APOSTOLISCHE REISE IN DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
SELIGSPRECHUNG DES JESUITENPATERS RUPERT MAYER
PREDIGT
VON JOHANNES PAUL II.
Münchener Olympiastadion - Sonntag, 3. Mai 1987
”Seht, ich sende euch . . .“ (Mt. 10, 16). ”Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn!“
(Eph. 6, 10)
Verehrte Mitbrüder, liebe Brüder und Schwestern!
1. Der Aufruf des Apostels
Paulus zur Stärke im Herrn ist gleichsam die angemessene Ergänzung jener Worte,
die Jesus bei der ersten Aussendung der Apostel spricht. Die Kirche nimmt beide
Texte heute als Lesungen für die Liturgiefeier, in der ich euren Landsmann, den
Jesuitenpater Rupert Mayer, seligsprechen darf; hier in der Stadt München, mit
der sein Leben und priesterlicher Dienst auf das engste verbunden sind.
Erst vor
einem halb Jahren konnte ich in Rom die bayerische Ordensfrau Schwester Maria
Theresia von Jesu Gerhardinger zur Ehre der Altäre erheben, die ebenfalls in
dieser Stadt gelebt und weltweit gewirkt hat. Es ist mir deshalb eine besondere
Freude, heute wiederum einen aus eurer Mitte im Namen der Kirche den Gläubigen
zur Verehrung und Nachahmung vor Augen zu stellen. Pater Rupert Mayer wird zu
Recht ”Apostel Münchens“ genannt. Aber das Licht seines Lebens und Wirkens
leuchtet weit über diese Stadt hinaus in die weite Welt.
Von Herzen grüße ich
alle, die sich hier eingefunden haben, um im festlichen Gottesdienst gemeinsam
mit uns diesen Gnadentag zu begehen. Nicht wenige davon haben unseren neuen
Seligen gewiß noch persönlich gekannt. Mein brüderlicher Gruß gilt vor allem dem
verehrten Herrn Erzbischof in München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter,
sowie allen anwesenden Bischöfen, den Priestern und Ordensleuten; darunter
besonders den Patres und Brüdern der Gesellschaft Jesu, der unser Seliger
angehört hat, und den Schwestern der Heiligen Familie, deren Mitbegründer und
langjähriger Spiritual er gewesen ist. Ich grüße ferner seine Landsleute aus der
Heimatdiözese Rottenburg und die Mitglieder der Marianischen Männerkongregation,
die in ihrem früheren Präses nun einen mächtigen himmlischen Fürsprecher
erhalten; ebenso die Vertreter aus Staat und Gesellschaft sowie alle Gäste von
nah und fern, die durch ihre Anwesenheit das Andenken dieses mutigen
Glaubenszeugen ehren.
2. Die Worte des heutigen Evangeliums, die Christus bei
der ersten Aussendung an die Apostel gerichtet hat, scheinen im Leben und Wirken
des Dieners Gottes Rupert Mayer eine neue Aktualität zu gewinnen. Christus sagt:
”Ich sende euch die Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die
Schlangen und arglos wie die Tauben!“ Und darauf; ”Nehmt euch aber vor den
Menschen in acht“ (Mt. 10, 16-17). Wie vielsagend sind doch diese Worte:
Ich sende euch zu den
Menschen - und zugleich: Ich warne euch vor den Menschen. Und warum warnt Christus
seine Jünger vor ihnen? ”Sie werden euch vor die Gerichte bringen . . . Ihr werdet
um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt . . .“.
