![]() |
![]() |
|
|
|
|
PASTORALBESUCH IN LAMEZIA TERME UND SERRA SAN BRUNO HEILIGE MESSE PREDIGT VON PAPST BENEDIKT
XVI. [Video]
Liebe Brüder und Schwestern! Groß ist meine Freude darüber, mit euch das Brot des Wortes Gottes und das Brot der Eucharistie brechen zu können. Ich freue mich darüber, zum ersten Mal hier in Kalabrien zu sein und mich in dieser Stadt Lamezia Terme aufzuhalten. Ich begrüße euch alle, die ihr so zahlreich hierher gekommen seid, ganz herzlich und danke euch für euren warmherzigen Empfang! Ich begrüße besonders euren Hirten, Bischof Luigi Antonio Cantafora, und danke ihm für den freundlichen Willkommensgruß, den er im Namen aller an mich gerichtet hat. Ich begrüße auch die anwesenden Erzbischöfe und Bischöfe, die Priester, die Ordensmänner und Ordensfrauen, die Vertreter der kirchlichen Vereinigungen und geistlichen Bewegungen. Einen ergebenen Gedanken richte ich an den Bürgermeister, Prof. Gianni Speranza, dem ich für das freundliche Grußwort danke, an den Vertreter der Regierung und an die zivilen und militärischen Obrigkeiten, die diese unsere Begegnung mit ihrer Anwesenheit ehren wollten. Ein besonderer Dank gilt allen, die an der Verwirklichung meines Pastoralbesuches großzügig mitgewirkt haben. Die Liturgie dieses Sonntags stellt uns ein Gleichnis vor, das von einem Hochzeitsmahl spricht, zu dem viele eingeladen sind. Die erste, dem Buch Jesaja entnommene Lesung bereitet auf dieses Thema vor, weil sie vom Festmahl Gottes spricht. Jenes Bild vom Festmahl ist ein in der Heiligen Schrift häufig verwendetes Bild, um auf die Freude an der Gemeinschaft und an der Fülle der Gaben des Herrn hinzuweisen, und läßt etwas von dem Fest Gottes mit der Menschheit ahnen, wie sie Jesaja beschreibt: »Der Herr der Heere wird auf diesem Berg für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit den besten und feinsten Speisen, mit besten erlesenen Weinen« (Jes 25,6). Der Prophet fügt hinzu, daß es Gottes Absicht ist, der Betrübnis und Schande ein Ende zu bereiten; er will, daß alle Menschen glücklich in der Liebe zu ihm und in wechselseitiger Gemeinschaft leben; es ist also sein Plan, den Tod für immer zu beseitigen, die Tränen auf jedem Antlitz zu trocknen, den beschämenden Zustand seines Volkes zu beenden, wie wir gehört haben (Vers 7–8). Das alles weckt tiefe Dankbarkeit und Hoffnung: »Seht, das ist unser Gott, auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt, er wird uns retten. Das ist der Herr, auf ihn setzen wir unsere Hoffnung. Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat« (Vers 9). Im Evangelium spricht Jesus zu uns von der Antwort, die auf die Einladung Gottes – in der Gestalt eines Königs – zur Teilnahme an diesem Festmahl gegeben wird (vgl. Mt 22,1–14). Es sind viele eingeladen, doch es geschieht etwas Unerwartetes: sie lehnen es ab, an dem Festmahl teilzunehmen, sie haben anderes zu tun; ja, einige zeigen offen, daß sie die Einladung verschmähen. Gott ist uns gegenüber großzügig, er bietet uns seine Freundschaft, seine Gaben, seine Freude an, aber wir nehmen seine Worte oft nicht an, zeigen für andere Dinge mehr Interesse, setzen unsere materiellen Sorgen, unsere Interessen an die erste Stelle. Die Einladung des Königs trifft sogar auf feindselige, aggressive Reaktionen. Aber das schränkt seine Großzügigkeit keineswegs ein. Er läßt sich nicht entmutigen und schickt seine Diener aus, um viele andere Personen einzuladen. Die Verweigerung der zuerst Eingeladenen hat die Ausdehnung der Einladung auf alle zur Folge, auch die Ärmsten, Verlassenen und Verachteten. Die Diener holen alle zusammen, die sie finden, und der Saal füllt sich: Die Güte des Königs ist grenzenlos, und allen wird die Möglichkeit gegeben, auf seinen Anruf zu antworten. Aber es gibt eine