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AUDIENZ MIT SEINER EMINENZ, KARDINAL FRIEDRICH WETTER
UND DEM MÜNCHNER DOMKAPITEL

ANSPRACHE VON PAPST BENEDIKT XVI.

Montag, 16. April 2007

 

Lieber Herr Kardinal,
lieber Herr Domkapitular, liebe Freunde!

Es ist so viel zu danken, daß ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Und wo das Herz voll ist, geht der Mund unter Umständen über, kann aber manchmal auch verstummen. In diesem Augenblick fehlen mir die Worte, um so Dank zu sagen, wie ich es von innen her gern möchte. Ich möchte Dir, lieber Mitbruder, ganz herzlich danken für alles, was Du in diesen ganzen langen Jahren als Erzbischof von München gegeben hast – Deine ganze Kraft, Deinen Glauben, Deine Liebe, Deine Erkenntnis, Deinen Mut und Deine Freundschaft. Ich glaube, die Erzdiözese spürt es und weiß, daß sie von einem guten Hirten gelenkt worden ist. Und wir bitten den lieben Gott in diesen Stunden darum, daß er uns hilft, den Rechten zu finden, der den Hirtenstab des heiligen Korbinian in die Hände nimmt.

Ich möchte vor allen Dingen ganz herzlich danken für alles, was ich während der schönen Tage des Besuches in Bayern – besonders in München und Freising – an Liebe, an Zuwendung, an sorgfältiger Vorbereitung, an Hingebung und natürlich an gemeinsamem Gebet erfahren durfte. Diese Tage – von dem Anfang auf dem Flughafen und besonders auf dem Marienplatz an, im Münchner Dom, im Freisinger Dom, auf dem Messeplatz und im Bischofshaus selber – stehen ganz leuchtend in meinem Gedächtnis. Der Mensch braucht helfende Erinnerungen. Ich mache immer wieder dankbare Wanderungen in der Landschaft der Erinnerungen, und da wandere ich ganz besonders gern auch in diesen gesegneten Tagen herum.

Ich danke Euch allen, liebe Mitbrüder: Mit jedem verbindet mich in irgendeiner Weise eine besondere persönliche Beziehung; ich brauche und kann das jetzt nicht aufzählen. Ich weiß, wie Sie, jeder an seinem Ort, für die Erzdiözese, für die Kirche Gottes, Dienst tun in der tiefen Gemeinschaft mit dem, der nun zum Nachfolger des Petrus bestimmt worden ist. Ich weiß, wie sozusagen ein ganzer Lebensweg und die Hingabe eines Lebens, das Ringen und Mühen eines Daseins in Ihrem Wirken eingeborgen ist und auf die Erzdiözese ausstrahlt, dazu hilft, daß Sie in der Gemeinschaft der Kirche, in der Gemeinschaft mit dem Herrn und in der Gemeinschaft mit Unserer Lieben Frau von München den Glauben leben können und ihn freudig in die kommende Zeit hinein weitergeben dürfen. Sie sind ja das Metropolitankapitel Unserer Lieben Frau – welch schöner Name, der eben die Metropolis, die Mutterstadt des Glaubens mit der Mutter des Glaubens selbst verbindet und so die Wärme und die Herzlichkeit des Glaubens in unser bayerisches Land hineinträgt.

Ich hatte zwei ermutigende Gespräche an diesem Morgen: zum einen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten, zum andern mit dem Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, die doch beide von je verschiedenen Herkünften und ganz verschiedenen Temperamenten her diese innere Gewißheit ausgedrückt haben, daß der Glaube Zukunft öffnet und daß in diesem Moment der Begegnung der Kulturen und auch des drohenden Konflikts zwischen den Kulturen ganz wichtig ist, daß die innere, versöhnende und heilende Kraft des christlichen Glaubens in unserem Volk lebendig bleibt und damit als Kraft des Guten in die Zukunft hineinwirkt.

Und noch eine andere gute Begegnung gab es an diesem Morgen, nämlich mit dem Metropoliten Ioannis Zizioulas von Pergamon, der als Abgesandter des Patriarchen von Konstantinopel hier war und zu den großen Trägern des katholisch-orthodoxen Dialogs gehört. Er ist von einer tiefen inneren Überzeugung getragen, daß die Begegnung wischen Rom und der Orthodoxie von grundlegender Bedeutung für den europäischen Kontinent und für die Zukunft der Weltgeschichte ist; daß wir alles tun müssen, damit diese Begegnung wirklich zur brüderlichen Gemeinschaft führt und aus ihr der Segen der Gemeinschaft des Glaubens kommt: der Segen, daß die Menschen sehen können, daß wir eins sind und von da her Christus zu glauben vermögen. – Ich  denke, das ist unser aller Sendung: daß jeder an seinem Platz sich dafür einsetzt, daß die Kraft des Glaubens in dieser Welt wirksam wird, wirksam als Freude, als Zuversicht, als Gabe in diesem Augenblick.  

Danke noch einmal für die Münchner Begegnung, für die Begegnung in diesem Augenblick. Und wir beten miteinander, daß der Herr uns – jedem einzelnen von uns – hilft, das Rechte zu tun und daß so unsere Geschichte gesegnet sein möge. Herzlich Vergelt’s Gott für alle, und grüßen Sie Bayern!

 

© Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana

    

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