The Holy See
back up
Search
riga

BENEDIKT XVI.

ANGELUS

Castel Gandolfo
Sonntag, 12. August 2012

[Video]

 

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Lesung des sechsten Kapitels des Johannesevangeliums, die uns an diesen Sonntagen in der Liturgie begleitet, hat uns dazu geführt, über die Vermehrung des Brotes nachzudenken, mit dem der Herr einer Menge von fünftausend Menschen zu essen gegeben hat, sowie über die Einladung, die Jesus an alle von ihm Gesättigten richtete, sich um eine Speise zu bemühen, die für das ewige Leben bleibt. Jesus will ihnen helfen, die tiefe Bedeutung des von ihm gewirkten Wunders zu erfassen: indem er auf wunderbare Weise ihren leiblichen Hunger stillt, bereitet er sie darauf vor, die Verkündigung anzunehmen, daß er das vom Himmel herabgekommene Brot ist (vgl. Joh 6,41), das für immer sättigt. Auch das jüdische Volk hatte während seines langen Wegs durch die Wüste die Erfahrung eines vom Himmel herabgekommenen Brotes gemacht, das Manna, das es bis zur Ankunft im Gelobten Land am Leben erhalten hat. Jetzt spricht Jesus von sich als dem wahren Brot, das vom Himmel herabkommt und nicht nur für einen Augenblick oder für eine Wegstrecke am Leben zu erhalten vermag, sondern für immer. Er ist die Speise, die das ewige Leben schenkt, da er der eingeborene Sohn Gottes ist, der im Schoß des Vaters ist und kam, um dem Menschen das Leben in Fülle zu schenken, um den Menschen in das Leben Gottes selbst eintreten zu lassen.

Im jüdischen Denken war es klar, daß das wahre Brot des Himmels, das Israel nährte, das Gesetz war, das Wort Gottes. Das Volk Israel erkannte deutlich, daß die Torah das grundlegende und bleibende Geschenk des Mose war und daß das grundlegende Element, das es von den anderen Völkern unterschied, darin bestand, den Willen Gottes und so den rechten Weg des Lebens zu erkennen. Jetzt bezeugt Jesus durch die Offenbarung seiner selbst als Brot des Himmels, daß er das Wort Gottes in Person ist, das fleischgewordene Wort, durch das der Mensch den Willen Gottes zu seiner Speise machen kann (vgl. Joh 4,34), die dem Dasein Orientierung gibt und es trägt.

An der Gottheit Jesu zu zweifeln, wie es die Juden im heutigen Abschnitt aus dem Evangelium tun, bedeutet somit, sich dem Werk Gottes zu widersetzen. Sie erklären nämlich: Er ist der Sohn Josefs! Wir kennen seinen Vater und seine Mutter! (vgl. Joh 6,42). Sie gehen nicht über seine irdische Abstammung hinaus, und aus diesem Grund weigern sie sich, ihn als das fleischgewordene Wort Gottes anzunehmen. Der hl. Augustinus erklärt in seinen Vorträgen zum Johannesevangelium: »Diese waren dem Brote vom Himmel ferne und kannten den Hunger danach nicht. Der Schlund ihres Herzens war matt… Dieses Brot des inneren Menschen setzt nämlich Hunger voraus« (26,1). Und wir müssen uns fragen, ob wir wirklich diesen Hunger verspüren, den Hunger nach dem Wort Gottes, den Hunger danach, den wahren Sinn des Lebens zu erkennen. Nur wer von Gott, dem Vater, angezogen ist, wer auf ihn hört und sich von ihm unterweisen läßt, kann an Jesus glauben, ihm begegnen und sich von ihm nähren und so das wahre Leben finden, den Weg des Lebens, die Gerechtigkeit, die Wahrheit, die Liebe. Der hl. Augustinus fügt hinzu: »Der Herr … nannte sich das Brot, welches vom Himmel herabgekommen ist, und fordert uns auf, an ihn zu glauben. Denn an ihn glauben heißt, das lebendige Brot essen. Wer glaubt, der ißt; er wird unsichtbar genährt, weil er unsichtbar wiedergeboren wird [zu einem tieferen, wahreren Leben]. Ein Kind ist er im Innern, ein Neuling ist er im Innern; wo er erneuert wird, da wird er gesättigt« (ebd.).

Während wir die allerseligste Jungfrau Maria anrufen, wollen wir sie bitten, uns zur Begegnung mit Jesus zu führen, auf daß unsere Freundschaft mit ihm immer inniger werde; bitten wir sie, uns in die volle Gemeinschaft der Liebe mit ihrem Sohn, dem lebendigen, vom Himmel herabgekommenen Brot hineinzuführen, damit wir von ihm im Innersten unseres Seins erneuert werden.


Nach dem Angelusgebet

Liebe Brüder und Schwestern!

