 |
BEGEGNUNG VON PAPST BENEDIKT XVI.
MIT PRIESTERN DER DIÖZESE ALBANO
Apostolischer Palast in Castelgandolfo Donnerstag, 31.
August 2006
Einige Probleme im Leben der Priester
Pfarrer Giuseppe Zane, Vicarius »ad omnia«, 83 Jahre:
Unser Bischof hat Ihnen, freilich in sehr knapper Form, die
Situation unserer Diözese Albano geschildert. Wir Priester sind ganz in diese
Kirche eingefügt und erleben all ihre Probleme und Vielschichtigkeiten. Wir
alle, ob jung oder alt, verspüren unsere Unzulänglichkeit, in erster Linie
deshalb, weil wir zu wenige sind, um den vielen Anforderungen zu entsprechen,
und weil wir unterschiedlicher Herkunft sind. Zudem leiden wir unter dem Mangel
an Berufungen zum Priestertum. Aus diesen Gründen verlieren wir manchmal den
Mut, versuchen da und dort ein wenig abzuhelfen und sehen uns häufig gezwungen,
nur eine Art »Erste Hilfe« zu leisten, ohne eine konkrete Planung. Wenn wir
sehen, was alles getan werden muß, sind wir versucht, das Tun vorzuziehen und
das Sein zu vernachlässigen, was sich unweigerlich auf das geistliche Leben
auswirkt, auf das Gespräch mit Gott, das Gebet und die Liebe zu den Brüdern,
besonders den fernstehenden. Heiliger Vater, was können Sie uns dazu sagen? Ich
habe bereits ein gewisses Alter erreicht – aber gibt es für diese jungen
Mitbrüder eine Hoffnung?
BENEDIKT XVI.:
Liebe Brüder, ich möchte euch zuallererst willkommen heißen und
euch ein Wort des Dankes aussprechen. Ich danke Kardinal Sodano für seine
Anwesenheit, durch die er seine Liebe und Sorge für diese suburbikarische Kirche
zum Ausdruck bringt. Ich danke Ihnen, Exzellenz, für Ihre Worte. Sie haben mir
die Situation Ihrer Diözese, die ich in diesem Umfang nicht kannte, in wenigen
Sätzen geschildert. Ich wußte zwar, daß es sich um die größte der
suburbikarischen Diözesen handelt, aber ich wußte nicht, daß die Einwohnerzahl
bereits auf 500.000 angewachsen ist. Ich sehe also eine Diözese, in der es viele
Herausforderungen und Probleme gibt, die aber sicher auch reich ist an Freude im
Glauben. Und ich sehe, daß alle Fragen unserer Zeit in ihr vorhanden sind:
Emigration, Tourismus, Ausgrenzung, Agnostizismus, aber eben auch ein fester
Glaube.
Ich stelle jetzt nicht den Anspruch, so etwas wie ein »Orakel«
zu sein, das auf alle Fragen eine ausreichende Antwort geben könnte. Die Worte
des hl. Gregor des Großen, die Sie, Exzellenz, zitiert haben – daß ein jeder »infirmitatem
suam« erkenne –, gelten auch für den Papst. Auch der Papst muß Tag für Tag »infirmitatem
suam«, seine Grenzen, erkennen und anerkennen. Er muß anerkennen, daß wir
nur in der Zusammenarbeit mit allen, im Dialog, im gemeinsamen Zusammenwirken,
im Glauben, als »cooperatores veritatis« – der Wahrheit, die eine Person
ist, Jesus – gemeinsam unseren Dienst tun können, jeder an seinem Platz.
Insofern werden meine Antworten nicht erschöpfend, sondern bruchstückhaft sein.
Trotzdem akzeptieren wir gerade dies: daß wir nur gemeinsam das »Mosaik« einer
Pastoralarbeit, die der Größe der Herausforderungen entspricht, zusammensetzen
können.
Sie, Herr Kardinal Sodano, haben gesagt, daß unser lieber
Mitbruder Pfarrer Zane etwas pessimistisch erscheine. Ich muß jedoch dazu sagen,
daß jeder von uns Augenblicke erlebt, in denen er mutlos werden kann angesichts
der Ausmaße dessen, was getan werden müßte, und der Begrenztheit dessen, was man
tatsächlich tun kann. Das gilt wiederum auch für den Papst. Was muß ich in
dieser Stunde der Kirche tun, mit den vielen Problemen, mit der Freude, mit den
vielen Herausforderungen, die die Universalkirche betreffen? So viele Dinge
geschehen Tag für Tag, und ich bin nicht in der Lage, auf alles zu antworten.
Ich leiste meinen Teil, ich tue, was ich tun kann. Ich versuche, die Prioritäten
zu finden. Und ich bin glücklich, daß ich von so vielen guten Mitarbeitern
unterstützt werde. Ich kann schon hier und jetzt sagen: Ich sehe jeden Tag die
große Arbeit, die das Staatssekretariat unter seiner weisen Führung leistet. Und
nur mit diesem Netz der Zusammenarbeit, indem ich mich mit meinen bescheidenen
Fähigkeiten in ein größeres Ganzes einfüge, kann ich und wage ich voranzugehen.
Und so sieht ein Pfarrer, der allein ist, natürlich noch mehr,
daß es in dieser Situation, die Sie, Pfarrer Zane, kurz beschrieben haben, so
viel zu tun gäbe. Und er kann doch nur etwas von dem tun, »ein wenig abhelfen« –
wie Sie sagten –, eine Art »Erste Hilfe« leisten, und er ist sich dabei bewußt,
daß viel mehr getan werden müßte. Ich würde sagen, daß es in erster Linie für
uns alle notwendig ist, unsere Grenzen demütig anzuerkennen: anzuerkennen, daß
wir die meisten Dinge dem Herrn überlassen müssen. Im heutigen Evangelium haben
wir das Gleichnis vom treuen Knecht gehört (Mt 24,42–51). Dieser Knecht –
so sagt uns der Herr – gibt den anderen zur rechten Zeit, was sie zu essen
brauchen. Er tut nicht alles auf einmal, sondern er ist ein weiser und kluger
Knecht, der es versteht, das, was er in jener Situation tun muß, auf
verschiedene Zeitpunkte zu verteilen. Er tut das mit Demut und ist sich auch des
Vertrauens von seiten seines Herrn sicher. So müssen auch wir unser Möglichstes
tun, um zu versuchen, weise und klug zu sein und auch auf die Güte unseres Herrn
vertrauen, weil letztendlich er es ist, der seine Kirche leiten muß. Wir bringen
uns mit unserer kleinen Gabe ein und tun, was wir tun können, vor allem die
Dinge, die immer notwendig sind: die Sakramente, die Verkündigung des Wortes,
die Zeichen unserer Liebe.
Was unser inneres Leben angeht, das Sie erwähnt haben, würde ich
sagen, daß es für unseren Dienst als Priester wesentlich ist. Die Zeit, die wir
uns für das Gebet nehmen, ist nicht eine Zeit, die wir unserer pastoralen
Verantwortung entziehen, sondern das Gebet ist »Pastoralarbeit«, ist Gebet auch
für die anderen. In den »Commune-Texten für Hirten der Kirche« kann man als
Wesensmerkmal des guten Hirten lesen, daß er »multum oravit pro fratribus«.
