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KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE

 

Note mit pastoralen Hinweisen zum Jahr des Glaubens

 

Einführung

Mit dem Apostolischen Schreiben Porta fidei vom 11. Oktober 2011 hat der Heilige Vater Benedikt XVI. ein Jahr des Glaubens ausgerufen, das am 11. Oktober 2012, dem fünfzigsten Jahrestag der Eröffnung des Ökumenischen II. Vatikanischen Konzils, beginnen und bis zum 24. November 2013, dem Hochfest Christkönig, dauern wird.

Dieses Jahr bietet für alle Gläubigen eine gute Gelegenheit, tiefer zu erfassen, dass das Fundament des christlichen Glaubens „die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person [ist], die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt“[1]. Gegründet auf der Begegnung mit dem auferstandenen Jesus Christus, kann der Glaube in seiner Ganzheit und in seiner vollen Strahlkraft neu entdeckt werden. „Auch in unseren Tagen ist der Glaube ein Geschenk, das es wiederzuentdecken, zu pflegen und zu bezeugen gilt“, damit „der Herr einem jeden von uns [gebe], die Schönheit und Freude des Christseins zu leben“[2].

Der Beginn des Jahres des Glaubens fällt mit der dankbaren Erinnerung an zwei bedeutende Ereignisse zusammen, die das Angesicht der Kirche in unseren Tagen geprägt haben: der fünfzigste Jahrestag der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils, das der selige Johannes XXIII. einberufen hat (11. Oktober 1962), und der zwanzigste Jahrestag der Veröffentlichung des Katechismus der katholischen Kirche, den der selige Johannes Paul II. der Kirche geschenkt hat (11. Oktober 1992).

Nach den Worten von Papst Johannes XXIII. wollte das Konzil „die katholische Lehre unverfälscht und vollständig weitergeben, ohne sie abzuschwächen oder zu entstellen“, und sich dafür einsetzen, dass „diese sichere und unwandelbare Lehre, welcher der Gehorsam des Glaubens gebührt, in einer Weise erforscht und dargelegt werde, die unserer Zeit entspricht“[3]. In diesem Zusammenhang bleiben die einleitenden Worte der Dogmatischen Konstitution Lumen gentium von entscheidender Bedeutung: „Christus ist das Licht der Völker. Darum ist es der dringende Wunsch dieser im Heiligen Geist versammelten Heiligen Synode, alle Menschen durch seine Herrlichkeit, die auf dem Antlitz der Kirche widerscheint, zu erleuchten, indem sie das Evangelium allen Geschöpfen verkündet (vgl. Mk 16,15)“[4]. Ausgehend vom Licht Christi, der in der Feier der heiligen Liturgie (vgl. Konstitution Sacrosanctum Concilium) und mit seinem göttlichen Wort (vgl. Dogmatische Konstitution Dei Verbum) reinigt, erleuchtet und heiligt, wollte das Konzil das innere Wesen der Kirche (vgl. Dogmatische Konstitution Lumen gentium) und ihre Beziehung zur Welt von heute (vgl. Pastoralkonstitution Gaudium et spes) vertiefen. Diese vier Konstitutionen sind die wahren Säulen des Konzils, um die herum sich die Erklärungen und Dekrete gruppieren, die einige der wichtigeren Herausforderungen der Zeit behandeln.

Nach dem Konzil bemühte sich die Kirche in Kontinuität zur Tradition und unter der sicheren Leitung des Lehramts um die Annahme und Umsetzung seiner reichhaltigen Lehre. Um die rechte Rezeption des Konzils zu fördern, haben die Päpste immer wieder die Bischofssynode einberufen[5], die vom Diener Gottes Paul VI. 1965 eingerichtet worden war; durch die verschiedenen nachsynodalen Apostolischen Schreiben haben sie der Kirche klare Orientierungen vorgelegt. Die nächste Vollversammlung der Bischofssynode im Oktober 2012 wird das Thema Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens behandeln.

Von Beginn seines Pontifikats an hat sich Papst Benedikt XVI. entschieden für das rechte Verständnis des II. Vatikanischen Konzils eingesetzt. Er wies die so genannte „Hermeneutik der Diskontinuität und des Bruchs“ als irrig zurück und förderte die von ihm so bezeichnete „‚Hermeneutik der Reform’, der Erneuerung des einen Subjekts Kirche, die der Herr uns geschenkt hat, unter Wahrung der Kontinuität; die Kirche ist ein Subjekt, das mit der Zeit wächst und sich weiterentwickelt, dabei aber immer sie selbst bleibt, das Gottesvolk als das eine Subjekt auf seinem Weg“[6].