Mein Gedanke geht in diesem Moment an die Bevölkerungen Asiens, besonders der Philippinen und der Volksrepublik China, die schwer von heftigen Regenfällen betroffen sind, wie auch an jene im Nordwesten des Iran, der von einem schweren Erdbeben getroffen wurde. Diese Ereignisse haben zahlreiche Opfer und Verletzte gefordert sowie Tausende obdachlos gemacht und enorme Schäden verursacht. Ich fordere euch auf, euch meinem Gebet für alle anzuschließen, die ihr Leben verloren haben, sowie für alle Menschen, die durch derart verheerende Naturkatastrophen geprüft werden. Es möge diesen unseren Brüdern und Schwestern nicht an unserer Solidarität und unserer Hilfe mangeln.

... auf französisch: Liebe Pilger französischer Sprache, es freut mich, euch in Castel Gandolfo zum Gebet des Angelus zu empfangen. Das heutige Evangelium ruft uns in Erinnerung, daß Jesus das vom Himmel herabgekommene Brot des Lebens ist. Empfangen wir es mit Glauben, so verwandelt dieses Brot unser Dasein, und es drängt uns, mit unseren Brüdern und Schwestern zu teilen, die nach materieller und geistlicher Nahrung und vor allem nach Liebe und Hoffnung hungern. Die Jungfrau Maria helfe euch, alle Tage eure Wege auf ihren Sohn Jesus auszurichten, Gegenwart der Liebe Gottes, unseres Vaters, unter uns! Allen einen gesegneten Sonntag!

… auf englisch: Mit Freude begrüße ich die englischsprachigen Pilger, die zu diesem Gebet des Angelus zusammengekommen sind. Die Lesungen in der heutigen Messe laden uns ein, unseren Glauben in Jesus zu setzen, das »Brot des Lebens«, der sich selbst in der Eucharistie darbringt und uns die Freude der Auferstehung verheißt. Während dieser Sommerferien möget ihr und eure Familien der Einladung des Herrn durch eine aktive Teilnahme am eucharistischen Opfer und durch großherzige Werke der Nächstenliebe entsprechen. Auf euch alle rufe ich seinen Segen der Freude und des Friedens herab.

… auf deutsch: Gern heiße ich alle Brüder und Schwestern deutscher Sprache willkommen, besonders die Jugendlichen aus dem Feriencamp in Ostia. Im Tagesgebet des heutigen Sonntags bekennen wir, daß wir zu Gott Vater sagen dürfen, denn er hat uns an Kindes Statt angenommen und uns den Geist seines Sohnes gegeben. Und zugleich bitten wir den Herrn, »daß wir in diesem Geist wachsen«. Wir wachsen, wenn wir uns von Gott führen lassen und seinem Sohn Jesus Christus glauben. Er ist das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist zum Leben dieser Welt. Nähren wir uns von diesem Brot, damit wir eins sind mit Christus, immer mehr in ihn hineinwachsen und das Leben erlangen, das für immer bleibt. Der Heilige Geist mache euch zu wahren Kindern Gottes und leite euch auf allen euren Wegen.

… auf spanisch: Ich begrüße voll Zuneigung die Pilger aus dem spanischen Sprachraum. Wie der Prophet Elija auf seinem Weg zum Gottesberg Horeb gespeist wurde, so bedürfen wir der geistigen Nahrung, die uns auf dem Weg unseres Lebens hilft. Diese Speise ist Christus, der uns mit seinem Tod und mit seiner Auferstehung die Tür zum ewigen Leben geöffnet hat. Er ist das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist, damit alle, die davon essen, das Leben haben. Wir wollen uns dem Sakrament der Eucharistie mit Glauben und wachsender Liebe nähern; in ihm schenkt er uns seinen Leib und sein Blut, und wir können verkosten, wie gut der Herr ist, wie groß seine Liebe zu uns ist. Einen gesegneten Sonntag!

… auf polnisch: Einen herzlichen Gruß richte ich an die Polen. Meine Lieben, indem Jesus seine Lehre zum Geheimnis der Eucharistie fortsetzt, offenbart er sich uns heute als Brot des Lebens und Unterpfand unserer Unsterblichkeit. Wir wollen ihn in tiefem Glauben in der Kommunion empfangen, damit das Leben Gottes in uns jetzt und in Ewigkeit fortdauere. Ich segne euch von Herzen.

... auf italienisch: Zum Schuß grüße ich voll Zuneigung die italienisch-sprachigen Pilger. Besonders wende ich mich an die Jugendlichen aus Vigonza und Pionca und spreche den Wunsch aus, daß die formenden Erfahrungen dieser Tage euren Glauben und eure Liebe zu Christus und zur Kirche stärken mögen. Allen wünsche ich einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche, einen gesegneten Sonntag euch allen. Danke für euer Kommen!

 

 

© Copyright 2012 - Libreria Editrice Vaticana

 

top