Rundschreiben
unseres Heiligen Vaters Pius XII.
durch Gottes Vorsehung
Papst,
an die ehrwürdigen Brüder,
die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe,
Bischöfe
und die anderen Oberhirten,
die in Frieden und Gemeinschaft
mit dem
apostolischen Stuhle leben,
über Film, Funk und Fernsehen.
Ehrwürdige Brüder, Gruß und Apostolischen Segen!
Einleitung
Die geradezu wunderbaren Erfindungen der Technik, auf welche die Menschen
von heute so stolz sind, sind ganz gewiß eine Frucht des menschlichen
Scharfsinns und Schaffens, sie bleiben aber doch (Gaben Gottes, unseres Schöpfers,
von dem alle guten Werke ausgehen; "denn er brachte das Geschöpf nicht nur
hervor, er schützt und hegt es auch, nachdem er es geschaffen".
Einige dieser Erfindungen steigern und vervielfachen Kraft und
Leistung des Menschen; andere verbessern seine Lebensbedingungen; wieder
andere, solche, die vornehmlich das Seelische und Geistige angehen, erreichen
unmittelbar oder durch künstlich hervorgebrachte Bilder und Töne Millionen von
Menschen; mit größter Leichtigkeit teilen sie ihnen Nachrichten, Vorstellungen
und Belehrungen mit, die ihnen, auch für die Stunden der (1) Ruhe und
Erholung, als Geistesnahrung dienen können.
Unter den letztgenannten Erfindungen haben in unserer Zeit der
Film, der Funk und das Fernsehen den größten Aufschwung genommen.
Gründe für das Interesse der Kirche
Kaum waren diese Schöpfungen der Technik in Anwendung
gekommen, als auch die Kirche sich ihrer mit großer Freude, aber auch mit
wacher Sorge annahm, geleitet von der Absicht, ihre heranwachsenden Kinder in
den Entwicklungsjahren vor allen Gefahren zu schützen.
Ihre wache Sorge erwächst unmittelbar aus dem Auftrag, den sie
vom göttlichen Heiland empfing; geben ja, wie allen bekannt, die neuen
Errungenschaften dem Denken und Handeln des einzelnen wie der ganzen
Gemeinschaft sehr stark eine bestimmte Richtung.
Noch aus einem anderen Grunde beurteilt die Kirche eine solche
Erscheinung vor allem unter ihrem eigenen Gesichtspunkt; sie hat in einem viel
bedeutenderen Sinn als alle übrigen jedem einzelnen Menschen eine Botschaft zu
bringen: die Botschaft des ewigen Heiles, eine Botschaft unvergleichlicher
Fruchtbarkeit und Macht, eine Botschaft endlich, die alle Menschen aller
Völker und Zeiten annehmen und umfassen müssen nach dem Wort des
Völkerapostels: "Mir, dem geringsten von allen Heiligen, ward die Gnade
zuteil, den Heiden den unergründlichen Reichtum Christi zu verkündigen und
alle darüber aufzuklären, wie das Geheimnis verwirklicht wurde, das von
Ewigkeit her in Gott, dem Schöpfer aller Dinge, verborgen war" (2).
Vorläufer des Rundschreibens
Es ist darum nicht zu verwundern, wenn die Inhaber der höchsten
kirchlichen Gewalt diese schwerwiegende Angelegenheit unter dem Gesichtspunkt
behandelten, das ewige Heil derer zu sichern, die nicht "mit vergänglichem
Gold oder Silber erkauft sind (. . . ) , sondern durch das kostbare Blut
Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel" (3) , und alle Fragen sorgfältig
erwogen, die Film, Funk und Fernsehen den Christen heute vorlegen.
Es ist jetzt mehr als 20 Jahre her, daß unser Vorgänger
hochseligen Angedenkens Papst Pius XI. unter Benutzung des "wahrlich
wunderbaren Hilfsmittels Marconis" die erste Rundfunkbotschaft "an alle Völker
und an jegliches Geschöpf" richtete (4).
Und wenige Jahre später sandte unser Vorgänger jenes wunderbare
Rundschreiben, das mit den Worten "Mit wacher Sorge" (5) beginnt, an
die Ehrwürdigen Brüder, Erzbischöfe und Bischöfe der Vereinigten Staaten
Nordamerikas; in diesem Schreiben, in dem er über den Film sehr weise auch
den heutigen Zeiten angepaßte Vorschriften gab, sagte er unter anderem: "Es ist dringend notwendig, ja dafür zu sorgen, daß alles, was -
Geschenk Gottes - der Fortschritt in die menschlichen Wissenszweige und auch
in die technische Vervollkommnung eingeführt hat, der Ehre Gottes, dem Heil
der Seelen und der Ausbreitung des Reiches Christi wirklich diene, daß wir
alle, wie die Kirche uns beten läßt, so durch die zeitlichen Güter
hindurchgehen, daß wir die ewigen nicht verlieren" (6).
Wir selbst haben im Laufe unseres Pontifikats bei gegebener Gelegenheit oft
den gleichen Gegenstand behandelt und den Seelsorgern wie den verschiedenen
Gruppen der Katholischen Aktion und den christlichen Erziehern geeignete
Richtlinien gegeben. Gern haben wir außerdem die verschiedenen Berufsgruppen
von Film, Rundfunk oder Fernsehen zu uns zugelassen; Wir haben ihnen unsere
Bewunderung bekundet für den staunenswerten Fortschritt dieser Schöpfungen der
Technik und ihrer Meister; wir haben ihnen, die für jeden von ihnen
verbindlichen Pflichten bezeichnet, ebenso die großen von ihnen erworbenen
Verdienste, die Gefahren, in die sie leicht geraten, wie auch die hohen
Ideale, die ihr Denken erleuchten und ihren Willen leiten sollen.
Wie ihr wißt, ließen wir es uns auch angelegen sein, hier an der Römischen
Kurie einen besonderen Ausschuß (7) einzusetzen, dessen Aufgabe es sein
sollte, die verschiedenen Fragen des Films, des Funks und des Fernsehens in
ihrer Beziehung zum katholischen Glauben und zur christlichen Moral sorgsam zu
überprüfen; von diesem Rat können die Bischöfe und alle, die es angeht,
zweckdienliche Richtlinien erfragen.
Häufig machen wir selbst von diesen neuzeitlichen und wundervollen Mitteln
Gebrauch, um durch sie leichter die ganze Herde mit dem obersten Hirten zu
verbinden und zwar so, daß unsere Stimme in verlässigem und sicherem Flug über
den Raum von Erde und Meer, aber auch hin über die stürmischen Fluten der
Geister die Menschenherzen erreiche und heilsam zu beeinflussen vermöge, wie
es das uns anvertraute und heute gleichsam ins Unermeßliche erweiterte höchste
Apostolische Amt von uns verlangt (8).
Die Früchte der päpstlichen Belehrung
Es ist uns ein großer Trost zu wissen, wie unsere und unseres
unmittelbaren Vorgängers seligen Angedenkens Papst Pius XI. mahnende Worte
nicht wenig dazu beigetragen haben, daß Film, Funk und Fernsehen bestrebt
waren, die Menschen wieder an ihre seelische Vervollkommnung, ja sogar an die
Förderung der Ehre Gottes zu gemahnen.
Es sind ja, Ehrwürdige Brüder, durch eure eifrige und wache
Sorge Unternehmen und Werke in Angriff genommen worden, durch welche diese Art
Apostolat in den einzelnen Diözesen und Nationen gefördert werden und darüber
hinaus in gemeinsamem Planen und Wirken alle Völker umfassen sollte.
Nicht wenige Männer des öffentlichen Lebens, wie Vertreter der
Wissenschaft und Wirtschaft, wie auch viele Besucher jener Darbietungen,
Katholiken und Nichtkatholiken, haben in dieser hochwichtigen Angelegenheit
Proben ihres guten Willens gegeben; unter Opfern, auch materiellen, suchten
sie zu erreichen, daß die Gefahr des Bösen gebannt, Gottes Gebote
heiliggehalten und die Würde der menschlichen Person geschützt würde.
Indes müssen wir leider das Wort des Völkerapostels wiederholen:
"Nicht alle leisten dem Evangelium Folge" (9) ; denn auch auf diesem Gebiet
fehlt es nicht an solchen, die dem Lehramt der Kirche weder Verständnis noch
Anerkennung entgegenbringen, ja, die ihm auf jede Weise entgegenarbeiten: ihr
kennt sie, die von ungeordneter Gewinnsucht getrieben werden; oder die vom
Irrtum verblendet der Würde und Freiheit der menschlichen Natur nicht den
gebührenden Platz einräumen; oder die endlich über die Kunst in allen ihren
Formen eine mit der Wahrheit nicht vereinbare Ansicht vertreten.
So sehr wir ihre Haltung tief bedauern, so können wir uns doch
unserer Pflicht nicht entziehen und vom rechten Weg abweichen. Dabei vertrauen
wir darauf, daß, was dem göttlichen Heiland seine Feinde sagten, auch uns
gelten wird: "Wir wissen, daß du wahrhaft bist und den Weg Gottes der Wahrheit
gemäß lehrst und nach niemandem fragst" (10).
Was hat das Rundschreiben veranlaßt?
Aus dem staunenswerten Fortschritt der Technik unserer Tage
auf dem Gebiet des Films, des Funks und des Fernsehens kann größter Nutzen,
können aber auch sehr große Gefahren erwachsen.
Denn diese neuen technischen Mittel, die fast allen zur
Verfügung stehen, üben den stärksten Einfluß auf die Menschen aus: einmal weil
sie in das Reich des Lichtes, des Edelmuts und der Schönheit führen, aber auch
imstande sind, durch das Dunkel der Finsternis zu entstellen, durch Berührung
mit dem Bösen zu entehren und dem Sinnenrausch auszuliefern, je nachdem das
Schauspiel dem Auge sittlich Schlechtes oder sittlich Gutes darbietet (11).
Im vorigen Jahrhundert hat die fortschreitende Technik auf dem
Gebiete der Industrie sehr oft zur Folge gehabt, daß die Verwendung der
Maschine, die den Menschen dienen sollte, sie statt dessen in verelendende
Sklaverei brachte; heute können gleicherweise die Fortschritte der Technik auf
dem Gebiete des Bildes, des Tones und der Ideenverbreitung, wenn sie nicht dem
milden Joch des Gesetzes Christi sich beugen (12) , Quellen unzähliger Übel
werden; Übel, die schon durch den Umstand an Schwere gewinnen, daß nicht nur
die materiellen, sondern auch die geistigen Kräfte elender Sklaverei
überantwortet und so die Erfindungen des Menschen jenes heilbringenden Nutzens
beraubt werden, der nach dem Plan der göttlichen Vorsehung an erster Stelle
ihr Ziel ist (13).
Weil wir diese ernste Angelegenheit mit täglich wachsender väterlicher
Sorge verfolgten und die heilsamen Früchte sahen, die - für den Film - aus
dem Rundschreiben Vigilanti cura - "Mit wacher Sorge" durch mehr als
zwei Jahrzehnte bereits hervorgingen, möchten wir, den Bitten von Bischöfen
wie von Laien, die sich um diesen Wissenszweig bemühen, entsprechend, durch
dieses Rundschreiben Richtlinien und Weisungen für Rundfunkhören und Fernsehen
erlassen.
