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ANSPRACHE VON PAPST JOHANNES PAUL II.
AN DIE MITGLIEDER DER
NATO-VERTEIDIGUNGSAKADEMIE

7. Februar 1980

 

Liebe Freunde!

In den vergangenen Jahren hat sich die Verteidigungsakademie der NATO mehrmals in dieser Halle eingefunden, und ich bin glücklich, Sie heute zum Abschluß Ihrer fünfundfünfzigsten Studientagung willkommen zu heißen.

Ich habe mich wirklich gefreut, als ich erfuhr, daß Ihre Tagung sich mit kulturellen und sittlichen Zielen und mit dem Bestreben um immer größere Solidarität auf internationaler Ebene befaßt hat. Es besteht ja tatsächlich eine enge Beziehung zwischen diesen Realitäten und der großen Sache des Friedens eines Friedens, der auf der Wahrheit über den Menschen aufbaut.

In meiner Botschaft zum Weltfriedenstag am Beginn dieses Jahres habe ich an jeden appelliert, der den Frieden auf Erden zu stärken bereit ist. Ich forderte zu dem Bemühen auf, "von innen her das labile und immer wieder bedrohte Gebäude des Friedens zu stützen, indem ihm das Fundament der Wahrheit zurückgegeben wird" (Nr. 1). Und ich glaube, daß Sie in der Lage sind, den Frieden durch sein wichtigstes Hilfsmittel, die Wahrheit, zu fördern:

Durch Beobachtung und Studium sind Sie imstande, die Tatsache zu belegen, daß alle Formen von Unwahrheit Angriffe gegen den Frieden sind. Das wird nirgends offenkundiger als in einem falschverstandenen Ideal vom Menschen und der treibenden Kraft in ihm. In diesem Zusammenhang stellte ich in meiner Friedensbotschaft fest: "Die erste Lüge, die grundlegende Unwahrheit, besteht darin, nicht an den Menschen zu glauben, an den Menschen mit seiner Fähigkeit zur Größe" (Nr. 2).

Die Verwirklichung der Würde, an der wir in der Menschheitsfamilie teilhaben, führt uns alle zu einer aufrichtigen, ständigen Dialogbereitschaft.

Die Welt der Intellektuellen, der Akademiker, der Studenten und der Jugend überhaupt fordere ich auf, ihr Leben nicht nur unter dem Gesichtspunkt einer soliden persönlichen Ausbildung zu betrachten, sondern als echte Berufung zur menschlichen und sittlichen Förderung der Gesellschaft, damit sie würdiger, gerechter und menschlich vollkommener wird (vgl. Ansprache an die katholischen Studenten und Professoren in Guadalajara am 31. Januar 1979 und Handschreiben vom 15. Februar 1979).

Den Kindern, deren Gegenwart mir auf meiner Reise so oft Freude bereitete, widme ich mein besonderes Gebet, damit sie zu guten Christen erzogen werden in Nachahmung des höchsten Vorbildes: Jesu, des menschgewordenen Gottes (vgl. Catechesi tradendae Nr. 35-38).

Mein Wort richtet sich mit besonderem Nachdruck an die Mitglieder der Eingeborenengemeinden, an die Land- und Industriearbeiter. Bewahrt eure große menschliche Würde und die Werte, liehe Söhne, die alle Achtung, Rücksicht und Unterstützung verdienen. Seid euch eurer wichtigen Rolle in der Gesellschaft und der Kirche bewußt, indem ihr hofft und euch bemüht, die hohen menschlichen und christlichen Ziele zu erreichen (vgl. Ansprachen in Cuilapan und Monterrey vom 29. und 31. Januar 1979).

Für die Welt des Schmerzes schließlich, die Kranken und Leidenden, habe ich mein ganz besonderes Gedenken bereit, das zum Gebet für alle wird. Bewahrt inmitten des Leidens die Hoffnung und den Mut und denkt daran, daß, vereint mit dem Kreuz Christi, eure innere Einsamkeit sich in Heilsgnade für euch und für die ganze Kirche verwandelt (vgl. Kol 1, 24 ff.; 2 Kor 12, 10).

Liebe Brüder und Söhne! Keiner soll sich vom Papst vergessen fühlen, der in diesen allgemeinen Rückblick alle mit einbezieht. Machen wir alle zusammen, ich mitten unter euch, eine Pilgerfahrt des Glaubens zum Mittelpunkt und Heiligtum Mexikos! Unserer gesegneten Lieben Frau, der Jungfrau von Guadalupe, möchte ich mit euch ein Gebet zu Füßen legen: daß mit ihrer Hilfe diese Kirche Gottes, deren Lebenskraft ich durch meinen Besuch stärken wollte, ein kräftiges Wachstum erfahre, eine neue geistliche Blüte, eine Stärkung des christlichen Lebens, eine Konsolidierung der missionarischen Kräfte, eine ständige Annäherung Mexikos an Christus, Ziel und Inhalt unserer täglichen Arbeit.

Als Bruder und Freund bitte ich den Vater im Himmel, daß er euch mit seiner Gnade und seinem Frieden überhäufe, wobei ich jeden einzelnen Mexikaner von Herzen segne im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

 

© Copyright 1980 - Libreria Editrice Vaticana

 

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