Als Rupert Mayer sich im
Jahre 1900 als junger Priester zum Eintritt in die Gesellschaft Jesu entschloß,
galten die Jesuiten noch offiziell als ”Reichsfeinde“, die durch Gesetz des
Landes verwiesen und verboten waren. Er selbst bezeichnet sie als ”Geächtete,
Verbannte und Heimatlose“, da ihnen nicht gestattet war, im damaligen
Reichsgebiet eigene Niederlassungen zu gründen und zu unterhalten. Die mächtig
geschürte antikatholische Hetze und Aktivität gegen den Orden - statt ihn
abzuschrecken - bestärkte ihn vielmehr noch in seinem Willen, sich dieser so
geschmähten Gesellschaft Jesu anzuschließen. Durch seinen baldigen Ruf nach
München wurde Pater Mayer in zunehmendem Maße mit antireligiösen und
antikirchlichen Strömungen, mit einer Atmosphäre von Hohn und Haß gegen Christus
und die Kirche konfrontiert, in der es immer mehr Mut und Tapferkeit erforderte,
den katholischen Glauben frei zu bekennen. Je offenkundiger und brutaler in
jenen Jahren der Kampf gegen Religion und Kirche wurde, ein um so entschiedener
und unerschrockener Kämpfer für die Wahrheit des Glaubens und für die Rechte der
Kirche wurde unser neuer Seliger.
Wir hörten in der Lesung aus dem Epheserbrief
die Worte des Apostels: ”Legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des
Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt . . . Gürtet
euch mit Wahrheit . . . Vor allem greift zum Schild des Glaubens . . . Nehmt den Helm
des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes!“. Was der
Apostel hier empfiehlt, hat Rupert Mayer in hervorragender Weise getan. Er hat
Gottes Rüstung angezogen und sie bis zu seinem Tod nie mehr abgelegt.
Unerschrocken und unbeugsam kämpfte er für die Sache Gottes. Als unbestechlicher
Zeuge der Wahrheit widerstand er den Lügenpropheten jener Jahre ins Angesicht,
immer bereit, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen, ausgerüstet mit dem
Schild eines tiefen, unbeirrbaren Glaubens führte er in seinen berühmten
Predigten das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes. Es gab Monate, in
denen er bis zu siebzigmal predigte.
3. ”Wenn man euch vor Gericht stellt, macht
euch keine Sorgen . . .“, sagt Jesus weiter zu den Aposteln. Rupert Mayer wußte,
daß nach 1933 seine Predigten von der Polizei überwacht wurden. Trotzdem
verkündete er die Wahrheit ungeschminkt und unverkürzt. Als er gefangengenommen
wurde, gab er vor der Geheimen Staatspolizei zu Protokoll: ”Ich erkläre, daß ich
im Falle meiner Freilassung trotz des gegen mich verhängten Redeverbotes nach
wie vor sowohl in den Kirchen Münchens als auch im übrigen Bayern, aus
grundsätzlichen Erwägungen heraus, predigen werde“. Er konnte nicht schweigen,
ebensowenig wie der Apostel Paulus, der sagte: ”Wehe mir, wenn ich das
Evangelium nicht verkünde!“.
Bereitwillig nahm unser Seliger dafür Gefängnis und
Konzentrationslager auf sich. Er schrieb auf den Fragebogen, den er im Gefängnis
auszufüllen hatte: ”Ich bin mit diesem Los keineswegs unzufrieden: ich empfinde
es nicht als Schande, sondern als Krönung meines Lebens.“ Und aus der
Gestapo-Haft vor der Einlieferung in das Konzentrationslager Sachsenhausen
berichtet er: ”Als die Gefängnistür eingeschnappt war und ich allein in dem Raum
war, in dem ich schon so viele Stunden zugebracht hatte, kamen mir die Tränen in
die Augen, und zwar waren es Tränen der Freude, daß ich gewürdigt wurde, um
meines Berufes willen eingesperrt zu werden und einer ganz ungewissen Zukunft
entgegenzusehen.“ Das ist nicht die Stimme eines lediglich tapferen Menschen,
sondern eines Christen, der stolz darauf ist, am Kreuz Christi teilzuhaben.
Vorgestern habe ich in Köln die Karmelitin Schwester Teresia Benedicta a Cruce,
die vom Kreuz Gesegnete, seliggesprochen. Beide Selige gehören zueinander. Denn
auch eurer Münchener Seliger, Pater Rupert Mayer, war vom Kreuz gesegnet.