Nach inständigem Gebet zu Gott und der Bitte um Hilfe an die jungfräuliche
Gottesmutter wenden wir uns an euch, Ehrwürdige Brüder, deren erfahrene und
kluge Hirtensorge wir kennen, um die christliche Lehre über diesen Punkt klar
darzulegen und zweckdienliche Maßnahmen zu empfehlen; darum wünschen wir,
euch eindringlichst zu mahnen, es möge die einem jeden von euch anvertraute
Herde gegen alle denkbaren Irrtümer und jeglichen Schaden geschützt werden,
die Funk und Fernsehen dem christlichen Sittenleben nicht ohne Gefahr großen
Verderbens bringen könnte.
Allgemeiner Teil
Die "Aussendung", das "Senden" nach der christlichen
Lehre
Bevor wir auf Einzelfragen bezüglich der drei Erfindungen: des Films, des
Funks und des Fernsehens, eingehen - wir wissen wohl, daß jede von ihnen
unter dem Gesichtspunkt der seelisch-geistigen Kultur Sonderfragen an die
Kunst, die Technik und die Wirtschaft stellt -halten wir es für angebracht,
kurz die Grundsätze auseinanderzusetzen, die sich auf die möglichst weite
Verbreitung der für die menschliche Gemeinschaft wie für den Einzelnen
bestimmten Güter beziehen.
Das "Senden" des Guten
Gott, als das höchste Gut, teilt dem Menschen, Gegenstand
seiner besonderen Sorge und Liebe, jederzeit seine Gaben aus; von diesen aber
sind die einen geistiger Art, die anderen für das irdische Leben bestimmt. Die
letzteren sind, wie es sich versteht, den ersteren untergeordnet, und zwar
gleicherweise wie der Körper dem Geist untergeordnet sein soll; mit dem Geist
aber ist Gott, bevor er sich in der beseligenden Anschauung ihm mitteilt,
verbunden durch den Glauben und die Liebe, die "in unsere Herzen ausgegossen
ist durch den Heiligen Geist, der uns verliehen wurde" (14).
Da Gott
das Bild der eigenen Vollkommenheit im Menschen zu sehen wünscht (15) , wollte
er ihn auch am Werk der Beschenkung mit geistlich-übernatürlichen Werten
teilnehmen lassen, hat ihn also zum Boten und Verteiler dieser Gaben an seine
Brüder und die ganze Menschheitsgemeinschaft gemacht und so in sein eigenes
Werk einbezogen. Der Mensch hat sich seit der Urzeit von Natur aus daran gewöhnt,
mit Hilfe von Zeichen, die er der gegenständlichen Welt entnahm und denen er
eine immer vollkommenere Form zu geben suchte, sein Geistesgut anderen
mitzuteilen. Von den Bildern und Schriftzeichen der ältesten Zeit an bis zur
vollendeten Technik unserer Tage sind darum alle Geräte, welche die Menschen
miteinander verbinden, zu dem hohen Ziel bestimmt, die Menschen hierin zu
Mitarbeitern Gottes werden zu lassen.
Damit der Plan der Göttlichen Vorsehung sicherer und wirkungsvoller zur
Ausführung gelange, haben wir kraft unserer Apostolischen Vollmacht durch ein
Apostolisches Rundschreiben "den Heiligen Erzengel Gabriel, der den
Sterblichen (. . . ) die heißersehnte Botschaft von der Erlösung der Menschheit
überbrachte, zum himmlischen Patron bei Gott" (16) bestellt für die
technischen Erfindungen, welche die Menschen instand setzen, mit dem
elektrischen Strahl schnellstens Worte an Abwesende zu schreiben, von sehr
weit entfernten Orten miteinander zu sprechen, Nachrichten auf Ätherwellen zu
senden, endlich Dinge und Ereignisse, sie mögen noch so weit weg sein, durch
die dem Auge dargebotenen Bilder wie gegenwärtig zu sehen (17). Als Wir diesen
himmlischen Patron erwählten, war es unsere Absicht, es möchten alle, deren
Händen solch segenspendende Geräte anvertraut sind, sich der Würde des
einem jeden von ihnen anvertrauten Amtes bewußt werden; können doch mit ihnen
die unschätzbaren Reichtümer Gottes unter den Menschen verbreitet werden wie
gute Samenkörner, die Früchte der Wahrheit und Güte zu bringen berufen sind.
Das "Senden" des Bösen
Denn bei der Erwägung der hohen Ideale, denen diese erstklassigen
technischen Errungenschaften zugeordnet sind, erhebt sich für uns die Frage:
Warum denn werden gerade sie so manches Mal zu Mitteln, zu Pfaden des Lasters?
"Woher denn kommt das Unkraut" (18) ?
Nun kann all das Böse, das den rechten sittlichen Grundsätzen sich
widersetzt, nicht aus Gott stammen, der das vollkommene und absolute Gute ist;
auch nicht aus den technischen Errungenschaften selbst, die seine kostbaren
Gaben sind; also doch nur daher, daß der mit freiem Willen ausgestattete
Mensch diese Gaben eben mißbrauchen kann, wenn er Böses vollbringt und
verbreitet und sich so zum Verbündeten des Fürsten der Finsternis und zum
Feind Gottes macht: "Das hat der Feind getan" (19). Darum ist dies die
Forderung der wahren menschlichen Freiheit: wir sollen alle die Mittel
gebrauchen und mit den anderen teilen, die zur Tugend und Vervollkommnung
unserer Natur beitragen können.
Freiheit des "Sendens"
Da aber die Kirche, die Lehrerin des Heilsweges, alles innehat, was zur
Heiligung notwendig ist, besitzt sie das unverletzliche Recht, auszuteilen,
was ihr in göttlichem Auftrag anvertraut ist. Diesem geheiligten Recht
entspricht die Pflicht der Männer des öffentlichen Lebens, und zwar so, daß
ihr, der Kirche, zur Verbreitung von Wahrheit und Tugend auch zu den neuen
Zweigen der Technik der Zugang offen stehen muß.
Die echten und tatbereiten Söhne der Kirche sind aufgerufen, in Erkenntnis
des unschätzbaren Geschenkes der Erlösung nach Kräften dahin zu wirken, daß
der Kirche jene technischen Erfindungen in dem Maß zur Verfügung stehen, in
dem sie zur Heiligung der Seelen beitragen.
Wenn wir das Recht der Kirche deutlich herausstellen und
beanspruchen, ist es doch nicht unsere Absicht, der bürgerlichen Gemeinschaft
das Recht zu bestreiten, mit jenen Hilfsmitteln Unterrichtung und Belehrung zu
verbreiten, wie sie für das Gemeinwohl notwendig oder nützlich sind.
Auch soll es den Einzelnen erlaubt sein - immer unter
Berücksichtigung der jeweils zweckdienlichen Umstände und stets unter Wahrung
der für das Gemeinwohl geltenden Grundsätze - nach ihrem Können durch jenes
Mittel zur Bereicherung der eigenen Geistes - und Herzensbildung wie der der
anderen beizutragen.
Irrige Meinungen über die Freiheit des "Sendens"
Der christlichen Lehre und dem höheren Zweck der genannten
Erfindungen widerspricht jedoch die Einstellung derer, welche dieselben nur in
den Dienst der Politik und ihrer Propaganda oder der Wirtschaft stellen
wollen, die also diesen hochwertigen Gegenstand rein geschäftsmäßig behandeln.
Gleicherweise kann die Anschauung derer nicht gebilligt werden, die einer
Freiheit das Wort reden, auf einer Freiheit bestehen, daß man alles darstellen
und verbreiten dürfe, obwohl es doch offen zutage liegt, welch großes
Verderbnis für Leib und Seele in den vergangenen Jahren aus solcher
Voraussetzung erwachsen ist; hier handelt es sich nämlich nicht um die echte
Freiheit, von der wir oben gesprochen haben, vielmehr um zügellose
Ungebundenheit, die schrankenlos alles an alle weitergibt, auch wenn es gegen
die guten Sitten verstößt und zu schwerer Gefahr für die Seelen werden kann.
Die Kirche, die alles pflegt und fördert, was Geist und Herz
wahrhaft veredelt und bereichert - ist sie doch Patronin und Pflegerin von
Wissenschaft und Kunst - kann nicht zugeben, daß jene Grundvoraussetzung
angetastet werde, die den Menschen auf Gott als höchstes Ziel hinweist und
hinführt. Niemand soll sich deshalb wundern, wenn sie auch in dieser Frage, in
der viel Vorsicht geboten ist, besonnen und umsichtig vorangeht nach dem Wort
des Apostels: "Prüfet alles; was gut ist, behaltet. Von jeder Art Bösem haltet
euch fern" (20).
Zweifelsohne sind deshalb jene zu tadeln, die im Ernst
behaupten, man müsse auch jene Verbreitung dieser Dinge pflegen, ja auf ihr
bestehen, die sich gegen die sittlichen Vorschriften richte, wenn sie nur den
Gesetzen der Kunst und Technik entspreche. Wir haben aus Anlaß der
Fünfhundertjahrfeier des Todes von Fra Angelico unseren Zuhörern kurz ins
Gedächtnis gerufen: "Gewiß ist es nicht verlangt, daß die Kunst als solche
eine ethische oder religiöse Sendung habe. Wenn jedoch die Kunstform, ob Wort
oder Ton oder Bild, sich trügerischen, nichtssagenden und trüben Weisen
angliche, die dem Plan des Schöpfers nicht entsprechen; wenn sie gar, statt in
Geist und Herz edle Empfindungen zu wecken, eher niedere Begierden
hervorriefe, dann könnte es sein, daß sie die Menschen anzöge wenigstens um
ihrer Neuheit willen, die nicht immer einen Wert darstellt, oder jenes
dürftigen Wahrheitsgehaltes wegen, der aus jedem Ding aufscheint; aber eine
derartige Kunst wird von ihrer Höhe herabsteigen, von ihrem ersten und
notwendigen Ausgangspunkt weit abirren, also auch nicht allgemeingültig und
überzeitlich sein können, wie es der Menschengeist ist, an den sie sich
richtet" (21).
Aufgaben der staatlichen Behörde und der Berufsgruppen
Die
weltliche Gewalt ist ohne Zweifel schwer verpflichtet, auch über diese neuen
Zweige der Technik zu wachen; und sie darf sich dabei nicht nur von
politischen Interessen leiten lassen, sondern muß auch für die öffentliche
Sittlichkeit Sorge tragen; deren sicheres Fundament beruht aber nun einmal auf
dem Naturgesetz, das, wie Gottes Wort bezeugt, in unsere Herzen eingeschrieben
ist (22). Die staatliche Kontrolle darf nicht hingestellt werden als ungerechte
Unterdrückung der persönlichen Freiheit; sie zielt ja nicht auf die
Privatsphäre ab, sondern auf die soziale Funktion, die der "Sendung"
wesentlich ist.
Übrigens haben wir schon gelegentlich geäußert: "Wir wissen sehr
wohl, daß bei Menschen unserer Zeit, welche die Einschaltung der
Staatsautorität nicht gerne sehen, die Auffassung verbreitet ist, auch in
diesem Fall seien Kontrollen vorzuziehen, die besser von der Gemeinschaft
selbst ausgingen" (23). Jedoch dürfen die Vorsichtsmaßregeln, die eine Art
Selbstkontrolle der betreffenden Berufsgruppe sind, nicht der
schwerverpflichtenden Amtswaltung der öffentlichen Behörde sich widersetzen;
sie mögen aber lobenswerterweise deren Tätigkeit entgegenkommen und Bösem, das
den guten Sitten leicht Schaden zufügen könne, gleich an der Quelle vorbeugen.