Eben das kennzeichnet den Hirten, daß er ein Mann des Gebets ist, daß er vor dem
Herrn steht und für die anderen betet, die anderen auch vertritt, die vielleicht
nicht beten können, nicht beten wollen oder keine Zeit zum Beten finden. Wie
deutlich wird daraus, daß dieser Dialog mit Gott Pastoralarbeit ist!
Ich würde also sagen, daß uns die Kirche – freilich immer als
eine gütige Mutter – aufträgt, ja gleichsam auferlegt, freie Zeit für Gott zu
haben, einschließlich der beiden Dinge, die zu unseren Pflichten gehören: die
Feier der heiligen Messe und das Stundengebet. Aber wir sollten dieses nicht nur
mit dem Mund beten, sondern vielmehr hören auf das Wort, das der Herr uns im
Stundengebet schenkt. Ich muß dieses Wort verinnerlichen, darauf achten, was der
Herr mir durch dieses Wort sagt, und dann, in der zweiten Lesung der Lesehore,
den Kommentar der Kirchenväter oder auch des Konzils dazu hören und mit den
Psalmen beten, jener großartigen Anrufung Gottes, durch die wir hineingenommen
werden in das Gebet aller Zeiten. Mit uns betet das Volk des Alten Bundes, und
wir beten mit ihm. Wir beten mit dem Herrn, der eigentlich die Hauptperson der
Psalmen ist. Wir beten mit der Kirche aller Zeiten. Ich würde sagen, daß diese
dem Stundengebet gewidmete Zeit eine kostbare Zeit ist. Die Kirche schenkt uns
diese Freiheit, diesen Freiraum des Lebens mit Gott, das auch Leben für die
anderen ist.
So erscheint es mir also wichtig zu sehen, daß diese beiden
Realitäten – die wirklich im Gespräch mit Gott gefeierte heilige Messe und das
Stundengebet – Räume der Freiheit, des inneren Lebens sind, die uns die Kirche
schenkt und die ein Reichtum für uns sind. In ihnen begegnen wir, wie gesagt,
nicht nur der Kirche aller Zeiten, sondern dem Herrn selbst, der mit uns spricht
und eine Antwort von uns erwartet. So lernen wir beten, indem wir uns in das
Gebet aller Zeiten einfügen, und begegnen auch dem Volk. Denken wir an die
Psalmen, an die Worte der Propheten, an die Worte des Herrn und der Apostel,
denken wir an die Kommentare der Kirchenväter. Heute hatten wir diesen
wunderbaren Kommentar des hl. Columban über Christus, die Quelle »lebendigen
Wassers«, aus der wir trinken. Durch das Gebet begegnen wir auch den Leiden des
Gottesvolkes in der heutigen Zeit. Diese Gebete lassen uns an das tägliche Leben
denken und führen uns zur Begegnung mit den heutigen Menschen. Sie erleuchten
uns bei dieser Begegnung, weil wir hier nicht nur unseren eigenen, bescheidenen
Verstand und unsere Gottesliebe einbringen, sondern durch das Wort Gottes
lernen, den Menschen auch Gott selbst zu bringen. Das erwarten die Menschen: daß
wir ihnen das »lebendige Wasser« bringen, von dem der hl. Columban heute
spricht. Die Menschen haben Durst. Und sie versuchen, diesen Durst mit
verschiedenen Zerstreuungen zu stillen. Aber sie verstehen sehr wohl, daß diese
Zerstreuungen nicht das »lebendige Wasser« sind, das sie brauchen. Der Herr ist
die Quelle des »lebendigen Wassers«. Er sagt jedoch, im 7. Kapitel des
Johannesevangeliums, daß jeder, der glaubt, zur »Quelle« wird, weil er aus
Christus getrunken hat. Und dieses »lebendige Wasser« (V. 38) wird in uns zur
sprudelnden Quelle, zur Quelle für die anderen. Versuchen wir also, es im Gebet,
bei der Feier der heiligen Messe, bei der Lektüre zu trinken: Versuchen wir, aus
dieser Quelle zu trinken, damit sie in uns zur Quelle werde. Und wir können
besser auf den Durst der heutigen Menschen antworten, wenn wir das »lebendige
Wasser«, die göttliche Wirklichkeit, die Wirklichkeit des menschgewordenen Herrn
Jesus in uns haben. So können wir besser auf die Nöte der uns anvertrauten
Menschen antworten. Soweit zu Ihrer ersten Frage. Was können wir tun? Tun wir
immer das Mögliche für die Menschen – wir werden bei den anderen Fragen
Gelegenheit haben, auf diesen Punkt zurückzukommen – und leben wir mit dem
Herrn, um auf den wahren Durst der Menschen antworten zu können.
Ihre zweite Frage lautete: Haben wir Hoffnung für diese
Diözese, für diesen Teil des Gottesvolkes, das diese Diözese Albano ist, und für
die Kirche? Ich antworte ohne zu zögern: Ja! Natürlich haben wir Hoffnung:
Die Kirche lebt! Die Kirche hat eine 2000jährige Geschichte, mit vielen Leiden
und auch vielen Mißerfolgen: Denken wir an die Kirche in Kleinasien, an die
große, blühende Kirche Nordafrikas, die mit der muslimischen Invasion
verschwunden ist. Teile der Kirche können also tatsächlich verschwinden, wie der
hl. Johannes in der Offenbarung bzw. der Herr durch Johannes sagt: »Wenn du
nicht umkehrst, werde ich kommen und deinen Leuchter von seiner Stelle
wegrücken« (Offb 2,5). Andererseits aber sehen wir, wie durch viele
Krisen hindurch die Kirche wieder jung und mit neuer Frische erstanden ist.
Im Zeitalter der Reformation schien die katholische Kirche
tatsächlich fast am Ende zu sein. Es schien diese neue Strömung zu triumphieren,
die behauptete: Jetzt ist die Kirche von Rom am Ende. Und wir sehen, daß mit den
großen Heiligen wie Ignatius von Loyola, Teresa von Avila, Karl Borromäus und
anderen die Kirche wieder ersteht. Im Konzil von Trient findet sie eine neue
Aktualisierung und eine Wiederbelebung ihrer Lehre. Und sie ersteht wieder mit
großer Lebenskraft. Blicken wir auf die Zeit der Aufklärung, in der Voltaire
sagte: Endlich ist diese alte Kirche am Ende, und es lebt die Menschheit! Und
was geschieht statt dessen? Die Kirche erneuert sich. Das 19. Jahrhundert wird
zum Jahrhundert der großen Heiligen, einer neuen Lebenskraft für viele
Ordensgemeinschaften, und der Glaube ist stärker als alle anderen Strömungen,
die kommen und gehen. Und so war es auch im vergangenen Jahrhundert. Hitler hat
einmal gesagt: »Die Vorsehung hat mich, einen Katholiken, dazu berufen, dem
Katholizismus den Garaus zu machen. Nur ein Katholik kann den Katholizismus
zerstören.« Er war sich sicher, über alle Mittel zu verfügen, um den
Katholizismus endgültig zu zerstören. In gleicher Weise war sich die große
marxistische Strömung sicher, eine neue wissenschaftliche Weltanschauung
durchzusetzen und der Zukunft die Tore zu öffnen: Die Kirche ist am Ende! Aber
nach den Worten Christi ist die Kirche stärker. Es ist das Leben Christi, das in
seiner Kirche siegt.
