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APOSTOLISCHES SCHREIBEN
CATECHESI TRADENDAE
SEINER HEILIGKEIT JOHANNES PAUL II.
AN DIE BISCHÖFE, DIE
PRIESTER UND GLÄUBIGEN
DER GANZEN KIRCHE ÜBER DIE KATECHESE IN
UNSERER ZEIT
EINLEITUNG
Der letzte Auftrag Christi
1. Die Katechese wurde von der Kirche immer als eine ihrer wichtigsten
Aufgaben betrachtet; denn bevor der auferstandene Christus zu seinem Vater
zurückkehrte, gab er den Aposteln einen letzten Auftrag: alle Völker zu Jüngern
zu machen und sie alles befolgen zu lehren, was er ihnen geboten hatte[1] . Er
übertrug ihnen damit die Sendung und Vollmacht, den Menschen das zu verkünden,
was sie selber vom Wort des Lebens gehört und mit den Augen gesehen, was sie
geschaut und mit ihren Händen berührt hatten[2] . Zugleich vertraute er ihnen
die Sendung und Vollmacht an, alles verbindlich zu erklären, was er selber ihnen
erschlossen hatte, seine Worte und Taten, seine Zeichen und Gebote. Damit sie
diese Sendung erfüllen könnten, verlieh er ihnen den Heiligen Geist.
Sehr bald bezeichnete man mit Katechese die Gesamtheit der Bemühungen der
Kirche, Jünger zu gewinnen und den Menschen Hilfen zu bieten für den Glauben,
daß Jesus der Sohn Gottes ist, damit sie so durch den Glauben das Leben in
seinem Namen haben[3] , ferner sie in diesem Leben zu unterweisen und zu formen
und so den Leib Christi aufzubauen. Die Kirche hat hierfür unablässig ihre
Kräfte eingesetzt.
Ein Anliegen Pauls VI.
2. Die letzten Päpste haben der Katechese einen hervorragenden Platz in ihrer
Hirtensorge eingeräumt. Mein verehrter Vorgänger Paul VI. hat durch seine Taten,
seine Predigt und seine maßgebliche Interpretation des II. Vatikanischen Konzils
- das er als den großen Katechismus für die moderne Zeit ansah -, durch sein
ganzes Leben der Katechese der Kirche in sehr beispielhafter Weise gedient. Am
18. März 1971 hat er das „Allgemeine Katechetische Direktorium“ gebilligt, das
die Kleruskongregation vorbereitet hatte. Dieses Direktorium bleibt das
Grunddokument für die Anregung und Ausrichtung der katechetischen Erneuerung in
der ganzen Kirche. Er gründete ferner im Jahre 1975 den Internationalen Rat für
die Katechese. In meisterhafter Weise hat er die Rolle und Bedeutung der
Katechese in Leben und Sendung der Kirche bestimmt, als er sich am 25. September
1971 an die Teilnehmer des I. Internationalen Kongresses für Katechese wandte[4]
, und hat dieses Thema in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Nuntiandi[5]
ausdrücklich wieder aufgegriffen. Es war sein Wunsch, daß die Katechese,
insbesondere die Kinder- und Jugendkatechese, das Thema der 4.
Generalversammlung der Bischofssynode war[6] , die im Oktober 1977 stattfand und
an der ich selbst zu meiner Freude teilnehmen konnte.
Eine fruchtbare Synode
3. Am Ende dieser Synode haben die Väter dem Papst eine sehr reichhaltige
Dokumentation übergeben. Sie enthält die verschiedenen Beiträge, die im Verlauf
der Sitzungen gemacht worden sind, ferner die Ergebnisse der Arbeitsgruppen, die
Botschaft, welche die Väter der Synode mit einer Zustimmung an das Volk Gottes
gerichtet haben[7] , und vor allem die eindrucksvolle Reihe von „Vorschlägen“,
in denen sie ihre Ansicht zu sehr vielen Aspekten der Katechese in der heutigen
Zeit zum Ausdruck gebracht haben.
Diese Synode hat in einer intensiven Atmosphäre der Dankbarkeit und der
Hoffnung gearbeitet. Sie sah in der katechetischen Erneuerung ein kostbares
Geschenk des Heiligen Geistes an die Kirche von heute, ein Geschenk, auf das die
christlichen Gemeinschaften überall in der Welt und auf allen Ebenen mit
bewundernswerter Hochherzigkeit und erfinderischer Hingabe antworten. Die
hierbei notwendige Unterscheidung konnte daher von einer sehr lebendigen
Wirklichkeit ausgehen und beim Volk Gottes mit einer großen Aufgeschlossenheit
für die Gnade des Herrn und für die Weisungen des Lehramtes rechnen.
Der Sinn dieses Schreibens
4. Im gleichen Geiste des Glaubens und der Hoffnung richte ich heute an euch,
ehrwürdige Brüder und liebe Söhne und Töchter, dieses Apostolische Schreiben.
Aus dem äußerst weitgespannten Themenbereich wird es nur einige besonders
aktuelle und entscheidende Aspekte bieten, um die beglückenden Früchte der
Synode zu sichern. Es greift im wesentlichen die Überlegungen auf, die Papst
Paul VI. schon vorbereitet hatte, indem er die von der Synode hinterlassenen
Dokumente ausgiebig verwertete. Papst Johannes Paul I., dessen Eifer und
Begabung als Katechet uns alle mit Bewunderung erfüllt haben, hatte diese
Vorlagen übernommen und war im Begriff, sie zu veröffentlichen, als Gott ihn
plötzlich zu sich rief. Uns allen hat er das Beispiel einer Katechese geboten,
die im Grundsätzlichen wurzelte und zugleich volkstümlich war, geformt aus
Gesten und einfachen Worten, die in allen Herzen ein Echo finden konnten. Ich
greife also das Erbe dieser beiden Päpste auf, um dem Wunsch der Bischöfe zu
entsprechen, wie er ausdrücklich am Ende der 4. Generalversammlung der Synode
ausgesprochen und von Papst Paul VI. in seiner Schlußansprache angenommen worden
ist[8] . Ich tue das auch, um einer der Hauptpflichten meines apostolischen
Amtes zu entsprechen. Die Katechese ist mir während meines Dienstes als Priester
und Bischof schon immer ein zentrales Anliegen gewesen.
Es ist mein brennender Wunsch, daß dieses Apostolische Schreiben, das sich an
die ganze Kirche richtet, die Kraft des Glaubens und des christlichen Lebens
mehre, den bereits laufenden Initiativen neuen Schwung verleihe, die Kreativität
- freilich mit der nötigen Wachsamkeit - anrege und dazu beitrage, in den
Gemeinden die Freude darüber zu verbreiten, der Welt das Geheimnis Christi
nahebringen zu dürfen.
I.
UNSER EINZIGER LEHRER IST JESUS CHRISTUS
Mit der Person Christi verbinden
5. Die 4. Generalversammlung der Bischofssynode hat oft betont, daß Christus
im Zentrum jeder echten Katechese stehen muß. Wir können diese Aussage in zwei
Bedeutungen gelten lassen, die sich weder widersprechen noch einander
ausschließen, sondern sich gegenseitig bedingen und ergänzen.
Man will hiermit zuerst unterstreichen, daß wir im Kern der Katechese
wesentlich eine Person vorfinden, nämlich Jesus von Nazareth, einziger Sohn vom
Vater, voll Gnade und Wahrheit[9] , der für uns gelitten hat und gestorben ist
und der jetzt als Auferstandener für immer mit uns lebt. Jesus ist „der Weg, die
Wahrheit und das Leben“[10] ; somit besteht das christliche Leben darin,
Christus nachzufolgen, es ist eine „Nachfolge Christi“. Der wesentliche und
wichtigste Inhalt der Katechese ist, um einen Ausdruck zu verwenden, der dem
heiligen Paulus lieb war, aber auch von der zeitgenössischen Theologie geschätzt
wird, „das Geheimnis Christi“. Katechisieren heißt in gewisser Weise, jemanden
anleiten, dieses Geheimnis in all seinen Dimensionen zu erforschen: „enthüllen,
wie jenes Geheimnis Wirklichkeit geworden ist, ... mit allen Heiligen dazu fähig
sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi
zu verstehen, die alles Erkennen übersteigt. ... mehr und mehr von der ganzen
Fülle Gottes erfüllt“[11] werden. Es geht also darum, in der Person Christi den
gesamten ewigen Plan Gottes aufzuzeigen, der sich in ihr erfüllt. Es ist das
Bemühen, die Bedeutung der Taten und Worte Christi und der von ihm gewirkten
Zeichen zu verstehen; denn sie verhüllen und offenbaren zugleich sein Geheimnis.
In diesem Sinn ist es das Endziel der Katechese, jemanden nicht nur in Kontakt,
sondern in Gemeinschaft, in Lebenseinheit mit Jesus Christus zu bringen: er
allein kann zur Liebe des Vaters im Heiligen Geiste hinführen und uns Anteil am
Leben der Heiligsten Dreifaltigkeit geben.
Die Lehre Christi vermitteln
6. Christus im Zentrum der Katechese bedeutet aber auch, daß in ihr nicht
jeder seine eigene Lehre oder die eines anderen Meisters vermitteln will,
sondern die Lehre Jesu Christi, die Wahrheit, die er mitteilt, oder genauer: die
Wahrheit, die er ist[12] . Man muß also sagen, daß in der Katechese nur
Christus, das fleischgewordene Wort und der Sohn Gottes, gelehrt wird - und
alles andere im Hinblick auf ihn. Und Christus allein ist Lehrer, jeder andere
nur in dem Maße, wie er Christi Wort weitergibt und es so Christus ermöglicht,
durch seinen Mund zu lehren. Jeder Katechet - welchen Verantwortungsgrad er auch
immer in der Kirche haben mag - muß daher ständig darum besorgt sein, durch
seinen Unterricht und sein Verhalten die Lehre und das Leben Jesu selber
hervortreten zu lassen. Er sucht die Aufmerksamkeit und Zustimmung von Herz und
Verstand des Glaubensschülers keineswegs auf sich selber und die eigenen
Meinungen festzulegen. Vor allem darf er seine persönlichen Meinungen und
Wertungen nicht so aufdrängen, als wären diese die Lehre und die Lektionen aus
dem Leben Christi. Jeder Katechet müßte auf sich selber die geheimnisvollen
Worte Jesu anwenden können: „Meine Lehre stammt nicht von mir, sondern von dem,
der mich gesandt hat[13] .“ Dies tat auch der heilige Paulus, als er eine Frage
von größter Wichtigkeit behandelte: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch
überliefert habe[14] .“ Welch ständigen Umgang mit dem Wort Gottes, wie es vom
Lehramt der Kirche überliefert wird, welch inniges Verhältnis zu Christus und
zum Vater, welchen Gebetsgeist und wieviel Selbstlosigkeit muß der Katechet
haben, um sagen zu können: „Meine Lehre stammt nicht von mir!“
Christus als Lehrer
7. Diese Lehre ist nicht ein Gebäude von abstrakten Wahrheiten, sondern
vielmehr die Vermittlung des lebendigen Geheimnisses Gottes. Die Würde dessen,
der im Evangelium lehrt, sowie die Art seiner Lehre übersteigen in jeder
Hinsicht die anderen „Lehrer“ in Israel; denn es besteht ein einzigartiges Band
zwischen dem, was er sagt, was er tut und was er ist. Dennoch bleibt bestehen,
daß die Evangelien ganz klar von Augenblicken berichten, wo Jesus „lehrt“. „Was
Jesus getan und gelehrt hat[15] “: in diesen Worten am Beginn der
Apostelgeschichte faßt der heilige Lukas zwei Pole innerhalb der Sendung Christi
zusammen und unterscheidet sie zugleich.
Jesus hat gelehrt. Das bezeugt er von sich selbst: „Tag für Tag saß ich im
Tempel und lehrte[16] .“ Die Evangelisten beobachten es voll Staunen und sind
überrascht, ihn immer und überall lehren zu sehen, und zwar auf eine Weise und
mit einer Autorität, wie sie bis dahin unbekannt waren: „Wieder kam das Volk zu
ihm, und er lehrte es, wie er gewohnt war[17] “; „und sie waren bestürzt über
seine Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat[18] .“ Auch seine
Feinde stellen dies fest, um ihn deswegen anklagen und verurteilen zu können:
„Er wiegelt das Volk auf und verbreitet seine Lehre in ganz Judäa, von Galiläa
bis hierher[19] .“
Er allein »Meister«
8. Wer so lehrt, verdient in einzigartiger Weise den Titel „Meister“. Wie oft
wird er nicht im ganzen Neuen Testament und zumal in den Evangelien als
„Meister“ bezeichnet[20] ! Vor allem die Zwölf, die übrigen Jünger und die
Scharen der Zuhörer nennen ihn „Meister“, mitunter voller Bewunderung, Vertrauen
und Zärtlichkeit[21] . Sogar die Pharisäer und Sadduzäer, die Gesetzeslehrer und
die Juden im allgemeinen verweigern ihm diesen Titel nicht: „Meister, wir
möchten von dir ein Zeichen sehen[22] “; „Meister, was muß ich tun, um das ewige
Leben zu erlangen[23] ?“ Vor allem aber nennt Jesus sich selber, und zwar in
besonders feierlichen und sehr bedeutsamen Augenblicken „Meister“: „Ihr nennt
mich Meister und Herr, und ihr habt recht; denn ich bin es[24] “; er stellt
ferner die Einzigartigkeit, das Einmalige seines Meisterseins heraus: „Nur einer
ist euer Meister[25] “: Christus. Man versteht, daß im Verlauf von zwei
Jahrtausenden Menschen jeder Herkunft, Rasse und Nation ihm in allen Sprachen
der Erde diesen Titel voll Verehrung beigelegt und damit auf ihre Weise das Wort
des Nikodemus aufgegriffen haben: „Wir wissen, du bist ein Lehrer, der von Gott
gekommen ist[26] .“
Diese Gestalt des lehrenden Christus, zugleich erhaben und vertraut,
beeindruckend und ermutigend und deshalb so anziehend, daß schon die
Evangelisten sie mit ihrer Feder gezeichnet haben und danach die darstellende
Kunst seit den Anfängen des Christentums[27] sie immer wieder zu ihrem
Gegenstand erwählt hat, möchte auch ich am Beginn dieser Überlegungen zur
Katechese in der Welt von heute besonders herausstellen.
Sein ganzes Leben eine Lehre
9. Dabei bin ich mir bewußt, daß die überragende Stellung Christi als
Meister, die einzigartige Kohärenz und überzeugende Kraft seiner Lehre sich nur
dadurch erklären lassen, daß seine Worte, seine Gleichnisse und Beweise sich
niemals von seinem Leben und Sein trennen lassen. In diesem Sinn war das ganze
Leben Christi ein beständiges Lehren: die Momente seines Schweigens, seine
Wunder, seine Taten, sein Beten, seine Liebe zum Menschen, seine Vorliebe für
die Kleinen und Armen, die Annahme des letzten Opfers für die Erlösung der Welt
am Kreuz und seine Auferstehung: dies alles macht sein Wort wirklich und wahr
und vollendet seine Offenbarung. So ist für die Christen das Kruzifix eines der
erhabensten und volkstümlichsten Bilder des lehrenden Christus.
Alle diese Überlegungen, die sich an die großen Überlieferungen der Kirche
anschließen, sollen in uns die Begeisterung für Christus kräftigen, für den
Meister, der den Menschen offenbart, wer Gott ist, und auch, wer der Mensch ist;
für den Meister, der rettet, heiligt und führt, der lebt, spricht, aufrüttelt
und erschüttert, zurechtweist, richtet und verzeiht, der täglich den Weg durch
die Geschichte mit uns geht; für den Meister, der kommt und kommen wird in
Herrlichkeit.
Nur in tiefer Gemeinschaft mit ihm können die Katecheten Licht und Kraft
finden für eine echte und wünschenswerte Erneuerung der Katechese.
II.
EINE ERFAHRUNG SO ALT WIE DIE KIRCHE
Die Sendung der Apostel
10. Das Bild des lehrenden Christus hatte sich dem Geist der Zwölf und der
ersten Jünger eingeprägt, und der Auftrag: „Geht hin ... macht alle Menschen zu
meinen Jüngern[28] “ hat ihr ganzes Leben bestimmt. Der heilige Johannes bezeugt
dies in seinem Evangelium, wenn er die Worte Jesu anführt: „Ich nenne euch nicht
mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; ich habe euch
Freunde genannt, weil ich euch alles geoffenbart habe, was ich von meinem Vater
gehört habe[29] .“ Nicht sie haben sich entschlossen, Jesus zu folgen, Jesus
selbst hat sie vielmehr erwählt, sie bei sich behalten und schon vor seinem
Pascha unterwiesen, damit sie hingehen und Frucht bringen und ihre Frucht
bleibe[30] . Deswegen vertraut er ihnen nach der Auferstehung auch in
offizieller Weise die Sendung an, ihm aus allen Völkern Jünger zu gewinnen.
Das ganze Buch der Apostelgeschichte bezeugt, daß die Jünger ihrer Berufung
und dem empfangenen Auftrag treu geblieben sind. Die Mitglieder der ersten
christlichen Gemeinde zeigen sich dort beharrlich „in der Lehre der Apostel und
in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten[31] “. Man hat
hier zweifellos das bleibende Bild einer Kirche vor sich, die sich durch die
Lehre der Apostel bildet und ständig vom Wort des Herrn lebt, dieses im
eucharistischen Opfer feiert und der Welt davon Zeugnis gibt, indem sie Liebe
übt.
Als die Gegner am Tun der Apostel Anstoß nahmen, zeigten sie sich
„aufgebracht, weil sie das Volk lehrten[32] “; die Weisung, die sie ihnen gaben,
lautete daher, nicht mehr im Namen Jesu zu lehren[33] . Wir wissen jedoch, dass
die Apostel es gerade in diesem Punkt für richtig hielten, Gott mehr zu
gehorchen als den Menschen[34] .
Die Katechese zur Zeit der Apostel
11. Die Apostel zögerten nicht, den Dienst des Apostolates[35] mit anderen zu
teilen. Sie übertrugen den Auftrag zu lehren auf ihre Nachfolger. Sie übertrugen
ihn auch den Diakonen, und zwar vom Anfang ihrer Berufung an: Stephanus, „voll
Gnade und Kraft“, hört unter dem Antrieb des Geistes der Weisheit nicht auf zu
lehren[36] . Die Apostel ziehen für ihren Auftrag zu lehren „viele andere“
Jünger heran[37] ;und selbst einfache Christen, durch eine Verfolgung zerstreut,
„zogen umher und verkündeten das Wort“ der Frohen Botschaft[38] . Der heilige
Paulus ist der einzigartige Herold dieser Verkündigung, von Antiochien bis nach
Rom, wo das letzte Bild, das uns die Apostelgeschichte von ihm überliefert, das
Bild eines Menschen ist, der „mit allem Freimut über den Herrn Jesus Christus
lehrte[39] “. Seine zahlreichen Briefe ergänzen und vertiefen diese
Verkündigung. Die Briefe der heiligen Petrus, Johannes, Jakobus und Judas sind
ebenfalls Zeugnisse für die Katechese zur Zeit der Apostel.
Die Evangelien, die vor ihrer Niederschrift Ausdruck einer den christlichen
Gemeinden mündlich überlieferten Lehre waren, weisen mehr oder weniger deutlich
eine katechetische Struktur auf. Hat man nicht den Bericht des heiligen Matthäus
das Evangelium des Katecheten und den des heiligen Markus das Evangelium des
Katechumenen genannt?
Bei den Kirchenvätern
12. Die Kirche setzt diesen Lehrauftrag der Apostel und ihrer ersten
Mitarbeiter fort. Da sie sich selber Tag für Tag zu Jüngern des Herrn macht,
wird sie mit Recht „Mutter und Lehrerin“ genannt[40] . Von Klemens von Rom bis
zu Origenes[41] erlebt das nachapostolische Zeitalter das Entstehen bedeutender
Werke. Danach beobachten wir folgende eindrucksvolle Tatsache: Bischöfe und
Seelsorger und gerade die angesehensten unter ihnen, vor allem im dritten und
vierten Jahrhundert, betrachten es als einen wichtigen Teil ihres bischöflichen
Dienstes, katechetische Unterweisungen vorzutragen oder in Buchform
niederzuschreiben. Es ist die Zeit des Cyrill von Jerusalem und Johannes
Chrysostomus, des Ambrosius und Augustinus, in der wir aus der Feder so vieler
Kirchenväter Werke entstehen sehen, die für uns bleibende Vorbilder sind.
