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ANSPRACHE VON PAPST BENEDIKT XVI.
AN HERRN JOSEPH TEBAH-KLAH, NEUER BOTSCHAFTER VON ELFENBEINKÜSTE BEIM HEILIGEN STUHL

Freitag, 4. November 2011

 

Herr Botschafter!

Es ist mir eine Freude, Eure Exzellenz anläßlich der Überreichung des Schreibens zu empfangen, mit dem Sie als außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Republik Elfenbeinküste beim Heiligen Stuhl akkreditiert werden. Ich spreche Ihnen meinen Dank für die herzlichen Grüße aus, die Sie im Namen Seiner Exzellenz Dr. Alassane Dramane Ouattara, Präsident der Republik, an mich gerichtet haben. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie ihm im Gegenzug die Wünsche übermitteln, die ich für ihn persönlich und für die Erfüllung seines hohen Amtes im Dienst seines Volkes ausspreche. Zudem bitte ich den Friedensfürsten, daß er ihn in seinen Bemühungen leiten und unterstützen möge, um auf dem Weg zu einem dauerhaften Frieden weiter voranzukommen, damit alle Bewohner der Elfenbeinküste ein ruhiges und würdiges, gelassenes und glückliches Leben führen können. Durch Sie möchte ich das ganze Volk der Elfenbeinküste meiner Freundschaft versichern.

Sie, Herr Botschafter, haben soeben an den festen Willen der Verantwortlichen Ihres Landes erinnert, keine Mühe zu scheuen, um zu eine nationalen Versöhnung und zu einem soliden und wahrhaftigen gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gelangen. In diesem Sinn begrüße ich die Einrichtung der Kommission für Dialog, Wahrheit und Versöhnung. Möge sie rasch vorankommen in ihren Aktivitäten und völlig unparteiisch arbeiten können! Ich habe mit großer Sorge die dramatische Entwicklung der Krise verfolgt, die Ihr Land nach der Wahl durchgemacht hat. Sie hat dem Zusammenhalt der Gesellschaft geschadet und zu den immer noch bestehenden Spaltungen geführt. Möge sich die Elfenbeinküste zum Wohl aller ihrer Einwohner mit Entschlossenheit für den Weg der Eintracht und der Förderung der Menschenwürde einsetzen und zur nationalen Einheit zurückfinden! In Psalm 133 heißt es: »Wie gut und schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen!« (Vers 1). Das ist der Weg der Versöhnung, der eingeschlagen werden muß, denn Afrika und die Welt blicken mit Aufmerksamkeit und Vertrauen auf euch.

Im Gefolge der schweren Krise, die die Elfenbeinküste durchgemacht hat, ist es auch zu schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen und zahlreichen Verlusten von Menschenleben gekommen. Deshalb ermutige ich Ihr Land, alle Initiativen zu fördern, die zu Frieden und Gerechtigkeit führen. Es gilt, ohne Furcht die Verbrechen und alle Verletzungen der Menschenrechte aufzuklären. Nur durch die Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit wird das Zusammenleben möglich und harmonisch sein. Und erreicht wird dieses Zusammenleben durch die Anerkennung und Achtung der unveräußerlichen Rechte des anderen, der tatsächlich ein anderes Ich ist, sowie durch die Anerkennung und Achtung der Unantastbarkeit jedes Menschenlebens. Denn jedes Leben kommt von Gott und ist wegen seines göttlichen Ursprungs unantastbar. Ja, der Verlust eines Menschenlebens, jedes Menschenlebens – ob klein oder groß, reich oder arm – ist immer ein Drama, vor allem dann, wenn der Mensch dafür verantwortlich ist.

Herr Botschafter, ich möchte die Verantwortlichen Ihres Landes dazu ermutigen, entschlossen den Weg einer transparenten und unparteiischen Regierung einzuschlagen, und ich begrüße den Verhaltenskodex für Regierungsmitglieder, der in der ersten Augusthälfte angenommen worden ist. Um das Gemeinwohl zu verwirklichen, braucht es Strenge, Gerechtigkeit und Transparenz bei der öffentlichen Verwaltung des Gemeinwesens. Es obliegt den Politikern, alles zu unternehmen, damit die Reichtümer des Landes in gerechter Weise jedem Bürger zugute kommen.

Wie viele afrikanische Länder kennt auch die Elfenbeinküste eine Vielzahl von Religionen und ethnischen Gruppen. Das ist ein großer Reichtum. Das Zusammenleben muß immer sehnlichst gewünscht und ermutigt werden. So habe ich in meiner ersten Enzyklika gesagt: »Der Staat darf die Religion nicht vorschreiben, sondern muß deren Freiheit und den Frieden der Bekenner verschiedener Religionen untereinander gewährleisten; die Kirche als sozialer Ausdruck des christlichen Glaubens hat ihrerseits ihre Unabhängigkeit und lebt aus dem Glauben heraus ihre Gemeinschaftsform, die der Staat achten muß. Beide Sphären sind unterschieden, aber doch aufeinander bezogen« (Deus caritas est, 28). Dazu ist das gute Funktionieren der Schulen und anderer Erziehungseinrichtungen unerläßlich. Denn was wäre die Zukunft und die Entwicklung einer Nation ohne solide Bildungseinrichtungen, wo die moralischen, intellektuellen, menschlichen und geistlichen Werte gelehrt und gefördert werden? Ich bin sicher, daß dieser Erziehungs- und Bildungsbereich bereits eine der Prioritäten ist, um die Elfenbeinküste von morgen aufzubauen, von der ich mir wünsche, daß sie dynamisch und erfolgreich, friedlich und verantwortungsvoll sein möge.

Die Kirche beteiligt sich ihrerseits mit ihrer spezifischen Prägung an dem Bemühen um den Wiederaufbau. Sie will sich nicht an die Stelle des Staates setzen, kann aber durch ihre zahlreichen Einrichtungen im Erziehungs- und Gesundheitsbereich Hilfe und Seelsorge leisten, und diese Hilfe ist oft nötiger als die materielle, vor allem dann, wenn es die vielen Wunden des Leibes und der Seele zu heilen gilt. Durch Sie, Exzellenz, grüße ich die Bischöfe und die Gläubigen Ihres lieben Landes.

Eure Exzellenz übernehmen jetzt offiziell Ihre Aufgabe beim Heiligen Stuhl. Dies fällt im übrigen mit dem 40. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Ihrem Land und dem Heiligen Stuhl zusammen. Ich spreche Ihnen die besten Wünsche für die erfolgreiche Erfüllung Ihrer Mission aus. Seien Sie gewiß, bei meinen Mitarbeitern stets freundliche Aufmerksamkeit und Verständnis zu finden. Während ich die Fürsprache der Jungfrau Maria anrufe, bitte ich den Herrn, über Sie selbst, über Ihre Familie und über Ihre Mitarbeiter sowie über die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft und die gesamte Bevölkerung der Elfenbeinküste seinen reichen Segen auszugießen.

 



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