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SCHREIBEN VON PAPST PAUL
VI. AN KARD. FRANZ KÖNIG
Unserem geliebten Sohn Franz Kardinal König, Erzbischof von Wien,
Unseren Mitbrüdern im Bischofsamt sowie allen Priestern und Gläubigen,
die die Fünfhundertjahrfeier der Bistumsgründung begehen.
Euch allen gilt Unser väterlicher und brüderlicher Gruss in Christus
Jesus, unserem Herrn.
Der Rückblick auf die Ereignisse der geschichtlichen Vergangenheit lässt oft
in augenfälliger Weise die wunderbaren Fügungen der göttlichen Vorsehung
erkennen. Trotz vieler vergeblicher Bemühungen, trotz Widerstand und
Schwierigkeiten erlangte Kaiser Friedrich III. schliesslich doch von Unserem
Vorgänger Paul II, am 18. Januar 1169 die Errichtung des Bistums Wien. Gerade
diese Gründung wurde, wie die Bilder Ihrer reichbewegten Geschichte zeigen, im
Taufe der Jahrhunderte zu einer Quelle des Segens für die Kirche in Österreich,
ja weit über die österreichischen Landesgrenzen hinaus.
So ist unser Herz heute vor allem von Dank gegen Gott erfüllt für das Zeugnis
des Glaubens und die Werke des Liebe, für die Treue zur Kirche und zum
Stellvertreter Christi, die in den Gläubigen der Wiener Erzdiözese auch in
sturmbewegten Tagen stets lebendig waren und sind. Ja, lasst uns Gott in Jesus
Christus danken, dass er aus so schwierigen und kleinen Anfängen so Grosses mit
seiner Gnade geschaffen hat! Er möge für immer dieses sein Werk segnen und alle,
die dafür gearbeitet, gebetet und geopfert haben!
Mit Unserem Dank verbinden sich in dieser festlichen Stunde Unsere von Herzen
kommenden Wünsche. Wir möchten sie in die Worte der Schrift kleiden: «Stehet
fest im Glauben!» (1 Petr. 5, 9), «Jeder von euch möge den gleichen Eifer
in der Hoffnung zeigen!» (Hebr. 6, 11), «Seid eines Sinnes, von der
gleichen Liebe und dem gleichen Geiste beseelt!» (Phil. 2, 3).
«Stehet fest im Glauben!». In den letzten Jahren ist eine wachsende Unruhe um
die Grundfragen des Glaubens und des kirchlichen Lebens spürfar gewarden.
Wiederholt haben Wir daraufhingewiesen, dass Auffassung vertreten werden, die
nicht unerheflich von der überlieferten Kirchlichen Lehre abweichen und die
Ordnung in der Kirche zu gefährden droben. Die von Zweiten Vatikanischen Konzil
eingeleitete Erneuerung, der begonnene innerkirchliche Dialog und das breite
Interesse der Offentlichkeit an den Fragen des Glaubens und des kirchlichen
Lebens dürfen nicht zu Verwirrung und Auflösung führen, sondern müssen die
entscheidenden Initiativen sein, die unter der Leitung des kirchlichen Lehramtes
der Festigung und Vertiefung unseres Glaubens dienen. Ihr könnt hier, liebe
Söhne und Töchter der Erzdiözese Wien, auf eine grosse Vergangenheit
zurückblicken. Die echte Frömmigkeit Euerer Väter und ihre Liebe zur Kirche
haben sich in den herrlichen sakralen Bauwerken Eueres Bistums ein bleibendes
und stets mahnendes Denkmal geschaffen.
«Jeder von euch möge den gleichen Eifer in der Hoffnung zeigen !» . Heute,
wie vor fünfhundert Jahren in den Gründungstagen des Bistums Wien, steht die
Menschheit an der Schwelle eines Zeitalters bedeutender Entdeckungen. Damals war
es die Erforschung Amerikas, heute geht das Interesse über, die Erde hinaus, in
die Weite des Universums. Der nach oben gerichtete Blick des Menschen soll
symbolhaft sein für unsere Haltung als Christen in dieser Welt. In der Lösung
der vielen menschlichen Probleme dürfen wir nicht allein unser Vertrauen auf
unsere menschlichen Kräfte und auf die materiellen Güter der Erde setzen,
sondern unsere Hoffnung muss sich auf Gott richten. Er wird uns in vielen
Fragen, die menschlich gesprochen ausweglos und unerträglich erscheinen, Licht
und Kraft schenken.
«Seid eines Sinnes, von der gleichen Liebe und dem gleichen Geiste beseelt!».
Die grossen sozialen Probleme, denen sich die Völker heute gegenübersehen,
fordern von uns Christen ein mitfühlendes Herz und eine helfende Hand. Doch
möchten Wir dabei, wie schon bei anderen Gelegenheiten, in Erinnerung rufen, was
heute leider oft übersehen und verneint wird, dass unsere Liebe zum Nächsten in
einer inneren Abhängigkeit zur Gottesliebe steht. Nur die liebende Verbindung
mit Gott ist die Kraftquelle aller Initiativen für die Lösung der sozialen
Frage, für eine fruchtbare Zusammenarbeit im öffentlichen Leben, für die Werke
des Friedens und der Caritas. Aus der Kraft der Gottesliebe heraus werdet Ihr
auch auftretende Spannungen überwinden und die rechte Haltung gegenüber der
Kirche, ihrer Autorität und ihren Institutionen in dem wichtigen Werk der
Erneuerung, das Ihr durch Euere bevorstehende Diözesansynode einleitet, bewahren
und festigen.
Ehrwürdige Brüder, liebe Söhne und Tochter! Das Beispiel Euerer Vorfahren,
die grosse Tradition des österreichischen Landes und Euere frohe und
zuversichtliche Wesensart werden Unsere Wünsche verwirklichen lassen. Vor allem
und immer aber wird es das Werk der göttlichen Gnade sein, die Wir in reicher
Fülle für Euch und Euer Erzbistum Wien, für Euer kirchliches Leben, und vor
allem für die bevorstehende Synode erflehen, und als deren Unterpfand Wir Euch
allen von Herzen Unseren Apostolischen Segen erteilen.
Aus dem Vatikan, am Fest der Erscheinung des Herrn 1969.
PAULUS PP. VI
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