Es ist nicht möglich, hier auch nur sehr kurz das katechetische Wirken zu
schildern, das die Ausbreitung und den Weg der Kirche in den verschiedenen
Epochen der Geschichte auf allen Kontinenten und unter den verschiedensten
sozialen und kulturellen Verhältnissen getragen hat. Gewiß hat es nie an
Schwierigkeiten gefehlt. Doch hat das Wort des Herrn durch die Jahrhunderte hin
seinen Lauf genommen; es hat sich nach einem Wort des heiligen Paulus
ausgebreitet und ist verherrlicht worden[42] .
Konzile und Missionen
13. Der katechetische Dienst gewinnt auf den Konzilen immer neue Kraft. Das
Konzil von Trient bietet hier ein bemerkenswertes Beispiel: es hat in seinen
Konstitutionen und Dekreten der Katechese den Vorrang eingeräumt. Es hat den
„Römischen Katechismus“ angeregt, der auch seinen Namen trägt und ein Werk
ersten Ranges darstellt als Zusammenfassung der christlichen Lehre und der
überlieferten Theologie zum Gebrauch für die Priester. Es hat in der Kirche eine
erstaunliche Organisation der Katechese eingeleitet, die Kleriker für ihre
Verpflichtung zum katechetischen Unterricht aufgerüttelt und auch dank der
Arbeit heiliger Theologen wie Karl Borromäus, Robert Bellarmin oder Petrus
Canisius die Publikation von Katechismen zur Folge gehabt, die für die damalige
Zeit wirklich vorbildlich waren. Möchte doch das II. Vatikanische Konzil in
unseren Tagen einen ähnlichen Schwung und vergleichbare Ergebnisse bewirken!
Ein vorzügliches Wirkungsfeld für eine gute Katechese bilden auch die
Missionen. So hat das Volk Gottes sich seit fast zweitausend Jahren unaufhörlich
im Glauben erzogen und dabei Formen verwandt, die den verschiedenen Bedingungen
der Gläubigen und den vielfältigen kirchlichen Verhältnissen angepaßt waren.
Die Katechese ist mit dem ganzen Leben der Kirche eng verbunden. Nicht nur
ihre geographische Ausdehnung und ihr zahlenmäßiges Wachstum, sondern auch und
mehr noch das innere Wachstum der Kirche, ihre Übereinstimmung mit Gottes
Heilsplan, hängen wesentlich von der Katechese ab. Aus den Erfahrungen, die wir
hier aus der Geschichte der Kirche angeführt haben, verdienen einige Punkte -
unter vielen anderen - besonders herausgestellt zu werden.
Die Katechese als Recht und Pflicht der Kirche
14. Es ist vor allem deutlich, daß die Katechese für die Kirche immer eine
heilige Verpflichtung und ein unverzichtbares Recht gewesen ist. Sie ist gewiß
einerseits eine Pflicht, die sich aus dem Auftrag des Herrn herleitet und vor
allem denen obliegt, die im Neuen Bund die Berufung zum Hirtendienst empfangen.
Anderseits kann man ebenso von einem Recht sprechen: vom theologischen
Standpunkt aus hat jeder Getaufte gerade auf Grund seiner Taufe das Recht, von
der Kirche eine Unterweisung und Bildung zu empfangen, die ihm ein echt
christliches Leben ermöglichen. Vom Gesichtspunkt der Menschenrechte her hat
jede menschliche Person das Recht, die religiöse Wahrheit zu suchen und ihr in
Freiheit anzuhangen, das heißt „frei ... von jedem Zwang sowohl von seiten
einzelner wie gesellschaftlicher Gruppen, wie jeglicher menschlichen Gewalt, so
daß in religiösen Dingen niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln,
noch daran gehindert wird, ... nach seinem Gewissen zu handeln[43] .“
Daher muß die katechetische Tätigkeit unter günstigen zeitlichen und
räumlichen Bedingungen stattfinden können sowie zu den Massenmedien und
geeigneten Arbeitshilfen Zugang haben, ohne daß Eltern, Schüler oder Katecheten
diskriminiert werden. Gewiß ist heute dieses Recht mehr und mehr anerkannt,
wenigstens was die obersten Grundsätze angeht. Das bezeugen die internationalen
Erklärungen oder Abmachungen, in denen man bei all ihrer Begrenztheit doch den
Gewissenswunsch eines Großteils der Menschen von heute erkennen kann[44] .
Zahlreiche Staaten verletzen freilich dieses Recht, so daß Religionsunterricht
erteilen, erteilen lassen oder empfangen sogar zum Vergehen wird, das mit
Sanktionen zu rechnen hat. Ich erhebe deshalb gemeinsam mit den Vätern der
Synode mit allem Nachdruck meine Stimme gegen jede Diskriminierung im Bereich
der Katechese. Zugleich richte ich erneut einen dringenden Aufruf an die
Verantwortlichen, daß solche Behinderungen völlig aufhören, die die menschliche
Freiheit im allgemeinen und die Religionsfreiheit im besonderen belasten.
Eine vorrangige Aufgabe
15. Der zweite Punkt betrifft den Rang der Katechese in den Pastoralplänen
der Kirche. Je mehr diese sich fähig zeigt, auf örtlicher oder höchster Ebene
der Katechese gegenüber anderen Werken und Aufgaben, auch wenn diese
aufsehenerregendere Erfolge bringen könnten, Priorität zuzuerkennen, desto mehr
kräftigt sie durch die Katechese ihr inneres Leben als Glaubensgemeinschaft und
ihr missionarisches Wirken nach außen. Die Kirche ist gegen Ende dieses 20.
Jahrhunderts durch Gott und die Ereignisse, die ebenfalls Gottes Anruf
enthalten, dazu aufgefordert, der katechetischen Arbeit neues Vertrauen
entgegenzubringen; denn es geht hierbei um eine vorrangige Aufgabe ihrer
Sendung. Sie ist aufgerufen, ihre besten Möglichkeiten an Menschen und Energien,
ohne Arbeit und Mühen oder auch materielle Kosten zu scheuen, in den Dienst der
Katechese zu stellen, um sie besser zu organisieren und qualifiziertes Personal
dafür heranzubilden. Mehr als auf bloß menschliches Planen kommt es hier auf die
Glaubenshaltung an; der Glaube aber bezieht sich immer auf die Treue Gottes, der
mit seiner Antwort nie zögern wird.
Gemeinsame und spezielle Verantwortung
16. Ein dritter Punkt: Die Katechese war immer eine Aufgabe und muß es
bleiben, für die die ganze Kirche sich verantwortlich fühlen und bereit sein muß.
Doch kommt ihren Gliedern je nach ihrer Sendung eine unterschiedliche
Verantwortlichkeit zu. Die Oberhirten haben kraft ihres Amtes auf verschiedenen
Ebenen die höchste Verantwortung für die Förderung, Ausrichtung und
Koordinierung der Katechese. Der Papst ist sich seinerseits der obersten
Verantwortung lebhaft bewußt, die er auf diesem Gebiet hat: er findet hier Grund
für seine pastorale Sorge, aber vor allem auch eine Quelle der Freude und
Hoffnung. Die Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen haben hier ein vorrangiges
Arbeitsfeld für ihr Apostolat. Die Eltern haben auf einer anderen Ebene ihre
einmalige Verantwortung. Auch die Lehrer, die verschiedenen Mitarbeiter der
Kirche, die Katecheten und, in ihrem Bereich, die Fachleute der sozialen
Kommunikationsmittel tragen alle eine abgestufte, aber doch sehr klare
Verantwortung für die Bildung eines gläubigen Gewissens, die für das Leben der
Kirche wichtig ist und auch auf das Leben der Gesellschaft selber zurückstrahlt.
Eine der wertvollsten Früchte der Generalversammlung der Synode, die ganz der
Katechese gewidmet war, sollte sein, ein lebendiges und zum Handeln bereites
Bewußtsein dieser unterschiedlichen, aber doch allen gemeinsamen Verantwortung
in der ganzen Kirche und in allen ihren Bereichen zu wecken.
Die Aufgabe einer ständigen maßvollen Erneuerung
17. Schließlich braucht die Katechese eine ständige Erneuerung, was eine
gewisse Erweiterung ihres Begriffes, ihre Methoden, die Suche nach einer
angemessenen Sprache und die Verwendung von neuen Hilfsmitteln für die
Weitergabe der Botschaft angeht. Diese Erneuerung hat nicht immer den gleichen
Wert, und die Väter der Synode haben die Grenzen oder sogar „Mängel“ der bis
heute realisierten Formen[45] realistisch zur Kenntnis genommen, bei allem
unleugbaren Fortschritt an lebendigem katechetischem Wirken und
verheißungsvollen Initiativen. Diese Begrenztheit ist besonders schwerwiegend,
wenn sie die Integrität des Inhalts bedroht. Die „Botschaft an das Volk Gottes“
hat daher deutlich betont, daß für die Katechese „ein routinemäßiges
Wiederholen, das jede Änderung ablehnt, ebenso verhängnisvoll ist wie das
unbedachte Improvisieren, das die Probleme zu leichtfertig behandelt[46] “. Der
Konservatismus führt zum Stillstand, zur Lethargie und am Ende zur Auflösung der
Katechese. Unbedachtes Verhalten aber führt zur Verwirrung der Schüler und deren
Eltern; wenn es sich um Kinder handelt, zu jeder möglichen Entartung, zum Bruch
und schließlich zur völligen Zerstörung der Einheit. Es kommt darauf an, daß die
Kirche auch heute den Beweis erbringt, wie sie es in anderen Zeiten ihrer
Geschichte verstanden hat, daß sie bei der Suche und Anwendung neuer Wege und
Perspektiven für den katechetischen Unterricht im Sinne des Evangeliums weise,
mutig und treu ist.
III.
DIE KATECHESE INNERHALB DER SEELSORGLICHEN UND MISSIONARISCHEN TÄTIGKEIT
DER KIRCHE
Die Katechese: eine Etappe der Evangelisierung
18. Die Katechese darf nicht aus dem Gesamtzusammenhang der seelsorglichen
und missionarischen Tätigkeit der Kirche gelöst werden. Sie hat gleichwohl ihren
besonderen Stellenwert, über den die 4. Generalversammlung der Bischofssynode
während der vorbereitenden Arbeiten und bei der Tagung selber oft reflektiert
hat. Die Frage beschäftigt auch die öffentliche Meinung innerhalb und außerhalb
der Kirche.
Es ist hier nicht der Ort, eine streng formale Definition der Katechese zu
geben. Das ist ausreichend im „Allgemeinen Katechetischen Direktorium[47] “
geschehen, und es ist Sache der Fachleute, den Begriff und die Zusammenhänge der
Katechese noch weiter zu entfalten.
Angesichts der Unsicherheiten in der Praxis stellen wir einfach einige
wesentliche Gesichtspunkte heraus, wie sie im übrigen bereits in den Dokumenten
der Kirche gründlich dargelegt sind, die zu einem genauen Verständnis der
Katechese gehören und ohne die man Gefahr liefe, ihre ganze Bedeutung und
Tragweite nicht zu erfassen.
Allgemein kann man hier davon ausgehen, dass die Katechese eine
Glaubenserziehung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist, die vor allem
eine Darbietung der christlichen Lehre umfaßt, wobei man im allgemeinen
organisch und systematisch vorgeht, um die Schüler in die Fülle des christlichen
Lebens einzuführen. So verstanden ist die Katechese, ohne formal damit
zusammenzufallen, mit einer gewissen Zahl von Seelsorgsaufgaben der Kirche
verknüpft, die einen katechetischen Aspekt haben oder die Katechese entweder
vorbereiten oder aus ihr folgen: die erste Verkündigung des Evangeliums oder die
missionarische Predigt des Kerygmas, um den Glauben zu wecken, die Apologetik
oder das Bemühen um Vernunftgründe für den Glauben, die Erfahrung des
christlichen Lebens, die Feier der Sakramente, die Integration in die kirchliche
Gemeinschaft sowie das apostolische und missionarische Zeugnis.
Bedenken wir zunächst, daß zwischen Katechese und Evangelisierung weder ein
Gegensatz noch eine Trennung besteht, aber auch keine einfache Identität. Beide
sind vielmehr eng miteinander verbunden, indem sie sich gegenseitig ergänzen und
vollenden.
Das Apostolische Schreiben
Evangelii nuntiandi vom 8. Dezember 1975 über die Evangelisierung in
der Welt von heute hat mit Recht betont, daß die Evangelisierung, deren Ziel es
ist, die Frohbotschaft der ganzen Menschheit zugänglich zu machen, damit sie
davon lebt, eine reiche, vielschichtige und dynamische Wirklichkeit ist. Zu ihr
gehören wesentliche, untereinander verschiedene Elemente oder vielleicht besser
Momente, die man im Gesamtablauf einer einzigen Bewegung als Einheit sehen
muß[48] . Die Katechese ist eines dieser Momente - wohl ein sehr wichtiges -
unter allen Vorgängen der Evangelisierung.
Katechese und erste Verkündigung des Evangeliums
19. Im Unterschied zur ersten Verkündigung des Evangeliums, die zur Bekehrung
geführt hat, verfolgt die Katechese in ihrer Eigenart vor allem das doppelte
Ziel, den anfänglichen Glauben reifen zu lassen und den wahren Jünger Christi
durch eine vertiefte und mehr systematische Kenntnis der Person und Botschaft
unseres Herrn Jesus Christus weiterzubilden[49] .
In der katechetischen Praxis jedoch muß diese ideale Ordnung der Tatsache
Rechnung tragen, daß oft die erste Evangelisierung noch nicht stattgefunden hat.
Eine gewisse Anzahl von kurz nach der Geburt getauften Kindern kommt zur
Pfarrkatechese, ohne irgendeine andere Einführung in den Glauben erhalten zu
haben und ohne bisher irgendeine ausdrückliche und persönliche Bindung an Jesus
Christus zu besitzen. Sie haben lediglich die in ihnen durch die Taufe und die
Gegenwart des Heiligen Geistes grundgelegte Fähigkeit zu glauben. Dazu kommen
die Vorurteile eines wenig christlichen Familienmilieus oder einer
positivistisch ausgerichteten Erziehung, die schnell etliche Widerstände
aufbauen. Hinzurechnen muß man außerdem nichtgetaufte Kinder, für die die Eltern
erst später eine religiöse Erziehung zulassen: aus praktischen Gründen wird ihr
Weg als Katechumenen großenteils oft im Verlauf der normalen Katechese
nachgeholt. Dann sind hier zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene zu
nennen, die zwar getauft sind und eine systematische Katechese wie auch die
Sakramente empfangen haben, aber noch lange im Zweifel bleiben, ob sie ihr
ganzes Leben in bewußter Verbindung mit Christus gestalten sollen, wenn sie
nicht gar im Namen ihrer Freiheit einer religiösen Bildung auszuweichen suchen.
Die Erwachsenen schließlich sind auch selber nicht sicher vor Versuchungen zum
Zweifel oder zur Aufgabe des Glaubens, vor allem wenn eine glaubenslose Umwelt
sich auswirkt. Das heißt, die Katechese muß sich oft nicht nur darum kümmern,
den Glauben zu lehren und zu vertiefen, sondern ihn mit Hilfe der Gnade auch
ständig zu wecken, die Herzen zu öffnen und zu bekehren und alle, die sich noch
auf der Schwelle zum Glauben befinden, für ein umfassendes Ja zu Jesus Christus
vorzubereiten. Dieses Anliegen bestimmt zum Teil Ton, Sprache und Methode der
Katechese.
Spezifisches Ziel der Katechese
20. Spezifisches Ziel der Katechese bleibt dennoch, mit der Hilfe Gottes
einen noch anfanghaften Glauben zu entwickeln, das christliche Leben der
Gläubigen jeden Alters zur Fülle zu bringen und es täglich zu nähren. Es geht
tatsächlich darum, auf der Ebene des Bewußtseins und im Leben den Samen des
Glaubens zum Wachsen zu bringen, den der Heilige Geist bei der Erstverkündigung
gesät hat, bevor er dann durch die Taufe endgültig übertragen wurde.
Die Katechese möchte also das Verständnis für das Geheimnis Christi im Licht
der Heiligen Schrift entwickeln, damit der ganze Mensch hiervon geprägt wird.
Durch das Wirken der Gnade in ein neues Geschöpf umgewandelt, macht der Christ
sich so für die Nachfolge Christi bereit und lernt in Kirche immer besser, zu
denken wie er, zu urteilen wie er, zu handeln nach seinen Geboten und zu hoffen,
wie er uns einlädt.
Näherhin ist es das Ziel der Katechese im Gesamt der Evangelisierung, die
Etappe der Unterweisung und der Reifung zu sein, das heißt die Zeit, da der
Christ bereits im Glauben die Person Jesu Christi als alleinigen Herrn
angenommen und sich durch eine aufrichtige Bekehrung des Herzens ihm ganz zu
eigen gegeben hat und sich nun bemüht, diesen Christus, dem er sich anvertraut
hat, besser kennenzulernen: sein „Geheimnis“ zu verstehen und das Reich Gottes,
das er verkündet, die Forderungen und Verheißungen seiner Frohen Botschaft zu
erfassen und die Wege, die er für alle, die ihm nachfolgen wollen, aufgezeigt
hat.
Wenn Christsein also in Wahrheit das Ja zu Jesus Christus bedeutet, dann
erinnere ich daran, daß dieses Ja zwei Ebenen hat: es besteht einmal darin, sich
dem Wort Gottes auszuliefern und sich ganz darauf zu verlassen; in einem zweiten
Schritt bedeutet es aber auch das Bemühen, den tiefen Sinn dieses Wortes immer
besser zu erkennen.
Notwendigkeit einer systematischen Katechese
21. In seiner Ansprache zum Abschluß der 4. Generalversammlung der Synode
schätzte Papst Paul VI. sich glücklich zu hören, „daß alle die absolute
Notwendigkeit einer gut strukturierten und folgerichtigen Katechese betont
hatten; denn eine solche Vertiefung des Geheimnisses des Christentums
unterscheidet grundsätzlich die Katechese von allen anderen Formen der
Verkündigung des Wortes[50] “.
Angesichts der praktischen Schwierigkeiten sollen hier unter anderem folgende
Merkmale dieses Unterrichts hervorgehoben werden:
-
es muß ein systematischer Unterricht sein, der nicht improvisiert, sondern nach
einem Programm dargeboten wird, so daß ein klares Ziel erreicht werden kann;
-
es geht um einen Unterricht, der das Wesentliche behandelt, ohne den Anspruch zu
erheben, alle anstehenden Fragen zu behandeln oder zu theologischer Forschung
und wissenschaftlicher Exegese zu werden;
-
es muß dennoch ein vollständiger Unterricht sein, der nicht bei der
Erstverkündigung des christlichen Geheimnisses stehenbleibt, wie es beim Kerygma
gegeben ist;
-
es soll eine vollständige Einführung ins Christentum sein, die sich für alle
Bereiche des christlichen Lebens offenhält.
Ohne das Interesse der Katechese an den zahlreichen Gelegenheiten zu vergessen,
die sich im Zusammenhang mit dem persönlichen, familiären, sozialen oder
kirchlichen Leben bieten und die man zu nutzen wissen sollte - ich komme in
Kapitel VI darauf zurück -, bestehe ich auf der Notwendigkeit eines organischen
und systematischen Religionsunterrichts; denn von verschiedener Seite ist man
geneigt, seine Wichtigkeit herunterzuspielen.
Katechese und Erfahrung im Leben
22. Es hat keinen Sinn, die Orthopraxis gegen die Orthodoxie auszuspielen:
das Christentum besteht untrennbar aus beidem. Feste und wohlbedachte
Überzeugungen führen zu mutigem, klarem Handeln; das Bemühen um die Erziehung
der Gläubigen, damit sie heute als Jünger Christi leben, ruft nach einer
vertieften Erkenntnis des Geheimnisses Christi in der Heilsgeschichte und
erleichtert sie zugleich.
Genausowenig ist es sinnvoll, für die Preisgabe eines ernsthaften und
geordneten Studiums der Botschaft Christi einzutreten zugunsten einer Methode,
die der gelebten Erfahrung den Vorzug gibt. „Niemand kann durch eine lediglich
private Erfahrung zur umfassenden Wahrheit gelangen, d. h. ohne entsprechende
Entfaltung der Botschaft Christi, der ’Weg, Wahrheit und Leben’ ist (Joh
14, 6)[51] .“
Man sollte auch nicht weiter eine Katechese, die vom Leben ausgeht, gegen
eine traditionelle, lehrhafte und systematische Katechese ausspielen[52] . Die
echte Katechese ist immer eine geordnete und systematische Einführung in die
Offenbarung, die Gott von sich selber dem Menschen in Jesus Christus geschenkt
hat, eine Offenbarung, die im tiefen Bewußtsein der Kirche und in der Heiligen
Schrift bewahrt und fortwährend durch eine lebendige und aktive “traditio“ von
einer Generation zur anderen weitergegeben wird. Diese Offenbarung ist aber
nicht vom Leben losgelöst und auch nicht nur künstlich an seine Seite gestellt.