Auch in schweren Zeiten, wenn es an Berufungen fehlt, bleibt das
Wort des Herrn in Ewigkeit. Und wer – wie der Herr selbst sagt – sein Leben auf
diesen »Fels« des Wortes Christi baut, baut gut. Deshalb können wir
zuversichtlich sein. Wir sehen auch in unserer Zeit neue Glaubensinitiativen.
Wir sehen, daß in Afrika die Kirche trotz aller Probleme dennoch einen Blüte an
Berufungen erfährt, die ermutigend ist. Und so sehen wir in der ganzen
Vielseitigkeit des historischen Panoramas von heute – ja, wir sehen es nicht
nur, sondern glauben es –, daß die Worte des Herrn Geist und Leben sind, Worte
des ewigen Lebens. Der hl. Petrus hat gesagt, wie wir am vergangenen Sonntag im
Evangelium gehört haben: »Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben
gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes« (Joh 6,68–69).
Und wenn wir auf die Kirche von heute blicken, wenn wir trotz aller Leiden die
Lebenskraft der Kirche sehen, dann können auch wir sagen: Wir sind zum Glauben
gekommen und haben erkannt, daß du uns Worte des ewigen Lebens gibst und damit
eine Hoffnung, die nicht trügt.
Die «integrierte» Seelsorge
Msgr. Gianni Macella, Pfarrer in Albano:
In den letzten Jahren bemühen wir uns im Einklang mit den
Plänen der Italienischen Bischofskonferenz für das Jahrzehnt 2000–2010 um die
Verwirklichung eines Planes für die ›integrierte Seelsorge‹. Es gibt viele
Schwierigkeiten. Es sollte zumindest die Tatsache erwähnt werden, daß viele von
uns Priestern noch immer einer bestimmten Seelsorgspraxis verpflichtet sind, die
wenig missionarisch ist und die sich bewährt zu haben schien, denn sie war
gebunden an ein »christianisiertes« Umfeld, wie man so schön sagt. Auf der
anderen Seite lassen die Fragen und Wünsche von vielen Gläubigen die Pfarrei als
eine Art ›Supermarkt‹ für geistliche Dienste erscheinen. Da möchte ich nun Sie,
Eure Heiligkeit, fragen: Ist die »integrierte Seelsorge« nur eine Frage der
Strategie oder gibt es einen tieferen Grund dafür, daß wir in dieser Richtung
weiterarbeiten sollen?
BENEDIKT XVI.:
Ich muß gestehen, daß ich den Ausdruck »integrierte Seelsorge«
erst aus Ihrer Frage kennengelernt habe… Den Inhalt habe ich jedoch verstanden:
Wir sollen versuchen, die verschiedenen Mitarbeiter in der Pastoral, die es
heute gibt, sowie die verschiedenen Dimensionen der Pastoralarbeit zu einem
einzigen pastoralen Weg zusammenzufassen. Auf diese Weise würde man erst die
Dimensionen der Pastoralarbeit und ihre Träger voneinander unterscheiden und
dann versuchen, das Ganze zu einem einzigen pastoralen Weg zusammenzufassen.
Sie haben in Ihrer Frage zu verstehen gegeben, daß gewissermaßen
eine »klassische« Ebene der Arbeit in der Pfarrei existiert, die an die
Gläubigen gerichtet ist, die geblieben sind – und deren Zahl vielleicht auch
anwächst – und die unserer Pfarrei Leben verleihen. Das ist die »klassische«
Seelsorge, und sie ist nach wie vor wichtig. Ich unterscheide gewöhnlich
zwischen fortdauernder Evangelisierung – weil der Glaube weitergeht und die
Pfarrei lebt – und Neuevangelisierung, die versucht, missionarisch zu sein und
über die Grenzen derer hinauszugehen, die schon »gläubig« sind und in der
Pfarrei leben oder die, vielleicht auch mit einem »kleineren« Glauben, die
Dienste der Pfarrei in Anspruch nehmen.
Mir scheint, daß wir in der Pfarrei drei grundlegende
Verpflichtungen haben, die sich aus dem Wesen der Kirche und des priesterlichen
Dienstes ergeben. Die erste ist der sakramentale Dienst. Ich würde sagen, daß
die Taufe, die Vorbereitung auf sie und das Bemühen, den Taufversprechen
Beständigkeit zu verleihen, uns bereits auch mit vielen Menschen in Kontakt
bringt, die nicht allzu gläubig sind. Dabei handelt es sich nicht um eine Arbeit,
die dazu dient, gewissermaßen das »christianisierte Umfeld« zu erhalten, sondern
um eine Begegnung mit Menschen, die vielleicht nur selten in die Kirche gehen.
Der Einsatz in der Taufvorbereitung, das Bemühen, die Herzen der Eltern, der
Verwandten, der Paten und Patinnen für die Wirklichkeit der Taufe zu öffnen,
kann und sollte bereits ein missionarischer Einsatz sein, der weit über die
Grenzen der bereits »gläubigen« Menschen hinausreicht. Bei der Taufvorbereitung
versuchen wir, verständlich zu machen, daß durch dieses Sakrament die
Eingliederung in die Familie Gottes stattfindet, daß Gott lebt, daß er für uns
Sorge trägt. Seine Sorge für uns geht so weit, daß er sogar unser Fleisch
angenommen und die Kirche gestiftet hat, die sein Leib ist und in der er
sozusagen von neuem in unserer Gesellschaft Fleisch annehmen kann. Die Taufe ist
neues Leben: Außer dem biologischen Leben muß uns das Bewußtsein geschenkt
werden, daß das Leben einen Sinn hat, der stärker ist als der Tod und der auch
dann noch andauert, wenn die Eltern eines Tages nicht mehr dasein werden. Das
Geschenk des biologischen Lebens besitzt nur dann seine Berechtigung, wenn ihm
gleichzeitig ein bleibender Sinn, eine Zukunft verheißen ist – ein Sinn, der
auch in den Krisen, die kommen werden und die wir noch nicht kennen, dem Leben
Wert verleiht, so daß es sich lohnt, zu leben, daß es sich lohnt, Geschöpf zu
sein.
