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SCHREIBEN VON PAPST PAUL VI. AN DIE DEUTSCHEN KATHOLIKEN
ZUM DANK FÜR IHRE HILFE FÜR LATEIN-AMERIKA
Freude und dank sind es, die Uns diesen Brief schreiben lassen. Die Kirche hat
verehrungswürdige, jahrhundertealte Institutionen, die sich als Zeichen und
Werkzeuge der Liebe Christi bewährt haben. An ihrer Seite sehen Wir seit einigen
Jahren neue Hilfswerke wirksam werden, die sich die Aufgabe gestellt haben,
einen Beitrag zur Überwindung der ständig wachsenden Not in dieser Welt zu
leisten. Diese Entwicklung zeigt, dass sich das christliche Volk auch in unseren
Tagen dem Anruf Gottes in den Ereignissen der Zeit nicht verschließt und bereit
ist, den leidenden Brüdern und Schwestern tatkräftig zu dienen eingedenk der
Worte der Schrift: «Wer die Güter der Welt besitzt und seinen Bruder Not leiden
sieht und doch sein Herz vor ihm verschließt: wie kann in dem die Liebe Gottes
wohnen? Kinder, laßt uns nicht mit Worten und mit der Zunge lieben, sondern in
der Tat und in der Wahrheit» (1 Io. 3, 17-18).
Ausdruck dieser helfenden Haltung sowie einer der hoffnungsvollen Auftakte des
Konzils war die Gründung des Hilfswerkes Adveniat, durch das die
deutschen Katholiken den notleidenden christlichen Gemeinden in Latein-Amerika
spontan zur Hilfe kamen. Wievel Opfergeist zeigt doch das Ergebnis der
bisherigen Adveniat-Kollekten und wieviel Mut, Hoffnung und neue Kräfte
sind in den vergangenen zehn Jahren durch die fast fünfzehntausend Projekte
geweckt worden, die von Adveniat unterstützt, ja in vielen Fällen erst
ermöglicht werden konnten. Denn «ein erneutes Bewußtsein der Forderungen des
Evangeliums macht es der Kirche zur Pflicht, sich in den Dienst der Menschen zu
stellen, um ihnen behilflicht zu sein, das ganze Ausmaß dieses schweren Problems
zu begreifen und sie zu überzeugen, sich in diesem Wendepunkt der
Menschheitsgeschichte dringlich zu vereintem Handeln zusammenzuschliessen» (Cfr.
Octogesima adveniens, 5).
Wir sind wohl unterrichtet, wie segensreich sich diese Ihre gemeinsame Hilfe
auswirkt. Besonders erfreut aber waren Wir zu erfahren, daß es eine wirklich
brüderliche Hilfe ist, die hier geleistet wird. Eine Hilfe - sagen Wir -, die
sich auszeichnet durch ein selbstverständliches, bedingungsloses Geben und ein
unbefangenes, von jedem Hauch einer Demütigung freies Empfangen. Auch hierfür,
für diese uneigennützige und von gegenseitiger Achtung getragene Vermittlung der
Hilfe möchten Wir allen deutschen Katholiken ein aufrichtiges Wort des Dankes
aussprechen.
Lassen Sie Uns aber auch mit der dankbaren Würdigung der zehnjährigen wertvollen
Arbeit der Aktion Adveniat die Hoffnung verbinden, daß dieses
Bischöfliche Werk weiterhin ein Ansporn für alle Beteiligten und für die ganze
Kirche Christi sein möge.
Mit diesem Wunsche erteilen Wir Ihnen, Herr Kardinal, und dem unermüdlichen,
hochverdienten Leiter von Adveniat - Bischof Franz Hengsbach von Essen -
sowie allen deutschen Katholiken als Unterpfand reichster Gottesgnaden für das
bevorstehende Weihnachtsfest aus der Fülle des Herzens Unseren Apostolischen
Segen.
Aus dem Vatikan, am 28. November 1971, dem 1. Adventssonntag.
PAULUS PP. VI
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