Auf dieser Linie ist der Katechismus der katholischen Kirche einerseits „eine authentische Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils[7], andererseits will er dessen Annahme fördern. Die Außerordentliche Bischofssynode von 1985, die zum 25. Jahrestag des Abschlusses des II. Vatikanischen Konzils einberufen worden war, um eine Bilanz über dessen Annahme zu ziehen, machte den Vorschlag, einen solchen Katechismus zu erarbeiten, damit das Volk Gottes ein Kompendium der ganzen katholischen Lehre und einen sicheren Bezugspunkt für die lokalen Katechismen habe. Papst Johannes Paul II. hat diesen Vorschlag aufgenommen als Wunsch, „der voll einem wirklichen Bedürfnis der Gesamtkirche und der Teilkirchen entsprach“.[8] Der Katechismus wurde in Zusammenarbeit mit dem ganzen Episkopat der katholischen Kirche erarbeitet und drückt wirklich das aus, „was man die ‚Symphonie’ des Glaubens nennen kann“[9].

Der Katechismus enthält „Neues und Altes (Mt 13,52) (…), weil der Glaube immer derselbe und zugleich Quelle für immer neues Licht ist. Um dieser doppelten Notwendigkeit zu entsprechen, greift der Katechismus der katholischen Kirche einerseits die ‚alte’, überlieferte Ordnung auf, der schon der Katechismus des hl. Pius V. folgte, und gliedert den Inhalt in vier Teile: das Credo; die heilige Liturgie mit den Sakramenten an erster Stelle; das christliche Handeln, das von den Geboten ausgehend dargelegt wird; und zuletzt das christliche Gebet. Doch zugleich wird der Inhalt oft in ‚neuer’ Weise dargelegt, um auf Fragen unserer Zeit zu antworten“[10]. Dieser Katechismus ist ein „gültiges und legitimes Werkzeug im Dienst der kirchlichen Gemeinschaft“ und eine „sichere Norm für die Lehre des Glaubens“[11]. In ihm sind die Glaubensinhalte „systematisch und organisch zusammengefasst (…). Dort leuchtet nämlich der Reichtum der Lehre auf, die die Kirche in den zweitausend Jahren ihrer Geschichte empfangen, gehütet und dargeboten hat. Von der Heiligen Schrift zu den Kirchenvätern, von den Lehrern der Theologie zu den Heiligen über die Jahrhunderte hin bietet der Katechismus eine bleibende Erinnerung an die vielen Weisen, in denen die Kirche über den Glauben meditiert und Fortschritte in der Lehre hervorgebracht hat, um den Gläubigen in ihrem Glaubensleben Sicherheit zu geben“[12].

Das Jahr des Glaubens will zu einer neuen Bekehrung zum Herrn Jesus und zur Wiederentdeckung des Glaubens beitragen, damit alle Glieder der Kirche glaubwürdige und frohe Zeugen des auferstandenen Herrn in der Welt von heute seien und die Fähigkeit erlangen, den vielen Suchenden die „Tür des Glaubens“ zu zeigen. Diese „Tür“ öffnet den Blick des Menschen auf Jesus Christus, der unter uns ist „alle Tage, bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). Er zeigt uns, wie wir die „Kunst zu leben“ in „innige(r) Beziehung zu ihm“ erlernen[13]. „Mit seiner Liebe zieht Jesus Christus die Menschen aller Generationen an sich: Zu allen Zeiten ruft er die Kirche zusammen und vertraut ihr die Verkündigung des Evangeliums mit einem Auftrag an, der immer neu ist. Darum ist auch heute ein überzeugterer kirchlicher Einsatz für eine neue Evangelisierung notwendig, um wieder die Freude am Glauben zu entdecken und die Begeisterung in der Weitergabe des Glaubens wiederzufinden“[14].

Im Auftrag von Papst Benedikt XVI.[15] hat die Kongregation für die Glaubenslehre in Absprache mit den zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls und mit Unterstützung des Komitees für die Vorbereitung des Jahres des Glaubens[16] die vorliegende Note mit einigen Hinweisen für diese Zeit der Gnade erarbeitet, ohne dabei andere Vorschläge ausschließen, die der Heilige Geist unter den Hirten und den Gläubigen in den verschiedenen Teilen der Welt erwecken will.