Ich meine, daß wir bei der Vorbereitung auf dieses Sakrament
oder im Gespräch mit Eltern, die skeptisch sind gegenüber der Taufe, eine
missionarische Situation vor uns haben. Es ist eine christliche Botschaft. Wir
müssen die Wirklichkeit vermitteln, die mit der Taufe beginnt. Ich kenne das
italienische Rituale nicht gut genug. Im klassischen, von der Alten Kirche
ererbten Rituale, beginnt die Taufe mit der Frage: »Was erbittet ihr von der
Kirche Gottes?« Heute wird, wenigstens nach dem deutschen Rituale, darauf nur
geantwortet: »Die Taufe«. Das bringt nicht hinreichend zum Ausdruck, worum man
bitten soll. Im alten Rituale lautete die Antwort: »Den Glauben«. Das heißt:
eine Beziehung zu Gott, Gott kennenlernen. »Und warum« – so hieß es weiter – »bittet
ihr um den Glauben? – Weil wir das ewige Leben wollen«. Das heißt, wir wollen
ein Leben haben, das auch in zukünftigen Krisen einen sicheren Grund hat, ein
Leben, das einen Sinn besitzt, das dem Menschsein seine Berechtigung gibt.
Dieses Gespräch muß, wie mir scheint, auf jeden Fall mit den Eltern schon vor
der Taufe stattfinden. Allein schon, um deutlich zu machen, daß das Geschenk des
Sakraments nicht lediglich eine »Sache« ist, nicht lediglich »Vergegenständlichung
«, wie die Franzosen sagen, sondern missionarische Arbeit. Dann kommt die
Firmung, deren Vorbereitung in dem Alter stattfindet, in dem man beginnt,
Entscheidungen zu treffen, auch im Hinblick auf den Glauben. Sicher dürfen wir
die Firmung nicht zu einer Art »Pelagianismus« machen, so als würde man durch
sie von allein katholisch, sondern wir müssen sie als ein Zusammenwirken von
Geschenk und Antwort betrachten. Die Eucharistie schließlich ist die ständige
Gegenwart Christi in der täglichen Feier der heiligen Messe. Sie ist, wie gesagt,
sehr wichtig für den Priester, für sein priesterliches Leben, als Realpräsenz
der Gabe des Herrn.
Jetzt können wir auch noch die Hochzeit erwähnen: Auch das ist
eine großartige missionarische Gelegenheit, weil gottlob heute auch viele, die
nicht oft in die Kirche gehen, noch immer in der Kirche heiraten wollen. Es ist
eine Gelegenheit, die jungen Paare dahin zu bringen, sich mit der Wirklichkeit
der christlichen Ehe, der Ehe als Sakrament, auseinanderzusetzen. Das scheint
mir auch eine große Verantwortung zu sein, was wir an den
Ehenichtigkeitsverfahren und vor allem am großen Problem der wiederverheirateten
Geschiedenen sehen, die die Kommunion empfangen wollen und nicht verstehen,
warum das nicht möglich ist. Wahrscheinlich haben sie im Augenblick ihres »Ja«
vor Gott nicht verstanden, was dieses »Ja« bedeutet. Es bedeutet, in einen Bund
zu treten mit dem »Ja« Christi zu uns. Es bedeutet, einzutreten in die Treue
Christi, also in das Sakrament, das die Kirche ist, und damit in das Sakrament
der Ehe. Daher meine ich, daß die Ehevorbereitung einen missionarischen
Charakter von allergrößter Bedeutung besitzt, um im Sakrament der Ehe von neuem
das Sakrament Christi zu verkünden, diese Treue zu verstehen und dann das
Problem der wiederverheirateten Geschiedenen verständlich zu machen.
Das ist der erste Bereich, jener »klassische« Bereich der
Sakramente, der uns Gelegenheit bietet, Menschen zu begegnen, die nicht jeden
Sonntag in die Kirche gehen, und damit Gelegenheit zu einer wirklich
missionarischen Verkündigung, zu einer »integrierten Seelsorge«. Der zweite
Bereich ist die Verkündigung des Wortes mit ihren beiden wesentlichen Elementen:
Predigt und Katechese. Auf der Bischofssynode des vergangenen Jahres haben die
Synodenväter viel über die Predigt gesprochen und dabei hervorgehoben, wie
schwierig es heutzutage ist, die »Brücke« zu finden zwischen dem Wort des vor
2000 Jahren geschriebenen Neuen Testaments und unserer Gegenwart. Ich muß sagen,
daß die historisch-kritische Exegese häufig nicht ausreicht, um uns bei der
Predigtvorbereitung zu helfen. Das stelle ich selber fest, wenn ich versuche,
Predigten vorzubereiten, die dem Wort Gottes einen Bezug zur Gegenwart geben
sollen oder besser gesagt – das Wort Gottes besitzt ja schon an sich einen
Gegenwartsbezug – die diesen Gegenwartsbezug für die Menschen sichtbar,
wahrnehmbar machen sollen. Die historisch-kritische Exegese sagt uns viel über
die Vergangenheit, über die Zeit, in der die Heilige Schrift entstanden ist,
über die Bedeutung, die sie zur Zeit der Apostel Jesu gehabt hat, aber sie hilft
uns nicht immer hinreichend zu verstehen, daß die Worte Jesu, der Apostel und
auch des Alten Testaments Geist und Leben sind: In ihnen spricht der Herr auch
heute. Ich meine, wir müssen die Theologen dazu »auffordern« – die Synode hat
das getan – voranzugehen, den Pfarrern eine bessere Hilfe für ihre
Predigtvorbereitung zu bieten, die Gegenwart des Wortes Gottes sichtbar zu
machen: Der Herr spricht zu mir heute und nicht nur in der Vergangenheit. Ich
habe in den letzten Tagen den Entwurf des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens
gelesen und dabei mit Freude festgestellt, daß diese »Aufforderung « zur
Vorbereitung von Predigtmodellen wiederkehrt. Letzten Endes bereitet der Pfarrer
die Predigt in seinem Umfeld vor, weil er zu »seiner« Pfarrgemeinde spricht.
Aber er braucht Hilfe, um diese »Gegenwart« des Wortes Gottes, das nie ein Wort
der Vergangenheit, sondern ein Wort des »Heute« ist, zu verstehen und
verständlich machen zu können.
Schließlich folgt der dritte Bereich: die »Caritas«, die
»Diakonia«. Immer sind wir für die Leidenden, die Kranken, die
Ausgegrenzten und die Armen verantwortlich. Aus dem von eurer Diözese
gezeichneten Bild ersehe ich, daß sehr viele Menschen unserer »Diakonia«
bedürfen, und auch das ist stets eine missionarische Gelegenheit. Mir scheint
also, daß die »klassische« Pfarrseelsorge in allen drei Bereichen über sich
selbst hinausgeht und zur missionarischen Seelsorge wird.
Ich komme nun zum zweiten Aspekt der Seelsorge, der sowohl die
Mitarbeiter als auch die Arbeit betrifft, die zu tun ist. Der Pfarrer kann nicht
alles machen! Das ist unmöglich! Er kann kein »Solist« sein, er kann nicht alles
machen, sondern braucht Mitarbeiter in der Pastoral. Mir scheint, daß wir heute
sowohl in den Bewegungen als auch in der Katholischen Aktion und in den neuen
Gemeinschaften, die es gibt, Personen haben, die in der Pfarrgemeinde
Mitarbeiter für eine »integrierte« Seelsorge sein müssen. Ich möchte damit sagen,
daß es für diese »integrierte« Seelsorge heute darauf ankommt, daß die anderen
Mitarbeiter nicht nur eingesetzt werden, sondern sich wirklich in die
Pfarrarbeit integrieren. Der Pfarrer soll nicht nur »machen«, sondern auch »delegieren«.
