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APOSTOLISCHE REISE NACH MALTA
ANLÄSSLICH DES 1950. JAHRESTAGES DES
SCHIFFBRUCHS DES HL. APOSTELS PAULUS
(17.-18. APRIL 2010)

BEGEGNUNG MIT DEN JUGENDLICHEN

ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.

Porto Grande - La Valletta
Sonntag, 18. April 2010

(Video)

 

Żgħażagħ Maltin u Għawdxin, jien kuntent ħafna li ninsab maghkom. [Liebe junge Freunde von Malta und Gozo, ich bin sehr froh, bei euch zu sein.]

Welch eine Freude ist es für mich, heute bei euch auf eurem heimischen Boden zu sein! In diesem bedeutenden Gedenkjahr danken wir Gott dafür, daß er den Apostel Paulus auf diese Inseln gesandt hat, die damit unter den ersten waren, die die Gute Nachricht unseres Herrn Jesus Christus empfangen durften.

Herzlich grüße ich Erzbischof Cremona wie auch Bischof Grech, dem ich für seine freundlichen Worte danke, und alle Bischöfe, Priester und Ordensleute, die hier anwesend sind. Ganz besonders grüße ich euch, junge Freunde von Malta und Gozo, und ich danke euch, daß ihr zu mir über die Dinge gesprochen habt, die euch am meisten bewegen. Ich weiß euren Wunsch zu schätzen, die Wahrheit zu suchen und zu finden sowie zu lernen, was ihr tun müßt, um die Fülle des Lebens zu erlangen.

Der heilige Paulus machte als junger Mann eine Erfahrung, die ihn für immer veränderte. Wie ihr wißt, war er anfangs ein Feind der Kirche. Er setzte alles daran, was er vermochte, um sie zu zerstören. Als er einmal nach Damaskus reiste in der Absicht, alle Christen aufzuspüren, die er dort finden konnte, erschien ihm der Herr in einer Vision. Ein blendendes Licht umgab ihn, und er hörte eine Stimme sagen: „Warum verfolgst du mich? … Ich bin Jesus, den du verfolgst“ (Apg 9,4-5). Paulus war von dieser Begegnung mit dem Herrn völlig überwältigt. Sein ganzes Leben war verwandelt. Er wurde ein Jünger und entwickelte sich zu einem bedeutenden Apostel und Missionar. Hier auf Malta habt ihr besonderen Grund, für die Missionsarbeit des heiligen Paulus dankbar zu sein, die das Evangelium über den gesamten Mittelmeerraum verbreitete.

Jede persönliche Begegnung mit Jesus ist eine überwältigende Erfahrung der Liebe. Früher, wie Paulus selber eingesteht, hat er die Kirche Gottes maßlos verfolgt und versucht, sie zu zerstören (vgl. Gal 1,13). Aber der Haß und die Wut, die in diesen Worten zum Ausdruck kommen, wurden durch die Macht der Liebe Christi völlig weggefegt. Für den Rest seines Lebens hatte Paulus das brennende Verlangen, die Botschaft dieser Liebe bis an die Enden der Erde zu tragen.

Vielleicht wird mancher von euch mir sagen, der heilige Paulus sei oft streng in seinen Schriften. Wie kann ich dann behaupten, daß er die Botschaft der Liebe verbreitet hat? Meine Antwort ist diese: Gott liebt jeden von uns mit einer Tiefe und Intensität, die wir uns kaum vorstellen können. Und er kennt uns von Grund auf, er kennt alle unsere Stärken und Schwächen. Weil er uns so sehr liebt, möchte er uns von unseren Fehlern reinigen und unsere Tugenden formen, damit wir das Leben in Fülle haben können. Wenn er uns prüft, weil etwas in unserem Leben ihm nicht gefällt, verwirft er uns nicht, sondern lädt uns ein, uns zu ändern und vollkommener zu werden. Das verlangte er auch von Paulus auf der Straße nach Damaskus. Gott weist keinen zurück. Und auch die Kirche weist keinen zurück. Allerdings prüft Gott in seiner großen Liebe jeden von uns, auf daß wir uns ändern und vollkommener werden.