Sie richtet sich ja auf den letzten Sinn des Daseins, das sie vollständig mit
dem Licht des Evangeliums erleuchtet, um anzuregen oder in Frage zu stellen.
Darum können wir auf die Katecheten anwenden, was das II. Vatikanische Konzil
in besonderer Weise von den Priestern sagt: sie sind Erzieher - des Menschen und
des menschlichen Lebens - im Glauben[53] .
Katechese und Sakramente
23. Die Katechese ist von ihrem Wesen her mit dem gesamten liturgischen und
sakramentalen Handeln verbunden; denn gerade in den Sakramenten und zumal in der
Eucharistie wirkt Jesus Christus aus der Fülle seiner Person, um die Menschen
umzuwandeln.
In der Urkirche waren Katechumenat und Vorbereitung auf die Taufe und die
Eucharistie ein und dasselbe. Wenn auch die Kirche ihre Praxis in diesem Bereich
für die altchristlichen Länder geändert hat, ist doch das Katechumenat dort nie
abgeschafft worden; im Gegenteil, es erlebt sogar eine Erneuerung[54] in den
jungen Missionskirchen wird es sogar in großem Umfang praktiziert. In jedem Fall
bleibt die Katechese immer auf die Sakramente bezogen. Einerseits ist eine sehr
wichtige Form der Katechese die Vorbereitung auf den Empfang der Sakramente;
jede Katechese führt notwendig zu den Sakramenten des Glaubens hin. Anderseits
besitzt jede echte Sakramentenpraxis schon von sich aus einen katechetischen
Aspekt. Mit anderen Worten: das sakramentale Leben verarmt und wird sehr schnell
zu einem bloßen Ritus, wenn es sich nicht auf eine vertiefte Kenntnis der
Bedeutung der Sakramente gründet. Die Katechese hinwiederum wird einseitig
intellektualisiert, wenn sie nicht in einer sakramentalen Praxis Leben gewinnt.
Katechese und kirchliche Gemeinschaft
24. Die Katechese ist schließlich eng verbunden mit dem verantwortlichen Tun
der Kirche und der Christen in der Welt. Wer bereit ist, im Glauben Jesus
Christus nachzufolgen und diesen Glauben durch die Katechese zu festigen sucht,
muß ihn in Gemeinschaft mit denen leben, die die gleiche Entscheidung getroffen
haben. Die Katechese droht kraftlos zu werden, wenn nicht eine Gemeinschaft von
glaubenden und christlich lebenden Menschen den Katechumenen in einem bestimmten
Stadium seines katechetischen Unterrichts aufnimmt. Daher ist die kirchliche
Gemeinschaft auf allen ihren Ebenen in einem zweifachen Sinn für den Bereich der
Katechese verantwortlich: sie ist verantwortlich dafür, daß ihre Mitglieder eine
entsprechende Fortbildung bekommen; sie ist aber auch dafür verantwortlich, daß
sie in einem solchen Milieu Aufnahme finden, wo sie möglichst umfassend das
Gelernte leben können.
Die Katechese ist ebenfalls offen für die missionarische Dynamik. Wird sie
gut gegeben, dann ist es den Christen ein inneres Anliegen, von ihrem Glauben
Zeugnis zu geben, ihn ihren Kindern weiterzugeben, ihn anderen bekannt zu machen
und auf jede mögliche Weise der menschlichen Gemeinschaft zu dienen.
Die Notwendigkeit der Katechese im weiteren Sinn für die Reife und
Kraft des Glaubens
25. So wird also das Kerygma der Frohen Botschaft - die erste Verkündigung
voll Begeisterung und Wärme, die eines Tages den Menschen verwandelt und zur
Entscheidung geführt hat, sich Christus im Glauben anzuvertrauen - durch die
Katechese mehr und mehr vertieft, in seinen innerer Folgerungen entfaltet, durch
Überlegungen erklärt, die sich auch an der Verstand richten, sowie auf die
christliche Praxis in Kirche und Welt hingeordnet. All das entspricht nicht
weniger dem Evangelium als das Kerygma, mögen auch manche sagen, daß auf diese
Weise alles Lebendige, Spontane und Frische im Kerygma durch die Katechese zu
stark auf den Verstand hingerichtet, dadurch ausgetrocknet und schließlich
abgetötet werde. Die Wahrheiten, die in der Katechese vertieft werden, sind ja
die gleichen, die den Menschen im Herzen getroffen haben, als er sie zum
erstenmal hörte. Wenn man sie in der Katechese besser kennenlernt, sollen sie
dadurch nicht blasser oder schaler, sondern im Gegenteil noch provozierender und
entscheidender für das Leben werden.
In der hier vorgelegten Konzeption bewahrt die Katechese jene betont
pastorale Ausrichtung, die die Synode ihr zugedacht hat. Dieser weitere Sinn von
Katechese widerspricht ganz und gar nicht jenem engeren Sinn, wie er weithin in
den didaktischen Vorlagen beibehalten wird: die einfache Darlegung von Formeln,
die den Glauben ausdrücken; der erstere Sinn von Katechese umfaßt und überbietet
den zweiten.
Letztlich ist die Katechese ebenso notwendig für die Reifung des Glaubens der
Christen wie für ihr Zeugnis in der Welt: sie will die Christen zur Einheit im
Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes führen, damit sie Christus in
seiner vollen verwirklichten Gestalt darstellen[55] sie will sie ferner bereit
machen, ihre Hoffnung vor all jenen zu rechtfertigen, die darüber Rechenschaft
von ihnen fordern[56] .
IV.
DIE GANZE FROHE BOTSCHAFT AUS DER QUELLE GESCHÖPFT
Der Inhalt der Botschaft
26. Da die Katechese ein Abschnitt oder ein Aspekt der Evangelisierung ist,
dürfte ihr Inhalt ebenfalls kein anderer als der der Evangelisierung im vollen
Sinne sein: die gleiche Botschaft ‑ die Frohbotschaft vom Heil ‑, immer wieder
gehört und mit dem Herzen ergriffen, wird in der Katechese durch Reflexion und
systematisches Studium ständig vertieft, ebenso durch ein immer engagierteres
Bewußtwerden ihrer Auswirkungen im persönlichen Leben jedes einzelnen wie auch
durch ihre Einfügung in den organischen und harmonischen Zusammenhang, wie ihn
die Existenz des Christen in Gesellschaft und Welt darstellt.
Die Quelle
27. Die Katechese wird ihren Inhalt immer aus der lebendigen Quelle des
Wortes Gottes schöpfen, das uns in der Überlieferung und in der Heiligen Schrift
gegeben ist; denn „die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den
einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes“, wie das II.
Vatikanische Konzil uns erinnert hat, indem es zugleich wünschte, daß „der
Dienst des Wortes, nämlich die seelsorgliche Verkündigung, die Katechese und
alle christliche Unterweisung ... aus dem Wort der Schrift gesunde Nahrung und
heilige Kraft“ hole[57] .
Von der Überlieferung und der Heiligen Schrift als Quelle der Katechese zu
sprechen, heißt betonen, daß diese sich von Gedanken, Geist und Haltungen der
Bibel und der Evangelien durch ständigen Kontakt mit den Texten selber prägen
und durchdringen lassen muß; es heißt aber auch, darauf hinweisen, daß die
Katechese um so reicher und wirksamer sein wird, je mehr sie die Texte mit dem
Verstand und Herzen der Kirche liest und sich von der Reflexion und dem
zweitausendjährigen Leben der Kirche anregen läßt.
Unterweisung, Liturgie und Leben der Kirche entstehen aus dieser Quelle und
führen unter der Leitung der Hirten und vor allem des Lehramtes, das der Herr
ihnen anvertraut hat, dorthin zurück.
Das Credo: vorrangiger Ausdruck der Lehre
28. Ein vorrangiger Ausdruck des lebendigen Erbes, dessen Schutz ihnen
anvertraut ist, findet sich im Credo oder, konkreter, in den
Glaubensbekenntnissen, die an entscheidenden Stellen der Geschichte den Glauben
der Kirche in geglückter Synthese zusammengefaßt haben. Im Verlauf der
Jahrhunderte war ein wichtiges Element der Katechese gerade die „traditio
Symboli“ (oder die Übergabe der Zusammenfassung des Glaubens), der die Übergabe
des Herrengebetes folgte. Dieser ausdrucksstarke Ritus ist in unseren Tagen
wieder in den Ablauf des Katechumenates eingeführt worden[58] . Sollte man nicht
eine noch erweiterte, wenn auch angepaßte Verwendung vorsehen, um die überaus
wichtige Etappe zu unterstreichen, in der ein neuer Jünger Jesu Christi mit
voller Klarheit und Entschiedenheit das Glaubensgut übernimmt, das er von nun an
mit allem Ernst in sich vertiefen will?
Mein Vorgänger Paul VI. wollte in seinem „Credo des Volkes Gottes“, das er
bei Gelegenheit der Neunzehnhundertjahrfeier des Martyriums der Apostel Petrus
und Paulus proklamiert hat, die wesentlichen Elemente des katholischen Glaubens
zusammenfassen, zumal jene, die manchen größere Schwierigkeiten boten oder
vergessen zu werden drohten[59] . Für den Inhalt der Katechese ist dies ein
sicherer Bezugspunkt.
Einige unerläßliche Elemente
29. Der gleiche Papst erinnert im 3. Kapitel seines Apostolischen Schreibens
Evangelii Nuntiandi an „den wesentlichen Inhalt, die lebendige Substanz“
der Evangelisierung[60] . Für die Katechese selbst ist es notwendig, jedes
dieser Elemente ebenso gegenwärtig zu haben wie die lebendige Synthese, in der
sie zusammengefaßt sind[61] .
Ich möchte mich darum hier darauf beschränken, einige einfache Hinweise zu
geben[62] . Jedem ist zum Beispiel klar, wie wichtig es ist, dem Kind, dem
Jugendlichen oder dem, der im Glauben wächst, verständlich zu machen, „was man
von Gott erkennen kann[63] “, ihnen in gewissem Sinn sagen zu können: „Was ihr
verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch[64] “, ihnen in wenigen Worten
darlegen zu können[65] ; was das Geheimnis des Wortes Gottes ist, das Mensch
wird und das Heil des Menschen durch sein Paschamysterium erwirkt, mit anderen
Worten durch seinen Tod und seine Auferstehung, aber auch durch seine Predigt,
durch die Zeichen, die er gewirkt hat, und durch die Sakramente seiner ständigen
Gegenwart in unserer Mitte. Die Väter der Synode waren gut beraten, als sie
forderten, sich davor zu hüten, Christus allein auf seine Menschheit und seine
Botschaft auf eine bloß irdische Dimension zu reduzieren, sondern ihn vielmehr
als Sohn Gottes anzuerkennen, als den Mittler, der uns im Heiligen Geist freien
Zugang zum Vater schenkt[66] .
Wichtig ist ferner, vor den Augen des Geistes und des Herzens und im klaren
Licht des Glaubens das Ursakrament seiner Gegenwart, nämlich das Geheimnis der
Kirche, zu entfalten, die eine Gemeinschaft von sündigen Menschen ist, die aber
zugleich geheiligt sind und die Familie Gottes bilden, die durch den Herrn
zusammengeführt ist unter der Leitung jener, die der Heilige Geist zu Vorstehern
bestellt hat, die Kirche Gottes zu weiden[67] .
Wichtig ist auch darzustellen, daß die Geschichte der Menschen mit ihren
Zeichen von Gnade und Sünde, von Größe und Elend durch Gott in seinem Sohn Jesus
Christus angenommen worden ist und bereits „eine umrißhafte Vorstellung von der
künftigen Welt[68] “ bietet.
Wichtig ist schließlich, die Entsagung wie auch Freude umfassenden
Forderungen unverkürzt aufzuzeigen, die sich aus dem Zustand ergeben, den der
Apostel Paulus gern das „neue Leben[69] “ nannte, die „neue Schöpfung[70] “, in
Christus sein oder leben[71] oder das „ewige Leben in Christus Jesus[72] “, das
nichts anderes ist als das Leben in dieser Welt, freilich ein Leben nach den
Seligpreisungen, ein Leben, das sich in neuer Gestalt im Jenseits fortsetzen
soll.
Daher ist es für die Katechese so wichtig, von persönlichen moralischen
Anforderungen, wie sie dem Evangelium entsprechen, zu reden, von christlichen
Haltungen gegenüber dem Leben und der Welt, mögen sie heroisch sein oder zum
täglichen Leben gehören: wir nennen sie die christlichen oder evangelischen
Tugenden. Von daher auch der Wunsch, die Katechese solle bei ihrem Bemühen um
Glaubenserziehung auch solche Realitäten nicht vergessen, sondern sie vielmehr
richtig darlegen, wie zum Beispiel das Handeln des Menschen für seine integrale
Befreiung[73] , die Suche nach einer mehr solidarischen und brüderlichen
Gesellschaft, das Ringen um Gerechtigkeit und den Aufbau des Friedens.
Man darf übrigens nicht meinen, diese Dimension der Katechese sei absolut
neu. Schon in der Väterzeit haben die heiligen Ambrosius und Johannes
Chrysostomus, um nur diese zu nennen, die Bedeutung der sozialen Folgerungen aus
dem Anspruch des Evangeliums betont, und in unserer Zeit zählt der Katechismus
des heiligen Pius X. ausdrücklich zu den himmelschreienden Sünden auch die
Unterdrückung der Armen und die Verweigerung des gerechten Lohnes für die
Arbeiter[74] . Besonders seit der Enzyklika Rerum Novarum ist die Sorge
um die sozialen Verhältnisse ein bestimmendes Thema in der katechetischen
Unterweisung der Päpste und Bischöfe. Viele Väter der Synode haben mit
berechtigtem Nachdruck gefordert, daß das reiche Erbe der Soziallehre der Kirche
in entsprechender Form bei der normalen katechetischen Unterweisung der
Gläubigen seinen Platz finde.
Vollständigkeit des Inhalts
30. Was den Inhalt der Katechese betrifft, verdienen drei wichtige Punkte in
unseren Tagen eine besondere Aufmerksamkeit.
Der erste betrifft die Vollständigkeit dieses Inhalts. Damit die Opfergabe
seines Glaubens[75] vollkommen sei, hat jeder Jünger Christi das Recht, „das
Wort des Glaubens[76] “ nicht verstümmelt, verfälscht oder verkürzt zu
empfangen, sondern voll und ganz, in all seiner Macht und Kraft. Wer die
Vollständigkeit der Botschaft in irgendeinem Punkt aufgibt, entleert in
gefährlicher Weise die Katechese selbst und setzt die Früchte aufs Spiel, die
Christus und die Gemeinschaft der Kirche mit Recht von ihr erwarten. Es ist
gewiß kein Zufall, daß der abschließende Auftrag Jesu im Mattäusevangelium eine
gewisse Totalität aufweist: „Mir ist alle Macht gegeben ... geht zu allen
Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern ... lehrt sie, alles zu
befolgen ... Ich bin bei euch alle Tage.“ Wenn darum jemand bereits ahnt, daß
„die Erkenntnis Christi Jesu . .. alles übertrifft[77] “, der er im Glauben
begegnet ist, und das vielleicht noch unbewußte Verlangen in sich trägt,
Christus noch besser kennenzulernen in einer Predigt und Lehre, die der Wahrheit
entspricht, welche Jesus ist[78] , dann darf man ihm unter keinem Vorwand
irgendeinen Teil dieser Kenntnis verweigern. Was wäre das für eine Katechese,
die keinen vollen Raum mehr ließe für Themen wie die Erschaffung des Menschen
und seine Ursünde, der Erlösungsplan unseres Gottes und dessen lange, liebevolle
Vorbereitung und Verwirklichung, die Menschwerdung des Sohnes Gottes, Maria ‑
die Immakulata, die Mutter Gottes, immerwährende Jungfrau, mit Leib und Seele
zur himmlischen Herrlichkeit erhoben ‑ und ihre Stellung im Geheimnis des
Heiles, das Geheimnis des Bösen, das in unserem Leben am Werk ist[79] , und die
Kraft Gottes, die uns davon befreit, die Notwendigkeit der Buße und der Aszese,
die sakramentalen und liturgischen Riten, die Realpräsenz in der heiligen
Eucharistie, die Teilhabe am göttlichen Leben auf Erden und im Jenseits usw.?
Daher ist auch kein wahrer Katechet berechtigt, nach eigenem Gutdünken das
Glaubensgut aufzuteilen und zu trennen zwischen dem, was er für wichtig hält,
und anderem, was ihm unwichtig erscheint, um dann das eine zu lehren und das
andere zu unterschlagen.
Mit Hilfe geeigneter pädagogischer Methoden
31. Dies führt zu einem zweiten Punkt: es kann sein, daß es bei der heutigen
Lage der Katechese Gründe der Methodik oder Pädagogik ratsam erscheinen lassen,
die Vermittlung des reichen Inhaltes der Katechese auf diese und nicht auf eine
andere Weise durchzuführen. Im übrigen dispensiert die Vollständigkeit ja nicht
vom Bemühen um Gleichgewicht, um einen organischen und gestuften Aufbau, durch
den man den darzubietenden Wahrheiten, den zu vermittelnden Normen wie den
aufzuzeigenden Möglichkeiten des christlichen Lebens das ihnen jeweils
entsprechende Gewicht zuteilt. Es kann auch sein, daß sich eine bestimmte
Sprache für die Übermittlung dieses Inhaltes an diese Person oder Gruppe von
Personen als geeigneter erweist. Die getroffene Wahl wird insoweit gelten
können, wie sie nicht von mehr oder weniger subjektiven Theorien und Vorurteilen
ausgeht oder von einer bestimmten Ideologie geprägt ist, sondern vom demütigen
Bemühen, einem Inhalt noch besser gerecht zu werden, der voll und ganz erhalten
bleiben muß. Methode und Sprachform, die man verwendet, müssen wirklich
Werkzeuge bleiben, um die Gesamtheit und nicht nur einen Teil der „Worte des
ewigen Lebens[80] “ oder von den „Wegen des Leben[81] “ mitzuteilen.
Ökumenische Dimension der Katechese
32. Die gewiß vom Geiste Jesu angeregte große Bewegung, die seit einigen
Jahren die katholische Kirche zusammen mit anderen Kirchen oder christlichen
Konfessionen dazu drängt, sich um die Wiederherstellung der vollkommenen Einheit
zu bemühen, wie sie der Herr gewollt hat, veranlaßt mich, vom ökumenischen
Charakter der Katechese zu sprechen. Diese Bewegung hat auf dem II.
Vatikanischen Konzil ihre volle Bedeutung gewonnen[82] und sich seit dem Konzil
noch weiter ausgedehnt und in einer eindrucksvollen Reihe von Ereignissen und
Initiativen, die inzwischen allen bekannt sind, konkretisiert.
Die Katechese darf von dieser ökumenischen Dimension nicht absehen; denn alle
Gläubigen sind aufgerufen, sich je nach ihrer Fähigkeit und Stellung in der
Kirche in die Bewegung zur Einheit hin einzureihen[83] .
Die Katechese ist ökumenisch ausgerichtet, wenn sie ohne Verzicht darauf, daß
die Fülle der geoffenbarten Wahrheiten und der von Christus eingesetzten
Heilsmittel in der katholischen Kirche gegeben ist[84] , diese Lehre doch mit
aufrichtigem Respekt in Wort und Tat gegenüber den kirchlichen Gemeinschaften
vorträgt, die nicht in voller Gemeinschaft mit dieser unserer Kirche leben.
In diesem Zusammenhang ist es außerordentlich wichtig, die anderen Kirchen
und kirchlichen Gemeinschaften korrekt und loyal darzustellen; denn der Geist
Christi weigert sich nicht, sie als Mittel zum Heil zu benutzen, und „einige, ja
sogar viele und bedeutende Elemente oder Güter, aus denen insgesamt die Kirche
erbaut wird und ihr Leben gewinnt, können auch außerhalb der sichtbaren Grenzen
der katholischen Kirche existieren[85] “. Eine solche Darstellung wird unter
anderem den Katholiken einerseits helfen, ihren eigenen Glauben zu vertiefen;
anderseits lernen sie so die anderen christlichen Brüder besser kennen und
schätzen, so daß das gemeinsame Suchen des Weges zur vollen Einheit in der
ganzen Wahrheit erleichtert wird. Sie müßte auch den Nichtkatholiken helfen, die
katholische Kirche mit ihrer Überzeugung, das „allgemeine Heilsmittel“ zu sein,
besser kennen und schätzen zu lernen.