 

Hinweise

„Ich weiß, wem ich Glauben geschenkt habe“ (2 Tim 1,12); dieses Wort des heiligen Paulus hilft uns verstehen: „Der Glaube ist eine persönliche Bindung des Menschen an Gott und zugleich, untrennbar davon, freie Zustimmung zu der ganzen von Gott geoffenbarten Wahrheit[17]. Der Glaube als persönliches Vertrauen auf den Herrn und der Glaube, den wir im Credo bekennen, sind untrennbar, sie bedingen und erfordern sich gegenseitig. Es gibt eine tiefe Verbindung zwischen dem gelebten Glauben und seinen Inhalten: der Glaube der Zeugen und Bekenner ist auch der Glaube der Apostel und Kirchenlehrer.

In diesem Sinn wollen die folgenden Hinweise zum Jahr des Glaubens die Begegnung mit Christus durch authentische Glaubenszeugen sowie eine immer bessere Kenntnis der Glaubensinhalte fördern. Es handelt sich dabei um Vorschläge mit Beispielcharakter und dem Ziel, eine bereitwillige Antwort der Kirche auf die Einladung des Heiligen Vaters zu fördern, dieses Jahr wirklich als eine „Zeit der Gnade“[18] zu leben. Die freudige Wiederentdeckung des Glaubens kann auch dazu beitragen, zwischen den verschiedenen Gruppen, aus denen die große Familie der Kirche besteht, die Einheit und die Gemeinschaft zu festigen.

 

I. Auf weltkirchlicher Ebene

1. Das wichtigste kirchliche Ereignis am Beginn des Jahres des Glaubens ist die XIII. Ordentliche Versammlung der Bischofssynode, die Papst Benedikt XVI. für Oktober 2012 zum Thema Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens einberufen hat. Während dieser Synode wird das Jahr des Glaubens mit einer feierlichen Messe am 11. Oktober 2012, dem fünfzigsten Jahrestag der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils, eröffnet.

2. Im Jahr des Glaubens sollen die Gläubigen zu Pilgerfahrten zum Stuhl Petri ermuntert werden, um dort den Glauben an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, zu bekennen und sich mit dem zu verbinden, der heute berufen ist, seine Brüder im Glauben zu stärken (vgl. Lk 22,32). Es ist wichtig, auch Pilgerfahrten in das Heilige Land zu fördern, weil dieses Land zuerst die Gegenwart Jesu, des Erlösers, und seiner Mutter Maria gekannt hat.

3. Im Lauf dieses Jahres sollen die Gläubigen dazu eingeladen werden, sich mit besonderer Hingabe an Maria, das Urbild der Kirche, zu wenden, denn sie „vereinigt (…) die größten Glaubensgeheimnisse in sich und strahlt sie wider“[19]. Daher ist jede Initiative zu begrüßen, die den Gläubigen hilft, die besondere Rolle Marias im Geheimnis der Erlösung zu begreifen, sie kindlich zu lieben und ihr im Glauben und in den Tugenden zu folgen. Zu diesem Zweck eignen sich besonders Pilgerfahrten, Gottesdienste und Begegnungen an den größeren Heiligtümern.

4. Der nächste Weltjugendtag in Rio de Janeiro im Juli 2013 bietet den Jugendlichen eine besondere Gelegenheit, in der großen Familie der Kirche jene Freude zu erleben, die aus dem Glauben an den Herrn Jesus und aus der Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater kommt.

5. Wünschenswert sind Symposien, Zusammenkünfte und Treffen im großen Stil, auch auf internationaler Ebene, um die Begegnung mit authentischen Glaubenszeugnissen und die Kenntnis der Inhalte der katholischen Lehre zu fördern. Um darzustellen, wie das Wort Gottes auch heute weiter wächst und sich ausbreitet, ist das Zeugnis wichtig, dass in Jesus Christus „alle Sorge und alles Sehnen des menschlichen Herzens ihre Erfüllung“[20] finden und der Glaube „zu einem neuen Maßstab für das Denken und Tun [wird], der das ganze Leben des Menschen verändert“[21]. Einige Zusammenkünfte sollen vor allem der Wiederentdeckung der Lehren des II. Vatikanischen Konzils dienen.

