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ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
AN HERRN SUHAIL KHALIL SHUHAIBER,
BOTSCHAFTER VON KUWAIT BEIM HL. STUHL*

Donnerstag, 13. Dezember 2007

 

Exzellenz!

Ich freue mich, Sie im Vatikan willkommen zu heißen und das Beglaubigungsschreiben entgegenzunehmen, durch das Sie als außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter des Staates Kuwait beim Heiligen Stuhl akkreditiert werden.

Ich danke Ihnen sehr herzlich für die Grüße, die Sie mir von Seiner Hoheit, dem Emir Scheich Sabah Al-Ahmad Al-Jaber Al-Sabah, überbracht haben und bitte Sie höflichst, ihm meine herzlichen persönlichen Grüße zu übermitteln, zusammen mit der Versicherung meines Gebets für das ständige Wohlergehen der Nation und ihrer Bürger.

In das kommende Jahr fällt der 40. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Kuwait und dem Heiligen Stuhl. Ich nehme diese Gelegenheit gern zum Anlaß, um meine Hoffnung zum Ausdruck zu bringen, daß diese guten Beziehungen weiter gefestigt werden. Ihr Land, das die erschütternden Auswirkungen der Gewalt und des Krieges überwunden hat, spielt auch weiterhin eine wichtige Rolle in dem heiklen Versöhnungsprozeß, der die einzige sichere Hoffnung für eine Lösung der vielen schwierigen Probleme im Nahen Osten darstellt. Leitlinie der demokratischen Verfassung Kuwaits, die das nationale Erbe kultureller und religiöser Werte widerspiegelt, sind die Prinzipien der Gerechtigkeit, der Achtung der Rechtsstaatlichkeit und des Schutzes der Grundrechte des Menschen. Diese Prinzipien, die letztlich in der unveräußerlichen Würde der menschlichen Person gründen, müssen überall rechtliche Anerkennung und konkrete Anwendung finden, wenn wahre Freiheit, ganzheitliche Entwicklung und Frieden unter den Nationen und Völkern der Welt herrschen sollen.

In diesem Zusammenhang, Exzellenz, weiß ich Ihre Bezugnahme darauf sehr zu schätzen, daß Ihr Land die Bedeutung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs zur Förderung des Friedens anerkennt. Dieser Dialog – und ich denke hier mit Freude an die zunehmenden Kontakte zwischen Muslimen und Christen – ist wesentlich, um Mißverständnisse zu überwinden und solide Beziehungen herzustellen, die durch gegenseitige Achtung und Zusammenarbeit im Streben nach dem Gemeinwohl der gesamten Menschheitsfamilie geprägt sind. Insbesondere die Kinder müssen zu den wahren Werten erzogen werden, die ihrer eigenen Kultur zugrunde liegen, in einem Geist der Offenheit gegenüber anderen Kulturen, der Achtung für andere und des Bemühens um den Frieden. In einer Welt, in der Intoleranz, Gewalt und Unterdrückung allzuoft als Lösung für Streitigkeiten und Konflikte angeboten werden, bedarf es dringend einer »Humanökologie« (vgl. Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages 2007, 10; in O.R. dt., Nr. 51/52, 22.12.2006, S. 10), die in der Lage ist, diese Übel auszurotten und jene Tugenden zu säen, die das Heranwachsen einer wirklich menschenwürdigen Kultur der Aufrichtigkeit, Solidarität und Eintracht fördern.

Kuwaits nationales Leben ist von der Anwesenheit bedeutender Minderheiten geprägt, einschließlich einer großen Zahl ansässiger ausländischer Arbeitnehmer. Ihre Anwesenheit in Ihrem Land ist schon an sich eine Quelle der Bereicherung und ein ständiger Ansporn, die notwendigen Bedingungen für ein friedliches Zusammenleben und sozialen Fortschritt zu schaffen. Ich kann in diesem Zusammenhang die vielen Katholiken nicht unerwähnt lassen, die in Kuwait leben und arbeiten und die in ihren eigenen Kirchen frei den Gottesdienst feiern können. Die Verfassung Ihrer Nation erhält zu Recht ihre Religionsfreiheit aufrecht. Dieses Grundrecht, das auf der unveräußerlichen Würde der Person basiert, wird mit Recht als Eckstein des ganzen Gebäudes der Menschenrechte betrachtet. Ich bringe meine Wertschätzung zum Ausdruck für die herzlichen Beziehungen zwischen der Kirche und den zivilen Obrigkeiten sowie meine Zuversicht, daß diese Obrigkeiten der katholischen Gemeinschaft in Kuwait im Zuge ihres Anwachsens bereitwillig helfen werden, ihren dringenden Bedarf nach neuen und besser geeigneten Strukturen für den Gottesdienst und andere Zusammenkünfte zu decken.

Die Katholiken in Kuwait haben stets versucht, zur Entwicklung der Gesellschaft beizutragen, nicht zuletzt durch ihre Erziehungseinrichtungen. Obgleich diese zahlenmäßig gering sind, setzen sie sich dennoch ganz dafür ein, den Geist und die Herzen ihrer Schüler zu bilden, in einem Umfeld, das gesunde geistliche Werte hervorhebt und Achtung für die Würde und die Überzeugungen anderer vermittelt. Ich hoffe, daß diese Schulen dadurch, daß sie frei ihrer Sendung nachkommen – die auch die Unterweisung christlicher Schüler in ihrem Glauben einschließt – dazu beitragen werden, das Gesellschaftsgefüge zu festigen, indem sie ihre Schüler darauf vorbereiten, am Aufbau einer solidarischen und hoffnungsvollen Zukunft für kommende Generationen mitzuwirken.

Exzellenz, wenn Sie jetzt die Mission antreten, den Staat Kuwait beim Heiligen Stuhl zu vertreten, nehmen Sie bitte meine persönlichen guten Wünsche für den Erfolg Ihrer wichtigen Arbeit entgegen. Seien Sie versichert, daß Sie stets darauf zählen können, daß die Dikasterien des Heiligen Stuhls Ihnen bei der Erfüllung Ihrer hohen Verantwortlichkeiten zur Seite stehen und Sie unterstützen werden. Auf Sie und Ihre Angehörigen sowie auf das ganze geliebte Volk von Kuwait rufe ich von Herzen den überreichen Segen des Allmächtigen herab.


*L'Osservatore Romano 2008 n. 2 p. 10.

 

© Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana

     

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