Die Katechese ist ökumenisch ausgerichtet, wenn sie ferner ein echtes
Verlangen nach Einheit weckt und nährt; noch mehr, wenn sie ernsthafte
Anstrengungen anregt ‑ eingeschlossen das Bemühen, sich in Demut und in der Glut
des Geistes zu reinigen, um die Wege freizulegen ‑ nicht für einen billigen
Irenismus, der durch Auslassungen und Nachgeben in der Lehre zustande kommt,
sondern auf die vollkommene Einheit hin, wann und wie der Herr sie will.
Die Katechese ist schließlich ökumenisch, wenn sie sich bemüht, die
katholischen Kinder und Jugendlichen sowie die Erwachsenen darauf vorzubereiten,
im Kontakt mit Nichtkatholiken zu leben und dabei ihre katholische Identität mit
Respekt vor dem Glauben der anderen zu wahren.
Ökumenische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Katechese
33. Wo mehrere Konfessionen miteinander leben, können es die Bischöfe für
opportun oder gar notwendig erachten, gewisse Versuche zur Zusammenarbeit
zwischen Katholiken und anderen Christen auf dem Gebiet der Katechese zu machen,
in Ergänzung der normalen Katechese, welche die Katholiken auf jeden Fall
erhalten müssen. Solche Versuche finden ihr theologisches Fundament in den
Elementen, die allen Christen gemeinsam sind[86] . Doch ist die Gemeinschaft im
Glauben zwischen den Katholiken und den anderen Christen nicht vollständig und
vollkommen; in gewissen Fällen gibt es sogar tiefe Unterschiede. Die ökumenische
Zusammenarbeit ist daher ihrer Natur nach begrenzt: sie darf niemals eine
„Reduktion“ auf das gemeinsame Minimum bedeuten. Außerdem besteht die Katechese
nicht nur darin, die Lehre zu vermitteln, sondern auch in das ganze christliche
Leben einzuführen und zur vollen Teilnahme an den Sakramenten der Kirche zu
bringen. Daher ist es notwendig, dort, wo man auf dem Gebiet der Katechese
ökumenisch zusammenarbeitet, darauf zu achten, daß die Bildung der Katholiken in
der katholischen Kirche, was Lehre und christliches Leben betrifft, genügend
sichergestellt ist.
Eine Anzahl von Bischöfen hat im Verlauf der Synode auf die nach ihrer
Meinung immer häufigeren Fälle hingewiesen, wo die zivile Autorität oder andere
Umstände in den Schulen einiger Länder einen Religionsunterricht vorschreiben ‑
mit den entsprechenden Handbüchern, Stundenplänen usw. ‑, der für Katholiken und
Nichtkatholiken gemeinsam ist. Man braucht wohl kaum darauf hinzuweisen, daß es
sich hierbei nicht um echte Katechese handelt. Aber auch ein solcher Unterricht
hat seine ökumenische Bedeutung, wenn er die christliche Lehre loyal darstellt.
Wo die Umstände einen solchen Unterricht erzwingen, muß auf andere Weise mit um
so größerer Gewissenhaftigkeit eine wirklich katholische Katechese gesichert
sein.
Das Problem der Schulbücher für verschiedene Religionen
34. Ein weiterer Hinweis ist hier anzufügen, der, wenn auch aus anderer
Sicht, in die gleiche Richtung deutet. Es kommt vor, daß staatliche Schulen den
Schülern Bücher zur Verfügung stellen, die von einem kulturellen ‑ historischen,
moralischen oder literarischen ‑ Standpunkt aus die verschiedenen Religionen,
darunter auch die katholische, darstellen. Eine objektive Darstellung der
historischen Fakten der Religionen und der verschiedenen christlichen
Bekenntnisse kann auch hier zu einem besseren gegenseitigen Verständnis
beitragen. Man wird daher darauf achten, das Mögliche zu tun, damit die
Darstellung wirklich objektiv ist, geschützt vor ideologischen und politischen
Systemen oder Vorurteilen, die sich als wissenschaftlich ausgeben, aber den
wahren Sinn der Darstellung nur entstellen würden. Es ist klar, dass man solche
Handbücher keinesfalls als katechetische Werke betrachten kann: dafür fehlt
ihnen das Zeugnis von gläubigen Menschen, die ihren Glauben für andere Gläubige
darlegen. Es fehlt ihnen auch das Verständnis der christlichen Mysterien und des
spezifisch Katholischen, so wie es sich aus dem Kern des Glaubens ergibt.
V.
ALLE BEDÜRFEN DER KATECHESE
Die Bedeutung der Kinder und Jugendlichen
35. Das Thema, welches mein Vorgänger Paul VI. der 4. Generalversammlung der
Bischofssynode gegeben hatte, lautete: „Die Katechese in unserer Zeit, mit
besonderer Berücksichtigung der Kinder‑ und Jugendkatechese“. Die wachsende Zahl
und Bedeutung der Jugendlichen ist ohne Zweifel für einen Großteil der heutigen
Welt eine Tatsache, die zu größten Hoffnungen und zugleich zu Besorgnis Anlaß
gibt. In gewissen Ländern, vor allem der Dritten Welt, ist mehr als die Hälfte
der Bevölkerung unter 25 oder 30 Jahren alt. Das bedeutet viele Millionen Kinder
und Jugendliche, die sich auf ihre Zukunft als Erwachsene vorbereiten. Dabei
geht es nicht nur um ihre große Zahl: jüngste Ereignisse wie auch die
Tageschronik sagen uns, daß diese unzählbare Schar von Jugendlichen, selbst wenn
sie hier und da von Unsicherheit und Furcht beherrscht ist, durch die Flucht in
die Gleichgültigkeit oder das Rauschgift verführt oder sogar zu Nihilismus und
Gewaltanwendung versucht wird, dennoch in ihrer Mehrheit die große Kraft
darstellt, die sich unter vielen Gefahren zum Ziel setzt, die Zivilisation der
Zukunft aufzubauen.
Wir fragen uns in unserer pastoralen Sorge: wie soll man dieser großen Schar
von Kindern und Jugendlichen Jesus Christus, den menschgewordenen Gott,
verkünden? Wie ihn bekannt machen nicht nur in der Begeisterung einer ersten
flüchtigen Begegnung, sondern so, daß seine Person, seine Botschaft, Gottes
Heilsplan, den er offenbaren wollte, täglich tiefer und klarer erkannt werden;
daß der Aufruf, den er an jeden richtet, und das Reich, das er in dieser Welt
mit der “kleinen Herde[87] “ derer, die an ihn glauben, errichten will, das sich
aber erst in der Ewigkeit vollendet, immer besser verstanden werden? Wie sollen
wir den Sinn, die Tragweite und die fundamentalen Anforderungen, das Gesetz der
Liebe, die Verheißungen und die Hoffnungen dieses Reiches bekanntmachen?
Hier gäbe es viel zu sagen über die besonderen Charakterzüge, die die
Katechese für die verschiedenen Altersstufen aufweist.
Kleinkinder
36. Ein oft entscheidender Abschnitt ist jene Zeit, wo das Kleinkind von
seinen Eltern und aus dem Familienmilieu die ersten Elemente der Katechese
empfängt, die ihm vielleicht nur in schlichter Form den himmlischen Vater in
seiner Güte und Fürsorge offenbaren, dem es sein Herz zuzuwenden lernt. Durch
sehr kurze Gebete, die es zu stammeln lernt, beginnt es ein liebevolles Gespräch
mit dem verborgenen Gott, dessen Wort es später hören wird. Vor christlichen
Eltern können wir kaum zuviel auf dieser frühzeitigen Einführung bestehen, wo
die Fähigkeiten des Kindes in ein vitales Verhältnis zu Gott integriert sind:
eine Aufgabe von entscheidender Bedeutung, die große Liebe und tiefe Ehrfurcht
vor dem Kind verlangt, das ein Anrecht auf eine einfache und wahre Darstellung
des christlichen Glaubens hat.
Kinder
37. Bald kommt in der Schule und in der Kirche, in der Pfarrei oder in der
religiösen Betreuung an einem katholischen Institut oder an einer staatlichen
Schule, wenn sich das Kind einen umfassenderen sozialen Bereich erschließt, der
Augenblick für eine Katechese, deren Aufgabe es ist, das Kind organisch in das
Leben der Kirche einzuführen und auch unmittelbar auf die Feier der Sakramente
vorzubereiten. Gemeint ist eine didaktische Katechese, die aber auf ein gelebtes
Glaubenszeugnis hingeordnet ist; eine einführende Katechese, die aber nicht
bruchstückhaft ist, denn sie soll, wenn auch in elementarer Form, alle
hauptsächlichen Glaubensgeheimnisse und ihre Bedeutung für das sittliche und
religiöse Leben des Kindes erschließen; eine Katechese, die den Sinn der
Sakramente aufzeigt, aber zugleich von den gelebten Sakramenten her einen Bezug
zum Leben erhält, der sie davor bewahrt, rein lehrhaft zu bleiben; eine
Katechese, die dem Kind die Freude vermittelt, in seinem Lebensmilieu Zeuge für
Christus zu sein.
Jugendliche
38. Es folgt die Zeit der Pubertät und des Jugendalters mit allem, was dieses
an Großem und Gefahrvollem einschließt. Der Mensch entdeckt jetzt sich selbst
und die Welt seines eigenen Inneren, er entwirft hochherzigePläne, erwacht zum
Empfinden der Liebe, wie er anderseits den biologischen Trieben der Sexualität
begegnet; er erfährt den Wunsch nach Zusammensein und eine besonders tiefe
Freude, die mit der berauschenden Entdeckung des Lebens verbunden ist. Oft ist
dies aber auch das Alter der tiefer dringenden Fragen, des angstvollen Suchens,
das sogar vergeblich erscheinen kann, eines gewissen Mißtrauens gegen die
anderen, eines gefährlichen Sichzurückziehens auf sich selber; es ist zuweilen
das Alter der ersten Niederlagen und Enttäuschungen. Die Katechese darf diese
leicht veränderlichen Aspekte in diesem delikaten Lebensabschnitt nicht
ignorieren. Eine Katechese, die es versteht, den Jugendlichen zu einer
kritischen Prüfung seines eigenen Lebens und zum Dialog zu führen, die seine
großen Fragen ‑ die Hingabe seiner selbst, die Glaubenshaltung, die Liebe und
ihre Vermittlung, die Sexualität ‑ nicht übergeht, kann von entscheidender
Bedeutung sein. Die Darstellung Jesu Christi als Freund, als Führer und Vorbild,
das Bewunderung weckt und doch nachahmbar bleibt; die Einführung in seine
Botschaft, die auf die grundlegenden Fragen Antwort gibt; die Entfaltung des
Heilsplans der Liebe Christi, des Erlösers, als Menschwerdung der einzig wahren
Liebe und Ermöglichung der Einheit unter den Menschen: all das kann die
Grundlage zu einer echten Erziehung im Glauben bieten. Vor allem die Geheimnisse
des Leidens und Sterbens Jesu, denen der heilige Paulus das Verdienst seiner
glorreichen Auferstehung zuschreibt, können sehr zum Bewußtsein und Herzen des
Jugendlichen sprechen und Licht ausbreiten über seine ersten leidvollen
Erfahrungen mit sich selber und der Welt, die er entdeckt.
Heranwachsende
39. Mit dem Alter des Heranwachsens kommt die Stunde der ersten großen
Entscheidungen. Vielleicht unterstützt durch die Mitglieder seiner Familie und
durch Freunde und doch wieder sich selber und seinem sittlichen Gewissen
überlassen, muß der Jugendliche immer häufiger und entscheidender die
Verantwortung für sein Schicksal selbst übernehmen. Gut und Böse, Gnade und
Sünde, Leben und Tod ringen immer mehr miteinander in seinem Inneren, natürlich
als moralische Kategorien, aber auch und vor allem als Grundentscheidungen, die
er im Bewußtsein seiner Eigenverantwortung mit klarem Entschluß annehmen oder
verwerfen muß. Es ist evident, daß eine Katechese, die im Namen der
Hochherzigkeit den Egoismus anprangert, die ohne falsche Vereinfachung und
illusorische Schematisierung den christlichen Sinn der Arbeit, des Gemeinwohls,
der Gerechtigkeit und Liebe darlegt, eine Katechese über den Frieden zwischen
den Völkern und über die Förderung der Würde des Menschen, über Entwicklung und
Befreiung, wie sie in den jüngeren Dokumenten der Kirche dargelegt wird[88] , im
Geist der Jugendlichen eine gute Katechese über die eigentlich religiösen
Wirklichkeiten, die man natürlich niemals vernachlässigen darf, glücklich
ergänzt. Die Katechese gewinnt hier also eine erhebliche Bedeutung, denn nun
kann das Evangelium angeboten, verstanden und angenommen werden, insofern es dem
Leben einen Sinn geben kann und daher sonst unerklärliche Haltungen anzuregen
vermag: Entsagung, Gelöstheit, Sanftmut, Gerechtigkeit, Engagement und
Versöhnung, Sinn für das Absolute und das Unsichtbare usw. Alle diese Einzelzüge
werden einen solchen jungen Menschen unter seinen Gefährten als Jünger Jesu
Christi kennzeichnen.
Die Katechese bereitet so auf die entscheidenden christlichen Pflichten des
Erwachsenenlebens vor. Was zum Beispiel die Berufungen zum Priester- und
Ordensberuf betrifft, so werden gewiß viele geweckt im Verlauf einer Katechese,
die während der Kindheit und Jugendzeit gut gegeben wird.
Von der ersten Kindheit bis zur Schwelle der Reife wird die Katechese so zu
einer ständigen Schulung im Glauben und folgt den großen Abschnitten des Lebens.
Sie gleicht einem Leuchtturm, der den Weg des Kindes, des Jugendlichen und des
Heranwachsenden erhellt.
Anpassung der Katechese an die jungen Menschen
40. Es ist tröstlich festzustellen, daß während der 4. Generalversammlung der
Synode und während der folgenden Jahre die Kirche weithin dieses Anliegen
geteilt hat: wie soll man Kindern und Jugendlichen die Katechese erteilen? Gebe
Gott, daß die so geweckte Aufmerksamkeit im Bewußtsein der Kirche lange lebendig
bleibt! In diesem Sinn war die Synode für die ganze Kirche kostbar, denn sie hat
sich bemüht, mit möglichst großer Genauigkeit das komplexe Bild der Jugend von
heute zu zeichnen; sie hat gezeigt, daß diese Jugend eine Sprache verwendet, in
die man mit Geduld und Umsicht die Botschaft Christi übersetzen können muß, ohne
sie zu verraten; sie hat bewiesen, daß diese Jugend trotz allen Anscheins, wenn
auch oft auf noch unklare Weise, tief im Herzen nicht nur bereit und offen ist,
sondern sich wirklich danach sehnt, diesen „Jesus ..., den man Christus
nennt[89] “, kennenzulernen; sie hat schließlich klargemacht, daß die
katechetische Arbeit, wenn man sie mit Kraft und Entschlossenheit betreiben
will, heute schwieriger und ermüdender ist als je zuvor wegen aller Arten von
Hindernissen und Schwierigkeiten, denen sie begegnet; daß sie aber zugleich auch
tröstlicher ist wegen der Tiefe der Antworten, die sie von Seiten der Kinder und
Jugendlichen erhält. Hier liegt ein Schatz, mit dem die Kirche in den kommenden
Jahren rechnen kann und muß.
Bestimmte Gruppen von jugendlichen Adressaten der Katechese erfordern
aufgrund ihrer besonderen Lage eine eigene Aufmerksamkeit.
Die Behinderten
41. Es geht hier vor allem um körperlich oder geistig behinderte Kinder und
Jugendliche. Sie haben ebenso wie die anderen Gleichaltrigen das Recht, das
„Geheimnis des Glaubens“ kennenzulernen. Die größeren Schwierigkeiten, denen sie
begegnen, machen ihr Bemühen und das ihrer Erzieher nur um so verdienstvoller.
Es ist erfreulich festzustellen, daß katholische Verbände, die sich besonders
der behinderten Jugendlichen annehmen, bereitwillig ihre Erfahrungen auf diesem
Gebiet der Synode unterbreitet und von ihr ein vertieftes Verlangen mitgenommen
haben, diesem wichtigen Problem noch besser zu entsprechen. Sie verdienen, bei
diesem Bemühen aufrichtig ermutigt zu werden.
Jugendliche ohne religiösen Halt
42. Ich denke dann an die immer zahlreicher werdenden Kinder und
Jugendlichen, die in nichtchristlicher Umgebung geboren werden und heranwachsen
oder zumindest dort, wo man den Glauben nicht praktiziert, die aber dennoch den
christlichen Glauben kennenlernen möchten. Auch für sie muß eine angepaßte
Katechese gesichert werden, damit sie im Glauben wachsen und aus ihm in
zunehmendem Maße leben können, auch ohne Halt von außen, ja vielleicht trotz des
Widerstandes, den sie in ihrem Milieu finden.
Erwachsene
43. Verfolge ich nun weiter die Reihe der Adressaten der Katechese, muß ich
hier auf eine der immer wieder geäußerten Sorgen der Väter der Synode hinweisen,
die sich nachdrücklich und dringend aus den Erfahrungen ergibt, welche man
derzeit in der ganzen Welt machen kann: es geht um das zentrale Problem der
Erwachsenenkatechese. Dies ist die hauptsächliche Form der Katechese, denn sie
richtet sich an Personen, welche die größte Verantwortung und Fähigkeit
besitzen, die christliche Botschaft in ihrer voll entwickelten Form zu leben[90]
. Die christliche Gemeinde kann keine ständige Katechese anbieten, ohne die
direkte, auf Erfahrung gestützte Teilnahme der Erwachsenen, ob sie nun
Adressaten oder Förderer der katechetischen Tätigkeit sind. Die Welt, in der die
Jugendlichen zu leben und den Glauben zu bezeugen haben, den die Katechese
vertiefen und festigen möchte, ist von den Erwachsenen beherrscht: deren Glaube
müßte deshalb ebenfalls ständig weitergeführt, angeregt und erneuert werden,
damit sie mit ihm die zeitlichen Dinge, für die sie Verantwortung tragen,
durchdringen. So muß die Katechese, um wirksam zu sein, stets fortgesetzt
werden, denn sie wäre wohl sicher vergeblich, wenn sie gerade an der Schwelle
des reifen Alters aufhören würde, da sie sich doch, wenn auch unter anderer
Form, für die Erwachsenen als nicht weniger notwendig erweist.
Quasi-Katechumenen
44. Unter diesen Erwachsenen, die der Katechese bedürfen, richtet sich unsere
missionarische Hirtensorge vor allem auf jene, die in einer noch nicht
verchristlichten Umgebung geboren und aufgewachsen sind und nie Gelegenheit
hatten, die christliche Lehre zu vertiefen, welcher sie eines Tages auf ihrem
Lebensweg begegnet sind; wir denken an jene, die in ihrer Kindheit eine dem
damaligen Alter entsprechende Katechese bekommen haben, aber sich dann von jeder
religiösen Praxis entfernten und nun im reifen Alter mit nur kindhaften
religiösen Kenntnissen dastehen; wir denken an jene, die an den Folgen einer
gewiß zeitig begonnenen, aber schlecht erteilten oder schlecht aufgenommenen
Katechese leiden; an jene, die zwar in christlichen Ländern und oft sogar in
soziologisch christlicher Umgebung geboren sind, aber nie in ihrem Glauben
weitergebildet wurden und so als Erwachsene noch wirkliche Katechumenen sind.
Verschiedene sich ergänzende Formen der Katechese
45. Die Erwachsenen jeden Alters, einschließlich des Greisenalters ‑ das
aufgrund seiner Erfahrung und seiner Probleme eine besondere Aufmerksamkeit
verdient ‑, sind also ebenso wie die Kinder, die Jugendlichen und
Heranwachsenden Adressaten der Katechese. Man müßte noch von den Menschen
unterwegs reden, von den durch die moderne Entwicklung an den Rand gedrängten
Menschen und jenen, die in Quartieren von Großstädten leben, wo oft Kirchen,
Versammlungsräume und angemessene Strukturen fehlen ... Wie sollten wir nicht
wünschen, daß für alle sich die Initiativen vermehren, die sich für ihre
christliche Bildung durch geeignete Hilfsmittel einsetzen (audiovisive Anlagen,
Kleinschriften, Begegnungen und Vorträge), so daß viele Erwachsene eine
ungenügend oder mangelhaft gebliebene Katechese ergänzen, auf höherem Niveau als
dem in der Kindheit erreichten harmonisch vervollkommnen oder sich auch in
diesem Bereich derart weiterbilden können, daß sie noch ernsthafter anderen zu
helfen vermögen.