6. Für alle Glaubenden bietet das Jahr des Glaubens eine gute Gelegenheit, die Kenntnis der wichtigsten Dokumente des II. Vatikanischen Konzils und das Studium des Katechismus der katholischen Kirche zu vertiefen. Dies gilt besonders für die Priesteramtskandidaten, vor allem während des propädeutischen Jahres und in den ersten Jahren des Theologiestudiums, für die Novizinnen und Novizen der Institute des geweihten Leben und der Gesellschaften des apostolischen Lebens, wie auch für all jene, die sich auf die Mitgliedschaft in einer kirchlichen Vereinigung oder Bewegung durch eine Zeit der Bewährung vorbereiten.

7. Dieses Jahr bietet eine gute Gelegenheit, die Homilien, Katechesen, Ansprachen und anderen Äußerungen des Heiligen Vaters mit noch größerer Bereitschaft aufzunehmen. Die Hirten, die Gottgeweihten und die christgläubigen Laien sind eingeladen, sich in wirklicher und aufrichtiger Treue zur Lehre des Nachfolgers Petri neu zu engagieren.

8. Während des Jahres des Glaubens sollen in Zusammenarbeit mit dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen verschiedene ökumenische Initiativen ergriffen werden, um „für die Wiederherstellung der Einheit aller Christen“ zu beten und zu arbeiten, was einem „der Hauptanliegen des Heiligen Ökumenischen Zweiten Vatikanischen Konzils[22] entspricht. Insbesondere wird ein feierlicher ökumenischer Gottesdienst stattfinden, um den Glauben aller Getauften an Christus zu bekräftigen.

9. Am Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung wird ein eigenes Sekretariat eingerichtet, um die verschiedenen Initiativen zum Jahr des Glaubens zu koordinieren, die von den Dikasterien des Heiligen Stuhls ausgehen oder jedenfalls für die universale Kirche von Bedeutung sind. Dieses Sekretariat soll rechtzeitig über die wichtigsten Vorhaben informiert werden und kann seinerseits geeignete Initiativen vorschlagen. Das Sekretariat wird eine eigene Internetseite eröffnen, um alle Informationen zugänglich zu machen, die für ein wirksames Mitleben mit dem Jahr des Glaubens nützlich sind.

10. Zum Abschluss dieses Jahres wird am Hochfest Christkönig eine Eucharistiefeier mit dem Heiligen Vater stattfinden, bei der das Glaubensbekenntnis feierlich erneuert wird.

 

II. Auf der Ebene der Bischofskonferenzen[23]

1. Im Bewusstsein der besonderen Sendung der Bischöfe als Lehrer und „Boten des Glaubens“[24] können die Bischofskonferenzen einen Studientag zum Thema des Glaubens, des persönlichen Glaubenszeugnisses und der Glaubensweitergabe an die neuen Generationen abhalten.

2. Es ist nützlich, die Neuveröffentlichung der Dokumente des II. Vatikanischen Konzils, des Katechismus der katholischen Kirche und seines Kompendiums, auch in erschwinglichen Taschenbuchausgaben, sowie deren bessere Verbreitung durch elektronische Medien und moderne Technologien zu fördern.

3. Wünschenswert sind neue Anstrengungen, die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils und den Katechismus der katholischen Kirche in die Sprachen zu übersetzen, in denen sie bisher nicht vorliegen. Übersetzungen in die lokalen Sprachen der Missionsländer sollen durch karitative Initiativen unterstützt werden, wenn die dortigen Teilkirchen die entstehenden Kosten nicht tragen können. Dies soll unter Führung der Kongregation für die Evangelisierung der Völker geschehen.

4. Die Hirten sollen auf die neuen Mittel der Kommunikation zurückgreifen und sich für die Förderung von Fernseh- und Radiosendungen, Filmen und Veröffentlichungen über Themen des Glaubens, seiner Grundsätze und Inhalte sowie der Bedeutung des II. Vatikanischen Konzils für die Kirche einsetzen, und zwar auch auf breiter Ebene und für ein großes Publikum.

5. Die Heiligen und Seligen sind die authentischen Zeugen des Glaubens[25]. Daher ist es angemessen, wenn die Bischofskonferenzen sich dafür einsetzen, die Heiligen ihres Landes bekannter zu machen, auch mit Hilfe der modernen sozialen Kommunikationsmittel.

6. Die Welt von heute ist sensibel für das Verhältnis von Glaube und Kunst. In diesem Sinn wird den Bischofskonferenzen empfohlen, die Kunstwerke an den Orten, die ihrer Hirtensorge anvertraut sind, angemessen zu würdigen, auch zum Zweck der Katechese und gegebenenfalls in ökumenischer Zusammenarbeit.

