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HOCHFEST DER GOTTESMUTTER MARIA
XXXII. WELTFRIEDENSTAG

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Petersdom - Sonntag, 1. Januar 1999

   

1. Christus heri et hodie – Principium et Finis – Alpha et Omega  

»Christus gestern und heute  
Anfang und Ende 
Alpha und Omega. 
Sein ist die Zeit und die Ewigkeit.  
Sein ist die Macht und die Herrlichkeit  
in alle Ewigkeit« 
(Römisches Meßbuch, Bereitung der Osterkerze). 

Jedes Jahr richtet die Kirche in der Osternacht erneut diesen feierlichen Zuruf an Christus, den Herrn der Zeit. Auch am Jahresbeginn verkünden wir diese Wahrheit im Übergang zwischen dem »Gestern« und dem »Heute«: »gestern«, als wir im Versinken des alten Jahres Gott gedankt haben; »heute«, während wir das beginnende neue Jahr begrüßen. »Gestern und heute.« Wir feiern Christus; er ist, wie die Schrift sagt, »derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit« (Hebr 13,8). Er ist der Herr der Geschichte, Ihm gehören die Jahrhunderte und die Jahrtausende. 

Während wir das Jahr 1999 beginnen, das letzte Jahr vor dem Großen Jubiläum, ist es, als ob das Geheimnis der Geschichte sich mit größerer Tiefe vor uns enthülle. Gerade deshalb wollte die Kirche den drei Jahren der unmittelbaren Vorbereitung auf das Ereignis des Jubeljahres das trinitarische Zeichen der Gegenwart des lebendigen Gottes aufprägen. 

2. Der erste Tag des neuen Jahres schließt die Oktav vom Fest der Geburt des Herrn ab und ist der Heiligen Jungfrau geweiht, die als Mutter Gottes verehrt wird. Das Evangelium bringt in Erinnerung, daß sie »alles, was geschehen war, in ihrem Herzen bewahrte und darüber nachdachte« (vgl. Lk 2,19). So war es in Betlehem, so auf Golgota zu Füßen des Kreuzes, so am Pfingsttag, als der Heilige Geist in den Abendmahlssaal herabstieg. 

Und so auch heute. Die Mutter Gottes und der Menschen bewahrt und überdenkt in ihrem Herzen alle die großen und schwierigen Probleme der Menschheit. Die »Alma Redemptoris Mater« geht mit uns und führt uns mit mütterlicher Zärtlichkeit der Zukunft entgegen. So hilft sie der Menschheit, die »Schwellen« der Jahre, der Jahrhunderte und der Jahrtausende überschreiten und ihre Hoffnung auf den, der der Herr der Geschichte ist, festhalten. 

3. »Heri et hodie – Gestern und heute.« »Gestern« – das veranlaßt zum Rückblick. Wenn wir den Blick auf die Ereignisse des zu Ende gehenden Jahrhunderts richten, dann bieten sich unseren Augen die zwei Weltkriege dar: Friedhöfe, Gräber von Gefallenen, zerrissene Familien, Weinen und Verzweiflung, Elend und Leiden. Wie könnte man die Todeslager vergessen, die grausam vernichteten Kinder Israels, die heiligen Märtyrer: Pater Maximilian Kolbe, Schwester Edith Stein und viele andere? 

Unser Jahrhundert ist aber auch das Jahrhundert der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, deren fünfzigster Jahrestag unlängst begangen wurde. Gerade im Hinblick auf diesen Jahrestag habe ich in der traditionellen Botschaft zum heutigen Weltfriedenstag daran erinnern wollen, daß das Geheimnis des wahren Friedens in der Achtung der Menschenrechte besteht. »Die Anerkennung der angeborenen Würde aller Glieder der Menschheitsfamilie [ist] das Fundament für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt« (ebd., 3). 

Das II. Vatikanische Konzil, das Konzil, das die Kirche auf den Eintritt ins dritte Jahrtausend vorbereitet hat, betonte, daß die Welt, der Schauplatz der Geschichte der Menschheit, durch den gekreuzigten und auferstandenen Christus von der Sklaverei der Sünde befreit und dazu bestimmt ist, »umgestaltet zu werden nach Gottes Heilsratschluß und zur Vollendung zu kommen« (Gaudium et spes, 2). Das also ist die Art und Weise, wie die Gläubigen auf unsere zeitgenössische Welt blicken, während sie Schritt für Schritt der Schwelle des Jahres Zweitausend entgegengehen. 

4. Als das Ewige Wort Mensch wurde, ist es in die Welt gekommen und hat sie angenommen, um sie zu erlösen. Die Welt ist also nicht nur vom schrecklichen Erbe der Sünde gezeichnet, sondern sie ist in erster Linie eine von Christus, dem gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes, erlöste Welt. Jesus ist der Erlöser der Welt, der Herr der Geschichte. »Eius sunt tempora et saecula – Sein ist die Zeit und die Ewigkeit.« Sein sind die Jahre und die Jahrhunderte. Darum glauben wir, daß, wenn wir mit Christus zusammen ins dritte Jahrtausend eintreten, wir zusammenwirken werden zur Umformung der von Ihm erlösten Welt. »Mundus creatus, mundus redemptus – Erschaffene Welt, erlöste Welt.« 

Auf mancherlei Weisen gibt die Menschheit leider dem Einfluß des Bösen nach. Von der Gnade jedoch gedrängt, erhebt sie sich immer wieder und geht, geführt durch die Kraft der Erlösung, auf das Gute zu. Sie geht auf Christus zu, nach dem Plan Gottes, des Vaters. 

Iniziamo questo nuovo anno nel suo nome. Ci ottenga Maria di essere suoi fedeli discepoli, perché con le parole e con le opere rendiamo a Lui gloria ed onore per tutti i secoli in eterno:
Ipsi gloria et imperium per universa aeternitatis saecula.
Amen!

»Jesus Christus – Anfang und Ende
Alpha und Omega
sein ist die Zeit und die Ewigkeit.«

Beginnen wir dieses neue Jahr in seinem Namen. Maria möge uns erlangen, daß wir seine treuen Jünger seien, damit wir mit Worten und Werken ihm immer und ewig Ruhm und Ehre erweisen: »Ipsi gloria et imperium per universa aeternitatis saecula – Ihm sei die Macht und die Herrlichkeit für alle Ewigkeit.« Amen!

 

© Copyright 1999 - Libreria Editrice Vaticana

  

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