Aus diesem Grund haben wir wie unser unmittelbarer Vorgänger es gelobt, daß
die Berufsgruppen zweckdienliche Schranken aufstellten - ohne damit jedoch
einem Vorurteil gegen die öffentlichen Behörden Raum zu geben. Wir glauben nämlich, daß Film, Funk und Fernsehen nur dann leichter und besser zur wahren inneren
Bildung ihrer Benützer beitragen können, wenn die Kirche, der Staat, die
beruflich Beteiligten in richtiger Ordnung mit vereinten Kräften die
Erreichung des gewünschten Zieles anstreben. Wenn das Gegenteil der Fall ist,
wenn also diese Erfindungen, an kein Gesetz gebunden und ohne Sittenkontrolle,
frei ihren abschüssigen Weg gehen, werden sie zweifellos die wahre Bildung des
Volkes drücken und dessen Sitten zugrunde richten.
Besonderheiten des "Sendens" durch die Technik des Ton- und
Bildfunks
Unter den verschiedenen technischen Formen nehmen, wie wir
ausgeführt haben, jene heute einen besonderen Platz ein, die in größter Weite
und Breite dem Ohr und Auge, durch Stimme und Bild, alle Arten von
Mitteilungen zukommen lassen.
Diese Art, Bild und Stimme zu übertragen, ist nach der Lehre des Aquinaten
auch für den Bereich des Geistigen der menschlichen Natur sehr angepaßt: "Es ist", so sagt er,
"dem Menschen natürlich, durch die
sinnenhaften Dinge zu den geistigen zu gelangen; denn alle unsere Erkenntnis
nimmt ihren Ausgang vom Sinnenhaften" (24). Besonders der Gesichtssinn,
weil edler und höherstehend als die übrigen Sinne (25) , führt leichter zur
Erkenntnis des Geistigen.
Deshalb sind die drei vorzüglichen technischen Sendemittel,
durch welche der Laut an das Ohr und das Bild an das Auge von fernher
übertragen werden, also Film, Funk und Fernsehen, nicht allein für Erholung
und Entspannung da, obwohl nicht wenige Hörer und Zuschauer nur darauf aus
sind, sondern hauptsächlich zur Verbreitung von Werten, die für die Kultur der
Seele und das Wachsen in der Tugend Bedeutung haben und so nicht wenig zum
haltbaren Aufbau der heutigen Volksgemeinschaft beizutragen vermögen.
Tatsächlich bieten diese technischen Mittel leichter als das gedruckte
Wort die Möglichkeit geistiger Zusammenarbeit und geistigen Austausches: zunächst
zur Pflege weltlicher Kultur; die katholische Kirche jedoch, die kraft der ihr
anvertrauten Sendung die ganze Menschheit umfaßt, wünscht die Einheit aller im
gemeinsamen Besitz befindlichen echten Werte.
Das also soll der erste Zweck von Film, Rundfunk und Fernsehen sein, daß
sie der Wahrheit und dem Guten dienen.
Im Dienste der Wahrheit und des Guten
Der Verbreitung der Wahrheit sollen sie so dienen, daß die Bande zwischen
den Völkern täglich enger werden; daß sie Verständnis für einander
gewinnen; daß sie sich in jeder Notlage helfen; daß schließlich die
öffentlichen Gewalten wie die Einzelnen hilfreich zusammenarbeiten.
Der Wahrheit dienen erfordert, daß alle sich der Falschheit und des
Betrugs vollkommen enthalten und daß sie auch alles vermeiden, was eine
verkehrte oder einem Teil schädliche Lebens- und Handlungsweise fördern
könnte.
An erster Stelle aber mögen die durch Gottes Offenbarung überkommenen
Wahrheiten als heilig und unverletzlich gelten. Und gewiß, warum sollten die
edlen Schöpfungen der Technik sich nicht gerade dies angelegen sein lassen,
die Lehre von Gott und seinem Sohn Jesus Christus zu verbreiten "und den
christlichen Glauben den Herzen einzuprägen, den Glauben, der allein den
Millionen der Menschen die übernatürliche Kraft verleihen kann, mit deren
Hilfe sie aufrecht und herzhaft die Prüfungen und Ängste der gegenwärtigen
Stunde zu meistern vermögen" (26)?
Aber nicht nur der Wahrheit sollen die neuen Zweige der
Technik dienen; sie sollen auch zur sittlichen Vervollkommnung des
menschlichen Lebens beitragen - in den drei Formen, auf die wir im Folgenden
näher eingehen werden: Unterrichtung, Belehrung und Schauspiel.
Unterrichtung
Jede Unterrichtung, auch wenn sie nichts anderes als den
reinen Tatbestand wiedergibt, hat doch etwas in sich, das irgendwie auf die
sittliche Bildung Bezug nimmt. "Der sittliche Gesichtspunkt jeder der
Öffentlichkeit zugeleiteten Unterrichtung, darf nie vernachlässigt werden;
denn auch der ganz sachliche Bericht enthält Werturteile und legt
Entscheidungen nahe. Der Berichterstatter, der dieses Namens würdig sein will,
darf niemanden "erledigen", vielmehr soll er versuchen, Verluste und Schäden
sowie begangene Fehler zu verstehen und für sie Verständnis zu wecken;
erklären heißt nicht notwendig entschuldigen; aber es heißt schon das
Heilmittel nahelegen und folglich positive Aufbauarbeit leisten" (27).
Belehrung
Was wir oben geschrieben haben, gilt zweifelsohne noch mehr, wenn es sich
um Belehrung handelt. Diese findet im Lehrfilm, in der Rundfunksendung und im
Fernsehen gewiß starke Förderung, und zwar sowohl für die Jugendlichen wie
für die Erwachsenen. Jedoch achte man darauf, daß diese Belehrung nicht der
Lehre der Kirche und ihrem geheiligten Rechte entgegenstehe oder der richtigen
Jugenderziehung in der Familie Eintrag tue und widerstreite.
Ebenso ist zu hoffen, daß die neuen Aussagemittel, ob sie nun
von privater Hand oder von der öffentlichen Behörde gelenkt werden, ihre
Belehrungen nicht weitergeben unter Verschweigung des Namens Gottes und als ob
es keine göttlichen Gebote gäbe.
Nun ist uns aber leider bekannt, daß in bestimmten Nationen, in denen die
Irrlehren des gottlosen Kommunismus herrschen, die neuen technischen Mittel,
die Auge und Ohr von fern her erreichen, in den Schulen auch dazu benützt
werden, die Religion mit der Wurzel aus den Herzen zu reißen. Wer dies ruhig
und vorurteilsfrei erwägt, kann nicht umhin, zu sehen, daß hier das Gewissen
der heranwachsenden Jugend, weil der göttlichen Wahrheit beraubt, in neuer
und verdeckter Form vergewaltigt wird. Die Jugend kann ja nicht zur Kenntnis
jener göttlich geoffenbarten Wahrheit kommen, die, wie unser Erlöser
versichert, uns frei macht (28). In raffinierter Art ist so hier eine neue
Verfolgung gegen die Religion im Gange.
Unser Wunsch geht dahin, Ehrwürdige Brüder, es möchten die technischen
Geräte, die Auge und Ohr von ferne leicht und höchst angenehm berühren, vor
allem verwendet werden zur Vervollkommnung der Geisteskultur, zur nötigen
Berufsausbildung und vor allem zur Heranbildung von Menschen mit christlichem
Denken. Wo die christlichen Grundsätze nicht mehr gelten, kann es auch im
rein Diesseitigen keinen wahren Fortschritt geben (29). Wir wollen deshalb
alle mit verdientem Lob ehren, die jenes hohe Ziel im Film, in den
Rundfunksendungen oder in den Fernsehübertragungen anstreben.
Schauspiel
Es ist sodann darauf aufmerksam zu machen, daß diese
Errungenschaften außer durch den Nachrichtendienst und die Belehrung auch
durch das Schauspiel viel zum wahren Wohl der Menschen beitragen können.
Diese Art von Schauspiel hat meist etwas an sich, was nicht nur der
Unterhaltung und der Unterrichtung dient, sondern was auch belehrt und bildet.
Mit vollem Recht wurden deshalb die Lichtspielhäuser von unserem Vorgänger
seligen Angedenkens Pius XI. veluti rerum scholae
"Anschauungs-Schulen" (30) genannt; Schulen können sie nämlich
deswegen genannt werden, weil in derartigen Stücken eine
Schauspieldarstellung entfaltet wird, in der die lebensvollen Bilder des Films
sehr eindrucksvoll mit entsprechenden Worten und entsprechender Musik so
verbunden sind, daß sie nicht nur den Verstand, sondern den ganzen Menschen
auf erfassen, ihn sozusagen an sich fesseln und mit sich fortreißen zur
persönlichen Teilnahme an der dargestellten Handlung.
Obwohl Film, Rundfunk und Fernsehen die verschiedenen
Darstellungsarten, die schon lange im Gebrauch sind, gewissermaßen
zusammenfassen, so stellt doch jedes von ihnen eine neues Kunstmedium dar und
bietet insofern völlig neue Darbietungsmöglichkeiten, als sie nicht nur für
einige wenige und ausgewählte Zuschauer bestimmt sind, sondern für Millionen,
von einander verschieden nach Alter, Umwelt und Geistesbildung.
Erziehung der Massen
Damit aber bei dieser Lage der Dinge derartige Beiträge das erreichen können,
was sie erreichen sollen, müssen Geist und Herz der Zuschauer so vorgebildet
sein, daß sie nicht nur die Eigenart einer jeden der Techniken verstehen,
sondern dabei vor allem durch ein richtig eingestelltes Bewußtsein sich
leiten lassen, solcher Art, daß sie die verschiedenen Elemente, die ihnen
Filmwand, Fernseher und Lautsprecher darbieten, mit reifem Urteil verarbeiten
können, nicht aber, wie es häufig geschieht, durch deren Macht in Bann
geschlagen und willenlos fortgerissen werden.
Wenn diese innere, von der christlichen Wahrheit noch überstrahlte Bildung
fehlen sollte, könnten weder die ehrbare Erholung, von deren "jedermann
weiß, daß sie für alle in der Arbeit und den Sorgen des Lebens Stehenden
notwendig ist" (31) , noch der kulturelle Fortschritt als gesichert gelten.
Die Katholiken sind sich besonders in den letzten Jahren in lobenswerter
Einsicht der Notwendigkeit einer gesunden Vorbildung des Zuschauers bewußt
geworden, und vieles ist geschehen, was darauf abzielt, daß Jugendliche und
Erwachsene sich über den Nutzen wie die Gefahren dieser Stücke genügend und
konkret klar werden. Dies soll jedoch niemals einen Vorwand für den Besuch
von Stücken bieten, die den guten Sitten widersprechen; es muß vielmehr dazu
führen, daß nur solche Stücke auf das Programm gesetzt werden, die mit den
Vorschriften der Kirche unter dem religiös-sittlichen Gesichtspunkt übereinstimmen
und den von den kirchlichen Filmämtern erlassenen Vorschriften entsprechen.
Wenn diese Vorschriften, wie wir zuversichtlich annehmen, den Grundsätzen
der Erziehung und echter Kultur entsprechen, billigen wir sie, ja wir
empfehlen sie; wir wünschen sogar, daß sie in alle Schulen, in die Gruppen der
Katholischen Aktion und in die Pfarrvereine Eingang finden.
Die gebührende Vorbildung der Zuschauer wird einerseits bewirken, daß
die Gefahren einer Sittenverderbnis vermindert werden; anderseits wird sie die
Gläubigen befähigen, von den neugewonnenen Erkenntnissen den Geist zur
Betrachtung der göttlichen Wahrheiten zu erheben.
