man begegnete
uns mit sehr großem Interesse!
Die russische Gemeinde ist sehr klein. Die Zahl derer, die ihren
Glauben aktiv ausüben ist noch weitaus kleiner und nicht stabil. Das
ist der Grund dafür, dass es so wichtig ist, jene, die im Begriff
sind, ihre katholische Identität zu verlieren, durch die Medien zu
erreichen. Die katholische Gemeinde in Russland ist sehr arm,
weshalb der wirksamste Weg darin besteht, die neuen Medien zu
benutzen, wie etwa die sozialen Netzwerke, Blogs und Webseiten. Das
ist die beste Methode, von den jungen Menschen und auch von den
jungen Familien gehört zu werden. Wir sollten auch mit den
weltlichen Medien zusammenarbeiten. Die Resourcen all dieser Medien
können uns dazu verhelfen, die Menschen einzuladen, in die Kirche
zurückzukommen, und sie einzuladen zu einem tieferen und
persönlichen christlichen Leben.
[00289-05.04] [UD023] [Originaltext: Englisch]
- Prof. Guzmán CARRIQUIRY, Sekretär der Päpstlichen Kommission für
Lateinamerika (URUGUAY)
Ich möchte die Aufmerksamkeit auf ein wichtiges Ereignis im Jahr des
Glaubens lenken, ein Ereignis, das sich in den Kontext der neuen
Evangelisierung für die Weitergabe des Glaubens an die jungen
Generationen einfügt. Ich beziehe mich auf den Weltjugendtag, der,
so Gott will, im Juli kommenden Jahres in Rio de Janeiro unter dem
Vorsitz des Heiligen Vaters stattfinden wird.
Dieses sehr wichtige Ereignis ist eine von der Vorsehung geschenkte
Einladung zu einer großen erzieherischen und missionarischen
Mobilisierung der jungen Lateinamerikaner. Unsere Jugendlichen
erwarten viel von der Kirche, ob sie ihr nun mehr oder weniger nahe
sind oder ihr mehr oder weniger fernstehen. Wer kann den
Jugendlichen Gründe zum Leben und zur Hoffnung vermitteln, wenn
nicht die Kirche? Wer kann ihre Sehnsucht nach Wahrheit und Liebe,
Gerechtigkeit und Glück stillen, wenn nicht das vernunftgemäße,
anziehende und faszinierende Zeugnis für Christus?
Der Weg der Vorbereitung auf dieses Ereignis muss die Fähigkeit der
christlichen Gemeinschaften und kirchlichen Bewegungen unter Beweis
stellen, zum Herzen und zum Verstand vieler Jugendlicher sprechen zu
können, auch über die Grenzen der Kirche hinaus. Man muss den
Glauben der Schüler in unseren katholischen Schulen neu beleben. Wir
dürfen den großen Mangel an Evangelisierung im weiten Bereich der
Universitäten nicht übersehen. Es handelt sich um eine günstige
Gelegenheit, Evangelisierungsinitiativen für jene 20% der jungen
Lateinamerikaner zu unterstützen, die weder studieren noch arbeiten,
ausgegrenzt und orientierungslos sind und oft verführt werden von
der Verstrickung in das Netz des Drogenhandels und der Gewalt. Man
muss die Eltern und Großeltern in den Weg der jungen Menschen nach
Rio einbeziehen. Schließlich muss man heute die Herausforderung der
Erziehung aller jungen Pilger annehmen, um ihre Begeisterung mit
einer Wiederentdeckung und entschiedener Zustimmung zu den Inhalten
des christlichen Glaubens zu verbinden.
[00291-05.05] [UD025] [Originaltext: Spanisch]