In einem Brief aus dem Gefängnis an seine betagte Mutter lesen wir: ”Jetzt habe ich
wirklich nichts und niemanden mehr als den lieben Gott. Und das ist genug, ja
übergenug. Wenn die Menschen doch einsehen wollten, es gäbe viel mehr Glückliche
auf Erden“. In der Einsamkeit seiner Haft galt das ganze Mühen von Pater Rupert
Mayer der Vertiefung seiner inneren Bindung an Gott. In völliger Hingabe an ihn
suchte er alle Bedrängnisse und Nöte für seine innere Erneuerung und Heiligung
fruchtbar zu machen. Als Angeklagter vor seinen Richtern erfuhr er die tröstende
und stärkende Nähe Gottes, die Christus seinen Zeugen verheißen hat: ”. . . macht
euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt. Nicht ihr werdet dann reden,
sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden“.
4. Diese Worte Jesu sind
eine Vorankündigung der Lebensgeschichte der Apostel, der besonderen Gegenwart
Gottes in Ihrem Wirken, vor allem in ihrem Glaubenszeugnis. Sie bewahrheiten
sich schon in jener Begebenheit, von der die heutige erste Lesung spricht. Am
Pfingstfest ”trat Petrus auf, zusammen mit den Elf“ und sprach zum ersten Mal zu
den versammelten Bewohnern von Jerusalem und den Besuchern, die zum Fest
gekommen waren. Er legte Zeugnis ab für Christus, den Gekreuzigten und
Auferstandenen. Ist es aber wirklich nur Petrus, der an diesem bedeutungsvollen
Tag spricht? Oder ist es vielleicht ”nicht nur Petrus“? In der Tat! Durch Petrus
spricht zugleich der Geist des Vaters und des Sohnes.
Ebenso scheinen die Worte
des Psalmisten und Königs David, die Petrus anführt, nicht nur von diesem,
sondern auch von unserem neuen Seligen gesprochen zu werden: ”Du zeigst mir die
Wege zum Leben, du erfüllst mich mit Freude vor deinem Angesicht“. Selbst
inmitten großer Bedrängnis erfährt Pater Rupert Mayer Gott als die innere Kraft
und beglückende Erfüllung seines Lebens, Zugleich wird er aus dieser tiefen
Verbundenheit mit Gott in den Zeiten großer Not selbst für viele Menschen zum
Quell des Trostes, zum Vermittler neuer Hoffnung und Zuversicht, zum Vater der
Armen, die ihn ihren 15. Nothelfer nannten. Wie sich die Menschen einst um Jesus
scharten und bei ihm Hilfe fanden, strömten sie mit allen ihren Nöten auch zu
ihm. Sechzig, siebzig Hilfesuchende klopften täglich an seine Tür. Mit offenem
Herzen nahm er sie alle auf. Viele Stunden verbrachte er auch im Beichtstuhl, zu
dem sich die Menschen drängten, um Hilfe in ihrem geistlichen Nöten zu suchen.
”Es muß Wärme von uns ausgehen, den Menschen muß es in unserer Nähe wohl sein,
und sie müssen fühlen, daß der Grund dazu in unserer Verbindung mit Gott liegt“.
Mit diesem Wort sagt uns der neue Selige, worum es ihm im Dienst an den Armen
ging: er wollte Gottes Liebe sichtbar und erfahrbar machen und die Menschen
spüren lassen, daß sie von Gott geliebt sind. Seine Güte und Hilfsbereitschaft
war von solcher Kraft, daß er es auch ertrug, wenn sie einmal mißbraucht wurden.
Als man ihn darauf aufmerksam machte, gab er nur zur Antwort: ”Wer noch nicht
angeschmiert wurde, hat nie etwas Gutes getan“. Die Torheit seiner Liebe ist
Teilhabe an der Torheit des Kreuzes, in der sich der liebende Gott uns zugewandt
hat, um uns alle an sich zu ziehen.