Ein besonderes Wort des Lobes wollen wir auch aus diesem Grund an jene
Missionäre richten, die im Bewußtsein ihrer Pflicht, das Sittengut der von
ihnen betreuten und auf den Weg der Wahrheit geführten Völker unversehrt
bewahren, auch Lichtspiel, Rundfunk und Fernsehen gebührend in ihren Dienst
stellen. So vermitteln sie ihnen die nützlichen und heilbringenden
Erfindungen unserer Zeit. Wir wünschen deshalb, daß ihr Wirken gerade bei den
kirchlichen und staatlichen Behörden Unterstützung finde.
Filme für die Jugend
Es ist jedoch darauf zu achten, daß zur Ordnung des Filmwesens
die gebührende Vorbildung der Zuschauer, von der wir gesprochen haben, nicht
völlig genügt. Die einzelnen Stücke müssen dem Grad der geistigen, gemüts- und
gefühlsmäßigen sowie sittlichen Entwicklung jedes Alters und seinem
Sittenzustand entsprechen. Dieses Problem erhält deswegen eine besondere
Dringlichkeit, weil die Funk- und besonders die Fernsehsendungen, die leicht
innerhalb des eigenen Heims empfangen werden können, die Schranken
niederzureißen drohen, durch die eine gesunde Kindererziehung unbedingt
geschützt sein muß, bis der junge Mensch die notwendige Kraft sich aneignet,
um die Stürme des Lebens siegreich bestehen zu können. Dazu haben wir vor drei
Jahren an die Bischöfe Italiens geschrieben: "Wie sollten wir nicht
erschrecken bei dem Gedanken, daß durch das Fernsehen auch in das Familienheim
jene vergiftete Luft des Materialismus, der Oberflächlichkeit und der Sucht
nach Lust eindringen kann, wie man sie nur zu häufig in den Lichtspielsälen
einatmet? (32).
Wir kennen die Werke öffentlicher Behörden wie privater Kreise, die im
Rahmen der Jugenderziehung darauf ausgehen, die Jugendlichen nach Möglichkeit
von solchen Stücken wegzuhalten, die ihrem Alter nicht entsprechen, obwohl
sie häufig nicht ohne schweren Schaden besucht werden. Was immer zu diesem
lobenswerten Zweck geschieht, findet unsere betonte Billigung. Nur achte man
darauf, daß mehr noch als physiologische und psychologische Verkrampfungen,
die daraus entstehen können, die Gefahren für die Sitten der Jugendlichen
verhütet werden müssen; Gefahren, die sich, falls man ihnen nicht rechtzeitig
zuvorkommt und sie unwirksam macht, viel zum Schaden und Verderb der
menschlichen Gesellschaft selbst beitragen können.
Die uns so teure Jugend ermahnen wir deshalb väterlich in der Hoffnung, daß
sie christliches Maßhalten und christliche Klugheit zeigen werde, wenn es
sich um ein Stück handelt, in denen ihre Unschuld Gefahr laufen könnte. Es ist
ihre schwere Pflicht, jenes angeborene und ungezügelte Verlangen, alles zu
sehen und alles zu hören, zu beherrschen und zu meistern und das Herz
freizuhalten von maßloser irdischer Lust und es auf Gott zu lenken.
Das Werk der Kirche - die Landesämter
Die Kirche weiß sehr wohl, daß aus den neuen Zweigen der
Technik, die Auge und Ohr unmittelbar treffen, viel Gutes und viel Böses, auch
viele Gefahren entstehen können, je nachdem, wie die Menschen sie gebrauchen.
Daher will sie auch hier ihres Amtes walten, das an sich nicht auf die
verschiedenen Kulturgebiete sondern vorzüglich auf die Religion und auf die
Ordnung des sittlichen Bereiches geht (33).
Damit man dieser Aufgabe möglichst zweckmäßig nachkommen kann, hat unser
Vorgänger unvergeßlichen Andenkens Pius XI. erklärt und bestimmt, "die
Bischöfe müßten notwendig nach Nationen ein ständiges Prüfungsamt
einrichten, dessen Aufgabe es sei, die guten Filme zu fördern, die übrigen
aber unter Angabe ihres sittlichen Wertes nach Klassen abzustufen, und schließlich
das von ihm abgegebene Urteil Priestern und Gläubigen bekannt zu machen"
(34) ;
außerdem müßte alle katholische Arbeit auf dem Gebiet des Films auf das rechte
Ziel gelenkt werden.
In mehreren Nationen haben die Bischöfe entsprechend diesen
Richtlinien solche Ämter für den Film und auch für den Rundfunk und das
Fernsehen eingerichtet.
Unter reiflicher Erwägung des religiösen Nutzens, der aus jenen Zweigen
der Technik entspringen kann, sowie der Notwendigkeit, die Unversehrtheit des
christlichen Sittenlebens zu schützen, das solche Darbietungen leicht gefährden
können, wünschen wir, daß in den einzelnen Nationen, die jene Ämter noch nicht
haben sollten, diese ohne Verzug errichtet werden; ihnen sollen
Sachverständige unter der Führung eines vom Bischof ausgewählten Priesters
zugewiesen werden.
Diese Ämter für Film, Rundfunk oder Fernsehen, Ehrwürdige Brüder,
sollen einem und demselben Ausschuß unterstehen oder jedenfalls sich
gegenseitig unterstützen. Ebenso mahnen Wir die Gläubigen, vor allem die in
den Reihen der Katholischen Aktion Tätigen, sich die gebührenden Kenntnisse
anzueignen, so daß sie begreifen, wie notwendig es ist, mit jenen Ämtern
bereitwillig und helfend zusammenzuarbeiten.
Und weil nun einmal viele diesen Gegenstand betreffende Fragen
nicht leicht innerhalb der einzelnen Nationen gelöst werden können, wird es
großen Nutzen bringen, wenn die einzelnen Ämter ihre Zusammenfassung in einer
internationalen Zentrale erhalten, welcher der Heilige Stuhl seine Anerkennung
gegeben hat.
Wir zweifeln nicht, Ehrwürdige Brüder, daß alles, was ihr, wenn auch
unter Mühen und Unannehmlichkeiten, in Befolgung dieser Richtlinien tut,
segensreiche Frucht tragen wird. Dies wird noch leichter und eher der Fall
sein, wenn die Einzelvorschriften gewissenhaft zur Ausführung gelangen, die
wir in diesem Rundschreiben jetzt noch für Film, Funk und Fernsehen gesondert
erlassen.
Besonderer Teil
Der Film
Der Film ist seit seiner Einführung vor etwa 60 Jahren zu den
wichtigsten Ausdrucksmitteln unserer Zeit zu zählen.
Schon früher haben wir gelegentlich über seine verschiedenen
Entwicklungsstufen sowie über seine faszinierende Gewalt gesprochen (35).
Besonders hat die Entwicklung des Spielfilms, der eine Handlung in Bild und
Wort lebhaft vor Augen führt, einen Industriezweig entstehen lassen, in dem Künstler,
Arbeiter und Techniker, ja ganze Wirtschaftskonzerne zusammenwirken. Denn ein
einzelner könnte ein derart schwieriges und verwickeltes Unternehmen kaum
ausführen. Deshalb kann der Film nur dann zu einem heilsamen Mittel der
Erziehung, der Führung zur Höhe und sittlichen Besserung werden (36) wenn sie
alle, von denen wir sprachen, ihrer Verantwortlichkeit bewußt und guten
Willens das Zustandekommen und die Verbreitung der Filme bewerkstelligen.
Schon öfter haben wir alle, die dem Filmschaffen ein
lebendiges Interesse entgegenbringen, auf die Wichtigkeit der Welt des Films
aufmerksam gemacht; Wir haben sie ermahnt, für das Zustandekommen von Filmen
solcher sittlicher Höhe Sorge zu tragen, die imstande sind, einen gesunden
erzieherischen Einfluß auszuüben (37).
Laßt es eure ernste Sorge sein, Ehrwürdige Brüder, daß von den Landesämtern,
die unter eurer Autorität einzurichten sind und von denen wir oben sprachen,
den verschiedenen beteiligten Ständen und Gruppen Nachrichten, Filmangaben,
Rat und Verhaltensmaßregeln zugehen. So möge diese Angelegenheit erster
Ordnung, die viel zum Heil der Seelen beitragen kann, je nach den Umständen
von Zeit und Ort möglichste Förderung erfahren.
Filmbewertung
Deshalb mögen "besondere Verzeichnisse oder Kataloge regelmäßig
zusammengestellt und veröffentlicht werden, in denen die Filme möglichst oft
und übersichtlich besprochen werden, so daß sie allen zur Kenntnis kommen können"
(38).
Ein von dem jeweiligen Landesamt abhängiger Ausschuß soll dafür Sorge
tragen. Seine Mitglieder müssen sich durch Wissen und Lebenserfahrung
auszeichnen, da sie über die einzelnen Filme ein zuverlässiges Urteil gemäß
dem christlichen Sittengesetz abzugeben haben.
Die Ausschußmitglieder haben eine wichtige Sache zu beurteilen, die mit
der christlichen Lebensweise aufs engste zusammenhängt; sie mögen sich auch
ein genaues Bild machen von der gewaltigen Wirkung der Filmdarbietungen, wenn
sie auch je nach den persönlichen Voraussetzungen der Zuschauer verschieden
ist. Deshalb ermahnen wir jene immer und immer wieder, sie mögen sich für
Studium und Gebet reichlich Zeit nehmen.
Sooft die Sachverständigen den sittlichen Gehalt eines Films
zu beurteilen haben, mögen sie aufmerksam die Normen überdenken, die wir schon
öfter, bei passender Gelegenheit, aufgestellt haben; besonders wo wir über den
Idealfilm unter dem Gesichtspunkt von Kunst und Erziehung sprachen; über die
Darstellung des Religiösen; auch über die von Untaten und Verbrechen: nie
dürfen dabei die Würde des Menschen, die Ehrfurcht vor dem Familienleben, die
Unantastbarkeit des Lebens, die Kirche Jesu Christi und die bürgerliche
Gemeinschaft außer Acht gelassen werden.
Sie sollen außerdem sich vor Augen halten; daß ihr Amt, die Wertung und
Zensur der Filme, vor allem darauf abzielt, die öffentliche Meinung richtig
zu bilden. Alle sollten dazu gebracht werden, die sittlichen Normen
hochzuhalten, ohne die sich keine wahre Kultur oder Gesittung denken läßt.
Deshalb ist ohne Zweifel die Nachgiebigkeit derer zu tadeln, die entweder
Filme gelten lassen, wenn sie nur technisch auf der Höhe sind, sie mögen dabei
die guten Sitten verletzen, oder wenn sie wohl dem Schein nach das
Sittengesetz achten, jedoch den katholischen Glauben verletzende Elemente
enthalten.
Wenn klar und deutlich herausgestellt wird, welche Filme von allen gesehen
werden können, welche für die Jugendlichen, welche nur für die Erwachsenen
sich eignen; welche Filme sittengefährdend sein können, welche durch und
durch schlecht und zersetzend sind, dann ist es für alle leicht, nur solche
Stücke zu besuchen, die sie "froher, freier und besser verlassen werden" (39)
, und leicht, alles zu meiden, was ihnen zum Schaden werden könnte: der aber
wäre um so größer, als sie dabei den Unternehmern eines schmutzigen Geschäfts
ihr Geld, den übrigen aber ein schlechtes Beispiel gäben.
Wir wiederholen die Weisungen, die unser Vorgänger seligen Angedenkens
Pius XI. in seiner Enzyklika Vigilanti cura (40) , treffend
herausgegeben hat, und haben dabei den dringenden Wunsch, die Gläubigen
möchten auf diesen Gegenstand so oft als möglich ernst hingewiesen werden und
auch sonst die schwere Pflicht beachten, sich über die von der kirchlichen
Behörde herausgegebene Filmbeurteilung zu erkundigen und ihr gewissenhaft
Folge zu leisten.