Bedingung für das Verweilen bei diesem Hochzeitsmahl: das Anlegen des Hochzeitsgewandes. Und als der König den Saal betritt, bemerkt er einen, der kein Hochzeitsgewand angelegt hat, und deshalb wird er vom Fest ausgeschlossen. An diesem Punkt möchte ich einen Moment innehalten und eine Frage stellen: Warum hat dieser Gast die Einladung des Königs angenommen, warum ist er in den Festsaal gekommen, warum ist ihm die Tür geöffnet worden, aber er hat nicht das Hochzeitsgewand angehabt? Was hat es mit diesem Hochzeitsgewand auf sich? In der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag dieses Jahres habe ich auf einen schönen Kommentar des hl. Gregor des Großen zu diesem Gleichnis Bezug genommen. Er erklärt, daß jener, der auf die Einladung Gottes zur Teilnahme an seinem Festmahl geantwortet hat, in gewisser Weise den Glauben besitzt, der ihm die Tür des Saales geöffnet hat, daß ihm aber etwas Wesentliches fehlt: das Hochzeitsgewand, das die Liebe ist. Und der hl. Gregor fügt hinzu: »Jeder von euch, der in der Kirche den Glauben an Gott besitzt, hat bereits am Hochzeitsmahl teilgenommen, aber er kann nicht behaupten, das hochzeitliche Gewand zu besitzen« (Homilia 38,9: PL 76,1287). Und dieses Gewand ist, symbolisch gesprochen, von zwei Fäden durchwoben, der eine oben und der andere unten; die Gottesliebe und die Nächstenliebe (vgl. ebd., 10: PL 76,1288). Wir sind alle eingeladen, Tischgäste des Herrn zu sein, durch den Glauben zu seinem Festmahl zu kommen, aber wir müssen das Hochzeitskleid, die Liebe, anziehen und bewahren, eine tiefe Gottes- und Nächstenliebe leben. Liebe Brüder und Schwestern, ich bin gekommen, um mit euch Freuden und Hoffnungen, Mühen und Verpflichtungen, Ideale und Bestrebungen dieser diözesanen Gemeinschaft zu teilen. Ich weiß, daß ihr euch auf diesen Besuch mit einem intensiven geistlichen Weg vorbereitet habt, für den ihr als Motto einen Vers aus der Apostelgeschichte gewählt habt: »Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher!« (3,6). Ich weiß, daß so wie in ganz Kalabrien es auch in Lamezia Terme nicht an Schwierigkeiten, Problemen und Sorgen fehlt. Wenn wir diese schöne Region genauer beobachten, stellen wir fest, daß es sich um eine Erdbebenzone handelt, und das nicht nur unter geologischem Gesichtspunkt, sondern auch in struktureller, verhaltensmäßiger und sozialer Hinsicht; das heißt, ein Land, wo die Probleme in akuten und destabilisierenden Formen auftreten; ein Land, wo die Arbeitslosigkeit besorgniserregend ist, wo eine oft abscheuliche Kriminalität das soziale Gefüge verletzt, ein Land, wo man ständig das Gefühl hat, sich in einer Notlage zu befinden. Ihr Kalabresen habt es verstanden, auf diese Notlage mit einer überraschenden Dienstbereitschaft und Verfügbarkeit, mit einer außergewöhnlichen Fähigkeit zur Anpassung auf die mißliche Lage zu reagieren. Ich bin sicher, daß ihr es fertigbringen werdet, die heutigen Schwierigkeiten zu überwinden, um eine bessere Zukunft vorzubereiten. Gebt niemals der Versuchung des Pessimismus und des Rückzugs auf euch selbst nach. Greift auf die Quellen eures Glaubens und eurer menschlichen Fähigkeiten zurück; strengt euch an, in der Fähigkeit zur Zusammenarbeit zu wachsen, euch um den Nächsten und um jedes öffentliche Gut zu kümmern, bewahrt das Hochzeitsgewand der Liebe; verharrt im Zeugnis der menschlichen und christlichen Werte, die so tief im Glauben und in der Geschichte dieser Region und ihrer Bevölkerung verwurzelt sind. Tiefer Gemeinschaftssinn Liebe Freunde, mein Besuch steht gleichsam am Ende des Weges, der von dieser Ortskirche mit der Ausarbeitung eines pastoralen Fünfjahresplanes eingeschlagen wurde. Ich möchte mit euch zusammen dem Herrn für den zurückgelegten positiven Weg und für die vielen