Der heilige Johannes versichert uns, daß die vollkommene Liebe die Furcht vertreibt (vgl. 1 Joh 4,18). Daher sage ich zu euch allen: „Fürchtet euch nicht!“ Wie oft hören wir diese Worte in der Bibel! Der Engel sagt sie zu Maria während der Verkündigung; Jesus richtet sie an Petrus, als er ihn zum Jünger beruft; und ein Engel vertraut sie Paulus kurz vor dem Schiffbruch an. Euch allen, die ihr Christus als Eheleute, als Eltern, als Priester, als Ordensleute oder als Laien folgen möchtet, indem ihr die Botschaft des Evangeliums in die Welt tragt, rufe ich zu: Fürchtet euch nicht! Ihr werdet sehr wohl auf Widerstand gegen die Frohe Botschaft stoßen. Die heutige Kultur verbreitet wie jede Kultur Ideen und Werte, die manchmal mit jenen von unserem Herrn Jesus Christus gelebten und verkündeten nicht übereinstimmen. Sie werden oft mit großer Überredungskunst dargeboten und durch die Medien wie auch durch den sozialen Druck von Gruppen verstärkt, die dem christlichen Glauben feindlich gegenüberstehen. Wenn wir jung und leicht zu beeinflussen sind, lassen wir uns von unseren Altersgenossen einfach mitreißen und übernehmen Vorstellungen und Werte, von denen wir wissen, daß sie nicht das sind, was der Herr wirklich für uns will. Daher sage ich euch: Fürchtet euch nicht, sondern freut euch über seine Liebe zu euch; vertraut ihm, antwortet auf seinen Ruf, seine Jünger zu sein, und findet Nahrung und geistliche Heilung in den Sakramenten der Kirche.

Hier in Malta lebt ihr in einer Gesellschaft, die vom christlichen Glauben und seinen Werten durchdrungen ist. Ihr solltet stolz darauf sein, daß euer Land sowohl die Ungeborenen schützt wie auch ein stabiles Familienleben fördert, indem es die Abtreibung und die Ehescheidung ablehnt. Ich bitte euch dringend, dieses mutige Zeugnis für die Heiligkeit des Lebens und für die zentrale Bedeutung von Ehe und Familie für eine gesunde Gesellschaft beizubehalten. Auf Malta und Gozo wissen die Familien, wie ihre älteren und kranken Mitglieder zu achten sind und wie für sie zu sorgen ist. Und sie heißen Kinder als Gabe Gottes willkommen. Andere Nationen können von eurem christlichen Beispiel lernen. Innerhalb der Gesellschaft Europas stehen die Werte des Evangeliums wieder zunehmend im Gegensatz zur vorherrschenden Kultur, so wie sie es zur Zeit des heiligen Paulus der Fall war.

In diesem Priesterjahr bitte ich euch: Seid offen für die Möglichkeit, daß der Herr manchen von euch ruft, sich selbst im Priestertum oder im geweihten Leben völlig in den Dienst seines Volkes zu stellen. Euer Land hat der Kirche viele gute Priester und Ordensleute geschenkt. Laßt euch von ihrem Beispiel anregen, und erkennt die tiefe Freude, die von der Lebenshingabe für die Verbreitung der Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen ohne Ausnahme ausgeht.

Ich sprach bereits von der Notwendigkeit, für die ganz jungen sowie für die älteren und kranken Menschen zu sorgen. Der Christ ist allerdings gerufen, allen die heilende Botschaft des Evangeliums zu bringen. Gott liebt jede einzelne Person in dieser Welt, ja er liebt jeden, der je im Laufe der Weltgeschichte gelebt hat. Im Tod und in der Auferstehung Jesu, die in der Feier der Messe gegenwärtig gemacht werden, bietet er all diesen Menschen Leben in Fülle an. Als Christen sind wir gerufen, Gottes Liebe zum Ausdruck zu bringen, die alle einschließt. So sollten wir den Armen, den Schwachen und den Ausgegrenzten nachgehen. Wir sollten besonders für die sorgen, die ein Leid zu tragen haben, und für jene, die von Depressionen oder Angstgefühlen geplagt werden. Wir sollten uns um die Behinderten kümmern und alles tun, was wir können, ihre Würde und Lebensqualität zu fördern. Wir sollten aufmerksam sein gegenüber den Nöten der Immigranten und Asylanten in unserer Mitte. Wir sollten den Mitgliedern aller Religionen und denen, die zu keiner gehören, die Hand der Freundschaft reichen. Das ist die edle Berufung der Liebe und des Dienstes, die wir alle empfangen haben. Sie möge euch anspornen, euer Leben der Nachfolge Christi zu weihen! La tibżgħux tkunu ħbieb intimi ta’ Kristu [Fürchtet euch nicht, enge Freunde von Christus zu sein].

Liebe junge Freunde, bevor ich mich von euch verabschiede, möchte ich euch versichern, daß ich euch verbunden bleibe und in meinen Gebeten an euch sowie an eure Familien und Freunde denke.

Selluli għaż-żgħażagħ Maltin u Għawdxin kollha [Richtet allen jungen Menschen auf Malta und Gozo meine Grüße aus].

 

   

© Copyright 2010 - Libreria Editrice Vaticana

   

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