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SCHREIBEN VON BENEDIKT
XVI.
ANLÄSSLICH DER FEIERLICHKEITEN ZUM
1000-JAHR-JUBILÄUM DES MAINZER DOMS
Meinem verehrten Bruder
Karl Kardinal Lehmann
Bischof von Mainz
Mit Freude habe ich davon Kenntnis erhalten, daß das Bistum
Mainz seit Anfang des Jahres das Jubiläum »1000 Jahre Mainzer Willigis-Dom« mit
vielen Gottesdiensten, zahlreichen kulturellen Veranstaltungen und einem
beträchtlichen Echo in der Öffentlichkeit gefeiert hat. Eine festliche
Eucharistiefeier im altehrwürdigen Dom verleiht diesem Jubiläumsjahr nun seinen
gebührenden Abschluß. Zu diesem Anlaß übersende ich Ihnen, Eminenz, den
hochwürdigsten Herren Weihbischöfen, den Priestern, Diakonen und Ordensleuten,
den Mitarbeitern und vielen Ehrenamtlichen sowie allen Diözesanen herzliche
Segensgrüße.
Ihr seid zu Recht dankbar, daß der dem heiligen Martin geweihte
Dom – als erste der repräsentativen romanischen Kathedralbauten am Rhein und in
wichtigen Teilen dem alten Petersdom in Rom nachempfunden – seit einem
Jahrtausend trotz so vieler Zerstörungen erhalten geblieben ist. Der Dom mit
seinen Vorgängerkirchen steht auch für die große Geschichte des alten Erzbistums
Mainz mit ihren bedeutenden Gestalten wie dem hl. Bonifatius und verbindet Euch
sozusagen mit den Anfängen des Christentums in Deutschland, die schon bei
Irenäus von Lyon im zweiten Jahrhundert Erwähnung finden (vgl. Adversus
haereses, I,10,2). Es ist nicht gleichgültig, daß wir in denselben Kirchen
beten, in denen unsere Vorfahren im Laufe der Jahrhunderte ihre Bitten und ihre
Hoffnungen vor Gott hingetragen haben.
Doch wissen wir schon aus der Heiligen Schrift, daß bei aller
menschlichen Kunst und Schaffenskraft es zum Bau eines Gotteshauses vor allem
des Geistes, des Heiligen Geistes bedarf. In der Tat baut Gott sein Haus zuerst
selber. Schon der Tempel ist ein Zeichen dieser wirkmächtigen Präsenz Gottes,
welche der Sehnsucht des Menschen entgegenkommt, Gott als Mitwohner zu haben,
bei Gott wohnen zu können und von ihm zu einer Gemeinschaft aufgebaut zu werden.
»Ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Bau« (1 Kor 3,9b). Wo Menschen sich
durch den Herrn versammeln lassen, wo er ihnen in Wort und Sakrament seine
Gegenwart gewährt, da ist Gott so nahe bei uns wie nie.
Es ist ein Beleg für das von Jesus Christus her im Neuen Bund
entstandene Verständnis von Kirche, wenn immer mehr auch auf unseren Beitrag zu
diesem Bau aufmerksam gemacht wird. Wir sind selbst die Steine, denn es sind
lebendige Steine. »Laßt euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus
aufbauen«, sagt der Erste Petrusbrief (2,5). Dies geschieht nicht von
selbst. Wir werden nur zusammengehalten durch den Schluß- und Eckstein Jesus
Christus, der freilich von den Menschen verworfen wird (vgl. Apg 4,11;
Eph 2,20; 1 Petr 2,7).
Die Kirchenväter kannten das schöne Bild, die Steine müssen, um
Bau zu werden, aufeinander hin behauen werden und dies bleibt auch den Menschen
nicht erspart, die heute ein Haus werden wollen. Wenn Ihr im Glauben einem
solchen gut gefügten Bau ähnlich werdet, könnt Ihr reiche Frucht bringen,
Zeugnis des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe in Kirche und Gesellschaft, in
Ehe und Familie und in allen Euren Gemeinschaften.
In Eurem tausendjährigen Dom hat sich eine große Geschichte des
Glaubens und des Betens niedergeschlagen und erhalten. Entsprecht diesem Bau in
seiner reichen Bedeutung für Kirche und Welt durch die Suche nach Wahrheit,
Gerechtigkeit und Frieden in unserer Zeit. Ihr habt selbst schon ein solches Maß
für das Jubiläum aufgestellt durch das Leitwort dieses Festjahres, das Ihr dem
Apostel Paulus entnommen habt: »Der Tempel Gottes ist heilig – und das seid
ihr!« (vgl. Kor 3,17).
Für den Abschluß Eures Jubiläumsjahres und die Zeit danach, die
dadurch gewiß inspiriert wird, erbitte ich Euch allen die Ermutigung im Glauben,
damit dieser fruchtbar werde für das Leben der Welt. Dazu erteile ich Euch auf
die Fürbitte des heiligen Petrus und des heiligen Martins, des Patrons des Domes
und des Bistums Mainz, von Herzen den Apostolischen Segen.
Aus dem Vatikan, am Hochfest Allerheiligen 2009
BENEDICTVS PP. XVI
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