7. Die Lehrenden an den theologischen Studienzentren, Seminaren und katholischen Universitäten werden eingeladen zu überprüfen, welche Relevanz die Inhalte des Katechismus der katholischen Kirche und deren Implikationen für die verschiedenen Fachgebiete in ihrem Unterricht besitzen.

8. Es ist nützlich, mit der Hilfe von Theologen und qualifizierten Autoren leicht verständliche apologetische Hilfsmittel vorzubereiten (vgl. 1 Petr 3,15). So kann jeder Gläubige besser auf die Fragen antworten, die in den verschiedenen kulturellen Lebensbereichen gestellt werden, sei es im Bezug auf die Herausforderung durch Sekten, sei es im Zusammenhang mit der Problematik des Säkularismus und des Relativismus, sei es im Blick auf „Fragen (…), die aus einer veränderten Mentalität herrühren, die besonders heute den Bereich der rationalen Gewissheiten auf den der wissenschaftlichen und technologischen Errungenschaften reduziert“[26], sei es durch andere, besondere Schwierigkeiten.

9. Wünschenswert ist eine Überprüfung der lokalen Katechismen und der verschiedenen katechetischen Hilfsmittel, die in den Teilkirchen in Gebrauch sind, um ihre volle Übereinstimmung mit dem Katechismus der katholischen Kirche zu gewährleisten[27]. Falls einige Katechismen oder katechetische Hilfsmittel nicht in vollem Einklang mit dem Katechismus stehen oder Lücken aufweisen, soll mit der Arbeit an neuen Texten begonnen werden, gegebenenfalls nach dem Beispiel und mit der Hilfe anderer Bischofskonferenzen, die diese Arbeit bereits geleistet haben.

10. In Zusammenarbeit mit der zuständigen Kongregation für das Katholische Bildungswesen soll überprüft werden, wie die Inhalte des Katechismus der Katholischen Kirche in der Rahmenordnung für die Ausbildung der zukünftigen Priester und im Curriculum der theologischen Studien berücksichtigt werden.

 

III. Auf der Ebene der Diözesen

1. Auf der Ebene jeder Teilkirche ist ein Gottesdienst zur Eröffnung und zum feierlichen Abschluss des Jahres des Glaubens wünschenswert, um „den Glauben an den auferstandenen Herrn in unseren Kathedralen und in allen Kirchen der Welt (…) zu bekennen“[28].

2. Es ist angebracht, in jeder Diözese der Welt einen Studientag zum Katechismus der katholischen Kirche zu organisieren, zu dem besonders die Priester, die gottgeweihten Personen und die Katecheten eingeladen werden. Bei dieser Gelegenheit können die Eparchien der katholischen Ostkirchen zum Beispiel eine Begegnung der Priester planen, um von ihrer besonderen liturgischen Sensibilität und Tradition innerhalb des einen Glaubens an Christus Zeugnis zu geben. Ebenso können die jungen Teilkirchen der Missionsgebiete eingeladen werden, ein erneuertes Zeugnis von der Freude des Glaubens abzulegen, die sie so sehr auszeichnet.

3. Jeder Ortsbischof kann dem Thema des Glaubens einen Hirtenbrief widmen und dabei unter Berücksichtigung der besonderen pastoralen Umstände des ihm anvertrauten Teils der Gläubigen die Bedeutung des II. Vatikanischen Konzils und des Katechismus der katholischen Kirche in Erinnerung rufen.

4. Es ist wünschenswert, dass in jeder Diözese unter der Verantwortung des Bischofs Katechesen organisiert und Begegnungen mit bekannten Glaubenszeugen gefördert werden; auf diese Weise soll den jungen Menschen und jenen, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind, eine Hilfe geboten werden, um die Schönheit des kirchlichen Glaubens zu entdecken.

5. Es ist angebracht, die Rezeption des II. Vatikanischen Konzils und des Katechismus der katholischen Kirche im Leben und in der Sendung jeder einzelnen Teilkirche zu überprüfen, besonders im Bereich der Katechese. In diesem Sinn ist ein erneuerter Einsatz auf Seiten der katechetischen Ämter der Diözesen wünschenswert. Gestützt durch die katechetischen Kommissionen der Bischofskonferenzen haben diese Ämter die Pflicht, für die Ausbildung der Katecheten in Bezug auf die Glaubensinhalte Sorge zu tragen.