ausgesäten Keime des Guten danken, die für die Zukunft Gutes erhoffen lassen. Um sich der neuen sozialen und religiösen Wirklichkeit, die ganz anders als die Vergangenheit, ja vielleicht belasteter mit Schwierigkeiten, aber auch reicher an Möglichkeiten ist, zu stellen, bedarf es einer modernen und organischen pastoralen Arbeit, die um den Bischof herum alle christlichen Kräfte verpflichtend einbinden muß: Priester, Ordensleute und Laien, die vom gemeinsamen Engagement für die Evangelisierung beseelt sind. Diesbezüglich habe ich mit Genugtuung von einem Bemühen erfahren, das in die Tat umgesetzt werden soll: durch die Ausrichtung monatlicher Treffen in den verschiedenen Zentren der Diözese soll erreicht werden, daß sich die Teilnehmer auf das aufmerksame und ausdauernde Hören des Wortes Gottes einlassen und die Verbreitung der Praxis der Lectio divina gefördert wird. Ebenso anerkennenswert ist auch die Schule für die Soziallehre der Kirche, sowohl wegen der Qualität des Angebots als auch wegen ihrer flächendeckenden Verbreitung. Ich wünsche inständig, daß aus solchen Initiativen eine neue Generation von Männern und Frauen hervorgehen möge, die imstande sind, nicht nur Teilinteressen, sondern das Gemeinwohl zu fördern. Ermutigen und segnen möchte ich auch die Anstrengungen aller jener Priester und Laien, die in der Schulung und Vorbereitung christlicher Paare auf Ehe und Familie engagiert sind, um auf die vielen heutigen Herausforderungen im Bereich der Familie und des Lebens eine zutreffende und dem Evangelium entsprechende Antwort zu geben. Sodann weiß ich um den Eifer und die Hingabe, mit dem die Priester ihren pastoralen Dienst sowie auch die ihnen übertragene systematische und intensive Erziehungsarbeit, besonders an den Allerjüngsten, vollbringen. Liebe Priester, ich fordere euch dazu auf, euer spirituelles Leben immer tiefer im Evangelium zu verwurzeln, indem ihr das Innenleben, eine intensive Gottesbeziehung pflegt und euch mit Entschiedenheit von einer konsumorientierten und weltlichen Mentalität loslöst, die in der Wirklichkeit, in der wir leben, eine immer wiederkehrende Versuchung darstellt. Lernt in der Gemeinschaft untereinander und mit dem Bischof, in der Gemeinschaft zwischen euch und den gläubigen Laien zu wachsen, indem ihr die gegenseitige Wertschätzung und Zusammenarbeit fördert: Daraus werden mit Sicherheit vielfältige Vorteile sowohl für das Leben der Pfarreien wie für die Zivilgesellschaft erwachsen. Ihr sollt mit Unterscheidungsvermögen entsprechend den bekannten Kriterien der Kirchlichkeit die Gruppen und geistlichen Bewegungen einschätzen können: Sie müssen in der ordentlichen Pastoral der Diözese und der Pfarreien in einem tiefen Gemeinschaftssinn gut integriert werden. Euch, gläubige Laien, Jugendliche und Familien, sage ich: Habt keine Angst, in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft, in den vielfältigen Situationen des menschlichen Lebens den Glauben zu leben und zu bezeugen! Ihr habt alle Beweggründe dazu, euch stark, zuversichtlich und mutig zu zeigen, und dies dank des Lichts des Glaubens und der Kraft der Liebe. Und wenn ihr auf den Widerstand der Welt treffen solltet, macht euch die Worte des Apostels zu eigen: »Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt« (Phil 4,13). So haben sich die Heiligen – Männer und Frauen – verhalten, die im Laufe der Jahrhunderte in ganz Kalabrien gelebt und gewirkt haben. Sie mögen euch beschützen und immer vereint halten und in einem jeden von euch den Wunsch nähren, mit Worten und Werken die Gegenwart und Liebe Christi zu verkünden. Die von euch so sehr verehrte Muttergottes stehe euch bei und führe euch zur tiefen Kenntnis ihres Sohnes. Amen!
© Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana
|
|
|
|