Es ist ferner wichtig, daß Katechese für Kinder und Jugendliche, ständige
Katechese und Erwachsenenkatechese keine beziehungslos gegeneinander
abgeschlossene Bereiche sind. Noch weniger darf ein Bruch zwischen ihnen
bestehen. Man muß sich im Gegenteil dafür einsetzen, daß sie sich vollkommen
ergänzen: die Erwachsenen haben den Jugendlichen und Kindern in der Katechese
viel zu geben, sie können von diesen aber auch viel zum Wachstum ihres eigenen
christlichen Lebens empfangen.
Es muß noch einmal gesagt werden: in der Kirche Jesu Christi dürfte sich
niemand von der katechetischen Unterweisung dispensiert fühlen. Das ist sogar
der Fall bei den jungen Seminaristen und Ordensleuten und bei allen, die für die
Aufgabe als Hirten und Katecheten berufen sind: sie werden diesen Beruf um so
besser erfüllen, je demütiger sie bei der Kirche, der großen Katechetin und
Katechisierten zugleich, in die Schule gehen.
VI.
ÜBER EINIGE WEGE UND MITTEL DER KATECHESE
Soziale Kommunikationsmittel
46. Von der mündlichen Unterweisung der Apostel über die Briefe, die man
unter den jungen Kirchen in Umlauf brachte, bis zu den modernsten Hilfsmitteln
hat die Katechese nicht aufgehört, nach den geeignetsten Wegen und Mitteln für
ihre Aufgabe zu suchen unter aktiver Beteiligung von Gemeinschaften und der
Anleitung der Hirten. Dieses Bemühen muß fortgesetzt werden.
Ich denke spontan an die großen Möglichkeiten, welche die sozialen
Kommunikationsmittel und die Medien der Gruppenkommunikation bieten: Fernsehen,
Radio, Presse, Schallplatten und bespielte Tonbänder, der gesamte audiovisuelle
Bereich. Die auf diesem Gebiet unternommenen Anstrengungen sind derart, daß sie
zu den größten Hoffnungen berechtigen. Die Erfahrung zeigt zum Beispiel die
tiefe Wirkung einer Radio‑ oder Fernsehkatechese, wenn sie geschmackvollen Stil
von Niveau mit vorbehaltloser Treue zum Lehramt zu verbinden weiß. Die Kirche
hat heute viele Gelegenheiten, diese Probleme zu behandeln ‑ darin
eingeschlossen auch Tage der sozialen Kommunikationsmittel ‑, ohne daß es trotz
ihrer grundlegenden Bedeutung erforderlich wäre, hier näher darauf einzugehen.
Bessere Nutzung zahlreicher Orte, Anlässe oder Begegnungen
47. Ich denke auch an verschiedene Anlässe von großem Wert, wo die Katechese
ihren vorzüglichen Platz hat: zum Beispiel an die diözesanen, regionalen oder
nationalen Wallfahrten, die auf ein sorgsam ausgewähltes Thema ausgerichtet
sind, angefangen vom Leben Christi, der Jungfrau Maria und der Heiligen; an die
oft zu hastig abgeschafften traditionellen Volksmissionen, die für eine
periodische und kraftvolle Erneuerung des christlichen Lebens unersetzlich sind
‑ man sollte sie wieder aufgreifen und verjüngen; an die Bibelkreise, die über
die wissenschaftliche Exegese hinausgehen müssen, um dazu anzuregen, daß man vom
Worte Gottes lebt; an die Zusammenkünfte der kirchlichen Basisgemeinschaften,
soweit sie den im Apostolischen Schreiben Evangelii Nuntiandi[91]
angeführten Kriterien entsprechen. Ferner erwähne ich die Jugendgruppen, die in
gewissen Gebieten unter verschiedenen Namen und Formen, aber immer mit demselben
Ziel, nämlich Christus besser kennenzulernen und das Evangelium zu leben, sich
ausbreiten und aufblühen wie in einem für die Kirche sehr verheißungsvollen
Frühling: Gruppen der Katholischen Aktion, Caritaskreise, Gebetsgemeinschaften,
Meditationsgruppen usw. Diese Gruppen wecken große Hoffnungen für die Kirche von
morgen. Doch bitte ich im Namen Jesu inständig die in ihnen vereinten
Jugendlichen, ihre Verantwortlichen und die Priester, die sich ihnen mit bestem
seelsorglichem Einsatz widmen: gestattet um keinen Preis, daß diese Gruppen mit
ihren einzigartigen Möglichkeiten zur Begegnung, die so reich an Werten wie
Freundschaft und Solidarität unter den Jugendlichen, an Freude und Begeisterung,
an Reflexion über Geschehnisse und Dinge sind, das gründliche Studium der Lehre
Christi versäumen. Sie kämen sonst in Gefahr ‑ was leider auch schon allzuoft
geschehen ist ‑, ihre Anhänger und die Kirche selber zu enttäuschen.
Der katechetische Einsatz, der in diesen verschiedenen Bereichen und noch
vielen anderen möglich ist, hat um so mehr Aussicht, angenommen zu werden und
Frucht zu bringen, je mehr er seine eigene Natur bewahrt. Wenn er dort auf
angemessene Weise erfolgt, kann er jene verschiedenen, sich aber ergänzenden
katechetischen Möglichkeiten verwirklichen, wodurch sich der ganze Reichtum
seines Grundanliegens zu entfalten vermag mit den drei Dimensionen von Wort,
Gedächtnis und Zeugnis ‑ von Lehre, liturgischer Feier und konsequenter
Lebensführung ‑, wie die Botschaft der Synode an das Volk Gottes hervorgehoben
hat[92] .
Die Predigt
48. Dies gilt um so mehr von der Katechese, die bei einer liturgischen Feier
und vor allem bei der Eucharistie gehalten wird: indem die Predigt die besondere
Eigenart und den Eigenrhythmus dieser Feier beachtet, setzt sie den Weg der in
der Katechese gebotenen Glaubensunterweisung fort und führt ihn zu seinem
natürlichen Höhepunkt. Zugleich drängt sie die Jünger des Herrn dazu, ihren
geistlichen Weg in der Wahrheit, Anbetung und Danksagung jeden Tag wieder neu
aufzunehmen. In diesem Sinn kann man sagen, daß auch die katechetische Pädagogik
im Gesamtzusammenhang des liturgischen Jahres ihre Quelle und ihre Vollendung in
der Eucharistie findet. Die Predigt, die sich auf die biblischen Texte
konzentriert, soll es auf ihre Weise ermöglichen, daß die Gläubigen mit der
Gesamtheit der Glaubensgeheimnisse und der Normen des christlichen Lebens
vertraut werden. Der Predigt muß man große Aufmerksamkeit schenken: sie soll
nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz sein, immer sorgfältig vorbereitet,
wesentlich und konkret, und den geweihten Amtsträgern vorbehalten bleiben. Eine
solche Predigt soll in jeder Eucharistiefeier an Sonn‑ und Feiertagen
stattfinden, aber auch bei Tauffeiern, Bußgottesdiensten, Hochzeiten und
Beerdigungen. Dies ist eines der positiven Ergebnisse der liturgischen
Erneuerung.
Katechetische Handbücher
49. Im Zusammenhang dieser Wege und Mittel ‑ jedes Tun der Kirche hat eine
katechetische Dimension ‑ verlieren die katechetischen Handbücher nicht nur
nichts von ihrer wesentlichen Bedeutung, sie gewinnen vielmehr neues Gewicht.
Einer der wichtigeren Aspekte der Erneuerung der Katechese ist heute die
Neubearbeitung und die große Zunahme von katechetischen Büchern fast überall in
der Kirche. Zahlreiche und gut gelungene Bücher sind bereits erschienen und
stellen eine wirkliche Bereicherung im Dienst der katechetischen Unterweisung
dar. Man muß aber ebenso ehrlich und bescheiden gestehen, daß diese Blüte und
dieser Reichtum auch Abhandlungen und Veröffentlichungen mit sich gebracht
haben, die in ihrer Unklarheit den Jugendlichen und dem Leben der Kirche
schaden. Im Bemühen um eine bessere Sprache oder um den neuesten Stand in den
pädagogischen Methoden verwirren hier und da gewisse katechetische Werke
ziemlich oft die Jugendlichen und sogar die Erwachsenen, sei es weil sie bewußt
oder unbewußt wesentliche Elemente des Glaubens der Kirche weglassen, sei es
weil sie bestimmte Themen zum Schaden anderer überbetonen, vor allem aber weil
man von einer allzu horizontalen Gesamtschau ausgeht, die dem, was das Lehramt
der Kirche verkündet, nicht entspricht. Es genügt also nicht, die Zahl der
katechetischen Handbücher zu vermehren.
Wenn diese ihrer Zielsetzung entsprechen sollen, ist es unerläßlich, daß sie
mehrere Bedingungen erfüllen:
-
daß sie sich auf das konkrete Leben der Generation beziehen, an die sie sich
richten, und deren innere Unruhe, Fragen, Kämpfe und Hoffnungen genau kennen;
-
daß sie sich um eine Sprache bemühen, die diese Generation verstehen kann;
-
daß sie Wert darauf legen, die ganze Botschaft Christi und seiner Kirche
mitzuteilen, ohne irgend etwas zu vernachlässigen oder zu entstellen, und zwar
in einer Darstellungsweise, die nach Struktur und innerem Zusammenhang das
Wesentliche hervortreten läßt;
-
daß sie wirklich darauf abzielen, denen, die sich ihrer bedienen, eine größere
Kenntnis der Geheimnisse Christi zu vermitteln, um sie zu einer echten Bekehrung
und zu einem Leben zu führen, das dem Willen Gottes mehr entspricht.
Katechismen
50. Alle, die die schwere Aufgabe übernehmen, diese Hilfsmittel für die
Katechese oder gar den Text von Katechismen vorzubereiten, dürfen das nicht ohne
Zustimmung der Hirten tun, die bevollmächtigt sind, eine solche Erlaubnis zu
geben. Ferner sollen sie sich auch soweit wie möglich vom Allgemeinen
Katechetischen Direktorium führen lassen, das der maßgebliche Bezugspunkt
bleibt[93] .
Aus diesem Anlaß kann ich es nicht unterlassen, die Bischofskonferenzen der
ganzen Welt zu ermutigen und dazu aufzurufen, daß sie mit Geduld, aber fest
entschlossen, die anspruchsvolle Arbeit in Angriff nehmen, in Übereinstimmung
mit dem Apostolischen Stuhl gute Katechismen zu schaffen, die getreu die
wesentlichen Inhalte der Offenbarung darlegen, methodisch der heutigen Zeit
entsprechen und so in der Lage sind, die christlichen Generationen der Zukunft
zu einem kraftvollen Glauben zu erziehen.
Diese kurze Erörterung der Mittel und Wege für die heutige Katechese
erschöpft nicht den Reichtum der Vorschläge, welche die Väter der Synode
ausgearbeitet haben. Ermutigend ist der Gedanke, daß derzeit in jedem Land eine
wertvolle Zusammenarbeit im Gange ist, um die Katechese in diesen Punkten
möglichst organisch und sicher zu erneuern. Wie könnten wir daran zweifeln, daß
die Kirche die kundigen Personen und angemessenen Mittel finden wird, um mit
Gottes Gnade den komplexen Erfordernissen der Begegnung und Verständigung mit
den Menschen unserer Zeit zu entsprechen?
VII.
WIE MAN KATECHESE ERTEILEN SOLL
Verschiedenheit der Methoden
51. Das Alter und die geistige Entwicklung der Christen, der Grad ihrer
kirchlichen und religiösen Reife und viele andere persönliche Umstände machen es
erforderlich, daß die Katechese sehr verschiedene Methoden verwenden muß, um ihr
eigentliches Ziel, die Glaubenserziehung, zu erreichen. Diese Verschiedenheit
ist ferner auf einer allgemeineren Ebene auch durch das soziokulturelle Milieu
gefordert, in dem die Kirche ihre katechetische Tätigkeit ausübt.
Die Vielfalt der Methoden ist ein Zeichen der Lebendigkeit und ein Reichtum.
Dies war auch die Auffassung der Väter der 4. Generalversammlung der Synode,
wobei sie jedoch die Aufmerksamkeit auf die Bedingungen lenkten, die unerläßlich
sind, damit diese Vielfalt der Einheit der Lehre des einen Glaubens nicht
schadet, sondern ihr nützt.
Im Dienst der Offenbarung und der Bekehrung
52. Die erste allgemeine Frage, die sich hier stellt, betrifft die Gefahr und
die Versuchung, den katechetischen Unterricht ungebührlich mit offen oder
versteckt vorgetragenen ideologischen Ansichten, zumal politisch‑sozialer Natur,
oder mit persönlichen politischen Einstellungen zu vermengen. Wenn sich diese
Ansichten auf die zentrale Botschaft, die zu übermitteln ist, so auswirken, daß
diese verdunkelt und zu etwas Zweitrangigem würde oder sogar den ideologischen
Zielsetzungen zu dienen hätte, dann ist die Katechese bereits bis in ihre
Wurzeln verfälscht. Die Synode hat daher mit Recht auf der Notwendigkeit
bestanden, die Katechese über den divergierenden einseitigen Tendenzen zu halten
– „Dichotomien“ zu vermeiden ‑, selbst auf dem Gebiet der theologischen
Deutungen, die man ähnlichen Fragen gibt. Die Katechese soll sich vielmehr an
der Offenbarung ausrichten, so wie das universale Lehramt der Kirche sie in
feierlicher oder gewöhnlicher Form vorlegt. Diese Offenbarung verkündet einen
Gott, der Schöpfer und Erlöser ist, dessen Sohn das Fleisch des Menschen
angenommen hat und nicht nur in die persönliche Geschichte eines jeden Menschen,
sondern auch in die Geschichte der Menschheit insgesamt eingetreten ist, deren
Mittelpunkt er wird. Diese Offenbarung verkündet somit den radikalen Wandel von
Mensch und Universum und alles dessen, was zur Gesamtheit der menschlichen
Existenz gehört, unter dem Einfluß der Frohbotschaft von Jesus Christus. Eine so
verstandene Katechese geht über allen formalen Moralismus hinaus, obgleich sie
eine echt christliche Moral miteinschließt. Sie reicht grundsätzlich weiter als
jeder innerweltliche soziale oder politische Messianismus. Sie sucht den
Menschen in seiner Tiefe zu erreichen.
Inkarnierung der Botschaft in den Kulturen
53. Ich schneide hier eine zweite Frage an. Wie ich kürzlich vor den
Mitgliedern der Bibelkommission gesagt habe, ist „der Ausdruck ‚Akkulturation’
oder ‚Inkulturation’ ... zwar eine sprachliche Neubildung, bringt jedoch sehr
deutlich die einzelnen Elemente des großen Geheimnisses der Inkarnation zum
Ausdruck[94] “. Von der Katechese können wir wie von der Evangelisierung im
allgemeinen sagen, daß sie die Kraft des Evangeliums ins Herz der Kultur und der
Kulturen einpflanzen soll. Deshalb wird sich die Katechese bemühen, diese
Kulturen und ihre wesentlichen Elemente kennenzulernen; sie wird deren
bezeichnendsten Ausdrucksformen erlernen: sie wird ihre eigenen Werte und
Reichtümer achten. Auf diese Weise kann sie diesen Kulturen die Erkenntnis des
verborgenen Geheimnisses[95] nahebringen und ihnen helfen, aus ihrer eigenen
lebendigen Überlieferung heraus originelle Ausdrucksformen christlichen Lebens,
Feierns und Denkens hervorzubringen. Man muß hierbei jedoch auf zwei Dinge
achten:
-
einerseits kann man die Botschaft des Evangeliums nicht einfach und schlechthin
von der Kultur trennen, in der sie sich zuerst ausgeprägt hat (das biblische
Weltbild und noch konkreter das kulturelle Milieu, in dem Jesus von Nazaret
gelebt hat); ebenso kann man sie auch nicht ohne schwerwiegende Verkürzungen von
jenen Kulturen trennen, in denen sie sich schon im Verlauf der Jahrhunderte
ausgeprägt hat; sie entspringt nicht einfach spontan aus irgendeinem kulturellen
Nährboden; sie übermittelt sich ferner immer durch einen apostolischen Dialog,
der unvermeidlich in einen bestimmten Dialog von Kulturen eingefügt ist;
-
anderseits wirkt die Kraft des Evangeliums überall umgestaltend und erneuernd.
Wenn sie eine Kultur durchdringt, was sollte es wundern, wenn sie davon auch
zahlreiche Elemente korrigiert? Es würde sich nicht mehr um Katechese handeln,
wenn es das Evangelium wäre, das sich beim Kontakt mit den Kulturen ändern müßte.
Wollte man dies vergessen, so würde man damit enden, was der heilige Paulus mit
einem sehr starken Ausdruck „das Kreuz Christi um seine Kraft bringen“ nennt[96]
.
Etwas anderes ist das kluge und kritische Ausgehen von religiösen oder anderen
Elementen, die zum kulturellen Erbe einer bestimmten Gruppe von Menschen
gehören, um diesen zu einem besseren Verständnis der Gesamtheit des christlichen
Geheimnisses zu verhelfen. Wahre Katecheten wissen, daß eine Katechese sich in
den unterschiedlichen Kulturen und Milieus „inkarnieren“ muß: es genügt hier, an
die so verschiedenen Völker zu denken, an die Jugendlichen unserer Zeit, an die
sehr vielfältigen Umstände, unter denen die Menschen von heute zu leben haben.
Sie lassen es aber nicht zu, daß die Katechese dadurch verarmt, daß man ihre
Botschaft verkürzt oder verdunkelt durch Anpassungen, selbst in der Sprache, die
das überlieferte Glaubensgut[97] gefährden könnten, oder durch Zugeständnisse in
Fragen des Glaubens oder der Moral. Sie sind überzeugt, daß die echte Katechese
am Ende diese Kulturen bereichert, indem sie ihnen beim Überwinden von Mängeln
oder gar unmenschlichen Zügen, die in ihnen vorhanden sind, hilft und ihren
rechtmäßigen Werten die Fülle Christi schenkt[98] .
Bedeutung der Volksfrömmigkeit
54. Eine weitere Frage der Methode betrifft die Aufwertung, die man beim
katechetischen Unterricht mit den wertvollen Elementen der Volksfrömmigkeit
vornimmt. Ich denke dabei an jene Andachtsformen, die in bestimmten Gegenden vom
gläubigen Volk mit rührendem Eifer und reiner Absicht gepflegt werden, wenn auch
der zugrunde liegende Glaube unter zahlreichen Gesichtspunkten der Reinigung und
sogar der Korrektur bedarf. Ich denke ferner an bestimmte leicht verständliche
Gebete, wie sie von so vielen einfachen Menschen gern wiederholt werden. Ich
denke an gewisse Frömmigkeitsübungen, die aus einem aufrichtigen Verlangen
heraus, Gott Buße und Sühne anzubieten, vollzogen werden. Bei den meisten dieser
Gebete und Übungen finden sich neben unbrauchbaren Elementen auch andere, die,
klug verwendet, sehr wohl dazu dienen könnten, die Geheimnisse Christi und seine
Botschaft besser kennenzulernen: die Liebe und Barmherzigkeit Gottes, die
Menschwerdung Christi, seine Erlösung am Kreuz und seine Auferstehung, das
Wirken des Geistes in jedem Christen und in der Kirche, das Geheimnis des
Jenseits, die zu verwirklichenden Tugenden des Evangeliums, die Präsenz des
Christen in der Welt usw. Und warum sollten wir uns auf nichtchristliche und
sogar antichristliche Elemente berufen, uns aber weigern, uns jener Elemente zu
bedienen. die trotz aller Verbesserungsbedürftigkeit in ihrer Wurzel etwas
Christliches enthalten?
