Liebe Schwestern und Brüder!
Jedes Jahr, zu Beginn
der Fastenzeit, wendet sich der oberste Hirt der Kirche an alle ihre Mitglieder
und ermutigt sie, diese Zeit, die uns angeboten ist, um uns für eine wahre
Befreiung vorzubereiten, gut zu nutzen.
Die Gesinnung der
Buße und ihre praktische Verwirklichung leiten uns dazu an, uns ehrlich vom
Überfluss zu lösen, den wir besitzen, und manchmal sogar vom Notwendigen:
hindert er uns doch daran, das wirklich zu „sein“ wozu Gott uns beruft: „Wo dein
Schatz ist, da ist auch dein Herz“. Ist unser Herz an materiellen Reichtum
gefesselt? Verliebt in die Macht über andere? Erfüllt von subtilen Formen
egoistischer Herrschsucht? Dann haben wir Christus nötig, den auferstandenen
Erlöser, der uns, wenn wir nur wollen, von all den Fesseln der Sünde befreien
kann, die uns behindern.
Wir wollen uns
vorbereiten durch das Geschenk der Auferstehung reich zu werden, indem wir uns
von jedem falschen Schatz lösen: die materiellen Güter, die wir nicht unbedingt
nötig haben, sind oft für Millionen von Menschen, die konkrete Möglichkeit zum
Überleben. Aber auch über das Existenzminimum hinaus erwarten Hunderte
Millionenmenschen von uns, dass wir ihnen helfen, sich die notwendigen Mittel zu
beschaffen für eine umfassende menschliche Entfaltung sowie für die
wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung ihrer Länder.
Absichtserklärungen
und Spenden allein reichen jedoch nicht aus, um das Herz des Menschen zu ändern;
dazu braucht es eine geistige Bekehrung, die uns in herzlicher Verbundenheit
dazu bringt, mit den Benachteiligten unserer Gesellschaft zu teilen, mit
solchen, denen alles genommen ist, manchmal sogar ihre Würde als Männer und
Frauen, als Jugendliche und Kinder, mit den vielen Flüchtlingen in der Welt, die
im Land ihrer Vorfahren nicht mehr länger leben können und ihr eignes Vaterland
verlassen müssen. Dort treffen wir das Geheimnis des erlösenden Leidens und
Sterbens des Herrn an und können es mit innerer Anteilnahme durchleben. Das
wahre Teilen, das zugleich eine Begegnung mit der Person des andern ist, hilft
uns, von allen Fesseln frei zu werden, die uns versklaven; weil es uns in den
anderen unsere Brüder und Schwestern sehen lehrt, lässt es uns neu entdecken,
dass wir Kinder desselben Vaters sind, „Erben Gottes und Miterben Christi“ (Röm
8,17), dessen unvergänglichen Reichtum wir in Händen halten.
Ich rufe Euch deshalb
auf, die Appelle, die Eure Bischöfe durch sich selbst oder durch die übrigen
Verantwortlichen für die Aktionen des brüderlichen Teilens während dieser
Fastenzeit an Euch richten werden, hochherzig zu beantworten. Ihr werdet die
ersten sein, die hierdurch beschenkt werden; denn so schlagt ihr den Weg zur
einzig wahren Befreiung ein. Eure Anstrengungen, die sich mit denen aller
Getauften vereinen, werden so die Liebe Christi bezeugen und jene „Zivilisation
der Liebe“ aufbauen, die unsere Welt, gepeinigt von Konflikten und
Ungerechtigkeiten und enttäuscht darüber, dass sie keine echten Zeugen der Liebe
Gottes mehr finde, bewusst oder unbewusst ersehnt.
Dazu segne ich Euch
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Aus dem Vatikan, am 19. Februar 1980
IOANNES PAULUS PP. II
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