6. Die Weiterbildung des Klerus kann sich in diesem Jahr des Glaubens vor allem auf die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils und den Katechismus der katholischen Kirche konzentrieren. Dabei können zum Beispiel folgende Themen behandelt werden: „Die Verkündigung des auferstandenen Christus“, „Die Kirche als Sakrament des Heils“, „Die Sendung zur Evangelisierung in der Welt von heute“, „Glaube und Unglaube“, „Glaube, Ökumene und interreligiöser Dialog“, „Glaube und ewiges Leben“, „Die Hermeneutik der Reform in der Kontinuität“, „Der Katechismus in der ordentlichen Seelsorge“.

7. Die Bischöfe werden eingeladen, besonders in der Fastenzeit Bußgottesdienste zu organisieren, um Gott um Vergebung zu bitten, auch und besonders für die Sünden gegen den Glauben. Das Jahr des Glaubens ist darüber hinaus eine günstige Zeit, mit festerem Glauben und größerer Häufigkeit das Sakrament der Buße zu empfangen.

8. Es ist wünschenswert, die Welt der Wissenschaft und der Kultur für einen kreativen Dialog zwischen Glaube und Vernunft neu mit einzubeziehen, und zwar durch Symposien, Zusammenkünfte und Studientage, insbesondere an den katholischen Universitäten. Dabei ist zu zeigen „dass zwischen Glauben und authentischer Wissenschaft kein Konflikt bestehen kann, da beide – wenn auch auf verschiedenen Wegen – nach der Wahrheit streben“[29].

9. Es ist wichtig, Begegnungen mit Menschen zu fördern, die „zwar die Gabe des Glaubens selbst nicht kennen, doch ernstlich auf der Suche nach dem letzten Sinn und der endgültigen Wahrheit über ihr Leben und über die Welt sind“[30]. Dabei kann man sich auch von den Dialogen im Vorhof der Völker inspirieren lassen, die unter Anleitung des Päpstlichen Rates für die Kultur angelaufen sind.

10. Das Jahr des Glaubens kann eine Gelegenheit sein, den katholischen Schulen größere Aufmerksamkeit zu schenken. Denn diese sind geeignete Stätten, um den Schülern ein lebendiges Zeugnis für den Herrn zu bieten und ihren Glauben zu pflegen. Dafür soll man auf gute katechetische Hilfsmittel zurückgreifen, wie zum Beispiel das Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche oder Youcat.

 

IV. Auf der Ebene der Pfarreien / Gemeinschaften / Vereinigungen / Bewegungen

1. Zur Vorbereitung auf das Jahr des Glaubens sind alle Gläubigen eingeladen, das Apostolische Schreiben Porta fidei des Heiligen Vaters Benedikt XVI. zu lesen und sorgfältig zu bedenken.

2. Das Jahr des Glaubens „wird eine günstige Gelegenheit sein, um auch die Feier des Glaubens in der Liturgie zu verstärken, besonders in der Eucharistie“[31]. In der Eucharistie, Geheimnis des Glaubens und Quelle der Neuevangelisierung, wird der Glaube der Kirche verkündet, gefeiert und gestärkt. Alle Gläubigen sind eingeladen, bewusst, tätig und fruchtbar an der Eucharistie teilzunehmen, um authentische Zeugen des Herrn zu sein.

3. Die Priester können dem Studium der Dokumente des II. Vatikanischen Konzils und des Katechismus der katholischen Kirche größere Aufmerksamkeit schenken und daraus für die Pfarrseelsorge Gewinn schöpfen: für die Katechese, die Verkündigung und die Vorbereitung auf die Sakramente. Sie können auch Predigtreihen über den Glauben oder über einige besondere Aspekte ansetzen, etwa über „Die Begegnung mit Christus“, „Die grundlegenden Inhalte des Glaubensbekenntnisses“ oder zum Thema „Glaube und Kirche“[32].

4. Die Katecheten können verstärkt auf den lehrmäßigen Reichtum des Katechismus der katholischen Kirche zurückgreifen und unter der Leitung der zuständigen Pfarrer Gruppen von Gläubigen anleiten, den Katechismus zu lesen und gemeinsam zu vertiefen, um kleine Gemeinschaften des Glaubens und des Zeugnisses für den Herrn Jesus zu schaffen.