Gedächtnismäßige Einprägung
55. Eine letzte methodische Frage, auf die ich wenigstens hinweisen möchte ‑
sie ist auf der Synode mehr als einmal erörtert worden ‑, betrifft die
gedächtnismäßige Einprägung. In den Anfängen der christlichen Katechese, die
vorwiegend mit einer Zivilisation der mündlichen Überlieferung zusammenfielen,
ließ man sehr viel auswendig lernen. Daher kennt die Katechese in der Folgezeit
eine lange Tradition der gedächtnismäßigen Aneignung der hauptsächlichen
Wahrheiten. Doch wissen wir alle, daß diese Methode gewisse Nachteile haben
kann: eine nicht geringe Gefahr besteht darin, daß sie dazu verleitet, das
Dargebotene sich nur ungenügend oder manchmal fast überhaupt nicht anzueignen,
da das ganze Wissen auf Formeln reduziert wird, die man wiederholt, ohne ihren
tieferen Sinn erfaßt zu haben. Diese Nachteile haben im Zusammenhang der völlig
anderen Verhältnisse unserer Zivilisation hier und dort dazu geführt, daß das
Auswendiglernen fast vollständig ‑ wie einige leider sogar sagen, endgültig ‑
aus der Katechese verbannt wurde. Es haben sich daher auf der 4.
Generalversammlung der Synode sehr gewichtige Stimmen erhoben, um ein
wohlüberlegtes Gleichgewicht wiederherzustellen zwischen besonnenem Überlegen
und Spontaneität zwischen Dialog und Schweigen, zwischen schriftlichem Arbeiten
und Auswendiglernen. Im übrigen schätzen bestimmte Kulturen auch heute noch das
Auswendiglernen sehr hoch ein.
Während sich auch im profanen Unterricht in gewissen Ländern immer lautere
Klagen über die unliebsamen Folgen einer Mißachtung der Gedächtnisfähigkeit des
Menschen erheben, warum sollten wir dann nicht selbst diese in der Katechese auf
kluge und sogar originelle Weise wieder aufzuwerten versuchen, um so mehr, als
die Gedächtnisfeier der großen Ereignisse der Heilsgeschichte ein genaues Wissen
von ihnen erfordert? Ein gewisses Auswendiglernen von Worten Jesu, wichtiger
Stellen der Heiligen Schrift, der Zehn Gebote und Glaubensbekenntnisse,
liturgischer Texte, einiger wesentlicher Gebete und Schlüsselbegriffe der Lehre
widerspricht in keiner Weise der Würde junger Christen und stellt auch kein
Hindernis für den personalen Dialog mit dem Herrn dar; es ist sogar wirklich
notwendig, wie die Bischöfe auf der Synode mit Nachdruck festgestellt haben. Wir
müssen Realisten sein. Die Blüten des Glaubens und der Frömmigkeit, wenn man so
sagen darf, wachsen nicht in den Wüstengebieten einer Katechese ohne
gedächtnismäßige Einprägung. Wesentlich ist natürlich, daß diese auswendig
gelernten Texte zugleich innerlich angeeignet und allmählich in ihrer Tiefe
verstanden werden, damit sie zur Quelle eines persönlichen und
gemeinschaftlichen christlichen Lebens werden.
Die Vielfalt der Methoden in der heutigen Katechese kann ein Zeichen der
Vitalität und des Erfindungsreichtums sein. In jedem Fall muß sich die gewählte
Methode schließlich nach einem für das ganze Leben der Kirche fundamentalen
Grundsatz richten: dem der Treue zu Gott und der Treue zum Menschen aus
derselben Haltung der Liebe.
VIII.
DIE FREUDE DES GLAUBENS IN EINER SCHWIERIGEN WELT
Die christliche Identität bekräftigen
56. Wir leben in einer schwierigen Welt, wo die Furcht, die besten
Schöpfungen des Menschen könnten diesem entgleiten und sich gegen ihn wenden[99]
, ein Klima der Unsicherheit schafft. In dieser Welt muß die Katechese den
Christen helfen, zu ihrer Freude und zum Dienst aller „Licht“ und „Salz“ zu
sein[100] . Das erfordert gewiß, daß sie diese in ihrer eigenen Identität
bestärkt und sich selber unablässig von den Zweifeln, Ungewißheiten und der sie
umgebenden Gleichgültigkeit befreit. Unter zahlreichen anderen Schwierigkeiten,
die für den Glauben ebenso viele Herausforderungen darstellen, möchte ich einige
nennen, um der Katechese bei deren Überwindung zu helfen.
In einer indifferenten Welt
57. Vor einigen Jahren sprach man viel von der säkularisierten Welt oder der
nachchristlichen Ära. Die Mode vergeht; es bleibt jedoch die gemeinte
Wirklichkeit. Die Christen von heute müssen zum Leben in einer Welt
herangebildet werden, die weithin Gott nicht kennt oder in religiösen Dingen,
statt einen anspruchsvollen, brüderlichen, für alle anregenden Dialog zu führen,
sich allzuoft in einen alles nivellierenden Indifferentismus abgleiten läßt,
wenn sie nicht gar bei einer verächtlichen Haltung des „Argwohns“ im Namen ihrer
Fortschritte auf dem Gebiet wissenschaftlicher „Erklärungen“ stehenbleibt. Um in
dieser Welt fest zu bleiben, um allen einen „Dialog des Heiles[101] “
anzubieten, bei dem jeder sich in seiner fundamentalsten Würde als Sucher nach
Gott ernst genommen fühlt, brauchen wir eine Katechese, die Jugendliche und
Erwachsene in unseren Gemeinschaften lehrt, in ihrem Glauben klar und konsequent
zu bleiben, unbefangen ihre christliche und katholische Identität zu
bekräftigen, den Unsichtbaren zu sehen[102] und dem absoluten Gott derart
verbunden zu sein, daß sie seine Zeugen werden in einer materialistischen
Zivilisation, die ihn leugnet.
Mit der ursprünglichen Pädagogik des Glaubens
58. Zur unaufgebbaren Originalität der christlichen Identität gehört als
Ergänzung und Bedingung eine nicht weniger originale Glaubenspädagogik. Unter
den zahlreichen und bedeutenden Wissenschaften vom Menschen, die in unseren
Tagen große Fortschritte gemacht haben, ist die Pädagogik gewiß eine der
wichtigsten. Die Ergebnisse anderer Wissenschaften, wie der Biologie,
Psychologie und Soziologie, bringen auch für sie wertvolle Elemente. Die
Erziehungswissenschaft und Didaktik werden ständig kritisch überprüft für eine
noch bessere Anpassung oder größere Wirksamkeit, mit übrigens unterschiedlichem
Erfolg.
Nun gibt es aber auch eine Pädagogik des Glaubens, und man kann nicht genug
betonen, was sie alles für die Katechese zu leisten vermag. So ist es in der Tat
normal, zum Nutzen der Glaubenserziehung die vervollkommneten und bewährten
Techniken, wie sie für jede Erziehung gelten, heranzuziehen. Man muß dabei
jedoch ständig der grundlegenden Eigenart und Originalität des Glaubens Rechnung
tragen. Wenn man von Pädagogik des Glaubens spricht, geht es nicht um die
Vermittlung von menschlichem Wissen, wie hochentwickelt dies auch immer sein
mag. Es geht vielmehr um die unverkürzte Weitergabe der Offenbarung Gottes. Gott
selber hat sich im ganzen Verlauf der Heilsgeschichte und vor allem im
Evangelium einer Pädagogik bedient, die Vorbild für jede Pädagogik des Glaubens
bleiben muß. Eine Technik ist in der Katechese in dem Maße von Wert, wie sie dem
Glauben, der vermittelt und entfaltet werden soll, dient; andernfalls ist sie
wertlos.
Dem Dienst am Credo angepaßte Sprache
59. Ein mit dem vorherigen zusammenhängendes Problem ist das der Sprache.
Jeder weiß, wie brennend diese Frage heute geworden ist. Ist es aber nicht
paradox festzustellen, daß die zeitgenössischen Forschungen auf dem Gebiet der
Kommunikation, Semantik und der Symboldeutung einerseits der Sprache eine
wichtige Bedeutung beimessen und daß anderseits die Sprache heute so mißbraucht
wird, um der ideologischen Mystifikation, der Vermassung des Denkens und der
Erniedrigung des Menschen zum bloßen Objekt zu dienen?
All das hat erheblichen Einfluß im Bereich der Katechese. Es wird für sie
nämlich eine gebotene Pflicht, eine den Kindern und Jugendlichen unserer Zeit im
allgemeinen und vielen anderen Personengruppen angemessene Sprache zu finden:
eine Sprache für Studenten, Intellektuelle und Wissenschaftler; eine Sprache für
Analphabeten oder Menschen primitiver Kultur, eine Sprache für Behinderte usw.
Schon der heilige Augustinus stand vor diesem Problem und hat in seinem
bekannten Werk De catechizandis rudibus zu dessen Lösung für seine Zeit
beigetragen. In der Katechese ist ebenso wie in der Theologie das Problem der
Sprache zweifellos grundlegend wichtig. Es ist jedoch angebracht, auf folgendes
hinzuweisen: die Katechese darf keinerlei Sprache zulassen, die, unter welchem
Vorwand auch immer, selbst wenn sie sich als wissenschaftlich ausgibt, im
Ergebnis den Inhalt des Credo entstellen würde. Vor allem ist eine Sprache
verfehlt, die täuscht oder verführt. Oberstes Gesetz muß hingegen sein, daß die
großen Fortschritte in der Sprachwissenschaft der Katechese dienstbar gemacht
werden müssen, damit sie dem Kind, dem Jugendlichen, dem Heranwachsenden und dem
Erwachsenen von heute den gesamten unverfälschten Inhalt der Lehre wirklich
unverfälscht „sagen“ oder „mitteilen“ kann.
Suche und Gewißheit des Glaubens
60. Eine subtilere Aufgabe erwächst zuweilen aus dem Glaubensbegriff selber.
Gewisse zeitgenössische philosophische Schulen, die anscheinend auf bestimmte
theologische Strömungen und über sie auf die pastorale Praxis einen großen
Einfluß ausüben, betonen gern, daß die Grundhaltung des Menschen ein Suchen nach
dem Unendlichen sei, ein Suchen, das aber nie sein Ziel erreicht. In der
Theologie führt diese Ansicht zu der kategorischen Behauptung, daß der Glaube
keine Sicherheit, sondern eine Frage, nichts Klares, sondern ein Sprung ins
Dunkle sei.
Diese Denkweisen haben gewiß den Vorteil, uns daran zu erinnern, daß der
Glaube Dinge betrifft, die man noch nicht besitzt, weil man sie noch erhofft,
die man noch nicht sieht, es sei denn „wie in einem Spiegel ... rätselhafte
Umrisse[103] “, und daß Gott immer in unzugänglichem Licht wohnt[104] . Sie
helfen uns, daß wir aus dem christlichen Glauben nicht eine Haltung starren
Verharrens machen, sondern vielmehr des Aufbruchs, wie es uns Abraham zeigt.
Erst recht muß man vermeiden, Dinge als sicher hinzustellen, die es nicht sind.
Man darf jedoch auch nicht, wie es allzuoft geschieht, in das gegenteilige
Extrem fallen. Der Hebräerbrief sagt: „Glaube aber ist: Feststehen in dem was
man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht.[105] “ Wenn uns auch
kein voller Besitz beschieden ist, so haben wir doch eine Garantie und ein
Zeugnis. Geben wir den Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden im Unterricht
kein bloß negatives Glaubensverständnis mit ‑ als wäre der Glaube absolutes
Nichtwissen, eine Art Blindheit oder eine Welt voller Dunkelheit ‑, sondern
zeigen wir ihnen vielmehr, daß das demütige und mutige Suchen des Glaubenden
keineswegs vom Nichts ausgeht, von schlichten Illusionen, unsicheren Meinungen
und Ungewißheiten, sondern sich auf das Wort Gottes gründet, der nicht irren und
täuschen kann, und sich beständig auf den unerschütterlichen Felsen dieser Worte
stützt. Es geht um das Suchen der Magier, die einem Stern folgten[106] , um ein
Suchen, zu dem Pascal im Anschluß an den heiligen Augustinus die so tiefen Worte
geschrieben hat: „Du würdest mich nicht suchen, wenn Du mich nicht schon
gefunden hättest[107] .“
Es ist ferner auch eine Aufgabe der Katechese, den jungen Katechumenen jene
einfachen, aber soliden Gewißheiten zu vermitteln, die ihnen helfen, sich noch
mehr und besser um die Erkenntnis des Herrn zu bemühen.
Katechese und Theologie
61. In diesem Zusammenhang scheint es mir wichtig, daß die Verbindung
zwischen Katechese und Theologie richtig verstanden wird.
Diese Verbindung ist völlig evident, tief und vital für den, der die
unersetzliche Aufgabe der Theologie im Dienst am Glauben begreift. Es erstaunt
nicht, daß jede Erschütterung im Bereich der Theologie sich auch in der
Katechese auswirkt. Nun aber erlebt die Kirche in dieser unmittelbar
nachkonziliaren Zeit einen bedeutenden, jedoch auch riskanten Abschnitt des
theologischen Forschens. Das gleiche gilt von der Hermeneutik in der Exegese.
Einige Väter auf der Synode, die aus allen Kontinenten stammten, haben diese
Frage in sehr klarer Sprache aufgegriffen. Sie sprachen von einem „unstabilen
Gleichgewicht“, das von der Theologie auf die Katechese überzugreifen drohe. Sie
betonten daher die Notwendigkeit, für dieses Übel eine Abhilfe zu schaffen.
Papst Paul Vl. hatte selber das Problem in nicht weniger klaren Worten in der
Einleitung seines feierlichen Glaubensbekenntnisses[108] berührt; ferner auch in
seinem Apostolischen Schreiben zum fünften Jahrestag der Beendigung des II.
Vatikanischen Konzils[109] .
Es ist angebracht, erneut auf diesem Punkt zu bestehen. Im Bewußtsein des
Einflusses, den ihre Forschungen und Aussagen auf den katechetischen Unterricht
haben, sind Theologen und Exegeten verpflichtet, sehr achtzugeben und zu
vermeiden, etwas als gesicherte Wahrheit hinzustellen, was im Gegenteil in den
Bereich der Meinungen gehört oder zu dem, was man unser Fachleuten diskutiert.
Die Katecheten werden ihrerseits so klug sein, aus dem Gebiet der theologischen
Forschung das aufzugreifen, was ihre eigenen Überlegungen und ihren Unterricht
erhellen kann, indem sie sich wie die Theologen selber im Licht des Lehramtes
auf die echten Quellen stützen. Sie werden sich weigern, den Geist der Kinder
und Jugendlichen auf diesem Entwicklungsstand ihrer Glaubensunterweisung mit
fremdartigen Theorien, Scheinproblemen oder unfruchtbaren Diskussionen zu
verwirken, die schon der heilige Paulus in seinen Pastoralbriefen oftmals
verurteilt hat[110] .
Das kostbarste Geschenk, das die Kirche der Welt von heute, die so
desorientiert und unruhig ist, machen kann, besteht in der Formung von Christen,
die im Wesentlichen verwurzelt und demütig glücklich in ihrem Glauben sind. Die
Katechese soll sie das lehren, und sie wird davon vor allem selber ihren Vorteil
haben: „Der Mensch, der sich selbst bis in die Tiefe verstehen will ‑ nicht nur
nach unmittelbar zugänglichen, partiellen, oft oberflächlichen und sogar nur
scheinbaren Kriterien und Maßstäben des eigenen Seins ‑, muß sich mit seiner
Unruhe, Unsicherheit und auch mit seiner Schwäche und Sündigkeit, mit seinem
Leben und Tode Christus nahen. Er muß sozusagen mit seinem ganzen Selbst in ihn
eintreten, muß sich die ganze Wirklichkeit der Menschwerdung und der Erlösung
aneignen und assimilieren, um sich selbst zu finden.[111] “
IX.
DIE AUFGABE GEHT UNS ALLE AN
Ermutigung aller Verantwortlichen
62. Liebe Brüder, Söhne und Töchter, ich möchte, daß meine Worte, die ich als
eine eindringliche und herzliche Mahnung in meinem Amt als Hirte der ganzen
Kirche verstehe, eure Herzen entzünden, wie es die Briefe des heiligen Paulus an
seine Mitarbeiter bei der Verkündigung des Evangeliums, Titus und Timotheus,
vermochten, oder auch nach der Art des heiligen Augustinus, als er dem Diakon
Deogratias, der bei seiner katechetischen Arbeit den Mut verloren hatte, einen
vortrefflichen kleinen Traktat über die Freude am Religionsunterricht
sandte[112] . Ja, ich möchte in den Herzen all der vielen und so verschiedenen
Verantwortlichen für den Religionsunterricht und die Einübung in ein Leben nach
dem Evangelium in reichem Maße Mut, Hoffnung und Begeisterung wecken!
Bischöfe
63. Ich wende mich vor allem an meine Brüder im Bischofsamt: Das II.
Vatikanische Konzil hat euch schon ausdrücklich auf eure Aufgabe für die
Katechese hingewiesen[113] , und die Väter der 4. Generalversammlung der Synode
haben sie auch ihrerseits nachdrücklich unterstrichen.
Hier habt ihr, liebe Brüder, in euren Kirchen eine besondere Sendung: ihr
seid dort die für die Katechese zuallererst Verantwortlichen. Ihr selbst seid
die eigentlichen Katecheten. Ferner tragt ihr gemeinsam mit dem Papst im Geiste
bischöflicher Kollegialität die Verantwortung für die Katechese in der
Gesamtkirche. Gestattet mir also, offenherzig zu euch zu sprechen.
Ich weiß, daß euer Bischofsamt euch vor täglich komplexere und drückendere
Aufgaben stellt. Tausenderlei Aufgaben rufen nach euch, angefangen von der
Heranbildung neuer Priester bis zu eurem tatkräftigen Einsatz inmitten der
Gemeinden der Gläubigen, von der lebendigen und würdiger Feier der Liturgie und
der Sakramente bis zur Sorge um die Förderung des Menschen und die Verteidigung
der legitimen Rechte der Person. Dennoch sollte eure Sorge um die Förderung
einer aktiven und wirksamen Katechese hinter keiner anderen Sorge irgendwie
zurückstehen! Die Sorge darum wird euch dazu veranlassen, selber den Gläubigen
die Lehre des Lebens vorzutragen. Sie muß euch aber auch dazu bewegen, innerhalb
eurer Diözesen in Übereinstimmung mit den Plänen der Bischofskonferenz, zu der
ihr gehört, die oberste Leitung der Katechese zu übernehmen, wobei ihr natürlich
fachlich zuständige und vertrauenswürdige Mitarbeiter an eure Seite ruft. Eure
hauptsächliche Aufgabe wird darin bestehen, in euren Kirchen eine echte und
tiefe Liebe zur Katechese zu wecken und zu pflegen, eine Liebe, die in einer
angemessenen und wirksamen Organisation konkrete Gestalt annimmt und Menschen,
Mittel und Werkzeuge, natürlich auch das notwendige Geld zur Verfügung stellt.
Seid gewiß: wenn die Katechese in den Ortskirchen gut gepflegt wird, dann wird
auch alles übrige leichter. Im übrigen braucht man euch wohl kaum zu sagen, daß
der Eifer für die Katechese euch gelegentlich auch die bittere Aufgabe einträgt,
Entgleisungen anzuprangern und Irrtümer zu berichtigen. Viel öfter aber wird
euch die Freude und der Trost geschenkt, eure Kirchen blühen zu sehen, weil dort
die Katechese so erteilt wird, wie der Herr es will.
Priester
64. Für euch Priester ist die Katechese ein Arbeitsfeld, auf dem ihr die
unmittelbaren Mitarbeiter eurer Bischöfe seid. Das Konzil hat euch „Erzieher zum
Glauben[114] “ genannt: wie könnt ihr das aber besser sein, als wenn ihr eure
besten Kräfte dem Wachstum der Gemeinden im Glauben widmet? Ob euch eine Pfarrei
anvertraut ist oder ihr Beauftragte an Volksschulen, höheren Schulen oder
Universitäten seid, ob ihr die Seelsorge in irgendeinem der vielen Bereiche
ausübt und kleine oder große Gemeinschaften, vor allem aber Jugendgruppen
seelsorglich betreut und führt, immer erwartet die Kirche von euch, daß ihr
dabei in keiner Weise eine gut aufgebaute und ausgerichtete Katechese
vernachlässigt. Die Diakone und andere Beauftragte, die euch eventuell zur Seite
stehen, sind dabei eure geborenen Mitarbeiter. Alle Gläubigen haben ein Anrecht
auf Katechese und alle Seelsorger die Pflicht, dafür Sorge zu tragen. Von den
politisch Verantwortlichen möchte ich immer Achtung vor der Freiheit des
katechetischen Unterrichts erbitten; euch, die Diener Jesu Christi, bitte ich so
dringend wie möglich: laßt es nicht zu, daß durch fehlenden Eifer infolge
gewisser unglücklicher vorgefaßter Ideen die Gläubigen ohne Katechese bleiben.