Wenn die Bischöfe es für zweckmäßig halten, können sie einen
eigenen Sonntag im Kirchenjahr festlegen, an dem die Gläubigen über ihre
Pflichten gerade hinsichtlich des Filmbesuchs ernstlich belehrt und zum Gebet
in diesem Anliegen angehalten werden.
Damit jedoch die Filmbeurteilung allen leicht zugänglich sei
und sie ihr Folge leisten können, soll man sie unter Beifügung eines kurzen
Kommentars rechtzeitig veröffentlichen und überall verbreiten.
Der Filmkritiker
Der katholische Kritiker, der den sittlichen Wert der Filme ins rechte
Licht rücken muß, kann hier viel zum Guten beitragen durch die Verteidigung
der Anschauungen, die dem Abstieg zu einem sogenannten "sittlichen
Relativismus" und der Umkehrung der rechten Rangordnung der Werte vorbeugen.
Ganz falsch handeln also die Berichterstatter katholischer
Zeitungen und Zeitschriften, wenn sie in ihren Filmbesprechungen die Leser
nicht darüber aufklären, was vom sittlichen Wert der einzelnen Stücke zu
halten ist.
Die Filmschaffenden
Verantwortung lastet aber nicht nur auf den Zuschauern, die mit dem Kauf
einer Eintrittskarte gewissermaßen jedesmal ihre Stimme für den guten oder
schlechten Film abgeben; größer noch ist die der Kinobesitzer und der
Filmverteiler.
Wir kennen die vielen Schwierigkeiten, mit denen heutzutage die
Filmschaffenden aus verschiedenen Gründen zu kämpfen haben, auch wegen der
raschen Entwicklung des Fernsehens. Aber trotz der augenblicklichen
Schwierigkeiten müssen sie sich bewußt bleiben, daß es ihnen im Gewissen
verboten ist, Filme herauszugeben, die dem Glauben und den guten Sitten
Eintrag tun, oder Verträge einzugehen, die sie zur Darbietung solcher Stoffe
zwingen würden. In vielen Ländern haben sie sich verpflichtet, unter keinen
Umständen schädliche oder schlechte Filme zu bieten, und wir haben das feste
Vertrauen, daß eine derart ausgezeichnete Initiative sich über die ganze
Welt hin ausbreite, und daß kein katholischer Kinobesitzer zögere, einem so
fruchtbaren und heilsamen Plan sich anzuschließen.
Mit Nachdruck müssen wir auch darauf aufmerksam machen, daß
hinterlistige oder schmutzige Reklame aus Geschäftsinteresse nicht in Frage
kommen darf, auch wenn deren Anpreisungen sich bisweilen auf anständige Filme
beziehen. "Wer vermag zu sagen, wieviel seelischen Schaden derartige Bilder
besonders den Jugendlichen zufügen, wieviel unreine Gedanken und unlauteres
Empfinden sie wecken, wieviel sie zum Verderb der Sitten des Volkes, ja selbst
zum Schaden des Staatswohles beitragen" (41).
Katholische Lichtspielsäle
Es ist selbstverständlich, daß in den Lichtspielsälen, die der
kirchlichen Behörde unterstehen, nur Filme gezeigt werden dürfen, die in
sittlicher Beziehung in keiner Weise beanstandet werden können, da den
Gläubigen und besonders der Jugend Filme geboten werden sollen, die
erzieherisch wertvoll sind und eine gesunde Umwelt bieten.
Die Bischöfe sollen Lichtspielsäle, deren Besuch allen offen steht,
gewissenhaft überwachen, auch wenn sie freien Orden zugehören. Die
verantwortlichen Geistlichen sollen sie ermahnen, die aufgestellten
Richtlinien treu und gewissenhaft einzuhalten im Geiste persönlicher Uneigennützigkeit,
wenn sie gewillt sind, dieses Amt auszuüben, worum es dem Heiligen Stuhl ja
so sehr zu tun ist. Auch geben wir den dringenden Rat, die Leiter der
katholischen Lichtspielsäle mögen sich zu einer Vereinigung zusammenschließen
- wie es in einigen Ländern mit unserer Zustimmung und Billigung geschehen ist
- um so die gemeinsamen Interessen in Durchführung der Vorschriften und
Ratschläge der Landesämter um so wirkungsvoller schützen zu können.
Der Filmvertrieb
Die Mahnungen, die wir den Besitzern von Lichtspielsälen gegeben haben,
wollen Wir auch auf diejenigen ausgedehnt wissen, welche die Filme vertreiben.
Da sie diese nicht selten mit ihrem eigenen Geld finanzieren, haben sie mehr Möglichkeit
und folglich auch die größere Pflicht, das Ihrige zur Unterstützung des
guten Films zu tun. Der Vertrieb erfüllt nämlich keineswegs eine nur rein
technische Funktion. Denn der Film ist, wie wir schon öfter betont haben,
nicht nur als Ware zu betrachten, sondern weit mehr noch als Geistesnahrung
und gewissermaßen als Herzens- und Sittenschule des Volkes. Wer ihn vertreibt
und verleiht, hat deshalb in gleicher Weise Teil an Verdienst oder Belastung,
je nachdem Gutes oder Schlechtes von den Darbietungen ausstrahlt.
Die Filmspieler
Bei der gestellten Aufgabe, das Filmwesen auf bessere Grundlagen zu
stellen, tragen die Filmschauspieler einen nicht geringen Teil an
Verantwortung. Im Bewußtsein ihrer Menschen- und Künstlerwürde mögen sie
wissen, daß es ihnen nicht erlaubt ist, sich für unsittliche Darstellungen
herzugeben, mag es sich nun um Einzelszenen oder um ganze Streifen handeln.
Jeder Schauspieler, der sich durch seine künstlerische Begabung einen Namen
erworben hat, muß das Ansehen, das er genießt, benützen, um im Gemüt des
Volkes edle und erhebende Empfindungen zu wecken. Auch muß er daran denken,
daß es vor allem seine Pflicht ist, den Mitmenschen in seinem Privatleben das
gute Beispiel eines Tugendlebens zu geben. In einer Ansprache an die
Schauspieler haben wir gesagt: "Jedermann begreift die heftige Gemütsbewegung,
die euch erfaßt und mit Freude und Hochgefühl durchströmt vor einem
Publikum, das auf euch schaut, nach euch verlangt, euch zujubelt, euch
umtobt" (42). Obwohl solches Empfinden erlaubt und recht ist, darf es
doch nicht dazu führen, daß der christliche Schauspieler vom Publikum
Ovationen entgegennimmt, die schon fast an Götzendienst erinnern; denn auch
ihm gilt, was unser Erlöser sagt: "So leuchte euer Licht vor den Menschen, daß
sie eure guten Werke sehen und euren Vater preisen, der im Himmel ist" (43).
Erzeuger und Regisseur
Der größte Teil der Verantwortung aber, obwohl auf verschiedener Ebene, fällt
auf die Erzeuger und Regisseure. Jedoch steht das Bewußtsein um diese
Verantwortung ihrem edlen Tun nicht im Wege, sondern ist eher dazu angetan,
Menschen guten Willens, die über das notwendige Kapital und das erforderliche
Talent zur Herstellung von Filmen verfügen, Mut zu machen.
Häufig geraten Erzeuger und Regisseure aus dem Zusammenstoß künstlerischer
Forderungen und religiös-sittlicher Vorschriften in nicht geringe
Schwierigkeiten. In einem solchen Fall ist, noch bevor der Film gedreht wird
oder gleichzeitig, das Gutachten von fachkundiger Seite einzuholen, damit dem
sittlichen Besten der Zuschauer wie der künstlerischen Vollendung des Werkes
Genüge geschehe. Sie mögen also nicht zögern, ein zuständiges katholisches Filmamt
zu Rate zu ziehen, das sich ihnen gerne zur Verfügung stellen und mit ihrem
Anliegen gegebenenfalls, mit der nötigen Sicherung, auch einen geistlichen
Sachverständigen betrauen wird.
Wegen des Vertrauens, das sie auf die Kirche setzen, werden
sie an Geltung und Ansehen keine Einbuße erleiden. "Er (der Glaube) wird den
Persönlichkeitswert des Menschen bis zum Letzten verteidigen" (44) , und auch
auf dem Feld des künstlerischen Schaffens kann die menschliche Persönlichkeit
vom Licht der christlichen Lehre und der rechten sittlichen Norm nur
bereichert und vervollkommnet werden.
Jedoch ist es den Geistlichen ohne besonderen Auftrag ihrer Oberen nicht
erlaubt, den Filmproduzenten ihre Mitarbeit zur Verfügung zu stellen. Denn es
ist klar, daß gute Beratung in solch einem Fall hervorragende Sachkenntnis
und ungewöhnliche Durchbildung voraussetzt. Sie zu beurteilen kann nicht dem
Gutdünken des einzelnen überlassen bleiben.
Väterlichen Herzens ermahnen wir deshalb die katholischen Autoren und
Regisseure, keinen Film entstehen zu lassen, der dem Glauben und der
christlichen Sitte widerstreitet. Sollte es aber, was Gott verhüten möge, doch
geschehen, so ist es Sache der Bischöfe, die Verantwortlichen zu mahnen, und
wo nötig auch geeignete Sanktionen zu verhängen.
Wir sind aber überzeugt, daß das beste Mittel zur Erreichung des
"Ideal-Films" darin liegt, daß die Filmschaffenden sich dem christlichen
Lebensgesetz gleichförmig machen.
Wenn die Filmschaffenden zu den Gnadenquellen hinzutreten;
wenn sie den Inhalt des Evangeliums in sich aufnehmen; wenn sie erfassen, was
die Kirche lehrt über den Sinn des Lebens, über Seligkeit und Tugend, über
Schmerz und Sünde, über Leib und Seele, über die sozialen Aufgaben, über das
Sehnen und Streben der Menschen - dann werden neue und lichtvolle Wege sich
vor ihnen auftun; sie werden zur Vollführung hervorragender und bleibender
Schöpfungen mit neuem Schwung sich angerufen und getrieben fühlen.
Es müssen also jene Werke und Übungen verstärkt und vermehrt werden,
welche ihr religiöses Leben nähren und im Wachstum fördern. Vor allem aber
möge die größte Sorgfalt auf die christliche Unterweisung der Jugendlichen
verwendet werden, die sich anschicken, ihren Beruf unter den Filmschaffenden
zu wählen.
Zum Schluß dieser besonderen Ausführungen über den Film ermahnen wir die
öffentlichen Behörden, unter keinen Umständen zur Produktion oder
Verbreitung sittlich minderwertiger Filme Unterstützungen zu gewähren;
vielmehr sollen sie durch zweckdienliche Vorschriften helfen, daß anständige
und gute Filme geschaffen werden, besonders für die Jugend. Da vom Staat große
und gewaltige Summen für Erziehungszwecke ausgegeben werden, möge man auch
darauf schauen, daß für dieses wichtige, gleichfalls zur Erziehung zählende
Anliegen, in rechter Weise Vorsorge getroffen werde.
In einigen Ländern und auch bei internationalen Ausstellungen kommen für
Filme, die sich durch ihren erzieherischen und geistigen Wert auszeichnen,
eigens dafür gestiftete Preise zur Verteilung. So hoffen wir denn, daß alle
Rechtschaffenen in Befolgung unserer Weisungen darauf hinarbeiten, daß die
guten Filme den Preis allgemeinen Beifalls und allgemeiner Wertschätzung
finden.