5. In den Pfarreien ist ein neues Engagement für die Verbreitung und die Verteilung des Katechismus der katholischen Kirche oder anderer Hilfsmittel wünschenswert, welche geeignet sind für die Familien, die echte Hauskirchen und primäre Orte der Weitergabe des Glaubens sind. Dies kann etwa bei Haussegnungen, Erwachsenentaufen, Firmungen oder Trauungen geschehen und wird dazu beitragen, die katholische Lehre zu vertiefen und „in unseren Häusern und bei unseren Familien zu bekennen, damit jeder das starke Bedürfnis verspürt, den unveränderlichen Glauben besser zu kennen und an die zukünftigen Generationen weiterzugeben“[33].

6. Wünschenswert ist die Durchführung von Volksmissionen und anderen Initiativen in den Pfarreien und an den Arbeitsstätten, um den Gläubigen zu helfen, das Geschenk des Taufglaubens und die Verantwortung, davon Zeugnis zu geben, neu zu entdecken. Dabei ist das Bewusstsein zu wecken, dass „die christliche Berufung (…) ihrer Natur nach auch Berufung zum Apostolat“[34] ist.

7. In dieser Zeit sind die Mitglieder der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens aufgerufen, sich durch eine erneuerte Hingabe an den Herrn Jesus, auf der Grundlage ihrer eigenen Charismen und in Treue zum Heiligen Vater und zur gesunden Lehre für die Neuevangelisierung einzusetzen.

8. Die kontemplativen Gemeinschaften werden während des Jahres des Glaubens dem Gebet für die Erneuerung des Glaubens im Volk Gottes und für einen neuen Schwung in seiner Weitergabe an die jungen Generationen besondere Aufmerksamkeit schenken.

9. Die kirchlichen Vereinigungen und Bewegungen sind aufgerufen, besondere Initiativen in Angriff zu nehmen, die sich durch den Beitrag des jeweiligen Charismas und in Zusammenarbeit mit den örtlichen Hirten in das große Ereignis des Jahres des Glaubens einfügen. Die neue Gemeinschaften und kirchlichen Bewegungen sollen kreativ und großzügig die geeignetsten Wege finden, um ihr Glaubenszeugnis in den Dienst der Kirche zu stellen.

10. Alle Gläubigen sind gerufen, das Geschenk des Glaubens neu zu verlebendigen. Sie sollen versuchen, die eigene Erfahrung des Glaubens und der Liebe[35] im Dialog mit ihren Brüdern und Schwestern, auch in den anderen christlichen Konfessionen, mit den Anhängern anderer Religionen und mit den Menschen, die nicht glauben oder indifferent sind, zur Sprache zu bringen. Auf diese Weise soll das ganze christliche Volk bei den Menschen, mit denen es zusammenlebt und -arbeitet, in eine Art Mission eintreten, und dabei vom Bewusstsein erfüllt sein, „eine Heilsbotschaft empfangen haben, die allen auszurichten ist“[36].

 

Abschluss

Der Glaube „ist ein Gefährte unseres Lebens, der es erlaubt, mit stets neuem Blick die Wunder wahrzunehmen, die Gott für uns vollbringt. Darauf bedacht, die Zeichen der Zeit im Heute der Geschichte zu erkennen, verpflichtet der Glaube jeden von uns, ein lebendiges Zeichen der Gegenwart des Auferstandenen in der Welt zu werden“[37]. Der Glaube ist ein persönlicher und zugleich ein gemeinschaftlicher Akt: Er ist ein Geschenk Gottes, das in der großen Gemeinschaft der Kirche gelebt wird und der Welt mitgeteilt werden muss. Jede Initiative für das Jahr des Glaubens will der freudigen Wiederentdeckung und dem erneuerten Zeugnis des Glaubens dienen. Die hier gegebenen Hinweise haben das Ziel, den Einsatz aller Glieder der Kirche zu fördern, damit dieses Jahr eine herausragende Gelegenheit wird, das mit anderen zu teilen, was für den Christen das Teuerste ist: Jesus Christus, den Erlöser des Menschen, den König des Universums, „den Urheber und Vollender des Glaubens“ (Hebr 12,2).

 

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 6. Januar 2012, dem Hochfest der Erscheinung des Herrn.

 

William Kard. Levada
Präfekt

 

+ Luis F. Ladaria, S.I.
Titularerzbischof von Thibica

Sekretär


 
[1] Benedikt XVI., Enzyklika Deus caritas est (25. Dezember 2005), Nr. 1.

[2] Ders., Predigt am Fest der Taufe des Herrn (10. Januar 2010).

[3] Johannes XXIII., Ansprache zur feierlichen Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils (11. Oktober 1962).

[4] Ökum. II. Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, Nr. 1.