Man sollte niemals sagen können: „Kinder betteln um Brot; keiner bricht es
ihnen[115] !“
Ordensleute
65. Viele Ordensgemeinschaften beiderlei Geschlechts sind für die christliche
Erziehung von Kindern und Jugendlichen gegründet worden, zumal der verlassensten.
Im Verlauf der Geschichte haben Ordensmänner und Ordensfrauen das katechetische
Wirken der Kirche sehr engagiert mitgetragen und hier eine besonders zeitnahe
und wirksame Arbeit geleistet. In einem Augenblick, da man sieht, daß die
Verbindungen zwischen den Ordensleuten und dem kirchlichen Hirtenamt sich
verstärken und als Folge davon die aktive Präsenz der Ordensgemeinschaften und
ihrer einzelnen Mitglieder bei den Seelsorgeplänen der Ortskirchen zunimmt,
ermahne ich euch, die die religiöse Lebensweihe noch verfügbarer für den Dienst
der Kirche machen sollen, von ganzem Herzen, euch so gut wie nur möglich auf die
katechetische Aufgabe vorzubereiten. Folgt dabei der jeweiligen Berufung eurer
Institute und dem euch anvertrauten Auftrag. Tragt dieses Anliegen überallhin.
Möchten doch die Gemeinschaften alles, was sie an Fähigkeiten und Möglichkeiten
besitzen, der spezifischen Aufgabe der Katechese widmen!
Laienkatecheten
66. Ich halte es für meine Pflicht, euch im Namen der ganzen Kirche zu
danken; den Katecheten in den Pfarreien, den Laien, den Männern und den noch
zahlreicheren Frauen, die ihr euch überall in der Welt der religiösen Erziehung
vieler Generationen gewidmet habt. Eure oft schlichte und verborgene, aber mit
brennendem, hochherzigem Eifer geleistete Arbeit ist eine hervorragende Form des
Laienapostolates und besonders dort wichtig, wo Kinder und Jugendliche aus
verschiedenen Gründen daheim keine entsprechende religiöse Bildung erhalten. Wie
viele von uns haben nicht von Menschen wie ihr den ersten Katechismusunterricht
und die Vorbereitung auf das Bußsakrament, die erste heilige Kommunion und die
Firmung erhalten. Die 4. Generalversammlung der Synode hat euch nicht vergessen.
Mit ihr ermutige ich euch, eure Mitarbeit im Leben der Kirche fortzusetzen.
Die Katechisten in den Missionsländern sind diejenigen, die den Titel
„Katecheten“ sozusagen mit Vorrang verdienen. Geboren in bereits christlichen
Familien oder eines Tages zum Christentum bekehrt und von den Missionaren oder
durch einen anderen Katechisten unterrichtet, stellen sie nun lange Jahre
hindurch ihr Leben in den Dienst der Katechese für die Kinder und Erwachsenen in
ihren Ländern. Heute blühende Kirchen hätten ohne sie nicht aufgebaut werden
können. Ich freue mich über die Anstrengungen, die die Kongregation für die
Evangelisierung der Völker unternimmt, um vor allem die Ausbildung solcher
Katechisten immer noch weiter zu verbessern. Dankbar gedenke ich auch derer, die
der Herr bereits zu sich gerufen hat. Ich erflehe die Fürbitte jener, die meine
Vorgänger zur Ehre der Altäre erhoben haben. Von ganzem Herzen ermutige ich
alle, die in dieser Arbeit stehen. Ferner wünsche ich, daß noch viele andere
sich ihnen anschließen, so daß ihre Zahl für ein Werk wächst, das in den
Missionen so notwendig ist.
In der Pfarrei
67. Nun möchte ich den konkreten Rahmen ansprechen, in dem alle diese
Katecheten gewöhnlich arbeiten. Ich komme dabei noch einmal mehr
zusammmenfassend auf die „Orte“ der Katechese zurück, von denen zum Teil schon
im Kapitel VI die Rede war: Pfarrei, Familie, Schule, Verbände.
Wenn es auch wahr ist, daß man überall Glaubensunterweisung erteilen kann,
möchte ich doch in Übereinstimmung mit den Wünschen vieler Bischöfe
unterstreichen, daß die Pfarrgemeinde Motor und bevorzugter Ort der Katechese
bleiben muß. Gewiß, in vielen Ländern ist die Pfarrei durch das Phänomen der
Verstädterung erschüttert worden. Manche haben sich vielleicht zu schnell mit
dem Urteil abgefunden, sie sei überholt oder sogar zum Verschwinden verurteilt
zugunsten kleinerer Gemeinschaften, die geeigneter und wirkungsvoller seien. Ob
man will oder nicht, die Pfarrei bleibt ein Hauptbezugspunkt für die Christen,
selbst für die nichtpraktizierenden. Realismus und Klugheit verlangen daher, in
den Bemühungen fortzufahren, der Pfarrei, wo es nötig ist, angemessenere
Strukturen und vor allem einen neuen Elan zu geben durch die wachsende
Hinzunahme qualifizierter, verantwortlicher und opferbereiter Mitglieder. Dies
gilt unter Beachtung der notwendigen Verschiedenheit der Orte der Katechese für
die Pfarrei selbst, in den Familien, die Kinder oder Jugendliche aufnehmen, im
Religionsunterricht an den staatlichen Schulen und an katholischen Schulen, in
den Apostolatsbewegungen, die katechetische Angebote machen, in den Zentren, die
allen Jugendlichen offenstehen, in den Wochenenden für geistliche Formung usw.
Bei dieser Vielfalt kommt es aber an erster Stelle darauf an, daß alle diese
katechetischen Bemühungen wirklich ein und demselben Glaubensbekenntnis gelten,
derselben Zugehörigkeit zur Kirche, einem sozialen Engagement, das im selben
Geist des Evangeliums gelebt wird: „... ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein
Gott und Vater ...[116] “ Darum hat jede größere Pfarrei und jeder Verband von
kleineren Pfarreien die schwere Pflicht, verantwortliche Mitglieder
heranzubilden, die sich voll und ganz der Förderung der Glaubensunterweisung
widmen ‑ Priester, Ordensmänner, Ordensfrauen und Laien ‑, die notwendigen
Hilfsmittel für eine allseitige Katechese bereitzustellen, die Orte der
Katechese nach Möglichkeit und Nutzen zu vermehren und anzupassen sowie über die
Qualität der religiösen Bildung und die Integration der verschiedenen Gruppen in
die kirchliche Gemeinschaft zu wachen.
Kurz gesagt, ohne ein Monopol aufstellen oder alles gleichmachen zu wollen,
bleibt doch, wie ich schon sagte, die Pfarrei der bevorzugte Ort der Katechese.
Sie muß ihre Berufung wiederfinden, das Haus der Pfarrfamilie zu sein,
brüderlich und gastfreundlich, wo die Getauften und Gefirmten sich bewußt
werden, Volk Gottes zu sein. Hier wird ihnen das Brot der Frohen Botschaft und
das Brot der heiligen Eucharistie in reicher Fülle gebrochen in ein und
demselben Gottesdienst[117] . Von hier aus erhalten sie täglich neu den Auftrag
für ihre apostolische Sendung an allen möglichen Wirkungsstätten im Leben der
Welt.
In der Familie
68. Das katechetische Wirken der Familie hat seine besondere Eigenart und ist
in gewissem Sinn unersetzlich. Es wird daher mit Recht von der Kirche betont,
besonders vom II. Vatikanischen Konzil[118] . Diese Glaubenserziehung durch die
Eltern, die schon im frühesten Kindesalter beginnen muß[119] , geschieht schon
dort, wo die Mitglieder einer Familie sich gegenseitig helfen, im Glauben zu
wachsen dank ihres christlichen Lebenszeugnisses, die oft im stillen wirken,
doch in ihrem Alltag beharrlich nach dem Evangelium leben. Diese Katechese prägt
sich stärker aus, wenn im Rhythmus der Familienereignisse wie beim
Sakramentenempfang, bei der Feier der großen liturgischen Feste, bei der Geburt
eines Kindes oder bei einem Trauerfall in der Familie der christliche oder
religiöse Sinn dieser Ereignisse sorgfältig erklärt wird. Man muß jedoch noch
viel weiter gehen: christliche Eltern sollen sich Mühe geben, im Rahmen der
Familie die anderswo empfangene mehr methodische Bildung der Kinder zu begleiten
und aufzugreifen. Die Tatsache, daß diese Wahrheiten über die wichtigsten Fragen
des Glaubens und des christlichen Lebens so in einer von Liebe und Achtung
geprägten Familienatmosphäre erneut zur Sprache kommen, kann die Kinder oft
entscheidend und fürs ganze Leben prägen. Die Eltern selber profitieren von der
Mühe, die dies ihnen macht, denn bei einem derartigen katechetischen Gespräch
ist jeder ein Empfangender und Gebender zugleich.
Die Familienkatechese geht daher jeder anderen Form der Katechese voraus,
begleitet und bereichert sie. Ferner bleibt dort, wo eine antireligiöse
Gesetzgebung jede andere Form der Glaubenserziehung zu verhindern sucht oder wo
verbreiteter Unglaube oder uferloser Säkularismus ein wirkliches religiöses
Wachstum praktisch unmöglich machen, diese „Hauskirche[120] “ der einzige Ort,
wo Kinder und Jugendliche eine echte Glaubensunterweisung erhalten können.
Christliche Eltern können darum nie genug tun, um sich auf diese katechetische
Aufgabe an ihren eigenen Kindern vorzubereiten und ihr dann auch mit
unermüdlichem Eifer gerecht zu werden. Ebenso müssen alle jene Personen und
Institutionen ermutigt werden, die durch individuelle Kontakte, durch
Begegnungen oder Tagungen sowie durch jede Art von pädagogischen Hilfen den
Eltern die Erfüllung ihrer Aufgabe erleichtern. Sie leisten damit der Katechese
einen unschätzbaren Dienst.
In der Schule
69. Neben der Familie und in Verbindung mit ihr bietet die Schule der
Katechese beachtliche Möglichkeiten. In den leider immer weniger werdenden
Ländern, wo es möglich ist, innerhalb des Unterrichtsplanes auch eine
Glaubensunterweisung anzubieten, wird es für die Kirche zur Pflicht, dies auf
bestmögliche Weise durchzuführen. Dies gilt natürlich vor allem für die
katholische Schule. Würde diese ihren Namen noch verdienen, wenn man bei aller
Höhe des Unterrichtsniveaus in den profanen Fächern ihr berechtigterweise
vorwerfen müßte, sie vernachlässige die eigentlich religiöse Erziehung oder
erteile sie falsch? Man sollte dann auch nicht die Ausrede benutzen, sie
geschehe ja immer einschlußweise oder indirekt! Der Eigencharakter und das Wesen
einer katholischen Schule, weshalb katholische Eltern ihr den Vorzug geben
sollten, liegt gerade in der Qualität des Religionsunterrichts, der in die
Gesamterziehung der Schüler integriert ist Zwar müssen die katholischen
Lehranstalten die Gewissensfreiheit achten, d. h. vermeiden, auf sie von außen
her Druck auszuüben, sei er nun physischer oder moralischer Art, vor allem, was
die religiöse Praxis der Jugendlichen angeht, doch obliegt ihnen die
schwerwiegende Pflicht, eine religiöse Bildung anzubieten, die den oft sehr
unterschiedlichen Situationen der Schüler angepaßt ist. Sie müssen ihnen auch
das Verständnis dafür vermitteln, daß der Anruf Gottes, ihm im Geist und in der
Wahrheit zu dienen gemäß den Geboten Gottes und den Weisungen der Kirche, den
Mensch keineswegs zwingt, ihn aber dennoch im Gewissen verpflichtet.
Ich denke aber auch an die nicht konfessionell ausgerichtete und an
staatliche Schule. Hier möchte ich den dringenden Wunsch aussprechen, daß es
allen katholischen Schülern, entsprechend dem klaren Rechtsanspruch der
menschlichen Person wie dem der Familien und unter Beachtung der religiösen
Freiheit aller, ermöglicht werde, in ihrer geistlichen Bildung unter Mithilfe
einer religiösen Unterweisung voranzuschreiten, die von der Kirche abhängt,
jedoch je nach Ländern von der Schule oder im Rahmen der Schule oder auch
aufgrund einer Abmachung mit den staatlichen Autoritäten über den Stundenplan
angeboten werden kann, wenn die eigentliche Katechese nur in der Pfarrei oder
einem anderen Seelsorgezentrum stattfindet. Selbst dort, wo tatsächlich
objektive Schwierigkeiten vorliegen, zum Beispiel wenn die Schüler verschiedenen
Religionen angehören, sollte man die Unterrichtszeiten so ordnen, daß die
Katholiken ihren Glauben und ihre religiöse Erfahrung mit Hilfe von
qualifizierten Erziehern, Priestern oder Laien vertiefen können.
Gewiß beeinflussen zugleich viele andere Lebensfaktoren als die Schule die
Mentalität der jungen Menschen: die Freizeit, das soziale Milieu, die
Arbeitswelt. Diejenigen aber, die in einer schulischen Ausbildung stehen, sind
gerade hierdurch stark geprägt; sie begegnen den kulturellen und moralischen
Werten im Klima der Schule und werden mit vielfältigen Ideen konfrontiert, die
sie dort aufgenommen haben. Darum ist es wichtig, daß die Katechese diese
Schulsituation in weitem Umfang berücksichtigt, um die anderen Elemente des
Wissens und der Erziehung wirklich mitzuerfassen, damit das Evangelium Geist und
Herz der Schüler auf der Ebene ihrer Ausbildung erreicht und die Harmonisierung
ihrer Kultur im Licht des Glaubens geschieht. So ermutige ich die
Schulseelsorger, die Ordensleute und Laien, die sich dafür einsetzen, den
Schülern in ihrem Glauben zu helfen. Ich möchte in diesem Zusammenhang meine
feste Überzeugung bekräftigen, daß die Achtung vor dem katholischen Glauben der
Jugendlichen sowie die Bereitschaft, sein Wachsen, seine Verwurzelung und
Festigung, sein freies Bekenntnis und seine praktische Ausübung zu erleichtern,
gewiß jeder Regierung Ehre machen, und dies unabhängig vom System, auf das sie
sich gründet, oder der Ideologie, von der sie sich leiten läßt.
In den Verbänden
70. Schließlich gilt ein Wort der Ermutigung den Vereinigungen, Bewegungen
und Gruppen von Gläubigen, die sich Werken der Frömmigkeit, dem direkten
Apostolat, der Liebestätigkeit, der Hilfe für Notleidende und der christlichen
Präsenz innerhalb der irdischen Wirklichkeiten widmen. Sie alle werden ihre
eigenen Ziele besser erreichen, der Kirche wirksamer dienen können, wenn sie bei
ihrer inneren Organisation und in der Methode ihres Wirkens der ernsthaften
religiösen Bildung ihrer Mitglieder einen wichtigen Platz einräumen. In diesem
Sinne hat jede Vereinigung von Gläubigen innerhalb der Kirche die Pflicht,
Glaubenserziehung zu ihrem Wesen zu rechnen.
So wird auch der Anteil deutlich, den man den Laien heute in der Katechese
gibt, jedoch immer unter der pastoralen Leitung ihrer Bischöfe, wie es die von
der Synode hinterlassenen Vorschläge mehrfach unterstreichen.
Ausbildungsstätten
71. Dieser Beitrag der Laien, für die wir dem Herrn Dank schulden, ist
gleichzeitig eine Herausforderung an unsere Verantwortlichkeit als Hirten.
Solche Laienkatecheten müssen sorgfältig vorbereitet werden für das, was zwar
kein formelles Dienstamt ist, dennoch aber eine sehr große Bedeutung innerhalb
der Kirche hat. Diese Ausbildung legt uns nahe, entsprechende Zentren und
Institute einzurichten, denen die Bischöfe ihre ständige Aufmerksamkeit schenken
müssen. Hier liegt eine Aufgabe vor, bei der sich eine diözesane, interdiözesane,
ja nationale Zusammenarbeit als nützlich und fruchtbar erweist. Hier kann dann
auch die materielle Hilfe der bessergestellten Kirchen für ihre ärmeren
Schwesterkirchen am wirksamsten werden. Kann eine Kirche überhaupt einer anderen
besser helfen, als wenn sie dazu beiträgt, daß diese durch sich selbst als
Kirche wachsen kann?
Allen aber, die hochherzig im Dienst am Evangelium arbeiten und denen ich
hier bereits meine lebhafte Ermutigung ausgesprochen habe, möchte ich eine
Mahnung mit auf den Weg geben, die meinem verehrten Vorgänger Paul VI. teuer
war: „Als Träger der Evangelisierung müssen wir ... das Bild von im Glauben
gereiften Menschen geben, die fähig sind, sich jenseits aller konkreten
Spannungen in der gemeinsamen aufrichtigen und lauteren Wahrheitssuche zu
begegnen. Wirklich, das Schicksal der Evangelisierung ist mit aller Bestimmtheit
an das von der Kirche gebotene Zeugnis der Einheit gebunden. Daraus ergibt sich
Verantwortung, aber auch Trost[121] .“
SCHLUSS
Der Heilige Geist, der innere Lehrer
72. Am Ende dieses Apostolischen Schreibens wendet sich unser Herz dem zu,
der die innere Triebkraft aller katechetischen Tätigkeit ist und in allen wirkt,
die sie ausüben: der Geist des Vaters und des Sohnes, der Heilige Geist.
Bei der Beschreibung der Sendung, die dieser Geist innerhalb der Kirche haben
würde, braucht Christus die bezeichnenden Worte: „Er wird euch alles lehren und
euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe[122] .“ Ferner: „Wenn aber
jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die volle Wahrheit führen
... das Kommende wird er euch verkünden[123] .“
Der Geist ist also der Kirche und jedem Gläubigen verheißen als ein innerer
Lehrer, der im Verborgenen des Gewissens und des Herzens das verstehen läßt, was
man gehört hat, aber noch nicht fassen konnte. Der heilige Augustinus sagt
hierzu: „Der Heilige Geist unterweist von nun an die Gläubigen nach der
geistigen Fassungskraft eines jeden. Er entzündet in ihrem Herzen ein um so
lebendigeres Verlangen, je mehr einer in der Liebe voranschreitet, die ihn das
lieben läßt, was er schon kennt, und nach dem verlangen läßt, was er noch nicht
kennt[124] .“
Der Geist ist ferner dazu gesandt, die Jünger zu Zeugen für Christus zu
machen: „Er wird Zeugnis für mich ablegen. Auch ihr seid Zeugen[125] .“
Aber noch mehr. Für den heiligen Paulus, der zu diesem Punkt eine im ganzen
Neuen Testament verborgene Theologie zusammenfaßt, besteht das ganze „Christsein“,
das ganze christliche Leben, im neuen Leben der Kinder Gottes, in einem Leben
nach dem Geist[126] . Nur der Geist gestattet uns, zu Gott „Abba, Vater“ zu
sagen.[127] Ohne den Geist können wir nicht bekennen: „Jesus ist der Herr[128]
.“ Vom Heiligen Geist stammen alle Charismen, die die Kirche, die Gemeinschaft
der Christen, auferbauen[129] . In diesem Sinne gibt der heilige Paulus jedem
Jünger Christi den Auftrag: „Laßt euch vom Geist erfüllen[130] .“ Der heilige
Augustinus sagt es sehr deutlich: „Beides (unser Glauben und Gutestun) sind
unsere eigenen Akte kraft unserer Willensentscheidung, und doch ist das eine wie
das andere ein Geschenk, das vom Geist des Glaubens und der Liebe herkommt[131]
.“
Die Katechese, die Wachstum im Glauben und Reifung des christlichen Lebens
auf seine Fülle hin bedeutet, ist folglich ein Werk des Heiligen Geistes, ein
Werk, das nur er in der Kirche erwecken und nähren kann.
Diese Feststellung, die sich aus der Aussage der oben zitierten Texte und
vieler anderer Stellen des Neuen Testamentes ergibt, führt uns zu einer
zweifachen Überzeugung.
Vor allem ist klar, daß die Kirche, wenn sie ihre katechetische Sendung
erfüllt ‑ und das gleiche gilt von jedem Christen, der sich in der Kirche und im
Namen der Kirche dafür einsetzt ‑, sich immer sehr bewußt bleiben muß, daß sie
dabei als lebendiges und gelehriges Werkzeug des Heiligen Geistes tätig wird.
Ständig diesen Geist anrufen, in Gemeinschaft mit ihm bleiben, sich bemühen,
seine wahren Anregungen zu erkennen, das muß die Grundhaltung der lehrenden
Kirche und jedes Katecheten sein.
