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BENEDIKT XVI.

ANGELUS

Petersplatz
Sonntag, 17. Juni 2012

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Liebe Brüder und Schwestern!

Die heutige Liturgie legt uns zwei kurze Gleichnisse Jesu vor: das Gleichnis vom Samen, der von allein wächst, und das vom Senfkorn (vgl. Mk 4,26–34). Durch Bilder, die der Welt der Landwirtschaft entnommen sind, stellt uns der Herr das Geheimnis des Wortes und des Reiches Gottes vor und zeigt die Gründe unserer Hoffnung und unseres Bemühens auf.

Im ersten Gleichnis liegt die Aufmerksamkeit auf der Dynamik der Aussaat: der Same, der auf den Acker geworfen wird, keimt auf und wächst von allein, ganz gleich ob der Bauer schläft oder wacht. Der Mensch sät im Vertrauen, daß seine Arbeit nicht unfruchtbar bleiben wird. Was den Bauern in seinen täglichen Mühen stützt, ist gerade das Vertrauen auf die Kraft des Samens und die Qualität des Erdbodens. Dieses Gleichnis ruft das Geheimnis der Schöpfung und der Erlösung in Erinnerung, des fruchtbaren Wirkens Gottes in der Geschichte. Er ist der Herr des Reiches, der Mensch ist sein demütiger Mitarbeiter, der das schöpferische Wirken Gottes betrachtet, sich daran freut und geduldig dessen Früchte erwartet.

Die Ernte ßt uns an das abschließende Eingreifen Gottes am Ende der Zeiten denken, wenn er sein Reich in Fülle verwirklichen wird. Die gegenwärtige Zeit ist Zeit der Aussaat, und das Wachsen des Samens wird vom Herrn verbürgt. Jeder Christ weiß daher nur allzu gut, daß er das in seinen Möglichkeiten Stehende tun muß, daß aber das Ergebnis letztlich von Gott abhängt: dieses Bewußtsein stützt ihn in der Mühsal aller Tage, besonders in den schwierigen Situationen. Hierzu schreibt der hl. Ignatius von Loyola: »Handle so, als ob alles von dir abhinge, in dem Wissen aber, daß in Wirklichkeit alles von Gott abhängt« (vgl. Pedro de Ribadeneira, Vita di S. Ignazio di Loyola, Mailand 1998).

Auch das zweite Gleichnis benutzt das Bild der Aussaat. Hier aber handelt es sich um einen besonderen Samen, das Senfkorn, das als der kleinste aller Samen gilt. Obwohl es so winzig ist, ist es voller Leben, wenn es aufgeht, entsteht ein Sproß, der imstande ist, das Erdreich zu durchbrechen, ans Licht der Sonne zu treten und zu wachsen, bis es »größer als alle anderen Gewächse « des Gartens wird (vgl. Mk 4,32): die Schwachheit ist die Stärke des Samens, das Aufgehen ist seine Kraft. Und so ist das Reich Gottes: eine im menschlichen Sinn kleine Wirklichkeit, die sich aus jenen zusammensetzt, die arm im Herzen sind, die nicht auf die eigene Kraft vertrauen, sondern auf die Kraft der Liebe Gottes, die in den Augen der Welt nicht wichtig sind; und dennoch bricht gerade durch sie die Kraft Christi hervor und verwandelt, was dem Anschein nach unbedeutend ist.

Das Bild vom Samen liegt Jesus besonders am Herzen, da es das Geheimnis des Reiches Gottes gut zum Ausdruck bringt. In den beiden Gleichnissen von heute stellt es ein »Wachsen« und einen »Kontrast« dar: das Wachsen, das dank einer dem Samen selbst innewohnenden Dynamik geschieht, und den Kontrast, der zwischen der Kleinheit des Samenkorns und der Größe dessen besteht, was aus ihm hervorgeht. Die Botschaft ist klar: auch wenn das Reich Gottes unsere Mitarbeit erfordert, ist es vor allem Geschenk des Herrn, Gnade, die dem Menschen und seinen Werken vorausgeht. Wenn unsere kleine Kraft, die gegenüber den Problemen der Welt ohnmächtig zu sein scheint, in die Kraft Gottes gelegt wird, fürchtet sie keine Hindernisse, da der Sieg des Herrn gewiß ist. Es ist das Wunder der Liebe Gottes, das jeden in die Erde gestreuten Samen des Guten aufkeimen und wachsen läßt. Und die Erfahrung dieses Wunders der Liebe läßt uns optimistisch sein, trotz der Schwierigkeiten, der Leiden und des Bösen, dem wir ausgesetzt sind. Der Same geht auf und wächst, da ihn die Liebe Gottes wachsen läßt. Die Jungfrau Maria, die als »guter Boden« den Samen des göttlichen Wortes aufgenommen hat, stärke in uns diesen Glauben und diese Hoffnung.


Nach dem Angelusgebet

Liebe Brüder und Schwestern, am kommenden Mittwoch, den 20. Juni, wird der von den Vereinten Nationen geförderte Weltflüchtlingstag begangen. Er möchte die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf die Lage vieler Menschen und besonders Familien lenken, die gezwungen sind, aus ihren Ländern zu fliehen, da sie von bewaffneten Auseinandersetzungen und schweren Formen der Gewalt bedroht werden. Ich versichere diese leidgeprüften Brüder und Schwestern meines Gebets und der beständigen Sorge des Heiligen Stuhls, während ich die Hoffnung zum Ausdruck bringe, daß ihre Rechte immer geachtet werden und sie bald wieder mit den ihnen nahestehenden Menschen zusammenkommen können.

