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APOSTOLISCHE REISE NACH TORONTO,  
GUATEMALA-STADT UND MEXIKO-STADT

SELIGSPRECHUNG VON JUAN BATTISTA UND JACINTO DE LOS ÁNGELES

PREDIGT DES HEILIGEN VATERS JOHANNES PAUL II.  

Mexiko-Stadt
Donnerstag, 1. August 2002

 

Liebe Brüder und Schwestern! 

1. »Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;denn ihnen gehört das Himmelreich« (Mt 5, 10). Diese letzte der Seligpreisungen des Evangeliums bestärkt uns, angesichts der Verfolgungen, denen die Kirche von Anfang an ausgesetzt war, nicht den Mut zu verlieren. In der Bergpredigt verheißt Jesus die wahre Glückseligkeit all jenen, die arm sind vor Gott, den Trauernden und den Sanftmütigen sowie denjenigen, die nach Gerechtigkeit und Frieden trachten, die barmherzig und reinen Herzens sind. 

Angesichts des menschlichen Leidens, das den Weg des Glaubens begleitet, ermuntert uns der hl. Petrus: »Statt dessen freut euch, daß ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln« (1 Petr 4, 13). 

Von dieser Überzeugung beseelt, nahmen Juan Bautista und Jacinto de los Ángeles das Martyrium auf sich, wobei sie dem Glauben an den lebendigen und wahren Gott treu blieben und die Götzen zurückwiesen. 

Obwohl sie schwere Qualen zu ertragen hatten, antworteten sie mit Entschlossenheit auf die Aufforderung, den katholischen Glauben zu verleugnen und sich dadurch zu retten: »Unserem Taufversprechen gemäß werden wir dem wahren Glauben stets folgen.« Dieses leuchtende Beispiel zeigt uns, daß wir nichts, nicht einmal das eigene Leben, dem Taufversprechen vorziehen dürfen, so wie dies die ersten Christen taten, die – durch die Taufe erneuert – sich von jeder Form des Götzendienstes abwendeten (vgl. Tertullian, De baptismo, 12, 15). 

2. Saluto con affetto i Signori Cardinali e i Vescovi convenuti in questa Basilica. In particolare l'Arcivescovo di Oaxaca, Mons. Héctor Gonzáles Martínez, i Sacerdoti, i Religiosi, le Religiose e i fedeli laici, specialmente quelli provenienti da Oaxaca, terra natale dei nuovi beati, dove il loro ricordo permane così vivo. 

In eurem Land kam es zu einer starken Verschmelzung von Kulturen. Im Jahr 1529 gelangte das Evangelium in dieses Gebiet durch die Dominikaner, die sich der Sprachen wie auch der Sitten und Bräuche der einheimischen Gemeinschaften bedienten. So fing man an, Gott in den jeweiligen Muttersprachen kennenzulernen. Unter den Früchten dieser christlichen Saat zeichnen sich diese beiden großen Märtyrer aus. 

3. In der Zweiten Lesung erinnert uns der hl. Petrus daran, daß wenn jemand »leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott verherrlichen, indem er sich zu diesem Namen bekennt« (1 Petr 4, 16). Da Juan Bautista und Jacinto de los Ángeles ihr Blut für Christus hingegeben haben, wurden sie zu wahren Märtyrern des Glaubens. Wie der Apostel Paulus können auch sie sich fragen: »Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?« (Röm 8, 35). 

Diese beiden christlichen Indios, die sich durch ein tadelloses persönliches und familiäres Leben auszeichneten, erlitten das Martyrium in freudiger Treue gegenüber ihrem Taufversprechen und gegenüber dem katholischen Glauben. Sie mögen ein Vorbild sein für die Laiengläubigen, die im alltäglichen Leben zur Heiligkeit berufen sind. 

4. Mit dieser Seligsprechung stellt die Kirche ihre Sendung heraus, die darin besteht, allen Völkern das Evangelium zu verkünden. Die neuen Seligen, Frucht der Heiligkeit der ersten Evangelisierung unter den Zapoteken, ermutigen die heutigen Indios, ihre Kultur, ihre Sprache und vor allem ihre Würde als Kinder Gottes wertzuschätzen. Diese Würde müssen die anderen Menschen im Kontext der mexikanischen Nation achten, die mit ihrer Bevölkerung unterschiedlicher Abstammung bereit ist, in Solidarität und Gerechtigkeit eine gemeinsame Familie aufzubauen. 