5. Der Grundsatz, dem Pater Rupert Mayer
zeitlebens treu geblieben ist, lautet: ”Christus, der Mittelpunkt unseres Lebens.
Zwischenlösungen gibt es nicht“. Was er war, das wollte er ganz sein. Diese
seine Entschiedenheit in der Nachfolge Christi hat ihn auf den Weg der
Heiligkeit geführt. Gemäß dem Wahlspruch seines Ordens: ”Alles zur größeren Ehre
Gottes“ ging es ihm vor allem um Gottes Ehre und damit um die Rechte Gottes.
”Der Herrgott hat das erste Anrecht auf uns“, sagte er. Und er wußte, daß er
damit auch für die Rechte und Würde des Menschen kämpfte.
Wir hören heute viel
von Menschenrechten. In sehr vielen Ländern werden sie verletzt. Von
Gottesrechten aber spricht man nicht. Und doch gehören Menschenrechte und
Gottesrechte zusammen. Wo Gott und sein Gesetz nicht geehrt werden, erhält auch
der Mensch nicht sein Recht. Wir sehen das deutlich am Verhalten der
nationalsozialistischen Machthaber. Sie kümmerten sich nicht um Gott und
verfolgten seine Diener: und so gingen sie auch unmenschlich mit den Menschen um,
in Dachau vor; den Toren Münchens wie in Auschwitz vor den Toren meiner früheren
Bischofsstadt Krakau. Auch heute gilt: Gottesrechte und Menschenrechte stehen
und fallen miteinander. Unser Leben ist nur dann in Ordnung, wenn unser
Verhältnis zu Gott in Ordnung ist. Deshalb sagte Pater Rupert Mayer in den
weltweiten Bedrängnissen des letzten Krieges: ”Die heutige Zeit ist eine
furchtbar ernste Mahnung für die Völker der Erde, zurückzukehren zu Gott. Es
geht nicht ohne Gott!“. Dieses Wort unseres Seligen hat auch heute nichts an
Gewicht verloren. Auch heute; gilt es, Gott zu geben, was Gottes ist. Dann wird
auch dem Menschen gegeben werden, was des Menschen ist.
6. Liebe Brüder und
Schwestern! Die Seligen und Heiligen der Kirche sind Gottes lebendige und
gelebte Botschaft an uns. Deshalb stellt sie uns diese Zur Verehrung und
Nachahmung vor Augen. Öffnen wir uns also heute jener Botschaft, die uns der
neue Selige Rupert Mayer durch sein Wort und Wirken so anschaulich verkündet.
Suchen wir wie er in Gott die Mitte und Quelle unseres Lebens. Auf Gott baute er
in unerschütterlichem, kindlichem Vertrauen. ”Herr, wie du willst, soll mir
geschehn, und wie du willst, so will ich gehn,, hilf deinen Willen nur verstehn“,
so lautet der erste Vers seines Lieblingsgebetes. Gott, der Herr, war die
Quelle, aus der er in langen Stunden des Gebetes, in der heiligen Messe und in
der täglichen treuen Pflichterfüllung die Kraft schöpfte für sein erstaunliches
Lebenswerk.
Suchen auch wir aus derselben Kraftquelle unser Leben und unsere
Umwelt zu gestalten. Der selige Rupert Mayer ist für uns alle ein Vorbild und
Anruf, ein heiliges Leben zu führen. Heiligkeit ist nicht eine Sache für einige
auserwählte Seelen: zur Heiligkeit sind wir alle berufen, alle ohne Ausnahme.