Heute wird in Irland die Abschlußfeier des Internationalen Eucharistischen Kongresses stattfinden, der in der vergangenen Woche Dublin zur Stadt der Eucharistie gemacht hat, wo sich viele Menschen betend vor der Gegenwart Christi im Altarsakrament versammelt haben. Im Geheimnis der Eucharistie will Jesus bei uns bleiben, um uns in Gemeinschaft mit ihm und untereinander treten zu lassen. Laßt uns der allerseligsten Jungfrau Maria die in diesen Tagen des Nachdenkens und des Gebets gereiften Früchte anempfehlen! Schließlich möchte ich voll Freude daran erinnern, daß heute nachmittag in Nepi, Diözese Civita Castellana, die im Alter von nur 18 Jahren verstorbene Cecilia Eusepi seliggesprochen werden wird. Diese junge Frau, die Missionsschwester werden wollte, war gezwungen, den Konvent aufgrund einer Krankheit zu verlassen, die sie mit unerschütterlichem Glauben durchlebte, wobei sie eine große Fähigkeit zur Aufopferung für das Heil der Seelen an den Tag legte. In den letzten Tagen ihres Lebens wiederholte sie in tiefer Einheit mit dem gekreuzigten Christus: »Es ist schön, sich Jesus hinzugeben, der sich für uns alle hingegeben hat.«

.... auf französisch: Es freut mich, die hier anwesenden Pilger französischer Sprache zu begrüßen, sowie alle, die sich uns über Rundfunk und Fernsehen anschließen. Am heutigen Sonntag lädt uns Jesus ein, im Vertrauen zu leben. Wie der Same, der aufgeht und sich von allein entfaltet, wirken das unentgeltliche Geschenk des Heiligen Geistes – Geist der Liebe und der Kraft – und das – mutig verkündigte – Evangelium in unserer Welt, um uns im Leben des Vaters selbst wachsen zu lassen. Gemeinsam haben wir keine Furcht, im Glauben voranzugehen, da uns der Herr begleitet. Die Jungfrau Maria zeige uns den Weg, der uns zum Vater aller Zartheit führt! Allen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

… auf englisch: Ich begrüße alle englischsprachigen Pilger und Besucher, die zu diesem Angelusgebet gekommen sind. Im heutigen Evangelium lehrt uns der Herr, daß das Reich Gottes wie ein winziges Senfkorn ist, das größer als alle anderen Gewächse wird. Wir wollen innig beten, daß Gott unser schwaches, aber aufrechtes Verlangen annehmen und es in große Werke der Liebe zu ihm und zu unserem Nächsten verwandeln möge. Auf euch alle und eure Lieben zu Hause rufe ich Gottes reichen Segen herab.

... auf deutsch: Ein herzliches „Grüß Gott“ sage ich den Pilgern und Besuchern deutscher Sprache. Mit dem Gleichnis vom Senfkorn, welches das kleinste von allen Samenkörnern ist, aus dem aber ein großer Baum entsteht, gibt uns Christus einen Hinweis auf das Wirken der Gnade Gottes. Der Herr sät im Stillen und gibt Zeit zum Wachsen. Die Dinge Gottes sind nicht lautstark und äußerlich mächtig. Aber sie tragen die innere Kraft des wahren Lebens in sich. Und wo immer der Mensch auf sein Wort hört, ihn in sich aufnimmt, entsteht Großes, auch wenn wir es zunächst nicht sehen. Öffnen wir uns also der großen Liebe Gottes, öffnen wir unser Herz, damit der Same des Glaubens in uns und in dieser Welt wachsen und Frucht bringen kann. Ich wünsche euch allen einen gesegneten Sonntag

… auf spanisch: Ich grüße voll Zuneigung die Pilger aus dem spanischen Sprachraum, die an diesem Mariengebet teilnehmen. Im Evangelium des heutigen Sonntags hat uns der Herr gezeigt, daß das Reich Gottes wie ein Samenkorn ist, das – wenngleich es am Anfang klein erscheinen mag – doch dazu berufen ist, zu wachsen und sich zu einem dicht belaubten Baum zu entwickeln. In gleicher Weise möge das Leben der Gnade und der Liebe Gottes, das durch die Taufe in unsere Seele gepflanzt worden ist und durch das Hören des Wortes Gottes, die Teilnahme an den Sakramenten und das beständige Gebet genährt wird, ständig wachsen und zur Reifung reicher Früchte des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe führen. Vielen Dank und einen gesegneten Sonntag!

… auf polnisch: In den vergangenen Tagen hat die Kirche das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu sowie den Gedenktag des Unbefleckten Herzens der seligen Jungfrau Maria gefeiert. Allen Polen wünsche ich, vom Göttlichen Herzen Jesu, das von Güte und Liebe überströmt, die Empfindsamkeit für die Bedürfnisse der anderen zu lernen, besonders derer, die schwach und von Leiden geprüft sind. Aus diesem Herzen, das Herr und Mittelpunkt aller Herzen ist, sollen sie dann die Kraft schöpfen können, um in den Familien und in den Umfeldern des Arbeitslebens brüderliche Beziehungen aufzubauen.

... auf italienisch: Und zum Schluß grüße ich voll Zuneigung die Pilger italienischer Sprache, besonders alle, die an den von der Bewegung »Amore Familiare« veranstalteten Begegnungen über »Das Gebet des Vaterunser und die christlichen Wurzeln der Familie und der Gesellschaft« teilgenommen haben, die Gläubigen aus den Pfarreien »Madonna del Cavatore« in Carrara und »Natività di Nostro Signore Gesù Cristo« in Rom wie auch jene, die aus Giulianova, Fermo, Fossalunga, Scandicci und Neapel kommen. Allen wünsche ich einen gesegneten Sonntag. Einen gesegneten Sonntag, eine gesegnete Woche euch allen.

 

 

 

© Copyright 2012 - Libreria Editrice Vaticana

 

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