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BOTSCHAFT VON
BENEDIKT XVI.
AN DEN OBEREN DES KLOSTERS "SAN GREGORIO AL CELIO" ANLÄSSLICH DER
TAUSENDJAHRFEIER
DER GEBURT DES HL. PETRUS DAMIANI
An den Ehrwürdigen Pater
GUIDO INNOCENZO GARGANO
Oberer des Klosters »San Gregorio al Celio«
Das heutige Fest des hl. Petrus Damiani bietet mir die
willkommene Gelegenheit, einen herzlichen Gruß an alle Mitglieder des
verdienstvollen Ordens der Kamaldulenser zu richten, sowie auch an diejenigen,
die sich mit Bewunderung an der Gestalt und am Werk dieses großen Zeugen des
Evangeliums inspirieren. Er war einer der Protagonisten der mittelalterlichen
Kirchengeschichte und zweifellos der produktivste Schriftsteller des 11.
Jahrhunderts. Die Tausendjahrfeier seiner Geburt stellt eine äußerst günstige
Gelegenheit dar, die Aspekte zu vertiefen, die bezeichnend sind für seine
vielseitige Persönlichkeit als Gelehrter, Eremit und Mann der Kirche, vor allem
aber als Mensch, der Christus liebte. In seinem Leben zeigt der hl. Petrus
Damiani eine glückliche Synthese von Eremitenleben und pastoraler Tätigkeit. Als
Eremit verkörpert er jene evangeliumsgemäße Radikalität und jene vorbehaltlose
Liebe zu Christus, die in der Regel des hl. Benedikt so trefflich zum Ausdruck
kommen: »Nichts, überhaupt nichts der Liebe zu Christus voranstellen«. Als Mann
der Kirche wirkte er mit weitblickender Weisheit und traf, wenn nötig, auch
kühne und mutige Entscheidungen. Seine ganze menschliche und geistliche
Geschichte befindet sich im Spannungsfeld zwischen Eremitenleben und kirchlichen
Verpflichtungen.
Der hl. Petrus Damiani war vor allem ein Eremit, er war sogar
der letzte Theoretiker des Eremitenlebens in der lateinischen Kirche, zu der
Zeit, als sich das Schisma zwischen Ost und West vollzog. In seinem
interessanten Werk mit dem Titel »Vita Beati Romualdi« hat er uns eine
der bedeutendsten Früchte der monastischen Erfahrung der ungeteilten Kirche
hinterlassen. Für ihn ist das Eremitenleben eine nachdrückliche Mahnung an alle
Christen, den Primat Christi und seine Herrschaft anzuerkennen. Es ist eine
Einladung, die Liebe zu entdecken, die Christus, ausgehend von seiner Beziehung
zum Vater, zur Kirche hat, eine Liebe, die der Eremit seinerseits nähren muß
»mit, durch und in« Christus gegenüber dem ganzen Volk Gottes. Er verspürte so
stark die Gegenwart der Universalkirche im Eremitenleben, daß er in der
ekklesiologischen Abhandlung mit dem Titel »Dominus vobiscum« schrieb,
die Kirche sei eine in allen ihren Gliedern und zugleich ganz in jedem ihrer
Glieder.
Dieser große Eremit und Heilige war auch ein herausragender Mann
der Kirche, der bereit war, die Einsiedelei zu verlassen und sich überall
dorthin zu begeben, wo seine Anwesenheit nötig war, um zwischen Streitenden zu
vermitteln, seien dies Kirchenmänner, Mönche oder einfache Gläubige. Obgleich er
radikal auf das »unum necessarium« konzentriert war, entzog er sich nicht
den praktischen Erfordernissen, die die Liebe zur Kirche ihm auferlegte. Er war
getrieben von dem Wunsch, daß die kirchliche Gemeinschaft sich stets als heilige
und makellose Braut zeigen möge, bereit für ihren himmlischen Bräutigam, und er
brachte mit lebhafter »ars oratoria« seinen aufrichtigen und
uneigennützigen Eifer für die Heiligkeit der Kirche zum Ausdruck. Nach jeder
kirchlichen Mission kehrte er jedoch in den Frieden der Einsiedelei von »Fonte
Avellana« zurück. Frei von jedem Ehrgeiz ging er sogar soweit, endgültig auf die
Kardinalswürde zu verzichten, um sich nicht von der Eremiteneinsamkeit zu
entfernen, der Zelle seines in Christus verborgenen Daseins.
Schließlich war der hl. Petrus Damiani die Seele der »Gregorianischen
Reform«, die den Übergang vom ersten zum zweiten Jahrtausend prägte und
deren Herz und Antriebskraft der hl. Gregor VII. war. Konkret ging es darum,
Entscheidungen auf institutioneller Ebene und von theologischem, disziplinärem
und geistlichem Charakter umzusetzen, die im zweiten Jahrtausend eine größere »libertas
Ecclesiae« zuließen, indem der Atem der großen Theologie zurückgewonnen
wurde mit Bezug auf die Kirchenväter und insbesondere auf den hl. Augustinus,
den hl. Hieronymus und den hl. Gregor den Großen. In Wort und Schrift wandte er
sich an alle: Von den Eremiten, seinen Mitbrüdern, verlangte er den Mut zur
radikalen Hingabe an den Herrn, einer Hingabe, die dem Martyrium möglichst
nahekommen sollte; vom Papst, von den Bischöfen und von den hochrangigen
Kirchenmännern forderte er einen evangeliumsgemäßen Abstand von Ehren und
Privilegien bei der Erfüllung ihrer kirchlichen Funktionen; die Priester
erinnerte er an das sehr hohe Ideal ihrer Sendung, die sie ausüben müssen, indem
sie die Sittenreinheit und eine wirkliche persönliche Armut pflegen.
In einer Epoche, die gezeichnet war von Parteilichkeiten und
Ungewißheiten, da sie keine einigenden Prinzipien besaß, vermittelte Petrus
Damiani, der sich der eigenen Grenzen bewußt war – er liebte es, sich als »peccator
monachus« zu bezeichnen –, seinen Zeitgenossen das Bewußtsein, daß sich nur
durch eine beständige harmonische Spannung zwischen zwei grundlegenden Polen des
Lebens – der Einsamkeit und der Gemeinschaft – ein wirksames christliches
Zeugnis entfalten kann. Gilt diese Lehre vielleicht nicht auch für unsere Zeit?
Ich bringe gern den Wunsch zum Ausdruck, daß die Tausendjahrfeier seiner Geburt
dazu beitragen möge, nicht nur die Aktualität und die Tiefe seines Denkens und
Handelns wiederzuentdecken, sondern daß sie auch eine günstige Gelegenheit sein
möge zur persönlichen und gemeinschaftlichen Erneuerung, durch einen ständigen
Neubeginn in Jesus Christus, »derselbe gestern, heute und in Ewigkeit« (Hebr
13,8).
Ich versichere Sie und alle Kamaldulensermönche eines Gedenkens
im Gebet und sende allen einen besonderen Apostolischen Segen, in den ich gern
auch diejenigen einschließe, die Ihre Spiritualität teilen.
Aus dem Vatikan, am 20. Februar 2007
BENEDICTUS PP. XVI
© Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana
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