Und er selber sagt uns auch, was zu einem heiligen Leben gehört: ”Keine
außergewöhnliche Arbeit, keine außergewöhnlichen religiösen Erlebnisse, keine
Erscheinungen. Nur: Heroische Tugend“. Das heißt: Tag für Tag treu und unbeirrt
Gottes Willen tun und aus seiner Gegenwart leben; jeder ganz persönlich und auch
in der Familie. Wir wissen, wie unserem Seligen besonders die christliche
Familie am Herzen lag und er zu ihrer Förderung mit zwei anderen Priestern sogar
eine eigene Schwesterngemeinschaft gegründet hat. Die hohe Zahl der
Ehescheidungen und die geringe Kinderzahl zeigen, welch großen Belastungen und
Bedrohungen die Familie in der heutigen Gesellschaft ausgesetzt ist. In euren
Familien aber entscheidet sich die Zukunft eures Volkes, auch die Zukunft der
Kirche in eurem Volk. Haltet zusammen, daß die Familien gestärkt werden. Haltet
die Ehe heilig und laßt die eheliche Liebe fruchtbar werden in den Kindern, die
Gott euch schenken will.
7. Sein Leben heiligen heißt aber auch, sich für das
öffentliche Leben mitverantwortlich zu fühlen und es aus dem Geiste Christi
mitzugestalten. Keinem Christen darf es gleichgültig sein, wie es in der Welt
zugeht. Männer, Frauen und meine jungen Freunde, euch alle rufe ich auf: Setzt
euch wie Rupert Mayer für Gottes Rechte und Gottes Ehre auch in der
Öffentlichkeit ein. Laßt nicht zu, daß die Entchristlichung weiter um sich
greift. Seid Salz der Erde und tragt das Licht der Wahrheit Gottes in alle
Bereiche des Lebens hinein. Das ist der Dienst, den wir der Welt schulden. Es
geht nicht ohne Gott! Habt nach dem Vorbild unseres Seligen vor allem auch ein
Herz für die Armen. Ihr lebt in einem Land, das zu den wohlhabendsten Ländern
der Erde gehört. Laßt euer Herz durch euren Besitz nicht stumpf werden für die
Not der Hilfsbedürftigen und Vergessenen am Rande eurer Gesellschaft und in
aller Welt. Macht auch ihr durch eure Güte Gottes Liebe sichtbar und erfahrbar
unter euren Mitmenschen.
Liebe Schwestern von der Heiligen Familie, eure
Gemeinschaft wurde durch Pater Rupert Mayer nicht nur mitgegründet, sondern vor
allem auch geistig geformt. Haltet seinen Geist lebendig. Euer Ideal veraltet
nicht. Die Aufgabe, für die eure Gemeinschaft gegründet wurde, ist noch immer
zeitgemäß.
Liebe Sodalen der Marianischen Männerkongregation, ihr hütet in eurer
Kongregationskirche als kostbaren Schatz das Grab des neuen Seligen, an dem ich
nach diesem Gottesdienst beten werde. Hütet auch das geistige Erbe, das er euch
hinterlassen hat: die Liebe zu Maria und die Bereitschaft zum Dienst an der Welt.
Liebe Patres und Brüder des Gesellschaft Jesu, euch beglückwünsche ich zu eurem
Mitbruder, den wir von heute an als Seligen verehren. Er ist eine Zierde eures
Ordens. Möge er euch auch Vorbild und Ansporn sein, treu dem hohen Ideal des
heiligen Ignatius von Loyola euren Dienst in Kirche und Welt zu erfüllen. Euer
seliger Mitbruder hat nach diesem hohen Ideal gelebt. Er stehe euch bei, seinem
Beispiel zu folgen.
8. ”Seht, ich sende euch . . . werdet stark durch den Herrn!“.
Liebe Brüder und Schwestern! Sagt nicht auch der selige Rupert Mayer diese Worte
am heutigen Tag seiner Seligsprechung zu uns, die wir hier versammelt sind? Zu
euch, seinen Landsleuten, hier in dieser Stadt und im ganzen Land? Zur Kirche
von München? Zur ganzen Gesellschaft?
”Werdet stark durch die Kraft und Macht
des Herrn!