Der Funk
Mit nicht geringerer Beunruhigung wollen wir euch, Ehrwürdigen
Brüdern, die Besorgnis darlegen, die uns wegen eines anderen Mediums bedrückt,
das aus der gleichen Zeit stammt wie der Film, nämlich der Rundfunk.
Obwohl der Rundfunk weder über den Reichtum der vielfältigen
Darstellungsmittel noch über den Vorteil der Umweltelemente verfügt wie der
Film, besitzt er doch andere Möglichkeiten, die bis jetzt noch nicht alle
ausgeschöpft sind.
"Der Rundfunk hat" - so führten wir vor der Belegschaft einer
Rundfunkgesellschaft aus - "den großen Vorzug, daß er ohne Fessel ist und
völlig frei hinsichtlich der Umstände von Ort und Zeit, die alle übrigen
menschlichen Nachrichtenmittel hemmen und verlangsamen. Mit Schwingen viel
schneller als Schallwellen, rasch wie die Lichtgeschwindigkeit, trägt er die
ihm anvertrauten Nachrichten in einem Augenblick über alle Grenzen hinweg"
(45).
Durch immer neue Erfindungen fast unübertrefflich vervollkommnet leistet
der Rundfunk auf verschiedenen Feldern der Technik überaus nützliche
Dienste; werden doch durch seine Strahlen sogar ganze Maschinen ohne Pilot an
den vorausbestimmten Ort ferngesteuert. Wir glauben aber nicht zu Unrecht, daß
die größte Aufgabe, auf die der Rundfunk hinzurichten ist, darin liegt, die
Menschen zu erleuchten und zu erziehen, Herz und Gemüt immer mehr zum
Geistigen und Übersinnlichen zu erheben.
Nun aber entspricht es einem innersten Streben des Menschen,
auch innerhalb der eigenen Wände andere zu hören, ferne Ereignisse
mitzuverfolgen und an den Veranstaltungen des sozialen und kulturellen Lebens
teilzunehmen.
Es ist daher nicht verwunderlich, wenn viele Heime schnell mit
Funkgeräten versehen wurden, durch die sich gleichsam ein geheimnisvolles
Fenster in die weite Welt auftut und Tag und Nacht mit dem bewegten Leben von
Menschen verschiedener Kultur, verschiedener Sprache und Rasse in Berührung
bringt; das geschieht durch unzählige Sendereihen des Rundfunks, die
Neuigkeiten, Zwiesprachen, Reden, wissenswerte und anregende Dinge, Kunst,
Gesang und Musik umfassen.
"Welches Vorrecht und welche Verantwortung ist es" - so haben
wir vor einiger Zeit ausgeführt - "für die Menschen unseres Jahrhunderts, und
welcher Unterschied zwischen jenen fernliegenden Tagen, da die Lehre der
Wahrheit, das Gebot brüderlicher Liebe und die Verheißung der ewigen Seligkeit
den langsamen Schritt der Apostel auf den rauhen Pfaden der alten Welt
einhielten und heute, wo der Ruf Gottes im selben Augenblick Millionen von
Menschen erreichen kann!" (46).
Es ist darum gut, daß die Gläubigen von dieser Errungenschaft
unserer Zeit Gebrauch machen und an den Gaben, die ihnen in Bezug auf Bildung,
Erholung, Kunst und das Wort Gottes über die Rundfunkwellen zukommen, sich
bereichern, um so ihr Wissen zu vermehren und ihren Blickwinkel zu erweitern.
Allen ist geläufig, wieviel erzieherische Kraft in sittlich
guten Rundfunksendungen von Wort und Ton liegt; doch wächst aus dem Gebrauch
dieses Gerätes genau wie bei den übrigen technischen Errungenschaften
Verantwortung, da es zum Guten oder zum Schlechten verwandt werden kann. Darum
lassen sich auf den Rundfunk die Worte der heiligen Schrift anwenden: "In ihm
preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihm verfluchen wir die Menschen, die
nach Gottes Ebenbild geschaffen sind. Aus ein- und demselben Mund kommen Segen
und Fluch" (47).
Pflichten des Hörers
Jeder Rundfunkhörer ist besonders verpflichtet, aus der Sendefolge sorgfältig
auszuwählen; man soll die Sendungen nicht wahllos durch die Wohnungen
schallen lassen, sondern ihnen Zutritt gestatten wie einem Freund, der mit
kluger Überlegung eingeladen wird. Unverantwortlich handelt doch wohl, wer
die in das Heiligtum der Familie einzuführenden Freunde nicht auswählt. Die
dort zugelassenen Rundfunksendungen in Wort und Ton sollen darum so ausgewählt
werden, daß sie der Wahrheit und dem Guten das Wort schenken, daß sie die
Familienmitglieder nicht ablenken von der gewissenhaften Erfüllung ihrer
persönlichen und gesellschaftlichen Pflichten, sie vielmehr in deren rechter
Ausführung bestärken und, wo es sich um Jugendliche und Kinder handelt, statt
ihnen zu schaden, die gesunde Erziehung der Eltern und der Schule unterstützen
und weiterführen.
Die katholischen nationalen Rundfunkstellen sollen, unterstützt von den
katholischen Zeitungen und Zeitschriften, die Gläubigen über Art und Wert
der Sendungen unterrichten. Diese beurteilende Vorschau wird nicht überall möglich
sein und sich häufig auf einen Hinweis beschränken müssen, der den
Charakter mancher dieser Sendungen schwer erkennen läßt.
Die Seelsorger mögen darum die Gläubigen daran erinnern, daß
es durch göttliches Gebot untersagt ist, dem Glauben und den Sitten schädliche
Sendungen anzuhören, und die mit der Sorge für die Jugend Betrauten sollen sie
mahnen, die Augen offen zu halten und das Verantwortungsgefühl für den
Gebrauch des Heimfunkgeräts zu wecken.
Die Pflicht der Bischöfe ist es außerdem, vor Sendern zu warnen, von
denen bekannt ist, daß sie dem christlichen Glauben widersprechende Grundsätze
vertreten.
Eine weitere Pflicht der Rundfunkhörer geht dahin, den verantwortlichen
Sendeleitern ihre Wünsche und gerechten Beschwerden zum Ausdruck zu bringen.
Diese Verpflichtung ergibt sich klar aus der Natur des Rundfunks, die leicht
zu einer einseitigen, nicht wechselseitigen Beziehung zwischen Sender und
Konsument führt. Die heute entwickelten Methoden der öffentlichen
Meinungsforschung, die das Interesse der Hörer für die einzelnen Sendungen
erkennen lassen, sind sicherlich für die Sendeleiter sehr nützlich; aber der
mehr oder weniger starke Beifall der Öffentlichkeit kann oberflächlichen und
schwankenden Gründen oder minder vernünftigen Regungen zuzuschreiben sein,
so daß ein solcher Hinweis nicht als sicherer Maßstab des Handelns gelten
kann.
Unter diesen Umständen müssen sich die Rundfunkhörer nach
Kräften um die Bildung einer einsichtigen öffentlichen Meinung bemühen, die es
gestattet, die Sendungen in gebührender Form zu prüfen, gutzuheißen oder
zurückzuweisen, so daß der Rundfunk folgerichtig, seiner erzieherischen
Aufgabe entsprechend, "der Wahrheit diene, der Sittlichkeit, der Gerechtigkeit
und der Liebe" (48).
Dies zu erreichen, ist die Aufgabe aller katholischen Verbände, deren Bemühen
es sein muß, für die Belange der Gläubigen auf diesem Gebiet wirksam
einzutreten. In den Ländern aber, wo sachliche und örtliche Verhältnisse es
ratsam erscheinen lassen, können sich, in Verbindung mit den Filmämtern der
einzelnen Länder, Hörer- und Fernsehervereinigungen bilden.
Schließlich sollen die Rundfunkhörer um ihre Verpflichtung
wissen, sittlich einwandfreie Sendungen zu fördern, besonders solche, die die
Herzen zu Gott erheben. Müßten nicht die Gläubigen, besonders die täglichen
Nutznießer der Vorteile des Rundfunks, derartige Sendungen eifrig fördern,
zumal heute, wo über die Ätherwellen falsche und verderbliche Lehren
verbreitet werden, wo durch Störsender im Äther ein "eiserner
Vorhang" innerhalb der Tonwelt errichtet wurde, in der Absicht, der
Wahrheit, welche die Herrschaft des gottlosen Materialismus erschüttern könnte,
keinen Zutritt zu ermöglichen, heute, wo viele Hunderttausende noch auf die
Botschaft des Evangeliums wie auf eine leuchtende Morgenröte warten, wo
endlich Kranke und sonstwie Behinderte sehnsüchtig am christlichen
Gemeinschaftsgottesdienst und an der Feier des eucharistischen Opfers
teilzunehmen verlangen?
Die religiösen Sendungen
Wir wissen sehr wohl, wieviel Mühe in verschiedenen Ländern darauf
verwandt wurde und verwandt wird, das Programm der katholischen Sendungen bei
den Rundfunkstationen weiter zu entwickeln. Sicher sind aus den Kreisen des
Klerus und der Laienwelt viele zu Vorkämpfern auf diesem Gebiet geworden und
haben in eifrigem Bemühen den religiösen Sendungen den Platz gesichert, der
dem Vorrang der Religion vor allen rein menschlichen Belangen zukommt.
Doch während wir aufmerksam den Nutzen überlegen, den der Rundfunk für
das Apostolat bringen kann, und uns gedrängt wissen von dem Auftrag des göttlichen
Heilands: "Geht hin in alle Welt und predigt die Frohbotschaft allen
Geschöpfen" (49) , können wir nicht umhin, euch, Ehrwürdige Brüder, väterlich
zu mahnen, ihr möget es euch angelegen sein lassen, die katholischen Sendungen
entsprechend den örtlichen Bedürfnissen und Möglichkeiten immer mehr zu
fördern und zu vervollkommnen.
Da aber die möglichst würdige Darstellung liturgischer Feiern,
katholischer Wahrheiten, kirchlicher Einrichtungen und Ereignisse durch
Marconis Erfindung außer der nötigen Behutsamkeit viel Talent und auch viel
Erfahrung braucht, sind unbedingt die für diese bedeutsame Tätigkeit
bestimmten Priester und Laien gut und zweckentsprechend auszubilden.
Sicher werden mit großem Nutzen zu diesem Zweck in den
Ländern, in denen die Katholiken über die neuesten technischen Einrichtungen
und über eine längere Erfahrung als andere verfügen, geeignete Studien- und
Schulungskurse gehalten, die auch Bewerbern aus anderen Ländern die Fertigkeit
vermitteln können, religiöse Sendungen nach den besten Maßstäben der Kunst und
den Gesetzen der Technik zu gestalten.
Die Ämter in den einzelnen Ländern werden innerhalb ihres Gebietes für
die Entwicklung der verschiedenen religiösen Sendeprogramme und deren
Abstimmung aufeinander Sorge tragen; sie werden außerdem nach Möglichkeit
mit den Leitern der übrigen Stationen zusammenarbeiten und sorgfältig
achtgeben, daß in deren Sendungen nichts der Ehrbarkeit weniger Entsprechendes
Eingang finde.
Es ist Sache der Bischöfe für die Mitarbeit des Klerus, auch von
Mitgliedern exemster Orden an den Sendestationen des Rundfunks und Fernsehens
zweckdienliche Weisungen zu erlassen. Die Sorge für deren Durchführung wird
den nationalen Ämtern übertragen werden.