Ferner muß das tiefe Verlangen, das Wirken des Geistes besser zu erfassen und
sich immer mehr ihm zu öffnen ‑ da wir doch „in der Kirche einen Augenblick
erleben, der in besonderer Weise vom Heiligen Geist gekennzeichnet ist“, wie
mein Vorgänger Paul VI. in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii Nuntiandi“
bemerkte[132] ‑, ein Erwachen der Katechese hervorrufen. Tatsächlich ist die
„Erneuerung im Geist“ schon dann echt und wirklich fruchtbar für die Kirche,
wenn sie nicht so sehr außerordentliche Charismen weckt, sondern eine
größtmögliche Zahl von Gläubigen auf den alltäglichen Wegen zum bescheidenen,
geduldigen und beharrlichen Bemühen anregt, das Geheimnis Christi immer besser
zu erkennen und von ihm Zeugnis zu geben.
Ich rufe hier auf die katechetische Tätigkeit der Kirche diesen Geist des
Vaters und des Sohnes herab und bitte ihn, den Eifer für die Katechese in der
Kirche zu erneuern.
Maria, Mutter und Vorbild des Jüngers
73. Möge die Jungfrau des Pfingstfestes uns dies durch ihre Fürbitte
erflehen! In ihrer einzigartigen Berufung sah sie ihren Sohn Jesus „wachsen an
Weisheit, Kraft und Gnade[133] “. Auf ihren Knien und dann sein ganzes
verborgenes Leben in Nazaret hindurch wurde dieser Sohn, der als der eingeborene
Sohn des Vaters „voll der Gnade und Wahrheit“ war, durch ihre Belehrung geformt
in seinem menschlichen Wissen über die Schriften, die Geschichte des Heilsplanes
Gottes mit seinem Volk und in der Anbetung des Vaters[134] . Andererseits war
sie die erste von seinen Jüngern: die erste der Zeit nach, denn schon, als sie
ihn im Tempel wiederfand, empfing sie von ihrem heranwachsenden Sohn eine
Belehrung, die sie in ihrem Herzen bewahrte[135] ; die erste vor allem darum,
weil niemand in einer solchen Tiefe wie sie „Schülerin Gottes[136] “ war. Der
heilige Augustinus nennt sie „Mutter und Schülerin zugleich“, und er fügt kühn
hinzu, daß dieses zweite für sie wichtiger war als das erste[137] . Nicht ohne
Grund hat man in der Synodenaula gesagt, daß Maria ein „lebendiger Katechismus“
sei, „Mutter und Vorbild der Katecheten“.
Möge daher die Gegenwart des Heiligen Geistes auf die Fürsprache Mariens der
Kirche einen neuen, nie dagewesenen Elan für die katechetische Arbeit schenken,
die ihr so wesentlich ist. Dann wird die Kirche in dieser Stunde der Gnade ihre
unverzichtbare und universale Sendung wirksam erfüllen, die sie von ihrem
Meister empfangen hat: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen
Jüngern[138] .“
Mit meinem apostolischen Segen!
Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 16. Oktober 1979, im zweiten
Jahr meines Pontifikates.
JOHANNES PAUL II.
Anmerkungen
[1] Vgl. Mt 28,19-20.
[2] Vgl. 1 Joh 1,1.
[3] Vgl. Joh 20,31.
[4] Vgl. AAS 63 (1971) 758—764.
[5] Vgl. Nr. 44; vgl. auch Nr. 45-48 und 54: AAS 68 (1976) 34-35;
35-38; 43.
[6] Bekanntlich kann nach dem Motu prorio Apostolica Sollicitudo vom
15. September 1965 (AAS 57 [1965] 775-780) die Bischofssynode in der Form
einer Generalversammlung, als außerordentliche oder als Sonderversammlung
zusammentreten. Im vorliegenden Apostolischen Schreiben beziehen sich die
Ausdrücke „Synode“ oder „Väter der Synode“ oder „Synodenaula“ immer, wenn nicht
anders angegeben, auf die 4. Generalversammlung der Bischofssynode, die im
Oktober 1977 in Rom über das Thema der Katechese stattfand.
[7] Bischofssynode De catechesi hoc nostro tempore tradenda praesertim
pueris atque iuvenibus, Ad Populum Dei Nuntius, Vatikan, 28. 10.
1977; vgl. L‘Osservatore Romano, 30. Oktober 1977, S. 3-4.
[8] Vgl. AAS 69 (1977) 633.
[9] Vgl. Joh 1,14.
[10] Joh 14,6.
[11] Eph 3,9. 18-19.
[12] Vgl. Joh 14,6.
[13] Joh 7, 16. Dies ist ein bevorzugtes Thema des vierten Evangeliums:
vgl. Joh 3, 34; 8, 28; 12, 49-50; 14, 24; 17, 8. 14.
[14] 1 Kor 11,23: das Wort „überliefern“, hier vom heiligen Paulus
verwendet wird öfter im Apostolischen Schreiben Evangelii Nuntiandi
benutzt, um die Verkündigung der Kirche zu beschreiben, z. B. Nr. 4, 15, 78, 79.
[15] Apg 1, 1.
[16] Mt 26, 55; vgl. Joh 18, 20.
[17] Mk 10, 1.
[18] Mk 1, 22; vgl. auch Mt 5, 2; 11, 1; 13, 54; 22, 16; Mk
2, 13, 4, 1; 6, 2. 6; Lk 5, 3. 17; Joh 7, 14; 8, 2 u.a.
[19] Lk 23, 5.
[20] An fast 50 Stellen der vier Evangelien wird dieser Titel Jesus
zugeschrieben. Er ist der gesamten jüdischen Überlieferung entnommen, hat aber
hier eine neue Bedeutung. die Christus selber oft ins Licht zu rücken sucht.
[21] Vgl. u. a. Mt 8, 19; Mk 4, 38; 9, 38; 10, 35; 13, 1;
Joh 11, 28.
[22] Mt 12, 38.
[23] Lk 10, 25; vgl. Mt 22, 16.
[24] Joh 13, 13-14; vgl. auch Mt 10, 25; 26, 18 u. par.
[25] Mt 23, 8. Ignatius von Antiochien greift diese Feststellung auf
und kommentiert sie wie folgt: „Wir haben den Glauben empfangen, und deswegen
wollen wir auch als Jünger Jesu Christi, unseres einzigen Meisters, anerkannt
werden“ (Brief an die Magnesier, IX, 1, Funk 1,239).
[26] Joh 3,2.
[27] Die Darstellung Christi, des Lehrers, wie er seine Lehre verkündet,
taucht schon in den römischen Katakomben auf. Sehr oft wird sie in den Mosaiken
der römisch-byzantinischen Kunst des dritten und vierten Jahrhunderts verwandt.
Sie bildet ebenfalls ein vorherrschendes künstlerisches Motiv bei den großen
romanischen und gotischen Kathedralen des Mittelalters.
[28] Mt 28, 19.
[29] Joh 15, 15.
[30] Vgl. Joh 15, 16.
[31] Apg 2, 42.
[32] Apg 4, 2.
[33] Vgl. Apg 4, 18; 5, 28.
[34] Vgl. Apg 4, 19.
[35] Vgl. Apg 1, 25.
[36] Vgl. Apg 6, 8 ff.; vgl. auch Philippus, der den Beamten der
Königin von Äthiopien unterweist: Apg 8, 26 ff.
[37] Vgl. Apg 15, 35.
[38] Apg 8, 4.
[39] Apg 28, 31.
[40] Vgl. die Enzyklika Mater et Magistra von Papst Johannes XXIII.,
AAS 53 (1961) 401: Die Kirche ist „Mutter“, denn sie gebiert durch die
Taufe ohne Unterlaß neue Kinder und läßt die Familie Gottes wachsen. Sie ist „Lehrerin“,
denn sie sorgt dafür, daß ihre Kinder in der Gnade der Taufe wachsen. Sie nährt
ihren sensus fidei durch die Unterweisung in den Glaubenswahrheiten.
[41] Vgl. z. B.: den Brief des Klemens von Rom an die Kirche von Korinth, die
Didache, den „Brief der Apostel“, die Schriften des Irenäus von Lyon (Demonstratio
apostolicae praedicationis und Adversus haereses), von Tertullian (De baptismo),
des Klemens von Alexandrien (Der Pädagoge), des Cyprian (Testimonia ad Quirinum),
des Origenes (Contra Celsum) usw.
[42] Vgl. 2 Thess 3, 1.
[43] II. Vatikanisches Konzil, Erklärung über die Religionsfreiheit
Dignitatis Humanae Nr. 2: AAS 58 (1966) 930.
[44] Vgl. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (UNO) vom 10.
Dezember 1948, Art. 18; Internationale Abmachung zu den bürgerlichen und
politischen Rechten (UNO) vom 16. Dezember 1966, Art. 4; Schlußakte der
Konferenz über die Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, Paragraph VII.
[45] Bischofssynode, De catechesi hoc nostro tempore tradenda praesertim
pueris atque iuvenibus, Ad Populum Dei Nuntius, Nr. 1 und 4: a. a.
O., S. 3-4; 6-7; vgl. „L‘Osservatore Romano“, 30. Oktober 1977, S. 3.
[46] Ebd. Nr. 6: a. a. O., 30. Oktober 1977, S. 7-8.
[47] Kleruskongregation: Allgemeines Katechetisches Direktorium, Nr.
17-35: AAS 64 (1972) 110-118.
[48] Vgl. Nr. 17-24: AAS 68 (1976) 17-22.
[49] Vgl. Bischofssynode, De catechesi hoc nostro tempore tradenda
praesertim pueris atque iuvenibus, Ad Populum Dei Nuntius, Nr. 1: a. a. O.,
S. 3 f.; vgl. “L‘Osservatore Romano”, 30. Oktober 1977, S. 3.
[50] Ansprache zum Abschluß der Synode, 29. Oktober 1977: AAS 69
(1977) 634.
[51] Ebd.
[52] Allgemeines Katechetisches Direktorium, Nr. 40 und 46: AAS
64 (1972) 121 und 124-125.
[53] Vgl. Dekret über Dienst und Leben der Priester, Presbyterorum Ordinis,
Nr. 6: AAS 58 (1966) 999.
[54] Vgl. Ordo initiationis christianae adultorum.
[55] Vgl. Eph 4, 13.
[56] Vgl. 1 Petr 3, 15.
[57] Vgl. Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei
Verbum, Nr. 10 und 24: AAS 58 (1966) 822 und 828‑829; vgl. auch
Kleruskongregation: Allgemeines Katechetisches Direktorium, Nr. 45:
AAS 64 (1972) 124, wo die hauptsächlichen und die ergänzenden Quellen der
Katechese gut dargestellt sind.
[58] Vgl. Ordo initiationis christianae adultorum, Nr. 25‑26; 183‑187.
[59] Vgl. AAS 60 (1968) 436‑445. Neben diesen großen
Glaubensbekenntnissen des Lehramtes gibt esbekanntlich auch Glaubensbekenntnisse
der Volksfrömmigkeit, die in der überlieferten christlichen Kultur bestimmter
Länder verwurzelt sind; vgl. das, was ich den Jugendlichen in Gnesen (Gniezno)
am 3. Juni 1979 über die hymnische Botschaft der Bogurodzica gesagt habe: „Sie
ist nicht nur ein Gesang, sie ist zugleich Bekenntnis des Glaubens, Symbol des
polnischen Credo, Katechese und sogar ein Dokument christlicher Erziehung. Die
wichtigsten Glaubenswahrheiten und die Grundprinzipien der Moral sind dort
enthalten. Sie ist nicht nur ein literarisches Werk; sie ist ein Dokument des
Lebens. Man hat sie sogar ‚polnischen Katechismus’ genannt“; vgl. AAS 71
(1979) 754.
[60] Nr. 25: AAS 68 (1976) 23.
[61] Ebd., besonders Nr. 26-39: a.a.O., S.23-25; die „hauptsächlichen
Elemente der christlichen Botschaft“ sind noch mehr systematisch dargestellt im
Allgemeinen Katechetischen Direktorium, Nr. 47-69 (AAS 64 [1972]
125-141); hier findet man also die Norm für den wesentlichen lehrhaften Inhalt
der Katechese.
[62] Man kann hier auch das betreffende Kapitel des Allgemeinen
Katechetischen Direktoriums heranziehen, Nr. 37‑46: a. a. O., S. 120‑125.
[63] Röm 1, 19.
[64] Apg 17, 23.
[65] Vgl. Eph 3, 3.
[66] Vgl. Eph 2, 18.
[67] Vgl. Apg 20, 28.
[68] II. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der
Welt von heute Gaudium et Spes, Nr. 39: AAS 58 (1966) 1056‑1057.
[69] Röm 6, 4.
[70] 2 Kor 5, 17.
[71] Vgl. ebd.
[72] Röm 6, 23.
[73] Vgl. PAUL VI., Apostolisches Schreiben Evangelii Nuntiandi, Nr.
30-38: AAS 68 (1976) 25-30.
[74] Vgl. Catechismo maggiore, V. Teil, Kap. 6, Nr. 965-966.
[75] Vgl. Phil 2, 17.
[76] Röm 10, 8.
[77] Phil 3, 8.
[78] Vgl. Eph 4, 20-21.
[79] Vgl. 2 Thess 2, 7.
[80] Joh 6, 69; vgl. Apg 5, 20; 7, 38.
[81] Apg 2, 28 mit dem Zitat von Ps 16, 11.
[82] Vgl. das ganze Dekret über den Ökumenismus Unitatis Redintegratio:
AAS 57 (1965) 90‑112.
[83] Vgl. ebd., Nr. 5: a. a. O., S. 96; vgl. auch II. Vatikanisches
Konzil, Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad Gentes, Nr. 15;
AAS 58 (1966) 963‑965; Kleruskongregation: Allgemeines Katechetisches
Direktorium, Nr. 27: AAS 64 (1972) 115.
[84] Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dekret über den Ökumenismus Unitatis
Redintegratio, Nr. 3 und 4: AAS 57 (1965) 92‑96.
[85] Vgl. ebd., Nr. 3: a. a. O., S. 93.
[86] Vgl. ebd.; vgl. auch Dogmatische Konstitution über die Kirche
Lumen Gentium, Nr. 15: AAS 57 (1965) 19.
[87] Lk 12, 32.
[88] Vgl. z. B. II. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution über die
Kirche in der Welt von heute Gaudium et Spes: AAS 58 (1966)
1025‑1120; PAUL VI., Enzyklika Populorum Progressio: AAS 59 (1967)
257‑299; Brief Octogesima Adveniens: AAS 63 (1971) 401‑441;
Apostolisches Schreiben Evangelii Nuntiandi: AAS 68 (1976) 5‑76.
[89] Mt 1,16.
[90] Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dekret über die Hirtenaufgabe der
Bischöfe Christus Dominus, Nr. 14: AAS 58 (1966) 679; Dekret über
die Missionstätigkeit der Kirche Ad Gentes, Nr. 14: AAS 58 (1966)
962‑963; Kleruskongregation, Allgemeines Katechetisches Direktorium, Nr.
20: AAS 64 (1972) 112; vgl. auch Ordo initiationis christianae
adultorum.
[91] Vgl. Nr. 58: AAS 68 (1976) 46‑49.
[92] Vgl. Bischofssynode, De catechesi hoc nostro tempore tradenda
praesertim pueris atque iuvenibus, Ad Populum Dei Nuntius, Nr. 7‑10:
a. a. O., S. 9‑12; vgl. “L' Osservatore Romano”, 30. Oktober 1977, S. 3.
[93] Vgl. Kleruskongregation, Allgemeines Katechetisches Direktorium,
Nr. 119‑121; 134: AAS 64 (1972) 166‑167; 172.
[94] Vgl. AAS 71 (1979) 607.
[95] Vgl. Röm 16, 25; Eph 3, 5.
[96] Vgl. 1 Kor 1, 17.
[97] Vgl. 2 Tim 1, 14.
[98] Vgl. Joh 1, 16; Eph 1, 10.
[99] Vgl. Enzyklika Redemptor Hominis, Nr. 15‑16: AAS 71 (1979)
286‑295.
[100] Vgl. Mt 5, 13-16.
[101] Vgl. PAUL VI., Enzyklika Ecclesiam Suam, III. Teil: AAS
56 (1964) 637‑659.
[102] Vgl. Hebr 11, 27
[103] 1 Kor 13, 12
[104] Vgl. 1 Tim 6, 16
[105] Hebr 11, 1.
[106] Vgl. Mt 2, 1ff.
[107] BLAISE PASCAL, Le mystère de Jésus: Pensées, Nr. 553.
[108] PAUL VI. Sollemnis Professio Fidei, Nr. 4: AAS 60 (1968)
434.
[109] PAUL VI., Apostolisches Schreiben Quinque iam Anni: AAS
63 (1971) 99.
[110] Vgl. 1 Tim 1, 3 ff.; 4, 1 ff.; 2 Tim 2, 14 ff.; 4, 1‑5;
Tit 1, 10‑12; vgl. auch Apostolisches Schreiben Evangelii Nuntiandi,
Nr. 78: AAS 68 (1976) 70.
[111] Enzyklika Redemptor Hominis, Nr. 10: AAS 71 (1979) 274.
[112] De catechizandis rudibus: PL 40, 310‑347.
[113] Vgl. Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe Christus Dominus,
Nr. 14: AAS 58 (1966) 679.
[114] Dekret über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum Ordinis,
Nr. 6: AAS 58 (1966) 999.
[115] Klgl 4, 4.
[116] Eph 4, 5-6.
[117] Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Konstitution über die heilige Liturgie
Sacrosanctum Concilium, Nr. 35, 52: AAS 56 (1964) 109, 114; vgl.
auch Institutio generalis Missalis Romani, promulgiert durch Dekret der
Ritenkongregation vom 6. April 1969, Nr. 33, und das, was hierzu im Kapitel VI
über die Predigt gesagt ist.
[118] Seit dem hohen Mittelalter bestanden die Provinzialkonzile auf der
Verantwortlichkeit der Eltern für die Glaubenserziehung: vgl. VI. Konzil von
Arles (813), can. 19; Konzil von Mainz (813), can. 45, 47; VI. Konzil von Paris
(829), Buch I, Kap. 7: MANSI, Sacrorum Conciliorum nova et amplissima
collectio, XIV, 62, 74, 542. Unter den jüngeren Dokumenten des Lehramtes ist
die Enzyklika Divini illius Magistri von Pius XI. vom 31. Dezember 1929
zu erwähnen: AAS 22 (1930) 49‑86; dazu viele Ansprachen und Botschaften
Pius' XII.; vor allem auch die Texte des II. Vatikanischen Konzils: Dogmatische
Konstitution über die Kirche Lumen Gentium Nr. 11, 35: AAS 57
(1965) 15, 40; Dekret über das Laienapostolat Apostolicam Actuositatem,
Nr. 11, 30: AAS 58 (1966) 847, 860; Pastoralkonstitution über die Kirche
in der Welt von heute Gaudium et Spes, Nr. 52: AAS 58 (1966) 1073;
besonders die Erklärung über die christliche Erziehung Gravissimum
Educationis, Nr. 3: AAS 58 (1966) 731.
[119] Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Erklärung über die christliche Erziehung
Gravissimum Educationis, Nr. 3: AAS 58 (1966) 731.
[120] II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche
Lumen Gentium, Nr. 11: AAS 57 (1965) 16; vgl. Dekret über das
Laienapostolat Apostolicam Actuositatem, Nr. 11: AAS 58 (1966)
848.
[121] Apostolisches Schreiben Evangelii Nuntiandi, Nr. 77; AAS
68 (1976) 69.
[122] Joh 14, 26.
[123] Joh 16, 13.
[124] In Ioannis Evangelium Tractatus, 97, 1: PL 35, 1877.
[125] Joh 15, 26-27.
[126] Vgl. Röm 8, 14‑17; Gal 4, 6.
[127] Röm 8, 15.
[128] 1 Kor 12, 3
[129] Vgl. 1 Kor 12, 4-11.
[130] Eph 5, 18.
[131] Retractationum liber I, 23, 2: PG 32, 621.
[132] Nr. 75: AAS 68 (1976) 66.
[133] Vgl. Lk 2, 52.
[134] Vgl. Joh 1, 14; Hebr 10, 5; S. Th. IIIa, Q. 12, a. 2; a.
3, ad 3.
[135] Vgl. Lk 2, 51.
[136] Vgl. Joh 6, 45.
[137] Vgl. Sermo 25, 7: PL 46, 937‑938.
[138] Mt 28, 19.
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