Zieht die Rüstung Gottes an . . . Denn wir haben nicht gegen Menschen
aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern . . . gegen die Beherrscher dieser
finsteren Welt, gegen die bösen Geister . . .“ (Eph. 6, 10-12).
Es gibt Zeiten, in denen die
Existenz des Bösen unter den Menschen in der Welt in einer besonderen Weise in
Erscheinung tritt. Dann wird noch offenkundiger, daß die Mächte der Finsternis,
die in den Menschen und durch die Menschen wirken, größer sind als der Mensch.
Sie übersteigen ihn, sie kommen von außen über ihn.
Der heutige Mensch scheint
dieses Problem fast nicht sehen zu wollen. Er tut alles, um die Existenz jener
”Beherrscher dieser finsteren Welt“, jene ”listigen Anschläge des Teufels“, von
denen der Epheserbrief spricht, aus dem allgemeinen Bewußtsein zu verbannen.
Dennoch gibt es solche Zeiten in der Geschichte, in denen diese - nur widerwillig
angenommene - Wahrheit der Offenbarung und des christlichen Glaubens ihre volle
Ausdruckskraft und fast handgreifliche Bestätigung findet.
9. Der geistige Sieg
von Pater Rupert Mayer erklärt sich vollkommen vor dem Hintergrund einer`
solchen Epoche, einer solchen geschichtlichen Erfahrung. Die Worte: des Apostels
beziehen sich in einem gewissen Sinn auf den konkreten Lebensverlauf dieses
Dieners Gottes. Es war einer von jenen, die in diesem geistigen Kampf, in diesem
Ringen mit den Mächten der Finsternis ”die Rüstung Gottes angelegt, sich mit der
Wahrheit gegürtet, den Panzer der Gerechtigkeit und als Schuhe die Bereitschaft,
für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen, angezogen haben“ (Eph. 6,
12-15). Der Glaube war für
ihn wirklich der Helm, und das Wort Gottes war das Schwert des Geistes. Er
kämpfte fortwährend mit diesem ”Schwert“ und ”hörte nicht auf zu beten und zu
flehen“. Nein, er vertraute nicht auf seine eigenen Kräfte. Er erinnerte sich an
die Worte des Meisters an die Apostel im Abendmahlssaal: ”Der Geist eures Vaters
wird durch euch reden“ (Mt. 10, 20). Und deshalb hörte er auch nicht auf zu bitten, daß Gott
ihm ”das rechte Worte schenke . . ., um das Geheimnis des Evangeliums zu verkünden“
(Eph. 6, 19).
Die Worte des Epheserbriefes hat der Apostel Paulus geschrieben, als er nur noch
als ”Gefangener“ seiner Sendung nachkommen konnte (ebd. 3, 1;4,
1). So hat auch Pater Rupert
Mayer gesprochen und bezeugt, so hat auch er sich verhalten und für Christus
Verfolgung erduldet - als ”Gefangener“ in Landsberg und im Konzentrationslager
Sachsenhausen, und so ist er uns in Erinnerung geblieben, im Gedächtnis der
Kirche: als mutiger Zeuge der Wahrheit und Apostel der Gottes- und Nächstenliebe.
Diesem seinen Andenken erweist die Kirche nun ihre besondere Verehrung, damit es
von Generation zu Generation fortdauert.
Heute spricht dieser ”Gefangene Christi“
im Lager Sachsenhausen noch einmal zu uns - und die Kirche nimmt seine Worte auf
in ihr geistiges Erbe:
”Bete jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus . . .
Legt
die Rüstung Gottes an“ (Eph. 6, 18.13).
Nehmt, liebe Brüder und Schwestern, an diesem Festtag
das Zeugnis des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe eures großen Landsmannes an!
Möge das geistige Erbe seines Lebens und seines apostolischen Dienstes immer,
besonders in Zeiten der Prüfung, mit euch sein und euch stets neue Kraft und
Zuversicht schenken in Christus, unserem Herrn. Amen.
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