Das Vorbild dieser beiden Seligen zeigt uns, wie wir – ohne die Bräuche der Vorfahren zum Mythos zu machen und ohne auf die eigene Kultur zu verzichten – zu Gott gelangen können, wenn wir uns vom Licht Christi erleuchten lassen, der den religiösen Geist der besten Traditionen der Völker erneuert. 

5. »Ja, Großes hat der Herr an uns getan. Da waren wir fröhlich« (Ps 126, 3). Diese Worte des Psalmisten erfüllen unser Herz mit Freude, denn Gott segnete die Kirche von Oaxaca und das mexikanische Volk it zweien seiner Kinder, die heute seliggesprochen werden. Durch die beispielhafte Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgaben sind sie für all jene ein Vorbild geworden, die in kleinen Dörfern oder großen sozialen Einrichtungen die Aufgabe haben, das Gemeinwohl sorgfältig und uneigennützig zu fördern. 

Juan Bautista und Jacinto de los Ángeles, von ihren Mitmenschen damals als beispielhafte Ehegatten und Familienväter anerkannt, erinnern die heutigen mexikanischen Familien an die Größe ihrer Berufung, den Wert treuer Liebe und die hochherzige Annahme des Lebens. 

Somit jubelt die Kirche, denn diese neuen Seligen sind sichere Zeichen der Liebe Gottes zu uns (vgl. Präfation der Heiligen II ). Es freut sich auch die christliche Gemeinde von Oaxaca und von ganz Mexiko, denn der Allmächtige hat seine Augen auf zwei ihrer Kinder gerichtet. 

6. Vor dem sanften Antlitz der Jungfrau von Guadalupe, die den Glauben ihrer mexikanischen Kinder stets genährt hat, bekräftigen wir erneut unsere Aufgabe, das Evangelium zu verkünden, jene Aufgabe, die auch das Leben von Juan Bautista und Jacinto de los Angeles auszeichnete. Mögen alle christlichen Gemeinschaften an dieser Sendung teilhaben, damit sie voll Begeisterung ihren Glauben verkünden und ihn unversehrt an die neuen Generationen weitergeben. Verkündet das Evangelium, festigt die Bande brüderlicher Gemeinschaft, und bezeugt den Glauben durch ein beispielhaftes Leben in der Familie, bei der Arbeit und in den Beziehungen zu anderen! Sucht das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit bereits hier auf Erden durch tatkräftige und brüderliche Solidarität mit den Unglücklichen und Ausgeschlossenen (vgl. Mt 25, 34 –35). 

Voll Freude wenden wir uns an unsere himmlische Mutter, denn zwei ihrer Kinder sind seliggesprochen worden. Zugleich bitten wir sie, das geliebte mexikanische Volk und ganz Amerika von diesem Heiligtum auf dem Tepeyac aus auch weiterhin zu segnen, zu führen und zu unterstützen.

Ich erinnere mich, daß ich bei meinem ersten Besuch im Jahr 1979 Oaxaca besucht habe. Es ist mir eine Freude, daß ich nun zwei seiner Söhne seligsprechen konnte. Dank sei Gott! 

Nach der Eucharistiefeier sagte der Papst: 

Es war hier eine große Wertschätzung zu spüren, und meine Rückkehr hat mich eine tiefe geistliche Freude empfinden lassen, für die ich Gott und der allerseligsten Muttergottes danke. 

Mein Dank gilt auch euch, die ihr diesen Besuch vorbereitet und euch um alle Details gekümmert habt. Dankeschön euch allen, die ihr mich mit so großer Herzlichkeit auf den Straßen eurer Stadt empfangen habt, euch, die ihr von weitem hierhergekommen seid und die Botschaft, die ich euch verkündigt habe, gehört und aufgenommen habt, und euch, die ihr so sehr für mein Amt als Nachfolger des hl. Petrus betet. 

Da ich nun bald dieses gesegnete Land verlassen werde, kommen mir die Worte eines Volksliedes in spanischer Sprache in den Sinn: »Ich gehe weg, und doch gehe ich nicht weg. Ich gehe, und doch entferne ich mich nicht, auch wenn ich fortgehe, bleibt mein Herz hier.«

Mexiko, Mexiko, schönes Mexiko, Gott segne dich! 

 

© Copyright 2002 - Libreria Editrice Vaticana

 

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