[5] Die Ordentlichen Versammlungen der Bischofssynode haben folgende Themen behandelt: Die Bewahrung und Stärkung des katholischen Glaubens, seine Integrität, seine Kraft, seine Entwicklung, seine doktrinäre und geschichtliche Kohärenz (1967), Der priesterliche Dienst und die Gerechtigkeit in der Welt (1971), Die Evangelisierung in der Welt von heute (1974), Die Katechese in unserer Zeit (1977), Die christliche Familie (1980), Versöhnung und Buße in der Sendung der Kirche von heute (1983), Berufung und Sendung der Laien in Kirche und Welt (1987), Die Priesterbildung im Kontext der Gegenwart (1991), Das geweihte Leben und seine Sendung in Kirche und Welt (1994), Der Bischof als Diener des Evangeliums Jesu Christi für die Hoffnung der Welt (2001), Die Eucharistie, Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche (2005), Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche (2008).

[6] Benedikt XVI., Ansprache an das Kardinalskollegium und die Mitglieder der römischen Kurie (22. Dezember 2005).

[7] Ders., Apostolisches Schreiben Porta fidei, Nr. 4.

[8] Johannes Paul II., Ansprache am Ende der II. Außerordentlichen Versammlung der Bischofssynode (7. Dezember 1985), Nr. 6. Beim Angelus am 24. November 1985 zu Beginn dieser Versammlung sagte Papst Johannes Paul II.: „Der Glaube ist das Grundprinzip, der Angelpunkt, das wesentliche Kriterium der vom Konzil gewollten Erneuerung. Aus dem Glauben kommen die Norm, der Lebensstil und die praktische Orientierung in jeder Lage“.

[9] Ders., Apostolische Konstitution Fidei depositum (11. Oktober 1992), Nr. 2.

[10]Ebd., Nr. 3.

[11]Ebd., Nr. 4.

[12] Benedikt XVI., Apostolisches Schreiben Porta fidei, Nr. 11.

[13] Ders., Ansprache an die Teilnehmer der Studientagung des Päpstlichen Rats zur Förderung der Neuevangelisierung (15. Oktober 2011).

[14] Ders., Apostolisches Schreiben Porta fidei, Nr. 7.

[15]Vgl. ebd., Nr. 12.

[16] Dieses im Auftrag von Papst Benedikt XVI. bei der Glaubenskongregation eingerichtete Komitee besteht aus folgenden Mitgliedern: die Kardinäle William Levada, Francis Arinze, Angelo Bagnasco, Ivan Dias, Francis E. George, Zenon Grocholewski, Marc Ouellet, Mauro Piacenza, Jean-Pierre Ricard, Stanisław Ryłko und Christoph Schönborn; die Erzbischöfe Luis F. Ladaria und Salvatore Fisichella; die Bischöfe Mario del Valle Moronta Rodríguez, Gerhard Ludwig Müller und Raffaello Martinelli.

[17] Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 150.

[18] Benedikt XVI., Apostolisches Schreiben Porta fidei, Nr. 15.

[19] Ökum. II. Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, Nr. 65.

[20] Benedikt XVI., Apostolisches Schreiben Porta fidei, Nr. 13.

[21]Ebd., Nr. 6.

[22] Ökum. II. Vat. Konzil, Dekret Unitatis redintegratio, Nr. 1.

[23] Die Hinweise für die Bischofskonferenzen gelten analog auch für die Bischofssynoden der Patriarchats- und Großerzbistumskirchen sowie für den Hierarchenrat der Kirchen sui iuris.

[24] Ökum. II. Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, Nr. 25.

[25] Vgl. Benedikt XVI, Apostolisches Schreiben Porta fidei, Nr. 13.

[26] Ebd., Nr. 12.

[27] Vgl. Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Fidei depositum, Nr. 4

[28] Benedikt XVI., Apostolisches Schreiben Porta fidei, Nr. 8.

[29]Ebd., Nr. 12.

[30] Ebd., Nr. 10.

[31]Ebd., Nr. 9.

[32] Vgl. Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Verbum Domini (30. September 2010), Nr. 59-60 und 74.

[33] Ders, Apostolisches Schreiben Porta fidei, Nr. 8.

[34] Ökum. II. Vat. Konzil, Dekret Apostolicam actuositatem, Nr. 2.

[35] Vgl. Benedikt XVI., Apostolisches Schreiben Porta fidei, Nr. 14.

[36] Ökum. II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, Nr. 1.

[37] Benedikt XVI., Apostolisches Schreiben Porta fidei, Nr. 15.

 

 

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