Sie müssen lernen, sich wirklich zu integrieren in die gemeinsame Pfarrarbeit
und natürlich auch in das Bemühen der Pfarrei, über sich selbst hinauszugehen,
und zwar in einem doppelten Sinne: Sie muß über sich selbst hinausgehen in dem
Sinne, daß die Pfarreien innerhalb der Diözese zusammenarbeiten, weil der
Bischof ihr gemeinsamer Hirt ist und auch dabei hilft, ihre Aufgaben zu
koordinieren, und sie muß über sich selbst hinausgehen in dem Sinne, daß die
Pfarreien für alle Menschen unserer Zeit arbeiten und versuchen, die christliche
Botschaft auch zu den Agnostikern gelangen zu lassen, zu den Menschen, die auf
der Suche sind. Und das ist die dritte Ebene, über die wir vorhin schon
ausführlich gesprochen haben. Mir scheint, daß die erwähnten Gelegenheiten uns
die Möglichkeit geben, Menschen zu begegnen, die nicht regelmäßig die Pfarrei
besuchen und die keinen oder nur wenig Glauben haben, und ihnen ein
missionarisches Wort zu sagen. Vor allem diese neuen Träger der Seelsorge und
die Laien, die Berufe unserer Zeit ausüben, müssen das Wort Gottes auch in die
Lebensbereiche hineintragen, die für den Pfarrer oft nicht zugänglich sind. Vom
Bischof koordiniert, versuchen wir gemeinsam, diese verschiedenen Bereiche der
Pastoral aufeinander abzustimmen und die verschiedenen Mitarbeiter in der
Pastoral in ihrem gemeinsamen Bemühen zu unterstützen. So können wir einerseits
den Gläubigen für ihren Glauben, der ein großer Schatz ist, Hilfe bieten, und
andererseits die Verkündigung des Glaubens zu allen Menschen gelangen lassen,
die aufrichtigen Herzens eine erfüllende Antwort auf ihre existentiellen Fragen
suchen.
Liturgie
D. Vittorio Petruzzi, Pfarrvikar in Aprilia:
Heiligkeit, für das bald beginnende Pastoraljahr ist unsere
Diözese vom Bischof aufgefordert worden, der Liturgie besondere Aufmerksamkeit
zu widmen, sowohl auf theologischer Ebene wie hinsichtlich der
gottesdienstlichen Praxis. Das zentrale Thema bei den Wochen der Zusammenkunft
der Diözese, an denen wir im September teilnehmen werden, lautet: »Die Planung
und Durchführung der Verkündigung im Kirchenjahr, in den Sakramenten und in den
Sakramentalien«. Wir sind als Priester dazu aufgerufen, die Liturgie »ernsthaft,
schlicht und schön« zu gestalten, um eine schöne Formulierung zu gebrauchen, die
aus dem Dokument des italienischen Episkopats »Das Evangelium in einer sich
wandelnden Welt vermitteln« stammt. Heiliger Vater, können Sie uns helfen zu
verstehen, wie sich das alles in die »ars celebrandi« umsetzen läßt?
BENEDIKT XVI.:
»Ars celebrandi«: Auch hier würde ich sagen, daß es
verschiedene Ebenen gibt. Die erste Ebene ist die, daß die »celebratio«
Gebet und Gespräch mit Gott ist: Gott spricht mit uns, und wir sprechen mit
Gott. Daher ist die erste Voraussetzung für eine gute liturgische Feier die, daß
der Priester wirklich in dieses Gespräch eintritt. Bei der Verkündigung des
Wortes fühlt er sich selbst im Gespräch mit Gott. Er ist Hörer des Wortes und
Verkünder des Wortes, indem er sich zum Werkzeug des Herrn macht und versucht,
dieses Wort Gottes, das er dann dem Volk weitergeben soll, zu verstehen. Er
steht im Gespräch mit Gott, denn die Texte der heiligen Messe sind keine Texte
für das Theater oder etwas ähnliches, sondern Gebete, durch die ich zusammen mit
der versammelten Gemeinde mit Gott spreche. Es ist also wichtig, in dieses
Gespräch einzutreten. Der hl. Benedikt sagt in seiner Regel in Bezug auf das
Psalmengebet zu den Mönchen: »Mens concordet voci«. Die »vox«, die Worte,
gehen unserem Verstand voraus. Gewöhnlich ist das nicht so: Zuerst muß man
denken, und dann wird der Gedanke zum Wort. Hier aber kommt zuerst das Wort. Die
heilige Liturgie schenkt uns die Worte; wir müssen in diese Worte eintreten, den
Einklang mit dieser Wirklichkeit finden, die uns vorausgeht.
Darüber hinaus müssen wir auch den Aufbau der Liturgie verstehen
lernen und müssen lernen, warum sie so gegliedert ist. Die Liturgie ist in einem
Zeitraum von 2000 Jahren gewachsen, und auch nach der Reform ist sie nicht zu
etwas geworden, das lediglich von einigen Liturgikern ausgearbeitet wurde. Sie
bleibt stets Weiterführung dieses ständigen Wachstums in der Anbetung und der
Verkündigung. Um uns damit in Einklang zu bringen, ist es daher sehr wichtig,
daß wir diesen im Laufe der Zeit gewachsenen Aufbau verstehen und mit unserer »mens«
in die »vox« der Kirche eintreten. In dem Maße, in dem wir diese Struktur
verinnerlicht, sie verstanden und die Worte der Liturgie in uns aufgenommen
haben, können wir eintreten in diesen inneren Einklang und daher nicht nur als
Einzelpersonen mit Gott sprechen, sondern in das »Wir« der betenden Kirche
eintreten. Und auf diese Weise können wir auch unser »Ich« verwandeln, indem wir
in das »Wir« der Kirche eintreten, dieses »Ich« reicher und weiter machen, mit
der Kirche, mit den Worten der Kirche beten und so wirklich im Gespräch mit Gott
stehen.
Das ist die wichtigste Voraussetzung: Wir müssen selbst den
Aufbau, die Worte der Liturgie, das Wort Gottes verinnerlichen. So wird unser
Feiern wirklich zu einem Feiern »mit« der Kirche: Unser Herz ist weit geworden,
und wir tun nicht irgend etwas, sondern stehen »mit« der Kirche im Gespräch mit
Gott. Mir scheint, daß die Menschen spüren, ob wir wirklich zusammen mit ihnen
im Gespräch mit Gott stehen, und andere sozusagen in unser gemeinsames Gebet, in
die Gemeinschaft mit den Kindern Gottes hineinziehen, oder ob wir hingegen bloß
irgend etwas Äußerliches tun. Das grundlegende Element der wahren »ars
celebrandi« ist also dieser Einklang, diese Übereinstimmung zwischen dem,
was wir mit dem Mund sagen, und dem, was wir mit dem Herzen denken. Das »Sursum
corda«, ein uraltes liturgisches Wort, sollte schon vor der Präfation, schon
vor der Liturgie der »Weg« unseres Redens und Denkens sein. Wir müssen unser
Herz zum Herrn erheben, nicht nur als rituelle Antwort, sondern als Ausdruck von
allem, was in diesem Herzen vor sich geht, das in die Höhe strebt und auch die
anderen nach oben zieht.
