1. Mein Dank gebührt dem Herrn, der mir auch
dieses Jahr die Möglichkeit gibt, eine Zeit der Ruhe in dieser wunderschönen
Berglandschaft zu verbringen, die uns an die majestätische Gegenwart Gottes
erinnert. Ich danke dem Bischof von Aosta, dem Vorsitzenden des Regionalrats des Aosta-Tals und der ganzen Bevölkerung dieser Region, die ich in mein Herz
geschlossen habe, für ihre Einladung und ihre – wie jedes Jahr – sehr herzliche
Aufnahme. Ein besonderer Dank gilt den Salesianern, die sich mir gegenüber immer
sehr gastfreundlich zeigen, sowie denen, die tagtäglich den ruhigen Verlauf
dieses Aufenthalts für mich und meine Mitarbeiter gewährleisten. Hier, zwischen
idyllischen Wäldern und Tälern, findet der Körper neue Kraft, und der Geist kann
sich besser dem Nachdenken und der Betrachtung widmen.
Von diesem ruhigen Ort aus möchte ich einen herzlichen Gedanken an die
Menschen richten, die ihre Ferien hier in diesen Tälern und anderswo, in den
Bergen oder am Meer, verbringen. Ich lade alle ein, diese Tage der verdienten
Sommerpause zu einer Zeit innerer Bereicherung und wohltuender Entspannung
innerhalb der Familie zu machen. Ich denke auch an die, die sich keinen Urlaub
leisten können und zu Hause geblieben sind. Besonders richte ich meinen
herzlichen Gruß an die Kranken, an die alten Menschen, an die Gefangenen und die
Einsamen. Jeden von ihnen versichere ich meines täglichen Gebetsgedenkens.
2. Wenn ich auf diese
Berge schaue, gehen meine Gedanken heute zum Berg Karmel, der in der Bibel wegen
seiner Schönheit besungen wird. Heute feiern wir nämlich den Gedenktag Unserer
Lieben Frau auf dem Berg Karmel. Auf jenem Berg, der in Israel in der Nähe von
Haifa liegt, verteidigte der hl. Prophet Elija mit großer Tapferkeit die
Unversehrtheit und Reinheit des Glaubens des auserwählten Volkes an den
lebendigen Gott. Auf demselben Berg versammelten sich im 12. Jahrhundert n. Chr.
mehrere Eremiten, um sich der Kontemplation und Buße zu widmen. Aus ihrer
geistlichen Erfahrung entstand der Orden der Karmeliter.
Wenn wir mit der seligen Jungfrau gehen, dem Vorbild der vollkommenen Treue
zum Herrn, werden wir weder Hindernisse noch Schwierigkeiten fürchten. Von ihrer
mütterlichen Fürsprache gestützt können wir, wie Elija, unsere Berufung als
wahrhaftige »Propheten« des Evangeliums in unserer Zeit ganz verwirklichen.
3. Zu diesem
asketischen und apostolischen Einsatz fordert uns die Liturgie des heutigen,
fünfzehnten Sonntags im Jahreskreis auf. Sie lädt uns ein, dem Beispiel des
Propheten Amos und der Apostel, die der Herr sich als Mitarbeiter in seinem
Heilswerk auswählte, zu folgen.
Die selige Jungfrau vom Berg Karmel, die wir
heute besonders verehren, helfe uns, unermüdlich zum Gipfel des Berges der
Heiligkeit hinaufzusteigen; sie helfe uns, nichts höher zu schätzen als
Christus, der der Welt das Geheimnis der Liebe Gottes und die wahre Würde des
Menschen offenbart (vgl. Tagesgebet).
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