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BENEDIKT XVI.

ANGELUS

Petersplatz
IV. Sonntag der Fastenzeit, 2. März 2008

 

Liebe Brüder und Schwestern!

An diesen Fastensonntagen läßt uns die Liturgie mittels der Texte aus dem Johannesevangelium einen richtiggehenden Weg der Taufe beschreiten: Am letzen Sonntag hat Jesus der Samariterin das Geschenk des »lebendigen Wassers « verheißen; heute heilt er den Blindgeborenen und offenbart sich so als das »Licht der Welt«; am kommenden Sonntag wird er den Freund Lazarus von den Toten erwecken und sich damit als »die Auferstehung und das Leben« zeigen. Wasser, Licht, Leben: Dies sind die Symbole der Taufe, des Sakraments, das die Gläubigen in das Geheimnis des Todes und der Auferstehung Christi »eintaucht« und sie auf diese Weise von der Knechtschaft der Sünde befreit und ihnen das ewige Leben schenkt.

Halten wir kurz inne bei der Erzählung vom Blindgeborenen (Joh 9,1–41). Der für die Zeit üblichen Denkart entsprechend halten es die Jünger für selbstverständlich, daß seine Blindheit die Folge einer von ihm oder von seinen Eltern begangenen Sünde ist. Jesus hingegen weist dieses Vorurteil zurück und sagt: »Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden« (Joh 9,3). Welchen Trost bieten uns doch diese Worte! Sie lassen uns die lebendige Stimme Gottes hören, der fürsorgliche und weise Liebe ist! Vor dem Mann, der von Begrenztheit und Leiden gezeichnet ist, denkt Jesus nicht an eine eventuelle Schuld, sondern an den Willen Gottes, der den Menschen für das Leben geschaffen hat. Und deshalb erklärt er feierlich: »Wir müssen […] die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat… Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt« (Joh 9,4–5). Und sofort geht er zur Tat über: Mit etwas Erde und Speichel macht er einen Teig und streicht ihn dem Blinden auf die Augen. Diese Geste ist eine Anspielung auf die Erschaffung des Menschen, welche die Bibel mit dem Symbol der Erde wiedergibt, die Gott formt und der er den Lebensatem einhaucht (vgl. Gen 2,7). »Adam« bedeutet nämlich »Erdboden«, und der menschliche Leib setzt sich in der Tat aus Elementen der Erde zusammen. Indem Jesus den Menschen heilt, wirkt er eine neue Schöpfung. Jene Heilung indessen ruft eine lebhafte Diskussion hervor, da Jesus sie am Sabbat tut und daher laut den Pharisäern dem Gebot des Festtages zuwiderhandelt. So werden am Ende der Erzählung Jesus und der Blinde zusammen von den Pharisäern »hinausgestoßen «: der eine, weil er das Gesetz gebrochen hat, und der andere, weil er trotz seiner Heilung von Geburt an als Sünder gebrandmarkt bleibt.

Dem geheilten Blinden offenbart Jesus, daß er in die Welt gekommen sei, um zu richten, um die heilbaren Blinden von denen zu scheiden, die sich nicht heilen lassen, weil sie meinen, gesund zu sein. Stark ist nämlich im Menschen die Versuchung, sich ein System ideologischer Sicherheit zu bauen: auch die Religion kann zum Element dieses Systems werden, wie auch der Atheismus oder der Laizismus. Wenn man so handelt, bleibt man allerdings vom eigenen Egoismus verblendet. Liebe Brüder und Schwestern, lassen wir uns von Christus heilen, der uns das Licht Gottes schenken kann und will! Bekennen wir unsere Verblendung, unsere Kurzsichtigkeit und vor allem das, was die Bibel die »schwere Schuld« nennt (vgl. Ps 19,14): unseren Stolz. Dabei helfe uns die allerseligste Jungfrau Maria: Indem sie Christus im Fleisch geboren hat, hat sie der Welt das wahre Licht geschenkt.


Nach dem Angelus:

Mit großer Besorgnis verfolge ich das dramatische Geschehen der Entführung von Paulos Faraj Rahho, Erzbischof von Mossul der Chaldäer im Irak. Ich schließe mich dem Appell des Patriarchen, Kardinal Emmanuel III. Delly, und seiner Mitarbeiter an, daß der geschätzte Bischof, dessen Gesundheitszustand zudem angeschlagen ist, sofort freigelassen wird. Gleichzeitig erhebe ich mein Gebet für das Seelenheil der drei ermordeten jungen Männer, die sich im Augenblick der Entführung an seiner Seite befanden. Des weiteren bringe ich meine Nähe zur ganzen Kirche im Irak und insbesondere zur chaldäischen Kirche zum Ausdruck, die erneut schwer getroffen worden ist, während ich die Hirten und alle Gläubigen ermutige, stark und in der Hoffnung gefestigt zu sein. Die Anstrengungen all derer, in deren Händen das Schicksal des teuren irakischen Volkes liegt, mögen sich vervielfachen, damit es dank des Einsatzes und der Weisheit aller wieder Frieden und Sicherheit finde und ihm nicht die Zukunft verwehrt wird, auf die es ein Anrecht hat.

Leider haben in diesen letzten Tagen die Spannungen zwischen Israel und dem Gazastreifen ein sehr schwerwiegendes Ausmaß erreicht.