Mit anderen Worten, die »ars celebrandi« will nicht zu
einer Art Theatervorführung, zu einem Schauspiel einladen, sondern zu einer
Innerlichkeit, die spürbar ist und die für die Anwesenden annehmbar und
offenkundig wird. Nur wenn die Menschen sehen, daß dies keine rein äußerliche »ars«
nach der Art eines Schauspiels ist – wir sind keine Schauspieler! –, sondern der
Ausdruck des Weges unseres Herzens, das auch ihr Herz gewinnt, dann wird die
Liturgie schön, dann wird sie zur Gemeinschaft aller Anwesenden mit dem Herrn.
Natürlich müssen mit dieser Grundvoraussetzung – die in den
Worten des hl. Benedikt zum Ausdruck kommt: »Mens concordet voci«, das
Herz soll wirklich erhoben, zum Herrn erhoben werden – auch äußere Dinge
einhergehen. Wir müssen lernen, die Worte gut auszusprechen. Als ich noch
Professor in meiner Heimat war, haben manchmal die jungen Leute die Lesungen aus
der Heiligen Schrift vorgetragen. Und sie haben sie so gelesen, wie man den Text
eines Dichters liest, den man nicht verstanden hat. Um zu lernen, gut zu lesen
und zu sprechen, muß man natürlich vorher den Text in seiner Dramatik, in seinem
Jetzt und Heute verstanden haben. Das gilt auch für die Präfation. Und für das
Eucharistische Hochgebet. Es ist für die Gläubigen schwierig, einem so langen
Text wie dem unseres Eucharistischen Hochgebets zu folgen. Deshalb kommt es
immer zu neuen »Erfindungen«. Aber immer neue Eucharistische Hochgebete sind
keine Antwort auf das Problem. Das Problem ist, daß dies ein Augenblick sein
soll, der auch die anderen zur Stille mit Gott und zum Beten mit Gott einlädt.
Nur dann, wenn das Eucharistische Hochgebet gut gesprochen wird, auch mit den
notwendigen Augenblicken der Stille, wenn es mit Innerlichkeit, aber auch mit
Sprechkunst vorgetragen wird, können die Dinge besser werden.
Daraus folgt, daß das Eucharistische Hochgebet einen Augenblick
besonderer Aufmerksamkeit verlangt, um so vorgetragen zu werden, daß es die
anderen mit einbezieht. Ich denke, wir müssen sowohl in der Katechese als auch
bei den Predigten und bei anderen Anlässen Gelegenheiten finden, um dem Volk
Gottes dieses Eucharistische Hochgebet gut zu erklären, damit es dessen großen
Momenten zu folgen vermag – dem Einsetzungsbericht und den Einsetzungsworten,
dem Gebet für die Lebenden und die Toten, der Danksagung an den Herrn, der
Epiklese –, um die Gemeinde wirklich in dieses Gebet einzubeziehen.
Die Worte müssen daher gut gesprochen werden. Außerdem muß es
eine entsprechende Vorbereitung geben. Die Ministranten müssen wissen, was sie
tun sollen, die Lektoren müssen wirklich wissen, wie sie den Text vortragen
sollen. Dann muß der Gesang vorbereitet, der Altar gut hergerichtet werden. Das
alles gehört – auch wenn es sich um viele praktische Dinge handelt – zur »ars
celebrandi«. Aber, und damit schließe ich, das grundlegende Element ist die
Kunst, in Gemeinschaft mit dem Herrn zu treten, die wir mit unserem gesamten
Leben als Priester vorbereiten.
Familie
D. Angelo Pennazza, Pfarrer in Pavona:
Heiligkeit, im Katechismus der Katholischen Kirche lesen wir:
»Die Weihe und die Ehe sind auf das Heil der anderen hingeordnet. … Sie
erteilen eine besondere Sendung in der Kirche und dienen dem Aufbau des Volkes
Gottes« (Nr. 1534). Das erscheint uns wirklich grundlegend, nicht nur für
unsere Pastoralarbeit, sondern auch für unsere Lebensweise als Priester. Was
können wir Priester tun, um diese Worte in die pastorale Praxis umzusetzen, und
wie können wir (gemäß dem, was Sie selbst unlängst zum Ausdruck brachten)
positiv die Schönheit der Ehe vermitteln, so daß diese den Männern und Frauen
unserer Zeit noch immer attraktiv erscheinen kann? Was kann die sakramentale
Gnade der Eheleute unserem Leben als Priester geben?
BENEDIKT XVI.:
Zwei große Fragen! Die erste lautet: Wie kann man den Menschen
von heute die Schönheit der Ehe vermitteln? Wir sehen, daß viele junge Menschen
heute zögern, in der Kirche zu heiraten, weil sie Angst vor der Endgültigkeit
haben; ja, sie zögern auch, standesamtlich zu heiraten. Die Endgültigkeit
scheint heute vielen jungen und auch nicht mehr ganz jungen Menschen eine
Bindung gegen die Freiheit zu sein. Und ihr größter Wunsch ist die Freiheit. Sie
haben Angst, daß sie es am Ende nicht schaffen. Sie sehen so viele gescheiterte
Ehen. Sie haben Angst, daß diese Rechtsform, als die sie die Ehe empfinden, eine
äußere Last darstellt, die die Liebe auslöscht.
Man muß ihnen verständlich machen, daß es sich nicht um eine
rechtliche Bindung handelt, um eine Last, die durch die Ehe entsteht. Im
Gegenteil, die Tiefe und Schönheit der Ehe liegen eben in ihrer Endgültigkeit.
Nur so kann sie die Liebe in ihrer ganzen Schönheit zum Reifen bringen. Aber wie
kann man das vermitteln? Das scheint mir ein Problem zu sein, das uns allen
gemeinsam ist.
In Valencia war für mich – und Sie Eminenz, werden das
bestätigen können – nicht nur der Augenblick wichtig, in dem ich über dieses
Thema sprach, sondern auch der, in dem einige Familien mit mehr oder weniger
Kindern vor mich hintraten; eine Familie war fast eine »Pfarrgemeinde «, mit so
vielen Kindern! Die Anwesenheit, das Zeugnis dieser Familien war wirklich viel
stärker als alle Worte. Sie haben vor allem den Reichtum ihrer Erfahrung als
Familie vor uns ausgebreitet: wie eine so große Familie tatsächlich zu einem
kulturellen Reichtum wird, zu einer Gelegenheit für die Erziehung der einen und
der anderen, zu einer Möglichkeit, die verschiedenen Ausdrucksformen der
heutigen Kultur zusammenleben zu lassen, die gegenseitige Hingabe, die
gegenseitige Hilfe auch im Leid und so weiter … Aber wichtig war dabei auch das
Zeugnis der Krisen, die sie durchgemacht haben. Bei einem dieser Paare wäre es
beinahe zur Scheidung gekommen. Sie haben erzählt, wie sie dann gelernt haben,
diese Krise, dieses Leiden am Anderssein des Partners zu bewältigen, einander
wieder anzunehmen. Gerade bei der Überwindung des Augenblicks der Krise, des
Gedankens an Trennung ist eine neue Dimension der Liebe entstanden, und es hat
sich eine Tür zu einer neuen Dimension des Lebens aufgetan, die sich nur im
Ertragen des durch die Krise verursachten Leids auftun konnte.