Die katholischen Sendestationen
Ein besonderes Wort der Ermunterung möchten wir den katholischen
Rundfunkstationen aussprechen. Wir kennen zur Genüge die zahllosen hier zu überwindenden
Schwierigkeiten; doch vertrauen wir darauf, daß sie dieses von uns so
hochgeschätzte Apostolat mutig und mit vereinten Kräften weiterführen.
Wir selbst haben uns bemüht, den um die katholische Sache
verdienten Vatikansender zu erweitern und zu vervollkommnen; sein heilsames
Wirken entspricht gar sehr - wie wir den durch großzügige Freigebigkeit sich
auszeichnenden Katholiken der Niederlande versicherten - den "innigen Wünschen
und den großen Bedürfnissen der ganzen katholischen Welt" (50).
Die für die Sendungen Verantwortlichen
Dann möchten wir unseren Dank noch allen gewissenhaften
Leitern von Rundfunksendungen aussprechen, wegen des von vielen bewiesenen
richtigen Verständnisses für die Bedürfnisse der Kirche, indem sie
bereitwillig der Verkündigung des Wortes Gottes geeignete Zeiten zuwiesen oder
die nötigen technischen Hilfsmittel zur Verfügung stellten. Durch eine solche
Haltung haben sie sicher Anteil an dem besonderen Lohn des Apostolats, auch
wenn es über Ätherwellen ausgeübt wird, der Verheißung Christi des Herrn
gemäß: "Wer einen Propheten aufnimmt, weil er Prophet ist, wird Prophetenlohn
empfangen" (51).
Heute verlangt man von den erstklassigen Rundfunksendungen, daß sie nach
den Gesetzen echter Kunst gestaltet seien; daher sollten ihre Schöpfer, wie
auch alle bei ihrer Vorbereitung und Durchführung Behilflichen, über eine
umfassende Bildung verfügen. Auch an sie, wie bereits an die Filmschaffenden,
geht deshalb unsere dringende Bitte, die Fülle des Stoffes, der ihnen aus dem
weiten und großen Reichtum christlicher Kultur geboten wird, für ihre Arbeit
zu verwenden.
Schließlich mögen die Bischöfe die öffentlichen Behörden an
ihre Amtspflicht erinnern, mit gebührender Sorgfalt die katholischen Sendungen
zu sichern - unter besonderer Beachtung der Festtage wie der täglichen
religiösen Anliegen der Gläubigen.
Das Fernsehen
Zum Schluß nun, Ehrwürdige Brüder, möchten wir noch kurz mit
euch die Frage des Fernsehens behandeln, das ja gerade im Laufe Unseres
Pontifikats in einigen Ländern eine wunderbare Entwicklung genommen hat, in
anderen aber bereits Schritt für Schritt eingeführt wird.
Wir haben die wachsende Verwendung dieser Erfindung, die zweifellos für
die Geschichte der Menschheit ein Ereignis von gewichtiger Bedeutung ist, mit
Aufmerksamkeit, lebhafter Hoffnung und großer Sorge verfolgt; Wir haben von
Anfang an ihre segenvolle Macht und ihre neuen Verwendungsmöglichkeiten
hervorgehoben, aber auch die Gefahren sowie den unbeherrschten Mißbrauch
vorausgesehen und auf sie hingewiesen.
Das Fernsehen hat vieles mit dem Film gemeinsam, da seine Darbietungen ja
das tätige und bewegte Leben vorführen; nicht selten stellt ihm darum der
Film den Stoff zur Verfügung. Außerdem teilt es in gewissem Maß Wesen und
Wirksamkeit des Rundfunks, da es ja den Menschen, mehr als im Theater, in
seinem eigenen Heim anspricht.
Es scheint uns überflüssig, hier unsere Mahnungen zu wiederholen, die wir
hinsichtlich der Lichtspiele und der Rundfunksendungen bereits ausgesprochen
haben über die Pflichten, die dabei die Zuschauer, die Hörer, die
Sendeleiter und die öffentlichen Behörden binden. Auch brauchen wir nicht noch
einmal die Sorgfalt zu erwähnen, die für die ordentliche Vorbereitung und
Förderung der verschiedenen religiösen Sendungen notwendig ist.
Die katholischen Sendungen
Wir wissen, welch starkes Interesse eine sehr zahlreiche Menge von
Zuschauern den im Fernsehen gebotenen katholischen Sendungen entgegenbringt.
Es ist aber selbstverständlich, daß die Teilnahme am eucharistischen Opfer
im Fernsehen - wie wir vor einigen Jahren erklärten (52) - nicht dasselbe ist,
wie die für die Festtage gebotene persönliche Teilnahme an der Heiligen
Messe. Die überreichen Früchte aber, die zur Stärkung ihres Glaubens und zu
ihrer Heiligung die im Fernsehen übertragenen liturgischen Feiern jenen
bringen, die ihnen sonst nicht beiwohnen können, veranlassen uns, derartige
Darbietungen immer mehr zu empfehlen.
In den einzelnen Ländern wird es Aufgabe der Bischöfe sein, zu
beurteilen, ob die religiösen Fernsehübertragungen angebracht sind, und ihre
Durchführung einem dazu errichteten Amt anzuvertrauen; dieses wird dann, wie
in den verwandten Abteilungen, aufmerksam für die Nachrichtenverbreitung, für
die Erziehung der Hörer, für die Ordnung und Zusammenstellung der ganzen
Sendungen, immer in Einklang mit dem christlichen Sittengesetz, Sorge tragen.
Sonderprobleme des Fernsehens
Das Fernsehen hat aber außer dem, was ihm mit den beiden von uns bereits
behandelten Aussagemitteln gemeinsam ist, auch noch seine eigene Kraft und
Wirksamkeit. Es erreicht, daß die Zuschauer Ereignisse, die sich in weiter
Entfernung abspielen, im Augenblick ihres Geschehens hören und sehen und so
unter ihren Bann geraten, wie wenn sie persönlich zugegen wären; und das
Gefühl der unmittelbaren Nähe wird durch die häusliche Atmosphäre noch
verstärkt.
Diese besondere Anziehungskraft, die das Fernsehen für das Heiligtum der
Familie besitzt, ist sicher hoch in Rechnung zu stellen, da sie viel beiträgt
zum religiösen Leben, zu Bildung und guter Sitte der Familienmitglieder,
besonders der Kinder, auf die der Zauber dieser neuen Erfindung zweifellos
seine Wirkung haben und behalten wird. Wenn jedoch das Wort, "ein wenig
Sauerteig verdirbt die ganze Masse" (53) , der Wahrheit entspricht, und ein
ansteckender Keim im Körper des jungen Menschen seine Entwicklung zur vollen
Reife verhindern kann, so vermag noch viel mehr ein erzieherisch schlechter
Grundstoff die Kräfte des religiösen Lebens zu ersticken und die normale
sittliche Entwicklung aufzuhalten. Es steht übrigens fest, daß Kinder häufig
draußen nicht angesteckt werden, dem Krankheitskeim im Hause aber nicht
entrinnen können.
Ein Frevel ist es, die Heiligkeit des Familienlebens auf irgendeine Weise
zu gefährden. Darum kämpft die Kirche, wie es ihr Recht und ihre Pflicht
ist, immer mit allen Kräften dafür, daß unter keinen Umständen schlechte
Fernsehsendungen jenes Heiligtum entweihen.
Da das Fernsehen unter anderem auch den sicher heilsamen
Vorteil mit sich bringt, daß Jung und Alt eher geneigt sind zu Hause zu
bleiben, trägt es viel zur Festigung des Bandes der Liebe und Treue in der
häuslichen Gemeinschaft bei, aber doch nur für den Fall, daß nichts einführt
wird, was mit den Tugenden der Treue und reinen Liebe nicht übereinstimmen
würde.
Es fehlt jedoch nicht an solchen Momenten, welche die Möglichkeit, diese
hohen Forderungen zu verwirklichen, wenigstens für den Augenblick schlechthin
in Abrede stellen. Die den Teilnehmern am Fernsehen gegebene Zusicherung lasse
nicht zu, so sagen sie, die angesagten Sendezeiten nicht ganz auszufüllen;
die Notwendigkeit weiterhin, ständig mehrere Sendeprogramme bereit zu haben,
zwinge außerdem bisweilen zu Darbietungen, die anfangs nur für die öffentlichen
Schauspielhäuser bestimmt waren; das Fernsehen sei schließlich nicht nur für
die Jugend, sondern auch für die Erwachsenen da. Wir stellen nicht in Abrede, daß
hier wirklich Schwierigkeiten liegen; doch ist ihre Lösung nicht auf spätere
Zeit zu verschieben, bis die Durchführung der Sendungen ohne die hemmenden
Zügel weiser Vorsicht den einzelnen wie der Gemeinschaft bereits schwersten
Schaden zugefügt haben wird, Schäden, die man heute freilich noch kaum richtig
abzuschätzen vermag.
Damit aber die Lösung dieser Schwierigkeiten mit dem schnellen
Anwachsen des Fernsehens in den einzelnen Völkern gleichen Schritt halte, ist
zunächst größte Sorgfalt auf die Vorbereitung der verschiedenen Sendungen zu
verwenden, die den sittlichen, psychologischen und technischen Anforderungen
des Fernsehens entsprechen sollen.
Väterlich laden wir darum für Kultur, Wissenschaft und Kunst
zuständige Katholiken -besonders den Welt- und Ordensklerus - ein, der neuen
Erfindung ihre Aufmerksamkeit und Mitarbeit zu schenken, damit die Güter,
welche die vergangenen Zeiten und der wahre Fortschritt zur Kultur der Seele
beigesteuert haben, dem Fernsehen zu Nutz und Frommen gereichen.
Weiterhin müssen die, für die Fernsehdarbietungen Verantwortlichen, die
religiösen und sittlichen Grundsätze wahren und ebenso gewissenhaft auf die
Gefahr achten, in die junge Menschen infolge ihrer Teilnahme an Sendungen für
Erwachsene geraten könnten. Für die verwandten Arten von Darbietungen in
Kinos und öffentlichen Theatern ist bei den meisten gebildeten Völkern durch
wohlüberlegte und zum Besten der Gemeinschaft erlassene Maßnahmen Vorsorge
getroffen, daß junge Menschen von unsittlichen Darbietungen ferngehalten
werden. Es ist aber für jeden klar, daß auch das Fernsehen, ja noch viel
mehr, des Vorteils und Schutzes sorgender Wachsamkeit bedarf. Sollte aber, wie
das in mehreren Ländern lobenswerterweise ausgeschlossen ist, das Fernsehen
irgendwo den Jugendlichen untersagte Darbietungen zulassen, dann sind
wenigstens bestimmte Vorsichtsmaßnahmen unbedingt notwendig.
Es wäre ein Irrtum zu glauben, die guten Vorsätze und die
rechte Berufsauffassung der Fachleute für Fernsehen genügten, um all das Gute
herauszuholen, das aus der kleinen weißen Scheibe dieses technischen
Wunderwerks erfließen kann, und jedwede Gefahr zu bannen.
Darum ist hierin die umsichtige Kontrolle der Benützer des Fernsehgeräts
unbedingt erfordert. Das Maßhalten beim Fernsehen, die vorsichtige, dem
jeweiligen Alter entsprechende Zulassung der Kinder, die reife Beurteilung der
bereits gesehenen Darbietungen, endlich der Ausschluß der Kinder von weniger
passenden Sendungen: dies alles sind Pflichten, die auf Eltern und Erziehern
schwer lasten.
