Lumen Fidei - page 5

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Jünger der Wahrheit sein, so forsche«.
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Glauben
stehe dem Suchen entgegen. Davon ausgehend
entwickelteNietzsche dann seine Kritik amChris-
tentum, die Reichweite des menschlichen Seins
verringert zu haben, indem es dem Leben Neu-
heit und Abenteuer genommen habe. Demnach
wäre der Glaube gleichsam eine Licht-Illusion,
die unseren Weg als freie Menschen in die Zu-
kunft behindert.
3. In diesem Prozess wurde der Glaube am
Ende mit der Dunkelheit in Verbindung gebracht.
Man meinte, ihn bewahren zu können, einen
Raum für ihn zu finden, um ihm ein Miteinan-
der mit dem Licht der Vernunft zu ermöglichen.
Der Raum für den Glauben öffnete sich da, wo
die Vernunft kein Licht zu bringen vermochte,
wo der Mensch keine Sicherheiten mehr erlangen
konnte. So wurde der Glaube wie ein Sprung ins
Leere verstanden, den wir aus Mangel an Licht
vollziehen, getrieben von einem blinden Gefühl;
oder wie ein subjektives Licht, das vielleicht das
Herz zu erwärmen und einen persönlichen Trost
zu bringen vermag, sich aber nicht den anderen
als objektives und gemeinsames Licht zur Erhel-
lung des Weges anbieten kann. Nach und nach
hat sich jedoch gezeigt, dass das Licht der eigen-
ständigen Vernunft nicht imstande ist, genügend
Klarheit über die Zukunft zu vermitteln; sie ver-
bleibt schließlich in ihrem Dunkel und lässt den
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Brief an Elisabeth Nietzsche vom 11. Juni 1865
, in:
Werke in
drei Bänden
, München 1954, 953f.
1,2,3,4 6,7,8,9,10,11,12,13,14,15,...96
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