Das scheint mir sehr wichtig zu sein. Heute gerät man in dem
Augenblick in eine Krise, in dem der Unterschied der Temperamente zutage tritt,
die Schwierigkeit, einander Tag für Tag zu ertragen, das ganze Leben lang. Am
Ende wird dann beschlossen: Wir trennen uns. Eben diese Zeugnisse haben uns zu
verstehen gegeben, daß in der Krise, im Ertragen des Augenblicks, in dem man
scheinbar nicht mehr kann, sich in Wirklichkeit neue Türen auftun und die
Schönheit der Liebe neu zum Vorschein kommt. Eine Schönheit, die ausschließlich
aus Harmonie besteht, ist keine wahre Schönheit. Es fehlt ihr etwas, sie ist
mangelhaft. Die wahre Schönheit braucht auch Kontraste. Dunkel und Licht
ergänzen sich. Auch die Traube braucht zum Reifen nicht nur Sonne, sondern auch
Regen, nicht nur den Tag, sondern auch die Nacht.
Wir Priester, sowohl die jungen als auch die bereits älteren,
müssen selbst lernen, daß das Leid, die Krise notwendig sind. Wir müssen dieses
Leid ertragen, über das Leid hinausgehen. Nur so wird das Leben reich. Die
Tatsache, daß der Herr auf ewig die Wundmale trägt, hat für mich symbolische
Bedeutung. Ausdruck der Grausamkeit des Leidens und des Todes, sind sie jetzt
Siegel des Sieges Christi, der ganzen Schönheit seines Sieges und seiner Liebe
zu uns. Sowohl als Priester als auch als Eheleute müssen wir die Notwendigkeit
akzeptieren, die Krise des Andersseins des anderen, die Krise, in der ein
Zusammenbleiben nicht mehr möglich erscheint, zu ertragen. Die Eheleute müssen
gemeinsam lernen voranzugehen, auch aus Liebe zu den Kindern, und sich so neu
kennenzulernen, einander wieder zu lieben – mit einer viel tieferen, viel
wahrhaftigeren Liebe. So reift auf einem langen Weg mit seinen Leiden die Liebe
wirklich.
Mir scheint, daß wir Priester auch von den Eheleuten lernen
können, gerade von ihren Leiden und Opfern. Wir denken oft, nur der Zölibat sei
ein Opfer. Aber wenn wir die Opfer der verheirateten Menschen kennen – denken
wir an ihre Kinder, an die entstehenden Probleme, an die Ängste, die Leiden, die
Krankheiten, an die Auflehnung gegen die Eltern und auch an die Probleme der
ersten Lebensjahre, in denen es überwiegend schlaflose Nächte gibt, weil die
kleinen Kinder weinen –, müssen wir es von ihnen, von ihren Opfern lernen, unser
Opfer zu bringen. Und miteinander müssen wir lernen, daß es schön ist, durch die
Opfer zu reifen und so für das Heil der anderen zu arbeiten. Pfarrer Pennazza,
Sie haben zu Recht das Konzil zitiert, das sagt, daß die Ehe ein Sakrament für
das Heil der anderen ist: vor allem für das Heil des anderen, des Ehemannes, der
Ehefrau, aber auch der Kinder und schließlich der ganzen Gemeinschaft. Und so
reift auch der Priester in der Begegnung.
Ich denke also, daß wir die Familien einbeziehen müssen. Sehr
wichtig sind, wie mir scheint, die Familienfeste. Bei festlichen Anlässen soll
die Familie, die Schönheit der Familien sichtbar werden. Auch persönliche
Zeugnisse können – mögen sie vielleicht auch etwas zu sehr in Mode gekommen sein
– bei bestimmten Gelegenheiten wirklich eine Botschaft, eine Hilfe für alle sein.
Abschließend möchte ich sagen: Für mich ist es sehr wichtig, daß
im Brief des hl. Paulus an die Epheser durch die Menschwerdung des Herrn die
Hochzeit Gottes mit der Menschheit am Kreuz vollzogen wird, an dem die neue
Menschheit, die Kirche, geboren wird. Die christliche Ehe entspringt eben dieser
göttlichen Hochzeit, und sie ist, wie der hl. Paulus sagt, die sakramentale
Umsetzung dessen, was in diesem großen Geheimnis geschieht. So müssen wir immer
wieder diese Verbindung zwischen dem Kreuz und der Auferstehung, zwischen dem
Kreuz und der Schönheit der Erlösung lernen und uns in dieses Sakrament
eingliedern. Bitten wir den Herrn, daß er uns helfen möge, dieses Geheimnis gut
zu verkünden, dieses Geheimnis zu leben, von den Eheleuten zu lernen, wie sie es
leben, und bitten wir ihn, uns zu helfen, das Kreuz zu leben, um auch zu
Augenblicken der Freude und der Auferstehung zu gelangen.
Die Jugendlichen
D. Gualtiero Isacchi, Leiter des Diözesandienstes für
die Jugendpastoral:
Die Jugendlichen stehen im Mittelpunkt einer gezielten
Aufmerksamkeit von seiten unserer Diözese und der ganzen Kirche in Italien. Die
Weltjugendtage haben es gezeigt: Es sind viele, und sie sind begeistert. Doch
unsere Pfarreien sind im allgemeinen nicht angemessen ausgestattet, um sie
aufzunehmen; die Pfarrgemeinden und die pastoralen Mitarbeiter sind nicht
hinreichend vorbereitet, um Gespräche mit ihnen zu führen; die Priester, die
ihren verschiedenen Aufgaben nachgehen, haben nicht die nötige Zeit, um ihnen
zuzuhören. Man erinnert sich an die Jugendlichen, wenn sie zum Problem werden
oder wenn wir sie für die musikalische Gestaltung einer Eucharistiefeier oder
eines Festes brauchen … Wie kann ein Priester heute sein vorrangiges Interesse
an der Jugendarbeit trotz eines überfüllten Terminkalenders zum Ausdruck bringen?
Wie können wir den jungen Menschen dienen, indem wir von ihren Werten ausgehen,
anstatt uns ihrer für ›unsere Zwecke‹ zu bedienen?
BENEDIKT XVI.:
Ich möchte zunächst unterstreichen, was Sie gesagt haben.
Anläßlich der Weltjugendtage und auch bei anderen Gelegenheiten – wie vor kurzem
bei der Pfingstvigil – wird deutlich sichtbar, daß es unter der Jugend eine
Sehnsucht gibt, eine Suche auch nach Gott. Die jungen Menschen wollen sehen, ob
es Gott gibt und was Gott uns sagt. Es ist also trotz aller Schwierigkeiten der
heutigen Zeit eine gewisse Bereitschaft vorhanden. Es ist auch Begeisterung
vorhanden. Wir müssen daher alles nur Mögliche tun, um diese Flamme, die sich
bei Anlässen wie den Weltjugendtagen zeigt, am Leben zu erhalten.