Ich erneuere meine dringliche Aufforderung sowohl an die israelischen als auch an die palästinensischen Obrigkeiten, damit dieser Spirale der Gewalt unilateral und ohne Bedingungen ein Ende gesetzt wird: Nur wenn dem Leben des Menschen, auch dem des Feindes, absolute Achtung erwiesen wird, kann man hoffen, den jungen Generationen jener Völker, die beide ihre Wurzeln ihm Heiligen Land haben, eine Zukunft des Friedens und des Zusammenlebens zu geben. Ich fordere die gesamte Kirche auf, den Allmächtigen um den Frieden im Land Jesu anzuflehen und beiden Völkern, dem israelischen und dem palästinensischen, umsichtige sowie effektive Solidarität zu bekunden.

Im Laufe der Woche hat sich die Aufmerksamkeit der italienischen Medien auf das traurige Ende der beiden als »Ciccio« und »Tore« bekannten Kinder gerichtet. Ein Ende, das mich wie viele Familien und Menschen betroffen gemacht hat. Ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen, um einen Aufruf zugunsten der Kinder zu erlassen: Sorgen wir für die Kleinen! Sie müssen geliebt werden, und man muß ihnen beim Wachsen helfen. Ich sage dies den Eltern, aber auch den Institutionen. Bei diesem Appell gehen meine Gedanken zu den Kindern überall auf der Welt, insbesondere zu den schutzlosesten, am meisten ausgebeuteten und mißbrauchten. Ich empfehle jedes Kind dem Herzen Christi an, der gesagt hat: »Laßt die Kinder zu mir kommen!« (Lk 18,16).

auf französisch: Ich grüße euch, liebe französischsprachige Pilger, die ihr heute vormittag beim Angelus zugegen seid, vor allem die Schüler des »Collège Charles- Péguy« aus Bobigny. Das heutige Evangelium lädt uns dazu ein, Christus zu erkennen, der gekommen ist, um die Menschen zu heilen und zu retten. Die christlichen Gemeinschaften mögen durch eine immer wirksamere Katechese den jungen Menschen helfen, den Retter der Welt zu entdecken und ihm nachzufolgen, ihm, der das ganze Dasein erhellt und ihm den wahren Sinn schenkt. Mit meinem Apostolischen Segen.

auf englisch: Es freut mich, alle englischsprachigen Pilger und Besucher zu grüßen, die bei diesem Angelus zugegen sind. Im heutigen Evangelium begegnen wir Jesus, dem Licht der Welt, der den blind geborenen Mann heilt. Indem wir unsere Augen dem Glauben öffnen, dem Licht, das von Gott kommt, heilt uns Jesus weiterhin von der Finsternis der Verwirrung und der Sünde, die in dieser Welt sind. Möge sein Licht unsere Herzen allezeit läutern und unsere christliche Liebe erneuern, während wir mit ihm auf dem Weg zum ewigen Leben sind. Ich wünsche euch einen angenehmen Aufenthalt in Rom und einen gesegneten Sonntag.

auf deutsch: Zum Angelusgebet an diesem vierten Fastensonntag begrüße ich alle deutschsprachigen Gläubigen und besonders die Teilnehmer der traditionellen Sieben-Kirchen-Wallfahrt des Collegium Germanicum et Hungaricum. Im heutigen Evangelium hören wir, daß Jesus einem Blindgeborenen das Augenlicht schenkt und ihn zur gläubigen Erkenntnis des Messias führt. Folgen auch wir der Aufforderung des Apostels Paulus: »Lebt als Kinder des Lichts! … Habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis!« (Eph 5,8–11). Der Herr segne und behüte euch auf eurem Weg durch diese Fastenzeit.

auf spanisch: Ich grüße die Pilger aus dem spanischen Sprachraum, insbesondere die Gläubigen der Pfarreien »Sagrada Familia« aus Valladolid, »Santa Marina« aus Palencia und »San José Obrero« aus Ávila, wie auch die Mitglieder der Bruderschaften »Nuestra Señora« aus Linarejos und »Virgen de la Capilla« aus Jaén. Auf dem Weg der Fastenzeit fortschreitend lade ich alle ein, sich von Christus erleuchten zu lassen und sein Licht durch das Zeugnis des Lebens und die guten Werke vor den Menschen erstrahlen zu lassen. Schönen Sonntag!

auf slowenisch: Ich grüße die Gläubigen aus Ptuj und anderen Städten Sloweniens! Eure Pilgerreise nach Rom bringe euch in dieser Fastenzeit reiche geistliche Frucht. Mein Segen begleite euch!

auf polnisch: Ich grüße alle Polen, die am Gebet des Angelus teilnehmen. Das heutige Evangelium zeigt uns Jesus, der dem Blindgeborenen das Augenlicht wiedergibt. Christus ist das Licht der Welt. Im Sakrament der Buße erstattet er unserer Seele das Augenlicht zurück. Gestärkt durch sein Licht wollen wir uns für die Gerechtigkeit und Wahrheit einsetzen. Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag und segne euch von Herzen.

auf italienisch: Ich grüße herzlich die Pilger italienischer Sprache, insbesondere die Gläubigen der folgenden Pfarreien: »Maria Santissima del Rosario« aus Terrasini, »San Pietro« aus Verona und »Sant’Agostino« aus Soriano. Dann grüße ich die Gruppe der Stadtpolizei aus Agropoli.

Allen wünsche ich einen frohen und ruhigen Sonntag.

 

© Copyright 2008 - Libreria Editrice Vaticana

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