Wir wissen wohl, daß zumal der an letzter Stelle berührte Punkt da und
dort zu großen Schwierigkeiten und Unzuträglichkeiten führen kann, denn
gerade das Bewußtsein der Erziehungspflicht wird nicht selten von den Eltern
verlangen, den Kindern ein Beispiel zu geben und selbst unter persönlichem
Opfer auf einladende Sendungen zu verzichten. Welches Gebot könnte aber für
Eltern eine zu große Belastung sein, wenn es sich im höchsten Grad um Wohl
und Wehe der Kinder handelt!
Unter diesen Umständen ist es "dringend notwendig", wie wir an
die Bischöfe Italiens schrieben, daß "in den Gläubigen ein richtiges Gewissen
über die Pflichten des Christen im Gebrauch des Fernsehens gebildet werde"
(54) , und zwar so, daß diese Erfindung nicht dem Irrtum und nicht den
Lockerungen des Lasters diene, sondern vielmehr "ein Mittel werde der
Unterrichtung, der Bildung und der Besserung" (55).
Abschließender Teil
An den Klerus
Wir können unser Rundschreiben nicht schließen, Ehrwürdige
Brüder, ohne euch daran zu erinnern, welche Bedeutung der dem Priester
anvertrauten Aufgabe zukommt, wie auf den andern Gebieten des Apostolats, so
auch in diesem, für die Kirche notwendig zu leistenden Werk - dem Werk der
Förderung und Verwendung der Erfindungen für Aussage und Aussendung.
Der Priester muß mit all den Fragen vertraut sein, die den
Gläubigen auf dem Gebiet des Films, des Funks und des Fernsehens gestellt
werden. "Der
Priester in der Seelsorge", so führten wir in unserer Ansprache an die
Teilnehmer der 'Woche für zeitgemäße Seelsorge in Italien' aus, "kann
und muß wissen, was die moderne Wissenschaft, Kunst und Technik sagen, soweit
ihre Behauptungen Bezug haben auf das letzte Ziel des Menschen wie auf sein
religiöses und sittliches Leben" (56). Er muß verstehen, sich ihrer zu
bedienen, wenn nach dem weisen Urteil der kirchlichen Oberen die Natur seines
Amtes oder die Notwendigkeit einer größeren Zahl von Seelen zu helfen, es
verlangen. Wenn endlich der Priester die technischen Geräte zu seinem persönlichen
Nutzen verwendet, soll er durch Klugheit, Maßhalten und reifes Pflichtbewußtsein
allen Gläubigen ein gutes Beispiel geben.
Schluß
Wir wollten euch, Ehrwürdige Brüder, von unseren großen Besorgnissen,
die sicher auch ihr teilt, Mitteilung machen, von den Besorgnissen über
schwere Gefahren, die dem christlichen Glauben und der Sittlichkeit drohen können,
wenn diese weittragenden Erfindungen der Sendetechnik für Ton und Bild zum
Schlechten mißbraucht werden.
Doch haben wir es nicht unterlassen, auch die Vorteile und den vielfachen
Nutzen aufzuzeigen, den diese neuen Medien zu bringen vermögen. Zu dem Zweck
haben wir im Lichte des christlichen Glaubens und der Vorschriften des
Naturgesetzes die Grundsätze erläutert, nach denen sich die Tätigkeit jener
richten muß, die diese Sendegeräte für Ton und Bild handhaben, wie das
Gewissen derer, die sie benützen. Gerade damit nun diese Geschenke der göttlichen
Vorsehung das Heil der Seelen fördern, haben wir euch väterlich zu einer
aufmerksamen Sorge, aber auch zum mutigen Einsatz eures Handelns und eurer
Autorität aufgefordert. Denn Aufgabe der diesbezüglichen Landesämter, die wir
euch bei dieser Gelegenheit noch einmal empfehlen, ist es, nicht nur zu
bewahren und zu verteidigen, sondern vor allem die vielen Bildungswerke, die
in den verschiedenen Nationen begonnen wurden, zu leiten, zu ordnen und zu
unterstützen, damit über den schwierigen und weithin sich erstreckenden Sektor
der Technik christlicher Geist ausgestrahlt werde.
Da wir nun aber einmal fest auf den Sieg der Sache Gottes vertrauen,
glauben wir sicher, daß unsere hier erteilten Vorschriften und Weisungen -
deren sorgfältige Durchführung wir der päpstlichen Kommission für Film, Funk
und Fernsehen anvertrauen - einen neuen apostolischen Eifer auf diesem Feld zu
wecken vermöge, das beglückende und reiche Ernte verspricht.
In dieser Hoffnung, die eure uns wohlbekannte eifrige Hirtensorge voll bestätigt,
erteilen wir euch, Ehrwürdigen Brüdern, wie auch dem einem jeden von euch
anvertrauten Klerus und Volk, namentlich aber denen, die zur Erfüllung
unserer Wünsche und Weisungen zu mutiger Tat schreiten werden, als Unterpfand
himmlischer Gnaden aus der Fülle des Herzens den Apostolischen Segen.
Gegeben zu Rom, am Grabe des hl. Petrus, am 8. September, dem Fest der
Geburt der allerseligsten Jungfrau Maria, im Jahre 1957, dem neunzehnten
unseres Pontifikats.
PIUS PP. XII
Anmerkungen
1) Hl. Joh. Chrys., De consubstantiali, contra Anomoeos: P.G., 48, 810.
2) Eph. III, 8-9.
3) 1 Petr. I, 18-19.
4) Radiophonicum nuntium Qui arcano, 12. Febr. 1931
AAS. Bd.
XXIII, 1931, S. 65.
5) Enz. Vigilanti cura, 29. Juni 1936:
AAS., Bd. XXVIII
1936, S. 249 ff.
6) Ebd. S. 251.
7) Vgl. AAS., l6. Dezember 1954, Bd. XXVI, 1954, S.
783-724.
8) Vgl. Sermo ad catholicos Hollandiae, 19. Mai 1960:
Ansprachen und Radiobotschaften von Pius XII., Bd. XII, S. 75.
9) Röm X, 16.
10) Mt XXII, 16.
11) Vgl. Sermo ad cultores cinematographicae artis ex Italia Romae congregatos, 21.
Juni 1955:
AAS., Bd. XLVII, 1965, S. 501.
12) Vgl. Mt, XI, 30.
13) Vgl. Sermo ad radiophonicae artis cultorum coetum, d. 5 Maii, a. 1950
ex omnibus Nationibus Romae habitum: Ansprachen und Radiobotschaften von
Pius XII., Bd. XII, S. 54.
14) Röm V, 5.
15) Vgl. Mt V, 48.
16) Litt. Apost. 12. Januar 1951: AAS., Bd. XLV, 1952,
S.
216-217.
17) Vgl. Ebd. S. 216.
18) Mt XIII, 27.
19) Mt XIII, 28.
20) 1 Thess. V, 21-22.
21) Vgl. Sermo, quinto exeunte saeculo ab Angelici obitu, in Aedibus Vaticanis, 20 April 1955: AAS.,
Bd. XLVII, 1955, S. 291-292; Litt. Enc. Musicae
Sacrae, 25. Dezember 1955: AAS., Bd. XLVIII 1956, S. 10.
22) Vgl. Röm 11, 15
23) Sermo ad cultores artis cinematographiinae ex Italia Romae congregatos, 21.
Juni 1955: AAS., Bd. XLVII, 1955, S. 505.
24) S. Thom., Summ. Theol., I, q. 1, a. 9.
25) Vgl. Ebd. I, q. 67, a. 1.
26) Sermo ad sodales Radiophonicae Societatis ltaliae, 3. Dezember 1944:
Ansprachen und Radiobotschaften von Pius XII., Bd. VI, S. 209.
27) Sermo ad Nationum Societatis Consilium publicis ordinandis nuntiis, 24. April 1956:
Ansprachen und Radiobotschaften von Pius XII., Bd. XVIII,
S. 137.
28) Vgl. Joh VIII, 32.
29) Vgl. Nuntius radiophonicus ad christifideles Columbianae Reipublicae, 11. April
1953, cum Statio Radiophonica Sutacentiae inaugurabatur: AAS., Bd. XLV 1953,
S. 294.
30) Enz. Vigilianti cura, 29. Juni 1936
AAS., Bd. XXVIII,
1936, S. 255.
31) Enz. Vigilanti cura: ebd. S. 254.
32) Vgl. Adhortatio de televisione, 1. Januar 1954:
AAS., Bd. XLIV, 1954, S. 21.
33) Sermo ad moderatores, docentes, et cultores Consociationis ex omnibus Nationibus
Institutorum Archaeologiae, Historiae et Artis Historiae, 9. März 1956,:
AAS., Bd. XLVIII, 1956, S. 212.
34) Enz. Vigilanti cura, 29. Juni 1936:
AAS., Bd. XXVIII,
1936, S. 261.
35) Vgl. Sermo ad cinematographicae artis cultores ex Italia Romae congregatos, 21.
Juni 1905:
AAS., Bd. XLVII, 1955, S. 501-502.
36) Vgl. Sermo ad cinematographicae artis cultores, 28.
Oktober 1955, Romae
congregatos: AAS., Bd. XLVII, 1950, S. 817.
37) Vgl. Sermones, 21. Juni und 28. Oktober 1955:
ebd., S. 502-505 und 816 ff.
38) Enz. Vigilanti cura, 29. Juni 1936:
AAS., Bd. XXVIII,
1936, S. 260-261.
39) Vgl. Sermo ad cultores cinematographicae artis ex Italia Romae congregatos, 21.
Juni 1955:
AAS., Bd. XLVII, 1950, S. 512.
40) Enz. Vigilanti cura, 29. Juni 1936:
AAS., Bd. XXVIII, 1936, S. 260.
41) Vgl. Pii XII sermo ad Urbis Parochos sacrosque per Quadragesimae tempus Oratores,
5. März 1957: vide diarium L'Osservatore Romano, 6. März 1957.
42) Vgl. Sermo de arte scaenica, 26. August 1945:
Ansprachen und Radiobotschaften von Pius XII., Bd. VII, S. 157.
43) Mt V, 16.
44) Vgl. Epist. Pii XII ad christifideles Germaniae, ob conventum a
"Katholikentag" appellatum, Berolinum congregatos, 10. August
1952: AAS., Bd. XLIV, 1902, S. 725.
45) Vgl. Sermo, 3. Dezember 1944: Ansprachen und
Radiobotschaften von Pius XII., Bd. VI, S. 209.
46) Vgl. Nuntius radiophonicus ad eos qui interfuerunt tertio generali conventui de
communicationibus inter cives et nationes, sexagesimo volvente anno a
radiotelegraphia inventa, Genuae: AAS., Bd. XLVII, 1955, S.
736.
47) IAC. III, 9-10.
48) Vgl. Sermo Pii XII d. 3 Octobris, a. 1947 quinquagesimo expleto anno ab arte
radiophonica inventa: Ansprachen und Radiobotschaften von Pius XII., Bd. IX,
S. 267.
49) Mk XVI, 15.
50) Vgl. Sermo ad Hollandiae catholicos, 19. Mai 1950:
Ansprachen und Radiobotschaften von Pius XII., Bd. XII, S. 75.
51) Mt X, 41.
52) Vgl. Sermo ad radiophonicae artis cultores conventum ex omnibus Nationibus
participantes: 5. Mai 1950, Ansprachen und Radiobotschaften von Pius XII.,
Bd. XII, S. 50.
53) Gal V, 9.
54) Vgl. Adhortatio Apostolica, de televisione, 1. Januar 1954:
AAS., Bd. XLVI, 1954, S. 23.
55) Vgl. Sermo de gravi televisionis momento, 21. Oktober 1905:
AAS. Bd. XLVII, 1955, S. 777.
56) Vgl. Sermo, 14. September 1956:
AAS., Bd. XLVIII, 1956, S. 707.