Wie soll das geschehen? Das ist unsere gemeinsame Frage. Ich
denke, gerade hier sollte eine »integrierte Seelsorge« verwirklicht werden, weil
ja nicht jeder Pfarrer die Möglichkeit hat, sich genügend um die Jugend zu
kümmern. Er braucht also eine Pastoral, die über die Grenzen der Pfarrei und
auch über die Grenzen der Arbeit des Priesters hinausgeht. Eine Pastoral, die
auch viele Mitarbeiter einschließt. Mir scheint, daß man unter der Koordination
des Bischofs einerseits einen Weg finden muß, um die Jugendlichen in die Pfarrei
zu integrieren, damit sie zum Sauerteig des Gemeindelebens werden; und
andererseits muß man für diese Jugendlichen auch Hilfe von Mitarbeitern von
außerhalb der Pfarrgemeinde finden. Die beiden Dinge gehören zusammen. Man
sollte den Jugendlichen unbedingt nahelegen, daß sie sich nicht nur in der
Pfarrei, sondern in verschiedenen Bereichen in das Leben der Diözese einbringen
sollen, um dann auch in der Pfarrgemeinde ihren Platz zu finden. Alle
Initiativen, die in diese Richtung gehen, gilt es daher zu fördern.
Von großer Bedeutung, so meine ich, ist jetzt die Erfahrung des
freiwilligen Dienstes. Es ist wichtig, daß man die Jugendlichen nicht den
Diskotheken überläßt, sondern ihnen Aufgaben gibt, anhand derer sie sehen, daß
sie gebraucht werden und merken, daß sie etwas Gutes tun können. Die jungen
Menschen spüren den Antrieb, etwas Gutes für die Menschheit, für einen Menschen
oder für eine Gruppe von Menschen zu tun, haben den Drang, sich zu engagieren,
und finden auch die positive »Bahn« des Einsatzes, der christlichen Ethik. Sehr
wichtig erscheint mir, daß die Jugendlichen wirklich Aufgaben haben, die ihnen
zeigen, daß sie gebraucht werden, die sie auf den Weg eines positiven Dienstes
der Hilfeleistung führen, die sich an der Liebe Christi zu den Menschen
orientiert, so daß sie selbst nach den Quellen suchen, aus denen sie schöpfen
können, um die Kraft zu finden, sich zu engagieren.
Eine weitere Erfahrung sind die Gebetsgruppen, wo die jungen
Menschen lernen, das Wort Gottes zu hören, das Wort Gottes innerhalb ihres
eigenen jugendlichen Lebensbereiches kennenzulernen und mit Gott in Kontakt zu
kommen. Das heißt auch, die gemeinschaftliche Form des Gebetes, die Liturgie,
kennenzulernen, die ihnen im ersten Augenblick ziemlich unzugänglich erscheinen
mag. Sie lernen, daß das Wort Gottes da ist und uns entgegenkommt, trotz aller
zeitlicher Distanz, und daß es heute zu uns spricht. Wir bringen die Frucht der
Erde und unserer Arbeit dem Herrn dar und finden sie in Gabe Gottes verwandelt.
Wir reden als Kinder mit dem Vater und empfangen dann ihn selbst als Geschenk.
Wir erhalten den Auftrag, in die Welt zu gehen mit dem Geschenk seiner Gegenwart.
Nützlich wären auch Liturgiekurse, die die Jugendlichen besuchen
können. Auf der anderen Seite muß es auch Gelegenheiten geben, bei denen sich
die Jugend sehen lassen und sich bekannt machen kann. Wie ich gehört habe, hat
es hier in Albano eine Aufführung über das Leben des hl. Franziskus gegeben.
Sich auf diese Weise zu engagieren bedeutet, in die Persönlichkeit des hl.
Franziskus und in seine Zeit einzutreten und so die eigene Persönlichkeit zu
entfalten. Das ist nur ein Beispiel, eine anscheinend ziemlich einmalige Sache.
Sie kann dazu erziehen, die Persönlichkeit zu entfalten, in einen Bereich
christlicher Überlieferung vorzudringen und wieder das Verlangen zu wecken,
besser zu verstehen, aus welcher Quelle dieser Heilige geschöpft hat. Er war ja
nicht nur ein Umweltschützer oder ein Pazifist. Er war vor allem ein bekehrter
Mensch. Mit großer Freude habe ich gelesen, daß Bischof Sorrentino von Assisi,
eben um diesen »Mißbrauch« der Gestalt des hl. Franziskus zu beseitigen,
anläßlich der 800-Jahrfeier seiner Bekehrung ein »Jahr der Bekehrung« ausrufen
will, damit man sehen kann, worin wirklich die »Herausforderung« besteht.
Vielleicht können wir alle der Jugend Anregungen geben, um ihr verständlich
machen, was Bekehrung tatsächlich ist, indem wir auch an die Gestalt des hl.
Franziskus anknüpfen, um nach einem Weg zu suchen, der dem Leben größere Weite
verleiht. Franziskus war zunächst beinahe eine Art »Playboy«. Dann spürte er,
daß das nicht genug war. Er vernahm die Stimme des Herrn: »Baue mein Haus wieder
auf!« Nach und nach verstand er, was »das Haus des Herrn aufbauen« bedeutete.
Ich habe also keine sehr konkreten Antworten, weil ich einer
Sendung gegenüberstehe, bei der ich die Jugendlichen, Gott sei Dank, schon
versammelt finde. Aber mir scheint, daß man sämtliche Möglichkeiten nutzen
sollte, die sich heute in den Bewegungen, in den Vereinigungen, im freiwilligen
Dienst und in anderen Aktivitäten der Jugendlichen bieten. Man muß die Jugend
auch der Pfarrgemeinde bekannt machen, damit diese sieht, wer die jungen
Menschen sind. Eine Berufungspastoral ist notwendig. Das alles muß vom Bischof
koordiniert werden. Wie mir scheint, lassen sich gerade durch die echte
Mitarbeit der Jugendlichen, die ausgebildet werden, pastorale Mitarbeiter finden.
Und so kann man den Weg zur Bekehrung öffnen, zur Freude darüber, daß es Gott
gibt und daß er sich um uns kümmert, daß wir Zugang zu Gott haben und anderen
dabei helfen können, »sein Haus wieder aufzubauen «. Das scheint mir
letztendlich unser Auftrag zu sein, der mitunter schwierig, aber doch auch sehr
schön ist: in der heutigen Welt »das Haus Gottes aufzubauen«. Ich danke euch für
eure Aufmerksamkeit und bitte um Verzeihung für die Bruchstückhaftigkeit meiner
Antworten. Wir wollen zusammenarbeiten, damit das »Haus Gottes« in unserer Zeit
wächst und viele junge Menschen den Weg zum Dienst am Herrn finden.
© Copyright 2006 - Libreria Editrice Vaticana
|